Dienstag, 30. August 2011

Anfängerglück! - und Gottes Segen...


Eine Rezension zu Mark Driscolls „Confessions of a Reformission Rev. - Hard Lessons from an Emerging Missional Church“

Mark Driscolls zweites Buch ist eine Art Biographie seiner Gemeinde bis in das Jahr 2006. Anhand entscheidender Wachstumsschübe von einer Gemeinde, die nach seiner eigenen Aussage die größe einer etwas kleineren Mormonenfamilie hatte, bis zu einer Megachurch von damals rund 4000 Besuchern jeden Sonntag, berichtet er von Fehlern, die er gemacht hat, und wir Gott sie gebraucht hat, um trotzdem ans Ziel zu kommen. Er endet mit seinem Plan für die Zukunft, den er in kurzen Paragraphen umreist, in denen es vor allem darum geht, von allem mehr zu haben.
Das Buch ist ein Augenöffner, eine Ermutigung und eine Anstrengung für jeden, der einmal in die Gemeindegründung gehen will.

  1. Wie der Phönix aus der Asche... - Aus Fehlern lernen!

Vor allem kann jeder aus den Fehlern lernen, die Mark Driscoll beschreibt. Dass er dabei teilweise schonungslos seine eigenen Schwächen beschreibt, macht deutlich, dass er die Gründung von Mars Hill und den Wachstum der Gemeinde zum Leitstern der 'Neuen Calvinisten' nicht als menschliches Machwerk, sondern als Gottes Führung betrachtet. Dementsprechend sollte sich jeder Gemeindegründer seine Entscheidung gründlich überlegen. Es ist keine weiche Graslandschaft, die zum Ziel einer gesunden Gemeinde führt. Es ist oft harte Arbeit. Mark Driscoll berichtet sehr deutlich, wie er sich selber für viele Jahre am Rande des Burnouts bewegt hat, dabei oft seine Frau und seine Kinder vernachlässigt hat – oder sich von seiner Frau vernachlässigt fühlte – um der Gemeinde willen. Dadurch zeigt er deutlich, wovor man sich in Acht nehmen sollte – es ist eben auch nicht alles Gott, was glänzt. Manches wirkt, wie eine vielversprechende Idee, doch es floppt gewaltig; und Gott zeigt dem Gemeindegründer dadurch, dass es anderer Weg eingeschlagen werden sollte – und dass es in einer solchen Gemeinde nicht um die Coolness des Predigers geht und um die Lautstärke der Musik. Es gibt wesentlich mehr Dinge, über die man sich Gedanken machen muss.

  1. Die Kultur verstehen, die Gesellschaft verändern... - Kulturrelevanz lernen

Es gibt wahrscheinlich wenige Teile des Dienstes von Mark Driscoll, für die er so sehr kritisiert wurde, wie für seine Betonung von Kulturrelevanz. John MacArthur nennt es 'arminiasche Ekklesiologie' (Lehre von der Kirche) und unvereinbar mit einer calvinistischen Soteriologie (Lehre von der Errettung). In diesem Buch kann man interessante Eindrücke gewinnen, was Mark Driscoll unter Kulturrelevanz versteht und warum es für ihn absolut vereinbar mit seinen systematischen Veraussetzungen ist. Die Vision der Gemeinde war von Anfang an, dass sie eine Gemeinde von Missionaren sein wollen, die der Stadt das Evangelium bringen und sie dadurch verändern. Mit dieser Vision für eine Gemeinde zu starten ist eine gute Voraussetzungen; doch Mark Driscoll zeigt sehr deutlich, dass eine ganz eigene Schwierigkeit darin liegt, seine Vision auf eine lange Distanz zu halten; selbst wenn man überzeugt davon ist, dass es ein Wink Gottes ist. Er zeigt deutlich auf, wo die Gefahr liegt einzuschlafen oder sich zu sehr um die 'inneren Angelegenheiten' der Gemeinde zu kümmern und dadurch die Außenwirkung zu vergessen. Dan Kimball, langjähriger Weggefährte Mark Driscolls und konservativer Teil der 'Emerging Church' wird auf der Rückseite mit den Worten zitiert:
„After reading a book like this, you can never go back to being a inwardly focused church without a mission. Even if you disagree with Mark about some of the things he says, you cannot help but be convinced to your core about what it means to have a heart for those wo don't know Jesus.“
Mark Driscoll zeigt immer wieder deutlich, wie er Kulturrelevanz für seine Stadt versteht und wie er sie nutzen will, damit die Menschen in die Gemeinde kommen – und dann verändert werden, nicht durch die Coolness des Pastors, sondern durch die Unwiderstehbarkeit der Gnade!

  1. Lies das Kleingedruckte... - Theologische Reflexion für Anfänger

Immer wieder in dem Buch gibt es kurze Exkursionen über theologische Fragestellungen, denen sich ein Gemeindegründer früher oder später aussetzen muss. Wie soll eine Gemeinde strukturiert sein? Welchen Platz haben die Ältesten, wie viele Ältesten sollte eine Gemeinde überhaupt haben? gibt es da einen Porzentsatz? Dadurch macht Mark Driscoll deutlich, dass ein Gemeindegründer nicht einfach starten sollte, und der Rest kommt auf dem Weg. Eine Gemeinde kann nicht aus Luft und Liebe und die Eingebungen des Heiligen Geistes für den Pastor bestehen. Am Anfang kann man vielleicht als 'Event' in der Stadt starten, aber irgendwann braucht eine Gemeinde Strukturen, klare Linien, ein ausformuliertes Bekenntnis, wofür die Gemeinde steht und wodrauf sich neue Mitglieder einlassen. Alle solche Sachen sollte man nicht der Zukunft überlassen und unreflektiert hineinstarten; Mark Driscoll bedauert an einer Stelle auch, dass er sich über solche Dinge keine Gedanken gemacht hat, bevor er Mars Hill startete. Aber genauso wenig sollte man sie einfach der Vergangenheit überlassen und die Struktur an Gemeinde übernehmen, die schon immer in der 'hauseigenen' Denomination vorherrscht. Alles sollte man anhand der Bibel und der eigenen Gemeindelage prüfen und sehen, was am besten passt.

  1. Mit dem Kopf durch die Wand... - Triff auch mal harte Entscheidungen!

Eines wird sehr deutlich, wenn man Mark Driscolls Buch liest. Ein Gemeindeleiter muss auch immer wieder harte Entscheidungen treffen, aber sollte dabei immer in Liebe zu seinen Mitgliedern agieren und nicht seinen eigenen Vorteil suchen. Der Gemeinde ist nicht geholfen, wenn der Gemeindeleiter immer zurückschreckt und den kleinsten gemeinsamen Nenner sucht. Es kann auch mal zu einer Situation kommen, dass sich einige der Gemeindemitglieder trennen müssen, weil es einfach nicht passt. Man kann nicht immer alle glücklich machen. Aber man kann seiner Vision, seinem Herrn und der Bibel treu bleiben und Entscheidungen treffen und dann damit leben. Immer wieder kommen in dem Buch auch Stellen vor, in denen Mark sich bei seiner Gmeinde entschuldigt für falsche Entscheidungen, die er getroffen hat. Aber mindestens genauso oft trifft er Entscheidungen, auch gegen den Wind aus der Gemeinde, weil es der Vision der Gemeinde und am Schluss auch der Gemeinde selbst gut tut. Besonders beeindruckt hat mich dabei die Gospel Class, die Mark entwickelt hat, durch die alle gehen müssen, die Mitglieder in der Gemeinde werden sollen. Dort wird sehr deutlich gezeigt, was die Gemeinde glaubt – und auch die kontroversen Teile wie Homosexualität, Frauen in Leitungspositionen, Erwählungslehre – und den potenziellen neuen Mitgliedern ein Vertrag vorgelegt, mit dem sie sich verpflichten, in der Gemeinde mitzuarbeiten und sich einzusetzen, um die Mission der Gemeinde weiterzubringen. Mark sagt immer wieder, dass er nicht bereit ist, in Menschen jahrelang zu investieren, die die Vision der Gemeinde gar nicht teilen. Solche Entscheidungen müssen getroffen werden – und immer wieder muss der Pastor auch in Kauf nehmen, dass er dann man der Buhmann ist.

Schluss
Dieses Buch ist schlichtweg empfehlenswert für jeden, der einmal Gemeindegründung ins Auge fasst. Man geht mit durch höhen und tiefen der Gemeindegründung und durch Mark Driscolls Unterhaltungstalent wird das Buch auch nicht langweilig. Es liest sich sehr flüssig, hat viel Witz unf Humor. Manches, wodrüber man sich ärgert, vieles, wodrüber man sich freut und enebso viel, wodrüber man nachdenken muss um zu einem Urteil darüber zu kommen.
Es ist sicher nicht das letzte Wort, das über Gemeindegründung gesagt wird – aber es ist ein unterhaltsamer Einstieg in diese Fragestellung.

Gods Bless,

Restless Evangelical

Driscoll, Mark: Confessions of a Reformission Rev. - Hard Lessons from an Emerging Missional Church
Grand Rapids, Zondervan, 2006
ISBN10: 0310270162
ISBN13: 978-0310270164

Das Buch lässt sich übrigens hervorragend in der FTH Buchhandlung bestellen:
http://www.ftabooks.de/



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