Sonntag, 29. Mai 2011

World of Pulpit Nr. 2 - ein Online Predigt Gathering

John Piper - Is Jesus an Egomaniac?

Nummer zwei meiner Reihe über Predigten, die mich bewegen und beeinflussen.
Nachdem die Predigt von letzter Woche eher 'entertaining' war, auch wenn sie eine wunderbare Wahrheit deutlich gemacht habe, will ich heute auf die Predigt eingehen, die ich wahrscheinlich am öftesten weiterempfohlen habe. Als Transskript gibt es die Predigt hier auf Desiring God.
Als Video kann man sie sich hier ansehen, downloaden nur, wenn man sich anmeldet.

Diese Predigt hat Piper im Rahmen einer Passion Conference gehalten (gleiche Location wie letzte Woche - Zufall? =)). Und zwar 2010. Ich habe noch keine Predigt gefunden, die das Prinzip des christlichen Hedonismus deutlicher macht als diese Predigt. Ich kann ja nicht jedem Desiring God in die Hand drücken, und trotzdem liegt mehr Sprengkraft in dem Satz 'God is most glorified in you, when you are most satisfied in him' als in irgendeiner anderen Idee.

Die Zitate aus der Predigt in meine Gedanken dazu:

1. "Self-forgetfulness in the presence of greatness is the capstone of joy!"
Als Menschen gehen wir durch diese Welt auf der Suche nach Erfüllung der Sehnsucht, die in uns liegt. Das ist kein Wunder, denn wir wurden dafür geschaffen, anzubeten. Aus diesem Grund suchen wir uns immer etwas, dass wir in unserem Herzen anbeten können. Ich merke das immer wieder in meinem Leben, dass ich auch als Christ immer wieder nach Dingen suche, die mein Herz erfüllen können abseits von Jesus.
In der Systematischen Theologie kann man auf den 'Eudämonologischen Gottesbeweis' stoßen. Darin geht es um den Rückkehrschluss, dass man aus dem Wunsch nach Freude in uns darauf schließen kann, dass es eine Quelle der Freude geben muss, die außerhalb von uns liegt - und das ist Gott.
Wie unser Dozent in Fundamentaltheologie letztes Semester sagte, ist es arrogant und vermessen von Menschen, zu denken, wir könnten mit unserem winzigen Verstand Gott beweisen. Aber wir können Hinweise auf ihn finden. Und ich denke, dass dieser Hinweis einer der stärksten ist.
Aus irgendeinem Grund gibt es eine Sehnsucht in uns, glücklich zu sein. Aber wir werden niemals ganz erfüllt, unsere 'Idole' kommen irgendwann an ihre Grenzen und dann suchen wir nach etwas neuem, dass uns erfüllen kann. Aber am Ende wird auch das zu seinem Ende kommen - und dann? Tim Keller sagt, dass wir als Menschen mit einem natürlichen Wunsch nach Bedeutung geboren werden. Wir wollen in dieser Welt etwas bedeuten und daraus unser Glück und am Ende unsere Lebensberechtigung ziehen.
Unsere Erfahrung zeigt aber, dass wir diese Bedeutung nicht einfach finden. Die wenigsten Menschen werden zu einem Rockstar oder erfolgreichen Politiker. Zu den wenigsten Menschen gucken die Massen auf.
Und die Geschicht zeigt uns, dass auch bei solchen Menschen das Bedürfnis nach Bedeutung nicht gestillt ist. Marilyn Monroe und Kurt Kobain sind da nur zwei Beispiele.
Wo also finden wie Glück und am Ende Bedeutung? Wo finden wir Erfüllung?
Piper plädiert in dieser Predigt darauf, dass wir diese Erfüllung nur finden können, wenn wir uns selbst vergessen, weil etwas größeres uns umgibt und erfüllt. Wenn wir in der Gegenwart von etwas gewichtigem stehen, dann sind wir erfüllt.
Wir erkennen das ja auch im eigenen Leben. Wenn wir eine neue Arbeitstelle antreten, die uns Macht verschafft, dann erfüllt uns das (wenigstens für kurze Zeit). Wenn wir mit dem Auto 240 Km/h über die (in Deutschland noch unbegrenzten) Autobahnen rasen, dann erfüllt das vielleicht manche mit Angst (verständlicher Weise...). Aber viele werden von der Geschwindigkeit, dem, was größer ist als sie, außerhalb von sich selbst, in seinen Bann gerissen und erfüllt von der Idee, dem Ereignis, der Gegenwart von etwas, was über uns selbst hinausreicht.
Das Problem mit diesen Dingen ist nur, dass sie immer irgendwann zuende sind. Spätestens mit unserem Tod (der bei dem Autobahn-Beispiel eher früher als später eintreten kann ;-) ).
In Gott finden wir den, für den wir und auf den zu wir geschaffen sind, den der alle Sehnsüchte stillt. Er ist die größte Existenz, die über uns selbst hinausragt und der Einzige, was uns niemals enttäuschen kann, weil er allen Ansprüchen gerecht wird!
Und am Ende finden wir auch genau dort unsere Bedeutung. Wie Tim Keller es griffig formuliert hat: Ich uns selbst sind wir sündiger, als wir jemals geglaubt hätten, ABER (!) in Christus sind wir geliebter, als wir jemals zu hoffen gewagt hätten! (irgendwie klingt das in englisch griffiger).
Unsere Bedeutung, unser Ziel und unsere Herkunft liegt in der Beziehung mit dem gekreuzigten und auferstandenen, souveränen und allmächtigen, heiligen und liebevollen, missionalen und überragenden Jesus!

2. "You were not made to be somebody! You were made to know somebody and be thrilled at knowing the greatest person in the World - als your Friend!"
Manchmal stört mich die Selbstfindungsliebe in den evanglikalen Gemeinden. Ich meine, es ist gut, sich selbst zu kennen und auf seine eigene Persönlichkeit aufbauen zu können. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir in uns selbst keine Antworten auf die Fragen finden, die uns umtreiben. Das liegt nämlich genau darin, dass wir ganz nicht zu unserem eigenen Selbstzweck geschaffen wurden. Wir wurden nicht geschaffen, um uns an uns selbst und in uns selbst zu freuen. Deswegen werden wir auch am Ende keine Erfüllung finden, wenn wir uns ständig selber reflektieren und selbst annehmen und selbst kennenlernen. 'Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist...' sagt die Bibel gleich am Anfang. Und zeigt damit, dass der Mensch schon in seier Schöpfung zur Beziehung geschaffen wurde. Deswegen suchen wir uns immer Freunde, Menschen mit denen wir uns austauschen können. Es gibt nur wenige (wenn überhaupt) die ohne Kontaktpunkte mit anderen Menschen auskommen können und wenn, dann ist das nicht gesund. Wir wünschen uns, von anderen Menschen angenommen, gelobt und auch geliebt und gekannt zu werden. Und vielleicht schaffe ich es irgendwann, mich auch an der konstruktiven Kritik von anderen an mir und meinem Verhalten zu freuen.
Jetzt liegt das Problem aber darin, das wir nicht perfekt sind und einander immer verletzen werden. Meistens unbeabsichtigt, oft so, dass es uns später leid tut und manchmal leider auch so, dass wir nicht einsichtig sind. Aber deswegen zerbrechen Freundschaften und auch Beziehungen - weil wir denken, dass die Freundschaften mit anderen Sündern uns erfüllen müssen und wir neue erfüllende Beziehungen suchen, wenn sie alten uns verletzt haben.
Das ist nur natürlich, weil wir nicht dazu geschaffen wurden, in anderen Sündern Erfüllung zu finden oder anderen Menschen Erfüllung zu bieten. Wir wurden nicht geschaffen, eine 'outstanding personality' zu sein. Wir wurden nicht geschaffen, um Leute zu beeindrucken und von allen angesehen und angehimmelt zu werden. Wir wurden geschaffen, um anzuhimmeln und nur einen, der den Himmel geschaffen hat und im Himmel lebt - Jesus, die aufregendste Persönlichkeit, die jemals gelebt hat. Wir wurden geschaffen, um ihn zu kennen. Und ihn unseren Freund nennen zu kennen.
Das bedeutet, dass wir Freundschaften suchen sollen und sie als ein Abbild unserer Freundschaft mit dem Himmelsstürmer zu leben und trotzdem zu wissen, dass jede Verletzung aus unserer sündigen Natur kommt und geheilt wird von dem, der alle unsere Schmerzen ertragen hat und uns niemals Schmerzen zugefügt hat.

Gods Bless,

Restless Evangelical

Samstag, 28. Mai 2011

Jesus kommt wieder --- Früher oder Später... Nr. 1

Es wurde schin einiges in der Blogosphere über harold Camping geschrieben und seine Ankündigung, Jesus würde am 21. Mai wiederkommen (bzw. das er geistlich wiedergekommen wäre).
Ich will mich nicht einreihen in die Gruppe von Bloggern, die diesen verwirrten alten Mann verurteilen, aber durch seine Medienwirksame Kampagne (die ich nicht gut heißen will!) ist trotzdem ein paar gute Blogposts entstanden, die sich mit dem Weltende und unserem Umgang damit beschäftigen.
Zwei Stück will ich gerne vorstellen.

Es erstes Ed Stetzer...

Dieser Artikel ist wirklich wert, gelesen zu werden und zu verinnerlichen. Nicht, weil Ed klare Worte über die 'Prophetie' von Camping findet, sondern weil man in dem Blogpost das 'Missional Manifesto' in Aktion sieht.
Ich finde, dass es ein hervorragendes Zeugnis ist, dass Ed während dieses Blogpost in China tut was er eben in China tut (und auch hier die Bitte, keine Kommentare schreiben, die diesen Ausdruck spezifizieren).
Was wäre, wenn Jesus wiedergekommen wäre am 21. Mai? Hätten wir irgendetwas anders gemacht? Irgendetwas anders machen wollen? Wie hätte unser Leben ausgesehen, wenn die Bibel wirklich beweisen würde, dass ein bestimmtes Datum der Zeitpunkt von Jesu' Wiederkunft ist?
Ich denke, dass ist eines der großen Geheimnisse der Parusie Jesu. Wir wissen weder Tag noch Stunde. Und gerade deswegen sollen wir jeden Tag zu leben, als könnte Jesus genau dann wiederkommen. Wir sollen nicht nur beschäftigt aussehen, wir sollen beschäftigt sein. Alle Hände voll zutun für das Königreich Jesu, das 'Schon jetzt' ist und in freudiger Erwartung auf die Vollendung des Königreichs, das 'Noch nicht' ist.

Mehrere Male bin ich in letzter Zeit über das Zitat gestolpert, das Martin Luther zugeschrieben wird: "Wenn morgen die Welt unterginge, dann würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen."
Ich habe mich lange Zeit über diesen Spruch geärgert. Nicht, weil ich den Sinn dahinter nicht verstehen würde oder ihn sogar ablehnen würde. Es erschien mir nur irgendwie unsinnig. Wenn wir morgen zum neuen Jerusalem gebeamt würden, dann brauche ich doch heute kein Apfelbaum mehr zu pflanzen? Sollte ich meine Zeit dann nicht nutzen, um sovielen Menschen wie möglich von Jesus zu erzählen, als einen Baum zu pflanzen in einer Schöpfung, die morgen vergeht?
Ich glaube durch diesen Blogpost von Ed bin ich dem Mysterium dieses Satzes ein Stückchen näher gekommen. Unsere Aufgabe ist es tatsächlich so zu leben, als würde Jesus morgen (oder heute) wiederkommen. Wenn dann also nur 'Evangelistik' zählen würde, dann sollten wir unsere Zeit nicht mit dem schreiben von Blogs verschwenden oder mit Eine 'GeoEpoche' zum Thema Mafia, die auf meinem Nachttisch liegt. Dann sollten wir nicht Apfelbäumchen pflanzen, ein Hausbauen und für die Zukunft vorsorgen - oder?
Ich denke schon, weil ich denke, dass in der Missio Dei mehr liegt, als 'nur' die Evangelistik, als 'nur' die Missionlogie. Gottes Mission in dieser Welt ist ganzheitlich und wir dürfen Teil davon sein.
Das bedeutet jetzt im Umkehrschluss nicht, dass ich ein Apfelbäumchen pflanzen der gleichen Priorität zuordnen würde wie anderen Menschen das Evangelium zu erzählen. Das wäre fatal. Die Mission Gottes, die eine Kirche in dieser Welt hat, ist vor allem die Versöhnung verlorener Sünder mit einem heiligen, unendliche liebevollen und gottzentrierten Gott.

Soviel für heute,

Gods Bless,

Restless Evangelical

„Es ist dir gesagt, was gut ist...“

Ein Gespräch über Theologie zwischen John Piper und Rick Warren
 
Als John Piper bekannt machte, dass einer der Redner auf der Desiring God National Conference Rick Warren sein würde, glich es einem kleinen Skandal. Die Boulevardpresse der Neuzeit (Blogs, Facebook und Twitter) haben sich darauf gestürzt und hoch und runter diskutiert, ob das nun ein gutes Zeichen für Rick Warrens oder ein schlechtes Zeichen für John Pipers Geisteszustand ist.

John Piper hat damals in einem Videogesagt, dass man schon starke Argumente bräuchte, damit er sich wegen dieser Entscheidung schlecht fühlen sollte.
Schon damals kündigte Piper an, dass er Warren näher an der 'Reformierten Theologie'* verorten würde, als es von den meisten Theologen im Lager der 'New Calvinists' getan wurde. Piper wollte das falsifizieren, indem er ein Gespräch abhalten wollte zwischen ihm und Warren über einige Punkte 'Neu-Reformierter' Theologie wie die Fünf Punkte des Calvinismus', 'The Weight of Glory' und das Zentrum des Evangeliums.
Leider konnte dieses interessante Anliegen damals nicht durchgeführt werden, weil Warren durch einige familiäre Hindernisse nicht zur Konferenz kommen konnte und nur eine Videobotschaft abspielen ließ.
Umso glücklicher bin ich jetzt, dass dieses Gespräch im Rahmen der Local Conference von DG nachgeholt wurde und bei DG.com kostenlos zu sehen ist.
Ich hab es mir heute einmal angesehen und will an diesem Punkt mal meine Gedanken zum Ausdruck bringen. Dabei will ich auf Zitate Warrens während des Gespräches eingehen und sagen, was ich dazu denke.

  1. An einer Stelle sagt Warren, dass auch wenn Gott nichts weiter für uns getan hätte, als Jesus sterben zu lassen für unsere Sünden, das Kreuz immer noch Grund genug wäre, ihn in Ewigkeit anzubeten! Ich gebe zu, dass mich diese Aussage wirklich bewegt hat. Oft machen wir Jesus so klein; wir bekennen uns zu seiner Selbstzentriertheit, zum 'Christlichen Hedonismus'; wir verstehen, dass wir geschaffen sind zur Ehre Gottes und unser Leben diesem Ziel dient – aber wir leben es nicht, wenn niemand mehr zusieht, außer Jesus. Wenn ich mit ihm Rede in meiner Stillen Zeit, dann sind meine Wünsche an ihn immer größer, als mein Dank, als meine Anbetung. Die Gedanken, die mich dann oft treiben, sind nicht die Ehre Gottes, sondern mein Wohlbefinden, meine 'Mir würde es besser gehen, wenn ich jetzt das eine noch hätte'-Einstellung.
    Doch Warren (und Piper natürlich) stellen dem einen kreuz-zentrierten Lebensstil entgegen. Gott wird nicht dadurch anbetungswürdig, dass er uns gibt, was wir wollen. Gott ist deswegen anbetungswürdig, weil er ist, wie er ist. Sein innerstes Wesen hat das Kreuz möglich gemacht. Durch die drei Zentralen Eigenschaften seines Wesen – die Gottzentriertheit, die Heiligkeit und die Liebe zu den Menschen, steht das Kreuz auf Ewigkeit, sodass wir aufschauen können um Jesus zu sehen und immer wieder Jesus. Seine Gottzentriertheit ist der Ursprung seines Plans – denn seine Heiligkeit hat das Kreuz nötig gemacht, aber seine Liebe hat es möglich gemacht.
    Ich denke, dass es eine Lebensaufgabe ist, diese drei Dinge in die richtige Balance zu bekommen und zu verstehen, wie sie unser Leben schärfen sollten dahin, dass wir immer Gottzentrierter, Liebevoller und Heiliger werden, immer mehr wie er und immer dahin wachsen, dass er durch unser Leben verherrlicht wird zu unserer Freude. Dieser Gedanke ist so groß, dass wir ihn niemals ganz begreifen, ganz umgreifen können.
    So what? Das wissen wir ja, wenn wir Desiring God gelesen haben?! Wofür brauchen wir Warren?! Lasst mich eine praktische Anwendung dieses Gedankens geben: Wann hast du das letzte Mal dein Herz so gedemütigt in die gespürt und Jesus nur noch dafür gedankt, dass er für dich am Kreuz verblutet ist? Ich meine nicht die einstudierten Strophen eines Lobpreisliedes im Gottesdienst: I thank you for the cross, I thank you for the corss, my friend... Ich meine die innerste Dankbarkeit dafür, dass Jesus nichts in dir gesehen hat, was es würdig wäre zu retten und trotzdem hat er in den Schlamm gegriffen und dich herausgezogen. Nicht nur reingegriffen – er ist zum Schlamm geworden. Piper sagt das in einem Predigtausschnitt mal sehr beeindruckend: „Gott guckt nicht auf einem schuldigen Sünder im Gerichtssaal und ist ihm gnädig. Er sieht auf den schuldigen Sünder und sagt: Du bist unschuldig!“
  2. Piper und Warren reden auch über den PEACE Plan von Rick Warren. PEACE ist setzt sich aus den Anfangbuchstaben folgender Aufträge zusammen:
                     P – Promote Reconciliation (Versöhnung üben)
                     E – Equip Servant Leaders (Dienende Leiter ausrüsten)
                    A – Assist the Poor (Den Armen zur Seite stehen)
                    C – Care for the sick (Sich um die Kranken kümmern)
                    E – Educate the next generation (Die nächste Generation ausbilden)
    Für dieses Anliegen wurde Warren oft kritisiert. Piper und Warren gehen in ihrem Gespräch kurz darauf ein und bringen zu Sprache, dass dieser Plan den Glauben und das Dogma nicht auflösen, er wird davon gespeist. Was ich daraus verstehe ist folgendes: Dieser Plan dient nicht der Evangelisation, aber er hebelt sie auch nicht aus. Dadurch, dass wir Teil werden an der Missio Dei kommen wir in den Kontakt mit den Armen und den Kranken. Ein Herz, in dem der Jesus des Lukas-Evangeliums lebt, der seinen kurzen Dienst auf der Erde damit verbraucht hat, unter den Armen und Ausgestoßenen zu wirken, kann nicht über das Leid anderer hinwegsehen und mit kalter Genugtuung sagen, dass es nicht unser Auftrag ist, diese Welt zu verändern. Ich denke: Wenn das unser Auftrag wäre, dann wären wir zum scheitern verurteilt. Wenn wir die Welt verändern könnten, dann hätte Jesus nicht sterben müssen. Aber nun lebt der Auferstandenen Christus in uns und durch ihn – in dem er, der Vater und der Heilige Geist uns senden – nehmen wir Teil an seiner Mission der Gerechtigkeit. Gott liebt Gerechtigkeit – und wir sollten lieben, was er liebt. Dieser PEACE Plan ist niemals dazu erdacht worden, den Glauben abzuschaffen oder klein zu reden. Es geht nicht darum, dass es keine Missionare mehr braucht, die das Evangelium an alle Völker verkünden; es geht darum, dass wir nicht tatlos rumstehen dürfen, wenn Unrecht neben uns geschieht, weil wir die Gnade empfangen haben und sicher sind, dass sie unablehnbar ist. Oder weil wir in gönnerhafter Herablassung denken, dass die anderen doch nur die Entscheidung treffen müssen, die wir treffen – für Jesus und gegen die Sünde. Dann ginge es ihnen gut. Wir können nicht passiv bleiben, denn Gott ist ein aktiver Gott und er verändert unsere Passivität, zu der wir durch unsere Sünde verdammt waren, in heilige Aktivität.

  1. Warren lehnt in dem Video das Label 'Calvinist' ausdrücklich ab. Das tut er aber auf Nachfrage Pipers nicht, weil er mit der Lehre die dahinter steckt, nicht übereinstimmen würde. Er tut es, weil er die gedanklichen Verbindungen, die mit diesem Begriff verbunden werden, nicht mit sich identifizieren will. Vielleicht sollte man ihm mal das Buch 'Young, Restless, Reformed' in die Hand drücken und ihm die De-frozen Chosen zeigen. Was er aber sagt, ist sehr deutlich und für jeden, der an die Lehren der Gnade glaubt, ein wichtiger Fingerzeig: „I would wish, that those, who believe in the doctrines of grace would be more gracious.“ [Ich würde mir wünschen, dass diejenigen, die an die Lehren der Gnade glauben, gnädiger wären.]
    Als ich mich letztens mit einem Freund unterhalten habe, der selber Calvinist ist, ging es darum, dass Arminianer manchmal gerne schießen gegen das 'calvinistische' Gottesbild. 'Ich kann nicht in einen Gott glauben der...', 'Was für eine Liebe ist denn das?'; 'Das ist ja ein schreckliches, grauenhaftes Gottesbild!'. Als ich das erwähnte und ich im Begriff war, mich da hineinzusteigern, sagte mein guter Freund etwas sehr weises: „Oh ich bin sicher, dass die Calvinisten meistens nicht lange zögern, selbst zu schießen.“ Es steckt viel Selbstreflexion in diesem Satz.
    Mir ist noch immer der Satz von Al Mohler aus 'Young, Restless, Reformed' im Kopf: 'When I say that my agenda is not Calvinism, I say that with unfeigned honesty, with undiluted candor,' Mohler told me. 'My agenda is the gospel. And I refuse to limit that to a lable, but I am also very honest to say, yes, that means I am a five-point-Calvinist. If you're counting points, here I am.“ (S.74)
    Ich habe schon manche Diskussion über die Fünf Punkte gehabt, sowohl auf der Seite der Kritiker, als auch auf der Seite der Verteidiger. Und das ist auch gut, man sollte immer auch bereit sein, seinen (theologischen) Horizont zu erweitern. Aber hier ist, was ich an den 'Neuen Calvinisten' so schätze: Colin Hansen erzählt, dass keiner von den Calvinisten, die er für die Recherche seines Buches besucht hat, von sich aus über die Fünf Punkte geredet hat. Sie haben ihre Liebe für das Evangelium zum Ausdruck gebracht und ja – wenn man die Punkte zählen will, dann sind es Fünf. Aber auch ohne die Fünf kann man das biblische Evangelium klar und deutlich verstehen, ohne etwas zu vernachlässigen. Ohne etwas hinten runterfallen zu lassen – so denke ich, ob Mohler so denkt, weiß ich nicht.
    Wenn wir den anderen aber auch zugestehen, dass sie um die Wahrheit ringen, dass sie um Erkenntnis ringen und um die richtigen Wort, das auszudrücken, dann sind wir in der Diskussion schon einen großen Schritt weiter. Wenn wir uns beschweren, dass die andere Seite irgendwie unfair klingt, wenn sie meine Position darlegt, dann sollten wir uns auch Gedanken darüber machen, ob wir die Gegenposition gut darlegen. Dann sollten wir vielleicht gnädiger werden.

Jetzt gäbe es sicher noch einige zu sagen, aber im Anbetracht der Seitenanzahl werde ich hier Schluss machen. Ich finde dieses Gespräch eine große Bereicherung: für meine eigene Sicht auf viele Punkte einer gesunden Lehre, für unsere Sicht auf Rick Warren und John Piper, und für die Einheit der Christen untereinander.

Gods Bless,

Restless Evangelical

*Ich will keine Diskussion anstoßen, ob Piper überhaupt als Reformiert zu bezeichnen ist. Das ist lediglich, was Piper sagte!

Sonntag, 22. Mai 2011

World of Pulpit Nr. 1 - ein Online Predigt Gathering

Mit dieser neuen Rubrik will ich immer Sonntags - soweit ich die Zeit dafür habe - auf eine Predigt aufmerksam machen, die mich in der letzten Zeit beschäftigt hat und einige Gedanken darüber schreiben.
Ich werde versuchen, eine gute Balance zwischen englischen und deutschen Predigten zu finden.

Nr. 1: How Great is Our God von Louie Giglio
- 'Wenn die Welt ein Golfball wäre...'-

Diese Predigt hat Louie Giglio auf einer der Passion Welttouren gehalten und sie an das Lied von Chris Tomlin angelegt. Die Passion Conference in Amerika sieht Collin Hansen als einen Ausgangspunkt für den Neu-Calvinistischen Aufbruch in Amerika.

Das Thema der Predigt ist in allen Teilen, dass unser Gott ein großer, herrlicher, unvergleichlicher Gott ist. Unser Gott ist ein 'star-breathing God'.
Auf der Passion Conference verbindet Louie das oft damit, dass er die Jugendlichen dazu aufruft, diesem Gott, der weit über uns allen thront, mit dem ganzen Herz zu dienen.
Auf Passion 2010 sagte er: "We want to intantialle wedding this idea, that worship and justice are the same thing."


Naturwissenschaft zu Anbetung Gottes

Louie macht keine 'Auslegungspredigt' wie man das an der FTH lernt oder bei John MacArthur lesen kann. Er exegetisiert nicht einen Bibeltext und macht daran die größe Gottes deutlich. Sicher kann man darüber streiten, ob das nicht besser gewesen wäre.
Aber Paulus macht uns im Römerbrief darauf aufmerksam, dass Gott sich uns auch in der Natur - seiner Schöpfung - offenbart hat und das man an ihr seine Werke erkennen kann. In der Theologie spricht man dabei von der speziellen und der allgemeinen Offenbarung. In der Natur hat sich Gott allgemein zu allen Offenbart. In der Bibel hat er sich speziell offenbart (wen das mehr interessiert, der sei an dieser Stelle auf einen interessanten Artikel von Kevin DeYoung verwiesen).
Mit dem im Hinterkopf kann man die Predigt von Louie genießen als eine 'Auslegungspredigt' über die allgemeine Offenbarung Gottes.

'Ich wusste nicht mehr, wie ich beten sollte!'

An einer Stelle in der Predigt sagt Louie, dass er nicht mehr wusste, wie er mit Gott reden sollte, als er von einem besonderen Stern in vielen Millionen Kilometern Entfernung gehört hatte.
Das hat mich irgendwie beeindruckt.
Wenn ich bete, dann will ich Gott oft darüber belehren, wie mein Leben weitergehen soll. Das mache ich nicht bewusst; ich setze mich nicht hin und denke mir: Jetzt erkläre ich Gott mal, wie das alles funktioniert. Aber unbewusst erkläre ich ihm dann gerne, wie meine nächste Prüfung laufen soll, was mit meinem Leben nach dem Studium passieren soll und wann er mir die richtige Frau zum heiraten über den weg laufen lassen soll.
Und dann höre ich von diesem Stern. Oder diesen ganzen Sternen. Und dann höre ich davon, dass Gott diese Sterne nicht nur geschaffen hat, sondern, dass es für ihn nichteinmal ein Kraftakt war. Wie soll ich mit diesem Gott reden, der das alles geschaffen hat?
Es ist ein 'humbling fact', dass Gott alles geschaffen hat und alles was passiert nicht nur in seinem Wissen geschieht, sondern unter seiner Aufsicht, durch ihn und für ihn und zu ihm hin! Wenn unser Gott so souverän ist, wie er sich in der Bibel offenbart hat, dann wissen wir, dass alles zur Rechten Zeit kommen wird. Weil er soviel mächtiger ist als wir.

'Ihr seid ein Wunder, genau da wo ihr sitzt!'
Ich habe mich vor wenigen Tagen noch mit einem Freund darüber unterhalten, ob der christliche - sprich evangelikale, m.E. reformierte - Prediger sagen kann, dass der Mensch ein Wunder ist. Wenn der erste Punkt der Lehren der Gnade - die völlige Verdorbenheit des Menschen - stimmt, wie kann dann der Mensche in Wunder sein? Dann hat der Mensch doch in sich selbst keinen Wert, keine Anerkennung verdient, sondern einzig und allein der Herr, der in ihm sein Werk vollführt?
Ich denke, dass die Menschen in sich einen Wert besitzten, der von ihrer Gottesebenbildlichkeit abgeleitet ist, ihrem Imago Dei.  Diese Gottesebenbildlichkeit kann nicht zerstört werden in uns, es ist in uns hineingelegt, unsere geschaffene Natur. Durch den Sündefall, da würde ich mit Norman Geisler gehen, wurde dieses Bild Gottes in uns verschleiert, und nicht gelöscht (efaced, not erased!).
Das bedeutet aber im Umkehrschluss nicht, dass man davon ausgehen  sollte, dass wir Gott durch irgendetwas in uns wertschätzt. Das 'Trotzdem', das 'Obwohl' sollte im christlichen Menschenbild verankert bleiben. Gott liebt uns nicht genauso wie wir sind, er liebt uns, obwohl (sic!) wir so sind, wie wir sind. Wir sind Sünder, Freunde Gottes, unsere Gerechtigkeit ist vor Gott wie ein blutiger Tampon - und trotzdem (sic!) liebt er uns.
Oder, wie Tim Keller es gerne sagt: In and of ourselves, we are more sinfull that we would ever believe, but (!) in Christ we are more loved than we'd ever dare to hope.
Wenn wir dieses 'obwohl' klar kriegen in unseren Gedanken über Jesus, dann können wir uns die Menschenliche Geschaffenheit ansehen und erkennen, dass wir ein Wunder sind - und dadurch Gott die Ehre geben.

Viel Spaß
und Gods Bless,

Restless Evangelical

Freitag, 20. Mai 2011

Francis Chan über sein neues Buch

Seit einigen Wochen kann man in der internationalen Blogosphere einige Diskussion zu Thema 'Hölle' vernehmen. Was ist mit Hölle gemeint? Ist Hölle tatsächlich das, was ich im Kindergottesdienst gelernt habe?
Es ist sicher nichts überraschendes, dass darüber diskutiert wird. Seit der Aufklärung ist dieser Teil der christlichen Lehre auf dem Prüfstand sowohl säkularer Denker als auch progressiver Christen. Und das ist auch gut so. Wir sollte uns niemals zu sicher sein, was unsere eigene Glaubensbasis angeht - wir sollten das, was wir glauben, biblisch durchdenken, mit einem offenen Herzen, uns von der Sprengkraft des Evangeliums verändern zu lassen.
Francis Chan hat sich an diese Arbeit gemacht und gestern ein Video veröffentlich, in dem er erste Einblicke in seine momentane Arbeit an einem Buch über die Hölle gibt.
Das Video kann man hier sehen.
Ich finde Francis Chan jedes Mal erstaunlich, wenn ich ihn sehe. Er hat ein Herz für Demut und macht in jedem Satz klar, wie wenig Grund wir haben, zu der Hochmut, mit der wir einander oft begegnen.
Philipp Bartholomä, Pastor der Er Lebt Gemeinde in Landau, sagt in seiner Predigt über die Hölle, dass wir über dieses Thema nicht mit einem Lächeln auf dem Gesicht sprechen dürfen.
Ähnluch drückt es Francis aus, wenn er sagt, dass wir über das echte Schicksal echter Menschen reden. Wir dürfen das nicht zu einem Kampf von Argumenten werden lassen, einer Diskussion über eine Lehrmeinung. Die Hölle biblisch verstehen bedeutet zu aller erst, dass wir uns selbst demütigen unter der Last dieser Wahrheit. Es geht um echte Menschen, unsere Freunde in der Uni, im Verein. Die Frau, die wir im Buchladen treffen, der Mann, der an der Straßenecke das Obdachlosenblatt verkauft. Es geht um die Frau, die betrunken aus der Kneipe wankt wie um den Mann, der ihr unter die Arme greift, weil er glaubt, dass er heute abend Glück haben könnte. Es geht um echte Menschen.

Ich freue mich auf das Buch von Chan, es wird sicher ein herausforderndes Buch werden!

Gods Bless,

Restless Evangelical

Dienstag, 17. Mai 2011

Missional - Reizwort und Modewort

Durch Ed Stetzer's Blog bin ich gestern auf ein Dokument gestoßen.
Es nennt sich das 'Missional Manifesto' und Urheber sind neben Ed Stetzer:

Alan Hirsch – Missiologe aus Australien und Co-Autor des erstaunlichen Buches Der wilde Messias (engl. ReJesus) sowie Die Zukunft gestalten

Tim Keller – Gründer und Pastor der Redeemer Presbyterian Church in New York und Autor solcher erstaunlicher Bücher wie: Warum Gott?, Der verschwenderische Gott und in diesem Fall wichtig: Generous Justice

Dan Kimball – Pastor der Vintage Faith Church in Santa Cruz und Autor von 'Emerging Church' und 'They Like Jesus but not the Church'. Außerdem wird er immer wieder als einer der konservativeren Teile der 'emergent conversation' genannt.

Eric Mason – Pastor der Epiphany Fellowship in Philadelphia

J.D. Greear – Pastor der Summit Church in Raleigh (die erst vor kurzen zu den zwanzig schnellstwachsenden Gemeinden Amerikas gewählt wurde). Das erklärte Ziel dieser Gemeinde ist es, in den nächsten 40 Jahren mindestens 1000 Gemeinden gegründet zu haben. Ed Stetzer geht darauf ein in 'Viral Churches'. Außerdem hat er das Buch „GOSPEL: Recovering the Power that Made Christianity Revolutionary“ geschrieben.

Craig Ott – Associate Professor für Missiology an der Trinity Evangelical Divinity School. Das ist das Seminar, an dem auch D.A. Carson lehrt, ebenso wie Eckhard Schnabel. Auch Wayne Grudem war lange Zeit dort. Außerdem hat er viele Jahre als Gemeindegründer in Deutschland gewirkt.

Linda Bergquist – Missions Stratege der Noth American Mission Board und Autorin von 'Church turned inside out'

Philip Nation – Missiologe in Ed Stetzer's Institute 'LifeWay Research'

Brad Andrews – Pastor der Mercyview Church in Tulsa, die Teil von Mark Driscolls 'Acts 29 Church Planting Network' ist.

(Zur Vollständigkeit: Ed Stetzer ist Missiologe und Leiter des 'LifeWay Research' Institutes und Autor vieler verschiedener Bücher. Unter anderem: 'Viral Churches', 'Planting Missional Churches' und 'Comeback Churches'. Außerdem ist er Gastprofessor an der Trinity Evangelical Divinity School)

Es sind also einige Leute aus verschiedenen Bereichen der evangelikalen Bewegung zusammen gekommen und haben – nach Ed Stetzers eigener Aussage – ein Jahr an diesem Dokument gearbeitet. Der Sinn dahinter ist, dass man zu einer Definition des Wortes Missional kommen will.
Das ist deswegen bedeutend, weil dieses Wort zu einem echten Modewort unter jungen Evangelikalen geworden ist. Es wird von den New Calvinists ebenso gebraucht wie von vielen Emergent Church Christen auch.
Doch es ist wahrscheinlich, dass bei so unterschiedlichen Ansichten, dieses Wort wohl anders gefüllt wird.
Mit diesem Dokument von einigen wirklich anerkannten evangelikalen Missiologen (und/oder Pastoren) etwas an der Hand zu haben, mit dem man das Wort missional definieren kann, ist deswegen längst überfällig.
Dieses Dokument ist es wirklich wert, intensiv gelesen zu werden und unter kritische (biblische!) Prüfung zu stellen. Und ich bin überzeugt, dass es diesem Anspruch mehr als gerecht wird.
Ich möchte kurz über ein paar Stellen schreiben, die mir dabei aufgefallen sind.

  1. Although it is frequently stated "God’s church has a mission," according to missional theology, a more accurate expression is "God’s mission has a church"“
Die Missionale Konversation dreht sich zu aller erst um Gott. In der Missionstheologie geht man seit langem vom Grundsatz des 'Missio Dei' aus. Das bedeutet, dass Gott an sich ein sendender Gott ist und ein gesendeter Gott. Der Vater hat den Sohn gesandt, der Vater und der Sohn gemeinsam senden den Heiligen Geist und alle Drei senden gemeinsam die Gemeinde in die Welt. Wir müssen Mission und davon abgeleitet den missionalen Ansatz von dieser theologischen Grundlegung festmachen. Es sind nicht wir, die Mission betreiben, sondern Gott, der uns an seiner Mission teilhaben lässt. Das ist die erste und wichtigste Voraussetzung, um missional zu denken und einen missionalen Gemeindebau zu betreiben. Wenn es Gott ist, der sich selbst sendet, wenn es Gott ist, der Mission betreibt und wir nur seine Teilhaber sind, dann 'tranformiert die Mission' (Titel von einem Standartwerk der Missiologie von David Bosch) zu etwas völlig neuem.
Alan Hirsch – einer der Urheber dieses Dokuments – drückt das so aus:
Anstatt in ihm nur den liebenden, aber völlig distanzierten Vater zu erkennen, der uns zu sich ruft und dabei die Geschicke der Weltgeschichte von oben herab lenkt, werden wir Gott in unserem Leben ganz nah am Werk sehen. Wir werden ihn als jemanden kennenlernen, der sich selbst zu uns sendet, anstatt auf unsere Rückkehr zu ihm zu warten. (Der Wilde Messias, S. 30, Neufeld Verlag)

  1. Missional is not synonymous with movements attempting to culturally contextualize Christianity, implement church growth, or engage in social action. The word missional can encompass all of the above, but it is not limited to any one of these.“
Ich habe schon oft die Definition für 'missional' gehört und auch selbst benutzt, dass es sich um eine Neuschöpfung handelt, indem man die Wörter 'missionary' und 'social' zusammengesetzt hat. Missional in diesem Sinne als Mission in Verbindung mit sozial-diakonischer Arbeit zu verstanden sei. - Doch dem muss man deutlich widersprechen. Wer sich mit der missionalen Bewegung auseinandersetzt, wird schnell feststellen, um wieviel mehr als soziale Aktion es bei diesem Begriff geht. Wie wenig er verbunden werden sollte mit einer bestimmten Strömung moderner Gemeindeformen. Man darf Missional nicht mit 'Emerging Church' 'Emergent Conversation' oder etwas anderem gleichsetzen. Viele von diesen Bewegungen, und sicher auch ein Großteil der New Calvinists versteht sich als missional. Aber eine Missionale Gemeinde versteht sich als ganzheitlich auf die Mission Gottes in dieser Welt ausgerichtet. Nicht nur in ihrer Verkündigung. Nicht nur in ihrem evangelistischen Herausreichen in eine verlorene Welt. Alles in einer Missionalen Gemeinde sollte auf den Gott ausgerichtet sein, der sich selbst in die Welt sendet, um die Welt zu retten. Dieses anliegen liegt im Herzen des missionalen Begriffs und hier beginnt das missionale Gespräch.

  1. We believe the mission of the church continues in multiplying and maturing the followers of Christ (discipleship), increasing the number of congregations (church planting) dedicated to God’s kingdom (living under His lordship), extending God’s fame throughout the earth (worship), and doing good in the name of Christ (works of mercy).“
Dieser letzte Absatz in dem Dokument ist so wichtig. Die Mission der Gemeinde ist nicht erschöpft mit einer einzigen Tat. Sei es die Lehre der Jünger, sei es das Jüngermachen, sei es das geheiligte Leben, sei es Anbetung der Größe unseres herrlichen Gottes oder seien es soziales Leben der Gnade und Gerechtigkeit Jesu. Wir sind dazu aufgerufen, unser ganzes Leben verändern zu lassen von dem wilden Messias, den wir in den Evangelien finden. Der Messias, den wir in Lukas finden, ist einer, der sich speziell mit den Randfiguren unserer Gesellschaft befasst. Es ist in der Mitte von denen, die von der Religiösen Elite seiner Zeit aus dem Dorf gejagt wurden.
Wieder Alan Hirsch:
Alan unterrichtet an einem Seminar im amerikanischen Süden, dem „Bible-Belt“ (A. d.Ü. „Bibelgürtel“ – Gebiet im Süden der USA, wo ein konservatives Christentum vorherrschend ist). Er fragte: „Was würden wir mit Jesus anstellen, wenn er auf einmal in unserer Kirche auftauchen würde?“ Ein besonders mutiger junger Mann antwortete mit einer Aufrichtigkeit, die uns das Herz stocken ließ: „Wir würden ihn wahrscheinlich umbringen!“ Alle Anwesenden wussten, dass diese Antwort nichts anderes als die schreckliche Wahrheit war.“(Der Wilde Messias, S.97, Neufeld Verlag)
Der Begriff 'missional' liegt am Herzen dieser Idee, dass wir ein Christentum brauchen, dass ich mehr an dem orientiert, was Jesus von seiner Gemeinde wollte, als dem, was Traditionen daraus gemacht haben. Es geht um eine Rekalibrierung auf den, der sich niemals ändert, den Missio Dei, des sendenden und gesendeten Gott. Es geht um Jesus. Es geht um Gott!

Gods Bless,

Restless Evangelical

Sonntag, 15. Mai 2011

Mark Driscoll Interview im Relevant Magazine

Das Relevant Magazine, das alle 2 Monate erscheint, hat sich als Leitmotto auf die Fahnen geschrieben, dass über 'Gott, Leben und progressive Kultur' berichten wollen. In dem Sinne lassen sie ('emergente') Pastoren jeder Colour zu Wort kommen, mit der Frage, wie man das Christentum in unserer ständig wechselnden kulturellen Umgebung am geschicktesten verkündigt.
Die Seite ist immer mal einen Blick wert und jetzt bin ich auf ein Interview gestoßen, das Mark Driscoll dem Magazin vor einigen Monaten gegeben hat. Ein genaues Datum habe ich nicht finden können auf der Seite, aber den Kommentaren zu folge muss es schon einige Monate alt sein.
Das Interview findet ihr hier.

Ich fand es sehr lesenswert, wie dieser Prediger auf das erste Jahrzehnt seines Predigtdienstes zurück sieht. Im Interview sagt er, dass er jetzt seit 13 oder 14 Jahren predigt.
Manchmal fühle ich mich dazu gedrängt, zu denken, dass mein Theologiestudium mich jetzt zu einem 'Experten' in Sachen Christentum macht. Als ob ich Google für Jesus bin (eine Phrase, die Driscoll manchmal benutzt).
Und dann lese ich ein solches Interview. Es ist kein Geheimnis, dass Driscoll eines meiner größten Vorbilder im Dienst ist. Und auch (oder gerade!) Pastor Mark sagt auf die Frage, ob er manche seiner Statements aus der Vergangenheit bereut:

" If I could hit control-alt-delete and go back and do like they used to in Men in Black and just hit a button to make certain people forget certain things, that would be awesome. My hope, my prayer, my goal is to do better, by God’s grace, to learn, to grow, to be sanctified and mature—to be less shock-jock and more Jesus-centered."

Was ich daraus entnehme, ist die realistische Sicht auf den vollzeitlichen Dienst, dass man eben nicht immer alles richtig machen kann und vor allem nicht machen wird! Wir sollten nicht einen unrealistischen Maßstab an uns selbst anlegen. Wir sind auf einer Reise hin zu Perfektion, aber das Ziel erreichen wir erst, wenn wir einmal in Jesu' Armen liegen, eines Tages. Solange wir hier sind, zwischen dem 'Schon Jetzt' und 'Noch Nicht' hin und her gerissen, werden wir keine perfekte Theologie, keinen perfekten Dienst und kein perfektes Leben haben. Aber wir können darin wachsen, Jesus zentriert zu sein. Gerade für Leute, die sich auf einen vollzeitlichen Dienst vorbereiten, sollte das eine deutliche Ausrichtung sein. Geben wir unser Bestes - mit Hilfe von Gottes Gnade werden wir auch darin wachsen, reif zu sein, Jesus-zentriert zu sein. Aber lasst uns nicht verzweifeln, wenn es mal eine Predigt gab, die schlecht war. Lasst uns nicht verzweifeln, wenn wir mal in unserer Heiligung einen großen Schritt zurück gemacht haben.
Ich will das nicht gut heißen! Wir sollten unser Bestes geben. Aber unser Bestes ist vor Gott eben auch 'nicht mehr als ein blutiger Tampon' - wie Mark Driscoll gerne betont. Wir sind am Ende abhängig in unserem Dienst von Gottes Gnade.
Albert Mohler hat im Vorwort zu 'On Being a Pastor' von Darrek Prime und Alistair Begg folgendes geschrieben:

"The Christian Pastor holds the greatest office of human responsibility in all creation. He is called to preach the Word, to teach the truth to God's people, to lead God's people in worship [...].Who can fulfill the job description?
Of course, the answer is that no man can fulfill this calling." (S.9)
Und dann kommt der wichtige Satz:
"The Christian pastor must continually acknowledge his absolute dependence upon the grace and mercy of God." (S.9)


Eine zweite Sache ist mir in dem Interview deutlich geworden. Man muss im christlichen Dienst unterscheiden zwischen solchen Themen, die Zentral sind, die den christlichen Glauben tragen und die man nicht aufgeben kann und darf, wenn man einen christlichen Dienst leitet. Mark nennt sie die 'closed-handed issues'. Was man bei vielen Christen sieht, die 'relevant' sein wollen, ist die Öffnung dieser geschlossenen Hand.
Es ist nicht immer einfach, zu definieren, was in die geschlossene Hand gehört. Aber es ist eine wichtige Arbeit. Sie ist in jedem Fall zeitraubend und beansprucht ein hohes Maß an Selbstreflexion. Verdienen die Fragen, für die ich kompromisslos eingestanden bin in den letzten Jahren wirklich dieses Maß an Kompromisslosigkeit?
Ich denke, dass es hier zentral ist, über seine eigene Biographie zu reflektieren und herauszufinden, welche theologischen Fragen, die einem Pastor (oder Christ) in seinem Glauben wichtig sind, auch in der Bibel Kernfragen sind, und welche ihren Kernstatus in unserem Leben nur durch unsere Erleben auf unserer Reise zutun haben. Das ist nicht immer einfach, weil es auch bedeutet, dass wir uns entschuldigen müssen für Hartherzigkeit in Fragen, die demütige Liebe erfordert hätten. Und manchmal müssen wir Buße tun, weil wir Fragen vom Tisch gewischt haben, die intensives Bibelstudium und kompromisslosen Einsatz erfordert hätten.

Doch das ist nicht der einzige Fehler, den wir als Christen machen können. Denn in der anderen Hand sind die 'open-handed issues'. Oftmals können wir in unserem Glauben erleben, wie für uns oder unsere Freunde auf dem Weg sich diese offene Hand schließt. Mark Driscoll nennt das in dem Interview 'Dogmatismus'. Wenn man Randfragen zu Kernthemen erhebt, dann verfallen wir oft in eine lieblose Wahrheitssucht, die nicht dem Reich Gottes dient, sondern nur unserem Geltungsbedürfnis. Auch hier ist demütiges Bibelstudium und Rückversicherung durch die Kirchengeschichte zentral, um die Hand offen zu halten, die offen sein muss.
Wir sollten nicht denken, dass es einfach ist, zwischen der offenen und der geschlossenen Hand zu unterscheiden. Es wir immer ein Ringen um die Wahrheit und den richtigen Umgang sein.
Und wie froh bin ich, dass wir dabei Gottes Gnade unter unseren Armen wissen dürfen, die uns bei dieser Arbeit nicht nur unterstützt, sondern den Großteil für uns tut. Wir wissen ja, dass wir ohne Jesus gar nichts tun können.

Gods Bless,

Restless Evangelical

Samstag, 14. Mai 2011

Disput Berlin: Wäre die Welt ohne Religion besser dran?

Vor einigen Wochen hielt das Diskussionsforum Disput/Berlin seine erste Veranstaltung. Ich habe den Eindruck, dass es einige Wellen geschlagen hat. Sowohl in unserer Medienarbeitvorlesung bei Karsten Huhn also auch auf Toby Faix' Blog bin ich auf den Beitrag des Pressesprechers der Giordano Bruno Stiftung - Philipp Möller - gestoßen, die bekannter Maßen als das Sprachrohr der neuen Atheisten in Deutschland betrachtet werden kann.
Ich habe mir gestern mal die Zeit genommen, und mir die anderen Beiträge angesehen und fand die meisten wirklich hervorragend.
Besonders Matthias Matussek vom Spiegel fand ich überzeugend, auch wenn mir sein 'argumentum ad persona' am anfang wenig zugesagt hat.
Das Video und alle anderen findet man hier.
Der ehem. Vorsitzende des Rates der EKD, Wolfgang Huber, hat ein interessantes Plädoyer für die Organisierte Religion - sprich Kirche - gehalten, wobei er auch deutlich macht, dass es nicht die Organistion ist, die es zu verteidigen gibt.
Schade, dass es keine einschlägig Evangelikalen Vetreter dort gab. Jürgen Spieß vom Institut für Glaube und Wissenschaft hätte ich mir sicher sehr gut vorstellen können.
Mir gefiel aber vor allem der lockere und humorvolle Beitrag des katholischen Priesters Wilhelm Imkamp, der eine direkte Erwiederung auf den Beitrag von Philipp Möller darstellte. Dabei hat er, wie ich finde, eine gute Portion 'Einsteckqualitäten' bewiesen und gezeigt, dass auch Vertreter eines Gott-Glaubens durchaus Spaß verstehen können.

Alles in allem sind die Beiträge wirklich sehenswert!

Gods Bless,

Restless Evangelical

Montag, 9. Mai 2011

Shane Everetts Bekehrung

Shane Everett ist eine Hälfte des Akustik-Lobpreis-Duos Shane & Shane.
Die Beiden sind dafür bekannt, tiefgehende Texte mit akustischer Musik zu verbinden.
Wer Shane and Shane nicht kennt, sollte das schnell nachholen - bei Youtube gibt es einige Videos mit ihrer Musik, ich empfehle sehr: The Answer und Everything is different

Mir gehts aber jetzt mehr um einen Artikel, den ich gerade gelesen habe, in dem Shane Everetts Bekehrung geschildert wird.
Zu lesen ist der Artikel hier

Mich begeistert dabei die Wirkung des Heiligen Geistes, der eben oft weht wo er will. Ich will nich zählen, wie viele Menschen von Jesus gepackt wurden, weil sie bei Billy Graham waren. Wahrscheinlich auch einige bei einer Veranstaltung mit Reinhard Bonnke. Viele durch Bibellesen. Und auch einige durch Jesus unser Schicksal von Wilhelm Busch.
Aber wenige werden sagen, dass sie in einer Bar saßen, auf ihre Bezahlung als Music-Act gewartet haben und die unaufgeräumte Bar für sie zu einer Überführung von den eigenen Sünden wurde.
Mir kamen dazu drei Gedanken:

1. Zweifle erstmal nicht an einer Bekehrung
Shane Everett hat nun durch einige Jahres treuer Nachfolge gezeigt, dass seine Bekehrung in dieser Bar echt war. Ich weiß von mir, dass ich gerne solche außergewöhnlichen Bekehrungen bezweifel. Kann das echt sein, wenn es nicht in einer Gemeinde passiert ist? Wie kann denn so etwas einfach so passieren? Ohne klare Evangeliumsverkündigung? Ohne 'Altar Call'?
Wir sollten niemanden in leichtfertiger Sicherheit wiegen, weil er einmal gebetet hat, ein emotionales Erlebnis hatte und deswegen meint, Christ zu sein. Wo der allmächtige Herr, Jesus, der Auferstandene eingezogen ist, da bleibt nichts wie es war. Eine echte Bekehrung wird sich im Leben zeigen. Aber wir sollten die Echtheit einer Bekehrung nicht von dem Ort abhängig machen, wo sie sich ereignet hat! Manchmal führt Gott Philippus in die Wüste und er hat dort ein gutes Gespräch. Manchmal (meistens?) benutzt Gott die Beziehung eines Christen zu einem Nichtchristen und das Vorbild wirkt anziehend. Oft benutzt Gott die Gemeinden, die treu zu ihm stehen und leidenschaftlich lieben. Und manchmal ist eine Bar eben der Ausgangspunkt, dass die Saat, die schon gelegt war, aufgehen kann.

2. Verdamme nicht dein (komplettes) Vorleben!
Shane beschreibt auch, dass er dachte, er könnte seine Leidenschaft nicht weiter ausführen. Er dachte, dass er keine Musik mehr machen könne, dass er jetzt 'normal' werden müsse. Aber Shane Barnard hat ihn eines Besseren gelehrt.
Vieles, dass wir vor unserer Bekehrung gemacht haben, sollten wir aufgeben. Ich will sicher keinen Freibrief ausschreiben, mit dem alten Leben weiter zu machen. Aber wenn wir uns ansehen, wie die Begabung von Shane (& Shane) erlöst wurde, seinem eigentlichen Bestimmungsort zugeführt wurde: der Anbetung Gottes, dann sehen wir, wie groß unser Gott ist. Er verwandelt oft Staub in Schönheit (Ashes into Beauty ist eine oft verwendete Phrase in Shane&Shanes Liedern). Wir sehen das auch am Leben des erfolgreichen Rappers Voice, der nach seiner Bekehrung aufhören wollte mit HipHop. Doch Joshua Harris überredete ihn dazu, Rap eine zweite Chance zu geben. Heute erreicht er viele Leute mit tiefen (reformierten) Inhalten in professioneller Rapmusik, die noch dazu gut klingt. Ist das nicht ein Segen? Nach der Bekehrung sollten wir nicht alles aus dem alten Leben verdammen. Wir sollten viele Dinge erlösen aus der Gebundenheit an unsere gelösten Ketten und alle Dinge ihrer Bestimmung zuführen: der Anbetung Gottes!

3. Gott wirkt spektakulär - in jedem Leben!
Ich, der ich in einem christlichen Umfeld groß geworden bin, christlich sozialisiert mit der Muttermilch, stehe manchmal zwigespalten vor solchen 'extremen Bekehrungsgeschichten'. Auf der einen Seite beeindruckt es mich, wie Gott wirkt, und dass er in die tiefste Dunkelheit hinabreicht und Menschen herauszieht - in das Licht seiner Herrlichkeit. Auf der anderen Seite wünsche ich mir dann manchmal, dass meine Geschichte genauso extrem wäre. Dann merke ich, wie die Versuchung hochkommt, die eigene Bekehrung spektakulärer zu machen, als sie wirklich war.
Ich habe mal gehört, dass einer der Ältesten auf John Pipers Gemeinde oft über seine Bekehrung spricht, indem er sagt: Gott hat mich von einem Leben in Alkoholabhängigkeit und Sexssucht befreit - da war ich 6 Jahre alt.
Was er damit sagen will - jedenfall verstehe ich es so - ist eine Veränderung unserer Blickrichtung. Natürlich wirkt eine spektakuläre Bekehrung zur Ehre Gottes. Aber wenn wir unsere eigene Bekehrung, unser Leben als Christ, unsere Heiligung, unseren Dienst und alles, was wir tun, als Anbetung Gottes verstehen, dann wird jede Bekehrung zu einem außergewöhnlichen Akt. Und wenn sie sehr früh war, dann hat Gott einen Anbeter zu einem besonders langen Leben im Licht berufen - und dann ist diese Bekehrung besonders spektakulär, weil sie in der Anbetung Gottes mündet. Und wenn es erst sehr spät ist, im Krankenhaus auf dem Sterbebett nach einem Leben gefüllt mit Sünde und Rebellion, dann dient das der Verherrlichung Gottes auf seine Weise!
Wenn wir diesen neuen Blickwinkel bekommen, dann verstehen wir Bekehrung biblischer, glaube ich! Wenn alles zur Verherrlichung Gottes dient, na dann aber sicher auch meine 'Christian-Brought-Up' Bekehrung.
Und genauso auch die spektakuläre Bekehrung von Shane Everett.
Und dann sicher auch jede Geschichte, die ihr erzählen könnt.

So groß ist unser Gott =)

Gods Bless,
Restless Evangelical

Samstag, 7. Mai 2011

Gott verkünden in Leidenschaft, Liebe, Heiligung, Wahrheit und Staunen!

Ich habe mich heute mal an das Buch Don't Call It a Comeback – The Old Faith for a New Day von Kevin DeYoung (editor) gemacht. Ich werde noch eine ausfürliche Rezension zu dem Buch schreiben, wenn ich durch bin. Aber Kevins Beitrag zur Frage, wie wir als Christen die 'Next Generation' erreichen, fand ich sehr herausfordernd und wichtig.
Ich will hier einmal seine vier Prinzipien reflektieren.

a. Grab them with passion
Kevin sagt in diesem Artikel sehr richtig, dass das Problem vieler Gemeinden nicht mangelndes Verständnis für die Jugendkultur ist oder eine angestrebte 'Contextualisation', sondern vielmehr (und hier führt Kevin ein Zitat von Whitefield an), dass „they have dead men to preach to them“ (S.23)
Wenn man die kommende Generation (oder jede Generation!) erreichen will, dann sollte man zu allererst begeistert von Jesus sein und etwas predigen, von dem man begeistert ist. Das erleben wir doch ständig. Wenn uns ein Freund oder Bekannter von einem neuen Buch, einem Film, einer Sportart, einem Cafe, einer Bar, einer Discothek, einem Prediger oder was auch immer erzählt, und man ihm dabei anmerkt, dass er begeistert von dieser Sache ist, dann werden wir uns dreimal überlegen, ob wir das ignorieren. Ich vermute auch hinter dem reformierten Aufbruch in Amerika und mittlerweile in Deutschland ebenso mehr das Vorbild begeisterter Prediger als Begeisterung für eine Lehre. Er kommt nicht einfach von irgendwo her, dass Menschen sich wieder für Lehre interessieren. Vieles hängt damit zusammen, dass junge Menschen Vorbilder haben, deren klare, orthodoxe, konservativ-evangelikale Dogmatik bei ihnen zu sprühender Leidenschaft führt und nicht zu zurückgezogenem Christsein.

b. Win them with Love
Kevin fasst diesen Punkt zusammen mit: „Love won't guarantee the young people will never walk away from the church, but it will make it a lot harder. It won't guarantee that non-Christians will come to Christ, but it will make the invitation a whole lot more attractive“ (S.25) Wenn sich nicht-Christen angenommen fühlen, geliebt und ernstgenommen, dann wird es in jedem Fall das Zeugnis stärken. Damit meine ich nicht – und das mein auch Kevin nicht – dass wir den nicht-Christen Honig um den Bart schmieren. Nicht, dass wir nur Dinge sagen, die ihnen gefallen. Liebe bedeutet immer auch Ehrlichkeit. Aber Ehrlichkeit in Liebe. Wie auch Tim Keller sagt, dass eine missionale Gemeinde den Unglauben den Kommenden versteht, nachvollziehen kann. Eine missionale Gemeinde hat Raum für Ungläubige, weil sie das Imago Dei erkennen, dass auch in den nicht-Christen schlummert. Frost & Hirsch sagen dazu sehr deutlich, dass ein ReJesus der Gemeinden dazu führt, dass wir die Welt anders sehen. Wir sehen die Ebenbildlichkeit Gottes in allen Menschen und behandeln sie deswegen mit dem Respekt, den sie verdienen. Und das bedeutet auch immer, dass wir bei unseren eigenen Fehlern anfangen. Ehrlich sind über unsere eigene Fehlbarkeit und ebenso liebevoll und respektvoll auf die Fehlbarkeit des Gegenübers verweisen!

c. Hold them with holiness
Kevin macht sehr deutlich, wie zentral unser eigenes Zeugnis mit unserer Heiligung zusammenhängt. Er bringt es so auf den Punkt, dass er feststellt, die 'Evangelikalen' haben schnell gemerkt, dass es einfacher ist, unsere Gemeindestruktur zu ändern, als uns selbst. Aber es kommt sehr viel auf unser Gebundenheit an die Wahrheit an. Wie ein Freund es mir gegenüber gestern auf den Punkt brachte: Unser Leben ist weniger wert als das Zeugnis der Wahrheit! Wir müssen eben manches aufgeben, dass auf den ersten Blick Spaß macht, weil es dem Zeugnis der Wahrheit widerspricht. Wenn nicht-Christen erkennen, dass die Wahrheit uns so packt, so beeinflusst, dass wir eine tiefere Freude als die Freude der Welt suchen, dann werden sie aufmerksam. 'Irgendwas ist anders bei denen!', 'Irgendwie wirklich die nicht wie die Christen, die wir kennen', 'Irgendwie leben die ihr Christsein wirklich'. Wenn wir an unserer Heiligung arbeiten, werden viele Christen um uns herum angesteckt und dann haben wir auch einen Einfluss auf die Welt um uns herum.
Oder wie Robert Murray M'Cheyne es audrückt: „My people's greatest need is my personal holiness.“ (S.25)
d. Challenge them with truth
Kevin merkt an, dass die Gemeinden sich lange die Frage gestellt haben, wie man die nächste Generation erreicht, ohne die wichtige Lehre aufzugeben. Aber er will den Fokus umlenken, dass wir erkennen, dass wir die nächste Generation am besten dadurch erreichen, dass wir ihnen die wichtige Lehre erklären. Doch auch hier sollte man bei sich selbst anfangen. Kevin schreibt: „Challenging the next generation with truth starts with honest self-examination. We must ask, Do I know the plotline of the Bible? Do I know Christian theology? Di I read meaty Christian books?“ - und dann stellt er die wichtigste Frage: „Do I know anything about justification, redemption, original sin, propitiation and progressive sanctification?“ (S.29)
Wir werden niemanden mit der Wahrheit der Biblischen Lehre herausfordern, wenn wir sie selbst nicht kennen. Wir müssen uns selbst als erstes Herausfordern mit der Frage: Ist das, was ich glaube und was ich gelernt habe, wirklich das, was die Bibel lehrt? Das was historisches Christentum gelehrt hat? Das was die erste Gemeinde gelehrt hat? Und zum Schluss: Das was Jesus gelehrt hat? Wieviel von meinem Glaubensgebäude ist aufgebaut auf den morschen Säulen von Tradition und nicht auf dem Grundstein, den die Bauleute verworfen haben?
Wenn wir beginnen, die biblische Lehre wirklich zu verstehen, dann rutscht sie auch vom Kopf ins Herz und wir kommen ganz automatisch bei Punkt a. An!

e. Amaze them with God
Das wichtigste von allem aber, das macht Kevin am Schluss klar, ist, dass wir Gott zum Zentrum von allem machen, was wir predigen, sagen, tun, denken und fühlen! Wir sollten nicht anfangen, Taten zu predigen, egal in welche Richtung zu gehen, ob persönliche Heiligung oder Gesellschaftstransformation. Jedenfalls sollten wir das nicht losgelöst von Gott predigen. Wir sollten Gott nicht menschlich machen, nicht auf unsere Ebene hinunter ziehen. Er ist nicht wie wir! Und das ist auch gut so. Kevin schreibt: „Give them [next Generation] a God who is holy, independent, and unlike us, a God who is good, just, full of wrath, and full of mercy. Give them a God who is sovereign, powerful, tender, and true. Give them a God with edges.“ (S.29f)
Es ist wichtig, dass nicht wir im Mittelpunkt unseres Gemeindelebens, unseres Dienstes, unseres Alltags stehen, sondern Gott. Wenn wir einen Gott verkünden, der soviel höher steht als wir, so anders ist als wir, und sich uns trotzdem bekannt macht, das sich uns offenbart, damit wir ihn Kennenlernen können, dann verkündigen wir etwas interessantes. Kevin schließt so: „Imagine that. Reaching the next generation for God by showing tham more of God. That's just crazy enough to work.“ (S. 31).

Es gibt eine ganze Menge zutun – krempeln wir die Ärmel hoch und lassen Gott ans Werk, in uns, durch uns, für ihn!

Gods Bless,

Restless Evangelical

Donnerstag, 5. Mai 2011

Von unsauberer Argumentation und guter Herausforderung


Eine Rezension von Rob Bell's Love Wins

(Vorbemerkung: Zum Zweck dieser Rezension hat mir der Brunnen Verlag ein Rezensionsexemplar zukommen lassen! Dafür danke ich ihnen sehr herzlich. Ich habe daher alle Zitate aus der deutschsprachigen Version übernommen und auch die Seitenangaben der deutschen Ausgabe angepasst.)

Wenige Bücher haben in den letzten Jahren ein Beben in der Blogosphere ausgelöst, als das Buch eines Pastors aus Grand Rapids in Michigan. Ein Buch mit einem guten Titel. Ein Buch mit einem interessanten Thema. Ein Buch mit einigen steilen Thesen. Nur kurze Zeit, nachdem Rob Bell einen Trailer zu seinem neuen Buch auf einer Videoplattform postete, gab es auch schon die ersten Antworten. Justin Taylor war froh, dass ein Irrlehrer endlich zu seiner Irrlehre steht. Kevin DeYoung verteidigte die Vorverurteilung von Bell gleich dadrauf und John Piper twitterte ein Farewell für Rob Bell. John MacArthur nannte ihn gleich einen Wolf, den wir meiden sollten.
Rob Bells Verlag für seine ersten drei Bücher – Zondervan – hat sich auf Grund dieses Buches von dem Autor getrennt. Erschienen ist das Buch dann bei HarperOne. Das ist insofern nicht verwunderlich, weil Zonvervan 'nur' ein anderer Imprint von der HarperCollins Publishing Group ist.
Auf Deutsch hat es vor wenigen Tagen nun das Brunnen Verlag Gießen herausgebracht. Der Titel auf Deutsch: Das letzte Wort hat die Liebe.

Die Hölle auf Erden

Wie irdisch ist die Hölle? Rob Bell hat immer wieder dadrauf verwiesen, dass ein ganzes Kapitel des Buches – tatsächlich sind es genau 29 Seiten – in dem Buch sich speziell mit der Frage nach der Hölle befasst.
Es fällt sehr schnell auf, dass Bell die Hölle vorallem auf dieser Erde ansiedelt. Er sagt ausdrücklich, dass er an eine 'buchstäbliche Hölle“ glaube (S. 81). Vor und nach diesem Satz beschreibt er aber ganz reales Leiden auf dieser Welt.
Die Frage, die man sich aber stellen sollte, ist, ob die Hölle biblisch betrachtet derart irdisch ist.
Bell selbst geht auf das Beispiel mit dem reichen Mann und dem armen Larzarus ein. Wir finden diese Geschichte in Lukas 16. Auf rührende Weise erzählt Bell die Geschichte nach um zu dem Schluss zu kommen, dass sie eine drastische Botschaft an die Zuhörer war. Sie sollten die armen Larzarusse vor ihren Türen nicht übersehen, sonst – so schreibt Bell - würden ernste Konsequenzen folgen“ (S. 86).
Doch dabei geht er absolut nicht auf die Jenseitigkeit dieses Gleichnisses ein! Er zieht das Gleichnis herunter auf etwas Diesseitiges, spricht über erstaunliche Geschichten von Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen. Und zeigt nicht wirklich auf, dass dieses Gleichnis aber eine viel tiefere Dimension als soziale Gerechtigkeit hat. Er geht gar nicht darauf ein, dass dieses Gleichnis zeigt, dass die Konsequenzen in einem Ort zusammengefasst sind, der Leiden bedeutet.
Bell schreibt zwar, dass „[e]s [...] die Hölle jetzt und […] die Hölle später [gibt]“ (S.89) aber er verzichtet darauf, die jenseitige Hölle später auch nur mit einem Wort zu beschreiben. Lieber suggeriert er, dass der reiche Mann eigentlich eine Chance hätte, sein Herz zu ändern. Die Bibel spricht davon aber nicht! Den Abgrund, von dem in der Bibel (Lukas 16,26) gesagt ist: „Außerdem liegt zwischen uns und euch ein tiefer Abgrund, sodass niemand von uns zu euch hinüberkommen kann, selbst wenn er es wollte; und auch von euch kann niemand zu uns herüberkommen.'“ setzte Bell mit dem Herzen des Reichen gleich. Aber der Text gibt uns dafür keine Anhaltspunkte. Was der Text uns sagt, ist die Endgültigkeit des kommenden Lebens. Wer gerettet ist, der kann nicht hinübergeworfen werden! Wer nicht gerettet ist, hat auch keine Chance mehr, gerettet zu werden.
Bell suggeriert in diesem Text eine freudige Botschaft der Auferstehung am Ende. Es ist wahr, dass der letzte Satz, den Abraham in diesem Gleichnis sagt, von Auferstehung erzählt. Doch ich sehe dort wenig Hoffnungsvolles. In Vers 31 sagt Abraham: „Wenn sie nicht auf Mose und die Propheten hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.“
Das Jesus in dieser Geschichte auf seine eigene Auferstehung in wenigen Monaten hinweisen will, das will ich dem Text gerne zugestehen. Doch die Botschaft ist nicht eine hoffnungsvolle. Es ist eine traurige. Jesus macht deutlich, dass auch einem Auferstandenen kein Glauben geschenkt werden wird. Und wie Recht er damit behalten sollte.

Die Sache mit den Böcken
Bell betrachtet auch die Geschichte Jesu', in der er von den Schafen und Böcken berichtet. Nachzulesen ist das in Matthäus 25. Auffällig ist, dass Bell dabei sehr viel Wert legt auf den griechischen Urtext. Und hier kommen wir zu einer argumentatorischen Fahrlässigkeit. Bell schreibt: „Aion hat, so wissen wir bereits, zwei Bedeutungen. Die eine ist „Zeitalter“ oder „Zeitraum“, die andere verweist auf eine Intensität der Erfahrung.“ (S. 101) Im Folgenden argumentiert Rob Bell dann, dass 'für immer' im Sinne von einer niemals endenden Zeitspanne gar nicht im Sinne der biblischen Autoren lag. Sie kannten, so Bell, diese Kategorie gar nicht. Nun beschreibt aber Jesus im gleichen Vers (Matthäus 25,46) auch die Belohnung der Gerechten als ein Leben, dass aion ist. Das würde aber – wenn wir der Argumentationslinie des Autors folgen – bedeuten, dass Jesus gar nicht an ein ewiges Leben gedacht hat, im Sinne von einem niemals endenden Leben! Im nächsten Kapitel bricht Bell eine Lanze für diejenige Strömung innerhalb der 'christlichen' Tradition, die davon ausgeht, dass Gott nur genügen Zeit braucht, um alle Menschen zu überzeugen. Bis die Liebe das letzte Wort hat. Bell schreibt im folgenden Kapitel folgendes:

„Hinter dieser Sicht steht der Glaube, dass sich – ausreichend Zeit vorausgesetzt jeder Gott zuwenden und sich in der Freude und dem Frieden Gottes wiederfinden kann. Die Liebe Gottes bringt jedes noch so harte Herz zum Schmelzen und selbst die „verdorbensten Sünder“ werden letztlich ihren Widerstand aufgeben und zu Gott umkehren.“ (S. 114)

Bell ist hier durchaus geschickt. Er beschreibt diese Strömung mit viel Liebe und Mitgefühl für diese Denkweise, aber er selber schreibt nicht ausdrücklich, dass er sich dazu zählt.
Wenn wir aber dabei der Argumentation des Autors folgen, dann kennt die Bibel keine Begriffe von 'ausreichend Zeit'. Im ewigen Leben geht es doch gar nicht um einen ewigen Zeitabstand. Es geht nur um eine 'Intensität der Erfahrung'? Die Gerechten werden also für einen mehr oder weniger langen Zeitraum eine sehr intensive Erfahrung von Leben machen und dann ist Ende. Oder wie sollte man begründen, dass ein uns das selbe Wort in ein und dem selben Satz zwei unterschiedliche Bedeutungsaspekte meint?
Ich sehe hier eine Inkonsequenz in der Argumentation. Wenn die Strafe nur ein Zeitraum ist, dann ist auch das Leben nur ein Zeitraum. Denn Jesus benutzt die selben Worte dafür! Wenn die Strafe nur eine besonders intensive Erfahrung ist, die einmal endet, dann ist auch die Belohnung der Gerechten eine besonders intensive Erfahrung des Lebens.

Der Heilige, der Gerechte
Eines wird sehr deutlich im ganzen Buch. In Bells Gottesbild gibt es keinen Platz für Heiligkeit. Mit Heiligkeit meine ich, dass sie Sünde verachtet, hasst, dass sie keine Gemeinschaft mit Sünde hat. Wir sehen in Bells Buch einen Ausschnitt des biblischen Gottes. Es ist der Missio Deus, wie ihn Frost & Hirsch nennen. Der Gott der Mission. Der Gott, der sich selbst in die Welt senden, um der ganzen Welt das ganze Evangelium zu bringen. Ich würde Bell unrecht tun, wenn ich behaupten würde, dieser Gott finde sich nicht in der Bibel. Doch es ist ein unvollkommenes Bild. Es ist nur ein Teil des Gottes, der sich uns selbst offenbart. Und hier sehe ich auch die Wurzel der Argumentation Bells. Denn die Hölle als ein ewiger Ort der Gottesferne, ein Ort des Leides, des Zähneknirschens, lässt sich nur auf Grundlage der Heiligkeit, der Gerechtigkeit Gottes argumentieren. Ein Gott, der nur und ausschließlich Abba, Vater, ist, schließt den heimkommenden Sohn in die Arme, ohne ein Opfer zu fordern. Doch dieser Gott findet sich so nicht in der Bibel. Am Kreuz offenbart sich der sendende und gleichzeitig gesendete Gott, der eine brennende Liebe für Sünder hat, gekommen ist um Sünder zu retten. Es zeigt aber auch den richtenden und gleichzeitig gerichteten Gott. Der Gott, der zornig ist über die Sünde der Welt. Der Gott, der Sünde hasst. Es ist dieser Zorn Gottes, der das Kreuz notwendig gemacht hat. Am Kreuz richtet Gott die Sünde der Welt und richtet sich dabei quasi selber. Mark Driscoll schreibt in Death by Love, dass am Kreuz der Vater und der Heilige Geist Gericht gehalten haben über den Sohn. Luther sagte, dass am Kreuz Jesus zum personifizierten Bösen wurde, der abscheulichsten Gestalt der ganzen Schöpfung. Dort hält Gott Gericht. Dort richtet Gott. Und dort wird Gott gleichzeitig gerichtet. Das ist das Mysterium des Kreuzes. Wo Gott selber für uns 'in die Bresche springt', wo Gott seinen heiligen, Gerechten Zorn lieber auf sich selber ausgießt und nicht über den Menschen.
Wenn wir verstehen, dass der Mensch in seinem natürlichen Zustand nicht 'menschlich' ist, dann wird der Zorn Gottes verständlich. Wenn wir verstehen, dass der Mensch in seinem natürlichen Zustand ein Feind Gottes ist, dann wird die Liebe Gottes umso größer.
Aber wenn Gott heilig ist, dann muss er Sünde bestrafen. Bell spricht immer wieder davon, dass er es nicht akkzeptieren kann oder will, dass Gott die Menschen dafür bestraft, weil sie in dieser kurzen Spanne des Lebens eine falsche Entscheidung getroffen haben oder falsch gehandelt haben. Doch das ist nicht das Urteil, dass die Bibel spricht. In der Bibel geht es um das Gericht eines heiligen Gottes über eine Menschheit, die nicht neutral ist, sondern sich ihn zum Feind gewählt hat. Und es geht um einen Gott, der trotzdem alles tut, um eine Beziehung zu den Menschen aufzubauen. Er geht so weit, sich selbst zu opfern, um den Vorhang, der uns trennt, entzwei zu reißen! Wir müssen die Heiligkeit Gottes verstehen, wenn wir Gott den Richter verstehen wollen. Wir müssen die Heiligkeit Gottes verstehen, wenn wir die Liebe Gottes und das Kreuz wirklich verstehen wollen.
Gott richtet die Menschen nicht, weil sie Jesus nicht kennen. Gott richtet Menschen, weil sie seine Feinde sind!

Rob Bell und die 'Frozen Chosen'
Ich würde dem Buch aber unrecht tun, wenn ich nur Schlechtes darin finde. Deswegen will ich auch eine Sache ansprechen, die mich wirklich positiv bewegt hat. Rob Bell wendet sich immer wieder gegen die Menschen, die sich ihrer Entscheidung oder Erwählung freuen, in ihren Gemeinden sitzen und keinerlei Einfluss auf ihre Umwelt haben. Bell schreibt:

„[Manche] verteilen Handzettel, die erklären, wie man Frieden mit Gott findet, wieder andere arbeiten in Flüchtlingslagern in Kriegsgebieten. Da gibt es die, die über Medienkanäle über bestimmte Auslegungen bestimmter Bibelverse diskutieren, und solche, die sich dafür einsetzen, Frauen und Kinder aus Zwangsprostitution zu befreien. Oft kann man den Eindruck gewinnen, das diejenigen, die es am meisten beunruhigt, dass Menschen in die Hölle kommen könnten, wenn sie sterben, sich sehr wenig von der Hölle auf Erden hier und jetzt beunruhigen lassen. Umgekehrt sind anscheinend die Leute, die vor allem die Hölle auf Erden hier und jetzt beunruhigt, am wenigsten besorgt über die Hölle nach dem Tod.“ (S. 89)

Wir müssen uns selbst die Frage stellen, ob das der Auftrag ist, den wir auf dieser Welt haben. Die Lausanner Verpflichtung sagt das deutlich: Soziale Gerechtigkeit ist nicht gleich Evangelisation. Aber sie ist ebenso unser Auftrag. Wir leben in einem wirtschaftlich lebendigen Land. Uns ist viel gegeben. Aber damit kommt auch eine Verantwortung für diese Welt einher. Zu lange haben wir die Hände in den Schoß gelegt und zugesehen, wie aus dieser Schöpfung eine Hölle auf Erden wird. Aber wir haben eine Botschaft in unseren Herzen und ein Buch auf unseren Nachttischen, die in der Lage ist, Herzen zu verändern. Rick Warren sagt, dass der einzige Weg die Welt zu verändern in der Kraft des Evangeliums liegt. Und hier liegt Rob Bells Stärke, die sich auch in diesem Buch findet. Er stellt unsere Frömmigkeit auf die Waage und fragt, ob unser Glaube wirklich mit der Bibel im Einklang steht. Was die Hölle angeht bin ich davon überzeugt. Was unsere Praxis in dieser Welt angeht, sollten wir uns diese Frage gefallen lassen.

Gods Bless,

Restless Evangelical

P.S. Es gibt wesentlich mehr zu diesem Buch zu sagen. Alle positiven und negativen Impulse in diesem Buch aufzulisten würde diese Rezension sprengen.
Empfehlenswert sind aber auch die Rezensionen von Kevin DeYoung „God is still holy and what you've learned in Sunday School is still right“ und die Rezension von Tim Challies „Love Wins – A Review of Rob Bells New Book“.

Bell, Rob: Love Wins - A Book about Heaven, Hell and the Fate of every Person who ever lived
New York; HarperOne, 2011
ISBN 10: 006204964X
ISBN 13: 978-0062049643

       Bell, Rob: Das letzte Wort hat die Liebe - Über Himmel, Hölle und das Schicksal jedes Menschen, 
       der je gelebt hat
       Gießen; Brunnen, 2011
       ISBN 10: 3765511218
       ISBN 13: 978-3765511219

Das Buch lässt sich übrigens hervorragend in der FTH Buchhandlung bestellen:
http://www.ftabooks.de/

Mittwoch, 4. Mai 2011

Osamas Tod – Grund zur Freude?


Wie wahrscheinlich alle wissen, ist vor wenigen Tagen der meistgesuchte Terrorist der Welt ums Leben gekommen. Eine Spezialeinheit amerikanischer und pakistanischer Soldaten hat ihn in seinem Versteck in Pakistan zur Strecke gebracht.
Ich will mich jetzt aber weniger mit den Einzelheiten dieser Operation befassen, als vielmehr mit der Frage, wie man diesen Tod bewerten sollte.

Ich möchte mich jetzt, wie Kevin in seinem Post, mit den zwei Fragen befassen:
  1. Hat Osama Bin Laden den Tod verdient?
  2. Haben sich die Soldaten schuldig gemacht, als sie ihn umgebracht haben?

Zu 1) Die Frage, die dieser Frage natürlich zu Grunde liegt, ist die nach der Todesstrafe – oder englisch 'Captial Punishment'.
Ist der Christ heute dazu angeleitet, eine solche Strafe zu fordern? Als Christen sollten wir uns als erstes unserer eigenen Sündhaftigkeit bewusst werden. Kevin schreibt in seinem Artikel, dass es nur eine Halbwahrheit ist, dass es keine schlimmeren oder leichteren Sünden gibt. Die Messlatte, die die Bibel aber anlegt, ist die Messlatte aus dem Jakobusbrief. Wer ein Gebot gebrochen hat, hat sie alle gebrochen. Aus Jesu' Bemerkung über Kapernaum etwas anderes zu schließen, halte ich für vorschnell. Denn wenn wir uns den biblischen Sündenbegriff deutlich machen, dass geht es nicht um Tatsünden. Es geht sehr viel mehr um eine sündige Natur, die den Menschen innewohnt. Diese macht sich dann deutlich aus den Taten, die wir ausführen. Es sind aber nicht die Taten, die uns von Gott trennen, sondern unsere sündige Natur. Das sollten wir dabei festhalten.
Wir sollten Menschen, die sich eines Mordes schuldig gemacht haben – und ich will damit in keiner Weise ihre Schuld herunterspielen oder zur Anarchie aufrufen – mit der Gnade begegnen, mit der unser Erlöser uns begegnet. Immerhin sagt Jesus selber, dass es bei er Sünde nicht um die ausgeführte Tat, sondern um die Herzenshaltung geht. Wenn ein Mann einer Frau hinterher sieht und sie sexuell begehrt (sich also an ihrer Gestalt einen sexuellen Reiz holt, sie zu einem Objekt ihrer Lust degradiert), der hat im Herzen schon Ehebruch begangen. Dabei ist die Ausführung des Wunsches nicht wirklich schlimmer vor Gott als der Wunsch. Das lässt sich auf Mord ebenso übertragen! Und wer hat denn noch nie im Zorn schlechtes über das Leben eines anderen gedacht? Hat nicht jeder von uns schonmal gedacht: Ach verrecke! Ich würde mir wünschen, du wärest nie geboren? Und was man im Zorn alles denkt? Was also macht uns besser, als Osama Bin Laden? Nichts in mir macht mich besser. Nichts in mir macht mich würdiger, zu leben. Es ist die pervertierte Natur in uns, die uns irgendeine diebische Freude dabei verspüren lässt, wenn wir einen Unfall auf der Autobahn sehen. Wir würden das nicht aussprechen – aber irgendwie wollen wir hinsehen, wollen wir etwas spektakulären sehen, oder nicht? Ich denke, dass wir dabei den Maßstäben der Bergpredigt schon nicht mehr genügen.
Im Übrigen wird uns als Christen das Gebot zur Todesstrafe auch nicht im Neues Testament wiederholt. Unser Herr sagt noch, kurz bevor er ans Kreuz geschlagen wird, dass jeder, der mit dem Schwert kämpft, durch das Schwert umkommen wird.
Wenn ich ehrlich bin, dann will ich nicht durch die Giftspritze, den Elektrischen Stuhl oder durch einen Kopfschuss sterben!

Haben sich die Soldaten schuldig gemacht?
Ich denke, auch hier möchte ich ein Nein sagen. Das Problem liegt nicht in erster Linie bei den Soldaten. Die – so lange sie Christen waren, das kann ich nicht überprüfen – sind offensichtlich gelehrt worden, dass es christlich Recht ist, diesen Job auszuführen. Und das ist er auch, wenn es um Verteidigung des Landes geht. In einer Überfallsituation sollte ein Land in der Lage sein, seine Freiheit zu verteidigen. Auch wenn Jesus uns – im persönlichen Umfeld – sagt, wir sollten lieber unsere andere Wange hinhalten, denke ich, dass es ein Recht auf Selbstverteidigung gibt. In diesem Falle aber ist wenig von Selbstverteidigung zu sehen. Osama war dabei, nach dem, was ich als letztes in der Zeitung gelesen habe, offensichtlich unbewaffnet. Wäre also ein einfach Festnahme nicht auch möglich gewesen? Ging es hier vielleicht um einen Rachefeldzug eines Landes, dass sich – völlig zurecht! - angegriffen fühlt? Ich will Osama hier sicher nicht auf einen Ehrenthron heben, er hat viele Tausend Leben auf den Gewissen. Und das ist furchtbar, ein Akt der Grausamkeit. Durch kein Argument zu rechtfertigen. Aber was bewegt einen Präsidenten, einen Verteidigungsminister, einen General, dazu, den Abschuss freizugeben bei einem Unbewaffneten? Was macht den Impulsgeber in dieser Situation besser, als das Opfer? Im Einzelfall denke ich offensichtlich gar nichts.

Gestern in einer Vorlesung hat uns unser Dozent gesagt, dass er auch freudig reagiert hat, als er die Nachricht vom Tod Osamas gehört hat. 'Das ist doch eine gute Nachricht!', sagte er daraufhin zu seinen Kollegen. Unser Dozent für Ethik fragte ihn darauf hin: 'Wirklich? Ist das ein Grund zur Freude?'.
Ich denke, wir sollten uns nicht in erster Linie über den Tod eines Menschen freuen. Wir sollten uns unserer eigenen Schuld bewusst werden im Anbetracht dieser Nachricht und dankbar sein für die Gnade, die uns gezeigt wurde. Ein Mann weniger hat nun die Chance, Vergebung zu erfahren. Ein Mann mehr wird eine Ewigkeit getrennt von Gott verbringen. Freude scheint mir angesichts dessen nicht unbedingt die richtige Reaktion.

Gods Bless,
Restless Evangelical