Samstag, 24. September 2011

Die „So-soll-es-bleiben“ Momente


Vor einigen Tagen habe ich eine Predigt von Francis Chan gehört (WOP über die Predigt folgt morgen oder Montag), bei der mich ein Gedanken echt gepackt hat. In der Predigt sagt Francis:

You ever have those moments, where you just don't want to leave? You have that intimate time with God? Just a couple of days ago, you know, I'm sitting... It doesn't have to be at the beach or on the mountain top or anywhere else; the other day I was alone at IHOP; just having pan-cakes, just there with my bible, just studying, reading and praying. And I just didn't... I was there for probably two hours. I just going: „God, I don't want to go anywhere else. I know, they need this table, can't eat anymore pan-cakes.“ - there's you can allways eat two, but that's not why I stayed. But do you know this moments, where you go: „God, I don't want to leave the spot. I'm having these impulses. I'm enjoying this time with you. I love your word, I just want to stay here.“
 (Auszug aus: Francis Chan: Prayer as a Way of Walking in Love; Eigene Abschrift der Predigt)

Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch seine 'So-Soll-Es-Bleiben' Momente hat. Momente, in denen alle Sorgen um den nächsten Tag oder das, was gestern war, von einem losgelöst scheinen und wir sicher sind, dass so die Ewigkeit sein muss. In der wir fühlen, dass es genau so bleiben soll, für immer! Ich denke, dass das so menschlich und gut ist. Wir sind nicht für die Zeitlichkeit und Vergänglichkeit geschaffen. Wir sind nicht für Sorgen und Leid geschaffen. Wir sind nicht für die Hatz zum nächsten Moment geschaffen. Unsere Bestimmung ist die Ewigkeit – aber wir haben es selbst verbockt, haben Gott die Feindschaft erklärt.
Umso wichtiger und schöner ist das Gefühl, dass alles so bleiben kann. Ich denke, dass dieses Gefühl und einiges über unsere Bestimmung auf Gott hin offenbaren kann. Wir können darin sehen, wie die Ewigkeit sein muss.

1. Wie die Ewigkeit sein muss.

Die Bibel berichtet uns nur sehr wenig darüber, wie die Ewigkeit sein wird. Wir lesen von einer goldenen Stadt, die mit allerhand Edelsteinen besetzt ist – aber für jeden leidenschaftlichen Motoradfahrer muss sich das wie eine Horrorvorstellung anhören, würden die Räder doch bei dem glatten Untergrund sofort wegrutschen. Er würde sich lieber die geschwungenen Straßen der Pfalz vorstellen (und nicht umsonst sagt man hier unten, dass das Höchste, was man werden kann, ein Pfälzer ist). Ich denke, dass Gott uns ganz bewusst wenig über den Himmel sagt, weil er unsere Vorstellungen von einer nicht vorstellbaren Welt nicht an die Wünsche eines Bauern im atiken Israel oder einen Fischer im antiken Griechenland binden wollte.
Aber worüber die Bibel sehr deutlich ist, ist unser Glück in der Ewigkeit. Wir sind wirklich glücklich. Der Himmel ist die Vollendung des 'So soll es bleiben' Gefühls – denn es wird immer so bleiben. Nichts wird sich mehr ändern. Am Ende sind wir sicher und geschützt. Kein Leid mehr, dass unser Glück und unsere Freude zerstören. Wir werden endlich sagen, dass alles genauso bleiben kann, wie es gerade ist – und die Gute Nachricht daran ist, dass es auch genauso bleiben wird.
Charlie Hall hat ein Lied geschrieben, das den Titel 'On the Way to beautiful' trägt. Ich zitiere diese Zeile gerne, um meine 'Religion' zu beschreiben. Ich bin nicht perfekt, ich bin nicht angekommen. Ich bin auf dem Weg, einer Reise – einer Pilgerschaft – mit dem Ziel der Vollendung, Herrlichkeit, dem wunderschönen Gefühl, dass endlich alles so bleiben kann, wie es ist. Deswegen trägt dieser Blog auch den Untertitel „Erlebnisse auf der Reise evangelikaler Spiritualität“. Wir sind nocht auf dem Weg zur Vollendung; wir machen noch viel Mist, verletzen Andere, kommen unseren Pflichten nicht nach, unterstützen Raubtiermentalitäten in unserem Land und bei allen anderen; wir zerstreiten und lieber über die Tauffrage, als sie in Liebe zu diskutieren und gemeinsam für Jesus aufzustehen. Wenn man irgendwo erkennt, dass wir noch nicht angekommen sind, dass es noch nicht so bleiben soll, dann ist es in unseren Gemeinden. Aber das ist ein Ur-christlichen Bild. Weil wir nur auf dem Weg sind – und je weiter wir kommen, desto mehr verändert uns der Heilige Geist und Jesus in uns in das Wunderschöne. Wir sind auf dem Weg zur Vollendung, und längst noch nicht vollendet. Aber wir haben die begründete, überragende Hoffnung, dass wir irgendwann mit Sicherheit sagen können: So wird es bleiben – und das ist wunderschön so! Nicht kann mehr besser werden.

2. Was wird denn bleiben?

Aber genau wie uns dieses Gefühl etwas über unsere Bestimmung verdeutlicht und darüber, wie wir uns in der Ewigkeit fühlen werden und wohin wir auf den Weg sind, offenbart es uns auch etwas über unsere irdische Gebundenheit. Denn wir sollten uns alle Fragen, was genau uns dieses 'So soll es bleiben' Gefühl am Ende gibt. Ich finde es ergreifend zu lesen, wie Francis Chan beschreibt, dass er dieses Gefühl in der Verbindung mit Gott bekommt – wenn er mit ihm kommuniziert und sagen kann, dass er einfach nicht gehen will um diese Intimität und dieses 'So soll es bleiben' Moment nicht zu zerstören.
Aber ich erkenne ich meinem Leben, dass es nicht immer inder Verbindung mit Jesus liegt, dass ich mir wünsche, dass alles so bleibt. Und darin offenbaren sich uns unsere Götter. Denn alles, was uns dieses Gefühl gibt, verspricht uns unterbewusst, dass es uns für immer glücklich machen kann. Aber dem muss vehement widersprochen werden. Nichts kann uns glücklich machen als allein die Verbindung mit der Quelle und dem Erfinder allen Glücks!
Deswegen sollte diese Frage eine ständige Frage sein bei allem Vergnügen, dass wir gerne und viel genießen dürfen! Die Frage, die wir uns immer stellen sollten ist, ob uns etwas irdisches, etwas vergängliches das Gefühl von Ewigkeit gibt. Wenn wir in einer vergänglichen Beziehung, Vergnügen oder Beschäftigung den Wunsch nach Ewigkeit erkennen, verspüren und kultivieren, dann sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass wir auf dem besten Wege sind, einen zweiten Gott neben Jesus zu haben. Und das zieht – sehen wir deutlich im Alten Testament – keine wirklich guten, erfüllenden, 'So soll es bleiben' Momente nach sich!

3. Was also nun?
Ich bin froh über die 'So soll es bleiben' Momente in meinem Leben. Sie sich mit wichtig und erfreuen mich jeden Tag. Sie erinnern mich auf das Ziel, das am Ende meiner Reise steht und helfen mir immer wieder, auch in schweren Zeiten durchzuhalten. Aber wir müssen auch die Gefahr darin sehen. Weil wir genau dazu geschaffen wurden, für ewig dieses Gefühl zu haben, suchen wir unserer Erfüllung irgendwann darin und vergessen, dass eigentlich nichts uns jemals für immer dieses Gefühl geben kann als der Erlöser-König, der schon mit offenen Armen auf uns wartet. Deswegen liegt in diesen Momenten auch eine Chance der Selbstüberprüfung:
Wo liegt meine Freude? In Jesus und Jesus alleine? Oder im Kaffee am frühen Morgen (einer meiner 'so soll es bleiben' Momente)? Oder in der Beziehung zu unserem Lebenspartner? Oder in der Lektüre eines neuen Buches von John Piper? Oder in den langen Gesprächen in der Cafeteria, während man eigentlich eine Ausarbeitung schreiben sollte? Oder in den Wikingerschachspielen in der Prüdungszeit?
All das sind wunderbare Dinge, aber sie haben keinen Ewigkeitswert. Sie sind Geschenke für uns, um uns eine Ahnung, einen kurzen Augenblick davon zu schenken, wie es einmal in Ewigkeit sein wird.

Gods Bless,

Restless Evangelical.

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