Freitag, 19. August 2011

Der Theologe und Humor

Einige Überlegungen

Ich will heute mal kurz darüber nachdenken, wieso es gut ist, wenn wir in unseren Predigten und Gesprächen Humor anwenden.
Ich bin mir bewusst, dass das kein einfaches Thema ist – das hier soll als Gedankenanstoß dienen. Mark Dever hat in seinem Interview mit Ed Stetzer sehr gut darauf hingewiesen, dass wir uns beim Gebrauch von Humor sehr wohl darüber im klaren sein müssen, dass er gewisse Implikationen hat, die wir nicht verhindern können. Wir müssen uns dessen gewahr sein und darüber nachdenken, ob es das Evangelium unterstützt oder untergräbt – und ihn dann besonnen nutzen.

1.Humor und die Bibel

Mark Driscolls Predigt über Humor in der Bibel war für mich ein Augenöffner, die teilweise humoristische Natur biblischer Texte zu verstehen. Für meine Bibellese hat es mir wirklich geholfen, manche Bibelstellen nicht nur 'wörtlich' zu nehmen, sondern ihn als das zu verstehen, was er ist – und das bedeutet eben manchmal auch, dass es eine humoristische Perikope ist. Mark Driscoll nennt ein prominentes Beispiel aus dem Galaterbrief. Da das Problem in der Gemeinde die Judaisierer waren, die von sich behaupteten, dass sie besondern heilig – christlich – waren, weil sie sich beschnitten hatten (bzw. beschnitten worden sind), sagt der Apostel Paulus folgendes:


Was aber mich betrifft, liebe Brüder: Wenn ich wirklich selbst noch die Beschneidung fordern würde, warum werde ich dann immer noch verfolgt? Dann wäre das Ärgernis des Kreuzes ja beseitigt. Von mir aus sollen sich die, die euch durcheinanderbringen, auch noch kastrieren lassen. (Galater 5,12 NEÜ)

Paulus kann hier nun wirklich nicht so verstanden werden, als würde er eine ernsthafte Aufforderung machen. Und dass er diese Drohung in überschäumendem Zorn sagt, wollen wir ihm auch nicht anlasten. Das wäre nämlich wenig kontrolliert. Ich denke, das beste Verständnis hier liegt darin, dass Paulus die Position der Judaisierer aufs Äußerste überspitzt und dadurch ins lächerliche zieht. Funktioniert nicht genau so Karikatur? Auch im 2. Korintherbrief – gerade in Kapitel 11 – greift Paulus vielfach auf das Stilmittel der Ironie zurück. Wenn er in 11,1 schreibt: „Lasst euch doch ein wenig Dummheit von mir gefallen. Aber das tut ihr ja schon!“ meint er das doch sicher nicht ernst – nein vielmehr nennt er sich später, im Bewusstsein dessen, was ihm Gott geschenkt hat, einen „Meister der Erkenntnis“! Paulus karikiert hier die Position der 'Superapostel' ganz bewusst, um ihre Argumente lächerlich zu machen.
Warum ist das wichtig? Es gibt uns einen besonderen und spannenden Zugang zur Bibel! Wenn wir nicht immer in der Bibel nach ernster Religion suchen, Regeln, die wir unserer Heiligung hinzufügen, dann macht das Bibellesen richtig Spaß. Doch sollten wir nicht soweit abrutschen, und anfangen, Gott selbst lächerlich zu machen oder wichtige Lehre ins lächerliche zu ziehen. Natürlich gibt es ernste Teile in der Bibel – das ist gar keine Frage! Aber wir versagen uns, glaube ich, auch einen großen Schatz, wenn wir alles zu ernst nehmen und anfangen darüber zu spekulieren, wie denn ein Kamel durch ein Nadelöhr passen kann, denn immerhin sind doch Herr Deichmann und Loh beide Christen! Oder wenn wir beginnen, uns bildlich vorzustellen, wie ein Lamm im Himmel eine Buchrolle in die Hand (?) nehmen und die Siegel aufbrechen kann.
Etwas weiteres ist mir dadurch aufgefallen. Als ich letztens mit einem sehr guten Freund darüber gesprochen habe, dass Mark Driscoll sich auch immer mal über seine 'Gegner' oder andere Positionen lustig macht, sagte er: „Das ist aber kein christliches Verhalten!“ Doch ich bin mir da nicht sicher. Paulus macht sich durchaus lustig übe andere Positionen – vor allem die, der Superapostel. Auch Elia und Elisa sind nicht gerade gemäßigt, was ihren polemischen Humor gegenüber den Baalspriestern und anderen Götzendienern angeht. Aber auch hier ist ein Hinweis von Mark Driscoll lebens- bzw. überlebensnotwendig. Vor allem sind wir selbst unsere wichtigste Quelle für Humor! Wir sollten immer soviel Demut und Selbstreflexion haben, um zu wissen, dass wir echt viel Mist machen und wir ein gehöriges Maß an Blindheit brauchen, um nicht die idiotischen und witzigen Teile unserer Persönlichkeit zu sehen und sie auch auf dem Silvertablett zu präsentieren! Mark Driscoll sagt immer wieder, dass wir uns einfach nicht zu ernst nehmen sollen.


2.Theologen unter sich – wenn andere nichtmal die Pointe bemerken!

In meinem Jahrgang an der FTH reden wir oft über 'Theologenhumor' (Ein hervorragendes Beispiel für Theologenhumor ist Coffee as a means of grace von Michael Svigel). Die Meisten sind dabei immer sehr ablehnend, weil es wenig missional ist. Wenn wir immer Witze machen, die nur eine gewisse Gruppe von Leuten witzig finden kann, und von denen auch nur ein gewisser Prozentsatz witzig findet (wie kannst du dich über die sieben Dispensationen lustig machen?! Das ist die heilsame Lehre aus Titus 2,2!), wie sollen wir dann Nichtchristen ins Boot holen? Deswegen üben sich viele lieber dadrin, Humor zu entwickeln, den auch die Nichtchristen verstehen, als ihre wirkliche Begabung für theologischen Humor zu verfeinern. Aber ich frage mich: Warum? Hat nicht The Big Bang Theorie gezeigt, dass Nerd Humor durchaus auch von anderen lustig gefunden werden kann? Mal abgesehen davon: Wieso sollten wir uns nicht über uns selbst lustig machen dürfen, wenn wir unter uns sind? Und auf eine Weise, wie es nur die Anwesenden verstehen? Wer hat was gegen Insider, wenn nur Insider anwesend sind? Dann ist niemand ausgeschlossen. Müssen wir unseren Humor der missionalen Agenda anpassen, wenn nicht eine einzige Person anwesend ist, der wir zeigen müssen, dass wir eigentlich ganz cool sind und nicht so langweilig wie die Physikstudenten, die sich immer über Newton lustig machen?
Immerhin gibt es in der Theologie soviel, was es wert ist, aufs Korn genommen zu werden. Und sei es nur Biblisches Griechisch, Calvinismus/Arminianismus oder der altbewährte Altar Call!

Soviel einmal von mir,

viel Spaß mit dem Spaß.

Gods Bless,

Restless Evangelical

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