Mittwoch, 28. September 2011

Philipp Bartholomä - Die Wahrheit über unser Herz

Diese Predigt wurde am 18. März in der Er-Lebt Gemeinde gehalten. Mit einigen kleinen kosmetischen Änderungen hier eine Abschrift der Predigt.
Zu hören ist die Predigt hier.
Ich bin - genauso wie Philipp - davon überzeugt, dass vor der Guten Botschaft immer die Schlechte stehen muss, die von der Sündhaftigkeit des Menschen handelt. Und trotzdem findet sich überall in der Bibel die Hoffnung durch das Kreuz - soviel mehr Hoffnung als nur der 'Buddy Jesus', der 'Therapeut Jesus' oder der 'Geldbeschaffer Jesus'.
"'Wenn in unserem Land und in unseren Gemeinden noch mal richtig was zur Ehre Gottes nach vorne gehen soll, dann müssen wir das begreifen.' Dann müssen wir demütig und erschreckt und zerschlagen sein, damit es uns hintreibt zur Gnade Gottes und dann kann Gott nochmal uns radikal verändern." (Aus der Predigt)



Die Wahrheit über unser Herz
(Römer 3,9-20)
Philipp Bartholomä
 
Einleitung
Herzlich Willkommen, auch von mir zu dieser fortgeschrittenen Stunde. Wir sind immer noch im Römerbrief und werden es auch noch ein paar Wochen sein. Wir sind heute im 3. Kapitel und unser Thema lautet: „Die Wahrheit über unser Herz“. Die Wahrheit über unser Herz... Es kommt immer mal wieder vor, dass Leute in unsere Gottesdienste kommen und dann nach einiger Zeit sagen: „Hey, ihr... Ihr betont immer das Herz so; so stark. Und das ist so kompliziert.“ Und dann sag ich: „Warum ist das kompliziert?“ Und dann kommt oft so eine Antwort, ungefähr so: „Ja, ich bin es gewohnt in Gottesdiensten eher so zu hören: 'Tu das und tu das nicht! Verhalt dich so und verhalt dich so nicht.' Und ihr redet ständig vom Herzen. Und das macht die Sache so kompliziert. Mir scheint es, das Andere ist ein bisschen einfacher.“ Ja, wir reden über das Herz. Wir reden über das Herz, weil wir glauben, dass das Herz das Steuerungsorgan unseres Lebens ist und alles was wir denken, fühlen und sagen letztlich aus diesem Herzen hervorkommt. Und deswegen müssen wir in die Tiefe gehen und an die Wurzel gehen und schauen: Was ist im Herzen? Und das macht es komplizierter, ja! Und das macht es auch schmerzhafter, ja! Aber es ist wichtig. Und heute ist unser Thema: „Die Wahrheit über unser Herz“. Das ist das, was wir lernen sollen heute. Die Wahrheit über unser Herz. Und das wird uns vielleicht nicht so schmecken. Und das ist jetzt nicht so das Thema, wo man als Prediger so den Beliebtheitspreis gewinnt, ja? „Woa, die Wahrheit über mein Herz, wollte ich schon immer wissen und so... Cool!“ Aber, macht nix! Mir geht es nicht um Preise. Mir geht es um Gottes Wort, mir geht’s um seine Wahrheit und deswegen schauen wir jetzt unseren Predigttext an; aus dem Römerbrief, Kapitel 3, und zwar ab Vers 9. Wir überspringen acht Verse, weil die ersten acht Verse im Römerbrief, Kapitel 3, noch einmal das wiederholen, was schon in Kapitel 1 und 2 dran war. Und deswegen ab Vers 9. Römer 3, Vers 9-20. Ihr habt den Text in eurem Programmheft mit der Predigtgliederung zum Mitschreiben; wie üblich: Die Rundumversorgung für euch. Und noch besser ist es, wenn ihr in eurer eigenen Bibel mitlest, das macht noch mehr Sinn. Also, Römer 3 ab Vers 9. Paulus scbreibt:
Predigttext
Wie ist es denn nun? Sind wir ´als Juden den anderen Menschen gegenüber` im Vorteil, ´oder sind wir es nicht`? Wir sind es ganz und gar nicht! Ich habe ja jetzt den Beweis erbracht, dass alle schuldig sind, die Juden ebenso wie die anderen Menschen, und dass alle unter der Herrschaft der Sünde stehen, genau wie es in der Schrift heißt:
»Keiner ist gerecht, auch nicht einer. Keiner ist klug, keiner fragt nach Gott. Alle sind vom richtigen Weg abgewichen, keinen Einzigen kann ´Gott` noch gebrauchen. Keiner handelt so, wie es gut wäre, nicht ein Einziger. Ihr Rachen ist ein offenes Grab. Ihre Zunge gebrauchen sie, um zu betrügen. Schlangengift verbirgt sich unter ihren Lippen. Ihr Mund ist voller Flüche und gehässiger Worte. Nichts hemmt ihre Schritte, wenn es gilt, Blut zu vergießen. Verwüstung und Elend lassen sie auf ihren Wegen zurück, und vom Weg, der zum Frieden führt, wollen sie nichts wissen. Sich Gott in Ehrfurcht zu unterstellen, käme ihnen nie in den Sinn.«“
- Nicht so ermutigend bis hier her! - „So sagt es das Gesetz, und wir wissen: Alles, was das Gesetz sagt, richtet sich an die, denen es gegeben wurde. Damit wird jeder Mund zum Schweigen gebracht; die ganze Welt ist vor Gott als schuldig erwiesen. Denn auch durch das Befolgen von Gesetztesvorschriften steht kein Mensch vor Gott gerecht da. Das Gesetz führt vielmehr dazu, dass man seine Sünde erkennt.“ (Römer 3,9-20; größtenteils NGÜ, unterstrichene Teile Abschrift von Predigt)

Vater, danke für dein Wort; danke, dass du ein liebevoller Vater bist, der beste Vater, den wir uns vorstellen können. Danke, dass du dich offenbart hast – auch mit solchen schmerzhaften Wahrheiten; sie sind deine Wahrheit, diese Worte, die wir gelesen, gehört haben. Ich bitte dich jetzt, dass du zu uns redest, dass du mir hilfst, verständlich zu kommunizieren und eindringlich, sodass dein Geist wirken kann und uns formen kann, uns verändern kann, uns Dinge bewusst machen kann, uns überführen kann; uns verändern kann in das Bild deines Sohnes, dorthin, wo du uns haben willst. Danke, dass du hier bist, mitten unter uns. Amen.“

Predigtgliederung

Wir lernen, wie üblich, drei Dinge. Wir lernen drei Dinge:

1. Wir lernen „Die Wahrheit über unser Herz“
Wir lernen 2. was über die Falsche Medizin für unser Herz,
und wie lernen 3. was über die Heilung für unser Herz.
Okay? Drei Sachen

  1. Die Wahrheit über unser Herz (das ist der längste Punkt heute).
  2. Die Falsche Medizin für unser Herz (und)
  3. Die Heilung für unser Herz

1. Die Wahrheit über unser Herz.
Das Thema im ersten Teil des Römerbriefes war das, dass Paulus die Frage stellt: „Hey, was stimmt eigentlich nicht mit dieser Welt?“ Und in den ersten drei Kapiteln bis hier her, dieser lange Abschnitt, dient dazu, dass Paulus uns die Diagnose gibt im Blick auf das, was mit dieser Welt nicht in Ordnung ist. Und jetzt hier in Vers 9 sagt Paulus: „Wie ist es denn nun? Ja, was ist denn eigentlich Sache? Wie können wir das ganze jetzt nochmal zusammenfassen und bündeln. Zu welchem Schluss sollen wir kommen, welchen Schluss sollen wir ziehen?“ Antwort: „Alle Menschen, überall, stehen unter der Herrschaft der Sünde!“ Das ist das, was Paulus hier sagt. Er sagt: „Keiner ist gerecht, nicht mal einer. Keiner fragt nach Gott. Niemand! Kein einziger!“ Die ganze Zeit. Das Wort 'Keiner' kommt ständig vor. Und in Vers 23, ein bisschen später, in einem Text, der jetzt gar nicht zu unserem Predigttext dazugehört, da drückt es Paulus so aus und sagt: „Alle haben gesündigt, und in ihrem Leben kommt Gottes Herrlichkeit nicht mehr zum Ausdruck“ (NGÜ). Alle haben gesündigt, das ist die Wahrheit über unser Herz. Paulus blickt zurück auf Römer, Kapitel 1, wo von den gottlosen Kriminellen die Rede war, die alle möglichen schlechten Dinge tun und Paulus sagt: „Sie sind ungerecht, sie sind schuldig, sie sind verloren.“ Und dann blickt er zurück auf Römer 2, da war nicht von den Gottlosen die Rede, sondern da war von den tollen, moralischen, religiösen, selbstgerechten Leuten die Rede und Paulus stellt auch da die Frage: „Was ist mit denen? Sind die auch schuldig, sind die auch verloren?“ Antwort: „Ja?!“ Alle sind verloren, das ist die Radikalität dessen, was Paulus hier sagt. Alle sind schuldig, alle haben gesündigt. Und es ist nicht so clever, wenn man jetzt die Frage stellt: „Schließt mich das ein?“ Hallo? Paulus sagt: Alle! Und 'Alle' bedeutet, wenn man es genau nimmt: Alle! Okay? Das ist ziemlich eindeutig. Alle ist alle. Schließt das dich ein? Auf jeden Fall! Schließt das mich ein? Ja. Alle. Keiner ist gerecht, keiner fragt nach Gott. Das ist die Wahrheit über unser Herz. Aber ich möchte schon am Anfang euch sagen: Das ist die Herausforderung, die dieser Text an uns stellt; dass wir heute morgen sagen: „Okay, ich höre das und ich erkenne das an für mein Leben, dass das die Wahrheit über mein Herz ist.“ Das ist schmerzhaft, das müssen wir erstmal schlucken. Aber das ist Gottes Wahrheit über unser Leben und es ist so wichtig, dass wir das anerkennen. Und sagen: „Ja, das ist die Wahrheit über mein Herz und über mein Leben.“ Aber Paulus führt uns diese Wahrheit, diese Diagnose, nur deshalb so krass und so deutlich vor Augen, damit wir hinterher zur richtigen Medizin greifen. Okay, Paulus stellt die Diagnose und sagt: „Leute, das ist jetzt schwierig, aber... es ist ne schlechte Nachricht, aber ihr müsst es hören, es gibt Hilfe! Es gibt auch Hilfe.“ Ja? Ein Arzt, der euch nicht sagt, wenn ihr krank seid, das geht nicht! Was soll das? Ein Arzt der euch nicht sagt, wenn ihr krank seid, das könnt ihr total vergessen. Und hier haben wir einen Arzt, der stellt die Diagnose und sagt: „Okay, das müsst ihr jetzt erstmal verdauen, das ist nicht einfach, das ist schwierig jetzt zu akzeptieren; hier ist die Diagnose, aber es gibt Abhilfe, es gibt Heilung. Es gibt Heilung für unser Herz – für dein Herz. Dazu kommen wir später. Hier ist die Diagnose und es gibt Heilung.“ Paulus sagt: „Die Wahrheit über unser Herz ist die, dass es sündig ist.“ Und dann begründet er das durch eine ganze Latte von alttestamentlichen Zitaten. Das ist all das, was in eurem Text so eingerückt ist. Und vielleicht auch in eurer Bibelausgabe. Alles, was eingerückt ist, sind Zitate aus dem Alten Testament; so begründet er. Er sagt: „Das ist die Wahrheit! Ihr seid Sünder, euer Herz ist sündig.“ Und jetzt sagen manche vielleicht: „Genau das ist das, was mich so stört bei Christen: das sie immer auf diesem Sündending rumreiten. Oder? [Die Christen] reiten immer auf diesem Sündending rum. Das ist so übertrieben. Das ist so übertrieben. Das kann doch nicht sein! Sünde ist doch nun wirklich nicht unser aller Problem.“ Wirklich nicht? Wirklich nicht? Wir haben Polizisten, Richter, Rechtsanwälte, Security Firmen, Alarmanlagen, Schlösser in unseren Türen, Wegfahrsperren im Auto. Warum eigentlich? Warum eigentlich? Wegen der Sünde, oder? Habt ihr euch schon mal Gedanken gemacht, warum eure Türen Schlösser haben? Unter anderem wegen der Sünde. Das ist die Realität. Und dann sagen andere: „Ja, gut, aber ich bin nicht so. Wegen mir müsste es keine Schlösser in Türen geben. Auf mich trifft das gar nicht zu, was Paulus hier sagt, so diese ganze Litanei. Ich mach das alles nicht.“ Aber seht ihr, das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist nicht, ob du jedes einzelne Ding, das hier aufgeführt ist, in der Weise tust oder nicht tust. Der Punkt ist: Fragst du in allen Dingen, in allen Dingen, nach Gott? Liebst du Gott mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Hingabe, mit deinem Verstand und mit aller deiner Kraft? Liebst du mit jeder Faser deiner Existenz Jesus Christus? Das ist der Punkt! Das ist der Punkt. Und mir ist so wichtig, dass wir die Wahrheit über unser Herz nicht nur oberflächlich begreifen, sondern wirklich in der ganzen Tiefe. Und deshalb ist es wichtig, dass wir verstehen, was Sünde wirklich ist. Und ich glaube, ein guter Weg, um zu begreifen, was ein sündiges Herz ist und was Sünde wirklich ist, ist, dass wir uns die Frage stellen, was ist Sünde eigentlich nicht? Ja, was ist Sünde eigentlich nicht? Und ich hab euch vor ein paar Wochen ein Buch empfohlen, das heißt: „Was ist das Evangelium“ von Greg Gilbert. Und ich glaube wirklich, dass jeder das gelesen haben sollte. Und Greg Gilbert nennt vier Missverständnisse zum Thema Sünde. Und die möchte ich jetzt mit euch durchgehen. Und meine Hoffnung ist, dass ihr in Zukunft, wenn in der Gemeinde, wenn in irgendwelchen Kirchen, unter Christen oder unter Nichtchristen von Sünde die Rede ist, dass ihr dann diese Schablone davorlegt, und euch dir Frage stellt: „Ist das, was ich hier über Sünde höre wirklich das ganze Bild? Oder liegt hier ein Missverständnis vor?“ Vier Missverständnisse zum Thema Sünde.

a) Sünde wird ganz oft mit den Folgen der Sünde verwechselt. Ich erkläre euch, was ich damit meine. Es gibt Menschen, die sagen: „Sünde ist so dieses Schuldgefühl, dass wir mit uns herumtragen. Dieses Gefühl der Bedeutungslosigkeit, der Sinnlosigkeit, der Leere. Das ist Sünde! Und dieses Gefühl oder diese Gefühle sind uns angeboren und wir müssen jetzt diese Gefühle irgendwie loswerden, damit die uns nicht so niederdrücken.“ Das Problem hier ist: Hier wird Sünde verwechselt mit den Folgen der Sünde. Diese Schuldgefühle, die wir haben, dieses Gefühl der Leere und Bedeutungslosigkeit und Sinnlosigkeit habt ihr alle schon einmal verspürt; aber es ist nur die Folge von Sünde. Es ist nicht die Sünde selbst, es ist die Folge der Sünde. Und wir sind nicht nur die Opfer dieser Gefühle, die uns irgendwie angeboren sind und die wir jetzt loswerden müssen. Sondern wir haben dieses Dilemma selbst verursacht. Diese Gefühle sind deshalb in unserem Leben, sagt die Bibel, weil wir die Gebote Gottes übertreten haben, weil wir selbst gesündigt haben. Wir sind nicht Opfer irgendwelcher schlechten Gefühle, sondern wir haben diese Dinge selbst verursacht. Sünde ist was anderes als die Folgen unserer Sünde, die sich auch gefühlsmäßig niederschlagen in unserem Leben. Etwas völlig anderes.

b) Zweites Missverständnis: Sünde wird als Beziehungsproblem verharmlost. Viele Christen sprechen von Sünde, als wäre es so eine kleine Beziehungskrise zwischen Gott und Menschen. So eine kleine Meinungsverschiedenheit. Ja? Und jetzt zickt Gott ein bisschen rum und spielt die beleidigte Leberwurst, aber irgendwie renkt sich das auch dann irgendwie wieder ein. Ja? Wie so zwischen zwei Freunden, wo es mal richtig knallt und dann ist einer richtig sauer und geht ein paar Tage nicht mehr ans Telefon und beantwortet keine Facebooknachrichten mehr und so. Kennen wir alle, ja? Der Eine zickt rum und so. Und dann nach ein paar Tagen ist alles wieder gut. Das hat mit Sünde nichts zutun! Sünde ist kein kleines Beziehungsproblem; Paulus sagt hier in Vers 11: „Keiner fragt nach Gott!“ Vers 18: „Keiner will sich Gott in Ehrfurcht unterstellen.“ Das ist das Problem. Das heißt, wir haben keine Beziehungskrise hier zwischen zwei Freunden. Sondern Sünde ist eine Rebellion eines geliebten Untertanen gegen seinen guten und gerechten König. Sünde ist eine Rebellion eines geliebten Untertanen gegen seinen guten und gerechten König. Und keine Beziehungskrise; zumindest nicht auf dem Level, auf dem wir das häufig verstehen. Zweites Missverstänis zum Thema Sünde.

c) Drittes Missverständnis: Sünde wird mit negativem Denken verwechselt. Das ist so weit verbreitet, dass gesagt wird: „Sünde ist einfach dieses negative Denken, das wir alle über uns selbst haben. Hey, wir müssen einfach ein bisschen positiver Denken; nicht so schlecht von uns denken.“ Es gibt Prediger und Theologen – das ist ihre haupttheologische Linie. Und es überrascht uns ja nicht, dass die meisten ziemlich große Gemeinden haben, weil das ist eine ziemlich gute Message. Ihr würdet mir die Bude einrennen, mehrmals die Woche, wenn ich euch sagen würde: „Hey, nur ein bisschen positiver denken. Ja? Und dann wird es gut und dann wird Gott euch segnen mit Glück und Wohlstand. Euer Problem ist nur, ihr denkt ein bisschen zu schlecht von euch. Ja? Ein bisschen positiver und ein bisschen einfach positives Denken.“ Das ist ein ganz, ganz, ganz großer Irrtum. Jesus ist nicht gestorben, um uns von unserem negativen Denken zu befreien. Jesus ist nicht deshalb gestorben, weil wir so schlecht von uns denken. Ganz im Gegenteil! Die Bibel sagt uns, unser Hauptproblem ist nicht, dass wir zu klein und zu negativ von uns denken – ist nicht unser Problem - die Bibel sagt, unser Problem ist, dass wir zu groß von uns denken. Sünde hat mit negativem Denken herzlich wenig zutun.

c) Viertes Missverständnis zum Thema Sünde: Sünde wird mit Sünden verwechselt.
Sünde wird mit Sünden verwechselt. Unsere herkömmliche Vorstellung von Sünde ist die, dass wir halt ab und zu mal was falsches machen, einen Fehler begehen, Dinge tun, die Gott halt nicht so gefallen; aber nur punktuell. Versteht ihr? Nur ab und zu; nur punktuell. Man geht davon aus, dass das Problem darin besteht, dass wir ab und zu Dinge tun, die nicht okay sind – kleine Fehler also sozusagen – aber sonst ist unser Leben eigentlich ziemlich in Ordnung. Aber das trifft das Problem nicht. Es ist nicht so, dass wir ab uns zu ein bisschen Sünde anhäufen in unserem Leben. Sondern Sünde hat was mit unserem Leben zutun. Ich versuche es euch zu veranschaulichen mit diesen zwei Bildern von zwei Quarzsteinen. Dieser schöne, weiße, helle, wunderbare, großartige Quarz. Viele haben das Gefühl, das ist unser Leben. Und wenn wir jetzt sündigen, wird gesagt, dann ist es so, wie wenn ein bisschen Staub oder Dreck an diesen Quarz kommt, ja? Der ist ein bisschen in Dreck gefallen, bisschen Matsch und so weiter. Ein bisschen verunstaltet. Aber alles was wir brauchen ist einen kleinen Lappen und ein bisschen Wasser und dann polieren wir den wieder auf hochglanz und dann ist der wieder schön weiß. Das ist die Art und Weise wie viele Leute Sünde verstehen. Wir sind ein weißer Quarzstein und da kommt ab und zu ein bisschen Dreck dran, aber das kriegen wir relativ schnell wieder behoben. Falsch! Unser Leben, unser Herz gleicht eher diesem schwarzen Quarz, den es auch gibt. Und das Problem von diesem Quarz ist nicht, dass der mal in den Dreck gefallen ist, sondern der ist einfach schwarz, der ist dunkel. Da könnt ihr mit Meister Propper polieren, so lange hier wollt. Den werdet ihr nicht weiß kriegen. Das ist unser Herz! Das sit das Problem unseres Herzens. Nicht ein paar punktuelle Dreckspritzer, wenn wir mal wieder irgendetwas falsch gemacht haben, sondern es hat was mit unserem Wesen zutun. Paulus sagt: „Es geht nicht um punktuelle Sünde. Es geht in eurem Leben nicht dadrum, dass ist ab und zu sündigt. Es geht dadrum, dass euer Wesen sündig ist.“ Und Paulus drückt es sehr krass aus in diesem Text. Es sagt: „Ihr seid versklavt unter die Sünde.“ Das hat etwas mit eurer Existenz zutun. Ein Sklave, der ist zu jeder Minute, Sekunde seines Lebens Sklave. Nicht nur ab und zu. Vers 9: „Wir stehen unter der Herrschaft der Sünde.“ Das ist der Punkt. In Epheser 2 Vers 3 sagt Paulus es: „Ihr seid von Natur Kinder des Zorns.“ Nicht nur ab und zu. Von Natur Kinder des Zorns. Und Jesus sagt in Matthäus 15 Vers 19: „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Aussagen, Verleumdungen...“ und wir könnten die Liste fortsetzen. Aus dem Herzen! Das sind keine Eintagsfliegen. Das sind keine Einzelfälle, sondern sie entspringen dem sündigen Zustand unseres Herzens. Weil wir kein weißes Quarz sind, sondern ein Schwarzes. Darum geht es. Das ist die Wahrheit über unser Herz. Das ist die Diagnose. Und Paulus sagt: „Es geht dadrum, dass wir diese Diagnose anerkennen,“ und er sagt dann, „und schweigen.“ Unser Mund soll schweigen, keine Rechtfertigung mehr. Kein: „Ja, aber weißt du, *grummel*“ Sondern einfach nur schweigen und sagen: „Ja, das bin ich! Das trifft auf mich zu. Ich erkenne das an, was du über mein Leben sagst. Ich erkenne die Diagnose an, aber jetzt bitte, gib mir eine Medizin. Was ist die Lösung? Was kann ich tun?“ Und das erste, was Paulus sagt, ist: „Bevor ich euch die Medizin gebe, gebe ich euch sozusagen einen Hinweis auf eine falsche Medizin.“

2. Eine falsche Medizin für unser Herz

Vers 20, wenn ihr noch einmal in euren Text schaut. Vers 20: „Denn auch durch das Befolgen von Gesetzesvorschriften steht kein Mensch vor Gott gerecht da. Das Gesetz führt vielmehr dazu, dass man seine Sünde erkennt.“ Paulus sagt hier: „Die Heilung für unser Herz, die Heilung für unser Herz kommt nicht durch das Gesetz. Das Gesetz ist die falsche Medizin gegen die Sündhaftigkeit unseres Herzens, die falsche Medizin. Und wenn du kein Christ bist und bist heute hier, dann... mit großer Wahrscheinlichkeit kommt du hier her mit diesem Denken: „Hey, im Christentum, da geht’s doch eigentlich dadrum, dass man das Richtige tut.“ Das ist so das Herkömmliche. Die meiste Leute denken so: „Im Christentum da geht es drum, dass man das Richtige tut und deswegen konzentrieren wir uns jetzt ganz stark auf die Regeln und die Gebote und auf das, was Gott in seinem Wort sagt, was er möchte. Dadrauf konzentrieren wir uns jetzt ganz stark.“ Und viele Christen denken übrigens genauso. Leute, das steckt so tief in allen von uns drin, dass wir denken, wir tun irgendwas Gutes und dann wird Gott positiv reagieren. Dann wird er uns was Gutes tun. Wer so denkt, der wird sich auf die Regeln konzentrieren, der wird sich auf das Gesetz konzentrieren; auf das, was es zu befolgen gilt. Und die Folge dieses Denkens ist, dass wir uns auf diese Dinge konzentrieren und dann meinen, das Gesetz könnte uns helfen, unser Sündenproblem zu lösen. Und Paulus sagt: „Das funktioniert nicht.“ Paulus sagt: „Das könnt ihr total vergessen!“ Wir denken so: „Je mehr wir das Gesetz auf uns einwirken lassen, desto heiliger und sündloser werden wir leben.“ Und ich hoffe, ihr spürt jetzt, wie oft ihr das denkt. „Okay, das Gesetz. Das Gesetz muss in meinen Kopf. Das Gesetz muss in mein Herz. Ich muss... Und dann werd ich heiliger leben. Ich muss mehr so leben, wie Gott das möchte.“ Und Paulus sagt: „Nein! Das Gesetz ist die falsche Medizin für dein Herz.“ Paulus sagt: „Das Gesetz ist nicht dazu da, euer Herz zu heilen. Das Gesetz wird euch nicht retten! Das Gesetz kann euch nicht helfen an dem Punkt. Das Gesetz führt nur dazu,“ sagt er in Vers 10, „dass du deine Sünde erkennst.“ Nur, dass ihr mich nicht missversteht. Das Gesetz ist gut, heilig, wichtig, großartig. Wir müssen es lesen, verstehen, auf uns wirken lassen. In Psalm 119, der längste Psalm im Alten Testament, wo jemand, dieser Psalmdichter, so begeistert ist vom Gesetz. „Ich denke drüber nach jeden Tag! Ich lasse es auf mich wirken.“ Ja, das ist gut, das ist wichtig. Aber er hat vorher erkannt, wie großartig die Gnade Gottes ist. Das Gesetz ist gut, aber das Gesetz ist nicht die Lösung für unser Sündenproblem. Das Gesetz kann uns nicht retten. Spurgeon hat das mal... Der große Prediger Spurgeon hat das mal verglichen mit einem Spiegel. Er hat gesagt: „Das Gesetz ist nichts anderes als ein Spiegel, den Gott euch vorhält. Und in diesem Spiegel erkennt ihr euch.“ Ihr erkennt in diesem Spiegel, wer ihr wirklich seid. Ihr erkennt in diesem Spiegel die Wahrheit über euer Herz. Und dann sagt Spurgeon1: Eine Dame, die will mal wissen, ob in ihrem Gesicht noch alles in Ordnung ist. Ja? Und dann hält sie sich so den Spiegel vor, irgendwie, und guckt so: Ah, sind da irgendwelche Flecken? Vielleicht irgendwelche Pickel? Und sie erkennt, ob da irgendwelche Flecken sind oder Pickel. Aber jetzt stellt euch mal vor: Wird diese Dame jetzt den Spiegel nehmen, und versuchen, mit diesem Spiegel die Flecken zu entfernen? Oder die Pickel? Das funktioniert nicht. Ich hab schon viele Arten und Weisen kennengelernt, wie man sich einen Pickel ausdrücken kann, aber nicht mit einem Spiegel. Okay? Nicht mit einem Spiegel. Das ist nicht clever. Der Spiegel ist nur dazu da, zu erkennen, was vorhanden ist an Flecken und Runzeln und Pickeln und alles mögliche. Das ist das, was Paulus hier meint. Aber wenn man jetzt anfängt, den Spiegel zu benutzen, um das Problem zu lösen, dann klappt das nicht. Und meine Vermutung ist, dass viele von euch, immer noch und immer wieder zur falschen Medizin greifen. Und sagen: „Okay, ich hab die Diagnose verstanden. Und ich akzeptiere das. Mein Herz ist nicht so, wie es sein sollte. Mein Herz ist sündig. Und jetzt gehe ich zum Gesetz und jetzt lasse ich mir von Gott sagen, wie ich sein sollte und was seine Maßstäbe sind und was sein Wille ist und so weiter.“ Und ihr denkt, das kann euch helfen und das kann euch retten und das kann euch verändern. Und Paulus sagt: „Nein!“ Paulus sagt: „Das ist nur der Spiegel. Und in diesem Spiegel erkennt ihr, was Sache ist und es wird euch nich viel weiterhelfen.“ Die Lösung muss woanders herkommen. Die Heilung muss woanders herkommen. Die Heilung für unsere sündigen Herzen kommt nicht aus dem Gesetz. Martin Luther hat es so ausgedrückt (und weil dieser Kommentar schon relativ alt ist und Luther sehr komisches Deutsch formuliert hat, habe ich das so ein bisschen umformuliert. Also das ist Martin Luther mit einem bisschen Philipp Bartholomä. Okay? Aber mehr Martin Luther, mehr Martin Luther):

„Die Hauptaufgabe,“, sagt Martin Luther, „des Gesetzes ist es nicht, Menschen besser zu machen, sondern schlechter. Das Gesetz zeigt ihnen ihre Sünde und durch diese Erkenntnis sollen sie demütig, erschreckt und zerschlagen werden, damit sie dazu getrieben werden Gnade zu suchen und so zum herrlichen Christus kommen.“ (zu Galater 3:20)

Demütig, erschreckt und zerschlagen. Das ist kein schöner Zustand. Aber Luther sagt, wie brauchen diesen Zustand. Warum? Damit er uns hintreibt zur Gnade Gottes und zu seinem Sohn Jesus Christus, der am Kreuz für uns gestorben ist. Das ist der Punkt. Darum geht es. Wir brauchen die schlechte Nachricht. Und das ist der einzige Grund, warum wir in dieser Gemeinde über Sünde reden und warum Gottes Wort über Sünde redet, und zwar sehr radikal und sehr deutlich. Damit wir erkennen, was vorhanden ist. Damit wir die schlechte Nachricht erkennen und sie uns hintreibt zur guten Nachricht. Und in der Pause nach dem ersten Gottesdienst ist jemand zu mir gekommen und hat gesagt: „Ich hab im Gottesdienst den Eindruck gehabt, wenn in unserem Land und in unseren Gemeinden noch mal richtig was zur Ehre Gottes nach vorne gehen soll, dann müssen wir das begreifen.“ Dann müssen wir demütig und erschreckt und zerschlagen sein, damit es uns hintreibt zur Gnade Gottes und dann kann Gott nochmal uns radikal verändern; und unsere Umgebung und unser Umfeld. Und ich glaube, der Herr, der das zu mir gesagt hat, hat absolut recht. Und es ist genau das, was Luther sagt. Wir brauchen diesen Antrieb – hin zur Gnade Gottes. Und damit sind wir bei der letzten Sache, die wir lernen. Und das ist die Heilung für unser Herz. Was ist eigentlich die richtige Medizin für uns und woher kommt die Heilung?

3. Die Heilung für unser Herz
Paulus sagt es nicht explizit in diesem Text, woher die Heilung kommt. Ist euch vielleicht aufgefallen. Das Text an sich bleibt ein bisschen düster und ein bisschen deprimierend vielleicht. Erst ab Römer 3,21 entfaltet Paulus dann in mehreren Kapiteln, woher die Rettung kommt und was Gott getan hat. Und wir werden uns das im Detail erarbeiten in den nächsten Wochen. Aber ich habe gelernt, in der Vorbereitung zu dieser Predigt von einem Ausleger, dass auch in unserem Text, auch in unserem Text, die Heilung zumindest angedeutet ist. Sie ist zumindest angedeutet; ich versuche euch zu zeigen, wo. Wir haben diese Liste an alttestamentlichen Zitaten und da steht dann: „Ihr Rachen ist ein offenes Grab“ und „Sie betrügen mit der Zunge“ und dann kommt diese ganze Aufzählung und ganz am Ende, ganz am Ende in Vers 18 steht: „Sich Gott in Ehrfurcht zu unterstellen, käme ihnen nie in den Sinn.“ Und seht ihr, das ist das Grundproblem. Wörtlich steht hier: „Keine Gottesfurcht ist vor ihren Augen.“ Das wäre die wörtliche Übersetzung. Das ist das Grundproblem: Keine Gottesfurcht! All diese Auswüchse des sündigen Herzens, die Paulus hier aufzählt, sind die Folge von mangelnder Gottesfurcht. [Es ist] so wichtig, dass wir das verstehen. Denn der Umkehrschluss ist, dort, wo Gottesfurcht ist, dort, wo wirkliche Ehrfurcht vor Gott ist, dort werden sündige Herzen positiv verändert und erneuert und geprägt. Dort, wo Gottesfurcht ist. Das heißt, die Medizin, die Heilung für sündige Herzen, ist eine tiefe, fröhliche, liebevolle, begeisterte, leidenschaftliche Ehrfurcht vor Gott. Keine Angst! Angst und Gottesfurcht ist was völlig anderes. Keine Angst. Ich sage ganz bewusst: Eine fröhliche, tiefe, leidenschaftliche, begeisterte Ehrfurcht vor Gott. [In] Sprüche 16,6 steht: „Durch die Furcht des Herrn weicht man vom Bösen.“ Wodurch weicht man vom Bösen? Wodurch entzieht man sich diesem Herrschaftanspruch der Sünde? Durch die Furcht des Herrn, durch die Gottesfurcht. Wenn du entkommen willst, wenn du dieser Sklaverei der Sünde entkommen willst, dann brauchst du größere Ehrfurcht vor deinem Gott. Das ist das, was Paulus hier sagen will. Wenn du ein liebevollerer Ehepartner werden willst, brauchst du Ehrfurcht vor Gott. Wenn du ein besserer Vater, eine bessere Mutter werden willst, die Ehrfurcht vor Gott muss zunehmen. Wenn du ein leidenschaftlicher Nachfolger Jesu werden willst; wenn du jemand werden willst, der mit allem, was er hat, mit allen Gaben, mit all dem, was Gott dir gegeben hat, mit jeder Faser deines Lebens für Jesus leben und brennen willst: was brauchst du? Mehr Ehrfurcht vor Gott. Mehr Ehrfurcht vor Gott. Mehr leidenschaftliche Ehrfurcht vor Gott. Es geht nicht um Angst vor Gott, sondern es geht um Ehrfurcht. Und hier ist jetzt die Sache. Paulus sagt, diese Ehrfurcht produziert ihr in eurem Leben nicht durch das Gesetz! Nicht durch das Gesetz. Diese heilende Ehrfurcht, diese heilende Medizin der Ehrfurcht bekommt ihr nicht durch das Gesetz. Sondern durch die Gnade, durch das Evangelium. Durch ein neues, tieferes Staunen und Wahrnehmen dessen, wer Gott ist und wie er euch begegnet. Eine Stelle, wo das sehr deutlich wird. Psalm 130 Vers 4: „Doch bei dir gibt es Vergebung; bei dir Gott gibt es Vergebung, damit die Menschen dir in Ehrfurcht begegnen.“ Wodurch wird die Ehrfurcht hervorgerufen? Durch die Vergebung. Vergebung und Gnade hat das Ziel, Ehrfurch hervorzurufen in unserem Leben. Wie werden unsere Herzen geheilt vor dieser Rebellion der Sünde? Indem wir neu Ehrfurcht lernen, indem wir uns neu Gottes Gnade anschauen. So wichtig, dieser Gedanke. Nicht durch das Gesetz, sondern durch die Gnade. Leidenschaftliche, hingegebene Ehrfurcht wird hervorgerufen, wenn ein Mensch sagt: „Wow! Wow, Gott, was bei dir an Vergebung ist. Das ist unfassbar! Das ist unfassbar. Ich habe keine Kategorie, um das zu begreifen. Ich steh vor diesem Kreuz, an dem du deinen Sohn geopfert hast und ich begreife nicht, wie gnädig du bist. Ich begreife gar nicht, warum du immer noch um mich kämpfst; warum du mich immer noch suchst; warum du es immer noch mit mir probierst. Warum du so kämpfst für mich, warum du deinen Sohn opferst für mich. Ich begreife das nicht, ich staune! Ich stehe mit leidenschaftlicher Ehrfurcht vor dir.“ Das ist das, worum es geht. Das ist das, was unsere Herzen verändert. Nichts anderes verändert uns. Nicht das Gesetz! Das Gesetz ist nur der Spiegel. Das Gesetz führt uns in die Verzweifelung. Das Gesetz führt uns vielleicht in Angst und Furcht, aber zu echter, leidenschaftlicher, begeisterter Ehrfurcht führt uns die Gnade Gottes. Und die muss wirken, die muss spürbar sein in unserem Kopf, in unserem Herz, unserer ganzen Existenz. Das ist das, was wir brauchen. Dass Jesus sich geopfert hat für uns, für unsere Schuld, das ist der Grund, warum wir gleich das Abendmahl feiern. Das ist der Grund, warum wir regelmäßig das Abendmahl feiern. Das ist der Grund, warum wir alle zwei Wochen das Abendmahl feiern; weil im Abendmahl besser als sonst zum Ausdruck kommt: Hier ist Gnade, hier ist Vergebung, hier ist absolute Liebe, hier ist Opferbereitschaft Gottes, hier ist der Kampf Gottes um dich! Um dich... Und deshalb ist das Ziel eines Abendmahls nicht einfach nur, dass wir an Jesus denken und an das Kreuz, sondern das Ziel, ein Ziel des Abendmahls ist es, dass Ehrfurcht hervorgerufen und produziert wird in unserem Leben. Weil wir Jesus dort hängen sehen – für uns. Weil wir seinen Leib hingegeben sehen – für uns. Sein Blut geflossen – für uns. Seine Gnade sichtbar – für uns. Das Evangelium – für uns! Das ist die Ehrfucht, die hoffentlich im Zentrum steht, wenn wir gleich das Abendmahl feiern. Und die hervorgerufen wird in euren Herzen heute und in Zukunft immer mehr, diese Ehrfurcht. Die hervorgerufen wird durch Gottes Gnade, durch seine Vergebung, durch eine Beschäftigung mit dem, was er für uns getan hat. Diese Ehrfurcht ist das Mittel, ist die Medizin, die aus unseren sündigen Herzen Schritt für Schritt und nach und nach Herzen macht, die für ihn brennen und leidenschaftlich für ihn schlagen. Ehrfurcht ist das, was wir brauchen als Medizin für unsere sündigen Herzen. Mein Gott sagt: „Das ist die Wahrheit über dein Herz. Aber es gibt eine Antwort, es gibt Heilung. Und die Heilung findet ihr bei mir. In meine Gnade, in meiner Liebe, in meiner Vergebung. Das ist das, was euch verändert. Und das wünsche ich mir, dass diese Ehrfurcht uns vor Augen steht, wenn wir jetzt das Abendmahl feiern. Es ist eine Feier der Gnade Gottes, die ein Ziel hat in unserem Leben; dass wir ihn sehen, dass wir über ihn staunen und dass wir uns ganz neu fragen: Wie ehrfürchtig begegne ich diesem Gott, der so viel für mich getan hat. Amen.
1Wörtliches Zitat: „Eine Dame nimmt einen Spiegel, sieht hinein und entdeckt einen Fleck auf ihrem Gesicht. Das ist der rechte Zweck des Spiegels; er soll Flecken offenbaren; aber ihr habt nie davon gehört, dass eine Dame es versucht hätte, ihr Gesicht mit einem Spiegel zu waschen, denn dazu ist er nicht da. Nein, der Spiegel zeigt uns die Flecken, aber er kann sie nicht wegnehmen. Unsere Flecken finden wir zunächst vermittels des Gesetzes azfm aber damit sie weggenommen werden können, müssen wir zu Jesu Christo, dem Heiland gehen.“

Samstag, 24. September 2011

Die „So-soll-es-bleiben“ Momente


Vor einigen Tagen habe ich eine Predigt von Francis Chan gehört (WOP über die Predigt folgt morgen oder Montag), bei der mich ein Gedanken echt gepackt hat. In der Predigt sagt Francis:

You ever have those moments, where you just don't want to leave? You have that intimate time with God? Just a couple of days ago, you know, I'm sitting... It doesn't have to be at the beach or on the mountain top or anywhere else; the other day I was alone at IHOP; just having pan-cakes, just there with my bible, just studying, reading and praying. And I just didn't... I was there for probably two hours. I just going: „God, I don't want to go anywhere else. I know, they need this table, can't eat anymore pan-cakes.“ - there's you can allways eat two, but that's not why I stayed. But do you know this moments, where you go: „God, I don't want to leave the spot. I'm having these impulses. I'm enjoying this time with you. I love your word, I just want to stay here.“
 (Auszug aus: Francis Chan: Prayer as a Way of Walking in Love; Eigene Abschrift der Predigt)

Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch seine 'So-Soll-Es-Bleiben' Momente hat. Momente, in denen alle Sorgen um den nächsten Tag oder das, was gestern war, von einem losgelöst scheinen und wir sicher sind, dass so die Ewigkeit sein muss. In der wir fühlen, dass es genau so bleiben soll, für immer! Ich denke, dass das so menschlich und gut ist. Wir sind nicht für die Zeitlichkeit und Vergänglichkeit geschaffen. Wir sind nicht für Sorgen und Leid geschaffen. Wir sind nicht für die Hatz zum nächsten Moment geschaffen. Unsere Bestimmung ist die Ewigkeit – aber wir haben es selbst verbockt, haben Gott die Feindschaft erklärt.
Umso wichtiger und schöner ist das Gefühl, dass alles so bleiben kann. Ich denke, dass dieses Gefühl und einiges über unsere Bestimmung auf Gott hin offenbaren kann. Wir können darin sehen, wie die Ewigkeit sein muss.

1. Wie die Ewigkeit sein muss.

Die Bibel berichtet uns nur sehr wenig darüber, wie die Ewigkeit sein wird. Wir lesen von einer goldenen Stadt, die mit allerhand Edelsteinen besetzt ist – aber für jeden leidenschaftlichen Motoradfahrer muss sich das wie eine Horrorvorstellung anhören, würden die Räder doch bei dem glatten Untergrund sofort wegrutschen. Er würde sich lieber die geschwungenen Straßen der Pfalz vorstellen (und nicht umsonst sagt man hier unten, dass das Höchste, was man werden kann, ein Pfälzer ist). Ich denke, dass Gott uns ganz bewusst wenig über den Himmel sagt, weil er unsere Vorstellungen von einer nicht vorstellbaren Welt nicht an die Wünsche eines Bauern im atiken Israel oder einen Fischer im antiken Griechenland binden wollte.
Aber worüber die Bibel sehr deutlich ist, ist unser Glück in der Ewigkeit. Wir sind wirklich glücklich. Der Himmel ist die Vollendung des 'So soll es bleiben' Gefühls – denn es wird immer so bleiben. Nichts wird sich mehr ändern. Am Ende sind wir sicher und geschützt. Kein Leid mehr, dass unser Glück und unsere Freude zerstören. Wir werden endlich sagen, dass alles genauso bleiben kann, wie es gerade ist – und die Gute Nachricht daran ist, dass es auch genauso bleiben wird.
Charlie Hall hat ein Lied geschrieben, das den Titel 'On the Way to beautiful' trägt. Ich zitiere diese Zeile gerne, um meine 'Religion' zu beschreiben. Ich bin nicht perfekt, ich bin nicht angekommen. Ich bin auf dem Weg, einer Reise – einer Pilgerschaft – mit dem Ziel der Vollendung, Herrlichkeit, dem wunderschönen Gefühl, dass endlich alles so bleiben kann, wie es ist. Deswegen trägt dieser Blog auch den Untertitel „Erlebnisse auf der Reise evangelikaler Spiritualität“. Wir sind nocht auf dem Weg zur Vollendung; wir machen noch viel Mist, verletzen Andere, kommen unseren Pflichten nicht nach, unterstützen Raubtiermentalitäten in unserem Land und bei allen anderen; wir zerstreiten und lieber über die Tauffrage, als sie in Liebe zu diskutieren und gemeinsam für Jesus aufzustehen. Wenn man irgendwo erkennt, dass wir noch nicht angekommen sind, dass es noch nicht so bleiben soll, dann ist es in unseren Gemeinden. Aber das ist ein Ur-christlichen Bild. Weil wir nur auf dem Weg sind – und je weiter wir kommen, desto mehr verändert uns der Heilige Geist und Jesus in uns in das Wunderschöne. Wir sind auf dem Weg zur Vollendung, und längst noch nicht vollendet. Aber wir haben die begründete, überragende Hoffnung, dass wir irgendwann mit Sicherheit sagen können: So wird es bleiben – und das ist wunderschön so! Nicht kann mehr besser werden.

2. Was wird denn bleiben?

Aber genau wie uns dieses Gefühl etwas über unsere Bestimmung verdeutlicht und darüber, wie wir uns in der Ewigkeit fühlen werden und wohin wir auf den Weg sind, offenbart es uns auch etwas über unsere irdische Gebundenheit. Denn wir sollten uns alle Fragen, was genau uns dieses 'So soll es bleiben' Gefühl am Ende gibt. Ich finde es ergreifend zu lesen, wie Francis Chan beschreibt, dass er dieses Gefühl in der Verbindung mit Gott bekommt – wenn er mit ihm kommuniziert und sagen kann, dass er einfach nicht gehen will um diese Intimität und dieses 'So soll es bleiben' Moment nicht zu zerstören.
Aber ich erkenne ich meinem Leben, dass es nicht immer inder Verbindung mit Jesus liegt, dass ich mir wünsche, dass alles so bleibt. Und darin offenbaren sich uns unsere Götter. Denn alles, was uns dieses Gefühl gibt, verspricht uns unterbewusst, dass es uns für immer glücklich machen kann. Aber dem muss vehement widersprochen werden. Nichts kann uns glücklich machen als allein die Verbindung mit der Quelle und dem Erfinder allen Glücks!
Deswegen sollte diese Frage eine ständige Frage sein bei allem Vergnügen, dass wir gerne und viel genießen dürfen! Die Frage, die wir uns immer stellen sollten ist, ob uns etwas irdisches, etwas vergängliches das Gefühl von Ewigkeit gibt. Wenn wir in einer vergänglichen Beziehung, Vergnügen oder Beschäftigung den Wunsch nach Ewigkeit erkennen, verspüren und kultivieren, dann sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass wir auf dem besten Wege sind, einen zweiten Gott neben Jesus zu haben. Und das zieht – sehen wir deutlich im Alten Testament – keine wirklich guten, erfüllenden, 'So soll es bleiben' Momente nach sich!

3. Was also nun?
Ich bin froh über die 'So soll es bleiben' Momente in meinem Leben. Sie sich mit wichtig und erfreuen mich jeden Tag. Sie erinnern mich auf das Ziel, das am Ende meiner Reise steht und helfen mir immer wieder, auch in schweren Zeiten durchzuhalten. Aber wir müssen auch die Gefahr darin sehen. Weil wir genau dazu geschaffen wurden, für ewig dieses Gefühl zu haben, suchen wir unserer Erfüllung irgendwann darin und vergessen, dass eigentlich nichts uns jemals für immer dieses Gefühl geben kann als der Erlöser-König, der schon mit offenen Armen auf uns wartet. Deswegen liegt in diesen Momenten auch eine Chance der Selbstüberprüfung:
Wo liegt meine Freude? In Jesus und Jesus alleine? Oder im Kaffee am frühen Morgen (einer meiner 'so soll es bleiben' Momente)? Oder in der Beziehung zu unserem Lebenspartner? Oder in der Lektüre eines neuen Buches von John Piper? Oder in den langen Gesprächen in der Cafeteria, während man eigentlich eine Ausarbeitung schreiben sollte? Oder in den Wikingerschachspielen in der Prüdungszeit?
All das sind wunderbare Dinge, aber sie haben keinen Ewigkeitswert. Sie sind Geschenke für uns, um uns eine Ahnung, einen kurzen Augenblick davon zu schenken, wie es einmal in Ewigkeit sein wird.

Gods Bless,

Restless Evangelical.

Montag, 19. September 2011

„Das sind doch die Jitterbugger, die fromm geworden sind?“

Eine Rezension so David Wilkersons „Das Kreuz und die Messerhelden“

Diese Rezension dreht sich nicht um ein aktuelles Buch; vielleicht haben es schon einige von euch gelesen. Ich habe es in den letzten Tagen zum zweiten Mal gelesen und einer der Pastoren in der Gemeinde, wo ich gerade Praktikum mache, sagte: „Ach, das habe ich vor vielen Jahren schon gelesen.“
David Wilkerson ist vor wenigen Monaten heimgegangen zu unserem Herrn und hat den Lauf beendet – und das habe ich mir zum Anlass genommen, dieses wunderbare Buch noch einmal zu lesen und von den Erfahrungen dieses wenig beeindruckenden, dafür sehr beeindruckten älteren Mannes zu lesen, der das Gottvertrauen vieler Leser (auf dem Buch steht, dass das Buch allein in Deutsch eine Auflage von über 550.000 Stück erfahren hat!) auf eine harte Probe gestellt, auf den Kopf gedreht und ins unermessliche gesteigert hat.

1. Was die Jungen brauchen – Arminianer in Aktion.
Das Buch handelt von den Anfängen von Teen Challenge, einer mittlerweile international tätigen Organisation, die drogenabhängigen, sich prostituierenden und gewaltätigen Jugendlichen (vor allem mit einem Gang-Hintergrund) den Ausstieg und einen Neuanfang gewähren will. Wilkerson verspürt in den späten 50ger Jahren des letzten Jahrhunderts einen Ruf in die große Stadt New York (was für einen kleinen Pfingstpastor aus einer Kleinstadt im us-amerikanischen Süden ein tatsächlich großer Glaubenssprung war). Seine Botschaft für die Jungen, die in Gangmachenschaften verstrickt, oftmals schwer drogenabhängig sind und tief in der Prostitution stecken (meist um ihre Sucht zu finanzieren) ist sehr einfach:

„Denn so hat Gott der Welt seine Liebe gezeigt: Er gab seinen einzigen Sohn dafür, dass jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Joh3,16 NeÜ)

Dabei betont er immer wieder, wie wichtig die Entscheidung für Jesus ist. Es ist erstaunlich und ermutigend zu sehen, wie er bei manch einem Jugendlichen 'durchdringt' und ein einfaches 'Übergabegebet' reicht, um den Jungen den Weg zu weisen und sie verändert werden durch das Werk des Heiligen Geistes.
Mit der unwiderstehlichen Frische eines jungen, dynamischen Predigers geht er ans Werk und zeigt dabei, durchaus gewollte, wie viel bei einer echten lebensverändernden Begegnung mit Jesus vom Geist Gottes abhängt, der von Sünden überführt und das Leben verändert.

2. Wie man den 'Adler' von den 'Venen' vertreibt – Pfingstler in Aktion
Was mich bei diesem Buch sehr beeindruckt und begeistert ist die Betonung Rev. Wilkersons darauf, dass der Heilige Geist sein Werk tun muss, damit die Jungen den Entzug und den Neuanfang wirklich schaffen. Er berichtet mit einer großen Offenheit und emotionaler Sensibilität von den Problemen, die ein Junge (oder ein Mädchen) beim (Heroin-)Entzug hat. Denn außer den Körperlichen Schmerzen, die bei einem abrupten Entzug von jetzt auf gleich (einem sogenannten Cold Turkey, was spätestens sei 'Wir Kinder vom Bahnhof Zoo' ein gängiger Begriff auch außerhalb der Drogenszene in Deutschland ist) eintreten, ist da vor allem die seelische Gebundenheit an die Droge, die den Jungen, selbst wenn sie wirklich aufhören wollen, zu schaffen macht. Die Jungen nennen diese Gebundenheit den Affen auf den Schultern oder den Adler auf den Venen.

„Aber die Gewohnheit der Sinne, Dave – das ist etwas Schreckliches. Da ist etwas in dir, das dich zurückzwingt, etwas Gespenstisches, das die ständig was einflüstert. Wir haben auch Namen für diesen Kerl: Es ist entweder ein Affe auf unserem Rücken oder ein Geier auf unseren Venen.
Wir können ihn nicht loswerden, Davie. Aber du bist Prediger. Vielleicht dieser Heilige Geist, von dem Du sprichst, vielleicht kann Er helfen.“ (S.143)

Einmal berichtet Wilkerson, wie er von einem Jungen um Hilfe gerufen wird; er soll seiner Freundin helfen, mit dem Heroin zu brechen. Doch als er in dem Unterschlupf der Gang ankommen, muss er mit ansehen, wie sich der Junge und seine Freundin eine Spritze setzen. Und dieser Junge, obwohl er noch wenige Minuten vorher um Hilfe gebettelt hat, beschreibt ihm darauf den Himmel als Berge vor weißglänzendem Heroin, frische Spritzen die es überall zu haben gibt und einem ewigen Feuer, wo man sich all das Heroin kochen (sprich zum Konsum zubereiten) kann. Auch seine Freundin schickt ihn weg, denn sie weiß (jetzt, da sie auf einem Trip ist) gar nicht, wovor sie gerettet werden sollte. Vielmehr müsste doch der Prediger gerettet werden, er wüsste gar nicht, was der Himmel ist – und sie befinde sich gerade darin. Es ist erschreckend, das zu lesen; und ermutigend zugleich: Das sind die Menschen, die zu Jesus gekommen sind, als er hier war! Das ist die 'Lukas-Klientel'. Wie viel offener sollten wir für solche Leute sein – und ihnen einen Weg heraus zeigen? Wilkerson bezeichnet diesen Weg, aus der seelischen Gebundenheit an die Droge als die 'Taufe im Heiligen Geist', die eine typische pfingstliche Lehre ist. Darüber kann man sicher diskutieren – aber dieses Buch will keine theologische Abhandlung sein. Wilkerson berichtet über seine Erfahrung – und er ist ein einfacher Mann, der seine Erfahrungen versucht, biblische zu reflektieren und dabei sicher auch von seiner Tradition geprägt ist. Ich halte es aber für eine Fehlentscheidung, dieses Buch aufgrund der theologischen Unterschiede zur Seite zu legen!

3. Der Erntehelfer sind viele – Christen in Aktion!
Was mich auch beeindruckt, ist die Verbindung, die Wilkerson sehr schnell mit anderen Denominationen hat. War Teen Challenge (oder 'Teen Age Evangelism', wie es zu Anfang hieß) zu Anfang noch eine reine Pfingstarbeit, getragen ausschließlich von einigen Assemblies of God, fanden sich schnell auch unterstützer aus anderen Gemeinden und Denominationen. Reformierte, Baptisten, Episcolpal-Kirche. Viele fanden die Arbeit Wilkersons so gut, dass sie sie auch unterstützen wollten, dabei sein wollten. Schnell waren sie auch im Vorstand des Werkes.

„An diesem Punkt unserer Erfahrungen erkannte ich, wieviel Gott daran lag, daß alle möglichen Leute an diesem Werk Anteil hatten. Wir hatten es so ziemlich als ein Programm der Assemblies of God begonnen, und ehe wir uns dessen versahen, hatten wir je ein Komiteemitglied von der Baptistengemeinschaft, von der episkopalischen, presbyterianischen und der holländisch-reformierten Kirche.“ (S. 109)

Das ist ein wichtiger Vorteil von Teen Challenge. Es geht nicht um denominationelle Grabenkämpfe, sondern darum, den Jugendlichen zu helfen. Und dabei sollten auch die unterschiedlichen Theologien (die auch nicht unwichtig sind) nicht im Wege stehen!

4. Du versuchst es zu sehr – der Heilige Geist in Aktion.
Was Wilkerson immer wieder betont, ist, dass er am wenigsten in den Momenten erreicht hat, wenn er aus eigener Kraft versucht hat, den Jungen die Liebe Gottes deutlich zu machen. Er sah sich Schmach und Spott ausgesetzt und kein einziger Junge wollte sein Leben Jesus übergeben. Doch in dem Moment, in dem er auf das leiste Wispern des Heiligen Geistes gehört hat, drang 'er' zu den Jungen durch und sie veränderten sich.
Besonders beeindruckend ist dabei sich die Geschichte von Nicky Cruz, einem Bandenchef, der Wilkerson nicht wenig Sympathie zeigte. Nachdem Wilkerson ihm einmal sagte: „Ich habe dich lieb, Nicky!“, antwortete dieser: „Wenn du mir noch einmal zu nahe kommst, bringe ich dich um!“ Und Wilkerson sagt, dass er keine Zweifel an dieser Drohung hatte. Doch an einem Abend, während einer großen Evangelisationsveranstaltung übertrug Wilkerson diesem Jungen die Aufgabe, die Kollekte einzusammeln und er sollte sie auf die Bühne tragen – gerade vorbei an einer sperangelweit offenstehenden Tür. Doch zur Verblüffung der versammelten Jugendlichen und nicht zuletzt David Wilkerson selbst, brachte er das Geld auf die Bühne und verschwand nicht durch die Tür. Nicky sagt:

„Und ich stand einfach da. Ich wusste nicht, was es war: Ich hatte ein seltsames Gefühl. Auf einmal wusste ich, was es war: Der Prediger da oben vertraute mir. Das hatte es in meinem Leben noch nicht gegeben, und nun stand ich da, und meine Jungs schauten mich an.
Da drinnen machten sie es ihm sauer. Sie johlten und stampften, und er mußte da vor ihnen stehen, und er vertraute mir.
'Gut denn, Jungs', sagte ich, 'geh`n wir hinauf auf die Bühne.'“ (S. 83)

Doch was war es, was er an diesem Abend anders gemacht hatte? Er hatte es nicht mehr von sich aus versucht.

'Nicht durch Heeresmacht und menschliche Gewalt wird es geschehen, sondern durch meinen Geist', spricht Jahwe, der allmächtige Gott.“ (Sacharja 4,6 NeÜ)

Diesen Vers zitiert Wilkerson immer wieder – und es ist sicher kein Zufall, dass er auch einer der Gründungsverse der Calvary Chapel Bewegung ist. Es geht nämlich in letzter Instanz nicht um unser Studium, unsere Ausbildung oder unsere Vorbereitung. Es geht auch nicht um unser Rethoriktalent. Nein, wenn der Heilige Geist wirkt, dann wirkt er, und dann kann er alles und jeden benutzten, um die Menschen zu Jesus zu führen. Francis Chan sagt es so:

„It's not my job, to convince them. It's not... I can't change their heart. It's like going to cementary and say: „Come on, get up! Get up! Get up?!“ It's just pointless. No speech is going to do that! God you have to do something. You got to show them your power. You know, as I present the Gospel to them, there needs to be a power in that, where they hear that massege and go: „Wow, that's like nothing I've ever heard.“ (aus der Predigt 'Prayer as a way of walking in love')

5. Schluss
Dieses Buch macht eines besonders deutlich: Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken. Wenig sagt Wilkerson über die Sündhaftigkeit der Menschen in diesem Buch, weil es seinen Zuhörern sehr deutlich ist. Es ist für sie überhaupt keine Frage. Doch gerade sie hören ihn, wollen zu Jesus kommen und Veränderung finden. Wir sollten uns lieber Fragen, wieso wir diese Menschen nicht mehr anziehen, als die Frage zu stellen, wieso Wilkersons Dienst so gesegnet ar, obwohl er kein Reformierter, kein Baptist, nicht unserer Denomination angehörte. Er hat ihnen den Jesus des Lukasevangeliums präsentiert – den Arzt für die Kranken.
Und Gott hat ihn benutzt. Wie sehr freue ich mich, einmal mit David Wilkerson zusammen anzubeten, weil wir den gleichen Jesus dienen.

Gods Bless,

Restless Evangelical

David Wilkerson, Das Kreuz und die Messerhelden
Erzhausen, Leuchter Edition, 2004
ISBN 10: 3874825000
ISBN 13:  978-3874825009

Dienstag, 13. September 2011

World of Pulpit Nr. 6 - ein Online Predigt Gathering

Andy Stanley – Amazing Storys 4: No Explanation Required


Ein neuer WOP steht mal wieder an, und ich freu mich euch heute eine Predigt von Andy Stanley zu präsentieren. Er ist Pastor der North Point Community Church in Atlanta, die mit einer größe von 24.000 Gottesdienstbesuchern laut Wikipedia mittlerweile sogar die zweitgrößte Gemeinde der USA ist. Manche werden jetzt argwöhnen: „Bestimmt besucherfreundlich – oder wie ich es nenne: wischi-waschi freundlich.“
Aber dem will ich widersprechen. Bei North Point handelt es sich zwar nicht um eine reformierte Gemeinde – auch nicht neu-calvinistisch – aber sicher auch nicht um eine klassische Besucherfreundliche Gemeinde.
Doch hier geht es um die Predigt, die mich wirklich bewegt hat. Ihr könnt sie hier hören.
Andy Stanley ist anders, als die anderen Prediger, die ich gerne höre. Während Mark Driscoll aggresiv und sarkastisch ist, John Piper voller Leidenschaft, Tim Keller ein genialer Denker und C.J. Mahaney ein Pastor-Athlet (wie er sich selber bezeichnet), wprde ich Andy Stanley als den Stil 'väterlicher Freund' bezeichnen. Er redet langsam, warm, freundlich und gewinnend. Er erzählt nichts Neues, keine frischen Gedanken, aber er erzählt das Alte auf eine freundliche Weise, dass man ihm gerne zuhört und das Gefühl bekommt, von einem weiseren Mann einen guten Ratschlag zu bekommen.
In dieser Predigt wird das auch deutlich.
  1. What if God is like... God?
Die Frage, die Andy Stanley unter die ganze Predigt stellt ist: Was ist, wenn Gott eher ist wie... Gott? Und damit trifft er bei mir – und wahrscheinlich bei vielen anderen – einen wichtigen Nerv. Als Menschen verhalten wir uns oft so, als ob Gott eine Wahr zwischen vielen ist, weil wir keine Verbindung zu dem Selbstanspruch Gottes haben. Die Monarchie als absolute Herrschermacht ist seit vielen Jahren abgeschafft – und das ist auch gut so – aber deswegen verstehen wir Gottes Anspruch, unser Erlöser-König zu sein, gar nicht mehr richtig. Wir sind zu demokratisch geprägt, in Fragen des Glaubens. Wir verhalten uns oft so, also würde Gott auf einer Wahlkampfveranstaltung sprechen und wir sind die kritischen Wechselwähler, die sich nicht nicht sicher sind, ob wir auf seine Karten setzen sollen. Also muss er uns ja eine Erklärung geben; einen Grund, ihm zu folgen; eine Erklärung, warum er etwas fordert. Das ist er uns doch schuldig – oder? Und hier trifft Andy Stanleys frage. Was ist, wenn Gott uns keine Erklärung schuldig ist? Was ist wenn er mehr ein König ist, und nicht ein gewählter Volksvertreter? Und was ist, wenn es in den Fragen des Lebens nicht so sehr darum geht „Was?“ zu fragen, als vielmehr „Wer fragt uns?“ herauszufinden? Gott ist mehr als nur ein Volksvertreter, einer, der um unsere Zuneigung buhlen muss, weil wir alles herausfinden können. Gott ist vielmehr vergleichbar mir... Gott!
Andy benutzt das Bild von einer Illusionistenshow (etwas, das ich persönlich unheimlich spannend finde). Wir fühlen uns wie die Größten, wenn wir einen Zaubertrick entlarvt haben und verstehen, WIE es funktioniert. Als ob wir erwartet hätten, dass es sich bei der Show um echte Magie handelt und dass wir den Schwindel haben auffliegen lassen. Aber dabei vergessen wir dann, dass unsere investigative Gabe gar nichts daran ändert, dass diese Männer genial sind. Sie haben sich das ganze ausgedacht, geübt und geübt und es dann auch fehlerfrei vor den Menschen aufgeführt.
Und das sollten wir auch nicht vergessen, wenn es um Gott gebt. Wir mögen herausgefunden haben, wie Gott das Nordlicht an den Himmel zaubert und wie er die Pflanzen in jedem Frühling blühen lässt – doch das ändert nichts an seinem Status, Gott zu sein. Denn das können wir nicht nachmachen. So genial wir Menschen sind, wir können keine lebensspendende Wärme erschaffen, wir können nicht das Nordlicht an den Himmel malen oder die Sterne aufblitzen und verglühen lassen. Wir können ein wie entdecken, doch die wichtigere Frage ist eigentlich: Wer?
  1. God is the Reason to obey God!
Und das ist auch die wichtigste Regel in der Geschichte von Naeman, dem aussätzigen Syrer. Denn die Frage, die er sich stellen musste, war nicht: Wie sollte ich geheilt werden, wenn ich mich in dem schmutzigen, stinkenden Jordan 'wasche'? Er sollte sich lieber Gedanken darüber machen, wer ihn darum geben hat. Denn das war Gott. Und manchmal muss Gott ausreichen als Grund, seinen Anweisungen zu folgen. Denn als Christen können wir uns sicher sein, dass uns alle Dinge zum Besten dienen! Und auch wenn wir manche Weisungen von Gott nicht verstehen – nicht durchsteigen, warum wir dorthin gehen sollen und nicht woanders. Wenn wir keinen Sinn darin sehen, dass wir eine Beziehung aufrechterhalten sollen, obwohl sie uns eigentlich nicht schmeckt. Und wenn wir nicht versehen, warum wir eigentlich Jesus mehr lieben sollen als Mutter, Bruder, Schwester und alle anderen angehörigen. Dann muss manchmal Gott als Grund ausreichen. Und er reicht aus. Denn denkt an Naeman. Er ist losgezogen zum Jordan. Ich wette, dass er nach spätestens dreimal Untertauchen nach Hause gehen wollte. Das bringt doch alles nichts! Doch er war aufgefordert worden, siebenmal unterzutauchen. Und am Ende war seine Haut reiner als jemals zuvor! Das ist der Gott der Bibel. Manchmal bittet er uns um Dinge, die in unseren Augen niederschmetternd, demütigend sind. Und er gibt uns keine Erklärung – nur diese Forderung, diese Bitte. Und dann können wir folgen oder es lassen. Aber wir können uns trotzdem sicher sein, dass Gottes es zu einem guten Ende führen wird!

Gods Bless,

Restless Evangelical

Donnerstag, 8. September 2011

Young Restless Evangelical auf Facebook

Ich habe gerade eine Young Restless Evangelical Seite auf Facebook erstellt. Damit ich auch mit Lesern, die nicht in meiner Freundesliste sind, kommunizieren kann.
Wenn ihr wollt, dürft ihr gerne 'linken'.

Als kleines Gimmick verschenke ich jetzt auch noch meine Google+ Einladungen.
Einfach auf den Link klicken, 150 Einladungen sind vorhanden!

https://plus.google.com/i/3obNXBp7iZE:T1XRSw78I-c

Gods Bless,

Restless Evangelical

Donnerstag, 1. September 2011

Die wichtigste Antwort, die du jemals geben wirst!


Es wird ein Tag kommen – und viele Menschen erwarten ihn sehnlich – da werden wir vor dem großen Richter stehen. Er ist gerecht, er ist heilig. Sein Name ist Friedefürst und Ewiger Vater. Er hat alles geschaffen; nichts existiert, ohne seinen Ursprung, seine Quelle, sein Ziel und seine Bestimmung in ihm zu haben; nichts würde weiterexistieren, wenn er es in seiner Gnade nicht erhalten und beschützen würde. Er erhält die Ordnung auf unserem Planeten und sieht mit Liebe auf alle seine Geschöpfe, die doch nichts mit ihm zutun haben wollen.
An diesem Tag wird es eine Frage geben:
Der Richter wird fragen: „Was hast du mir zu bieten, dass ich dich annehmen sollte?“
Wie wird deine Antwort sein? Du hast nur eine von zwei Möglichkeiten frei.

  1. Sie mich an und bewundere mich.
Wirst du auf deine eigenen Verdienste verweisen? Du kannst alles aufzählen, was du getan hast. Du wirst auch sicher nichts vergessen – er hat alles aufgeschrieben. Wie ein Vater, der seinem Kind zugesehen hat, sein Leben lang. Er erinnert sich an jedes Detail. Er erinnert sich, dass du bei dem großen Erdbeben von Haiti eine große Summe Geld an World Vision gegeben hast – irgendjemand muss diesen Armen Menschen ja helfen. Er erinnert sich, dass du deine Frau gepflegt hast, als sie mit Krebs in ihrem Bett lag, obwohl die attraktive Sekretärin dir doch sehr eindeutige Angebote gemacht hast. Er erinnert sich, dass du nein gesagt hast. Er erinnert sich auch, dass die viele Jahre lang in der Tafel mitgearbeitet hast; dass du einmal die Woche in diesem Laden standest und die Lebensmittel ausgeteilt hast. Darauf kannst du verweisen.
Und was war mit dem Jahr, in dem du für ein Jahr in einem Krankenhaus in Somalia ausgeholfen hast? Gleich nach deinem Abi war das, nicht wahr? Da hast du dich fast um alles gekümmert, hast fast keinen Tag weniger als 12 Stunden gearbeitet, oder? Aber du warst glücklich danach, weil du helfen konntest. Er erinnert sich daran. Das kannst du ihm als Antwort geben.
Und dann gibt es ja auch noch die vielen Stunden, als du im Fußballverein als Trainer gearbeitet hast, oder? Klar erinnert er sich daran, wie du den Jungen versucht hast, klare Regeln beizubringen, weil viele von ihnen aus einem wenig behüteten Elternhaus kam. Du hast ihnen gezeigt, was väterliche Strenge bedeuten kann, die nicht von Herrschsucht getrieben ist, sondern von echter Zuneigung – oder? Du hast es wirklich zu was gebracht, wirst du bei dir denken – und er wird nur den Kopf schütteln.
„Das alles sind schöne Sachen – aber das war höchstens das, wozu du geschaeen wurdest. Was ist mit dem großen Berg, den du nie abgetragen hast?“, wird er dich fragen. Und dann erinnerst du dich. Wie du bei der Steuererklärung oft ziemlich übertrieben hast, um etwas mehr Geld auf dem Konto zu haben. Und wie du deinem Arbeitskollegen die Pest an den Hals gewünscht hast, als er die Beförderung bekommen hat, und nicht du. Du erinnerst dich, wie du seinerzeit nur im Fußballverein geholfen hast, weil da diese junge Torfrau war, die du so hübsch fandest. Erinnerst du dich, wie ihr zwei alleine auf dem Zimmer wart, auf dieser einen Fußballfreizeit? „Aber das war doch nur einmal, und sie war 18 Jahre alt...“ willst du vielleicht einwerfen. „Und mit meiner Frau war ich damals noch gar nicht verheiratet.“ Aber seit einigen Jahren zusammen, hallt es dir durch den Kopf.
Wieviel wiegt dein gutes Engagement noch, wenn du dir über deine Motive dahinter gedanken machst? In Somalia warst du doch vor allem, weil du etwas erleben wolltest, und nicht weil dir 'die Armen' so Leid taten! Deiner Frau warst du doch vor allem deswegen treu, weil du Angst hattest, es würde herauskommen; die Sekretärin ist so ein Klatschmaul. Bei der Tafel hast du doch vor allem deswegen geholfen, weil du ein schlechtes Gewissen hattest; der Tisch in eurem Esszimmer war immer vollgepackt bis oben hin, vieles davon habt ihr später in den Müll geschmissen. Und irgendwann ist die klar geworden, dass es vielen anderen nicht so gut ging. Du wolltest dein Gewissen erleichtern – deswegen hast du geholfen.
„Wer war denn der eigentliche Motivator hinter all deiner sozialen Fasade?“, wird der Richter dich dann fragen. Und du musst zugeben: Du selbst!
Und dann wird er dir sagen: „Siehst du – das alles, was du mir vorbringen kannst, es ist für mich so abstoßend wie ein blutiger Tampon. Ich hasse es. Weil du es nicht wirklich für andere getan hast, sondern für dich. Weißt du – diese 'Liebe deinen Nächsten wie dich selbst' Angelegenheit, das habe ich ernst gemeint. Aber du hast einzig und allein dich selbst geliebt. Immer deinen eigenen Vorteil gesucht. Und von mir wolltest du dabei nichts wissen – weil du dein eigener Gott sein wolltest. Ich wollte dir helfen, deine Motive zu ändern, aber du wolltest mir nicht zuhören. Ich habe die all die Menschen über den Weg geschickt, die dir von mir erzählt haben. Aber in deiner Arroganz hast du sie für Dummköpfe erklärt, sie Idioten genannt und schlimmeres. Und hast auf dich selbst vertraut. Deswegen entferne ich meine Gegenwart jetzt von dir, und du wirst für alle Ewigkeit sehen, was du davon hast!“
Soll das deine Antwort sein? Denn dann wirst du an den Ort gehen, wo Gott nicht mehr anwesend ist – seine Liebe, seine Gnade, seine Barmherzigkeit kommt nicht mehr dorthin. Du wirst dich nicht dort wegwünschen. Denn dieser Ort ist von innen verschlossen – aber du versuchst es gar nicht. In alle Ewigkeit wirst du dort sitzen und den verfluchen, den du immer verflucht hast. Du bekommst was du willst, denkst du? Ich sage dir: Du wirst leiden, und es wird nicht schön sein.

  1. Sie mich nicht an – denn ich bin ein sündiger Mensch.
Wirst du von deinen eigenen Verdiensten wegweisen? Du kannst alle deine Fehler aufzählen, er erinnert sich daran. Jede einzelne Minute deines Lebens, in der du nicht das getan hast, wofür du geschaffen wurdest – oder etwas getan hast, dass deinem Ziel zuwiederläuft. Jede Sekunde, in der dein Leben nicht die Ehre Gottes zum Ziel hatte, kannst du an diesem Tag aufzählen. Es sind Tausende, Millionen. Sie sind nicht zählbar. Mit Tränen kannst du bekennen, wie du deine Mutter angebrüllt hast, als sie dir liebevoll angeboten hat, mit dir zu beten; einfach nur, weil es dir nicht in den Kram gepasst hat. Du wirst dich schütteln, wenn du erzählst, wie du auf der Parkbank gesessen hast, und versucht hast, den hübschen Mädchen unter den Rock zu gucken, die im Sommer mit dem Steigen des Termometers immer kürzer wurden. Du kannst laut aufschreien, wenn du berichtest, wie du viele Tage am Computer gehangen hast, und deinen Avatar bei einem Online Rollenspiel auf Level 60 gebracht hast und das einzige Leben, dass du hattest, quasi in Verschwendungssucht aus dem Fenster geworfen hast.
„Aber, aber“, wird der Richter dann sagen, „da gab es doch auch einige gute Sachen in deinem Leben.“ Er wird aufzählen, was du in deinem Leben geleistet hast. Die Stunden, als du am Bett deiner Tochter gewacht hast, weil sie hohes Fiber hatte. Immer wieder hast du ihr die Stirn abgetupft und sie liebevoll in den Arm genommen, wenn sie von einem schlimmen Fiebertraum aufgewacht ist. „Dein Papa ist da“, hast du ihr dann zugeflüstert und warst so stolz auf dein tapferes kleines Mädchen. Er wird dich auch daran erinnern, dass du eingesprungen bist, als du Abends auf dem Weg nach Hause gesehen hast, wie eine junge Frau von einem Mann bedrängt wurde, wie er ihr die Bluse heruntergerissen hat und schon an seinem Gürtel herumspielte. Bist du da nicht dazwischen gegangen, hast den Angreifer niedergeschlagen und die junge Frau gerettet? Und jener Tag, als du am Strand lagst, mit deiner Frau und deinen Kindern und du nur leise diesen Hilferuf vernommen hast? Niemand hatte was gehört, aber du warst dir sicher. Da hast du vom Ausguck der Küstenwachse das Meer abgesucht und den kleinen Jungen entdeckt, wie er weit draußen auf einer Luftmatraze trieb und nicht mehr zurückkam. Du bist herausgeschwommen und hast ihn an Land gezogen. „Was war denn damit?“, wird der Richter dich fragen.
Und dann kannst du, wieder unter Tränen, aber diesmal sind es Tränen des Glückes, nur auf Jesus zeigen. „Er war das, Herr! Ich habe da nichts dazu beigetragen. Denn in meinem Leben galt schon damals: „[Ich] lebe praktisch nicht mehr. Christus lebt in mir. Und das Leben, das ich jetzt noch in meinem sterblichen Körper führe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich geopfert hat.“ (Galater 2,20 NeÜ)“
„Aber was hast du mir dann zu bieten?“, wird der Richter fragen. „Was kannst du vorbringen, damit ich dich gerechtspreche und hineinlasse in mein Königreich, in meinen Segen?“
Und dann wirst du aufsehen und sagen: „Aber Herr, ich bin doch schon lange Bürger deines Reiches. Nicht ich habe es erwirkt, sondern dein Sohn. Er hat mich aus den Ketten gerissen, ist in die Bresche gesprungen, als die Sünde nach mir gepackt hat. Er allein hat meine Motive geändert, sodass ich immer mehr gelernt habe, nicht für mich zu leben, sondern für deine Ehre und zum Wohl der Anderen. Ich habe dir nichts zu bringen Herr. - Alles was ich habe, ist die Ladung von blutigen Tampons, und die will ich dir nicht zumuten. Alles was ich habe, ich Jesus. Sieh ihn an, er ist meine Gerechtigkeit. Guck auf ihn, er ist meine Antwort. Ich habe alles falsch gemacht, aber für mich hat Er alles richtig gemacht. Er hat das Leben geführt, dass ich hätte führen müssen. Er ist den Tod gestorben, der mir gehörte. Alles was ich habe ist er. Bitte, Herr – sieh ihn an und nicht mich. Bitte Herr, sei mir Sünder gnädig.“ Und dann wird dein Gesicht strahlen. Denn er ist es, für den du lebst. Und du weißt, dass du deiner Bestimmung nachkommst – dass du sogar an diesem letzten Tag aller Zeiten ihn verherrlichen kannst und dich demütig beugst unter seine Gnade. Er ist deine Gnade antwort. Und dann wird der Richter lachen, aufspringen und dich in die Arme nehmen. „Willkommen zuhause“ wird er sagen und dich auf den Schultern hineintragen in das neue Jerusalem.

Inspiriert durch einen Ausschnitt von Greg Gilberts: Was ist das Evangelium?
„Ich sage ihnen, was jeder Christ, dessen Glaube allein bei Christus liegt, durch Gottes Gnade tun wird. Er wird einfach und stumm auf Jesus zeigen und bitten: „O Gott, such in meinem eigenen Leben keine Gerechtigkeit. Schau deinen Sohn an. Sprich mich seinetwegen gerecht und nicht aufgrund von irgendetwas, das ich getan habe oder bin. Er hat das Leben geführt, das ich hätte führen sollen. Er starb den Tod, den ich verdiene. Ich habe mich von all meinen Sicherheiten abgekehrt, und Jesus ist das einzige Argument, das ich vorbingen kann. O Gott, sprich mich um seinetwillen gerecht.“ (Greg Gilbert, Was ist das Evangelium?, S. 104)

Und das das Lied „All I Have isChrist“ von Souvereign Grace Music.