Freitag, 28. Oktober 2011

Gott unwiderstehlich machen...

Ein Auftrag der Gemeinde, den wir vergessen haben

Ich weiß, dass der Titel gewagt ist. Ich bin überzeugt davon, dass Gott an sich unwiderstehlich ist. Er ist der Inbegriff von Schönheit, Reinheit und Herrlichkeit. Wem er sich offenbart, der verliebt sich in ihn – er ist das Ziel, auf das wir hin erschaffen wurden.
Ich verstehe diesen Titel also nicht als grundsätzlich – so als könnten wir der Schönheit Gottes etwas hinzufügen.
Doch es bleibt, dass wir als Gottes Stellvertreter in diese Welt gesandt sind. Dieses Grundprinzip nennt man in der Missionstheologie die Missio Dei. Gott als sendender und gesandter Gott. Der Vater sendet den Sohn. Vater und Sohn senden den Geist und gemeinsam senden alle drei, als der eine Gott, die Kirche in die Welt.
Das Missional Manifesto bringt es auf die Formel:

Although it is frequently stated "God’s church has a mission," according to missional theology, a more accurate expression is "God’s mission has a church"“ (1)

Wir sind also nicht – in erster Linie – dazu hier, dass wir jede Diskussion gewinnen, sondern, dass wir die Mission Gottes repräsentieren. Diese fasst N.T. Wright wie folgt zusammen:

God has a single plan all along through which he intended to rescue the world and the human race, and that this single plan was centred upon the call of Israel, a call Paul saw coming to fruition in Israel's representative, the Messiah.“ (2)

Es ist durchaus wichtig, dass wir diese Mission Gottes richtig verstehen, damit wir unseren Anteil darin, unsere Gottgegebene Aufgabe darin erkennen und ihr nachkommen können. Gottes Ziel mit der Welt ist nicht – so sowohl N.T. Wright als auch Chris Wright – sie zu zerstören, sodass die Menschen an einem Ort irgendwo in einer anderen Sphäre glücklich leben können. Es ist die Wiedererrichtung seiner göttlichen Ordnung ist seiner wunderbaren Schöpfung, sodass sein Name in aller Ewigkeit verherrlicht werden kann. Dieser Plan hat eine erste Stufe der Erfüllung in der Berufung Israels zu einem königlichen und priesterlichen Volk gefunden – und seine letztliche Vollendung in der Ankunft, dem Leben, dem Tod, der Auferstehung und der Wiederkunft seines Sohnes, des Gott-Menschen, des Erlöser-Königs, des Messiahs Jesus Christus!
Durch den Tod Jesu am Kreuz ist die Gottesherrschaft schon angebrochen doch sie ist noch nicht zu vollen Entfaltung gekommen. Diese Zwischenzeit, die vom 'Schon-Jetzt' und 'Noch-Nicht' geprägt ist, ist die Zeit der Gemeinde; in der wir als Christen einen bestimmten Auftrag haben.

N.T. Wright fasst in wie folgt zusammen:

God made humans for a purpose: not simply for themselves, not simply so that they could be in relationship with him, but so that though them, as his image-bearers, he could bring his wise, glad, fruitful order to the world.“ (3)

Ein Teil dieser Mission bedeutet, dass wir durch das Vorleben von Gottes Heiligkeit einen Unterschied in der Welt machen, der immer wieder auf Ablehnung stoßen wird. Es ist das 'Anders-Sein', dass biblischen Heiligkeit charakterisiert.
Wir verbinden Heiligkeit oft mit Reinheit – aber das ist nur eine, nicht einmal die größte, Bedeutung von Heiligkeit.
R.C. Sproul schreibt:

Wir sagen, daß Gott Geist ist und Liebe, daß er allwissend ist, gerecht, barmherzig, gnädig, etc. Und wir tendieren dazu, dieser Liste auch das Kennzeichen heilig beizufügen, als ein Attribut unter vielen. Wenn aber die Bibel sagt, daß Gott heilig ist, so bezeichnet sie damit nicht eine göttliche Eigenschaft, sondenr sie sagt, dass Heiligkeit das Synonym für Göttlichkeit ist. Gott und Heiligkeit ist ein und dasselbe. Gottes Liebe ist eine heilige Liebe, seine Gerechtigkeit ist eine heilige Gerechtigkeit, seine Barmherzigkeit heilige Barmherzigkeit, seine Weisheit heilige Weisheit, sein Geist ein heiliger Geist.“ (4)

Es geht um das Anderssein, das uns in dieser Welt charakterisieren soll. Wie bestürzend ist es da, zu sehen, dass viele Christen meinen, dass das Evangelium eine rein innerweltliche Hoffnung bietet, die auf die 'Heilung zerbrochener Herzen', 'Ausgießung finanzieller Segensströme' oder 'Therapie unserer geschunden Seele' hofft, ohne die ewige Hoffnung des Evangeliums deutlich zu betonen.
Um es auf einen einfachen Satz zu bringen: Denn hier auf der Erde haben wir keine Heimat. Unsere Sehnsucht gilt jener künftigen Stadt, zu der wir unterwegs sind.“ (Hebräer 13,14 NeÜ).

Etwas anderes aber ist ebenso wichtig, und ist uns in unserem Verständnis von unserem Auftrag auf dieser Erde oftmals verloren gegangen. Wir sollen, durch unser Leben, durch unsere Hoffnung, durch unsere Freude, durch unsere Erlösung, der Welt die Schönheit Gottes vorleben. Wir sollen ein Beispiel, ein lebendiges Zeugnis davon sein, dass in Gott die tiefste Quelle aller Freude liegt.
Paulus schreibt:

Die Sklaven sollen ihren Herren in allem gehorchen und ihnen gefällig sein. Sie sollen nicht widersprechen und nichts unterschlagen, sondern ihnen treu und zuverlässig dienen, damit sie in allem der Lehre von unserem Gott und Retter Ehre machen.“ (Titus 2,9-10, NeÜ)

Die Motivation zu einem vorbildlichen Leben, dass für Sklaven jener Zeit wesentlich schwieriger zu bewältigen war als für uns in unserer Wohlstandsverwöhnten Welt, liegt nicht im Segen, der auf so einem Verhalten liegt. Er liegt darin, dass dadurch dem Evangelium Ehre gemacht wird! Das ist eine ganz neue Perspektive von einem missionalen – sprich evangelistischen – Lebensstil. Wir leben nicht vorbildlich, weil die Gemeinde es von uns fordert, oder die Bibel oder sonst jemand. Wir leben nicht vorbildlich, weil es uns nicht schwerfällt; sondern weil es Teil unserer Mission ist – weil es Teil der Verherrlichung Gottes ist – und damit unserer Bestimmung entspricht. Wir sind dazu geschaffen, Gott zu verherrlichen. Das ist das ganze Ziel unseres Seins. Deswegen finden wir auch nur darin wirklich Frieden und wirkliches Glück. Und ein Teil unserer Anbetung ist, dass wir Leben führen, die Gott für die Menschen attraktiv macht. Die Menschen sollen unser Leben sehen und sich angezogen fühlen von diesem Gott, der soviel Freude, Mut, Stärke, Durchhaltevermögen und Segen schenkt.

Petrus schreibt:

Früher wart ihr nicht sein Volk, aber jetzt seid ihr Gottes Volk, früher gab es für euch kein Erbarmen, aber jetzt habt ihr sein Erbarmen gefunden. Ihr wisst, liebe Geschwister, dass ihr in dieser Welt nur Ausländer und Fremde seid. Deshalb ermahne ich euch: Gebt den Leidenschaften eurer eigenen Natur nicht nach, denn sie kämpft gegen euch. Euer Leben muss gerade unter Menschen, die Gott nicht kennen, einwandfrei sein. Wenn sie euch als Böse verleumden, sollen sie eure guten Taten sehen, damit sie zur Einsicht kommen und Gott preisen, wenn er einmal in ihr Leben eingreift.“ (1Petrus 2,10-12; NeÜ)

Deutlicher konnte Petrus es gar nicht ausdrücken. Durch unser Heiliges Leben sollen die Menschen zu Erkenntnis Gottes und damit zum Lobpreis dieses Gottes geführt werden.

Christopher Wright, Alttestamentler und Vorsitzender des theologischen Arbeitskreises der Lausanner Bewegung paraphrasiert diese Stelle wie folgt:

„You've tasted God's grace and mercy. You are his precious, treasured possession, his very own people. Now then, live by that story. Live out that identity. And live with such attractive abedience of 'good lives', that people will be attracted to the God you worship, and whatever that say about you, they will come to glorify him.“ (5)

Für Petrus basiert unser vorbildlicher Lebensstil, zu dem er uns ermahnt, nicht auf unserem guten Willen oder unserer Ehrfurcht vor Gott – sondern aus der erfahrenen Gnade im Evangelium. Durch das Kreuz, an dem Jesus für unsere Sünden gestorben ist und wir – die wir in uns selbst sündiger sind als wir jemals geglaubt hätten – erfahren dürfen, dass wir in Jesus geliebter sind, als wir jemals zu hoffen gewagt hätten; durch dieses Kreuz haben wir mehr Gnade bekommen als wir jemals messen, beschreiben oder erahnen können. „I'll never know, how much it costs, to see my sin, upon that cross.“ (6) heißt es in einem bekannten Lobpreislied; und das bringt die Sache auf den Punkt.
Wir kennen nicht einmal die tiefen Ausmaße unserer eigenen Sünde – die durch Jesus nicht nur vergeben, sondern für immer weggewischt ist. Wir werden die Kosten, die Jesus getragen haben, niemals auch nur erahnen können. Und das sollte uns dazu führen, gnädiger zu sein, was unsere Mitmenschen angeht.

Vor einigen Tagen habe ich eine Dokumentation über die Westboro Baptist Church gesehen, jene religiöse Gemeinschaft in den USA, die durch ihre beleidigenden, verletzenden und hass-verbreitenden Plakate bekannt geworden sind, die sie mit diebischer Freude bei Beerdigungen (!) von Soldaten hochhalten, die im Krieg gefallen sind. Die Botschaft dieser Gemeinde, die gerade einmal etwa 70 Mitglieder umfasst und aus fast ausschließlich einer Großfamilie besteht, besteht aus Hass, Angst und Beleidigung. Ihr 'Evangelium' (und ich fühle mich schon schlecht, das überhaupt Evangelium zu nennen, denn es ist keine 'Gute Nachricht') besteht aus ihren Werken, ihrer eigenen Heiligkeit. Sie haben nichts von der Gnade Gottes verstanden. (7)
Genau das ist es nicht, wofür wir auf dieser Erde sind. Nun werden wahrscheinlich (hoffentlich!) alle von euch sagen, dass ihr euch ja niemals mit diesen Spinnern identifizieren würdet. Aber eine Überprüfung unserer eigenen Praxis sollten wir uns gefallen lassen. Denn wir sind in unserem Leben doch gerne ziemlich stolz auf das, was wir in unserem Leben erreicht haben – sei es Karriere, akademische Expertise, familiäre Verhältnisse, finanzielle Sicherheiten, moralische Reinheit usw. - und sehen von oben auf die herab, die wir eigentlich Lieben sollten und die in das Königreich Gottes hineinzubeten unser Auftrag ist.
Jesus sagt selber, dass er nicht für die Gesunden gekommen ist – nicht für die Religiösen, die Heiligen und Gerechten – sondern für die Kranken; und das sind die Randgruppen unserer Gesellschaft. Die Menschen, über die unsere Augen schnell hinweggleiten, weil wir sie nicht sehen wollen; weil sie uns die gute Laune verderben. Die Kranken, dass sind die gescheiterten Existenzen; dass sind die einsamen Alphatiere, die so alpha sind, dass sich kein Anderer mehr in ihre Nähe traut; das sind die Frauen (und Männer), die sich gesellschaftliche Akkzeptanz und Liebe erkaufen wollen, indem sie mit vielen Partnern schlafen; es sind die armen Gestalten, die ihre Freude im nächsten Schuss oder Joint suchen oder gerade von einem Trip runter sind und merken, dass die Freude, die Drogen versprechen, nur kurzzeitig anhalten. Es sind diese Menschen, denen wir mit der Gnade Gottes in den Augen, der Leidenschaft und Liebe Gottes in den Herzen und der Missio Dei im Rücken begegnen sollten.
Jesus ist König, Jesus ist Retter. Wir sollten wieder beginnen, diese Gute Nachricht zu verkünden – und nicht mehr nur die schlechte Nachricht, dass alle anderen weniger heilig sind, als wir. Die ist nicht nur schlecht – die ist auch noch falsch. Alles Heilige in uns, ist Christus in uns!

Gods Bless,

Restless Evangelical


(1) Zititert nach: http://www.missionalmanifesto.net/ Für weitere Gedanken zum Missional Manifesto, dem Begriff Missional und den Missio die siehe meinen Artikel: Missional – Reizwort undModewort

(2) Wright, N.T., Justification: God's Plan and Paul's Vision, London 2009, S.19; Ich bin mir bewusst, dass Wright's Neue Paulusperspektive einige Kritik (zu Recht oder Unrecht vermag ich noch nicht zu sagen) eingefangen hat. Nichts desto trotz scheint mir diese Zusammenfassung von Gottes Mission durchaus seine Berechtigung im gesamtbiblischen Kontext zu haben.

(3) a.a.O. S.7.

(4) Sproul, R.C., Die Heiligkeit Gottes, Marburg 1989, S.28

(5) Wright, Christopher J.H., The Mission of Gods People, Grand Rapids 2010, S.127; Dieses Buch war nach Michael Herbst „das Buch des Kongresses“ (Herbst TheoBeitr 11-2, S.75), gemeint ist der Lausanner Kongress für Weltmission in Kapstadt 2010; und bei aller berechtigter Kritik an manchen Verirrungen von 'Sozialer Gerechtigkeit' in evangelikaler Theologie, kann man dieses Buch wohl mit Recht als Repräsentant der aktuellen evangelikalen Missionstheologie verstehen.

(6) Hughes, Tim, Here I am to worship, Thankyou Music / kingswaysongs.com 2000

(7) Es gibt einen Unterschied zwischen Religion und Erlösung, den ich hier gerne machen will. Religion besteht auf Regeln, die zu befolgen dich in den Himmel befördern soll. Erlösung macht deutlich, dass du nichts tun kannst – sondern alles aus Gottes Gnade geschieht. In polemisch-humoristischer, ihm eigener Art, macht Mark Driscoll das in diesem Video deutlich: http://www.youtube.com/watch?v=WXKT8IPdvzA

Montag, 17. Oktober 2011

Meine erste öffentliche Predigt!

Am 9.10.2011 habe ich Zuhause in meiner Heimatgemeinde - der Andreasgemeinde Osnabrück - predigen dürfen. Seit wenigen Tagen ist die Predigt jetzt auch im Internet downloadbar.
Hier könnt ihr die anhören bzw. downloaden.

Ich stelle euch auch noch mein Manuskript hier rein - dann könnt ihr vergleichen, wie viel vom Inhalt geplant war und wie viel geführt!
Wie Jonathan Edwards sagte: Du musst alles ganz genau planen, und wenn der Heilige Geist kommt, bereit sein, alles über den Haufen zu werfen.

Wie ihr seht habe ich mich an das - meiner Meinung nach sehr jilfreiche - EVA-Modell gehalten, dass uns an der FTH vermittelt wird, schon im zweiten Semester, Homiletik 1! Dabei steht E für Erklären, der erste Schritt eines jeden Predigtpunktes muss das grundsätzliche Erklären des Bibeltextes sein. Danach komm V wie Veranschaulichen. Man sollte ein Bild, ein Zitat oder eine Geschichte einflächten, die das erklärte deutlicher macht. Und am Schluss steht die Anwendung, die den Bibeltext auf die Lebenssituation der Zuhörer anwendet.


In diesem Sinne wäre ich Dankbar für alle konstruktive Kritik!


Einleitung

Wer von euch hat Herr der Ringe: Die Zwei Türme gesehen? Einer der wichtigsten Teile dieses Filmes ist die Schlacht von Helms Klamm. Dort haben sich die Menschen versammelt, in einer Burg verschanz. Draußen ist die größte Armee von Orks, die der Kontinent ja gesehen hat. Und alles sieht nach Untergang aus. - Es scheint keine Hoffnung mehr zu geben und es scheint, als würde das Böse gewinnen, als sei es aus für die Menschen und die Helden, die in der Burg gefangen sind.
Doch dann erscheint auf einmal Licht am Boden einer Halle und Aragorn – einer der wichtigsten Figuren in Herr der Ringe – erinnert sich an die Worte des klugen und mächtigen Zauberers Gandalf: „Erwartet mein Kommen beim ersten Licht es fünften Tages. Bei Sonnenaufgang. Schaut nach Osten.“ Und dann reiten sie nach draußen, schlagen noch einige Orks in die Flucht und draußen, auf einem Hügelkamm, steht Gandalf. Und mit ihm gekommen sind 2000 Reiter – und die Schlacht ist gewonnen.
Das ist eine der bewegendsten Szenen in dem Film – und auch in den Büchern. Denn es zeigt die Gebundenheit an die Gemeinschaft. Auch ein Kämpfer wie Aragorn schafft es nicht alleine gegen die Armee des Bösen in dieser Stellung. Er ist angewiesen darauf, dass seine Freunde und Verbündeten ihm helfen.
Paulus ging es ähnlich. Er war ein erprobter Kämpfer seiner Zeit. Er kannte die Waffenrüstung Gottes ein uns auswendig. Kennt ihr das, wenn einem die eigenen Kleider so vertraut sind, dass man die kleinen Löcher auswendig kennt? Paulus kannte die Dellen in seinem Helm des Heils. Er wusste um die schwachen Nähte in seinen Sandalen der Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums. Deswegen fordert er immer wieder die Christen in seinen Briefen auf, für ihn zu beten, mit ihm Gemeinsam vor dem König der Könige zu stehen und zu beten.
Wer von euch eine Bibel dabei hat, kann Römer 15,30 aufschlagen.
Paulus schreibt dort an die Christen in Rom:
„Geschwister, wir sind durch die Liebe, die der Heilige Geist wirkt, miteinander verbunden. Deshalb bitte ich euch im Namen Jesu Christi, unseres Herrn, dringend darum, mir kämpfen zu helfen, indem ihr in euren Gebeten vor Gott für mich einsteht.“
Ausgehend von diesem Text will ich heute drei Dinge mit euch ansehen und euch ermutigen, in eurem Leben umzusetzen.

  1. Wir kämpfen... wegen der Gemeinschaft.
  2. Wir kämpfen... für das Evangelium.
  3. Wir kämpfen... durch das Gebet!

Wir stehen in einem Kampf in dieser Welt. Aber wir sind eine Gemeinschaft, haben einen gemeinsamen Herrn. Er ist der König der Könige, der Herr der Herren. Wir brauchen keine Angst zu haben. Wir haben einen gemeinsamen Herrn, deswegen sollten wir an einer Front kämpfen.

1. Wir kämpfen wegen der Gemeinschaft.
Erklären: Paulus bittet in dieser Stelle nicht einfach nur, dass man für ihn betet. Es ist ein Aufschrei. Er wirft alles in die Waagschale, was er hat, ist euch das aufgefallen? Sowohl den Heiligen Geist als auch Jesus. Wir sind verbunden, sagt er – durch die Liebe, die der Heilige Geist wirkt. Und weil die den gleichen Herrn haben, Jesus Christus, den gekreuzigten Erlöser-König, den wir feiern! Paulus hatte die Christen in Rom nie kennengelernt. Er wollte dort bald vorbeikommen, aber er kannte sie nicht persönlich. Aber trotzdem kann er auf den gleichen Boden bauen. Denn da gibt es die Gemeinschaft, die zwischen den Christen in Rom und ihm herrscht.
a) Der Gemeinsame Herr. Paulus sagt: „im Namen Jesu Christi, unseres Herrn“. Die Christen in Rom sind mit dem gleichen Blut erkauft wie Paulus selbst. Sie gehören zur gleichen weltweiten Gemeinde und glauben an den selben Gott. Das verbindet Paulus mit ihnen. Er ist sich sicher, dass dieser Satz bei ihnen wirklich treffen wird: Wir haben den selben Herrn, den selben König! Wir sind ein Volk, keine Unterschiede mehr zwischen Arm und Reich, Gut in der Schule oder nicht, 'Karrieremensch' oder 'Letzte Reihe Diener'. Wenn wir vor unserem Herrn zusammenkommen, dann sind wir alle gleich und alle eins – dann sind wir sein Volk, dass ihn anbetet.
b) Der gemeinsame Geist. Paulus sagt: „Wir sind durch die Liebe, die der Heilige Geist wirkt, miteinander verbunden“ Für Paulus ist das Konzept der Gemeinschaft keine Theorie. Es geht nicht um leblose Theologische Wahrheit. Denn was im Evangelium deutlich wird, wird durch den Geist lebendig gemacht. Denn durch den Geist, schreibt Paulus, ist uns die gleiche Liebe gegeben. Wir sind durch die Liebe, die der Geist gibt, miteinander verbunden. Seht ihr, wie tief diese Verbindung geht? Wenn zwei Menschen sich lieben, dann haben sie eine tiefe Verbindung. Ich bin immer wieder begeistert, wie Gott das Konzept der Ehe in die Menschen hineingelegt hat. Wenn ich Paar treffe, die schon lange zusammen sind und gemeinsam auf das gleiche Ziel laufen, dann beeindruckt mich ihre Einmütigkeit und vor allem, wie sie sich kennen, und sich auf das Gegenüber abgestimmt haben. Das ist wunderbar zu sehen. Und gleichzeitig ist die Liebe, die uns Christen einen sollte eine viel Tiefere. Denn sie ist nicht 'nur' durch irgendwelche Gefühle und Emotionen hervorgerufen und keine Zweckgemeinschaft. Der Geist wirkt eine Liebe in uns, die tiefer ist als jede menschliche Liebe. Das meinte Jesus, als er in Johannes 17 sagt: „Ich bete, dass sie alle eins sind, und zwar so, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen sie in uns eins sein.“ Wir sollen genau so eins seien, Gemeinschaft haben, wie es bei Jesus und dem Vater der Fall war. Das ist das Ziel für die Gemeinde, dazu befähigt und der Geist, und dazu brauchen wir den Herrn, der am Kreuz hängt, damit wir uns immer auf unsere gemeinsame Grundlage zurückbesinnen. Und das ist Jesus. Wir haben einen gemeinsamen Herrn, Leute! Einen Herrn, nicht viele Grafen. Also sollten wir doch auch an einer Front kämpfen.
Veranschaulichen: Ich finde es immer wieder ein Erlebnis, an einem Sonntag in eine neue Stadt zu kommen. Ich habe immer direkt einen Anlaufpunkt, um neue Menschen kennenzulernen. Ich gucke im Internet nach einer Gemeinde und weiß, dass ich dort Anschluss finden werde: Weil es meine Familie ist. Ich mag dort noch niemanden mit Namen kennen, aber ich weiß, dass wir Gemeinschaft haben, weil uns der gleiche Geist und der gleiche Herr vereint. Kennt ihr nicht dieses Gefühl, wenn ihr auf der Autobahn fahrt, und euch überholt ein Auto mit einem Fisch hinten drauf? Oder ihr sitzt an einem Bahnhof und ihr entdeckt auf dem anderen Gleis eine junge Frau, die in einer Bibel liest? Oder ihr sitzt in einem Schnellrestaurant, und vor euch in der Kasse summt ein junger Mann 'Blessed be your Name' vor sich hin? Ich bekomme dann dieses Kribbeln, weil ich weiß, dass mich mit ihm mehr verbindet als nur die gleiche Autobahn, der gleiche Zug oder der gleiche Appetit auf Fleischbrötchen. Es ist eine Verbindung da, die durch mehr geschaffen ist, als gleiche Interessen und Emotionen, körperliche Angezogenheit oder geteilte Hobbys. Es herrscht der gleiche Geist und noch viel wichtiger, der gleiche Herr, der uns diesen Geist durch seinen Tod am Kreuz ermöglicht hat.
Anwenden: Das bedeutet alles, dass wir ein Volk sind – und sooft sehe ich das nicht wirklich bei den Christen. Wir zeigen keine Gemeinschaft, sondern Gespaltenheit. Damit will ich nicht sagen, dass unterschiedliche Ansichten in manchen Fragen unwichtig sind. Aber ich will damit sagen, dass wir uns oft viel zu ernst nehmen. Wie oft glauben wir, dass an uns das Überleben der Gemeinde hängt, weil wenn die Gemeinde nicht unsere Sicht der Ding annimmt, dann ist sie ja auf einem falschen Weg. Und dann zerstreiten wir uns lieber dadrüber, ob Kinder getauft werden sollten oder nicht, anstatt es in Liebe und Gemeinschaft zu diskutieren. Es gibt soviel unnötigen Streit unter den Christen, der uns daran hindert, gemeinsam zu kämpfen. Dieser Text sagt so deutlich, dass wir einen gemeinsamen Herrn haben, da sollten wir doch auch an der gleichen Front kämpfen. Wir verhalten uns lieber so, als würden wir verschiedenen Grafschaften dienen, die eigene Ziele verfolgen. Wir in Deutschland zur Zeit der Reformation. Jeder kleine Ort war sein eigenes Reich, hatte eigene Steuern – und es gab zwar einen Kaiser, aber irgendwie war man doch eher seinem Landesherren hörig. Aber wir haben einen Herrn, sind durch das gleiche Blut erlöst worden! Versteht ihr, was ich meine? Es ist der gleiche Jesus, das gleiche Kreuz, das gleiche Blut, der gleiche Schrei: 'Es ist vollbracht'. Es ist die gleiche Sünde in uns, die all das nötig gemacht hat! Vor Gott sind wir alle gleich, weil wir nichts zu bringen haben; es ist alles Gnade! Wir sollen eine Gemeinschaft bilden, die vor dem Kreuz auf die Knie geht, ihren Herrn gemeinsam anbetet! Wir haben doch alle den gleichen Erlöser-König, deswegen sollten wir auch an einer Front kämpfen. Und was ist diese Front, wo kämpfen wir?

2. Wir kämpfen für das Evangelium.
Erklären: Paulus schreibt: „[Ich bitte euch], mir kämpfen zu helfen.“ Er bittet die Christen in Rom darum, in einen Kampf mit ihm zu treten. Das Wort, das er hier benutzt, kommt nur einmal vor im Neuen Testament, genau an der Stelle. Aber das Wort kommt von dem Wort für Ringkampf. Einen Kampf im Stadion – das ist unser Kampf, in den wir mir Paulus treten sollen. Aber woher kommt der Kampf? Paulus beschreibt in dem ganzen Kapitel 15 seinen Auftrag als Apostel. Er schreibt zum Beispiel in Vers 15b und 16:
Gott hat mich ja in seiner Gnade dazu berufen, ein Diener Jesu Christi unter den nichtjüdischen Völkern zu sein. Indem ich ihnen das Evangelium Gottes bekannt mache, erfülle ich gewissermaßen einen priesterlichen Auftrag; denn sie sollen eine Opfergabe werden, an der Gott Freude hat, eine Opfergabe, die durch den Heiligen Geist geheiligt ist.“
Für Paulus liegt der Kampf im Evangelium, seinem Dienst an der Guten Nachricht von Jesus. Und ich frage mich, wie oft wie kämpfen für das Evangelium. Wir geben unser Bestes, um nicht negativ aufzufallen. Die Menschen sollen uns nicht für blöde halten, weil wir an Gott glauben. Wir passen unsere Botschaft an die Menschen an, denen wir begegnen. „Ach, die geht es psychisch nicht gut? Dann ist Jesus dein großer Therapeut auf den Wolken.“ „Ach, du hast nicht genug Geld auf dem Konto? Dann ist Jesus dein großer Versorger in deinem Geldbeutel.“ „Ach, das Mädchen, dass du liebst hat dich zurückgestoßen? Dann ist Jesus der große Arzt für dich, der zerbrochene Herzen heilt.“ Versteht ihr, was ich meine? Wir kämpfen nicht mehr, ringen nicht mehr um die Botschaft, die hinter dem Kreuz steht. Wir haben es aufgegeben, zu kämpfen, weil Jesus ja das alles auch sein kann. Aber das große Problem der Menschen, ihre schreckliche Sünde, ihre naturelle Feindschaft gegenüber Gott, haben wir vergessen zu übermitteln. Die Menschen werden nicht gerettet, wenn sie in Jesus ihren Therapeuten finden! Das müssen wir verstehen. Errettung geht nicht vorbei an Erkenntnis der eigenen Sünde und der eigenen Rebellion gegen Gott, Feindschaft gegenüber Gott und einer heiligen, wunderbaren, erfüllenden, liebevollen, leidenschaftlichen Ehrfurcht vor dem Kreuz! „das ist mein Herr, das ist mein Heiland. Ihn liebe ich, ihm will ich dienen“ ER (!) erfüllt mich mir Freude und Glück. Nicht das Geld in meinem Geldbeutel, nicht die Frau, die sich bei mir einharkt (oder der Mann, ihr versteht was ich meine!), nicht der Job, der mir Ehre und Ruhm bringt! Jesus ist alles für mich.
Veranschaulichen: Der amerikanische Pastor Matt Chandler sagt einmal: „Ihr könnt das Evangelium nicht so weit anpassen, dass es nicht länger das Evangelium ist!“ Das Evangelium bleibt ein Anstoß, es bleibt ein Kampf, ein ringen um die richtigen Worte; um die Vollständigkeit!
Aber ich will eines ganz klar sagen: Wir kämpfen nicht gegen Menschen. Diese ganze Sprache von Kampf und Soldaten Christi und so, die wir in der Bibel finden; unsere Feinde sind keine Menschen. Die Menschen sollen wir lieben; ihnen dienen; uns geringer achten als sie. Sie sind nicht unsere Feinde, sondern unsere Menschenbrüder.
Anwenden: Wenn wir Menschen auf der Straße begegnen, wie denken wir über sie? Es sollte für uns keinen Unterschied machen, ob derjenige ein Dach über dem Kopf hat oder im Schlosspark kapiert. Ob sie bei der Sparkasse Geld zählt oder im Hasepark nachts ihren Körper verkauft. Ob er mit Genuß Genmais isst, oder sein Gemüse im Garten anbaut. Ob er CDU wählt oder Die Linke. Ob er seine Frau mit seiner Sekretärin betrügt oder sich jeden Samstag Zeit nimmt, um mit seinen Kindern auszugehen. Ob er das Geld, das er beim Pizzaausliefern verdient, ausgibt, um Rosen für seine Frau zu kaufen oder Schnapps für seine 'Freunde'. Wenn das für euch einen Unterschied macht, dann habt ihr die Gnade Gottes nicht verstanden – er hat uns geliebt, als wir noch Sünder waren. Wir haben ihm die Feindschaft erklärt – und wie oft sehen wir das immernoch in unserem Leben durch das, was wir tun und lassen. Und er hat uns schon genug geliebt, um selbst für uns zu sterben – ist euch das eigentlich bewusst? Wir denken immer, dass es ja nicht zumutbar ist, mit einem stinkenden Obdachlosen in einem Rastaurant zu sitzen und ihm bei einem Mittagessen von der überwältigenden Liebe und Heiligkeit Gottes zu erzählen. Das ist ja nicht zumutbar, das eine ganze Stunde zu riechen. Aber für Jesus was es zumutbar, für dich am kreuz zu sterben? Zu verbluten? Angespuckt und verspottet zu werden? Am Kreuz zu hängen, festgehalten durch Sägel in Händen un Füßen? Das ist zumutbar? Das hat er für dich getan!
Ist Jesus dein Rollenmodell? Willst du wirklich werden, wie Jesus war? Das bedeutet nämlich, dass wir auf die Knie gehen, uns den Menschen die Füße waschen. Das bedeutet, dass wir mit den Säufern, Prostituierten und Obdachlosen rumhängen – das ist der Kampf, von dem Paulus redet. Es geht um den Kampf, der eigenen Genügsamkeit kleinbei zu geben und sich lieber in sein Wohnzimmer zu verkriechen, als auf der Straße zu stehen.
Natürlich ist hier auch von einem geistlichen Kampf die Rede. Es gibt auch einen Feind, der unsere Bemühungen vernichten will, der will, dass wir kleinbei geben. Das ist gar keine Frage. Aber Wir benutzen das viel zu oft als Ausrede. Erstmal müssen wir unsere Angst besiegen – und dann die Angriffe des Feindes. Wir haben einen wunderbaren Herrn, der für uns gekämpft hat. Und das hier ist unsere Front, an der wir kämpfen sollte: Gemeinsam für das Evangelium, für den blutenden Erlöser-König.

3. Wir kämpfen durch das Gebet!

Erklären: Paulus schreibt: „[Kämpft mit mir], indem ihr in euren Gebeten vor Gott für mich einsteht.“ Das ist die Waffe, die wir haben. Wir kämpfen mit Paulus, mit unseren Gemeindeleitern und unseren Ältesten, nicht indem wir uns ein Küchenmesser in die Handtasche stecken oder Pfefferspay bei uns tragen. Wir haben eine Waffe bekommen von Jesus, um im Kampf durchzuhalten: Das Gebet! Ihr habt ja schon viel darüber gehört, aber ich will euch auf einen besonderen Aspekt noch einmal hinweisen. Warum beten wir eigentlich? Es ist doch so, dass Gott das alles schon weiß. Er ist allwissend! Er ist souverän über diese Welt – das bedeutet, dass diese Situation nicht außerhalb seines Wirkens liegt. Warum beten wir dann? Sicher nicht, um ihn zu informieren, was wir brauchen.
In Jesaja 62,6-7 steht folgendes:

„Ich habe Wächter auf deine Mauern gestellt, Jerusalem! Ihr Rufen verstummt nicht einen Augenblick, weder am Tag noch in der Nacht. Ihr Wächter sollt Jahwe an Jerusalem erinnern! Gönnt euch keine Rast, und lasst ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder so hergestellt hat, dass alle Welt die Stadt rühmt.“

Hört ihr Gott rufen? Lasst mir keine Ruhe! Vorher hat er in dem Kapitel schon alles genannt, was er machen will. Und trotzdem sagte er: Lasst mir keine Ruhe! Hört nicht auf mit zu fragen, mich damit zu bestürmen, an meine Tür zu klopfen immer und immer und immer wieder, bis ich euch geantwortet habe!
Gott liebt es, von uns gebeten zu werden. Er genießt unser Bitten, weil es Kommunikation ist – und Anbetung seiner Allmacht!
Veranschaulichen: Es gibt ein äthiopisches Sprichwort, das heißt: „Viele Spinnen können einen Löwen festbinden.“ Und damit kommen wir zurück zu der Gemeinschaft, zu dem Kampf. Die Bibel sagt uns, dass der Teufel sich manchmal aufführt wie ein brüllender Löwe. Und jetzt stellt euch vor, was viele Leute im Gebet bewirken können. Wir können den Löwen festbinden, weil wir Gott auf unsere Seite haben. Francis Chan beschreibt einmal die Sicherheit bei Gott im Bezug auf Angriffe. Er sagt:
„Und dann gibt es Menschen, die sich gegen mich erheben und ich sage: „Du willst dich gegen mich erheben? Na los, komm schon. Aber ich sage dir, das wird lächerlich werden, weil mein Gott mich beschützt. Du kannst mir gar nichts anhaben. Ich habe meinen Gott – und er kümmert sich immer um mich.“
Ich will nicht sagen, dass uns niemals etwas passieren kann – aber wir haben Jesus. Auf unserer Seite! Für uns. Und wenn Menschen sich gegen uns erheben, ist er immer unsere Zuflucht und am Ende bleiben wir hier für sein Königreich oder gehen schon ein in die Ewigkeit. Er kämpft auf unserer Seite.
Anwenden: Und jetzt sehr eure Gemeinde an, überlegt wie ihr teil habt an dieser Bewegung, an dieser Kraft, die Gott uns gibt. Sollten wir nicht auf den Knien legen und mit den Christen in der ganzen Welt für das Evangelium kämpfen? Um uns herum gehen die Menschen verloren – und wir haben eine mächtige Waffe. Aber wir benutzen sie nicht. Wir verlassen uns auf unseren Verstand. Wir verlassen uns auf das Anpassen des Evangeliums an unsere Kultur, unsere Bedürfnisse. Aber wir haben so eine mächtige Waffe – das Gebet. Wir können damit den Löwen binden, wir können damit Teil haben an Gottes Mission auf dieser Erde. Versteht ihr die Tragweite davon. Gott braucht uns nicht um ans Ziel zu kommen. Aber er liebt es, wenn wir ihn bitten, wenn wir vor ihm auf den Knien sind. Er genießt es, wenn wir zu ihm rufen. Und dann lässt er uns teilhaben an dem, was er tut!

Schluss
Stellt euch vor, was aus dieser Gemeinde werden kann, wenn sie auf den Knien liegt. Die amerikanische Rockband Petra hat eine Songzeile, in der sie singen: „Geh auf deine Knie und kämpfe wie ein Mann!“ Stellt euch vor, welche Macht uns in die Hand gelegt ist, wenn wir nur bereit sind zu kämpfen. Es gibt da eine Front, und wir sollten an ihr kämpfen. Die wichtigste Waffe, die wir haben, ist das Gebet. Und die Botschaft, die wir haben, ist ein Anstoß für die Menschen. Aber in ihr liegt auch die Hoffnung für die Welt – für jeden einzelnen Menschen. Der gekreuzigte Erlöser-König ist die Hoffnung für die Welt. Das Kreuz, das Blut, der Schrei, das Lamm, dass für uns geopfert ist. Es ist es wert, dafür zu kämpfen. Jesus ist es wert, dass wir ausgelacht werden. Er ist es wert, dass wir verjagt werden. Er ist es wert, dass wir verspottet werden. Er ist es wert, dass wir unser Leben geben, damit seine Ehre groß gemacht wird. Er ist es wert, dass wir ihm dienen.
Wir haben einen gemeinsamen Herrn – lasst uns an einer Front kämpfen!

Dienstag, 11. Oktober 2011

Jesus, fülle alles aus!

Von modernen Lobpreisliedern und ihrer Reichhaltigkeit

Moderne christliche Musik ist und bleibt ein heißes Eisen. Man will es kaum glauben. Wo mittlerweile sogar im Liederbuch 'Loben' des – sonst über allen Zweifel erhabenen – CLV Lieder von Albert Frey zu finden sind. Doch es scheint immer noch große Diskussion darüber zu geben, welche Instrumente im Gottesdienst überhaupt erlaubt sind; und ob es auch Texte sein dürfen, die nicht schon 6000 Jahre alt sind (und das ist nicht abschätzig, wer könnte die Psalmen nicht gerade wegen ihrer Reichhaltigkeit lieben?).

Die zwei Reaktionen

Wenn man über moderne christliche Musik redet, dann kann man dabei zwei Reaktionen erwartet. a) Die eine findet man eher in konservativen Spektrum der Evangelikalen. Darin wird meistens vor den Gefahren in modernen christlichen Liedern gewarnt. Sie seien nicht so tief und theologisch klar wie die alten Lieder von Paul Gerhard und Martin Luther himself. Außerdem hegt man manchen Zweifel an den Musikinstrumenten, die dabei benutzt werden. Hat ein Schlagzeug nicht irgendwas mit afrikanisch-heidnischen Rhytmen zutun? Kann man eine E-Gitarre überhaupt noch als Musik-Instrument bezeichnen? Und führt uns das nicht alles dazu, am Ende U2 zu hören, die doch auch irgendwie schräg sind und für eine Welteinheitsreligion eintreten? Kommt diese ganze Popmusik nicht auch aus einer Bewegung, die angefangen hat, Werte bezüglich der Sexualität, der Familie und solcher Dinge zu untergraben? Das sind Fragen – bzw. Anfragen – an die moderne christliche Musik, die immer wieder gestellt werden.(1)

b) Die andere findet man vor allem bei jungen Evangelikalen und dem charismatischen Zweig der evangelikalen Bewegung. Das Problem hier, ist, dass oft Lobpreislieder reflektionslos übernommen werden, weil ein bekannter Name drunter steht. Man macht sich oft keine Gedanken mehr darüber, was man singt, sondern achtet dadrauf, dass das Schlagzeug mitreißend ist und die E-Gitarre genug Solos bekommt, zu denen man tanzen kann. Oft ist die Kritik, die aus dieser Ecke an herkömmlichen, traditionellem Liedgut geübt wird, ebensowenig stichhaltig. Kann man das denn heute überhaupt noch verstehen? 16 Strophen kann man doch nicht singen, so lange kann man sich gar nicht auf einen Text konzentrieren! Solche und ähnliche Kritik macht sich dann mehr an der äußerlichen Form fest als auf den Inhalt zu sehen, der bei vielen alten Liedern so reich und erstaunlich aktuell ist.

Was ist eigentlich der Punkt?

Lobpreis-Musik ist eine Form, Gott anzubeten. Aber es sollte nicht dazu kommen, dass wir nur die Lobpreiszeit in unserer Gemeinde als Punkt unserer Anbetung Gottes verstehen. Der Titel Lobpreisleiter ist dementsprechend irrführend. Lobpreis und Anbetung ist ein Lebensstil, der sich in vielen Dingen niederschlägt – nicht nur und auch nicht vor allem in der Musik.
D.A. Carson schreibt:

I would abolish forever the notion of a 'worship leader'. […] [T]o call the person a 'worship leader' takes away the idea that by preaching, teaching, listening to and devouring the word of God, and applying it to our lives, we are somehow not worshipping God.“(2)

Lobpreis und Anbetung bedeutet, dass wir uns darum bemühen, in jeder Minute unseres Lebens nach der Verherrlichung unseres großen Gottes zu streben. Das tun wir, wenn wir uns mit der Bibel beschäftigen, in der er sich in einzigartiger Weise offenbart hat; das tun wir, wenn wir mit ganzem Herz und ganzem Verstand Lieder zu seiner Verherrlichung singen, in denen es um seine großen Taten, unsere Erfahrung mit ihm auf unserer Reise zur Herrlichkeit, und um seine Offenbarung geht; und das tun wir, wenn wir uns nach seinem erklärten Willen richten, in dieser Welt für einen gerechten Lebensstil eintreten und diesen vorleben. In Abgrenzung zur gefallenen Welt, die nach dem eigenen Vorteil sucht, anstatt den Anderen zu unterstützen.
Lobpreis hört also nicht mit dem letzten Akkord auf, sondern setzt sich auf dem Weg zwischen dem Altar und der Tür fort in unseren Alltag; in jede Minute unseres Lebens. Wenn wir also über den Musikstil diskutieren, dann handelt es sich dabei einzig um einen Teilaspekt einer viel größeren Geschichte, die unser Leben erzählen soll. Es ist ein 'open-hand issue', wie Mark Driscoll es bezeichnen würde. Und dabei sollten wir es belassen. Wir sollten nicht mehr daraus machen, als es eigentlich ist; es zum fremden Feuer werden lassen, dass die Söhne Aarons niedergestreckt hat. Es gibt Jesus-liebende, Bibel-lesende, Evangeliums-zentrierte, Gott-verherrlichende Leute auf beiden Seiten der Debatte. Lasst uns das als wichtigsten Punkt festhalten. Denn es ist erstaunlich, wie gerade diejenigen, die am meisten vor einem Emotionalismus, der angeblich durch das moderne Liedgut gefördert wird, warnen, am emotionalsten reagieren, wenn es um dieses Thema geht. Und davor sollten wir uns hüten.

Das Problem mit den Emotionen

Vor ein paar Tagen saß ich mit zwei lieben Freunden in einem Cafe und wir haben uns über Jugendgottesdienste unterhalten. Die Frage kam darauf, ob Jugendgottesdienste nicht emotional zu sehr manipulierend sind, wenn sie die Musik auch noch mit Lichteffekten etc. in Szene setzen.
Ähnliches scheint über die moderne Musik generell gedacht zu werden. Sie manipuliere die Emotionen auf eine Weise, dass sie die Kontrolle über unsere Gedanken und unser Verhalten übernimmen könne. Aus Angst vor einem übertrieben Emotionalismus hat sich in manchen Gemeinden eine emotionsfeindliche Atmosphäre eingeschlichen, die die Anbetung voll und ganz unter die Schirmherrschaft des Verstandes stellt. Musik (und Predigt) soll den Verstand des Menschen ansprechen, nicht deren Emotionen. Mehrmals wurde mir in diesem Zusammenhang auch gesagt, dass Emotionen zu dem 'gefallenen Teil' der menschlichen Natur gehören; zu leicht zu manipulieren sind; nicht zuverlässig eine Grundlage für eine langzeitliche Beziehung mit Jesus legen, weil sie so flüchtig sind.
Aber damit greift man wesentlich zu kurz. Denn Emotionen können durch aus langanhaltend sein. Man denke nur an die Ehe. Was wäre eine Ehe, wenn nicht jahrelange Emotionen eine Rolle spielen? Es ist natürlich klar, dass Emotionen (auch in der Ehe) nicht immer auf einem absoluten Hoch schwimmen – und das sollte auch nicht unser Ziel in der Anbetung, besonders unserer Anbetungsmusik sein.
Bob Kauflin schreibt:
„The affections we're seeking to stir up are more than fleeting, shallow, self-induced emotions. We aren't trying to excite people for the sake of excitement. […] Godly affections are deep and long lasting. They're the result of focusing on what God has done and who he is.“ (3)

Damit steht er auch nicht alleine. Er ist damit in einer Reihe mit dem großen Erweckungsprediger Jonathan Edwarts, der es als seine Pflicht angesehen hat „[to] raise the affections of my hearers as high as I possibly can, provided they are affected with nothing but truth“.(4)
Es sind also nicht wirklich die Emotionen, die das Problem darstellen. Wie sollten sie auch. Niemand stört sich darüber, dass John Piper mit unübertroffener Leidenschaft predigt und dadurch die Zuhörer mitreißt. Denn es ist offensichtlich, dass er die Zuhörer damit in eine positive Leidenschaft für eine gesunde, biblisch-begründete, geschichtlich-bestätigte Theologie führt.
Er sagt einmal selbst: „They´re not going to embrace your theology unless it makes their hearts sing“ (5)
Emotionen sind nicht das Problem, sie gehören zu uns Menschen dazu – wir sind als emotionale Wesen geschaffen. Aber in unserer Anbetung – unserer Predigt genauso wie unserer Anbetungsmusik – muss sich rationale Wahrheit mit emotionaler Annahme immer die Waage halten. Wenn wir eines überbetonen, dann kommen wir in ein ungesundes Ungleichgewicht. Bob Kauflin berichtet:

When we helped start a church in Charlotte, North Carolina, we often heard the same complaint from visitors. It went like this.
There are two kinds of churches in town. The first loves expository preaching, Bible study, and theology. But there's no life. People seem cold and unaffected by the teaching.
The second kind is warm and friendly and sings passionately. But there's not truth. Scriptures are often taken out of context, and spontaneity is everything.
Obviously, I knew people were exaggerating. But churches can have a hard time connecting the knowledge of the mind with the passions of the heart. Yet they're integrally related. And both are crucial to biblical worship.“ (6)

Wir sollten dabei nicht in ein Extrem oder das andere rutschen. Auch die Reformatoren wussten das. Sie haben von zwei Teilen gesprochen, die auf dem Weg zum rettenden Glauben zentral ist. Das 'Was' des Glaubens ist die kognitive Wahrheit, die man mit dem Verstand begreifen muss. Aber daraus folgt und dadurch wird hervorgerufen das 'Wie' das Glaubens, und das ist, wie es Luther ausdrückte, das fröhliche Dafürhalten. Es ist also nicht nur eine unrealistische Vorstellung, dass Lobpreis ohne langanhaltende Emotionen durchgeführt werden kann, es wäre sogar schädlich für den Glauben. Denn sowohl die Wahrheit des Verstandes als auch die Leidenschaft des Herzens sind zentrale Bestandteile unseres Glaubens – und biblischer Anbetung.
Der christliche Apologet Ravi Zacharias schreibt:

For too long we have forced a dichotomy between fact and feeling and have unwittingly bought into systems of thought that held on to the one while doing disservice to the other. Voltaire once remarked that all of man's miseries are a reflection of his grandeur. In other words, our senses and sensations can and ought to be joint indicators of the eternal and the true.“ (7)

Wenn man in der Tiefe nach flachem Gewässer sucht

Die Frage bleibt also, ob die Emotionen, die uns im Lobpreis ereilen, auch wirklich Leidenschaft für theologische Wahrheit öffnen, oder nur eine Anbetung des eigenen Egos darstellen, weil sie einer Erlebniskultur innerhalb der Gemeinden Tür und Tor öffnet (oder schon geöffnet hat). Denn dieser Vorbehalt gegen moderne Lobpreismusik bleibt.
Denn es scheint dies sogar in die Predigten vorgedrungen zu sein.
Vor einigen Tagen war ich in Berlin auf dem Eröffnungskonzert einer Konferenz der 'Jesus Culture' Band in der (extremcharismatischen) Gemeinde auf dem Weg. Der Lobpreis war wirklich ansprechend – emotional und doch hatten viele Texte wirklich Tiefgang. Und auch das, was die Lobpreisleiterin Kim Walker-Smith zur Einleitung gesagt hat, was beeindruckend. Denn ganz dem biblischen Zeugnis gemäß hat sie deutlich gemacht, dass Lobpreis sich nicht um Instrumente, Menschen, Lieder oder Melodien dreht. Sondern, dass es ein Ausdruck der Beziehung zwischen Gott und dem Menschen ist, eine Beziehung, die wir feiern wollen durch die Musik.
Doch die Predigt zeigte wenig von der biblischen Tiefe. Dabei wurde viel auf Emotionen gesetzt, die durch den Stil, die Zitate und die Musik im Hintergrund hevorgerufen wurde – sondern schmerzlich wenig vom Gott der Bibel geredet; die ganze Predigt drehte sich um Menschen – denn damit ist ja auch mehr Emotion bei den Zuhörern herauszuholen.
Aber das sollte ja gerade nicht unser Ziel sein. Wir sollten Emotionen deswegen haben, weil unsere Theologie die Größe und Herrlichkeit unseres Gottes wiederspiegelt. Weil wir immer mehr begreifen, wie tief die Gnade Gottes ist und wie viel Erfüllung in der Anbetung dieses Gottes liegt – deswegen sollten wir feiern und tanzen und fröhlich sein. Und nicht, weil die Atmosphäre zu emotional ist. Doch es ist einfach, diese Flachheit dann in den Liedern zu suchen. Ich denke aber, dass es den Liedern nicht gerecht wird.
Collin Hansen zitiert Piper in seinem Buch folgendermaßen:

It's pretty common to hear Reformed leaders lament modern preise music. They bemoan forgotten hymns, shallow theology, and repetitive refrains. But you won't hear Piper complain – at least not about the good stuff. 'The worship songs that are being written and sung today are about a great God,' he said. 'They have set the stage for the theology. I still don' understand why many churches don't follow that with preaching that gets the theology of the songs. But at least for the Passion Movement, that music is very God-exalting. The things that nineteen-year-olds are willing to say about God in their songs is mind-boggling.“ (8)

Ist euch aufgefallen, dass Piper nicht nur seine Theologie in den Liedern bei der Passion Conference wiederfindet – sie haben sogar den Weg geebnet für die Rückkehr tiefer theologischer Wahrheit in vielen jungen Leuten auf der ganzen Welt – der sogenannten neu-calvinistischen Bewegung. Die Lieder – mindestens die aus der Passion Bewegung – sind nicht Ausdruck, sondern Wegbereiter von tiefer Theologie, die Emotionen hervorruft, die für immer andauern, die auf die Ewigkeit ausgerichtet sind. Es wäre jetzt einfach, viele Lobpreislieder zu zitieren und ihren Inhaltsreichtum deutlich zu machen – aber das soll weiterhin die Arbeit und Leidenschaft jedes einzelnen sein.
Wichtiger finde ich auf eine Unterscheidung aufmerksam zu machen, die Bob Kauflin in seinem Buch macht. Er unterscheidet in den Lobpreisliedern zwischen 'subjektiver Wahrheit' und 'objektiver Wahrheit'. Und bevor jetzt alle Mauerwächter schlange stehen, weil sie Auswüchse der Emerging Church und der Postmoderne wittern: Nein, Kauflin behauptet nicht, dass Wahrheit subjektiv ist. Lasst es mich erklären.
Kauflin sagt, dass wir Menschen manche Dinge mit bestimmten Liedern verbinden und sie dementsprechend interpretieren. Doch dass sind keine Erkenntnisse, die jeder aus dem selben Lied zieht – sondenr subjektive Erfahrungen, die wir mit Jesus hatten oder die uns im Leben ereilt haben, und die wir mit dem Lied verbinden.
Unser Fokus aber – für die Anbetungsmusik im Gottesdienst und den öffentlichen Zusammenkünften in der Gemeinde, sollten immer solche Lieder sein, die ganz deutlich objektive Wahrheit Gottes aussprechen. Viele solcher Wahrheiten finden wir in den alten, traditionellen Liedern. Aber man muss deutlich sagen, dass sie nicht nur da zu finden sind! Musiker wie Keith und Kristyn Getty, Stuart Townend, Matt Redman, Tim Hughes, Shane & Shane, Mark Hall und die Casting Crowns und viele mehr bemühen sich dadrum, ihre Lieder von der biblischen Wahrheit und dem Kreuz abzuleiten. Wie viel ärmer wären wir in den Gemeinden, wenn wir nicht 'In Christ Alone', 'Who am I' oder 'Wir halten hoch das Kreuz' singen könnten? Und wie viel ärmer wären wir ohne Paul Gerhard und Isaac Watts? Die Auswahl zwischen traditionellem und modernem Liedgut sollte sich immer die Waage halten – sodass möglichst viel subjektive Erfahrungen mit den ebjektiven Wahrheiten Gottes gekoppelt werden.
Bob Kauflin schreibt:

This issue is far more than hymns versus contemporary choruses. Some hymns are sentimental and feeling-oriented; some contemporary songs are rich with theological content. The real issue is pastors and worhip leaders taking responsibility for what their churches are singing, leading them wisely in truth-based affections, and making sure good fruit is being produced.“ (9)

Anbetung des Ego oder Anbetung Gottes?

Immer wieder finde ich mich mit der Anschuldigung konfrontiert, dass moderne christliche Musik nur das eigene ego streichelt und nicht mit Anbetung Gottes zutun hat.
Ein bekannter christliche Blogger zitierte vor einigen Tagen ein (zugegebener Maßen theologisch im höchsten Grade fragwürdiges Lied, dass aber weder besonders verbreitet, noch besonders bekannt ist) und zählte die Pronomen im Text, die sich auf 'mich' bezogen. In dem kurzen Text kam er auf eine beachtliche Zahl. Diese einfache Analyse reichte ihm, um dem Lied (und mit ihm geradewegs die ganze moderne christliche Musikszene) Egoismus zu attestieren. Aber ich wundere mich, ob das wirklich so einfach geht.
Ich möchte wieder Bob Kauflin zu wort kommen lassen:

Don't assume that a song that uses a lot of first-person pronouns is man-centered. Psalm 86 uses the personal pronouns 'I', 'me' and 'my' thirty-one times in seventeen verses, But you're never left wondering who the focus is. God delights in strong emotions that are a response to revealed realities.“ (10)

Es ist wichtig zu betrachten, wo bei einem Lied der Schwerpunkt liegt: ob es die eigene Erfahrung, die Selbstverwirklichung ist; oder ob es die Anbetung unseres großen Gottes ist. Dabei sollten aber nicht nur oberflächliche Wortklauberei den Ausschlag geben. Es gilt den Sinn hinter dem Lied zu verstehen. Auch die Länge eines Liedes hat wenig Aussagekraft über den Fokus des Liedes – man denke nur an Psalm 117 mit genau 2 Versen. Nein, es gilt das Lied zu betrachten. Und da findet man sowohl in dem alten EKD Kirchengesangbuch Lieder, die die eigene Erfahrung mehr betonen wie im neuen Feiert Jesus! 4. Aber beide Liederbücher enthalten auch ein Füllhorn an Liedern, die zum Ziel einzig die Ehre Gottes hat.

Schluss

Lobpreislieder sind und bleiben eine spannende Sache. Jedes Jahr kommen viele neue Lieder auf den Markt. Viele wirklich gute, manche weniger Gute und sicher auch einige wirklich Schlechte. Die Aufgabe des Lobpreisleiters bleibt es dabei, die Gemeinde mit Musik zu versorgen (im Gottesdienst und für den Alltag), die die Größe Gottes zum Thema haben, vollgesogen sind mit objektiver Wahrheit über Gott und die durch diese Wahrheit Emotionen in den Menschen hevorrufen, die für die Ewigkeit ausrüsten.
Doch wir sollten bei der ganzen Frage, dem Kampf um das richige Verhältnis und der Auswahl der Lieder immer im Kopf behalten, dass es sich dabei um eine Frage handelt, die unter Christen gerne diskutiert werden kenn – aber nicht zu Spaltung führen sollte. Es ist ein 'open-hand issue' und wir sollten uns vorsehen, die Hand zu schnell zu schließen.
Keine Seite der Debatte ist außerhalb – solange unser Ziel ist, die Beziehung zu dem Gott zu festigen, der so Gott-zentriert ist, dass er uns nicht in unserer Sünde sitzen lassen konnte – versauernd in Feindschaft gegen ihn – sondern der seinen eigenen Sohn gegeben hat, damit wir in der Lage sind, ihn für immer anzubeten; und dadurch kommen wir unserem Ziel nach, für das wir geschaffen sind: die Verherrlichung Gottes; durch unser Leben, unsere Gebete, unser Bibelstudium, unsere Predigten, unsere Blogs und unsere Bücher – und auch immer wieder durch die Lieder, die wir für ihn singen.

Gods Bless,

Restless Evangelical

(1) Zum Beispiel in 'Lobpreis bis zum Abwinken' von Dan Lucarini und 'Fremdes Feuer im Heilgtum Gottes' von Rudolf Ebertshäuser (letzterer hat auch ein längeres Kapitel in seinem Buch 'Die Charismatische Bewegung aus Sicht der Bibel' diesem Thema gewidmet) sind in Deutland bekannte Außenposten dieser Ansicht.

(2) Interview von Tony Payne mit D.A. Carson. „Is the Church a house of worship?“, The Briefing #237, Mai 1999, MatthiasMedia, zitiert nach: http://beginningwithmoses.org/bt-articles/206/is-the-church-a-house-of-worship

(3) Bob Kauflin, Worship Matters, Crossway, S.166

(4) Jonathan Edwards, The Works of Jonathan Edwards, Vol.4, ed. C.C.Goen, Yale University Press, S. 387

(5) Collin Hansen, Young Restless, Reformed, Crossway, S.17

(6) Bob Kauflin, Worship Matters, Crossway, S.165

(7) Ravi Zacharias, Crys of the heart, Thomas Nelson, S. XV

(8) Collin Hansen, Young Restless Reformed, Crossway, S.20

(9) Bob Kauflin, Worship Matters, Crossway, S. 168

(10) Bob Kaufling, Worship Matters, Crossway, S.101