Mittwoch, 4. Mai 2011

Osamas Tod – Grund zur Freude?


Wie wahrscheinlich alle wissen, ist vor wenigen Tagen der meistgesuchte Terrorist der Welt ums Leben gekommen. Eine Spezialeinheit amerikanischer und pakistanischer Soldaten hat ihn in seinem Versteck in Pakistan zur Strecke gebracht.
Ich will mich jetzt aber weniger mit den Einzelheiten dieser Operation befassen, als vielmehr mit der Frage, wie man diesen Tod bewerten sollte.

Ich möchte mich jetzt, wie Kevin in seinem Post, mit den zwei Fragen befassen:
  1. Hat Osama Bin Laden den Tod verdient?
  2. Haben sich die Soldaten schuldig gemacht, als sie ihn umgebracht haben?

Zu 1) Die Frage, die dieser Frage natürlich zu Grunde liegt, ist die nach der Todesstrafe – oder englisch 'Captial Punishment'.
Ist der Christ heute dazu angeleitet, eine solche Strafe zu fordern? Als Christen sollten wir uns als erstes unserer eigenen Sündhaftigkeit bewusst werden. Kevin schreibt in seinem Artikel, dass es nur eine Halbwahrheit ist, dass es keine schlimmeren oder leichteren Sünden gibt. Die Messlatte, die die Bibel aber anlegt, ist die Messlatte aus dem Jakobusbrief. Wer ein Gebot gebrochen hat, hat sie alle gebrochen. Aus Jesu' Bemerkung über Kapernaum etwas anderes zu schließen, halte ich für vorschnell. Denn wenn wir uns den biblischen Sündenbegriff deutlich machen, dass geht es nicht um Tatsünden. Es geht sehr viel mehr um eine sündige Natur, die den Menschen innewohnt. Diese macht sich dann deutlich aus den Taten, die wir ausführen. Es sind aber nicht die Taten, die uns von Gott trennen, sondern unsere sündige Natur. Das sollten wir dabei festhalten.
Wir sollten Menschen, die sich eines Mordes schuldig gemacht haben – und ich will damit in keiner Weise ihre Schuld herunterspielen oder zur Anarchie aufrufen – mit der Gnade begegnen, mit der unser Erlöser uns begegnet. Immerhin sagt Jesus selber, dass es bei er Sünde nicht um die ausgeführte Tat, sondern um die Herzenshaltung geht. Wenn ein Mann einer Frau hinterher sieht und sie sexuell begehrt (sich also an ihrer Gestalt einen sexuellen Reiz holt, sie zu einem Objekt ihrer Lust degradiert), der hat im Herzen schon Ehebruch begangen. Dabei ist die Ausführung des Wunsches nicht wirklich schlimmer vor Gott als der Wunsch. Das lässt sich auf Mord ebenso übertragen! Und wer hat denn noch nie im Zorn schlechtes über das Leben eines anderen gedacht? Hat nicht jeder von uns schonmal gedacht: Ach verrecke! Ich würde mir wünschen, du wärest nie geboren? Und was man im Zorn alles denkt? Was also macht uns besser, als Osama Bin Laden? Nichts in mir macht mich besser. Nichts in mir macht mich würdiger, zu leben. Es ist die pervertierte Natur in uns, die uns irgendeine diebische Freude dabei verspüren lässt, wenn wir einen Unfall auf der Autobahn sehen. Wir würden das nicht aussprechen – aber irgendwie wollen wir hinsehen, wollen wir etwas spektakulären sehen, oder nicht? Ich denke, dass wir dabei den Maßstäben der Bergpredigt schon nicht mehr genügen.
Im Übrigen wird uns als Christen das Gebot zur Todesstrafe auch nicht im Neues Testament wiederholt. Unser Herr sagt noch, kurz bevor er ans Kreuz geschlagen wird, dass jeder, der mit dem Schwert kämpft, durch das Schwert umkommen wird.
Wenn ich ehrlich bin, dann will ich nicht durch die Giftspritze, den Elektrischen Stuhl oder durch einen Kopfschuss sterben!

Haben sich die Soldaten schuldig gemacht?
Ich denke, auch hier möchte ich ein Nein sagen. Das Problem liegt nicht in erster Linie bei den Soldaten. Die – so lange sie Christen waren, das kann ich nicht überprüfen – sind offensichtlich gelehrt worden, dass es christlich Recht ist, diesen Job auszuführen. Und das ist er auch, wenn es um Verteidigung des Landes geht. In einer Überfallsituation sollte ein Land in der Lage sein, seine Freiheit zu verteidigen. Auch wenn Jesus uns – im persönlichen Umfeld – sagt, wir sollten lieber unsere andere Wange hinhalten, denke ich, dass es ein Recht auf Selbstverteidigung gibt. In diesem Falle aber ist wenig von Selbstverteidigung zu sehen. Osama war dabei, nach dem, was ich als letztes in der Zeitung gelesen habe, offensichtlich unbewaffnet. Wäre also ein einfach Festnahme nicht auch möglich gewesen? Ging es hier vielleicht um einen Rachefeldzug eines Landes, dass sich – völlig zurecht! - angegriffen fühlt? Ich will Osama hier sicher nicht auf einen Ehrenthron heben, er hat viele Tausend Leben auf den Gewissen. Und das ist furchtbar, ein Akt der Grausamkeit. Durch kein Argument zu rechtfertigen. Aber was bewegt einen Präsidenten, einen Verteidigungsminister, einen General, dazu, den Abschuss freizugeben bei einem Unbewaffneten? Was macht den Impulsgeber in dieser Situation besser, als das Opfer? Im Einzelfall denke ich offensichtlich gar nichts.

Gestern in einer Vorlesung hat uns unser Dozent gesagt, dass er auch freudig reagiert hat, als er die Nachricht vom Tod Osamas gehört hat. 'Das ist doch eine gute Nachricht!', sagte er daraufhin zu seinen Kollegen. Unser Dozent für Ethik fragte ihn darauf hin: 'Wirklich? Ist das ein Grund zur Freude?'.
Ich denke, wir sollten uns nicht in erster Linie über den Tod eines Menschen freuen. Wir sollten uns unserer eigenen Schuld bewusst werden im Anbetracht dieser Nachricht und dankbar sein für die Gnade, die uns gezeigt wurde. Ein Mann weniger hat nun die Chance, Vergebung zu erfahren. Ein Mann mehr wird eine Ewigkeit getrennt von Gott verbringen. Freude scheint mir angesichts dessen nicht unbedingt die richtige Reaktion.

Gods Bless,
Restless Evangelical

Kommentare:

  1. Hallo YRE,
    ich teile eher die Meinung von DeYoung. Es stimmt zwar, dass wir alle Sünder sind. Aber du beachtest kein bisschen, dass eine Trennung von Kirche und Staat gibt. Die Frage muss man auf dem Hintergrund der Zwei-Reiche-Lehre beantworten. Du gehst nicht darauf ein, dass es einen Staat gibt, und dass für ihn eventuell andere Prinzipien gelten, als für die Privatperson oder den Christen.
    Denn Paulus schreibt in Römer 13 nicht, dass der Staat den Verbrechern mit Gnade begegnen muss, sondern die Verbrecher haben das Schwert der Obrigkit zu fürchten, weil sie es zum Vollzug der Gerechtigkeit hat.

    Ja, wir haben den Tod verdient vor Gott aufgrund unserer Sünde. Er könnte mir das Leben nehmen, aber er ist uns gnädig. Der Unterschied zwischen uns und Bin Laden ist, dass er zusätzlich noch aufgrund seiner Taten gegen einen Staat den Tod verdient hat, im Gegensatz zu uns. Da geht es gar nicht mal um die Frage nach Todesstrafe, sondern kann schon im Bereich der Verteidigung eines Landes bleiben.

    Ich habe mich auch gefragt, ob ich freuen kann. Mittlerweile denke, ich dass man sich freuen kann und ich freue mich. Denn Bin Laden hat viel Leid angerichtet und Gott hat ihn durch die Obrigkeit dafür bestraft. Noch einmal: Gott könnte mich auch wegen meiner Sünde töten, da stehe ich mit Bin Laden auf einer Stufe. Aber er ging eine Stufe weiter, als er gegen die zweite Instanz (Obrigk.) sündigte, was ich nicht tat (zumindest nicht so, dass ich den Tod verdient hätte). Wenn "nur" gegen Gott sündige, ist das eine Sache zwischen ihm und mir. Sündige ich allerdings auch gegen die Obrigkeit, so ist dann auch eine Sache zwischen mir, Gott UND der Obrigkeit, denn dazu ist da.

    Die Frage, ob er in dem Moment, als die Kugel ihn tötlich traf, eine Waffe in der Hand hatte oder nicht, ist mir da absolut egal. Solange er sich nicht gerade ergeben hat und als Geißel abgeschossen wurde, ist eine Kriegssituation. Wenn er gerade an einem Tisch steht und die Hände in den auf dem Tisch liegen und die Soldaten ihn dann erschießen, ist das ungerecht. Das sind Fragen, die nicht ausschlaggebend sind, und darum überflüssig. Und außerdem: Wer sagt denn und weiß es mit 100% Sichterheit, dass er keine Waffe hatte.
    Wäre das dann ungerecht ihm

    Des Weiteren glaube ich aber auch, dass nicht alle Sünden gleich schwer wiegen, aber das nur nebenbei.

    Gruß,

    Simon

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  2. Hey Simon,
    Osama Bin Laden hat sich sicher auf viele Weise versündigt. Die Frage ist nur, ob diese endgültige Strafe hätte sein müssen. In diesem Kontext spielt die Frage, ob er bewaffnet war, durchaus eine Rolle!
    Soweit ich das überblicke hat das Weiße Haus nun offiziell bestätigt, dass er zum Zeitpunkt seines Todes keine Waffe in der Hand hatte - sprich unbewaffnet war. Ich denke - da es sich da ja auch nicht gerade im eine schmeichelhafte Nachricht für die Befehlsgeber handelt - dass man dieser Nachricht durch aus trauen darf.
    Osamas Tod als Sicherheitswahrung zu bezeichnen, halte ich auch für gewagt. Soweit ich weiß, hatte Osama Bin Laden sogut wie nichts mehr zu sagen in der Al Quaida.
    Ich denke, man sollte das im Nachhinein nicht doppelt legitimieren. Wenn man sagen will, dass es ein Vergeltungsschlag für 9/11 war, dann ist das eine Sache, über die man diskutieren kann. Das von Osama Bin Laden noch ein großes Sicherheitsrisiko ausging. Er musste seinen Platz eben auch für die jüngere Generation räumen.
    Ob man sich darüber freue kann hat Justin Taylor sehr schön beantwortet:
    "I think it’s appropriate for Christians to intermingle grieving and gratitude.

    Grief for a life made in the image of God but so destructive of human life and so dishonoring to God."

    Beste Grüße,

    RE

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  3. Hi YRE,

    spielt die "Tatsache" das Bin Laden bei seiner Tötung unbewaffnet gewesen ist tatsächlich ein Rolle?

    Ich meine nicht. Jeder amerikanische Todeskandidat ist im Augenblick seiner Hinrichtung "unbewaffnet" und zudem völlig hilflos.

    Mir scheint dieser Aspekt daher eher nebensächlich, die Frage ob eine Regierung das Recht besitzt einen Mörder zu töten hauptsächlich zu sein.
    sdg
    apologet

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  4. Hallo YRE,

    ich stimme apologet zu. Wenn man anfängt anhand solcher Kleinigkeiten die Frage nach der Berechtigung des Todes Bin Ladens zu diskutieren, dann verliert man sich in absoluten Chaos, in dem es unmöglich wird, eine ethisch verbindliche Aussage zu machen.

    Nur mal angenommen: Es war ja eine Nacht- und Nebelaktion. Bei Nacht schläft er natürlich und hat keine Waffe in der Hand. Schlussfolgerung: man darf nicht bei einer Nachtaktion den Feind töten, weil man ihn im Schlaf unbewaffnet vorfindet und man ihn nicht erschießen darf.

    Weiter: Zählt diese Regel nun für alle Verbrecher, oder muss man bei jedem neu festlegen, ob es erlaubt ist, ihn nachts im Bett zu erschießen?
    Du siehst, dass diese Art der Unterscheidung in ein Chaos führt. Man müsste es weiter und weiter treiben, noch eine Bedingung, noch eine Klausel, noch ein Paragraph, und das bei einer Sache, die so offensichtlich ist (nämlich, dass ist vom Prinzip in Ordnung war, ihn zu erschießen).

    Gruß,

    Simon

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  5. Hey ihr Zwei,
    danke für eure Kommentare! Absolut herausfordernd.
    Lasst mich eine Sache zur zwei Reiche Lehre sagen.
    Ich frage mich, ob man diese Trennung in der Weise, wie sie in den Kommentaren engeklungen ist, wirklich machen kann.
    Ich musste an die Perikope mit der Ehebrecherin in Johannes 8 denken. Zwar ein Text, der nicht in den ältesten Handschriften zu finden ist, allerdings schon sehr früh als Apostolisch bezeugt ist.
    In der Stelle ist es ja nun sicher nicht so, dass die aufgebrachte Menge gesetzlos gehandelt hat. Nach 3. Mose 20 waren sie damit in Übereinstimmung mit dem Gottgegebenen Gesetz! Aber Jesus wendet das Gesetz erst einmal auf die Ankläger an und fragt, ob sie dieses Urteil wirklich auf ihre Schultern laden kann.
    Jesus stellt doch hier - oder irre ich mich da - die eigene Redlichkeit vor die Ausführung des Gesetzes!
    Ich spreche nicht von einem straffreien Ausgang für Osama Bin Laden, sondern von einem Ausgang, der die Chance auf Umkehr beinhaltet, wie es Jesus in diesem Beispiel deutlich macht! Gehe hin und sündige nicht mehr!

    Eine Anmerkung zur unbewaffnet-Sache:
    Ich halte diese Frage nicht wirklich für nebensächlich. Denn die Frage ob er bewaffnet war oder nicht beinhaltet die Frage, ob sich die Soldaten verteidigt haben oder nicht!
    Du, Simon, sprichst davon, dass es im Prinzip in Ordnung war, ihn zu erschießen. Genau damit sollten wir aber nicht so voreilig sein, denke ich. Amerika ist nun selbst sicher auch nicht das heiligste Land. Amerikaner haben ihrer Seits genug falsche Sachen in Namen ihres Landes und - Gott bewahre - im Namen ihrer Religion gemacht! Man kann nicht einfach alle Handlungen eines Staates mit dem Verweis auf Römer 13 abtun. Wir sollten uns fragen, ob diese Handlung wirklich ein Urteil Gottes war, das er durch diese Hand ausgeführt hat oder nicht! Auch Paulus hätte sicher niemals die Judenverfolgung/Christenverfolgung im römischen Reich verteidigt mit dem Verweis auf die göttliche Einsetzung der Regierung.
    Ich sehe in Römer 13 auch erstmal keine Legitimation für Todesstrafe - sondern für Züchtigung im Sinne des Allgemeinwohls. Das wäre aber sicher auch gegeben gewesen im Falle einer Verhaftung und eines geregelten Prozesses gegen Osama Bin Laden vor unparteiischen Richtern.

    Mit allerbestem Gruß,

    RE

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  6. Hallo RE,
    es stimmt natürlich, dass Jesus hier die Hohepriester beschämt, obwohl sie eigentlich nur die Forderung des Gesetzes vertreten haben. Das ist eine spannende Stelle, aber ich würde sie nicht mit Dimension von Röm 13 gleichsetzen. Es stimmt, dass Jesus ihr vergeben hat, was er nciht machen musste, aber, wie gesagt, Gott verlangt das nicht von der Obrigkeit. Von ihr wird einfach Gerechtigkeit verlangt.

    2. Ich will nicht alle Handlungen des Staates mit Römer 13 abtun. Auch ein Staat kann falsch handeln und seine Position missbrauchen. Ich sehe mir einfach die gegenwärtige Situation an und sehe einen Schwerverbrecher, der bestraft wurde. In gewissem Sinn verstehe ich seine Erschießung auch als Verteidigung des Landes.
    Inwiefern Amerika auch hinter Öl her ist, oder inwiefern die Verschwörungstheorien gegen Bush und 9/11 stimmen, muss/kann ich nicht beurteilen. Gott weiß auch, in welcher Weise sich Amerika diesbezüglich schuldig gemacht, und er wird sie zur Verantwortung ziehen. Aber erst einmal hat der Staat den Bösen zur Rechenschaft gezogen und das ist in Ordnung. Was dahinter steht und im Verborgenen abläuft, sie allein Gott und wird er auf seine Art richten.

    Gruß,
    Simon

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  7. Hi RE,

    Du führst Johannes 8 als Argument an, räumst aber richtigerweise ein, dass die Kanonizität der Perikope angezweifelt werden kann. Ein kurzer Blick in die ESV-Studybible oder in die MacArthur Studienbibel machen das deutlich.

    MacArthur schreibt u.a:
    "In bedeutsamen frühen Versionen ist sie nicht enthalten. Bis zum 12. Jhdt. gibt es zu dieser Stelle keine Kommentare großer Kirchenväter. Ebenso unterscheidet sich das Vokabular und der Stil dieses Abschnitts vom Rest des Evangeliums, darüber hinaus unterbricht er den Zusammenhang zwischen V. 52 und 8,12ff. "

    Lassen wir einmal die textkritischen Aspekte der Passage (7:53-8:11) beiseite, behandelt der "Fall" der Ehebrecherin (Pericope Adulterae) m.E das Thema der Todesstrafe überhaupt nicht, sondern zum einen das Thema des "ungerechten Richtens" und zum anderen das Prinzip, das zur Vergebung auch immer die nachfolgende Verhaltensänderung gehört. Nicht zuletzt akzeptiert Christus hier die römische Rechtsordnung, nach dem Todesstrafen nur durch die römische Gerichtsbarkeit durchzuführen waren.

    Nach meinem Dafürhalten wird dort also die Legitimität bzw. Illegitimität einer Hinrichtung nicht thematisier

    Grundsätzlich erscheint mir die Frage, ob Hinrichtungen durch legitime Regierungen zulässig sind, weiterhin der wesentliche, und die Frage auf welche Weise dies geschieht weiterhin der nachgeordnete Aspekt zu sein. Wenngleich ich Bedenken in dieser Hinsicht nicht einfach abtun möchte.

    Aber schauen wir doch mal…

    Ist es also nun Aufgabe der Gemeinde, Handlungen anderer Staaten daraufhin zu beurteilen ob diese ein Urteil Gottes darstellen oder nicht? Ich meine nein.

    Wenn ich es recht in Erinnerung habe, gibt es neben Röm13 auch noch andere Texte, welche sich mit dem Verhältnis zwischen Gemeinde und Staat befassen. Beispielsweise 1Tim2, wo die Gemeinde aufgerufen wird für Regierungen und Behörden zu beten. Zielrichtung dabei ist m.E. jedoch das Wohlergehen der Gemeinde.

    Mir ist kein NT-Text bekannt, in welchem die Gemeinde aufgefordert wird, darüber hinaus staatliches Handeln kritisch zu begleiten oder zu beurteilen.

    Andere Texte behandeln jedoch das Thema Todesstrafe durchaus. Es ist nämlich keinesfalls so, dass das NT lediglich nur die allgemeine Möglichkeit der Anwendung der Todesstrafe nach Röm13 einräumt bzw. in die Hände des Staates legt, Christus selbst bestätigt in Mt 26,52 ausdrücklich das Gebot der Todesstrafe bei Mord aus 1Mo9,6:

    "Da sprach Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen."

    Weiterhin akzeptierte Paulus für sich ggf. die Todesstrafe, sollte er etwas „Todeswürdiges“ getan haben Apg 25,11:

    "Habe ich aber Unrecht getan und todeswürdig gehandelt, so weigere ich mich nicht zu sterben; ist aber nichts an dem, dessentwegen sie mich verklagen, so darf mich ihnen niemand preisgeben. Ich berufe mich auf den Kaiser!"

    Wir sind natürlich heute als gute Demokraten und aktive Bürger unseres Zeitaltes anders sozialisiert und in einer völlig anderen gesellschaftlichen Situation. Im diesem Rahmen, bei der ja sogar von unserem Staat eine aktive Beteiligung erwünscht ist, halte ich eine staatsbürgerliche Beteiligung an dieser Diskussion durchaus für angebracht. Allerdings bekomme ich regelmäßig Bauchschmerzen, wenn ich theologische Argumentationen, insbesondere auf Grundlage der Bergpredigt lese.

    Im Gegenteil. Ich gehe sogar davon aus, dass sich das Weltgeschehen völlig im Rahmen der Vorsehung Gottes abspielt und die Aufgabe der Gemeinde eine andere ist.

    Ich würde also Deine beiden Fragen:

    1.Hat Osama Bin Laden den Tod verdient?
    2. Haben sich die Soldaten schuldig gemacht, als sie ihn umgebracht haben?

    mit 1. "ja" und 2. "nein" beantworten.
    sdg
    Andreas

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  8. Hi ihr alle

    Bin hier drüber gestolpert und wollte eigentlich nur schnell anmerken, dass Joh 8 hier eigentlich als Vergleich oder Vorbild nicht greift (ohne gleich die Textkritik anrufen zu müssen).

    Natürlich steht im Gesetz, dass Ehebruch mit Tod bestraft werden soll, doch steht nirgends, WER die Strafe ausführen soll. Im Sinne Deut 32,35 wären die potentiellen Steinschmeisser eh im Unrecht gewesen.

    Ob es nun rechtens war, Osama zu erschiessen oder nicht, das weiss ich nicht. Muss ich auch nicht. 4 Leute, 5 Meinungen - mehr als Meinungen wird's eh nicht geben zu diesem Thema.

    Liebe Grüsse
    Markus

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