Mittwoch, 27. Juli 2011

Der Attentäter von Norwegen, die christliche Rechte, und warum wir uns beugen sollten!

Ein Kommentar


Es ist furchtbar, grauenhaft, nicht in Worte zu fassen, was in Norwegen passiert ist. Unsere Gebete und unser Mitleid gehört denen, die bei diesem Attentat Kind, Bruder, Schwester oder Freund verloren haben. Es ist grauenhaft, was Menschen anderen Menschen antun können, und daran gibt es sicher nicht schön zu reden oder Schuld klein zu reden.

Was ich hier schreiben will, ich aber kein Nachruf, nicht eine weitere Stimme die eine Tat bedauert, die grauenhaft war. Ich möchte einmal auf etwas aufmerksam machen, über das ich durch diese Tat nachdenken musste.
Zum ersten Mal ist es ein 'Christ', der eine solche Greueltat ausführt. Bis heute war der Feindbild klar: 'der Islamist'. Das eine solche Verallgemeinerung nicht annähernd den Tatsachen entspricht, war uns egal. Wir wähnten uns in einer Religion, die nicht falsch verstanden werden kann – nicht mehr nach dem Mittelalter. Wir haben gerne darauf verwiesen, dass es sich bei diesen Kreuzfahrern und Inquisitionären nicht wirklich um Christen handelte – nein das waren Machtspielchen. Da wollte Europa seine Vorrangstellung ausbauen oder verteidigen.
Immer mehr Zulauf bekamen Parteien wie 'Die Freiheit', auch von konservativen Evangelikalen. Die Islamkritik ist salonfähig geworden, weil wir uns in der 'nicht frauenverachtenden', 'nicht-terrorbeschwörenden', 'nicht-gewalttätigen' und 'nicht-menschenrechtsverachtenden' Seite der Spiritualität glaubten – und jetzt das.
Es dauerte natürlich nicht lange, bis Artikel geschrieben und auf Internetseiten publiziert wurden, die aus dem politischen Brand-Dokument des osloer Attentäters herausfiltern konnten, dass er eigentlich gar kein Christ war – und schon gar kein Protestant. Es waren wieder die anderen.
Ich will mich nicht dazu äußern, ob der Attentäter ein 'Christ' war. Was seine Glaubensüberzeugungen waren. Aber ich habe mich erinnert gefühlt an evangelikale Attentäter, die Abtreibungsärzte umgebracht haben und Abtreibungskliniken in die Luft gesprengt haben. Ich musste an amerikanische 'christliche Rechte' denken, die einer Moschee die Bauerlaubnis entziehen, weil die nicht den 'Grundsätzen der amerikanischen Gesellschaft' entspricht.
Ich musste auch daran denken, dass Abends auf so manchem evangelikalen Pseudopolitikertreffen im Wohnzimmer selbsternannter Weltverbesserer Thesen über den Islam zum besten gegeben werden, die bestenfalls als uninformiert gelten sollten.
Ich denke, dass wir uns zu beugen haben. Nicht, weil 'wir' dieses Attentat verübt haben. Aber wir haben auch wenig dafür getan, es zu verhindern. Wir haben wenig Verständnis zeigen wollen für andere Kulturen in unserem Land. Wir haben wenig verstehen wollen vom Islam und anderen ethischen Überzeugungen.
Um mich deutlich zu positionieren: Ich will nicht sagen, dass 'alle Religionen den selben Kern haben'. Aber wenn wir Religionsfreiheit fordern, sollten wir es für alle fordern. Wenn wir stöhnen, dass wieder ein 'Antidiskriminierungsgesetz' uns verbietet, Sünde beim Namen zu nennen, dann sollten wir vielleicht überlegen, ob wir dann noch hochnäsig über die muslimische Großfamilie in der Wohnung unter uns urteilen sollten – ohne sie wirklich zu kennen und ohne zu wissen, was ihre Kultur und ihre Religion eigentlich ist.
Natürlich wird so manch einer sagen, dass er immer dafür eingestanden hat. Na klar, die anderen sind genauso viel wert. Aber welcher konservative Evangelikale hat nicht ein wenig die Faust gehoben, als Sarrazin seine Thesen verbreitet hat; jetzt war es amtlich – die anderen waren schon genetisch gesehen nicht so klug wie wir.
Unsere Aufgabe ist es doch nicht, die andere Kultur zu verurteilen als rückständig. Wir sollten sie verstehen. Wir sollten bereit sein, in Kontakt zu treten mit 'den Anderen' und ihnen dabei helfen, unsere Kultur zu verstehen und die Vorteile vieler Teile der westlichen Welt deutlich machen; und das sind Werte wie Freiheit, wie Gleichberechtigung der Geschlechter (und wieder: ich meine nicht Gleichmachung; aber ja, auch als Evangelikaler bin ich froh und dankbar, dass Frauen sich in der westlichen Welt selbstbestimmen dürfen!). Es sind Werte wie die Menschenrechte.
Wir haben zu lange – zumindest in unseren Köpfen – ein Feindbild gehabt. Oslo ist vielleicht kein direkter Sprößling davon; aber durch viele unserer Gedanken, Artikel und Publikationen haben wir manchmal doch Düngemittel auf solchen Boden geworfen.
Und dafür haben wir uns zu beugen, uns zu entschuldigen und unser Bestes zutun, dass soetwas nicht noch einmal passiert.

Gods Bless,

Restless Evangelical

Sonntag, 24. Juli 2011

World of Pulpit Nr. 5 - ein Online Predigt Gathering

Francis ChanThink hard, stay humble

Dies ist das erste WoP seit einiger Zeit. Leider habe ich es in den letzten Wochen nicht geschafft, regelmäßig Sonntags eines reinzustellen. Die Prüfungen drücken zu sehr.
Aber heute morgen bin ich mal nicht nach Wetzlar zum Gottesdienst gefahren, sondern schnell Rüber nach Minneapolis in Minessota. Zum Glück ist das Internet schneller und billiger als ein Linienjet.
2010 hat Francis diesen Vortrag auf der Desiring God National Conference gehalten. Es war die skandalöse Conference, auf der auch Rick Warren geredet hat. Ich habe mir seiner Zeit alle Vorträge angehört, aber von Francis' Vortrag war ich wirklich bewegt.


1. To get ready to speak in front of people, I prepare myself thinking that God is in the room!
Es ist für einen Menschen, einen Sünder, nicht einfach, demütig zu sein, wenn er von allen angesehen wird und von manchen sogar zu einem aufgesehen wird. Noch schwerer ist es, wenn man auf einer großen Konferenz vor vielen Menschen redet. Francis erzählt diese Geschichte, wie er vor MacArthur spricht und so aufgeregt ist. Und seine Frau ihr wieder deutlich machen muss, dass es sich nur um einen Menschen, einen Sünder wie wir alle, handelt.
Wieso sind wir aufgeregter, mehr zum stolz getrieben, wenn wir zu vielen Menschen reden, als wenn wir 'nur' ein Gespräch mit einem Freund haben? Eigentlich haben wir dazu keinen Grund. Denn am Ende ist es immer Gott, vor dem wir aufgeregt sein sollten. Was können Menschen uns tun, wenn Gott zuhört? Wir sollten ihn verkünden, und nicht versuchen, Menschen zu beeindrucken!

2. You were technichaly right, but look what you've done: You've hurt your brother!
You in this room think really hard, but my question to you is: How hard do you think for people?
Dieser Teil von Francis Predigt hat mich wirklich getroffen. Und das sollte auch alle treffen, die sich in 'Theologie' auskennen. Wie oft geht es uns in Diskussionen mehr darum, den anderen mit unseren Argumenten zu Boden zu ringen als darum, ihm beim weiterkommen zu helfen?
Wenn ich etwas gefunden habe, einen Schritt weitergekommen bin in meiner Heiligung und meinem Verständnis von Jesus, dann sollte ich versuchen, das in Liebe zu kommunizieren, damit meine Geschwister in Jesus davon profitieren? Lasst euch eine Frage gestellt sein: Wie oft habt ihr schon über Calvinismus diskutiert – mit dem innigen Wunsch, dass der andere diese wichtige Lehre versteht (auf welcher Seite davon ihr auch immer steht) – aber habt in euren Worten wenig Liebe erkennen lassen? Wissen ist etwas wunderbares, das wir uns aneignen sollen. Aber es ist nichts, dass wir ziehen sollten, um den anderen zu verletzen. Ich bin damit aufgewachsen, dass ich dachte, die 'anderen' Evangelikalen sind alle verflacht. Die glauben an den Freien Willen. Die glauben nicht mehr an die Irrtumslosigkeit. Die glauben an Marketingmethoden, um die Gemeinde aufzubauen. Deswegen dachte ich, dass es der richtige Weg ist, da raus zu gehen, nicht mit denen zutun zu haben, seinen eigenen kleinen Club zu gründen und sich jede Woche darüber auszutauschen, wie verdorben die Welt schon ist und wie man das an dem Zustand der anderen Christen sehen kann!
Aber irgendwann habe ich gemerkt, wieviel Potential und Hunger nach geistlicher Nahrung in den Jugendlichen der evangelikalen Welt liegt. Wie viel man erreichen kann, wenn man versucht, diese Generation zu prägen. Seine eigenen Einsichten zu teilen und den anderen zu helfen, mit zu kommen, gemeinsam den Weg der Erkenntnis zu gehen. Und dann habe ich eine bemerkenswerte Erfahrung gemacht: Nicht nur durfte ich dabei helfen, geistliches Wachstum hervorzubringen; ich bin selber gewachsen, weil alle diese Leute ihre Gaben und ihre Einsichten haben, die mir noch gefehlt haben. Weil ich gemerkt habt, das Wissen nicht alles ist. Wie John MacArthur (zitiert von Francis Chan in der Predigt) sagt: Wissen ist zentral, aber nicht ausreichend.
Wieviel besser wäre es, wenn wir als 'konservative', als 'New Calvinists', als 'bibeltreue' oder als 'orthodoxe Evangelikale' einfach versuchen, einen Unterschied in einer ganz normalen evangelikalen Gemeinde zu machen? Da liegt immer Potenzial, und in jeder Gemeinde gibt es verbesserungswürdiges. Wie wäre es, wenn wir von dem profitieren, was eine Gemeinde uns zu bieten hat, und versuchen da helfend und heilend einzuwirken, wo die Gemeinde noch zu lernen hat? Wo wir schon weiter sind auf unserer Reise evangelikaler Spiritualität?
Damit meine ich nicht, dass es nicht 'falsches' gibt. Aber ich meine, dass die meisten Jugendlichen, die Rob Bell hören, nicht unbedingt alle Allversöhner sind. Ich meine, dass nicht alle Jugendlichen, die in eine Gemeinde von Willow Creek Deutschland gehen, jeden Sonntag gesagt bekommen, dass man das Evangelium aufgeben sollte, um den Menschen zu gefallen. Und ich meine, dass nicht alle Jugendlichen, die in eine EFG Baptistengemeinde gehen, alle der liberalen Theologie anhängen!
Ich meine damit einfach, dass wir nicht alle über einen Kamm scheren sollten.
Aber vielleicht denkst du jetzt: Was will der denn? Das mache ich doch gar nicht! Dann bin ich froh. Alles was ich bitte, ist, dass du dir diese Frage einfach stellt und überlegst, ob das vielleicht sein könnte, wo du stehst. Ich habe nämlich gemerkt, dass das war, wo ich lange gestanden habe.
Denn ein Christ, der viel weiß, aber keine Liebe für seine Geschwister hat, ist wie ein Basketballspieler, der sein Ziel nie verfehlt, aber immer auf den eignen Korb zielt. Er hat zwar eine gute Quote, aber er zerstört sein Team.

Gods Bless,

Restless Evangelical

Mittwoch, 20. Juli 2011

Lasst Gott Gott sein!


Eine Rezension zu Francis Chan's „Erasing Hell: What God said about eternity, and the things we've made up“

Gestern habe ich endlich Erasing Hell gelesen, und es hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Francis Chan ist ein extrem guter Schreiber. Er kommuniziert die Dinge, die er sagen will, auf eine Weise, die fesselt. Wie einer meiner Dozenten sagen würde: Nicht nur von Kopf zu Kopf sondern von Herz zu Herz!
Wenn ich mal den Inhalt des Buches in meinem Kopf an mir vorüberziehen lasse, dann kann man das Resüme ziehen, dass es sich um eine, wenn nicht die (!) Antithese zu Rob Bells „Das letzte Wort hat die Liebe“ (engl. Love Wins) handelt. Das liegt nicht nur daran, dass Francis Bells Buch häufig zitiert, weil er daran die Position des 'Universalismus', oder wie er es nennt 'christian/dogmatic universalism' festmachen kann. Er ist fair genug zu sagen, dass Bell in Love Wins nie ausdrücklich sagt, er vertrete diese Position. Doch er beschreibt und verteidigt sie offensichtlich mit einem solchen Mitgefühl und einer Sympathie, die es schwer machen lässt, ihn nicht auch als Vertreter einer 'Gottes-Liebe-schmelz-am-Ende-Alle-Herzen' Eschatologie zu betrachten.
Doch man würde zu kurz greifen, wenn man Francis Buch einfach als Antithese zu einem anderen erfolgreichen Buch betrachten würde. Dieses Buch dreht sich um ein Herzstück christlicher Lehre, die seit vielen Jahrhunderten als klar gilt. Das es in unseren Tagen eine Diskussion darum gibt ist an sich nicht verwerflich, denn es hilft uns, unseren Kurs immer wieder an der Offenbarung Gottes selbst in seinem kostbaren Wort auszurichten und nicht auf Traditionen und Lehren, die wir Menschen uns in unserer Kreativität ausgedacht haben.

1. Der Aufbau und Francis Argumentation
Francis geht in dem Buch erst die wichtigsten Argumentationen für eine 'Allversöhnung' durch und im Anschluss betrachtet er die Aussagen von Juden zur Zeit Jesu, von Jesus selbst und von seinen Nachfolgern.
Dabei hat er seine Hausaufgaben wirklich gemacht. Er ist sich bewusst, dass es sich um ein Thema handelt, das äußerste Vorsicht bedingt. Wir sollten nicht einfach unsere Vorstellung vom 'Sündenpfuhl' auf die Worte Jesu und der Apostel übertragen. Wir brauchen den historischen Kontext, um die Worte Jesu darüber wirklich zu verstehen. Was meint Jesus, wenn er Gehenna sagt? Eine Müllhalde außerhalb von Jerusalem, wie Bell es suggeriert?
Hatten die Juden im 1 Jahrhundert gar keine Vorstellung von einer ewigen Strafe? Waren diese Zeitbegriffe ihnen fern?
Solche Sachen müssen betrachtet werden, damit wir Jesus wirklich verstehen. Und Francis tut das mit großer Vorsicht und dem Herzen eines Seelsorgers. Auf jeder Seite merkt man ihm seinen eignen Kampf mit diesem Thema an. Er erzählt sogar sehr früh in dem Buch von seiner Großmutter, die ohne Jesus gestorben ist. Und er erzählt, wie er sich immer darum gedrückt hat, sich Gedanken darüber zu machen, wo sie jetzt ist, was sie jetzt erlebt. Und er erzählt immer wieder, wie er sich lange Zeit darum herum gestohlen hat, deutlich und mit klaren Worten von der Hölle zu erzählen. Es schien ihm, als müsste er Gott, jedenfall diesen Teil von Gottes Wesen, verstecken.

2. Fancis wichtigstes Argument
Ein Kapitel des Buches trägt den Titel „What if God...?“ und es hat mich gestern Abend wirklich erschreckt, erstaunt, gedemütigt, aufgebaut und nicht mehr losgelassen. Denn Francis geht dort von Römer 9 aus und beschreibt, wie er dadurch ganz neu entdeckt hat, dass Gott im Recht ist, zutun was immer er will. Er beschreibt die vielen Dinge in der Bibel, die wir nicht verstehen. Dinge, die er (und ich!) verhindert hätte, wenn wir Gott wären. Aber die Frage, die Paulus in Römer 9 stellt, ist ebenso deutlich: „So? Wer bist du eigentlich? Du Mensch willst anfangen, mit Gott zu streiten? Sagt das Werk zu seinem Meister: "Warum hast du mich so gemacht?"“ (V. 20, NeÜ). Gott hat entschieden, zu handeln wie er handelt.
Und dann kam der Teil, der mich wirklich ergriffen hat. Wenn ich an das Kreuz denke – hätte ich an Gottes Stelle so gehandelt? Noch habe ich keine Kinder, aber ich kann mir vorstellen, wie schmerzhaft es ist, seinen eigenen Sohn zu Opfern für Sünder, die es nicht im Ansatz verdient haben. Würde ist meinen Sohn opfern, um seinen eigenen Vergewaltiger aus dem Knast zu holen? Nicht nur aus dem Knast zu holen, sondern gerecht zu sprechen für alle Ewigkeit? Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nichtmal, ob ich meinem iPod opfern würde.
Gott ist der Töpfer, wir sind der Ton. Sollten wir nicht Gott Gott sein lassen?
3. Und was hat das mit mir zutun?
Manch ein Leser wird sich überlegen, was das ganze denn mit ihm zutun hat. Es werden sicher vorherrschend Christen sein, die dieses Buch lesen – und ich wage die Prognose, dass es vor allem solche Christen sein werden, die Bells Buch nicht gut fanden. Ich 'weiß' doch das alles schon, was hat das mit mir zutun. Ich habe doch eine biblische Grundlage! Ich habe doch dieses Kapitel in 'The Reason for God' gelesen und glaube dran. Was hat das mit mir zutun? Eine ganze Menge, wie Francis in einem eignen Kapitel zeigt.
Ich will nicht vorgreifen, weil ich dieses Buch wärmstens empfehlen möchte. Lest es und denkt darüber nach. Und lest vor allem die Bibelstellen immer wieder und betet darüber! Denn es ist ein großer Unterschied, ob diese Lehre in unseren Köpfen ist oder in unseren Herzen.
Und das ist der wichtigste Pluspunkt dieses Buches. Es geht hier nicht um Systematische Theologie; es geht nicht darum, eine Debatte zu gewinnen; es geht nicht darum, der Emerging Church zu zeigen, wo der hammer hängt; es geht nicht darum, Bücher zu schreiben! Es geht um Menschen. Menschen die wir jeden Tag auf der Straße treffen. Menschen, die mit uns rumhängen und denen wir nie etwas vom Ausweg aus ihrer Misere erzählt haben. Es geht um echte Menschen, um die Schicksale echter Menschen, um die echte Ewigkeit echter Menschen.
Lasst uns nicht debattieren, lasst uns verkündigen. Lasst und nicht philosophieren, lasst uns Gott Gott sein lassen – und lasst uns den Auftrag erfüllen, den er uns gegeben hat.

Gods Bless,

Restless Evangelical

Chan, Francis (with Preston Sprinkle): Erasing Hell: What God said about eternity and the thinds we've made up
Colorado Springs, David C Cook, 2011
ISBN 10: 0781407250
ISBN 13: 978-0781407250

Das Buch lässt sich übrigens hervorragend in der FTH Buchhandlung bestellen:
http://www.ftabooks.de/

Dienstag, 12. Juli 2011

Sollten Christen die Hölle hassen?

Kevin DeYoung hat einen sehr interessanten Artikel darüber geschrieben, ob Christen die Hölle hassen sollten.
Ich bin immer wieder begeistert, mit welcher Sanftmütigkeit Kevin an solche Themen heran geht und eine klar evangelikale aber doch sehr differenzierte Antwort gibt.

Mir kamen dazu ein paar Gedanken:
1. Es ist wichtig, dass nicht das 'mögen' sondern das 'glauben' entscheidend sind!
Mir begegnen immer wieder Christen, die sagen: Man darf die Allversöhnung [keiner kommt in die Hölle bzw. alle kommen in den Himmel] nicht lehren, aber man darf sie hoffen. Frommer ausgedrückt (denn in unseren Kreisen hört man das Wort Allversöhnung ja nicht gerne!) würde das heißen: Die Hölle ist zwar Teil meiner systematischen Theologie, aber nicht Teil meines Seelenlebens.
Ich fühle mich selbst oft in eine solche Richtung gedrängt. Ich kann die Evidenz der Bibel nicht leugnen, dass es einen ewigen Ort der Gottesferne gibt. Aber ich muss das ja nicht mögen, wenn ich an meine Freunde und Verwandten denke, die ich liebe und die trotzdem einmal dort sein müssen. Wie könnte ich einen solchen Ort lieben?
Kevin schreibt dazu in seinem Artikel:
It’s a good sign when we take our stand on the Bible even when we’d prefer to take our stand somewhere else. But it’s a better sign when we take our stand on the Bible and learn to love where the Bible stands.
Ich denke, dass er es damit sehr gut trifft. Im Grunde ist es nicht in erster Linie zentral, was wir für gerecht empfinden - denn das Problem ist, dass aus diesem Raster auch das zentralste Element christlichen Glaubens fällt: Das Kreuz. Es ist in keinster Weise gerecht (!), dass Jesus unsere Sünden erträgt. Gerecht ist was anderes. Und es ist auch nicht gerecht, dass dadurch der 'fröhliche Wechsel' (Luther) ermöglicht wird: Gott sieht uns nicht länger als schuldig als unschuldig! Wir müssen in manchen Fragen einfach akkzeptieren, dass Gottes Gerechtigkeit oft einfach höher ist als unsere. Aber wir können immer sicher sein, dass es Gerechtigkeit ist. Er ist mehr als wir, anders als wir. Wir sind nur ein Abbild seiner Herrlichkeit - niemals die Fülle seines Wesens! Wir können nicht alles verstehen, was er tut. Aber wir können erkennen, was er von sich offenbart hat. Und wir können ihn darum bitten, dass er es uns offenbart - uns ein Herz dafür schenkt, die Gerechtigkeit, Weisheit, Gnade, Liebe, Treue, Fürsorge, Heiligkeit, Reinheit und unendliche Allmacht dahinter zu erkennen. Seine Wege sind nicht unsere Wege!


2. Die Hölle zu hassen ist etwas anderes, als mit dieser Lehre zu kämpfen.
Die Frage ist nicht, dass wir immer wieder mit dieser Lehre kämpfen müssen - gerade im Kontakt und unseren Beziehungen mit Nicht-Christen. Es ist sicher nie einfach. Und wie Philipp Bartholomä gesagt hat, sollten wir nie über diese Lehre sprechen und ein Lächeln auf dem Gesicht haben. Und Francis Chan sagt, dass wir uns bewusst werden müssen, dass es um echt Menschen geht, und ihre echte Zukunft!
Aber gut finde ich, dass Kevin uns deutlich macht, dass so eine Haltung einfach etwas anderes ist, als die Lehre komplett zu emotionaler Sperrzone zu erklären. Denn wir wissen, dass Gott gut, liebenswert und wunderschön ist! Und vor allem ist er die Quelle unendlicher, unübertroffener, unvergleichbarer Freude. Und wenn dieser Ort direkt aus seinem heiligen Wsen resultiert, dann muss darin auch unaussprechliche Freude liegen. vielleicht nicht hier, vielleicht nicht heute. Aber eines Tages werden wir Gott nicht nur für seine Liebe anbeten (wie es hier oft auf Lobpreisabenden der Fall zu sein scheint =)). Dann werden wir mit Millionen gemeinsam singen, weil er gerecht ist. Und seine Gerechtigkeit dann für immer herrschen wird. Und das ist gut und das ist anbetungswürdig.
Ich sage nicht, dass ich diesen Status schon gefunden habe. Und ich glaube, dass niemand diesen Status auf dieser Welt wirklich vollkommen erreichen kann, wenn er noch gesunden Kontakt mit Leuten außerhalb der Gemeinde hat.
Aber wir können Gott darum bitten, uns sein Wesen immer mehr deutlich zu machen. Dann können wir vielleicht auch in der Freude über diese Lehre, dieses Wesen seines Charakters wachsen.

Gods Bless,
Restless Evangelical

Montag, 11. Juli 2011

Rob Bells Verlagsleiter über die Reaktionen auf 'Love Wins'

Der Verlagsleiter von HarperOne, dem Verlag, der Rob Bells kontroverses Buch 'Love Wins' veröffentlich hat (meine Rezension des Buches findet ihr hier) hat einen Blogpost veröffentlich, in dem er sagt, dass die weite Aufmerksamkeit des Buches ihn sowohl mit Hoffnung als auch mit Angst füllt.
Er hat Hoffnung - so sagt er - weil Bell selbst viele Rückmeldungen auf das Buch bekommen haben, in denen Menschen das Buch als 'Heilung' empfunden haben, als 'Lebensrettung' und dass sie sich durch das Buch wieder 'mit der Kirche verbunden' fühlen.
Dazu alleine gäbe es schon eine Menge zu sagen - immerhin empfinden auch eine Menge Menschen die Bücher von Deepak Choprah als heilend, sagen, dass das Lesen das Korans ihnen das Leben gerettet hat oder dass die Bücher von Anselm Grün sie wieder mit der Kirche verbunden haben. Sollten wir ein Buch wirklich daran bewerten, ob es die Menschen bewegt? Die Menschen zu bewegen ist nicht schwer. Wer eine Gabe zu schreiben hat, mit Worten zu jonglieren und Emotionen in Worten auszudrücken, dem fällt es nicht schwer, Menschen zu erreichen. Und bei den vielen Millionen, die mittlerweile Love Wins gelesen haben, wundert es mich auch nicht, dass viele dabei waren, die das Buch als Heilung empfunden haben. Es ist einfach kein Zeichen von Wahrheit, wenn Menschen bewegt werden.
Doch viel mehr hat mich gestört, was den Verlagsleiter mit Angst erfüllt hat - es war die schnelle und teilweise harsche Reaktion der konservativen Evangelikalen auf das Buch. Er schreibt:
But why such hostility? Why would leaders attack as a threat and an enemy someone who shares their views of Scripture, Jesus, and the Trinity? What prevented leaders from saying, “Thanks, Rob, interesting views, but here is where we disagree”? When did “believing the right things” become equated with determining who is “saved”

Woran genau sollte man festmachen, dass jemand gerettet ist, als daran, was er glaubt? Und woran sieht man, was jemand glaub, wenn nicht daran, was er in der Öffentlichkeit sagt und wie er sein Leben als Christ gestaltet und lebt?
Ich habe in meiner eigenen Rezension geschrieben, dass das Buch von Bell durchaus interessante (und gute!) Passagen enthält. Doch wie könnte ich Rob Bell danken für ein Buch, dass biblisch belegte und historisch bestätigte christliche Lehre untergräbt? Wie kann ich sicher sein, dass Bell die orthodox-evangelikale Sicht auf die Bibel teilt? In seinem Buch zitiert er gerne Johannes 12,47, weil dieser Vers in sein Gedankensystem zu passen scheint. Doch dabei vergisst er den direkt folgenden Vers, der seiner Sicht vollkommen widerspricht? Für mich klingt es mehr nach Fahrlässigkeit als nach sauberer Argumentation.
Doch ein Absatz im Artikel des Verlegers fand ich wirklich erschreckend. Er schreibt:

As a young evangelical, I was socialized to see the biggest threat to the church as theological liberalism. But now I think the biggest threat is Christian tribalism, where God’s interests are reduced to and measured by those sharing your history, tradition, and beliefs, and where one needs an “enemy” in order for you to feel “right with God.” Such is the challenge facing the church today and what the reaction to Love Wins reveals.

Wenn konservative Evangelikale auf dieses Buch mit dieser Geschwindigkeit und dieser Deutlichkeit reagieren, dann liegt das nicht daran, dass sie Gott auf ihre Tradition schrumpfen. Dann nehmen sie zu erst einmal Ernst, dass Gott sich selbst klein gemacht hat und sich uns offenbart hat. Der verborgene Gott, von dem wir nichts wissen könnten, hat sich in der Schöpfung als generelle Offenabrung und in der Bibel als spezielle Offenbarung gezeigt. Das ist der Gott, den wir erkennen können, der Gott, den wir erforschen sollen, wenn wir wirklich schlüssige und zuverlässige Wahrheiten über ihn herausfiltern wollen! Spekulieren hilft uns da nicht weiter. Wir haben nur diese eine Quelle, die uns Gott selbst zu Verfügung gestellt hat. Und wenn jemand einen Gott darstellt, dem mindestens eines der zentralsten Attribute des biblischen Gottes - seine reine, fehlerlose Heiligkeit und der daraus resultierende Zorn auf Sünde - dann sollte es doch erlaubt sein, das auch mit aller Deutlichkeit zu sagen. Denn dieser Gott ist der Gott, den ich anbete, das ist Jesus!
Man könnte natürlich einwenden, dass doch Jesus von Nazareth die wichtigste Offenbarung Gottes ist. Und wir könnte ich dem nicht zustimmen? Doch woher wissen wir von diesem Jesus von Nazareth? Ich würde sagen, dass wir nur durch die biblischen Zeugnisse in den Evangelien und den Diensten seiner direkten Schülern in den Briefen von diesem Jesus wissen können. Und dann müssen wir auch ernst nehmen, dass niemand in der Bibel so viel von der Hölle spricht, wie Jesus. Und dass Jesus sehr deutlich macht, mit seiner Predigt und durch sein Handeln, dass der Heilige Gott Sünde hasst und sie am liebsten aus seinem Mund ausspeien möchte. Wer diesen Aspekt Gottes nicht deutlich macht, der sollte überprüfen, ob er wirklich den Gott der Bibel verkündigt, der diese Teil seines Charakters als so Zentral darstellt.
Wie Paul Washer es sagt, steht in der Bibel nirgendwo, dass Gott Liebe, Liebe, Liebe ist, oder dass Gott, Freundlich, freundlich, freundlich ist und schon gar nicht, dass Gott nett, nett, nett ist. Aber es steht sehr deutlich da, dass Gott heilig, heilig, heilig ist!

Gods Bless,

Restless Evangelical

Freitag, 8. Juli 2011

C.J. Mahaneys Zeit der Selbstprüfung

Heute habe ich auf Mahaney Blog gelesen, dass er seine eine Zeit des 'leave of absence' nimmt, um sich selbst zu prüfen.
Wie es in diesem Blogpost schreibt kamen in letzter Zeit immer häufiger Beschweren von ehemaligen SG-Pastoren und damit verbundenen Geistlichen, die sich beschwert haben über C.J. und speziell über seinen Führungsstil. Die Liste reicht von Stolz bis Heuchelei.
C.J. Mahaney leitete 27 Jahre lang die Covenant Life Church in Gaithersburgh und war nun einige Jahre der Vorsitzende von Sovereign Grace Ministries - einer international tätigen Organisation, die Gemeindegründung voranbringen will.
Ich will nicht verschweigen, dass ich in meinem geistlichen Leben sehr viel von Mahaney gelernt habe. Sein Buch 'The Cross-Centered Life' war ein wichtiges Fortbewegungsmittel für mich auf der Reise evangelikaler Spiritualität.
Nun will ich aber nicht sagen, dass diese 'Offenbarung' für mich bedeutet, dass C.J. nicht mehr 'höhrenswert' wäre oder Souvereign Grace an sich abzuschreiben sei.
Gerade das Gegenteil ist der Fall. Ich finde dieses Verhalten vorbildlich. Und zwar aus folgenden Gründen:


1. Sie gehen vollkommen transparent mit ihren Fehlern um!
Ich bin beeindruckt, wie offen sie mit ihren Fehlern umgehen. Als vor einiger Zeit Benny Hinn bezichtigt wurde, eine Affäre mit der (ebenfalls charismatischen) Predigerin Paula White zu haben - und das noch bevor seine Scheidung überhaupt rechtskräftig war - hat er dasselbe von vornherein geleugnet, bis ein Boulevardblatt ziemlich eindeutige Fotos veröffentlichte. Ich schreibe das nicht, um Benny Hinn zu diskreditieren - das tut er mit seiner Predigt oft genug selbst schon; es geht mir darum, zu zeigen, dass es unter 'christlichen' Leitern durchaus unterschiedliches Verhalten im Angesicht von Schuld gibt. Denn Schuld bleibt bei christlichen Leitern, bekannt oder unbekannt, leider nicht aus. Die Frage ist, wie man damit umgeht. Dr. Kai Soltau hat auf einem Vortrag auf den Bibeltagen vor einigen Jahren (es ging um den Judasbrief) einmal gesagt, dass ein Zeichen von Irrlehrern immer ist, dass sie eigene Schuld nicht eingestehen wollen, weil es ihre eigene Macht schwächt. Und da ist sicher etwas wahres dran. C.J. hat nun seinen Posten an der Spitze von SGM erst einmal abgegeben, damit eine unabhängige und unbelastete Prüfung der Vorwürfe vorgenommen werden kann. Das halte ich für unheimlich stark. Es zeigt, wie sich ein Pastor vor seinem Gott demütigt, weil er weiß, dass er ohne Jesus nichts tun kann! Dass aller Erfolg, der ihm im Dienst entgegen kam, nur von Gott alleine kommt. Es ist genau dieses Verhalten, das mich beeindruckt. Es geht C.J. - jedenfalls legt diese Reaktion diese Annahme nahe - nicht in erster Linie darum, seinen Posten zu halten, sondern Gemeinde Gottes, Königreich Gottes zu bauen, an der Missio Dei teilzuhaben - als unvollkommener aber geheilgter Mensch, der wie jeder andere Christ eine Phase braucht, in denen er sich über seine eigenen Schwächen bewusst wird.
Da muss ich an andere Leiter denken, die ihre Streitereien lieber in der Öffentlichkeit austragen, anstatt still in sich zu gehen und seinen eigenen Anteil an der Schuld zu suchen!
Und da muss ich auch an mich denken, dass ich diesen Drang auch manchmal in mir spüre.


2. Es wird eine dritte Partei eingeschalten, damit keine Gerüchte aufkommen!
Nun könnte man ja berechtiger Weise einwenden, dass sie ja reagieren mussten, als die Kritik aufgekommen war. 'Jetzt hat der Mahaney hat mal für ein paar Monate Urlaub', könnte man sagen,' und danach geht alles wieder seinen alten Gang.' Aber genau das will der Aufsichtsrat und C.J. ja verhindern - weswegen sie eine dritte Partei einschalten. Eine Gruppe, deren Namen sie zwar nicht nennen, die aber laut ihrer Veröffentlichung nichts mit SGM zutun hatte und so als unabhängiger Prüfer fungieren kann in dieser Sache.
Ds ist ein wichtiger Schritt. Es kann zu allerhand Gerüchten kommen, wenn man versucht, soetwas unter den Tisch zu kehren oder unter der Hand zu klären. Als Außenstehender kann man sich nie sicher sein, ob die Dinge wirklich geklärt wurden und ein Markel bleibt immer haften. Eine dritte Partei, die keinerlei persönlichen Vorteil aus einer 'Niederlage' oder einem 'Triumph' der alten Umstände zieht, kann dabei helfen, die Sachen aufzuarbeiten und zu bereinigen!

3. Sie sind sich des Wirkens Gottes in ihrem Leben und ihrem Werk bewusst!
Am meisten beeindruckt mich, wie sehr sowohl C.J. in seinem offenen Brief als auch der Aufsichtsrat von SGM in ihrem Offenen Brief darauf aufmerksam machen, dass es ein Werk Gottes sein muss, der reinigt, heiligt und wiederherstellt. Und dass sie sich aber auch bewusst sind, wie Jesus schon jetzt in ihrem Werk arbeitet. Sie sind sich nicht zu scheu, auch darauf aufmerksam zu machen. Ihr Umgang mit diesem Vorwürfen zeigt alle Kriterien, die ein in christlicher Demut geführtes Leben aufstellt. Es muss am Ende dazu dienen, dass Gott die meiste Ehre dadurch bekommt - auch durch die Sünde, die wir in unserem Leben tun. Es muss dazu führen, dass Gott in uns wirken kann und wir am Ende nicht sagen können: Weil wir so transparent mit der Sache umgegangen sind, weil wir so toll eine dritte Partei eingeschaltet haben, weil wir so einen tollen Brief geschrieben haben - deswegen haben wir das ganze gut überstanden, unbeschadet und mit gleichbleibendem Ruf. Es darf uns nicht um unseren Ruf, unser Gehalt oder unsere Prestige gehen. Es muss uns um Gottes Ehre gehen. Wenn er entscheidet, dass wir ein Werk weiterführen sollen, dann sollten wir bereit sein. Wenn er entscheidet, dass wir es nicht tun sollen, dass unser Weg woandes hin führt, dann sollten wir auch dazu bereit sein. Es ist immer Gottes wirken, nicht das unsere!

Ich bin wirklich beeindruckt, wie diese Organisation mit der ganzen Situation umgeht, weil ich es auch meinem eigenen Leben und aus der Erfahrung mit anderen Christen schon ganz anders erlebt habe. Ich wünschte, ich hätte in manchen Phasen meines Lebens diese Demut gehabt. Und ich wünschte, dass viele Christliche Leiter in Deutschland diese Demut hätten - es wäre ein weitaus größeres Zeugnis!

Gods Bless,

Restless Evangelical

Donnerstag, 7. Juli 2011

PID - Zulassung des Bundestages

Ich habe mich ja in der letzten Zeit etwas zurück gehalten mit Beiträgen auf meinem Blog - was sicher vor allem an der nahenden Prüfungszeit liegt.
Trotzdem wollte ich gerne auf einen Kommentar aufmerksam machen, den ich gerade bei FAZ Online gelesen habe und der sich mir der Mehrheit des Bundestages auseinander setzt, die sich für die Zulassung der PräImplantationsDiagnostik befasst.
(Zwischenspiel: Dabei handelt es sich um die Untersuchung von inVitro - im Reagenzglas - gezüchteten Embryonen auf mgliche Erb- und Gen-krankheiten. Es soll dabei helfen, Paaren bei einer künstlichen Befruchtung eine Sicherheit auf ein 'gesundes' Kind zu geben).
Das ist sicher ein kontroverses Thema, aber ich möchte trotzdem mit Bestimmtheit sagen, dass ich diese Entscheidung für eine tragische Fehlentscheidung halte.
In dem FazArtikel lautet der letzte Absatz:

Auch die geltende Abtreibungsregelung, die ihre Rechtfertigung aus einem leiblich manifesten Konflikt zwischen Embryo und Mutter bezog, passt nicht mehr in die Systematik. Dies ist viel schwerwiegender als die Frage, ob es künftig bei wenigen hundert PID-Fällen bleibt. Bei der Abtreibungsregelung geht es um eine Hunderttausender-Größenordnung.
 Die Frage, die mit der PID zusammenhängt ist wesentlich tiefgreifender als 'nur' einigen kinderlosen Paaren zu helfen - es geht darum, dass der Schutz des menschlichen Lebens auch im Mutterleib noch weiter aufgeweicht wird. Die Frage ist, wer sich um das menschliche Leben kümmert, wenn es nicht einmal mehr der Staat macht.
In einem Grundsatzpapier vom Institut für Ethik und Werte an der FTH wird dazu ganz berechtigt Bezug genommen auf die Abtreibungsregelung in Deutschland. Dort heißt es:

Dabei prägt geltendes Recht auch ethische Haltungen in der Bevölkerung, wie die Änderung des §218 StGB zeigt: Hatte der Gesetzgeber dabei die Abtreibung als im Einzelfall straffrei gestelltes Unrecht betrachtet, so ist daraus im Bewusstsein vieler ein "Recht auf Abtreibung" geworden.
 Die Frage ist also nicht in erster Linie, ob kinderlosen Paaren ihr Kinderwunsch erfüllt werden sollte - die Frage ist, ob es ein 'Recht' auf 'gesunde' - sprich perfekte - Kinder gibt. Welches Signal strahlt ein Staat aus, der eine solche Selektion zulässt?
Ich halte es für tragisch, dass diese Entscheidung getroffen wurde - diese Antwort suggeriert, dass es lebenswertes und lebensunwertes - und damit liebenswertes und liebensunwertes Leben gibt. Und dabei wollen wir Kindern glaubhaft vermitteln, dass ihr Aussehen, ihr Erbgut und ihre Herkunft für ihren Status keine Rolle spielen sollen in unserem Staat. Es mag damit anfangen, dass einzelne Fälle von schlimmen Erbkrankheiten aufgehoben werden - und wer könnte da schon etwas dagegen haben? - und wird dazu führen, dass am Ende nur noch Menschen als Lebenswürdig erachtet werden, die den Augen der Gesellschaft entsprechen.
Aber, lieber RE, malen sie doch bitte kein so schwarzes Bild. Vielleicht kommt es anders!
So wurde die Änderung des Abtreibungsrechts damals auch verkauft. Wer könnte denn etwas dagegen haben, wenn ein Vergewaltigungsopfer diese letzte Notbremse zieht? Heute sprechen die Zahlen eine vollkommen andere Sprache, wenn man sieht, wer diese Notbremse zieht.

Mit besorgten Grüßen,

Gods Bless,

Restless Evangelical