Freitag, 8. Juli 2011

C.J. Mahaneys Zeit der Selbstprüfung

Heute habe ich auf Mahaney Blog gelesen, dass er seine eine Zeit des 'leave of absence' nimmt, um sich selbst zu prüfen.
Wie es in diesem Blogpost schreibt kamen in letzter Zeit immer häufiger Beschweren von ehemaligen SG-Pastoren und damit verbundenen Geistlichen, die sich beschwert haben über C.J. und speziell über seinen Führungsstil. Die Liste reicht von Stolz bis Heuchelei.
C.J. Mahaney leitete 27 Jahre lang die Covenant Life Church in Gaithersburgh und war nun einige Jahre der Vorsitzende von Sovereign Grace Ministries - einer international tätigen Organisation, die Gemeindegründung voranbringen will.
Ich will nicht verschweigen, dass ich in meinem geistlichen Leben sehr viel von Mahaney gelernt habe. Sein Buch 'The Cross-Centered Life' war ein wichtiges Fortbewegungsmittel für mich auf der Reise evangelikaler Spiritualität.
Nun will ich aber nicht sagen, dass diese 'Offenbarung' für mich bedeutet, dass C.J. nicht mehr 'höhrenswert' wäre oder Souvereign Grace an sich abzuschreiben sei.
Gerade das Gegenteil ist der Fall. Ich finde dieses Verhalten vorbildlich. Und zwar aus folgenden Gründen:


1. Sie gehen vollkommen transparent mit ihren Fehlern um!
Ich bin beeindruckt, wie offen sie mit ihren Fehlern umgehen. Als vor einiger Zeit Benny Hinn bezichtigt wurde, eine Affäre mit der (ebenfalls charismatischen) Predigerin Paula White zu haben - und das noch bevor seine Scheidung überhaupt rechtskräftig war - hat er dasselbe von vornherein geleugnet, bis ein Boulevardblatt ziemlich eindeutige Fotos veröffentlichte. Ich schreibe das nicht, um Benny Hinn zu diskreditieren - das tut er mit seiner Predigt oft genug selbst schon; es geht mir darum, zu zeigen, dass es unter 'christlichen' Leitern durchaus unterschiedliches Verhalten im Angesicht von Schuld gibt. Denn Schuld bleibt bei christlichen Leitern, bekannt oder unbekannt, leider nicht aus. Die Frage ist, wie man damit umgeht. Dr. Kai Soltau hat auf einem Vortrag auf den Bibeltagen vor einigen Jahren (es ging um den Judasbrief) einmal gesagt, dass ein Zeichen von Irrlehrern immer ist, dass sie eigene Schuld nicht eingestehen wollen, weil es ihre eigene Macht schwächt. Und da ist sicher etwas wahres dran. C.J. hat nun seinen Posten an der Spitze von SGM erst einmal abgegeben, damit eine unabhängige und unbelastete Prüfung der Vorwürfe vorgenommen werden kann. Das halte ich für unheimlich stark. Es zeigt, wie sich ein Pastor vor seinem Gott demütigt, weil er weiß, dass er ohne Jesus nichts tun kann! Dass aller Erfolg, der ihm im Dienst entgegen kam, nur von Gott alleine kommt. Es ist genau dieses Verhalten, das mich beeindruckt. Es geht C.J. - jedenfalls legt diese Reaktion diese Annahme nahe - nicht in erster Linie darum, seinen Posten zu halten, sondern Gemeinde Gottes, Königreich Gottes zu bauen, an der Missio Dei teilzuhaben - als unvollkommener aber geheilgter Mensch, der wie jeder andere Christ eine Phase braucht, in denen er sich über seine eigenen Schwächen bewusst wird.
Da muss ich an andere Leiter denken, die ihre Streitereien lieber in der Öffentlichkeit austragen, anstatt still in sich zu gehen und seinen eigenen Anteil an der Schuld zu suchen!
Und da muss ich auch an mich denken, dass ich diesen Drang auch manchmal in mir spüre.


2. Es wird eine dritte Partei eingeschalten, damit keine Gerüchte aufkommen!
Nun könnte man ja berechtiger Weise einwenden, dass sie ja reagieren mussten, als die Kritik aufgekommen war. 'Jetzt hat der Mahaney hat mal für ein paar Monate Urlaub', könnte man sagen,' und danach geht alles wieder seinen alten Gang.' Aber genau das will der Aufsichtsrat und C.J. ja verhindern - weswegen sie eine dritte Partei einschalten. Eine Gruppe, deren Namen sie zwar nicht nennen, die aber laut ihrer Veröffentlichung nichts mit SGM zutun hatte und so als unabhängiger Prüfer fungieren kann in dieser Sache.
Ds ist ein wichtiger Schritt. Es kann zu allerhand Gerüchten kommen, wenn man versucht, soetwas unter den Tisch zu kehren oder unter der Hand zu klären. Als Außenstehender kann man sich nie sicher sein, ob die Dinge wirklich geklärt wurden und ein Markel bleibt immer haften. Eine dritte Partei, die keinerlei persönlichen Vorteil aus einer 'Niederlage' oder einem 'Triumph' der alten Umstände zieht, kann dabei helfen, die Sachen aufzuarbeiten und zu bereinigen!

3. Sie sind sich des Wirkens Gottes in ihrem Leben und ihrem Werk bewusst!
Am meisten beeindruckt mich, wie sehr sowohl C.J. in seinem offenen Brief als auch der Aufsichtsrat von SGM in ihrem Offenen Brief darauf aufmerksam machen, dass es ein Werk Gottes sein muss, der reinigt, heiligt und wiederherstellt. Und dass sie sich aber auch bewusst sind, wie Jesus schon jetzt in ihrem Werk arbeitet. Sie sind sich nicht zu scheu, auch darauf aufmerksam zu machen. Ihr Umgang mit diesem Vorwürfen zeigt alle Kriterien, die ein in christlicher Demut geführtes Leben aufstellt. Es muss am Ende dazu dienen, dass Gott die meiste Ehre dadurch bekommt - auch durch die Sünde, die wir in unserem Leben tun. Es muss dazu führen, dass Gott in uns wirken kann und wir am Ende nicht sagen können: Weil wir so transparent mit der Sache umgegangen sind, weil wir so toll eine dritte Partei eingeschaltet haben, weil wir so einen tollen Brief geschrieben haben - deswegen haben wir das ganze gut überstanden, unbeschadet und mit gleichbleibendem Ruf. Es darf uns nicht um unseren Ruf, unser Gehalt oder unsere Prestige gehen. Es muss uns um Gottes Ehre gehen. Wenn er entscheidet, dass wir ein Werk weiterführen sollen, dann sollten wir bereit sein. Wenn er entscheidet, dass wir es nicht tun sollen, dass unser Weg woandes hin führt, dann sollten wir auch dazu bereit sein. Es ist immer Gottes wirken, nicht das unsere!

Ich bin wirklich beeindruckt, wie diese Organisation mit der ganzen Situation umgeht, weil ich es auch meinem eigenen Leben und aus der Erfahrung mit anderen Christen schon ganz anders erlebt habe. Ich wünschte, ich hätte in manchen Phasen meines Lebens diese Demut gehabt. Und ich wünschte, dass viele Christliche Leiter in Deutschland diese Demut hätten - es wäre ein weitaus größeres Zeugnis!

Gods Bless,

Restless Evangelical

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