Montag, 25. April 2011

Pietismus und Orthodoxy

Ein paar Tage lang gab es in der reformierten Blogo-sphere in Amerika eine kleine Diskussion um den Unterschied zwischen orthodoxen - meint bekenntnistreuen - Gemeinden auf der ein Seite und Pietismus auf der anderen. Es war soweit eine interessante Debatte, weil die Sicht der reformierten Orthodoxie sehr gut rübergekommen ist, die Seite des Pietismus leider wenig repräsentiert war.
Lesbar ist das ganze allemal!
Kevin DeYoung hat auf seinem Blog eine Zusammenfassung der Blogposts aufgeschrieben.
Mir ist in Kevins erstem Post ein Absatz besonders ins Auge gefallen, und den wollte ich hier noch einmal aufgreifen:

"I want a confessionalism that believes in Spirit-given revival, welcomes deep affections, affirms truth-driven experience, and understands that the best creeds should result in the best deeds. I want a confessionalism that believes in the institutional church and expects our Christian faith to impact what we do in the world and how we do it. I want a confessionalism that is not ashamed to speak of conversion—dramatic conversion for some, unnoticed conversion for many."  (Quelle: here)


Ich war deswegen begeistert, weil ich mit dem gewissen Kribbeln den Artikel von Kevin gelesen habe. Ich mag seinen Blog und seine Einsichten. Er ist ein hevorragender und rundum 'gesunder' Theologe. Ich habe aber ein wenig befürchtet, er würde in seinem Artikel die Pietistischen Errungenschaften auf der postiven Seite völlig verleugnen bzw. negieren. Und genau das hat er nicht getan. Er macht auf die Fehler aufmerksam, die aus dem Emotionalismus der Pietisten resuliteren können. Genauso macht er aber auch auf die guten reformatorischen Grundsätze aufmerksam, auf denen bspw. Spener stand. Und zeigt auf, in wie weit der Pietismus auch einen guten Einfluss auf unser Glaubensleben haben kann und sollte.
Die prinzipielle Ablehnung von Erfahrungen innerhalb der Reise auf dem Weg zu Jesus halte ich für eine andere Seite des Pferdes, von dem man fallen kann.
Eine Kirche, die in sich ruht, sich ihrer Erwählung und gesunden Theologie freut, und keinen Einfluss auf ihre unchristliche Umgebung hat, halte ich für eine Zielverfehlung. Eine missionale Gemeinde, wie wir sie in der Apostelgeschichte sehen können (in der es gerade am Anfang immer wieder heißt, dass die Gläubigen von vielen gut angesehen waren) ist immer eine Gemeinde, die einen positiven Einfluss auf ihre Umgebung hat.


Wenn wir durch unsere Lehre den Menschen ihre Sündhaftigkeit vor Augen führen, dann kommen wir dabei nur einem Teil unseres Auftrages in dieser Welt nach. Jesus is more than a savior - sagt Francis Chan und dabei gebe ich ihm völlig recht!
Dabei sollten unsere Erfahrung, unsere Emotionen und unser sozialer Einsatz niemals die Messlatte für unsere Theologie sein. Aber unsere Theologie sollte uns dazu führen, gnädig zu sein mit einer Welt, die in keiner Weise schlechter ist als wir selbst. Unsere Theologie sollte uns dazu führen, Gerechtigkeit in einer Welt zu schaffen, die für Gerechtigkeit geschaffen wurde, aber von der Ungerechtigkeit entstellt ist!
Ich will dabei nicht soziales Engagement mit Pietismus gleichsetzen - aber eine Theologie, die aus der Bibel kommt und sich in Erfahrungen erfahrbar macht, führt - denke ich - zu einem aktiven Leben in der Imitatio Christi.


Gods Bless,
Restless Evangelical

P.S. Den englischen Term 'Confessionalism' mit Orthodoxie zu übersetzen, ist natürlich nicht optimal! Fällt jemandem etwas besseres ein?

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