Montag, 4. April 2011

JesusHouse 2011 – eine abschließende Auswertung

 Abend vier habe ich nur in der Wiederholung sehen können, und da auch nur die Predigt von Matthias Clausen. An dem Abend war aber Nick Vujicic da (ich hab schon davon erzählt, hier nochmal eines seiner beeindruckenden Videos: http://www.youtube.com/watch?v=a8Cwx2UbTJA).
Abend drei habe ich ganz gesehen, und hier nun meine Einschätzung zum ganzen Event:

  1. Es war ein Event
Man sollte JesusHouse sehen, als was es ist. Es ist kein theologisches Intensivseminar, keine Bibelkonferenz. JesusHouse war ein Event, dazu ausgerichtet, Jugendliche für ein Thema zu sensibilisieren, dass heute in unserer säkularen Gesellschaft gar nicht mehr angesprochen wird, weil es 'Privatsache' ist. Ich denke, dass genau das sehr gut gelungen ist. Es ist und bleibt aber eine einmalige Sache, und Billy Graham selber hat mal gesagt, dass er froh sei, wenn 5% der Menschen wirklich bekehrt wären, die bei ihm nach vorne gepilgert sind. Wichtig ist die Nachsorge in Gemeinden, in denen jetzt die Jugendlichen mit der Fülle von Zeugnissen bekannt gemacht werden, vom Alten Testament ins Neue, wer dieser Jesus ist, das diese Transzendente Macht kein Es, sondern ein jemand ist (wie Matthias auch wortwörtlich einmal sagte) und dann vor allem WER dieser jemand ist. Jesus ist erstmal nichts weiter als ein Name, der von vielen benutzt wird um etwas zu beschreiben. Manche wissen schon viel vom biblischen Jesus, aber nicht genug. Manche benutzen Jesus, um eine kosmische Macht zu beschreiben. Wir – als Evangelikale – benutzen Jesus, um den Mann zu beschreiben, der unser Leben für immer auf den Kopf gestellt hat. Der uns gerettet hat, als er am Kreuz unsere Sünde und den Zorn, der für uns gegolten hat, getragen hat. Das ist unser Jesus. Jetzt gilt es, aus einer Entscheidung auf einem Event eine lebenslange Beziehung zu stricken!
  1. Erwartet nicht zuviel! - wenn ihr selber nicht Teil seid
Ich höre sehr oft, wie Menschen über JesusHouse und ProChrist reden und dabei viele unfreundliche Adjektive in den Mund nehmen. Dabei wundere ich mich immer: Oft kommen diese vernichtenden Urteile von Menschen, die bei JesusHouse gar nicht teilnehmen, deren Gemeinde es von vornherein ablehnen, als solche 'ökumenischen' und 'verflachten' Veranstaltungen teilzunehmen. Man muss nicht mit allem bei JesusHouse übereinstimmen. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt mehr oder weniger christlicher Kirchen, die gemeinsam Jesus verkünden wollen. Dabei mag manches schief gehen, aber wenn sein Wort verkündet wird, verspricht uns doch der souveräne Herrscher dieser Welt, dass es nicht leer zu ihm zurückkehrt? Wie froh bin ich, dass Jesus sich nicht von unserem Grabenkämpfen beeinflussen lässt und mal einen Esel benutzt, um zu sprechen und mal Matthias Clausen. Mal benutzt er den Satz eines kleinen Jungen, der uns zum Nachdenken bringt. Und mal benutzt er die Botschaft eines Pastors aus Seattle, die eine Millionen Mal gedownloaded wird. Wie aber sollen die Dinge, bei denen wir unbiblische Tendenzen sehen, geändert werden, wenn wir in guter separatistischer Manier draußen stehen und nicht heilend und helfend einwirken? Ohne richtend zu sein, ohne hochmütig allen anderen zu verkünden, dass sie die Lehren der Gnade noch gar nicht verstanden haben. Sondern indem wir mit ihm Vorbereitungskreis sitzen, mit den anderen Christen sprechen, unsere Erkenntnisse teilen, anderen den Blick auf manche Dinge schärfen und unseren eigenen Blick schärfen lassen?
Ich denke, dass es von zentraler Bedeutung wäre, wenn auch konservative Evangelikale teilnehmen an dem, was JesusHouse ist: eine Konversation und ein Event, das am Ende Jesus als Ziel hat (in guter 'Emerging Church'-Manier ausgedrückt). Genau das trifft es doch. Wie gerne würde ich auch einige konservative Stimmen vernehmen.
  1. Erweckung war immer eine Gebetsbewegung
Niemals hat eine Erweckung ohne Gebet stattgefunden. Wenn wir wirklich glauben, dass Jesus der Anfänger und Vollender unseres Glaubens ist, dann sollten wir ganz schnell anfangen, dafür zu beten, dass der Heilige Geist seinen vornehmlichen Dienst tut – von Sünde und Gericht überführen – und Jesus seine Herrlichkeit und Schönheit offenbart, dass viele Menschen sich in ihn verlieben. Es wird nicht funktionieren, wenn wir darauf vertrauen, dass Matthias schon gut predigen wird (immerhin lernt er das bei Michael Herbst). Es wird nicht funkionieren, wenn wir sagen, dass die emotionale Atmosphäre die Jugendlichen zu Jesus führt. Es wird nicht funkionieren, wenn wir glauben, dass das Zeugnis von Nick Vujicic an sich so beeindruckend ist, dass sich alle bekehren (und manchmal bin ich gewillt, das zu glauben...). Und vor allem wird es auch nicht funkionieren, wenn wir sagen, dass die Nacharbeit den Rest macht, den Jugendlichen jetzt den intellektuellen Teil der Beziehung mit Jesus klar macht, den emotionalen Teil haben sie ja schon mitbekommen. Viele Jugendliche, die in den letzten Tagen vielleicht sehr spontan, vielleicht nach langem grübeln, einen ersten Schritt auf Jesus zugemacht haben, sollten jetzt mit Gebet begleitet werden. Nicht nur einen Schritt, sondern eine Meile, und gerne danach noch eine weitere. Selbst, wer niemanden kennt, der kann für diese jungen Leute beten, dass sie nah bei Jesus bleiben und ihn immer besser verstehen. Jesus kennt sie alle, mit Namen, hat ihre Herzen gewoben, wie einen Teppich. Ihre Augen mit einer ganz eigenen Farbe angemalt. Er wird wissen, was zutun ist. Aber er lässt sich gerne bitten!
  1. Wir warten vor dem Kreuz
Leider kam mir das Kreuz zu selten vor. Eine einzige Botschaft von vier war auf das Kreuz ausgerichtet; etwas schmächtig für das Zentrum des Christlichen Glaubens, oder? Für nächstes Mal würde ich mir viel mehr Kreuz, viel mehr 'der Mensch als Sünder', vielmehr 'Jesus liebt und obwohl, und nicht weil wir so sind wie wir sind'. Für nächstes Mal viel mehr 'Ihr müsst die kosten abschätzen, die ein Leben mit Jesus mit sich bringt', mehr 'Jesus ist das einzige Floß, an das man sich klammern kann', mehr 'am Kreuz ist die Liebe Gottes sichtbar, und seine Gerechtigkeit!'. Mehr Bibel, mehr Evangelium. Etwas mehr wäre gut, liebes JesusHouse-Organisationsteam. Schiebt es nicht auf die Nacharbeit, stellt euch klar zum biblischen Evangelium!
Danke für die tolle Woche!

Gods bless,

Restless Evangelical

Kommentare:

  1. Was will man erwarten, wenn in einer vorherigen Veranstaltung von JesusHouse ein Prediger ausgeladen wird, der das Evangelium konsequent gepredigt hat? Ein halbes Evangelium zu predigen ist schlimm. Es allerdings in einem derart epischen Ausmaß auszubreiten übersteigt meine "Toleranz". Wer Christus und sein Evangelium liebt, kann diese Veranstaltung nicht gutheißen. Jemanden zu einem Leben mit Christus einzuladen ohne wirklich klarzumachen was es heißt, ist fahrlässig. Christus selbst fordert uns auf die Kosten zu überschlagen. Der Weg zur Ewigkeit ist nicht breit.

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  2. Danke für deinen Kommentar, Peter! Der erste auf meinem Blog warst du ja auch schon. Weiß ja nicht, wer das hier überhaupt liest.
    Drei Anmerkungen zu deinem Kommentar:
    1. Der Prediger, der ausgeladen wurde, wurde von der örtlichen Allianz in Freiburg ausgeladen. Findest du es nicht etwas unfair, das den Organisatoren von JesusHouse Zentral anzurechnen?
    2. Du sagst: "Wer Christus und sein Evangelium liebt, kann diese Veranstaltung nicht gutheißen." Ich hoffe, ich wachse in der Liebe noch dazu, dass ich die Liebe in diesem Satz verstehen kann!
    3. Hast du die Veranstaltung gesehen? Deinen Teil dazu beigetragen, dass es besser wird? Hast du dafür gebetet, gute Nachsorge betrieben? Wann hat deine Gemeinde das letzte Mal einen evangelistischen Abend veranstaltet?

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  3. Schau mal, wenn ein Richter bei seiner Urteilsverkündigung das Gesetzbuch nur ansatzweise gebraucht und es offensichtlich infolgedessen kein gerechtes Urteil fällt, wirst du dann sagen: Wenigstens hat er das Gesetzbuch gebraucht.

    Wenn ein Arzt bei seiner Diagnose nicht sein ganzes erlerntes Wissen anwendet und nur Teile seines Wissens gebraucht und infolgedessen falsche oder halbwahre Diagnosen stellt, wirst du dann sagen: Sein Ansatz ist ja nicht schlecht, so hat der Patient wenigstens eine Ahnung.

    Nun, ein Prediger (und Bruder Clausen gehört zu denen die eine hervorragende Qualifikation vorweisen kann) ist wichtiger als ein Richter, ein Polizist, ein Arzt oder Anwalt. Wenn ein Prediger das Wort Gottes in solch einer Art und Weise "gebraucht", dann kann ich das nicht gutheißen. Wir sind dazu angehalten die ganze Wahrheit zu predigen.

    Wenn ich das Evangelium liebe, kann ich doch nicht gutheißen wenn es beschnitten wird? Wenn du ein Buch magst und dir deswegen auch das Hörbuch kaufst, bist du doch enttäuscht wenn im Hörbuch ein Kapitel fehlt?

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  4. Aber implizierst du damit nicht, dass ich (wenn ich JesusHouse gut heiße) das Evangelium nicht liebe?
    In wie weit wurde denn das Evangelium beschnitten? Weil die Fünf Punkte nicht gelehrt wurden? Weil er nicht gesagt hat, dass man für das Evangelium sterben kann - in Stuttgart ist es glaub ich eher ungewöhnlich, dafür zu sterben, aber mit einem Grünen Ministerpräsendenten!
    Außerdem glaube ich, dass deine Vergleiche nicht passend sind. Matthias hat den Evangelium dargestellt, aber er hat nicht die Institutio vorgelesen. Er hat einen Einblick darein gegeben, von dem C.J. Mahaney sagt, dass ein Christ sein ganzes Leben darüber nachdenken kann, und es nicht völlig verstehen kann.
    Er hat vom Kreuz gesprochen (weniger, als ich das getan hätte, aber er hat es getan!). Er hat von der Liebe Gotte4s gesprochen, die sich am Kreuz offenbart (von der auch Paulus spricht). Für mich wurde das Evangelium durchaus dargestellt. Mark Driscoll schreibt im Vorwort zu Death By Love, dass die verschiedenen christlichen Traditionen eine spezielle Vorliebe zu bestimmten Facetten des Juwels ausbildet haben, das das Kreuz ist! Die reformierte Tradition liebt dabei die Heiligkeit Gottes sehr, und ich bin dafür so danlbar! Mancher Evangelikale von heute liebe die Liebe Gottes mehr, und auch dafür bin ich dankbar. Wenn ich jetzt beide Facetten zusammenführe, habe ich dann nicht ein vollständigeres Bild?
    Wenn ich nicht meinen Teil dazu beitrage, dass die Veranstalltung zu einer immer mehr biblischen Basis kommt, welches Recht habe ich dann, dass zu kritisieren?

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  5. hääää???
    Lieber Marcus,
    wer redet hier von Calvinismus, 5 Punkte, Reformation???
    Auch deine Darstellung, der Calvinismus würde mehr Wert auf Heiligkeit denn auf die Liebe legen, stimmt überhaupt nicht.

    Auch deine Argumentation, wenn man nicht mitgewirkt hat, kann man nicht kritisieren ist (entschuldige) völliger Schwachsinn. Dann dürfte keine Zeitung die Politik kritisieren, weil Redakteure ja keine Politiker sind. Alles was öffentlich vorgetragen wird, darf öffentlich zur Debatte gestellt werden.

    Ich glaube wir haben grundlegende Meinungsverschiedenheiten.

    Der Friede sei mir dir,
    Peter

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  6. Ich rede von Calvinimus. Offensichtlich herrscht eine Diskrepanz zwischen dem Verständnis des Evangeliums, wie es Matthias vorgestellt hat, und dem deinen. Die simple Frage war, in wie weit denn das Evangelium beschnitten wurde, was du ja anmarkerst - und impliziert dabei die Frage, ob du die Vorträge überhaupt gesehen hast.

    ich habe desweiteren gesagt, dass die reformierte Tradition eine gewisse Vorliebe für die Heiligkeit Gottes entwickelt hat. Ich denke, dass sich das bei Paul Washer durchaus ableiten lässt, wenn er sagt, dass es kein Attribut Gottes gibt, dass dreimal wiederholt wird (am Stück) wie die Heiligkeit und dass es der Hauptcharakterzug Gottes ist und man ihn deswegen erstmal verstehen sollte, bevor man sich über die Liebe gedanken macht! Jetzt kann man Argumentieren, wie Reformiert Washer ist.

    Bei JesusHouse verhält es sich außerdem etwas anders als in der Politik. Jede Gemeinde an sich hat eine große Gestaltungsfreiheit, wie die Abende gestaltet werden. Darauf wollte ich hinaus =) Jesus im übrigen verstehe ich da ähnlich, wenn er sagt, dass man erstmal den Balken aus dem eigenen Auge ziehen soll, bevor man den Splitter im Auge des anderen findet!
    Aber das sind nichts weiter als Gedanken zu JesusHouse!

    Beste - meinungsverschiedene Grüße,

    Restless Evangelical

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  7. Lieber Marcus,

    1. was sollte der Grund einer Verpflichtung zur Mitarbeit sein, bevor man etwas kritisieren darf??? Die einzige Voraussetzung eines Urteils, ist eine vorherige ausführliche Beschäftigung mit der Thematik. Wir bilden uns den lieben langen Tag über alles mögliche Urteile, was wir nicht hergestellt, erfunden oder eingerichtet haben. Mit diesem Argument wird immer wieder versucht eine offene Diskussion über ein Thema zu unterdrücken. Konsequent zu Ende gedacht hieße das, man dürfe sich nur über die Dinge Urteile bilden, die man selbst hergestellt ... hat. Das ist doch Schwachsinn! (Ich meine nicht dich, sondern das Argument!) Politiker debattieren über Atomkraftwerke obwohl sie sie nicht erfunden, noch errichtet haben; sie haben sich lediglich (und hoffentlich) damit beschäftigt.
    Zu diesem Zweck habe ich mir drei der Predigten angehört und einige Ausschnitte und Interviews, etc. angesehen. Außerdem kenne ich JesusHouse von früher und außer dem Prediger hat sich jetzt nicht so viel geändert.
    Man kann in den einzelnen Gemeinden das Vor- und Nachprogramm natürlich frei gestalten, aber den Hauptblock kann man nicht ändern; und wenn man ihn nicht zeigen wollte, brauchte man sich auch nicht als Austragunsort anmelden.

    Zum Inhaltlichen:
    Ich finde du diskuttierst gerade mehr mit dir selbst, bzw. deiner Imagination entspringenden Pappkameraden, als auf Peters Argumente einzugehen.

    Peter hat kein Wort von reformiert, usw. erwähnt, sondern angeprangert, dass nicht das Evangelium gepredigt wird (weil es kein halbes Evangelium gibt). Es gibt m.E. kein Evangelium ohne die Botschaft von der Hilflosigkeit, Sündhaftigkeit, Verderbtheit und Schuldigkeit des Menschen! Lässt man das weg, zerstört man das Evangelium. Den Menschen wird nicht mehr gesagt, warum sie Gott brauchen. Wenn Clausen auch gesagt hat, man brauche Gott, dann hat er mehr von Lebensbewältigung als von Rechtfertigung gesprochen.

    Das Problem der meisten heutigen evangelikalen und oberflächlich evangelischen Predigten ist, vor allem, dass die Not des Menschen nicht mehr in seiner Trennung von Gott und seinem verdorbenen, sündigen Herzen gesehen wird, sondern darin, dass er sich selber nicht annehmen kann, dass er sich nicht schön findet, mit seiner Rang unter den Freunden nicht zufrieden ist oder gemobbt wird oder irgendwelche anderen äußerlichen Probleme habe. (Dabei haben die viele diese Probleme gar nicht oder sind davon nicht in dem Maße erdrückt, wie sie die moderne christliche Verkündigung darstellt.) Ihr Problem ist Hochmut, Arroganz, Eitelkeit, Eigenliebe, Ehr- und Anerkennungssucht nicht fehlende Anerkennung.
    Man verdreht den Sinn der Liedstrofe: "Jesus zu dir kann ich so kommen wie ich bin ..." und hat aus dem Blick verloren, dass es hier zuerst um meine Sündhaftigkeit geht und meine Sünden mit denen ich zu Christus kommen kann. Manfred Siebald wollte hier (hoffentlich) wie Christus in Mt 11,28 diejenigen ermutigen, die über der Erkenntnis ihrer Sünde so erschrocken sind, dass sie sich nicht mehr trauen zu Christus zu kommen, weil sie fürchten verdammt zu werden.

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  8. Heutzutage macht man daraus, dass man zu Christus auch mit seinem Ego und seiner ganzen Persönlichkeit kommen könne. So nach dem Motto, wenn ich schon von meinen Freunden nicht genug Anerkennung bekomme oder andere mich in meiner Selbstbemitleidung nicht genügend unterstützen, dann werde ich das schon bei Christus bekommen. Das ist ein Antievangelium!

    Auch von der Gerechtigkeit, Souveränität, Herrlichkeit und Heiligkeit Gottes ist nichts zu hören (oder nur sehr wenig). Man predigt eben das Gesetz nicht mehr (das radikale Gebot eines richtenden Gottes an sündgie Menschen) und hat das Evangelium zu einer Motivationshilfe zur Eigenliebe verstümmelt!

    Dieses biblische Evangelium wurde nicht gepredigt! Da kannst du mir erzählen was du willst. Das Evangelium hat nur insofern etwas mit reformatorisch, etc. zu tun, das es in der Reformation (vor allem und bekanntlich zuerst ganz klar von Luther, den man deshalb auch vor Calvin verstanden haben sollte, aber nicht anstatt ...) in einer sehr reinen und klaren Form wiederentdeckt und dargestellt wurde. Dabei geht es nicht um die Frage wie stark irgendeine Theologie eine bestimmte Eigenschaft Gottes oder einen bestimmt locus der Lehre betont, sondern was die Bibel vom Evangelium sagt. Und kurz zusammengefasst lautet es, wie David in Ps 40,18 sagt:

    "Denn ich bin arm und elend; der Herr aber sorgt für mich. Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott, säume doch nicht!

    Es geht darum, dass der Mensch nichts kann und Gott ihn aus freier Gnade mit allmächtiger Kraft ganz allein und ohne vorherige Aktion des Menschen herausreißt aus dessen Sündennot.

    Von diesen Erkenntnissen aus muss man aber auch all jene ermahnen, die bei JesusHouse vor allem die Rockmusik oder andere Äußerlichkeiten kritiseren um die es nicht geht.

    Fazit:
    1. Auch wenn es ein Event ist, muss man erwarten, dass das Evangelium verkündigt wird, denn das ist Auftrag, Sinn, notwendiges und selbstgestecktes Ziel von JesusHouse.
    2. Auch wenn man selbst nicht mit macht, egal aus welchen Gründen, muss man erwarten dürfen, das Evangelium zu hören.
    3. Wir alle, da hast du sehr recht sollten, egal welche Meinung wir dazu haben dafür beten.
    4. Es sollte das ganze Evangelium verkündigt werden. Mit dem Kreuz und der Auferstehung Christi im Zentrum.

    Die Punkte eins, zwei und vier wurden nicht erfüllt. Obwohl manchmal vom Kreuz geredet wurde, war es nicht deutlich genug und hat bewiesen, dass man auch das Kreuz erwähnen kann ohne das Evangelium zu predigen.

    Herzliche Grüße
    Raphael
    P.S. Es macht mich wirklich sehr traurig so ein Urteil fällen zu müssen, aber die Hl. Schrift sagt dies, nicht ich.
    2. Das bedeutet nicht, dass wir die Leute dort verurteilen, sondern Gott bitten er möge uns über unserer eigenen Sündhaftigkeit, Eigenliebe und Schuldigkeit und der Abscheulichkeit der Sünde noch mehr erschrecken lassen und seine große Gnade rühmen, die sogar mich errettet hat.
    3. Luther lesen! :)

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  9. Wahnsinn, Raphael! Soviel Resonanz habe ich beim besten Willen nicht erwartet! Danke für deine Einsichten, aber lass mich noch darauf antworten – und ich hoffe hier keinen Pappkamaraden zu verbrennen? =)

    1.Es geht mir wirklich nicht so sehr darum, dass man nichts dazu sagen darf, als das es wenig hilft, wenn man nur draußen steht, ohne helfend einzuwirken. Seinen 'Senf' dazugeben darf natürlich jeder und das ist mehr oder weniger begründet und gut. Mir geht es hier aber um diese spezielle Veranstaltung, die von hingegeben Christen geplant und veranstaltet wurde. Wenn wir darin unbiblische Tendenzen sehen, so gibt uns doch die Bibel Anweisung, erst einmal im stillen Kämmerlein mit der Person zu reden?
    Ich meine damit folgendes: Mit Sicherheit (und das habe ich auch in meinem Originalpost geschrieben) gibt es Dinge bei JesusHouse, die mir nicht passen und wo ich Diskrepanz zum Zeugnis der Bibel sehe. Ebenso gibt es Chancen, Möglichkeiten, mit Menschen den biblischen Jesus zu teilen. Sowohl in meinem Originalpost als auch in meinen Kommentaren habe ich nicht gesagt, dass man nicht Urteilen darf. Ich habe gefragt, welches Recht man dazu hat. Und ich habe gesagt, dass man selbst nicht viel erwarten soll, wenn man nichts zu Verbesserung der Situation beigetragen hat. Solche 'Großevangelisationen' – und darauf möchte ich noch einmal hinweisen – bauen entscheidend auf die Nachsorge der 'Entscheider'. Gerade hier ist doch die Chance, Menschen die komplette Fülle des Ratschluses des Herrn deutlich zu machen? Darum geht es mir. Macht es das etwas deutlicher?
    zum Inhaltlichen:
    Ich verstehe nicht genau, wieso ihr euch an dem Wort reformiert aufhängt – ja ICH (!) habe das erwähnt. Dabei habe ich mich mehr oder weniger offensichtlich auf Peters Blog (reformatorisch.heute) bezogen. Bis jetzt habe ich immer noch nicht mehr, als seine Aussage, es wäre ein halbes (bzw. gar kein) Evangelium verkündet worden. Ich habe versucht, durch Spekulation zugegebener Maßen, zu ergründen, wo es – nach Peters Auffassung – gefehlt hat, dass es ein komplettes Evangelium ist. Ich würde gerne darauf antworten, wieso ich doch ein Evangelium in JesusHouse sehe, aber dafür müsste ich den konkreten Punkt sehen, an dem er sich aufhängt.
    Du, Raphael, nennst den nun, und dafür bin ich dankbar! =)
    Lass mich versuchen, darauf zu antworten.
    Was du sagst ist wirklich wahr und hervorragend! Ich sage auch gar nicht, dass das alles verkündet wurde. Ich habe in einem vorigen Blogpost zu JesusHouse (und auch in unserem Gespräch bei dir zuhaus) folgendes als positiv herausgestellt:
    „Ich denke, dass die Stärke von JesusHouse (ähnlich wie ProChrist) ist, den Menschen ein Gefühl, einen Sinn für das Spirituelle/Transzendente zu geben, das existiert, und sie werden das mit dem Namen Jesus verbinden.“
    Ich denke, dass es darum geht. In der säkularen europäischen Gesellschaft einen Sinn für Spiritualität zu wecken, der dann später gefüllt werden muss mit biblischer Lehre! Gehen die Menschen dort gerettet raus? Keine Ahnung! Gut möglich, dass der Heilige Geist in ihnen gewirkt hat! Wissen sie schon alles? Sicher nicht!
    Ich denke, schlicht und ergreifend, dass es sich um eine Chance handelt, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen! Ich habe nicht geschrieben, dass das alles gelehrt wurde – oder? Ich habe vielmehr genau das auch (in eigenen Worten und nicht so sophisticated =)) ausgedrückt. Aber ich sehe eben trotzdem eine Chance zur Nacharbeit darin. Ich sehe eine Möglichkeit, die Menschen für Spiritualität zu interessieren – und weil es sich letztlich eben um eine spirituelle Angelegenheit handelt, kann das als Einstiegspunkt dienen!
    Darum ging es mir, und deswegen sehe ich immernoch eine Chance in JesusHouse.
    Ich hoffe, das antwortet auf deine Einwände in gegebenem Maß?

    Beste Grüße nach Hannover – wann kommt Jörg zu euch?
    Marcus (Restless Evangelical)

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  10. @Raphael
    Vielen Dank für deine Ausführungen. Genau so habe ich es gemeint!

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  11. Hey Marcus,

    erstmal danke für die Ausführungen! Da ich leider nicht die Zeit habe mir die Vorträge anzuhören, konnte ich mir so ein ganz gutes Bild machen.

    Weil ich eben nicht die Vorträge live gesehen habe, will ich auch gar nicht groß urteilen. Vielmehr möchte ich deinen wiederholten Verweis auf die "Spiritualität" ansprechen. Ich weiß, dass das Wort sehr im Trend liegt, aber möchte zuerst einmal feststellen, dass es nicht in der Bibel vorkommt. Es gibt biblisch gesehen keine Art von Spiritualität oder Religion außerhalb von "Sünde des Menschen vergeben durch den gnädigen und liebenden dreieinigen Gott der Bibel". Nirgends kann ich erkennen, dass irgendeiner der biblischen Missionare zuerst versucht die Leute für Spiritualität zu sensibilisieren, bevor er ihnen das Evangelium predigte. Die Sadduzäer waren äußerst säkular - Jesus beschäftigt sich nicht sehr viel mit ihnen, aber wenn, dann ist er direkt und knallhart. Die griechischen Philosophen waren ebenfalls im heutigen Sinne säkular(wenn überhaupt glaubte man dort an einen unbekannten Gott - aber der Horizont der Philosophen und Vordenker war keinesfalls theistisch).. Paulus ist in Athen trotzdem direkt im wahrsten Sinne des Wortes evangelistisch
    Die Taktik "erst ködern - dann nachsorgen" klingt gut und erfolgversprechend - ist aber meines Erachtens nicht biblisch sondern pragmatisch(du kannst mich gerne korrigieren).
    Ich schreibe das alles nicht (nur) um mit dem Finger auf Jesus House zu zeigen. Ich selbst sehe immer wieder, dass ich mir sage: "Redest am besten erstmal mit dem XY so allgemein über Gott - und der Rest (Sünde, Gericht, Kreuz...)kommt eventuell später."
    Glaube kommt aus der Verkündigung - nicht aus einem vorbereiteten Interesse an Spiritualität. Auch wenn ich mir das in aller erster Linie immer wieder selbst sagen muss, gilt das genauso für alle Arten von "evangelikalen" Großveranstaltungen...

    Lieben Gruß in die Liebigstraße,
    Jochen

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  12. Hallo Marcus,

    danke für deine Antwort. Ich schreibe gleich mal hier: Jörgs Vorlesung geht vom 27.06. bis 01.07. über kath. Briefe und Offb; mit Schwepunkt Offb. Wenn du kommen willst kannst du gerne bei uns übernachten. Wird bestimmt super.

    Ach ja, das habe ich ganz vergessen: danke für deine Gedanken zu JesusHouse, die ich grundsätzlich wirklich gut und hilfreich finde. Anfangs habe ich nicht gewusst, von wem der Blog ist und habe mich über die Ausführungen gefreut. Und ja, man darf nicht zu viel erwarten von JesusHouse, aber schon, dass das Evangelium gepredigt wird.

    Ich schließe mich Jochen an. Ich wollte vorhin auch noch schreiben, dass der Eifer der JesusHouseler Zeugen Jesu Christi zu sein mich beschämt, da mir dieser Eifer oft fehlt und ich bitten muss, viel mehr in der Richtung aktiv zu werden.

    Herzliche Grüße
    Raphael

    P.S. Schön, dass du fröhlich mit über die Sache diskuttierst und dich nicht gleich angegriffen fühlst. Dann macht das Gespräch mehr Freude und ist ertragreicher.

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  13. Danke Jochen, für die Anregungen. Darüber will ich gerne noch weiter nachlesen.
    Aber einmal soviel:
    Du selbst erwähnt Paulus' Rede auf dem Areopag; ich hab sie daraufhin nochmal gelesen, und ich denke nicht, dass er wirklich 'in Athen trotzdem direkt im wahrsten Sinne des Wortes evangelistisch' ist. Nicht einmal spricht er vom Kreuz. Nicht einmal spricht er von der Verdorbenheit der Menschen. Er spricht vom Gericht Gottes, und das ist auch gut so. Aber wenn man sich bedenkt, dass es Epikuräer und Stoiker waren, die ihm zuhörten - glaubst du wirklich, dass sie ein Sündenverständnis im biblischen Sinne hatten?
    Gerade hier sieht man - jedenfalls soweit ich das sehen kann bis jetzt - dass Paulus auf ein gewisses spirituelles Gefühl anspricht.
    Weiter denke ich, dass die Missionsstrategie von Paulus, erst in die Synagoge zu gehen und erst später in andere Teile der Stadt, durchaus in die Richtung geht, weil er bei Juden in der Stadt eben schon von einer gewissen Spiritualität ausgehen konnte, die nur weiter unterfüttert werden musst mit dem gekommenen Messias! Und denkst du, dass das zuweit hergeholt ist?
    Auch Tim Keller's 'Reason for God' geht doch in die Richtung, wenn er den kompletten ersten Teil dem widmet, auf kritische Anfragen an den christlichen Glauben einzugehen und erst später - im zweiten Teil - den Glauben erklärt?

    Soviel vorerst!

    Raphael: das passt mir gut, ich werds mir auf jedenfall überlegen! =)

    Beste Grüße,

    Marcus (Restless Evangelical)

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