Mittwoch, 15. Juni 2011

Kevin DeYoung über 'Star-Prediger' Nr. 1

Kevin DeYoung hat einen interessanten Artikel geschrieben, der sich mit dem (nicht nur reformierten) Phänomen der Celebrity Preachers befasst.
Ich bin mir bewusst, dass dieses Phänomen zu einem Problem werden kann, wenn man die Prediger - ihrerseits Menschen, Sünder, fehlbar - zu Haus- oder Denominationseigenen Götzen erhebt. Als Christen auf der Reise evangelikaler Spiritualität sind wir nicht auf der Suche nach einer eignen Ellen G. White, einem eigenen L. Ron Hubbart oder Joseph Smith, die durch ihr Charisma, ihre Ausstrahlung und ihre Rethorik eine eigene Religion oder christliche Strömung begründet haben.
Der einzige Mittler, 'Religionsstifter' (ich hasse dieses Wort!), Propheten, den wir brauchen, ist Jesus.
Doch sollten wir uns dessen bewusst sein, dass wir immer auch Vorbilder im Glauben brauchen, zu denen wir aufschauen. Nicht weil sie etwas großartiges sind, sondern der Gott, der durch sie wirkt, der Erlöser, der sich durch sie verkündigt, der Geist, der sich durch sie verherrlicht, ein wunderbarer Gott ist.
Deswegen bin ich immer etwas distanziert, was die allgemein beliebte Kritik an dden 'Celebrity Preachers' angeht.
Ich will auch einmal auf die Sieben Punkte eingehen, die Kevin in seinem Post schreibt. Um aber hier noch einmal deutlich zu sein: Ich finde diese Kritik von Kevin DeYoung sehr wichtig und vor allem auch nicht einseitig. Er betrachtet das ganze - habe ich jedenfalls den Eindruck - nicht mit einer bestimmten Brille, sondern ist um die Gemeinde als Repräsentant Jesu besorgt und bringt das auch auf hervorragende Weise zum Ausdruck!

Die Punkte:

1. Das Wort 'Celebrity' ist nicht so hilfreich, wie viele denken.
Kevin schreibt, dass mit dem Wort Celebrity oft auch die Bedeutung mitschwingt, dass jemand aus unwichtigen Gründen oder auf Grund seiner eigenen Geltungssucht berühmt ist. Wenn einer unserer 'Vorbilder', unserer 'Celebritys' so ist, dann sollten wir uns schnellstens davon distanzieren, ihn zum Vorbild gewählt zu haben. Um es deutlich zu sagen: Nicht der Mensch sollte unser Vorbild sein, sondern der Grad, in dem Jesus in durch ihn scheint. Es sollte immer Jesus sein, den wir verherrlichen und verkünden, keine Prediger oder Auslegungstraditionen. Doch gibt es sehr wohl verschiedene Grade der Heiligung. Keiner hebt eine Augenbraue (oder, Gott bewahre, zwei!), wenn irgendjemand in Lobhudeleien für Edwards, Spurgeon oder Augustinus verfällt. - ganz zu Schweigen von Luther und ('the fourth member of the trinity in some churches' ~Ed Stetzer) Johannes Calvin. Doch wenn eine Gemeinde bei der Evangelisation mit Ulrich Parzany wirbt, wenn eine Conferenz John Piper und Don Carson als Headliner hat, wenn ein Zeitschrift eine Titalstory über Rick Warren macht, dann gucken wir komisch: das sind doch auch nur Menschen. Auch die sind fehlbar! Auch die sind Sünder! Sollten wir nicht mehr auf Jesus gucken?
Ja, sollten wir! Und wir gucken auf Jesus durch die Menschen, die er auf dieser Erde zu allen Zeiten gebraucht, um sein Reich zu bauen.

2. Beliebtheit ist kein Zeichten für wirkliche Reisende!
Auf gar keinen Fall sollten wir Popularität mit Segen verwechseln. Für diesen Hinweis bin ich Kevin sehr dankbar, weil er ihn mal in diesem Zusammenhang nennt. Ich kenne diesen Satz zur genügt, wenn ich mit Christen über Willow Creek, über Rick Warren's "Leben mit Vision" und über die Lobpreismusik mancher bekannter 'charismatischer' Künstler geredet habe. 'Aber nur, weil die bekannt sind, nur weil die erfolgreich sind, nur weil die damit viel Geld verdienen, ist das doch noch kein Segen!'
Ich selber habe den Spruch sehr gerne gebraucht, wenn ich über den Erfolg von Paul Youngs 'Die Hütte' geredet habe, über Reinhard Bonnkes Dienst in Afrika oder Robert Schullers Glastempel in Californien. 'Aber nur, weil die damit bekannt werden, nur weil viele Leute davon bewegt werden, nur weil dort Menschen angeblich geheilt werden, ist das doch noch kein göttlicher Segen!'
Das stimmt auch! Aber es stimmt genau so für die bekannten Prediger, mit denen wir uns identifizieren. In Collin Hansens "Young Restless Reformed" sagt John Piper über die Bewegung der Neuen Calvinisten, dass er es für eine Bewegung Gottes hält, weil sie an so vielen Orten gleichzeitig auftaucht, unabhängig voneinander. Ich fand dieses Zitat beeindruckend, habe es auch danach einige Mal benutzt. Bis ich diesen Artikel von DeYoung gelesen habe: Ich das wirklich ein Zeichen für eine Bewegung Gottes? Es ist ein Hinweis, bestimmt. Aber ein Zeichen werden - wenn man den biblischen Maßstab ansetzen will - die Früchte am Ende sein. Und die stehen bekanntlich nicht am Anfang. Deswegen sollte auch die Popularität eines 'reformierten' Predigers unsere Bibelkenntnis, und unsere Wachsamkeit nicht ausschalten. Es sollte dadurch auch nicht in erhöhter Alarmbereitschaft sein, hinter jedem Wort des Predigers falsche Anpassung vermuten ('Die wahren Gläubigen werden immer gehasst werden...'). Aber Popularität ist kein Beweis für Segen!

3. Wenn man in Parteien verfällt, ist das ein Problem. Aber es ist etwas anderes, wenn man eine Folgeschaft hat.
Ich höre oft, dass die bloße Bekundung, man würde sehr gesegnet sein durch den Dienst des einen oder anderen Pastors schon ein gefährlicher Schritt Richtung Personenkult ist. 'Du hörst dir jede Woche eine Predigt von Mark Driscoll? Pass bloß auf, dass das kein Personenkult wird!'. 'Du liest jedes neue Buch von John MacArthur? Pass auf, dass es dir nicht zum Personenhult wird.' 'Du kennst Michael Hortons Systematik auswendig? Pass bloß auf, dass du keinen Kult um ihn errichtest!' 'Du sagst, dass dich Wayne Grudems 'The Gift of Prophecy' extrem  geprägt hat? Diese heilige Kuh solltest du schnell schlachten!' Dabei bezieht man sich gerne auf die Verse im ersten Korintherbrief, wo Paulus von den Parteien in der Gemeinde, die sich hinter einem speziellen Prediger gesammelt haben, eingeht. Aber man übersieht gerne, dass Paulus gar nicht kritisiert, dass sich die Gläubigen ein Vorbild gesucht haben. Er kritisiert aber, dass sie die Prediger zu Göttern gemacht haben. Dass eine Partei Christus als ihren Führer benannte und die andere Apollos oder Paulus als gleichwertig betrachtet hat! Parteiungen sollte es nicht geben, weil man den Predigtstil des einen oder anderen besser findet. Man sollte sich nicht streiten, weil man das eine Vorbild besser findet als das andere - solange die Mitte von allem und jedem Christus bleibt. Der Jesus, der gestorben ist, auferstanden ist, der in unsd wirkt Wollen und Vollbringen, der das Gute werk vollendet, dass er in uns angefangen hat - der Jesus ist das Zentrum der Predigt und der Prediger. An ihm sollten wir uns alle ausrichten und wenn ein Prediger eine bestimmte Gefolgschaft um sich sammelt, dann sollte er seinen Schülern immer deutlich machen, dass es um Christus geht. Dass er nur ein Mensch ist, fehlbar wie alle, uns abhängig ist von der souveränen Gnade unseres Herrn Jesus! Wenn wir das deutlich machen, dann wird es trotzdem Leute geben, die uns folgen. Aber hoffentlich niemand, der uns ver'CHRIST'licht. Niemand, der uns vergöttert.

Soviel soll für heute reichen,
den Recht schreib ich morgen.

Gods Bless,

Restless Evangelical

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