Mittwoch, 20. Juli 2011

Lasst Gott Gott sein!


Eine Rezension zu Francis Chan's „Erasing Hell: What God said about eternity, and the things we've made up“

Gestern habe ich endlich Erasing Hell gelesen, und es hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Francis Chan ist ein extrem guter Schreiber. Er kommuniziert die Dinge, die er sagen will, auf eine Weise, die fesselt. Wie einer meiner Dozenten sagen würde: Nicht nur von Kopf zu Kopf sondern von Herz zu Herz!
Wenn ich mal den Inhalt des Buches in meinem Kopf an mir vorüberziehen lasse, dann kann man das Resüme ziehen, dass es sich um eine, wenn nicht die (!) Antithese zu Rob Bells „Das letzte Wort hat die Liebe“ (engl. Love Wins) handelt. Das liegt nicht nur daran, dass Francis Bells Buch häufig zitiert, weil er daran die Position des 'Universalismus', oder wie er es nennt 'christian/dogmatic universalism' festmachen kann. Er ist fair genug zu sagen, dass Bell in Love Wins nie ausdrücklich sagt, er vertrete diese Position. Doch er beschreibt und verteidigt sie offensichtlich mit einem solchen Mitgefühl und einer Sympathie, die es schwer machen lässt, ihn nicht auch als Vertreter einer 'Gottes-Liebe-schmelz-am-Ende-Alle-Herzen' Eschatologie zu betrachten.
Doch man würde zu kurz greifen, wenn man Francis Buch einfach als Antithese zu einem anderen erfolgreichen Buch betrachten würde. Dieses Buch dreht sich um ein Herzstück christlicher Lehre, die seit vielen Jahrhunderten als klar gilt. Das es in unseren Tagen eine Diskussion darum gibt ist an sich nicht verwerflich, denn es hilft uns, unseren Kurs immer wieder an der Offenbarung Gottes selbst in seinem kostbaren Wort auszurichten und nicht auf Traditionen und Lehren, die wir Menschen uns in unserer Kreativität ausgedacht haben.

1. Der Aufbau und Francis Argumentation
Francis geht in dem Buch erst die wichtigsten Argumentationen für eine 'Allversöhnung' durch und im Anschluss betrachtet er die Aussagen von Juden zur Zeit Jesu, von Jesus selbst und von seinen Nachfolgern.
Dabei hat er seine Hausaufgaben wirklich gemacht. Er ist sich bewusst, dass es sich um ein Thema handelt, das äußerste Vorsicht bedingt. Wir sollten nicht einfach unsere Vorstellung vom 'Sündenpfuhl' auf die Worte Jesu und der Apostel übertragen. Wir brauchen den historischen Kontext, um die Worte Jesu darüber wirklich zu verstehen. Was meint Jesus, wenn er Gehenna sagt? Eine Müllhalde außerhalb von Jerusalem, wie Bell es suggeriert?
Hatten die Juden im 1 Jahrhundert gar keine Vorstellung von einer ewigen Strafe? Waren diese Zeitbegriffe ihnen fern?
Solche Sachen müssen betrachtet werden, damit wir Jesus wirklich verstehen. Und Francis tut das mit großer Vorsicht und dem Herzen eines Seelsorgers. Auf jeder Seite merkt man ihm seinen eignen Kampf mit diesem Thema an. Er erzählt sogar sehr früh in dem Buch von seiner Großmutter, die ohne Jesus gestorben ist. Und er erzählt, wie er sich immer darum gedrückt hat, sich Gedanken darüber zu machen, wo sie jetzt ist, was sie jetzt erlebt. Und er erzählt immer wieder, wie er sich lange Zeit darum herum gestohlen hat, deutlich und mit klaren Worten von der Hölle zu erzählen. Es schien ihm, als müsste er Gott, jedenfall diesen Teil von Gottes Wesen, verstecken.

2. Fancis wichtigstes Argument
Ein Kapitel des Buches trägt den Titel „What if God...?“ und es hat mich gestern Abend wirklich erschreckt, erstaunt, gedemütigt, aufgebaut und nicht mehr losgelassen. Denn Francis geht dort von Römer 9 aus und beschreibt, wie er dadurch ganz neu entdeckt hat, dass Gott im Recht ist, zutun was immer er will. Er beschreibt die vielen Dinge in der Bibel, die wir nicht verstehen. Dinge, die er (und ich!) verhindert hätte, wenn wir Gott wären. Aber die Frage, die Paulus in Römer 9 stellt, ist ebenso deutlich: „So? Wer bist du eigentlich? Du Mensch willst anfangen, mit Gott zu streiten? Sagt das Werk zu seinem Meister: "Warum hast du mich so gemacht?"“ (V. 20, NeÜ). Gott hat entschieden, zu handeln wie er handelt.
Und dann kam der Teil, der mich wirklich ergriffen hat. Wenn ich an das Kreuz denke – hätte ich an Gottes Stelle so gehandelt? Noch habe ich keine Kinder, aber ich kann mir vorstellen, wie schmerzhaft es ist, seinen eigenen Sohn zu Opfern für Sünder, die es nicht im Ansatz verdient haben. Würde ist meinen Sohn opfern, um seinen eigenen Vergewaltiger aus dem Knast zu holen? Nicht nur aus dem Knast zu holen, sondern gerecht zu sprechen für alle Ewigkeit? Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nichtmal, ob ich meinem iPod opfern würde.
Gott ist der Töpfer, wir sind der Ton. Sollten wir nicht Gott Gott sein lassen?
3. Und was hat das mit mir zutun?
Manch ein Leser wird sich überlegen, was das ganze denn mit ihm zutun hat. Es werden sicher vorherrschend Christen sein, die dieses Buch lesen – und ich wage die Prognose, dass es vor allem solche Christen sein werden, die Bells Buch nicht gut fanden. Ich 'weiß' doch das alles schon, was hat das mit mir zutun. Ich habe doch eine biblische Grundlage! Ich habe doch dieses Kapitel in 'The Reason for God' gelesen und glaube dran. Was hat das mit mir zutun? Eine ganze Menge, wie Francis in einem eignen Kapitel zeigt.
Ich will nicht vorgreifen, weil ich dieses Buch wärmstens empfehlen möchte. Lest es und denkt darüber nach. Und lest vor allem die Bibelstellen immer wieder und betet darüber! Denn es ist ein großer Unterschied, ob diese Lehre in unseren Köpfen ist oder in unseren Herzen.
Und das ist der wichtigste Pluspunkt dieses Buches. Es geht hier nicht um Systematische Theologie; es geht nicht darum, eine Debatte zu gewinnen; es geht nicht darum, der Emerging Church zu zeigen, wo der hammer hängt; es geht nicht darum, Bücher zu schreiben! Es geht um Menschen. Menschen die wir jeden Tag auf der Straße treffen. Menschen, die mit uns rumhängen und denen wir nie etwas vom Ausweg aus ihrer Misere erzählt haben. Es geht um echte Menschen, um die Schicksale echter Menschen, um die echte Ewigkeit echter Menschen.
Lasst uns nicht debattieren, lasst uns verkündigen. Lasst und nicht philosophieren, lasst uns Gott Gott sein lassen – und lasst uns den Auftrag erfüllen, den er uns gegeben hat.

Gods Bless,

Restless Evangelical

Chan, Francis (with Preston Sprinkle): Erasing Hell: What God said about eternity and the thinds we've made up
Colorado Springs, David C Cook, 2011
ISBN 10: 0781407250
ISBN 13: 978-0781407250

Das Buch lässt sich übrigens hervorragend in der FTH Buchhandlung bestellen:
http://www.ftabooks.de/

Kommentare:

  1. In 2011 world population will reach 7 billion (vs. 3 billion in 1960). There are now approximately 2.2 billion Christians. Chan and Sprinkle seem to be saying that 4.8 billion people may be facing eternal hell.

    Concepts of afterlife vary between religions and among divisions of each faith. Not all Christians agree on what happens after this life, nor do all Jews, Muslims, Hindus, Buddhists, or other believers. Rebirth, resurrection, purgatory, universalism, and oblivion are other possibilities...none of which can be proven.

    Mystics of all faiths have more in common than the followers of their orthodox religions. True mystics realize that eternal life is here and now; it does not begin after mortal death. The age of Earth is said to be 4.5 billion years, of the Universe 13.7 billion, yet few humans live to be 100. Relatively, this lifetime is a mere speck.

    Scriptures are subject to interpretation; people often choose what is most beneficial for them.

    AntwortenLöschen
  2. Dear Ron,
    thank you for you comment. I wonder, wether you actually read my article about the book, since it is in german, or just commented, because you checked out the names or the book.
    Either way, here's what I think:
    By making mystic experience the key bridge between all religion - or at least the major ones - I think you don't take any of them seriously.
    Let me be clear on this one: All of the big world religions proclaim of them selves to be an absolute. There is - taken their core values seriously - way, to be saved, apart from their system.
    Now what you do is taken just one thing seriously, and that is yourself - or better to say: your experience.
    Though I appreciate, that there's a good reason behind it, why you seek the union of all religion - a peaceful utopia, that you created in your head - this will not work. Because there will ever be persons taken their religion seriously.
    Now it has been the evangelicals, that has stand for religious freedom at first. It was the baptist thomas helwys, who first stood up for the right to live the own religion without regression!
    Now you say, that 'scriptures are subject ti interpretation; people often choose what is most beneficial for them'. But don't you think, that to rely only and foremost on the own experiences isn't more prone to be missused? Because that means, the you'll never have any absolute, nothing to mess your experience on.
    Now, at least: By saying, that Jesus is the only way to be saved - this does not mean, that we think of ourselves being superior to any other. Actually, if you understand the gospel, you realize, that you are worse than anyone, a sinner more depraved than any other human being and you rely absolutely on the grace of our mercyfull savior. Meeting a person, that holds some kind of religious system, that is differenz to what I believe, would result for me in acknowledge him/her as a created being, loved by god, but still a sinner, departed from the holy one. Just as I was, before Jesus found me. Like - this is the gospel. Not: We are better than others, it's we are worse, but Jesus still loves me - and you!

    AntwortenLöschen
  3. I have once again read your comments in English, thanks to Google translate. Although I've studied eight languages (including Latin, Sanskrit and Tibetan), Google is the easiest way to read blogs in other languages.

    My ebook on comparative mysticism is not intended to convince skeptics, but if you read the 120 quotations you will note remarkable similarities in their message. They believe that revelation is ongoing, not limited to sacred scriptures. Jesus was a mystic par excellence, as were some prophets of other faiths. "The Kingdom of God is within."

    AntwortenLöschen
  4. Here is my last paragraph in German using Google Translate. Is it O.K.?

    Mein ebook über vergleichende Mystik ist nicht beabsichtigt, Skeptiker zu überzeugen, aber wenn man die 120 Zitate lesen, werden Sie bemerkenswerte Ähnlichkeiten in ihrer Botschaft zur Kenntnis. Sie glauben, dass Offenbarung ist im Gange, ohne darauf beschränkt zu heiligen Schriften. Jesus war ein Mystiker par excellence, wie es einige Propheten anderer Religionen. "Das Reich Gottes ist inwendig."

    AntwortenLöschen