Sonntag, 15. Mai 2011

Mark Driscoll Interview im Relevant Magazine

Das Relevant Magazine, das alle 2 Monate erscheint, hat sich als Leitmotto auf die Fahnen geschrieben, dass über 'Gott, Leben und progressive Kultur' berichten wollen. In dem Sinne lassen sie ('emergente') Pastoren jeder Colour zu Wort kommen, mit der Frage, wie man das Christentum in unserer ständig wechselnden kulturellen Umgebung am geschicktesten verkündigt.
Die Seite ist immer mal einen Blick wert und jetzt bin ich auf ein Interview gestoßen, das Mark Driscoll dem Magazin vor einigen Monaten gegeben hat. Ein genaues Datum habe ich nicht finden können auf der Seite, aber den Kommentaren zu folge muss es schon einige Monate alt sein.
Das Interview findet ihr hier.

Ich fand es sehr lesenswert, wie dieser Prediger auf das erste Jahrzehnt seines Predigtdienstes zurück sieht. Im Interview sagt er, dass er jetzt seit 13 oder 14 Jahren predigt.
Manchmal fühle ich mich dazu gedrängt, zu denken, dass mein Theologiestudium mich jetzt zu einem 'Experten' in Sachen Christentum macht. Als ob ich Google für Jesus bin (eine Phrase, die Driscoll manchmal benutzt).
Und dann lese ich ein solches Interview. Es ist kein Geheimnis, dass Driscoll eines meiner größten Vorbilder im Dienst ist. Und auch (oder gerade!) Pastor Mark sagt auf die Frage, ob er manche seiner Statements aus der Vergangenheit bereut:

" If I could hit control-alt-delete and go back and do like they used to in Men in Black and just hit a button to make certain people forget certain things, that would be awesome. My hope, my prayer, my goal is to do better, by God’s grace, to learn, to grow, to be sanctified and mature—to be less shock-jock and more Jesus-centered."

Was ich daraus entnehme, ist die realistische Sicht auf den vollzeitlichen Dienst, dass man eben nicht immer alles richtig machen kann und vor allem nicht machen wird! Wir sollten nicht einen unrealistischen Maßstab an uns selbst anlegen. Wir sind auf einer Reise hin zu Perfektion, aber das Ziel erreichen wir erst, wenn wir einmal in Jesu' Armen liegen, eines Tages. Solange wir hier sind, zwischen dem 'Schon Jetzt' und 'Noch Nicht' hin und her gerissen, werden wir keine perfekte Theologie, keinen perfekten Dienst und kein perfektes Leben haben. Aber wir können darin wachsen, Jesus zentriert zu sein. Gerade für Leute, die sich auf einen vollzeitlichen Dienst vorbereiten, sollte das eine deutliche Ausrichtung sein. Geben wir unser Bestes - mit Hilfe von Gottes Gnade werden wir auch darin wachsen, reif zu sein, Jesus-zentriert zu sein. Aber lasst uns nicht verzweifeln, wenn es mal eine Predigt gab, die schlecht war. Lasst uns nicht verzweifeln, wenn wir mal in unserer Heiligung einen großen Schritt zurück gemacht haben.
Ich will das nicht gut heißen! Wir sollten unser Bestes geben. Aber unser Bestes ist vor Gott eben auch 'nicht mehr als ein blutiger Tampon' - wie Mark Driscoll gerne betont. Wir sind am Ende abhängig in unserem Dienst von Gottes Gnade.
Albert Mohler hat im Vorwort zu 'On Being a Pastor' von Darrek Prime und Alistair Begg folgendes geschrieben:

"The Christian Pastor holds the greatest office of human responsibility in all creation. He is called to preach the Word, to teach the truth to God's people, to lead God's people in worship [...].Who can fulfill the job description?
Of course, the answer is that no man can fulfill this calling." (S.9)
Und dann kommt der wichtige Satz:
"The Christian pastor must continually acknowledge his absolute dependence upon the grace and mercy of God." (S.9)


Eine zweite Sache ist mir in dem Interview deutlich geworden. Man muss im christlichen Dienst unterscheiden zwischen solchen Themen, die Zentral sind, die den christlichen Glauben tragen und die man nicht aufgeben kann und darf, wenn man einen christlichen Dienst leitet. Mark nennt sie die 'closed-handed issues'. Was man bei vielen Christen sieht, die 'relevant' sein wollen, ist die Öffnung dieser geschlossenen Hand.
Es ist nicht immer einfach, zu definieren, was in die geschlossene Hand gehört. Aber es ist eine wichtige Arbeit. Sie ist in jedem Fall zeitraubend und beansprucht ein hohes Maß an Selbstreflexion. Verdienen die Fragen, für die ich kompromisslos eingestanden bin in den letzten Jahren wirklich dieses Maß an Kompromisslosigkeit?
Ich denke, dass es hier zentral ist, über seine eigene Biographie zu reflektieren und herauszufinden, welche theologischen Fragen, die einem Pastor (oder Christ) in seinem Glauben wichtig sind, auch in der Bibel Kernfragen sind, und welche ihren Kernstatus in unserem Leben nur durch unsere Erleben auf unserer Reise zutun haben. Das ist nicht immer einfach, weil es auch bedeutet, dass wir uns entschuldigen müssen für Hartherzigkeit in Fragen, die demütige Liebe erfordert hätten. Und manchmal müssen wir Buße tun, weil wir Fragen vom Tisch gewischt haben, die intensives Bibelstudium und kompromisslosen Einsatz erfordert hätten.

Doch das ist nicht der einzige Fehler, den wir als Christen machen können. Denn in der anderen Hand sind die 'open-handed issues'. Oftmals können wir in unserem Glauben erleben, wie für uns oder unsere Freunde auf dem Weg sich diese offene Hand schließt. Mark Driscoll nennt das in dem Interview 'Dogmatismus'. Wenn man Randfragen zu Kernthemen erhebt, dann verfallen wir oft in eine lieblose Wahrheitssucht, die nicht dem Reich Gottes dient, sondern nur unserem Geltungsbedürfnis. Auch hier ist demütiges Bibelstudium und Rückversicherung durch die Kirchengeschichte zentral, um die Hand offen zu halten, die offen sein muss.
Wir sollten nicht denken, dass es einfach ist, zwischen der offenen und der geschlossenen Hand zu unterscheiden. Es wir immer ein Ringen um die Wahrheit und den richtigen Umgang sein.
Und wie froh bin ich, dass wir dabei Gottes Gnade unter unseren Armen wissen dürfen, die uns bei dieser Arbeit nicht nur unterstützt, sondern den Großteil für uns tut. Wir wissen ja, dass wir ohne Jesus gar nichts tun können.

Gods Bless,

Restless Evangelical

Kommentare:

  1. DAnke. Tut gerade sehr gut das zu lesen!
    Bin ich dankbar dich kennen zu dürfen!
    be blessed und strecke beiede Hände (die geschlossene udn die offene hin zu JESUS)

    bis gleich

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  2. Vielen Dank für den interessanten Link und Kommentar. Was mich eigentlich motiviert zu schreiben, ist der meiner Meinung nach unpassende und widerlich anstoßende Vergleich Driscolls mit dem blutigen Tampon. Das ist für mich ein weiterer Grund, seine Art nicht zu mögen.

    Außerdem hat ein blutiger Tampon, soweit ich mich da auskenne, seine Aufgabe erfüllt. Aber werden wir am Ende unsere Aufgabe so erfüllt haben?! Vielmehr sollen wir uns für unnütze Knechte halten, statt für nützliche. Denn ein blutiger Tampon war nützlich. Es ist und bleibt ein für einen ernsthaften Prediger des Wortes perverser Vergleich!

    Grüße

    Raphael

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  3. Findest du, dass es unpassend ist?
    Wenn Jesaja schreibt (Jesaja 64,5), dass vor Gott unsere Gerechtigkeit wie ein schmutziges Tuch ist, dann schreibt er etwas sehr ähnliches.
    Die Genfer Studienbibel schreibt folgende Fußbote:
    'wie ein beflecktes Kleid' - Das sit ein Gewand, das durch Menstruationsblut besudelt ist...

    Klingt für mich ziemlich gleich.
    Ach Raphael,
    ich bin dir immer dankbar für deine guten Einsichten, aber richte nicht zu vorschnell!
    Ich denke, dass die paraphrasierung von Driscoll in unserer Zeit genau das ausdrückt, was Gott in Jesaja 64,5 ausdrücken wollte.
    Du nennst es einen perversen Vergleich - aber genau das tut doch Gott auch in Jesaja 64,5? Wenn soger die reformierte (!) Genfer Studienbibel angibt, dass es sich um genau das handelt - einen blutigen Tampon!
    Es geht dabei nicht um Aufgabe erfüllt oder nicht. Es geht um den ekel, den Gott vor unserer Gerechtigkeit hat und wievbiel schöner, reiner, höher, besser die Gerechtigkeit Jesu ist, die uns angerechnet wird.
    Und wie unglaublich wunderbar dann die Wahrheit ist, dass Jesus uns durch seinen Tod nicht nur vergibt. Piper: "Er guckt nicht nur auf einen schuldigen Sünder im Gerichtssaal und sagt: Ich vergebe dir, geh und sündige nicht mehr. Er sieht auf den schuldigen Sünder und sagt: Du bist UNSCHULDIG!
    Schöne Sache, wenn ich da an seinen ekel vor meiner Gerechtigkeit denke =)

    Beste Grüße,

    Marcus

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  4. Ja, du hast Recht, die Bibel nutzt diesen Vergleich. Aber haben wir darum das Recht, das Gleiche zu sagen? Bzw.: müssen wir es unbedingt ausschmücken? Die Bibel spricht auch von den Schweinen, die das Evangelium nicht glauben wollen, dem Maul stopfen der Irrlehrer, dem Otterngezücht, den getünchten Gräbern, etc. - es stellt sich die Frage, ob man all das ausschmücken muss oder sich nicht mit wiederholen begnügen kann. Außerdem stellt sich immer auch die Frage, wer etwas sagt. Man fragt sich, warum scheinbar nur ein Marc Driscoll solche Vergleiche bringt? Vielleicht weil er es manchmal etwas an verbalem Anstand fehlen lässt?

    Aber damit will ich ihn nicht "in Bausch und Bogen" verurteilen.
    Grüße

    Raphael

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  5. Wo genau schmückt Mark Driscoll denn aus?
    Wenn ich an Verbalinspiration glaube - und das tue ich - dann gehe ich in jedem Fall davon aus, dass der Urtext inspiriert ist. Die Bibel also als solche nutzt hier ein Wort, dass im Hebräischen für die Tücher benutzt wurde, die eine Frau während ihrer Menstruation nutzt in jener Zeit - im Äquivalent zu einem Tampon in unserer Zeit.
    Meinst du nicht, dass du hier irgendwelche kulturell geschliffenen Maßstäbe ansetzt und nicht die biblischen?
    Ich bin davon überzeugt, dass es die Aufgabe eines jeden Predigers ist, den Bibeltext historisch korrekt zu verstehen, mit brücksichtigung der Kultur, in die hinein er geschrieben wurde und der spezifischen Eigenschaften des Autors und ihn dann in der Anwendung auf die Situation des Lesers/Hörers heute zu übertragen! Und dabei sollten wir nicht die Maßstäbe einer Kultur von vor einem Jahrhundert anlegen.
    Wir sollten in einer Sprache sprechen, die unsere hörer verstehen. - Und wenn die Bibel diesen Vergleich macht, wer bin ich dann, einem anderen diesen Vergleich zu verbieten oder viel mehr noch ihn 'pervers' zu nennen und 'unpassend' und 'widerlich abstoßend'?

    Beste Grüße,
    Marcus

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