Montag, 11. Juli 2011

Rob Bells Verlagsleiter über die Reaktionen auf 'Love Wins'

Der Verlagsleiter von HarperOne, dem Verlag, der Rob Bells kontroverses Buch 'Love Wins' veröffentlich hat (meine Rezension des Buches findet ihr hier) hat einen Blogpost veröffentlich, in dem er sagt, dass die weite Aufmerksamkeit des Buches ihn sowohl mit Hoffnung als auch mit Angst füllt.
Er hat Hoffnung - so sagt er - weil Bell selbst viele Rückmeldungen auf das Buch bekommen haben, in denen Menschen das Buch als 'Heilung' empfunden haben, als 'Lebensrettung' und dass sie sich durch das Buch wieder 'mit der Kirche verbunden' fühlen.
Dazu alleine gäbe es schon eine Menge zu sagen - immerhin empfinden auch eine Menge Menschen die Bücher von Deepak Choprah als heilend, sagen, dass das Lesen das Korans ihnen das Leben gerettet hat oder dass die Bücher von Anselm Grün sie wieder mit der Kirche verbunden haben. Sollten wir ein Buch wirklich daran bewerten, ob es die Menschen bewegt? Die Menschen zu bewegen ist nicht schwer. Wer eine Gabe zu schreiben hat, mit Worten zu jonglieren und Emotionen in Worten auszudrücken, dem fällt es nicht schwer, Menschen zu erreichen. Und bei den vielen Millionen, die mittlerweile Love Wins gelesen haben, wundert es mich auch nicht, dass viele dabei waren, die das Buch als Heilung empfunden haben. Es ist einfach kein Zeichen von Wahrheit, wenn Menschen bewegt werden.
Doch viel mehr hat mich gestört, was den Verlagsleiter mit Angst erfüllt hat - es war die schnelle und teilweise harsche Reaktion der konservativen Evangelikalen auf das Buch. Er schreibt:
But why such hostility? Why would leaders attack as a threat and an enemy someone who shares their views of Scripture, Jesus, and the Trinity? What prevented leaders from saying, “Thanks, Rob, interesting views, but here is where we disagree”? When did “believing the right things” become equated with determining who is “saved”

Woran genau sollte man festmachen, dass jemand gerettet ist, als daran, was er glaubt? Und woran sieht man, was jemand glaub, wenn nicht daran, was er in der Öffentlichkeit sagt und wie er sein Leben als Christ gestaltet und lebt?
Ich habe in meiner eigenen Rezension geschrieben, dass das Buch von Bell durchaus interessante (und gute!) Passagen enthält. Doch wie könnte ich Rob Bell danken für ein Buch, dass biblisch belegte und historisch bestätigte christliche Lehre untergräbt? Wie kann ich sicher sein, dass Bell die orthodox-evangelikale Sicht auf die Bibel teilt? In seinem Buch zitiert er gerne Johannes 12,47, weil dieser Vers in sein Gedankensystem zu passen scheint. Doch dabei vergisst er den direkt folgenden Vers, der seiner Sicht vollkommen widerspricht? Für mich klingt es mehr nach Fahrlässigkeit als nach sauberer Argumentation.
Doch ein Absatz im Artikel des Verlegers fand ich wirklich erschreckend. Er schreibt:

As a young evangelical, I was socialized to see the biggest threat to the church as theological liberalism. But now I think the biggest threat is Christian tribalism, where God’s interests are reduced to and measured by those sharing your history, tradition, and beliefs, and where one needs an “enemy” in order for you to feel “right with God.” Such is the challenge facing the church today and what the reaction to Love Wins reveals.

Wenn konservative Evangelikale auf dieses Buch mit dieser Geschwindigkeit und dieser Deutlichkeit reagieren, dann liegt das nicht daran, dass sie Gott auf ihre Tradition schrumpfen. Dann nehmen sie zu erst einmal Ernst, dass Gott sich selbst klein gemacht hat und sich uns offenbart hat. Der verborgene Gott, von dem wir nichts wissen könnten, hat sich in der Schöpfung als generelle Offenabrung und in der Bibel als spezielle Offenbarung gezeigt. Das ist der Gott, den wir erkennen können, der Gott, den wir erforschen sollen, wenn wir wirklich schlüssige und zuverlässige Wahrheiten über ihn herausfiltern wollen! Spekulieren hilft uns da nicht weiter. Wir haben nur diese eine Quelle, die uns Gott selbst zu Verfügung gestellt hat. Und wenn jemand einen Gott darstellt, dem mindestens eines der zentralsten Attribute des biblischen Gottes - seine reine, fehlerlose Heiligkeit und der daraus resultierende Zorn auf Sünde - dann sollte es doch erlaubt sein, das auch mit aller Deutlichkeit zu sagen. Denn dieser Gott ist der Gott, den ich anbete, das ist Jesus!
Man könnte natürlich einwenden, dass doch Jesus von Nazareth die wichtigste Offenbarung Gottes ist. Und wir könnte ich dem nicht zustimmen? Doch woher wissen wir von diesem Jesus von Nazareth? Ich würde sagen, dass wir nur durch die biblischen Zeugnisse in den Evangelien und den Diensten seiner direkten Schülern in den Briefen von diesem Jesus wissen können. Und dann müssen wir auch ernst nehmen, dass niemand in der Bibel so viel von der Hölle spricht, wie Jesus. Und dass Jesus sehr deutlich macht, mit seiner Predigt und durch sein Handeln, dass der Heilige Gott Sünde hasst und sie am liebsten aus seinem Mund ausspeien möchte. Wer diesen Aspekt Gottes nicht deutlich macht, der sollte überprüfen, ob er wirklich den Gott der Bibel verkündigt, der diese Teil seines Charakters als so Zentral darstellt.
Wie Paul Washer es sagt, steht in der Bibel nirgendwo, dass Gott Liebe, Liebe, Liebe ist, oder dass Gott, Freundlich, freundlich, freundlich ist und schon gar nicht, dass Gott nett, nett, nett ist. Aber es steht sehr deutlich da, dass Gott heilig, heilig, heilig ist!

Gods Bless,

Restless Evangelical

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