Dienstag, 26. April 2011

Predigen oder Toiletten putzen?

Ich habe vor einigen Wochen schon bei Facebook einen Artikel gepostet, aber ich will hier nochmal drauf eingehen, weil er mir sehr beeindruckt hat.
Ich spreche von dem Artikel: Should a Pastor preach or clean toiletts?
Ich finde die Frage schon alleine so wichtig, weil jeder - gerade die, die in den vollzeitlichen Dienst gehen wollen - sich diese Frage mal stellen sollten. Als ich mir diese Eingangsfrage damals gestellt habe, habe ich mir gleich gedacht, wodrauf der Artikel hinaus will. Natürlich sollen Pastoren Toiletten putzen! - Alles zur Ehre Gottes. Aber dann habe ich mich gefragt: Ist das wirklich, was ich denke? Als Pastor, will ich wirklich Toiletten putzen? Oder ist vielleicht in mir drin sehr wohl das Ego, das mir immer wieder einflüstert, dass die Welt nur darauf wartet, dass ich predige, um sich erlösen zu lassen?
Um einen wirklich segensreichen Dienst in seinem Leben zu erleben, sollte man als erstes seine eigene Rolle bewusst machen. Als Prediger, als Gemeindeleiter, als Älteste, als Jugendleiter, als Theologen (evtl in spe) sind wir nichts, weiter als Bettler, wie Luther es ausdrückte. Es ist nicht unsere Aufgabe, der am Boden liegenden Christenheit neues Leben einzuhauchen. Es ist nicht unsere Aufgabe, die großen geistlichen Helden unserer Generation zu werden. Unsere Aufgabe ist in erster Linie, im Kleinen treu zu sein.
Francis Chan fragt einmal in einer Predigt, ob Jesus auch unter Role-Model ist. Wollen wir wirklich so demütig werden, wie Jesus? Wollen wir vor unseren Freunden (und Feinden) auf die Knie gehen und ihnen die dreckigen, schwieligen Füße waschen?
In dem Artikel geht der Autor aber noch weiter. Er fordert uns nicht nur auf, als erstes Bettler zu werden um des Evangeliums willen.
Er schreibt:

"God pierced my heart one day as I was cleaning the bathrooms in our church (with a bad attitude) and helped me realize if I was not willing to serve Christ in this way, I was not worthy to have the most public, visible, and high profile role in the church in preaching God’s Word."

Wenn man auf den Dienst von Georg Müller zurücksieht, den Einfluss, den er hat - auch noch viele Jahre nach seinem Tod, dann will doch jeder von uns so sein wie er? Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich auch so gelebt! Wenn ich wirklich sicher sein könnte, dass Jesus mich dann am Ende aus dem Staub erhebt, na dann werfe ich mein Leben auch ruhig weg! Ich weiß nicht, ob es euch so geht. Aber mir geht es so, wenn ich mich selber prüfe und wirklich meine Beweggründe für vieles überprüfe. Aber das sollte doch nicht unsere Motivation sein! Jesus selbst sagt zwar, dass der groß sein wird, der hier auf der Erde Diener ist (Markus 10,43). Doch unsere Motivation dabei sollte nicht sein, dass wir groß sein wollen! Ich glaube, wir hätten Jesus dann falsch verstanden. Wir sollten uns als das verstehen, was wir sind: Elende Sünder, die nur durch die erstaunliche Gnade eines unendlich liebevollen Gottes gerettet sind.
Wenn diese Wahrheit mir aus dem Kopf, dem Verstand, der diese Wahrheit aus der Bibel aufnimmt, in mein Herz rutscht und beginnt, meine Gefühle zu bestimmen, dann sehe ich nicht auf die dreckigen Toiletten in meiner Gemeinde herunter und sage: Dafür habe ich nicht 5 Jahre lang Bücher gewälzt!
Wenn du - wo du stehst, wo Jesus dich perfekt positioniert hat um einen unermeßlichen Einfluss auf deine Umwelt auszuüben - Jesus dadurch am meisten ehrst, dass die Toiletten sauber sind, dann solltest du besser ganz schnell auf die Knie gehn, mit der Klobürste in der einen und einem Wischlappen in der anderen und mit ganzem Einsatz deinen Dienst tun! - und wenn ich hier in der zweiten Person schreibe, dann meine ich natürlich wir, dann meine ich in erster Linie ebenso mich wie euch!
Ich will nicht sagen, dass wir uns selber geißeln, demütigen müssen, um wirklich heilig zu sein! Aber wir sollten uns nicht für heiliger, besser, wichtiger halten, als wir sind! Wir sind auf dieser Erde Teil der Missio Dei und manchmal ist unser Teil darin eben, dass wir Toiletten putzen! Aber ist es nicht em Ende eine unaussprechliche Freude, zu wissen, dass Jesus uns teilhaben lässt an dem, was er mit dieser Welt vorhat? Ist es nicht eine unendliche Ehre, für ihn zu arbeiten? Ist es nicht - unter diesem Aspekt betrachtet - Freude Toiletten zu putzen?


Gods Bless,

Restless Evangelical

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