Dienstag, 15. November 2011

World of Pulpit Nr. 7 - ein Online Predigt Gathering


Nachdem mein letzter WOP schon wieder einige Zeit her ist, habe ich gestern mal wieder eine Predigt gehört, die ich wert finde, an dieser Stelle zu präsentieren.
Sie ist wieder – wie mein letzter WOP – von Andy Stanley und trägt den Titel 'Be Rich'.
Für alle, die jetzt erschreckt zurückschrecken und sich fragen, ob Joel Osteen in meiner Rangliste jetzt John Piper abgelöst hat, dem kann ich beruhigend zuraunen – wenn auch nicht laut aussprechen: John Piper ist noch immer mein größtes Vorbild.
Nein, nicht Joel Osteens Götzendienst ist gegenstand dieser Predigt, sondern der richtige Umgang mit Reichtum.

1. Vorbereitung auf kommenden Wohlstand

In einem Lang wie Amerika, noch mehr in einer Großstadt wie Atlanta, ist es nicht weit hergeholt, davon auszugehen, dass manche in einer Versammlung von 24.000 Leuten (plus diejenigen, die über Internet zuhören) in naher oder ferner Zukunft reich sein könnte.
Andy sagt, dass er will, dass seine Gemeindemitglieder vorbereitet sind, wenn sie eventuell reich werden. Das Problem wäre nämlich, so Andy, dass die meisten Reichen in Amerika (und hier kann man auch problemlos Deutschland einfügen) nicht wirklich gut darin sind, reich zu sein.
Reich sein, viel Geld zu besitzen, bedeutet immer auch, über eine große Macht zu verfügen. In dem ebenso dicken wie grandiosen Roman 'Eine Billionen Dollar' macht der Autor Andreas Eschbach auf die unglaubliche Macht aufmerksam, die hinter einer Menge Geld steckt.
Vor allem aber sollten wir unseren Blickwinkel wieder zurecht rücken. Vor wenigen Tagen stand ich mit einem lieben Freund an der FTH und wir haben uns überlegt, wie viel Geld man wohl so als Theologe verdient. Wieviel unsere Dozenten verdienen, und ob sie nach westlichen Maßstäben 'viel' verdienen. Das können wir natürlich nicht wissen und ich bin dankbar für den hervorragenden Job, den unsere Dozenten für uns tun.
Aber Andys Fragen in dieser Predigt haben mir die Situation noch einmal vor Augen geführt und mich fragen lassen, was ich mir dabei eigentlich denke?
Andy sagt, dass reich zu sein bedeutet, dass man nicht mehr genau weiß, wie viel Geld man hat; dass man genug Geld hat, dass man es irgendwo herumliegen lässt. Das ist die sprichwörtliche Portokasse. Dass nicht viele von uns davon einen 3er BMW bezahlen (ich hab mal meinen Aschenbecher im Auto geleert), ist klar. Aber alleine die Tatsache, dass ich immer mal fünf Centstücke aus versehen mit aufsauge, wenn ich mein Zimmer aufräume, sollte mir zu denken geben. Fünf Cent mögen bei uns nicht viel sein. Aber im relation dazu, dass eine ganze Menge Menschen auf dieser Erde mit weniger als 1 Euro pro Tag auskommen müssen, bekommen fünf Cent eine ganz andere Dimension.
Wer genug Geld hat, dass er nicht mehr auf die Stellen hinter dem Komma auf dem Kontoauszug achtet; wer genug Geld hat, dass er zu faul ist sich zu bücken, wenn ihm zwanzig Cents aus der Hosentasche fallen und sie einfach liegen lässt; wer genug Geld hat, soviel Brotbelag zu kaufen, dass er gar nicht alles essen kann (!) nur um der Auswahl wegen; der hat auch genug Geld, um es mit anderen Menschen zu teilen.

2. Die wichtigste evangelistische Methode

Was Andy in dieser Predigt über die Anfänge des Christentums sagt, ist natürlich verkürzt. Es gibt viele Faktoren, die dazu geführt haben, dass das Christentum zu dem geworden ist, was es ist; im positiven wie im negativen. Man sollte auch die geistliche Dimension dabei nicht außer acht lassen, dass Gott als souveräner Herrscher des Universums die Macht hat, sein geistliches Volk zu erhalten: auch und gerade durch schwere Zeiten hindurch.
Aber Andy trifft trotzdem bei einem wichtigen Punkt ins Schwarze. Das Christentum hat sich auch (!) so stark ausgebreitet, weil sich die ersten Christen um die Armen und Randgruppen der Gesellschaft gekümmert haben. Sie haben nicht in erster Linie die etablierten Geschäftleute, die gehobene Mittelschicht oder die Akademiker 'evangelisiert', sondern die, die am Rand der Gesellschaft standen. Vor allem aber haben sie bei diesen Leuten am meisten Einfluss bekommen; diese Menschen waren es, die nach Jesus geschrien haben – nach einem, der sie so sehr geliebt hat, dass er sich selber für sie geopfert hat; nach einem, der ihnen gleich geworden ist.
Jesus steht nicht in der Mitte der Akademiker und sagt zu uns: Geht dort hin zu den Armen und verwundeten. Jesus steht unter den Verwundeten und sagt: Kommt her, hier bin ich!
Wir werden nicht gerecht, wenn wir gute Taten tun; aber weil wir gerechtfertigt sind aus der Gnade Gottes heraus, deswegen entwickeln wir einen gnädigen Lebensstil. Das bedeutet, nicht die Nase zu rümpfen, wenn jemand stinkt, weil er sich seit Wochen nicht gewaschen hat.
Vor einigen Tagen war jemand bei uns im Plenum in der FTH, der von den 'Dimensionen eines gesellschafts-relevanten Gemeindebaus' berichtet hat. Er sagte dabei, dass wir durch unsere guten Taten vielleicht keine Evangelisation durchführen, aber die Atmosphäre schaffen, in der Evangelisation erst möglich wird.
Es mag sein, dass manche auf rein intellektuelle Art und Weise gerettet werden; sie verstehen das Konzept eines gerechten Gottes, erkennen ihre Schuld und glauben dem Evangelium. All das kann bei manchen eine rein rationale Sache sein.
Ich bezweifele aber, dass das bei den meisten Menschen so ist. Liebe Freunde, die meisten Menschen, die mit euch reden, haben kein Interesse an NT-Einleitungsfragen oder an einer genauen Entfaltung der 'übertragenen Gerechtigkeit'. Beides ist wichtig, das letzte sogar zentral.
Wenn wir aber den Menschen in erster Linie zuhören und eine Atmosphäre schaffen, in der sie erkennen: Hier bin ich sicher, hier bin ich angenommen, hier bin ich zuhause; dann ist es auch wesentlich einfacher, auf seelsorgerliche und einfühlsame Weise mit den Menschen über ihr Sündenproblem zu sprechen und ihnen den Ausweg zu zeigen. Wenn wir in den Menschen nicht in erster Linie ein Missionsobjekt sehen – oder schlimmer noch: ein Mitglied für unsere Gemeinde – sondern einen Menschen, der jenseits von Eden vollkommen verloren ist in dem Götzendienst, den er Selbstverwirklichung nennt.
Genau darum geht es, wenn wir und für Gerechtigkeit in der Welt, in unserer Stadt oder auch nur in unserem eigenen Kaufverhalten einsetzen!
Ich träume davon, dass es nicht mehr lange dauert, bis die Menschen wieder auf die Christen sehen und sagen: Das Problem ist, dass sie sich nicht nur um ihre Armen kümmern – sondern auch um unsere!

3. Gegen Selbstverwirklichung

Am meisten gefällt mir Andys (und NorthPoints) Einstellung, keine eigenen Projekte zu gründen, sondern bestehende Projekte zu unterstützen. Mit Geld und Arbeitern. Es gibt viel gutes in eurer Stadt, macht nicht wieder euren eigenen Club auf. In manchen Punkten werden die Menschen nicht mit euch übereinstimmen (oder ihr nicht mit ihnen!), aber trotzdem habt ihr das gleiche Anliegen: Es ist Menschen zu helfen, die in Not sind.
Und dieses Prinzip würde ich – über die spezielle Predigt hinaus – nicht nur auf sozial-diakonische Arbeiten beziehen, sondern auch auf Gemeinden. Ihr werdet nicht immer, wahrscheinlich nie (es sei denn, ihr wohnt in Minneapolis oder Seattle) die perfekte Gemeinde finden; es wird immer Dinge geben, die euch Bauchschmerzen machen, mit denen ihr nicht mitziehen könnt, wo ihr Fragen habt, oder wo ihr vielleicht sogar gleich heraus andere Ansichten habt. Aber die Frage ist nicht, ob ihr die perfekte Gemeinde habt, sondern, ob ihr die Gemeinde habt, mit der ihr euch abfinden könnt. Alles weitere kann man versuchen, durch die eigenen Gaben, den eigenen Einfluss und viel Gebet zum besseren zu verändern. Und wer weiß – vielleicht lernt ihr auch noch etwas dabei darüber, dass der andere Jesus auch liebt und die Bibel auch liest!

Gods Bless,
Restless Evangelical

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