Dienstag, 17. Mai 2011

Missional - Reizwort und Modewort

Durch Ed Stetzer's Blog bin ich gestern auf ein Dokument gestoßen.
Es nennt sich das 'Missional Manifesto' und Urheber sind neben Ed Stetzer:

Alan Hirsch – Missiologe aus Australien und Co-Autor des erstaunlichen Buches Der wilde Messias (engl. ReJesus) sowie Die Zukunft gestalten

Tim Keller – Gründer und Pastor der Redeemer Presbyterian Church in New York und Autor solcher erstaunlicher Bücher wie: Warum Gott?, Der verschwenderische Gott und in diesem Fall wichtig: Generous Justice

Dan Kimball – Pastor der Vintage Faith Church in Santa Cruz und Autor von 'Emerging Church' und 'They Like Jesus but not the Church'. Außerdem wird er immer wieder als einer der konservativeren Teile der 'emergent conversation' genannt.

Eric Mason – Pastor der Epiphany Fellowship in Philadelphia

J.D. Greear – Pastor der Summit Church in Raleigh (die erst vor kurzen zu den zwanzig schnellstwachsenden Gemeinden Amerikas gewählt wurde). Das erklärte Ziel dieser Gemeinde ist es, in den nächsten 40 Jahren mindestens 1000 Gemeinden gegründet zu haben. Ed Stetzer geht darauf ein in 'Viral Churches'. Außerdem hat er das Buch „GOSPEL: Recovering the Power that Made Christianity Revolutionary“ geschrieben.

Craig Ott – Associate Professor für Missiology an der Trinity Evangelical Divinity School. Das ist das Seminar, an dem auch D.A. Carson lehrt, ebenso wie Eckhard Schnabel. Auch Wayne Grudem war lange Zeit dort. Außerdem hat er viele Jahre als Gemeindegründer in Deutschland gewirkt.

Linda Bergquist – Missions Stratege der Noth American Mission Board und Autorin von 'Church turned inside out'

Philip Nation – Missiologe in Ed Stetzer's Institute 'LifeWay Research'

Brad Andrews – Pastor der Mercyview Church in Tulsa, die Teil von Mark Driscolls 'Acts 29 Church Planting Network' ist.

(Zur Vollständigkeit: Ed Stetzer ist Missiologe und Leiter des 'LifeWay Research' Institutes und Autor vieler verschiedener Bücher. Unter anderem: 'Viral Churches', 'Planting Missional Churches' und 'Comeback Churches'. Außerdem ist er Gastprofessor an der Trinity Evangelical Divinity School)

Es sind also einige Leute aus verschiedenen Bereichen der evangelikalen Bewegung zusammen gekommen und haben – nach Ed Stetzers eigener Aussage – ein Jahr an diesem Dokument gearbeitet. Der Sinn dahinter ist, dass man zu einer Definition des Wortes Missional kommen will.
Das ist deswegen bedeutend, weil dieses Wort zu einem echten Modewort unter jungen Evangelikalen geworden ist. Es wird von den New Calvinists ebenso gebraucht wie von vielen Emergent Church Christen auch.
Doch es ist wahrscheinlich, dass bei so unterschiedlichen Ansichten, dieses Wort wohl anders gefüllt wird.
Mit diesem Dokument von einigen wirklich anerkannten evangelikalen Missiologen (und/oder Pastoren) etwas an der Hand zu haben, mit dem man das Wort missional definieren kann, ist deswegen längst überfällig.
Dieses Dokument ist es wirklich wert, intensiv gelesen zu werden und unter kritische (biblische!) Prüfung zu stellen. Und ich bin überzeugt, dass es diesem Anspruch mehr als gerecht wird.
Ich möchte kurz über ein paar Stellen schreiben, die mir dabei aufgefallen sind.

  1. Although it is frequently stated "God’s church has a mission," according to missional theology, a more accurate expression is "God’s mission has a church"“
Die Missionale Konversation dreht sich zu aller erst um Gott. In der Missionstheologie geht man seit langem vom Grundsatz des 'Missio Dei' aus. Das bedeutet, dass Gott an sich ein sendender Gott ist und ein gesendeter Gott. Der Vater hat den Sohn gesandt, der Vater und der Sohn gemeinsam senden den Heiligen Geist und alle Drei senden gemeinsam die Gemeinde in die Welt. Wir müssen Mission und davon abgeleitet den missionalen Ansatz von dieser theologischen Grundlegung festmachen. Es sind nicht wir, die Mission betreiben, sondern Gott, der uns an seiner Mission teilhaben lässt. Das ist die erste und wichtigste Voraussetzung, um missional zu denken und einen missionalen Gemeindebau zu betreiben. Wenn es Gott ist, der sich selbst sendet, wenn es Gott ist, der Mission betreibt und wir nur seine Teilhaber sind, dann 'tranformiert die Mission' (Titel von einem Standartwerk der Missiologie von David Bosch) zu etwas völlig neuem.
Alan Hirsch – einer der Urheber dieses Dokuments – drückt das so aus:
Anstatt in ihm nur den liebenden, aber völlig distanzierten Vater zu erkennen, der uns zu sich ruft und dabei die Geschicke der Weltgeschichte von oben herab lenkt, werden wir Gott in unserem Leben ganz nah am Werk sehen. Wir werden ihn als jemanden kennenlernen, der sich selbst zu uns sendet, anstatt auf unsere Rückkehr zu ihm zu warten. (Der Wilde Messias, S. 30, Neufeld Verlag)

  1. Missional is not synonymous with movements attempting to culturally contextualize Christianity, implement church growth, or engage in social action. The word missional can encompass all of the above, but it is not limited to any one of these.“
Ich habe schon oft die Definition für 'missional' gehört und auch selbst benutzt, dass es sich um eine Neuschöpfung handelt, indem man die Wörter 'missionary' und 'social' zusammengesetzt hat. Missional in diesem Sinne als Mission in Verbindung mit sozial-diakonischer Arbeit zu verstanden sei. - Doch dem muss man deutlich widersprechen. Wer sich mit der missionalen Bewegung auseinandersetzt, wird schnell feststellen, um wieviel mehr als soziale Aktion es bei diesem Begriff geht. Wie wenig er verbunden werden sollte mit einer bestimmten Strömung moderner Gemeindeformen. Man darf Missional nicht mit 'Emerging Church' 'Emergent Conversation' oder etwas anderem gleichsetzen. Viele von diesen Bewegungen, und sicher auch ein Großteil der New Calvinists versteht sich als missional. Aber eine Missionale Gemeinde versteht sich als ganzheitlich auf die Mission Gottes in dieser Welt ausgerichtet. Nicht nur in ihrer Verkündigung. Nicht nur in ihrem evangelistischen Herausreichen in eine verlorene Welt. Alles in einer Missionalen Gemeinde sollte auf den Gott ausgerichtet sein, der sich selbst in die Welt sendet, um die Welt zu retten. Dieses anliegen liegt im Herzen des missionalen Begriffs und hier beginnt das missionale Gespräch.

  1. We believe the mission of the church continues in multiplying and maturing the followers of Christ (discipleship), increasing the number of congregations (church planting) dedicated to God’s kingdom (living under His lordship), extending God’s fame throughout the earth (worship), and doing good in the name of Christ (works of mercy).“
Dieser letzte Absatz in dem Dokument ist so wichtig. Die Mission der Gemeinde ist nicht erschöpft mit einer einzigen Tat. Sei es die Lehre der Jünger, sei es das Jüngermachen, sei es das geheiligte Leben, sei es Anbetung der Größe unseres herrlichen Gottes oder seien es soziales Leben der Gnade und Gerechtigkeit Jesu. Wir sind dazu aufgerufen, unser ganzes Leben verändern zu lassen von dem wilden Messias, den wir in den Evangelien finden. Der Messias, den wir in Lukas finden, ist einer, der sich speziell mit den Randfiguren unserer Gesellschaft befasst. Es ist in der Mitte von denen, die von der Religiösen Elite seiner Zeit aus dem Dorf gejagt wurden.
Wieder Alan Hirsch:
Alan unterrichtet an einem Seminar im amerikanischen Süden, dem „Bible-Belt“ (A. d.Ü. „Bibelgürtel“ – Gebiet im Süden der USA, wo ein konservatives Christentum vorherrschend ist). Er fragte: „Was würden wir mit Jesus anstellen, wenn er auf einmal in unserer Kirche auftauchen würde?“ Ein besonders mutiger junger Mann antwortete mit einer Aufrichtigkeit, die uns das Herz stocken ließ: „Wir würden ihn wahrscheinlich umbringen!“ Alle Anwesenden wussten, dass diese Antwort nichts anderes als die schreckliche Wahrheit war.“(Der Wilde Messias, S.97, Neufeld Verlag)
Der Begriff 'missional' liegt am Herzen dieser Idee, dass wir ein Christentum brauchen, dass ich mehr an dem orientiert, was Jesus von seiner Gemeinde wollte, als dem, was Traditionen daraus gemacht haben. Es geht um eine Rekalibrierung auf den, der sich niemals ändert, den Missio Dei, des sendenden und gesendeten Gott. Es geht um Jesus. Es geht um Gott!

Gods Bless,

Restless Evangelical

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen