Samstag, 7. Mai 2011

Gott verkünden in Leidenschaft, Liebe, Heiligung, Wahrheit und Staunen!

Ich habe mich heute mal an das Buch Don't Call It a Comeback – The Old Faith for a New Day von Kevin DeYoung (editor) gemacht. Ich werde noch eine ausfürliche Rezension zu dem Buch schreiben, wenn ich durch bin. Aber Kevins Beitrag zur Frage, wie wir als Christen die 'Next Generation' erreichen, fand ich sehr herausfordernd und wichtig.
Ich will hier einmal seine vier Prinzipien reflektieren.

a. Grab them with passion
Kevin sagt in diesem Artikel sehr richtig, dass das Problem vieler Gemeinden nicht mangelndes Verständnis für die Jugendkultur ist oder eine angestrebte 'Contextualisation', sondern vielmehr (und hier führt Kevin ein Zitat von Whitefield an), dass „they have dead men to preach to them“ (S.23)
Wenn man die kommende Generation (oder jede Generation!) erreichen will, dann sollte man zu allererst begeistert von Jesus sein und etwas predigen, von dem man begeistert ist. Das erleben wir doch ständig. Wenn uns ein Freund oder Bekannter von einem neuen Buch, einem Film, einer Sportart, einem Cafe, einer Bar, einer Discothek, einem Prediger oder was auch immer erzählt, und man ihm dabei anmerkt, dass er begeistert von dieser Sache ist, dann werden wir uns dreimal überlegen, ob wir das ignorieren. Ich vermute auch hinter dem reformierten Aufbruch in Amerika und mittlerweile in Deutschland ebenso mehr das Vorbild begeisterter Prediger als Begeisterung für eine Lehre. Er kommt nicht einfach von irgendwo her, dass Menschen sich wieder für Lehre interessieren. Vieles hängt damit zusammen, dass junge Menschen Vorbilder haben, deren klare, orthodoxe, konservativ-evangelikale Dogmatik bei ihnen zu sprühender Leidenschaft führt und nicht zu zurückgezogenem Christsein.

b. Win them with Love
Kevin fasst diesen Punkt zusammen mit: „Love won't guarantee the young people will never walk away from the church, but it will make it a lot harder. It won't guarantee that non-Christians will come to Christ, but it will make the invitation a whole lot more attractive“ (S.25) Wenn sich nicht-Christen angenommen fühlen, geliebt und ernstgenommen, dann wird es in jedem Fall das Zeugnis stärken. Damit meine ich nicht – und das mein auch Kevin nicht – dass wir den nicht-Christen Honig um den Bart schmieren. Nicht, dass wir nur Dinge sagen, die ihnen gefallen. Liebe bedeutet immer auch Ehrlichkeit. Aber Ehrlichkeit in Liebe. Wie auch Tim Keller sagt, dass eine missionale Gemeinde den Unglauben den Kommenden versteht, nachvollziehen kann. Eine missionale Gemeinde hat Raum für Ungläubige, weil sie das Imago Dei erkennen, dass auch in den nicht-Christen schlummert. Frost & Hirsch sagen dazu sehr deutlich, dass ein ReJesus der Gemeinden dazu führt, dass wir die Welt anders sehen. Wir sehen die Ebenbildlichkeit Gottes in allen Menschen und behandeln sie deswegen mit dem Respekt, den sie verdienen. Und das bedeutet auch immer, dass wir bei unseren eigenen Fehlern anfangen. Ehrlich sind über unsere eigene Fehlbarkeit und ebenso liebevoll und respektvoll auf die Fehlbarkeit des Gegenübers verweisen!

c. Hold them with holiness
Kevin macht sehr deutlich, wie zentral unser eigenes Zeugnis mit unserer Heiligung zusammenhängt. Er bringt es so auf den Punkt, dass er feststellt, die 'Evangelikalen' haben schnell gemerkt, dass es einfacher ist, unsere Gemeindestruktur zu ändern, als uns selbst. Aber es kommt sehr viel auf unser Gebundenheit an die Wahrheit an. Wie ein Freund es mir gegenüber gestern auf den Punkt brachte: Unser Leben ist weniger wert als das Zeugnis der Wahrheit! Wir müssen eben manches aufgeben, dass auf den ersten Blick Spaß macht, weil es dem Zeugnis der Wahrheit widerspricht. Wenn nicht-Christen erkennen, dass die Wahrheit uns so packt, so beeinflusst, dass wir eine tiefere Freude als die Freude der Welt suchen, dann werden sie aufmerksam. 'Irgendwas ist anders bei denen!', 'Irgendwie wirklich die nicht wie die Christen, die wir kennen', 'Irgendwie leben die ihr Christsein wirklich'. Wenn wir an unserer Heiligung arbeiten, werden viele Christen um uns herum angesteckt und dann haben wir auch einen Einfluss auf die Welt um uns herum.
Oder wie Robert Murray M'Cheyne es audrückt: „My people's greatest need is my personal holiness.“ (S.25)
d. Challenge them with truth
Kevin merkt an, dass die Gemeinden sich lange die Frage gestellt haben, wie man die nächste Generation erreicht, ohne die wichtige Lehre aufzugeben. Aber er will den Fokus umlenken, dass wir erkennen, dass wir die nächste Generation am besten dadurch erreichen, dass wir ihnen die wichtige Lehre erklären. Doch auch hier sollte man bei sich selbst anfangen. Kevin schreibt: „Challenging the next generation with truth starts with honest self-examination. We must ask, Do I know the plotline of the Bible? Do I know Christian theology? Di I read meaty Christian books?“ - und dann stellt er die wichtigste Frage: „Do I know anything about justification, redemption, original sin, propitiation and progressive sanctification?“ (S.29)
Wir werden niemanden mit der Wahrheit der Biblischen Lehre herausfordern, wenn wir sie selbst nicht kennen. Wir müssen uns selbst als erstes Herausfordern mit der Frage: Ist das, was ich glaube und was ich gelernt habe, wirklich das, was die Bibel lehrt? Das was historisches Christentum gelehrt hat? Das was die erste Gemeinde gelehrt hat? Und zum Schluss: Das was Jesus gelehrt hat? Wieviel von meinem Glaubensgebäude ist aufgebaut auf den morschen Säulen von Tradition und nicht auf dem Grundstein, den die Bauleute verworfen haben?
Wenn wir beginnen, die biblische Lehre wirklich zu verstehen, dann rutscht sie auch vom Kopf ins Herz und wir kommen ganz automatisch bei Punkt a. An!

e. Amaze them with God
Das wichtigste von allem aber, das macht Kevin am Schluss klar, ist, dass wir Gott zum Zentrum von allem machen, was wir predigen, sagen, tun, denken und fühlen! Wir sollten nicht anfangen, Taten zu predigen, egal in welche Richtung zu gehen, ob persönliche Heiligung oder Gesellschaftstransformation. Jedenfalls sollten wir das nicht losgelöst von Gott predigen. Wir sollten Gott nicht menschlich machen, nicht auf unsere Ebene hinunter ziehen. Er ist nicht wie wir! Und das ist auch gut so. Kevin schreibt: „Give them [next Generation] a God who is holy, independent, and unlike us, a God who is good, just, full of wrath, and full of mercy. Give them a God who is sovereign, powerful, tender, and true. Give them a God with edges.“ (S.29f)
Es ist wichtig, dass nicht wir im Mittelpunkt unseres Gemeindelebens, unseres Dienstes, unseres Alltags stehen, sondern Gott. Wenn wir einen Gott verkünden, der soviel höher steht als wir, so anders ist als wir, und sich uns trotzdem bekannt macht, das sich uns offenbart, damit wir ihn Kennenlernen können, dann verkündigen wir etwas interessantes. Kevin schließt so: „Imagine that. Reaching the next generation for God by showing tham more of God. That's just crazy enough to work.“ (S. 31).

Es gibt eine ganze Menge zutun – krempeln wir die Ärmel hoch und lassen Gott ans Werk, in uns, durch uns, für ihn!

Gods Bless,

Restless Evangelical

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