Montag, 29. August 2011

Warum unser Auftrag nicht in der Poltik ist, aber wenn schon, denn schon!


In der letzten Zeit habe ich mich ein wenig mit der Bewegung der 'Red Letter Christians' beschäftigt – zugegebener Maßen nicht gerade eine Reformierte Gruppe, aber ich war trotzdem angetan. Einer ihrer Leiter ist der Sozialoge und Professor vom (baptistischen) Eastern Seminary in Philadelphia. Er gibt folgende grundlegende Definition der RLC:
„The purpose of this gathering was not to create a religious left movement to challenge the religious right, but to jump-start a religious movement that will transcend partisan politics. Believing that Jesus is neither a Republican nor a Democrat, we want to unite Christians who are concerned about what is happening in America.“ (eine ausführlichere Definition hier)
Der Name leitet sich ab von den vielen englischen Bibelausgaben, in denen die Worte von Jesus in rot gedruckt sind – und mittlerweile auch in deutsch zu haben sind, bis jetzt allerdings nur in einer Bibelübersetzung. Das Argument der RLC geht einher mit dem, was Shane Claiborne einmal gesagt hat (der dieser Bewegung in jedemfall sehr nahe steht!). Er sagte, dass die meisten Christen 'selective Fundamentalists' sind, die bestimmte Stellen wortwörtlich verstehen – am liebsten die, in denen Homosexualität als Gräul bezeichnet wird – aber bei anderen Stellen die hermeneutische Klammer mit Blick auf Alegorese ziemlich weit öffnen. Was er meint ist, dass Christen gerne manche Politische Agenda hochhalten und gegen Abtreibung und HomoEhe demonstrieren, aber dabei vergessen, die Nächstenliebeteile der Bergpredigt mit der gleichen Leidenschaft zu predigen und vor allem zu leben.
Es gibt aber einen wichtigen contraPunkt, an der ganzen Angelegenheit, der mir beim drüber Nachdenken gekommen ist. Und darauf baut dann aber auch der größte ProPunkt auf, den die Bewegung hat (auch wenn ich alle reformierten Besucher beruhigen will: Die New Calvinists sind immernoch größer! ;-))

Contra: Wir brauchen keine Politik, wir brauchen Jesus!
Mich stört eine große Sache an dieser Bewegung, und das ist ihr Fokus auf die Politik. Rick Warren sagt einmal: „Wenn ich glauben würde, dass die Welt durch Politik verändert werden kann, dann wäre ich ein Politiker. Aber der einzige Weg, die Welt zu verändern, ist Menschen zu verändern durch das Evangelium.“ Das Problem ist, dass ich davon überzeugt bin, so spannend manche politische Agenda sein kann, und der missionale Aspekt dabei natürlich nicht zukurz kommen soll (wenn wir auch bei Stuttgart 21 mitdemonstrieren, zeigen wir allen, dass wir gar nicht so uncool sind!). Aber es verändert diese Welt nicht, es transformiert keine Stadt, keine Gesellschaft zu etwas besserem. Und am Ende rettet es niemanden. Dabei sollte das in erster Linie unser Fokus sein, und nicht Politik. Wir haben eine Verantwortung für diese Welt – da sind wir uns einig. Aber ich denke, dass die Bibel uns sehr deutlich zu verstehen gibt, dass diese Verantwortung nicht in erster Linie für die Bäume im Regenwald gilt. Sondern für die Menschen, denen wir auf der Straße (oder wahlweise bei der Generalversammlung der Grünen Stadtratsfranktion) begegnen. Und danach haben wir natürlich auch ein Mandat auf die ganze Schöpfung, die zu bewahren auch zur Schöpfungsordnung gehört! Aber wir sollten unseren Fokus nicht verschwimmen lassen, denn wenn Menschen aus Armut und Hunger befreit sind, sind ihre Seelen vielleicht weiterhin von der Sünde gebunden und nur der Erlöser-König Jesus kann sie wirklich befreien. Gleichzeitig sollten wir aber nicht vergessen, dann ein Großteil der hungernden, versklavten, geschändeten Menschen dieser Welt unsere Geschwister sind – gerade in Kenia läuft gerade eine große Erweckung, viele Missionare sind dort und viele große, gute Gemeinden entwickeln sich. Und selbst, wenn es nicht unsere Geschwister sind, so sind es unsere 'Menschenbrüder' (und um am dieser Stelle mal politisch korrekt zu sein, auch unsere Menschenschwestern!). Und das führt uns zu einem wichtigen ProPunkt.

Pro: Die christliche Kultur ist wie sie ist, deswegen sollten wir sie zu 'wirklich christlich' transformieren
Wenn man über Gesellschaftstransformation spricht, dann heißt es oft, eine Nichtchristliche Gesellschaft zu transformieren, zum guten hin. Auch Mark Driscoll nennt dies als die Mission seiner Mars Hill Church in Seattle in seinem Buch „Confessions of a Reformission Rev.“ Das an sich ist sicher auch nichts schlechtes. Doch unsere christliche Kultur, die wir uns in den letzten 500 Jahren Protestantische Geschichte geschaffen haben, sollte dringend ebenso transformiert werden. Denn wenn Christen an Politik denken, dann fallen ihnen einige (durchaus wichtige) ethische Agenden ein, die es zu verhindern/verbieten gilt. Aber ihr Horizont reicht nicht weiter. Das Christentum ist seit Jahren politisch geworden, und das sieht man nicht nur in Amerika. Wenn man das größte christliche Nachrichtenmagazin in Deutschland betrachtet, dann sieht man, wie dort regelmäßig die Christen des Jahres in den Reihen der Politiker gesucht werden. Schon lange geht es in der christlichen Landschaft mehr um christliche Werte, als um den einen Christlichen Wert, der am Kreuz erkauft wurde: Freiheit von der Gebundenheit an die Sünde. Das Christentum ist politisch – das zu ändern ist nicht so einfach; auch weil es ja durchaus politische Entscheidungen gibt, die von einer christlichen Ethik aus abgelehnt werden müssen; auch weil es ja durchaus Christen in der Politik gibt, die es zu unterstützen wirklich lohnt. Doch wenn wir damit schon umzugehen haben, dann sollte unser Repertoir an politischen Reden über die Grenzen der Republikaner hinausgehen. Dann sollten wir uns unserer konservierenden Wirkung (und Auftrag) für die Welt bewusst werden und ebenso entschieden, wie wir gegen die Ermordung von kleinen Kindern eintreten, auch für den Ausgleich von Arm und Reich, eine faire Globalisierung kämpfen. Und dazu helfen die RLC, wenn sie uns deutlich machen, dass wir mehr Dinge im Blick haben müssen, dass unser Horizont (in politischen Fragen!) weiter sein muss. Und dann kann ein Christ auch mal zugeben, dass Barak Obama bis hier her gar keinen schlechten Job gemacht hat, dass viele seiner Probleme vielleicht auf der teilweise erschreckend kurzsichtigen Politik seines Vorgängers beruht und dass ein Gesundheitssystem, dass alle auffängt, auch in Amerika durchaus hilfreich wäre; auch wenn man in vielen Kreisen soetwas natürlich nur mit vorgehaltener Hand sagen kann, und nicht ohne vorher über seine Abtreibungsstandpunkte zu lamentieren.

Gods Bless,

Restless (a little bit concerned) Evangelical

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