Samstag, 28. Januar 2012

Das Privileg der Verantwortung

Wieviel Privileg steckt in der Verantwortung?

Als Teil der Bewegung, der man den Namen 'Young Restless Reformed' gegeben hat, komme ich immer mal wieder mit meiner eigenen Einstellung in Kontakt, die mich zu weniger missionalem Engagement in der Welt bewegen will. Denn dann erinnere ich mich an das Privileg, Gottes Kind zu sein. 'Du bist geliebt, du bist erwählt', klingelt es mir dann in den Ohren und ich lehre mich zufrieden in meinem weichen Polsterstuhl zurück und erkenne die Zeichen von Gottes Vorherrbestimmung in meinem Leben. Erfolg, Auskommen, Geld, Freundschaften, Anerkennung der eigenen Leistungen – ist das nicht alles ein Zeichen dessen, dass ich zu Gottes Volk gehöre? Und dann kommen andere Gedanken dazu: Sollte ich mich nicht mehr darauf konzentrieren, dass ich die Bibel mehr und tiefer verstehe und nicht meine Zeit bei der Tafel 'verschwenden'? Sollte ich nicht lieber mein Geld sparen, damit ich mir eine ganze Reihe evangelikaler Kommentare kaufen kann, als meine Euros dem Obdachlosen im Seltersweg zukommen zu lassen?
Es kommt dann viel 'Ich' vor in meinen Gedanken – und wenig 'ihr'. Meine Gedanken drehen sich dann mehr um meine Erkenntnis als das Vermitteln von Gottes Offenbarung.
Christopher Wright schreibt:

 „[Through the exile] Israel learned that to have YHWH as their covenant partner did not mean that he was their national god who could always counted on to be on their side, no matter what. To know that YHWH was the God of all the earth, sovereign over all the nations, meant that they must recognize that Israels election into covenant partnership was not a matter of favoritism at all but a huge responsibility.“ (Christopher J.H. Wright, The Mission of God, Leicester: InterVarsity Press 2006, S.96, Hervorhebung durch mich)

1.Gott kennen ist Privileg
Es ist nicht, dass die Kenntnis Gottes als dem Herrscher und herrlichen König der ganzen Erde nicht ein Privileg ist. John Piper bringt immer wieder sehr deutlich zum Ausdruck, wie es erst die Ausrichtung des Menschen auf etwas höheres, reineres, über den Menschen hinausragendes ist, dass uns mit Freude erfüllen kann – und das ist Anbetung. Wir können nur anbeten, was wir kennen. Und um Gott zu kennen, muss er sich uns offenbaren. Es ist ein Privileg, Gott zu kennen. Nicht nur ein Privileg; es ist das größte Privileg, dass es auf dieser Erde zu bekommen gilt. Paulus schreibt es wir folgt:

 „Sie sind ja Israeliten; ihnen hat Gott das Vorrecht geschenkt, seine Kinder zu sein. Ihnen hat er seine Herrlichkeit gezeigt; mit ihnen hat er seine Bündnisse geschlossen; ihnen hat er das Gesetz und die Ordnungen des Gottesdienstes gegeben; ihnen gelten seine Zusagen. Sie sind die Nachkommen der von Gott erwählten Väter, und aus ihrer Mitte ist auch der Messias seiner menschlichen Herkunft nach hervorgegangen. Er ist Gott, der über allem steht und für immer und ewig zu preisen ist. Amen!“ (Römer 9,4-5; NeÜ)

Es ist ein Privileg, die Mission Gottes zu kennen; an der Wiederrichtung seiner guten Ordnung teilzuhaben. Es ist ein Vorrecht, seine Kinder sein dürfen. All das ist wahr und ohne jeden Zweifel großartig. Ich bin auch immer wieder erstaunt, wie bei Paulus (und dem Rest der Bibel) theologische Wahrheit in Anbetung führt – ohne Punkt und Komma. Wenn wir die Herrlichkeit unserer Gotteskindschaft erkennen, dann kann uns das nicht kalt lassen; dann können wir es nicht rational annehmen, ohne zu jubeln und vor Freude zu tanzen: Wir, Sünder, kleine Individuen in einem See aus 7 Milliarden Menschen, sind vor Grundlegung der Welt dazu bestimmt worden, Gottes Kinder zu sein und einem für alle Zeiten mit ihm zu herrschen und seine gute Ordnung in aller Welt auszubreiten.
Und Gott hat allen Menschen seine Anwesenheit, seine Kreativität, seine Macht und Stärke offenbart, als er seine Fußspuren in der Schöpfung hinterließ. Aber noch viel mehr zeigt er sich uns als Christen: Durch das Kreuz; durch Jesus; durch die Bibel. Wir wissen von ihm, dadurch, dass er in unserem Leben handelt, dass wir alle unser eigenes Exoduserlebnis hatten, als Gott uns aus der Gefangenschaft in die Freiheit der Gotteskindschaft geführt hat. Und wenn wir zurücksehen, dann müssen wir bekennen: Es war Gott, der gehandelt hat. Sollten wir nicht jedem Menschen von diesem Gott erzählen?

2.Gott kennen ist Verantwortung

Und trotzdem musste Israel erkennen, dass dieses Privileg nicht billig zu erstehen war; es war nicht wie ein Weihnachtsgeschenk, über das man sich immer mal wieder freut und das dann im Regal steht, bis man es das nächste Mal benutzt. Mit der Kenntnis Gottes kommt auch eine Verantwortung, die man nicht missachten sollte. Das wusste Paulus auch. Er schreibt:

„Doch wie sollen sie den anrufen, an den sie noch nicht glauben? Und wie sollen sie an den glauben, von dem sie noch nichts gehört haben? Und wie sollen sie von ihm hören, wenn es ihnen keiner sagt? Aber wie soll die Botschaft gepredigt werden, wenn niemand den Auftrag dazu bekommen hat? Doch das ist geschehen. Es ist eingetroffen, was geschrieben steht: "Was für eine Freude ist es, wenn die Boten kommen und die gute Nachricht bringen."“ (Römer 10,14-15; NeÜ)

Gott hat die Kenntnis seines Namens an sein Volk gebunden; es ist dieses Bundeshandeln Gottes, das ihn von allen anderen Göttern abhebt. Denn er sieht nicht nur von oben auf die Welt herab wie auf ein Theaterstück auf der großen Bühne; er nimmt daran Anteil und bindet seine Ehre und seinen Namen an fehlbare Menschen. Und das sind heute wir Christen, die Gotteskinder, die 'Privilegierten'. In Jesaja ruft Gott seinem Volk zu:

„Ihr seid meine Zeugen", spricht Jahwe, / "und mein Diener, den ich erwählte, / damit ihr erkennt und mir glaubt, / damit ihr einseht, dass ich es bin! / Vor mir gab es keinen Gott, / und nach mir wird kein anderer sein. Ich bin Jahwe, / einen Retter außer mir gibt es nicht!“ (Jesaja 43,10; NeÜ)

Die Szene spielt in einem gerichtssaal, natürlich imaginär, in dem sich die Völker der Welt und ihre Götter versammeln. Gott sagt einen Vers vorher:

„Alle Völker sind versammelt zum Gericht, / alle Nationen herangeholt! / Welcher ihrer Götter hat dies angekündigt? / Welche ihrer Weissagungen trafen überhaupt ein? Mögen sie uns Zeugen dafür stellen! / Die sollen es hören und sagen: 'Es ist wahr!'“ (Jesaja 43,9; NeÜ)

Und später beschreibt Gott alle Dinge, die er für Israel getan hat – sie sind die Grundlage für ihr 'Zeuge sein'.
'Ihr sollt meine Zeugen sein' kommt uns das Echo aus dem Alten Testament im Apostelgeschichte 1,8 entgegen. Wir sind heute Gottes Zeugen; an uns hat er die Kenntnis und die Herrlichkeit seines Namens gebunden. Es ist eine Verantwortung die wir tragen – eine Verantwortung, der wir zu oft nicht nachkommen, wenn sich unsere Augen lieber nach Innen richten, in uns hinein, unsere Wissensanhäufung, und ins Innere unserer Gemeinde.

3.Die Verantwortung ist Freude

Aber wie sollen wir einer solchen Verantwortung nachkommen? Ist es nicht am Ende durch der Befehl zu Werken, der sich im Christentum versteckt. Wenn ich Christ bin, dann muss ich also doch wieder Dinge tun, um vor meinem Gott bestehen zu können?
Denkt daran, dass die Grundlage für unser 'Zeuge sein' in der Erinnerung und Schilderung der Ereignisse liegt, die Gott in unserem Leben bewirkt hat, als er uns gerettet hat. In der Verantwortung, Zeuge zu sein, geht es nicht um einen Zwang – sondern um die Möglichkeit, endlich von der Größe Gottes berichten zu dürfen. Es ist ein Privileg, diese Verantwortung zu tragen. Wir dürfen mit Hiob in den Chor einstimmen: „Bloß mit dem Ohr hatte ich von dir gehört, / jetzt aber hat mein Auge dich geschaut.“ (Hiob 42,5; NeÜ)
Im Bekenntnis liegt Freude, im Verkündigen erfüllen. In Anbetung das Stillen unserer Sehnsucht. „Was für eine Freude ist es, wenn die Boten kommen und die gute Nachricht bringen.“ (Römer 10,15; NeÜ)
Freude für die die Hören, Freude für die die Kommen.

Gods Bless,

Restless Evangelical

Samstag, 21. Januar 2012

Wie könnten sie?

Werte und unsere Gesellschaft

Unter Christen gibt es immer viel Gerede darum, wie marode unsere Gesellschaft schon ist. Vor ein paar Tagen habe ich die Verfilmung von Stieg Larssons 'Verblendung' im Kino gesehen. Da heißt es an einer Stelle über den Protagonisten, dass er seit Jahren eine Affäre mit seiner Chefin hat – und diese Affäre seine Ehe zerstört hat, ihre aber nicht.
Und ich habe mich gefragt, was da los ist. Diese Gegebenheit wird in einem Nebensatz erwähnt, als wäre das normal, okay, nicht der Rede wert.
Und als ich später am Abend so darüber nachdachte, kam mir der Gedanke: Es ist genau das in unserer Gesellschaft – nicht der Rede wert. Es ist zuoft vorgekommen, zu normal geworden, als dass noch irgendjemand auch nur ein Wort darüber verliert.
Umso berechtigter ist es doch, wenn wir als Christen die fehlende Moral in unserer Gesellschaft anklagen und danach rufen, dass wieder Werte gelebt werden und unsere Gesellschaft dadurch restaurieren – oder?!
Ich musste an eine Stelle im 1Korinther denken, die ich vor wenigen Tagen gelesen habe, und die mich auf eine andere Spur brachte. Dort schreibt Paulus:

 „Ein natürlicher Mensch kann nicht erfassen, was vom Geist Gottes kommt. Er hält es für     Unsinn und kann nichts damit anfangen, weil es eben durch den Geist beurteilt werden muss. Doch ein Mensch, der den Geist Gottes empfangen hat, kann das alles richtig beurteilen. Er selbst kann allerdings nicht wirklich von einem anderen beurteilt werden, der den Geist nicht hat.“ (1Kor 2,14-15, NeÜ)

Wir wundern uns, dass bei einem christlichen Marsch der 1000 Kreuze soviel Gegenwehr kommt – und beleidigende, kränkende Sprüche uns entgegengeschleudert werden?
Wir wundern uns, dass bei einem Hörsaalvortrag in der Uni, bei dem ein Kreationist reden soll, viele Studenten alles versuchen, um diesen Vortrag zu verhindern?
Wir wundern uns, dass immer wir immer mehr an den Rand der Gesellschaft gerückt werden, unsere Festivals rechtliche Probleme bekommen und unsere Gemeinden von Fernsehteams belagert sind?
Ich frage mich: Was ist unsere Reaktion dadrauf? Wir reagieren wir, wenn wir unserer Rechte beschnitten werden; wenn andere Menschen uns unfair angreifen; wenn wir ausgelacht und beschämt werden, weil wir 'altmodische' Werte vertreten?
Unsere Reaktion sieht meistens so aus, dass wir um unser Recht kämpfen, befürchte ich. Wir geben Pressemitteilungen heraus; schreiben Leserbriefe und strengen Gerichtsurteile an. Aber ich sehe wenig liebevollen Umgang.
Mark Hall – Sänger der Casting Crowns – schreibt über ein Mädchen, dass er im Fernsehen gesehen hat, das auf dem Weg in die Abtreibungsklinik an einem Pulk von 50 wütenden christlichen Fudamentalisten vorbeimuss, deren Botschaft sich auf 'You are a murderer for killing your baby' beschränkt:

 „The whole scene left me with some questions. If the church had been living for Jesus in front of her beforehand, would she have been in such a predicament? How many ingrown churches did she drive by when she was deciding whom to date? How many silent Christians did she sit beside in the lunch room when she was deciding where to go in this relationship with this guy? How many of us were around her at one time or another and didn't have any opinion or anything to say about her life until she did something on our bad list, and then it was time for us to say what we think?“ (Mark Hall, Lifestories, Cool prings: Provident Books 2006, S.24)

Vielleicht liegt der Fehler gar nicht so sehr in der Welt. Mark Hall sagt dazu: 'They're lost, lost people sin. That's what they do!' Das bedeutet nicht, dass es richtig ist, was in dieser Welt oft passiert. Aber es bedeutet, dass sie gar nichts anderes machen können. Und unsere Reaktion ist, ihnen ihre Fehler in unversöhnlichem Ton vorzuhalten – aber wir sagen ihnen sowenig über die Kraft, die die Menschen erst dazu befähigt, die Weisheit von Gottes Ordnung zu erkennen und nach ihnen zutun.
Vielleicht liegt der Fehler bei uns – unseren Gemeinden, die ihrem Auftrag nicht mehr nachkommen, Salz und Licht für diese Welt zu sein.
Vielleicht liegt der Fehler bei uns – unseren Herzen, die sich lieber darauf spezialisieren, Strohmänner zu verbrennen und nicht Menschen in 3D zu lieben.
Vielleicht liegt der Fehler bei uns – unseren Stimmen, die lieber über den gefallenen Zustand der Welt lamentieren, als aktiv an der Mission Gottes teilzunehmen und sein Königreich zu verkünden.
Vielleicht liegt der Fehler bei uns – unseren Gebeten, die sich um unsere Probleme scheren und viel Zeit verwenden, Gott unsere Not zu klagen, anstatt bei ihm für unsere Politiker und Leiter einzutreten.
Vielleicht liegt der Fehler bei uns – ich will nur diese Frage mal aufwerfen.

Gods Bless,

Restless Evangelical

Donnerstag, 12. Januar 2012

'Amazing God' Momente

Vom Gott-erleben im Alltag

Wenn man sich die Beschreibungen anhört, die manche Menschen von Gott abgeben – selbst welche, die seit Jahren mit Jesus auf dem Weg sind – dann fragt man sich, ob sie Gott wirklich kennen, oder nur vom Hörensagen von ihm gehört haben.
Wahrscheinlich habe ich als Theologiestudent mehr den Drang dazu, Gott in meine Systeme und griechische Formentabellen zu quetschen, als es der Künster oder die Hausfrau aus meiner Gemeinde hat. Aber zu einem gewissen Maße, fühlen wir uns alle dazu gedrängt, Gott in unseren Kopf zu bekommen.
John Piper hat es in einem Blogpost vor kurzen so ausgedrückt, dass wir manchmal versuchen, den Himmel in unseren Kopf zu drücken – doch dass es eigentlich dadrauf ankommt, den Kopf in den Himmel zu heben.
Ich fand das irgendwie ein faszinierendes Bild, das mich auch in meine Stille Zeit hinein verfolgt hat. Meine Frage an Jesus war: Wie schaffe ich das? Wie erlebe ich Gott – bekomme meinen Kopf in den Himmel, nicht den Himmel in meinen Kopf? Wie entfliehe ich meinen Systemen und erkenne einfach nur die Größe Gottes – die alle Erkenntnis übersteigt?

'Amazing God' Momente
Und vor drei Tagen bekam ich eine Antwort darauf. Ich habe gerade in meiner 3650-Herausforderung (eine wunderbare Angelegenheit, zu der ich jeden Leser ermutigen will) gerade Apostelgeschichte 9 gelesen; das Zeugnis, wie sich der Christenverfolger Saulus zum Nachfolger Paulus verwandelte. Paulus hatte die Mutter aller 'Amazing God' Momente in dem Moment, in dem er gerade im Begriff stand, einige hundert Menschen wegen ihrer religiösen Überzeugung zu vernichten. Aber Gott... Wie oft stehen diese zwei Worte im Leben eines jeden Christen. „Ich wollte das und wollte dies und plante jenes; aber Gott...“ Es fängt mit der Bekehrung an, in der Gott das erste mal eine 180° Drehung mit dem Menschen vollführt. „Ich rannte in diese Richtung; aber Gott veränderte alles.“ Und es durchläuft viele Phasen, in denen Gott an uns arbeitet und uns mehr und mehr in das Ebenbild seines Sohnes verändert. Nicht wir – Gott! Erst sehen wir nur uns – aber dann Gott, und alles wird anders.
Paulus war auf dem Weg nach Damaskus und wollte die Christen dort verfolgen, ins Gefängnis werfen, nach Jerusalem bringen und wahrscheinlich umbringen, wie man es vorher mit Stephanus getan hatte. Aber Gott... Er erscheint dem Paulus auf dem Weg, und alles wird anders.
Ich will nicht bezweifeln, dass manche Menschen durch das Lesen von akademischen Büchern (Theologie oder jede andere Disziplin) zu 'Amazing God' Momenten kommen können. Aber einen Weg habe ich zu lange ignoriert, bis er sich mir erschlossen hat.

'Amazing God of the Bible' Momente
Denn als ich am Morgen hier saß und meine Kapitel las, Apostelgeschichte 9 aufschlug und so die Geschichte in mich aufnahm, wie Gott den größten Missionar aller Zeiten umkrempelte und zu einem mächtigen Werkzeug machte, da fiel mit ein Vers ins Auge:
„Saulus aber trat umso entschiedener auf und brachte die Juden von Damaskus durcheinander, weil er ihnen beweisen konnte, dass Jesus der Messias ist.“ (Apg 9,22)
Paulus ging später immer zuerst in die Synagogen um dort zu lehren. Aber es war dieser letzte Nebensatz, der mich trag: Er bewies ihnen, dass Jesus der Messias (wörtlich: der Christus) ist. Er bewies ihnen?! Natürlich ist damit nicht gemeint, dass er einen empirischen Beweis hätte bringen können, der den kritischen Augen heutiger Theologen standgehalten hätte; dafür braucht es wohl einiges mehr, manchmal zuviel, wie es scheint. Aber Paulus kannte die Heilige Schrift des Judentums sehr genau – und konnte anhand dieser Schrift zeigen, dass Jesus der verkündigte, angekündigte und gekommene Messias ist; der Erlöser Israels und der Retter der ganzen Welt.
Doch denkt einen Moment darüber nach, was passiert wäre, wenn Gott sich nicht dazu entschieden hätte, seine Gnade an Paulus zu offenbaren und ihm zu seinem Werkzeug zu machen? Das Evangelium wäre nie das Europa gekommen; geschweige denn in den 'Gottesstaat' USA! Wir hätten nicht die erste Abhandlung zur Rechtfertigungslehre (Römerbrief), einige der wunderbarsten christlichen Lieder (im Kolosser und Philipper). Matt Redman singt: „Where would we be without your love – still be lost in darkness!“ Und diese Liebe Gottes hat sich erst durch Paulus über die Grenzen Palästinas hinaus verbreitet.
Weil er den Menschen beweisen konnte, dass Jesus der Messias ist; weil Gott eingegriffen hat und sich ein Werkzeug geschaffen hat, das mächtiger war als alles spätere. Und davon nicht genug. Es bringt uns auch einen 'Amazing God' Moment, weil es einige treue Männer gab, die das ganze aufgeschrieben haben (sogar mehrmals in der Apostelgeschichte). Wir lesen davon, wie groß Gott ist und wie er handelt und stehen staunend davor und sagen: „Amazing (,) God!“
An diesem Morgen habe ich an dieser Stelle meine Bibellese unterbrochen und bin ich spontanen Lobpreis ausgebrochen. Aus Dankbarkeit, vor Staunen, voller Unverständnis über diesen großen Gott.


Gods Bless,

Restless Evangelical

Montag, 9. Januar 2012

Erinnert Gott an seine Versprechen!

Eine Erkenntnis über Gebet...

Manchmal frage ich mich, ob ich meine Gebete richtig formuliere. Ich glaube, dass Gott der souveräne Herrscher über die Weltgeschichte ist und ebenso mein Leben lenkt und weiß, wie es um mich steht. Und es ist eine wunderbare Gewissheit, dass wir das wissen. Paulus schreibt uns ja auch in Römer 8,28, dass uns, die wir Gott von Herzen lieben, alle Dinge zum Besten dienen werden.
Und unser Vertrauen geht dahin; wir wollen Gott für alles in unserem Leben danken – denn es ist ja von Gott geplant und wird sich als der beste Weg erweisen, oder?
Bei meiner 3650-Herausforderung (ein Jahr 10 Kapitel am Tag lesen) bin ich vor kurzem auf eine Stelle gestoßen, die mich an dieser Einstellung etwas Zweifeln lässt.
Nach der – erwiesenermaßen selbstverschuldeten – (und dennoch) dramatischen Niederlage in Ai liegen die Führer der Israeliten auf dem Boden und beten Gott an. Und Josua sagt etwas entscheidendes:

„Bitte, Herr, was soll ich denn jetzt sagen, nachdem Israel vor seinen Feinden geflohen ist? Wenn das die Kanaaniter und die anderen Bewohner des Landes hören, werden sie uns umbringen und unseren Namen in diesem Land auslöschen. Was wirst du dann für die Ehre deines großen Namens tun?“ (Josua 7,8-9, NeÜ, Hervorhebung durch mich)

Als ich über diesen Text den Tag über nachdachte, musste ich über mein Gebetsleben nachdenken. Wenn ich sonst dadrüber nachdenke, kommt mir vor allem der Gedanke, dass es noch wesentlich intensiver sein könnte und sollte. Aber diesmal kam mir ein anderer Gedanke. Wenn ich in Not gerate – in Situationen, denen ich nicht Standhalten kann und wo ich nicht weiß, wie es weitergehen soll – dann bin ich der Weltmeister im Gebet. Aber ich lege Jesus dann alle meine Sorgen hin; erkläre ihm meine Situation und Ende damit, dass ich ihn daran erinnere, dass er es machen soll, wie er es für richtig hält. Als wenn er das nicht wüsste – und meine Erlaubnis dafür bräuchte!
Aber Jesus hat uns doch versprochen, dass er die Gebrochenen wiederaufrichten möchte; dass sein Joch leicht ist und seine Last einfach; dass er denen vergibt, die ihre Schuld bekennen!
Aber mir ist aufgefallen, dass ich Jesus noch nie daran erinnert habe, dass er das gesagt hat. - und damit meine ich nicht, dass ich das müsste! Jesus weiß das nur zu gut. Aber es wirkt, wie eine Predigt zu uns selbst, wenn wir im Gebet aussprechen, was uns schon lange versprochen ist.
Und eines sollten wir uns aus den Versen noch besonders hinter das Ohr schreiben: Wir dürfen Gott auch an die Ehre seines Namens erinnern. Denkt dadran, dass Mose das sogar an zwei Gelegenheiten getan hat; dass es Josua hier getan hat. Und denkt besonders an den dramatischen Akt von Gottes rettendem Handeln, als er das Volk Israel aus der Verbannung in babylon zurückgeführt hat. Es war Gottes Gerichtshandeln, dass dazu geführt hat, dass die Israeliten in der Situation stecken, in der sie eben steckten: Sie waren verstreut, gedemütigt und verbannt worden. Aber vor allem eines ist passiert: Der Name ihres Gottes drohte seine Ehre zu verlieren; es schien, als hätte Jahwe seinen Meister gefunden – in den Göttern Babylons, die mit Leichtigkeit über Israel gesiegt hatten – denn damals waren die Schicksale einer Nation eng verbunden mit der Ehre, der ihren Göttern zukam. Doch Gott lenkt die Weltgeschichte. Und deswegen führt er das Volk zurück in sein Land. Nicht, weil sie es verdient hätten. Nicht, weil sie sich so gut verhalten haben. Nicht (in erster Linie), weil er Versprechen zu halten hatte gegenüber Israel; und schon gar nicht, weil das Gericht unfair gewesen wäre. Es ist die Ehre seines Namens, die auf dem Spiel steht.
Christopher Wright schreibt:
„The result from the exile, however, had been that the name of YHWH was being „profaned“ among the nations. That means, the name „YHWH“ as being treated as the common or ordinary name of just another defeated god among the long list of gods whose nations had been conquered and exiled by Babylon. This was a situation YHWH could not tolerate as a permanent state of affeirs. […] So, yes, YHWH would act again to deliver his people, but the primary motivation, in Ezekiels uncompromising theocentricity, would be to salvage YHWH's own name from the gutter of profanity among the nations“ (Christopher J.H. Wright, The Mission of God, Downers Grove: Intervarsity Press 2006, S.88, Hervorhebung durch mich)

Natürlich liebt Gott uns; natürlich hilft er uns, weil wir seine Kinder sind und er uns helfen will. Aber seine erste und wichtigste Motivation dahinter ist, dass er seinen Namen großmachen will – und er hat die Ehre seines Names an sein Volk – an die Gemeinde – gebunden.
Deswegen dürfen wir ihn, selbst wenn wir in selbstverschuldeter Situation im Schlamassel sitzen, den Kopf heben und ihn daran erinnern, dass er seinen Namen groß machen will und soll! Das bedeutet kein Freifahrtsschein; wir müssen danach mit Mut und Durchhaltevermögen die Konsequenzen für unser Tun tragen. Aber wir können sicher sein: Auf Dauer wird Gott – früher oder später – seinen Namen wieder aufrichten. In Gießen; in Hessen; in Deutschland; in Europa; in der ganzen Welt!

Gods Bless,

Restless Evangelical

Samstag, 7. Januar 2012

Gott hat gesprochen...


Ein weiterer Passion-Eindruck

John Piper nannte in seinem Vortrag bei Passion 2012 diese Konferenz ein 'truth-soaked event'. Wenn ich die Vorträge dieses Jahr und in den letzten Jahren einmal an mir Vorbeiziehen lasse, dann ist diese gesunde – und gleichzeitig leidenschaftlich vorgetragene – Lehre eine der Stützpfeiler dieser Konferenz. In 'Young Restless Reformed' schreibt Collin Hansen über die Passion Conference:

„Piper may not know what he's doing at Passion, but it's obvious to the students […] why he fits with Passion. Piper lends academic weight, moral authority, and theological precision to the conference. More than that, Piper shares Passions overarching vision. Worship songs from Charlie Hall and Chris Tomlin, preceding talks by Giglio, pound home two themes beloved by Calvinists – God's sovereignty and glory.“ (Hansen, Collin, Young Restless Reformed, Wheaton: Crossway 2008. S.17)

Passion will Wahrheit verkünden; auf der Bühne durch die Redner, Musiker, Lieder – vor der Bühne durch die vielen Jugendlichen, die motiviert und ermutigt werden, ihr Leben für eine größere Geschichte zu geben: Welcome to the story of God!
Doch – wie ich in einem anderen Post schon rezensiert habe – heißt dann die Frage: Was ist Wahrheit? Woher weiß ich, dass mir die Redner auf der Bühne und die Musiker wirklich Wahrheit verkünden? Es wird richtig, wenn Francis Chan seine Bible zusammenrollt und sagt: „Just do it!“ Es wirkt irgendwie beeindruckend, wenn John Piper seine ganze Leidenschaft darein steckt, den Jugendlichen deutlich zu machen: Gott is most glorified in You, when you are most satisfied in HIM! Es ist auch beeidruckend, wenn Christine Caine berichtet, dass es heute mehr Sklaven auf der Erde gibt als jemals zuvor. Und natürlich ist es irgendwie erfrischend, erweckend, wenn Louie Giglio uns erzählt, dass unser Leben mehr wert ist als unser Level bei World of Warcraft. Dass wir ein Leben haben, dass Gewicht haben kann; dass wir zu einer größeren Geschichte gehören dürfen, die über uns hinausreicht.
Aber woher weiß ich, dass das stimmt?
Ich hab gestern einen langen Brief an einen lieben alten Freund geschrieben. Er hat mir die Frage gestellt: „Lernt ihr an der FTH nur etwas über und von der Bibel? Oder setzt ihr euch auch kritisch mit manchen Stellen auseinander?“
Ich habe versucht, ihm die drei Offenbarungshandlungen Gottes zu erklären – die Schöpfung, die Bibel und Jesus selbst! Während ich so schrieb und erklärte, dass wir ja auch nur durch die Bibel erst von Jesus wissen und erst durch die Bibel eine klarere, genauere Vorstellung von dem Schöpfergott bekommen, musste ich an eine Gegebenheit bei der diesjährigen Passionconference denken.
Bei dieser Gelegenheit haben alle Redner dieser Konferenz immer abwechselnd den kompletten Epheserbrief vorgelesen. Und nach einigen Versen haben sie unterbrochen und gesagt: „Let's be silent and ask Jesus, to speak to us!“ Hinter ihnen auf den Bildschirmen standen die Worte: „Jesus, please speak to me!“
Ich fand das interessant – weil es den Begriff Wahrheit und 'gesunde Lehre' auf eine ganz andere Ebene hebt. Wir sind es gewohnt, Predigern zuzuhören, die uns die Bibel auslegen und mit Hintergrundinformationen die Bedeutung des Textes zu entschlüsseln. Oder wir sind es gewohnt, dass uns Prediger vom nahen Untergang der Welt berichten und wie schlecht die Kultur ist, in der wir leben. Oder wir sind es gewohnt, dass uns der Prediger seine Eindrücke über den Bibeltext oder ein Bild im Museum oder eine Werbung im Bus mitteilt. Aber wie oft lassen wir Jesus noch durch den Text zu uns sprechen? Ich meine damit keine 'mystische Erfahrung' – ich meine damit, dass wir über den Text nachdenken und versuchen zu ergründen, wie es in unsere Lebenssituation passt, was er über unseren Augenblick zu sagen hat.
Ich habe den Eindruck, dass wir manchmal abhängig davon werden, was die großen Prediger unserer Zeit, die großen Theologen in ihren Kommentaren, die großen Evangelisten der vergangenen Jahrhunderte oder die großen Bekenntnisse der Reformationszeit zu dem oder dem Thema oder Text sagen – und dass wir dabei vergessen, was Rob Bell so nett auf den Punkt gebracht hat:
„Gott hat gesprochen – der Rest ist doch nur Kommentar!“ (Bell, Rob, Velvet Elvis,Grand Rapids: Zondervan 2005, S.83)

Gods Bless,

Restless Evangelical

P.S. Auch wenn ich ab und zu Rob Bell zitiere – weil er manche Sachen sehr gut auf den Punkt bringe, bedeutet das nicht, dass ich alles, was er sagt, unterstützenswert finde; manches ist auch schlichtweg falsch und unsachlich. Aber wieso nicht das gute behalten?

Freitag, 6. Januar 2012

Für Licht braucht es Dunkelheit!

Ein Plädoyer


Bei ihrem Vortrag auf der diesjährigen Passion Conference hat Christine Caine – Gründerin der A21-Campeign und im Leitungsteam der Hillsong Church Australien – eine Geschichte von ihrer Tochter erzählt. Sie erzählte, wie sie in Amerika mit ihrer Tochter in einen Wallmart ging, um ein Barbi-Blinklicht zu kaufen. Als sie endlich durch die Kasse waren konnte das Mädchen es endlich ausprobieren und schaltete es ein. Bei der ganzen grellen Beleuchtung in diesem Supermarkt konnte sie das eigene Licht natürlich fast gar nicht sehen. Da sagte sie zu ihrer Mutter: „Mom, can we go and find some darkness?“
Das ist ein bemerkenswerter Satz, den Christine mit einer ebenso interessanten Bemerkung versah: „And I just thought: My little girl is getting a revelation right here.“
Das ist natürlich ein überspitzter Gedanke – aber eine Wahrheit steckt drin. Das Mädchen hat erkannt, dass Licht nur dann seine Wirkung entfalten kann, wenn es in der Dunkelheit steckt.
Für einen Christen in der dritten Welt, in Orten, wo Verfolgung an der Tagesordnung sind, mag der Satz „Can we go and find some darkness?“ irgendwie lächerlich wirken. „Find some Darkness? Sie ist hier überall – an jeder Straßenecke, jeden Fußschritt müssen wir hier leuchten! Die Frage sollte heißen: Can we go and find some light!“ Aber das ist nicht unsere Realität in dieser westlichen Welt, in diesem gar nicht so-krisengeschüttelten Deutschland. Wenn wir man absehen von den Gruppen, die eine Verfolgung von Christen in Deutschland herbeizubeten versuchenk, weil das angeblich zu einer Erweckung führen würde, und den Gruppen, die einen leichten Windhauch im Gesicht gerne einen Sturm nennen, dann müssen wir sagen: Wir leben hier in Deutschland an einem ziemlich hellen Ort. Nun ja, das Licht mag uns nicht blenden; aber es ist doch genug, dass wir ohne Lampe Fahrradfahren können (übertragend gesprochen). Und weil es uns noch nicht hell genug ist – es anstrengend ist, unsere Augen an das Dämmerlicht zu gewöhnen – deswegen verschanzen wir uns in den Hauskreisen unserer Gemeinde, den Gottesdiensten (die bewusst Besucher-unfreundlich sind, damit man uns nicht mit Rick Warrens Gemeinde verwechselt!).
Und dabei ist alles, wozu wir aufgerufen werden, ein Licht für die Welt zu sein. Eine Stadt auf dem Hügel, deren Licht man weithin sehen kann.
Wenn ich aus dem Fenster der FTH sehe, wo ich gerade sitze, dann sehe ich im gegenüberliegenden Gebäude ein Fenster hell erleuchtet. Es ist interessant, dass mir der Gebäude sonst fast nicht auffällt – aber wenn Abends ein Licht in einem Fenster ist, dann fällt mein Auge darauf und ich bemerke das Leben dahinter. Es ist jemand anwesend – es hebt sich ab von der Masse.
Als Christen sind wir immer auf der Suche nach unserer Berufung – dem, was Gott mit unserem Leben machen möchte. Und Louie Giglio hat in seinem letzten Vortrag von dieser Passion Conference einige sehr gute Sätze dazu gesagt. Darauf will ich jetzt gar nicht eingehen. Ich frage mich vielmehr, ob unsere Suche auch damit zusammen hängen mag, dass wir von lauter Lichtern umgeben sind. Hier an der FTH ist das noch deutlicher zu spüren als an den meisten anderen Orten. Aber hier leuchtet jeder irgendwie und man unterschätzt dabei sein eigenes Licht. Jeder setzt sich hier mit Lehre auseinander – da bist du nichts mehr besonderes. Es ist soviel schwerer, seinen 'Kerzenständer' zu finden, wenn man sich nicht mit der Dunkelheit befasst, die uns umgibt, weil man umso heller scheinen muss, umso orgineller, einfallsreicher sein muss, je mehr Licht uns umgibt. Aber wenn wir unsere sicheren Mauern verlassen und in die Dunkelheit gehen, um ein Licht für die Welt zu sein – das Licht des Evangeliums, des bedingungslosen Friedens Gottes in die Welt zu tragen – dann merkt man viel schneller, dass es da einen Schein gibt, der von uns ausgeht. Das Leuchten des Heiligen Geistes, der in uns wirkt. Denn die Menschen reagieren dadrauf.
Und sei es, dass du einem einzigen Menschen hilfst, aus seiner auswegslosen Situation in das Licht Gottes zu treten.
Und sei es, dass du einem einzigen Menschen zeigst, dass er wertgeschätzt ist und dass sich jemand für ihn interessiert.
Und sei es, dass du für einen einzigen Menschen um die Gerechtigkeit kämpfst, die er verdient hat!
Und sei es, dass du nur einem einzigen Menschen zeigst, dass die Quelle aller Freude in Jesus liegt.

Du wirst zehnmal heller scheinen als in einem Lampenstudio.

Gods Bless,

Restless Evangelical

Mittwoch, 4. Januar 2012

Woher wisst ihr, dass ich die Wahrheit rede?

Ein Rückblick auf den gestrigen Passion-Abend

Heute nacht um viertel vor 2 begann der Live Stream der dritten Main-Session auf der Passion Conference in Atlanta; 48.000 Jugendliche (mehr als doppelt so viele Jugendliche, wie es letztes Jahr waren!) sind zusammen gekommen zu einer der größten Jugend- und Lobpreiskonferenzen der Welt.
Die Redner welchseln seit vielen Jahren nur noch darin, dass manchmal jemand Neues im Team erscheint. Aber einige Namen (sowohl bei den Rednern als auch bei den Musikern) sind seit Jahren die selben.
John Piper, Beth Moore, Francis Chan, Louie Giglio – das sind Namen, die bekannt sind für gesunde Lehre.
Matt Redman, David Crowder, Chris Tomlin, Charlie Hall – das sind Namen, die bekannt sind für lebendigen Lobpreis, der Jesus im Mittelpunkt, am Anfang und am Ende hat.
Ich bin dankbar, dass in diesem Jahr zum zweiten mal jede Main Session auch per Live Stream in alle Enden der Erde übertragen werden, und man so auch Live dabei sein kann, ohne dass man nach Atlanta fliegen muss → obwohl man sich das wohl nicht entgehen lassen wollten.

Zwei Dinge sind mir gestern hängen geblieben, über die ich an dieser Stelle etwas schreiben wollte.

  1. God doesn't speak english – God speaks World!“ ~ Chris Tomlin
In seiner Lobpreiszeit hat Chris Tomlin irgendwann seinen Kassenschlager How Great Is Our God angestimmt. Vorher hat er davon berichtet, dass er im letzten Jahr auf Welttournee war und in jedem Land dieses Lied in einer anderen Sprache lernen durfte. Viele afrikanische Sprachen, asiatische, europäische, südamerikanische Sprachen hat er lernen dürfen – jedenfalls einige Worte; und er hat die Passion-Gemeinschaft in Atlanta und im Internet daran teilhaben lassen. Auf Portugiesisch, Spanisch, Russisch und einem afrikanischen Dialekt aus Uganda (den Namen der Sprach habe ich nicht mitbekommen) wurde das Lied gesungen – und immer wieder auch die Englischen Strophen. Am Ende sagte Chris Tomlin den o.g. Satz: „Gott spricht nicht englisch – er spricht Welt!“
Das ist ein beeindruckender Satz; zuerst einmal für einen Amerikaner. In den letzten Monaten und Jahren sind die ja eher dafür bekannt geworden, dass sie nicht einmal das Land lokalisieren könne, in dem sie gerade Krief führen. Eine globale Perspektive zu bekommen ist dabei unglaublich heilsam. Wir setzen oft unsere Erfahrungswelt – und das heißt meistens: unsere Kultur – gleich mit der richtigen Art und Weise, Gott anzubeten. Wenn bei uns gebetet wird, dann geschieht das in ruhiger Atmosphäre, einer nach dem Anderen mit kurzen Unterbrechungen, um sich die richtigen Worte zusammenzulegen. Wenn wir dann in eine Gebetsversammlung kommen, in denen 'koreanisch' gebetet wird – höchstens in kleinen Gruppen, jeder so laut, dass er gerade seine eigene Stimme hören kann – dann empfinden wir das als unordentlich; als schlechtes Zeugnis; und finden unsere Bibelstelle, um begründen zu können, dass das ein 'charismatisches Durcheinander' (charismatic chaos) ist, dass biblisch angeblich völlig daneben liegt. Dass es Paulus in jener Stelle (1Kor 14,26ff; besonders Vers 33) vor allem darum geht, dass es keinen Unfrieden geben soll (das ist der Gegenteil von Ordnung in dem Vers!). Doch darauf kann ich gar nicht so detailiert eingehen. Was der Fehler ist, ist unsere Kultur mit 'richter Anbetung' gleichzusetzen.
Heute noch habe ich ein Video gesehen mit John MacArthur, in dem er gesagt hat: „Ich interessiere mich nicht für irgendeine Kultur, als für die biblische!“ Nun, wäre das wahr, dann müsste er in Sackleinen gekleidet und Sandalen herumlaufen. Seinen Bart müsste er lang wachsen lassen. Einen Blog, Internet- und Radiodienst betreiben, Klimaanlagen in der Gemeinde laufen lassen, sogar Bücher drucken lassen wäre dann nicht mehr drin.
Versteht ihr, was ich meine? Jeder von uns ist in irgendeiner Kultur verhaftet und denkt in ihr, hat ihre Denkvoraussetzungen und Wertvorstellungen übernommen. Es ist wichtig, das zu verstehen und zu reflektieren; und dann zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Gott nicht englisch spricht (oder Deutsch, oder Volxbibel, oder Elberfelder, oder Christianese)! Gott! Spricht! Welt!

  1. „How do you know, that I am speaking truth?“ ~ Francis Chan
Später hat Francis Chan seine Message gehalten – und es war wie immer eine Erlebnis. Auf der Seite des Passion-Livestreams sind neben dem Video die Twitternachrichten zu sehen, in denen passion2012 und ähnliche begriffe vorkommen. Ich musste lachen, als dort eine Minute nach dem Anfang der Botschaft von Francis jemand twitterte: „Ich kann schon jetzt Francis Händen nicht mehr folgen!“ Francis ist mit Sicherheit einer der begabtesten Redner innerhalb der New Calvinists. Der Größte Gestiker ist er sicher nicht.
Aber seine Botschaft war sehr wichtig. Wenn man sie auf einen Satz zusammenschrumpfen will, dann ist es dieses Zitat oben: „Woher wisst ihr eigentlich, dass ich die Wahrheit rede?“ Und dann hat er viele Beispiele genannt, in der Bibel und unserer Erlebenswelt, dass es Menschen gibt, die wissentlich oder unwissentlich etwas Falsches für die Wahrheit ausgeben. „Du kannst alles aus diesem Buch ableiten.“, sagte Francis an einer Stelle und meinte die Bibel. Aber wenn du in der Bibel lebt, wenn du sie in und auswendig kennst; wenn du ihre große Geschichte und ihren großen Gott kennst, dann kannst du Wahrheit von Lüge unterscheiden. Dann kannst du sehen: Hey, das ist doch nicht wirklich das, was dieses Buch sagt, was dieser Jesus sagt!
Die Aufforderung ist: Lies die Bibel für die selbst. Hör nicht auf damit; lebe darin, trinke jeden Tag, sooft zu kannst, aus diesem Brunnen; bleibt in Kontakt mit dem, der die Wahrheit ist durch das Buch, dass er uns dazu gegeben hat.
Ich fand das eine wichtige Botschaft, weil ich mich in diesem Jahr mit ein paar Freunden daran gemacht habe, die 3650-Herausforderung anzunehmen. Das ist die Herausforderung, in diesem frischen Jahr jeden Tag 10 Kapitel aus der Bibel zu lesen. 10 Kapitel am Tag werden dich 4 mal durch die Evangelien führen, 2 mal durch die 5 Bücher Mose, 4 Mal durch die Paulusbriefe, 5-6 Mal durch die anderen Briefe der Bibel, ebenso oft durch die Weisheitsliteratur, 2 Mal durch alle Psalmen, einmal im Monat durch die Sprüche, 1-2 Mal durch die Geschichtsbücher im Alten Testament und ebenso oft durch die Propheten und zum Schluss auch alle 4 Wochen durch die Apostegeschichte. Dieses System ist so aufgebaut, dass die Bibel in 10 verschiedene Listen aufgeteilt sind, in denen die o.g. Bücher enthalten sind. Aus jeder Liste liest man am Tag ein Kapitel. Obwohl vielleicht nicht mehr der erste Januar ist, ist es sicher noch nicht zu spät, auf diesen Zug aufzuspringen.
Ich denke, dass es uns nur helfen kann, Jesus besser kennenzulernen!

Gods Bless,

Restless Evangelical

Dienstag, 3. Januar 2012

Macht die Straßen fertig – Gott ist auf dem Weg!

Eine Rezension von Christopher Wrights „The Mission of Gods People”

Alles beginnt mit Gott und endet bei ihm. Als Rick Warren seinen Weltbestseller ‚Leben mit Vision‘ schrieb, begann er den ersten Schritt mit dem grandiosen Satz: „Es geht nicht um Sie. […] Wenn Sie wirklich wissen wollen, warum Sie sich auf diesem Planeten befinden, müssen Sie mit Gott anfangen.“ (Leben mit Vision, S. 17).
Die Frage, warum wir uns auf diesem Planeten befinden und was der Zweck unseres Daseins ist, beschäftigt wahrscheinlich jeden Menschen irgendwann in seinem Leben; wie viel mehr sollte er uns als Christen beschäftigen. Wenn das, was Warren schreibt, wahr ist, dann sollten wir mehr als alle anderen wissen, warum wir hier sind; was unser Auftrag ist.
Vielleicht ist das der Grund, warum es so viele Diskussionen darum gibt, das die Mission der Gemeinde – und damit des einzelnen Christen – ist. Christopher Wright hat in seinem 2010 erschienen Buch ‚The Mission of Gods People‘ versucht, dieser Frage auf den Grund zu gehen.

a. Die Stoßrichtung des Buches.
Chris Wright schreibt selbst, warum er dieses Buch schreibt. Im Vorwort heißt es:

„In this book, I am asking the „so what“ question on behalf of those of us whom this great God oft he Bible has called into saving and covenant relationship with himself – the church, the people of God from Abraham to the population of God in Revelation. Who are we and what are we here for?” (S.17, meine Hervorhebung)

Es handelt sich also um die Frage, was unser Auftrag als Christen in dieser Welt ist. Nachdem Chris Wright 2006 sein (nicht weniger beeindruckendes, aber weitaus ausführlicheres) Buch ‚The Mission of God‘ herausbrachte, war sein Ziel, eine missionale Lesart der Bibel herauszufiltern. Er schreibt:

„I wanted them [his students] to soo not just that the Bible contains a number of texts which happen to provide a rationale for missionary endeavor but that the whole bible is itself a “missional” phenomenon” (Wright, Christopher J.H., The Mission of God, Downers Grove: InterVarsity Press 2006, S.22, seine Hervorhebungen)

Wenn wir beginnen, die Bibel mit dieser ‘missionalen Brille’ zu lesen, dann bekommen wir einen Eindruck, wir die verschiedenen Zeugnisse Gottes über sein eigenes Handeln in sich schlüssig sind – eine große Geschichte (‘Metanarativ’) wiederspiegeln: eine Mission Gottes. Und nachdem Wright diese Grundlage in ‚The Mission of God‘ gelegt hat, legt er mit diesem Buch nach, und erforscht die praktischen Auswirkungen eines missionalen Bibelverständnisses auf das Leben eines einzelnen Christen aber auch der ganzen Gemeinde und der Gemeinde Gottes an sich.

b. Die drei wichtigsten Argumente des Buches
The Mission of Gods People ist voll mit hervorragenden und ebenso häufig herausfordernden Argumenten, wie wir die Mission Gottes und unsere Mission zu verstehen haben. Drei Argumente Wrights aber sind besonders wichtig, um seine Argumentation zu verstehen.
Das Erste liegt in dem Punkt, wie wir die biblische (Heils-)Geschichte zusammenfassen. Wright schreibt:

„The Bible does not begin at Genesis 3 (or end at Revelation 20). You might think so when you listen to some presentation of the Bible’s message and mission. That is to say, the Bible is not just about the solution of our sin problem and how to survive the day of judgement.” (s.40)

Wir müssen – auch wenn wir die (Heils-)Geschichte zusammenfassen – bei Gott beginnen, und nicht bei uns. Das ist der Grund, warum der Satz, mit dem Kevin DeYoung und Greg Gilbert in ihrer jüngsten Publikation die große Geschichte der Bibel zusammenzufassen versuchen, daneben geht; nicht völlig, aber knapp daneben ist eben auch vorbei. DeYoung und Gilbert bennen folgende Frage als die zentrale Frage der Biblischen Narative: „How can a hopelessley rebellious, sinful people live in the presence of a perfectly just an righteous God?“ (Greg Gilbert und Kevin DeYoung, What is the Mission of the Church, Wheaton: Crossway 2011, S. 69) Diese Frage aber beginnt mit den Menschen und setzt dann Gott in Beziehung zu uns. Wright argumentiert, dass wir mit Gott anfangen müssen; das bedeutet: nicht mit dem Sündenproblem, sondern mit dem Schöpfergott. Und dass wir mit Gott aufhören müssen; das bedeutet: nicht mehr der Lösung des Sündenproblems auf der Erde, sondern mit der Neuschöpfung und Wiedererrichtung von Gottes guter Ordnung auf dieser Erde.
Das Zweite liegt darin, dass Wright die Mission der Gemeinde nicht in erster Linie in Matthäus 28 (dem sogenannten ‚Missionsbefehl‘) verortet, sondern im Alten Testament. Wright schreibt:

„What was it that made Christianity a missionary faith from the very start? […] Well, you might respond, because Jesus told them to. They had the Great Commission. It was a matter of obedience. […] But if this simple obedience to the Great Commission were the major reason in the consciousness of the early Christians, it is surprising that it is never mentioned anywhere else in the New Testament.” (S.36, seine Hervorherbung)

Wright argumentiert dann im Folgenden, dass sowohl Jesus seine Mission im Alten Testament verortet hat (z.b. Lukas 24,44-48), als auch Paulus (z.b. Apg 13,47-48), als auch die restlichen Apostel (z.b. Apg. 15,13). Und dann lokalisiert Wright den wirklichen Missionsbefehl, der zuerst an Abraham ging, dann auf das Volk überging und heute allen Kindern Gottes gilt. In 1Mose 12 heißt es: „Geh […] und du sollst ein Segen sein […] und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ (1Mose 12,1-3)
Das Dritte liegt darin, dass das Buch sich vor allem mit der ethischen Dimension der Mission der Gemeinde befasst. Wright schreibt:

„We saw […] that Israel’s identity (tob e a priestly kingdom) constituted a mission (to bless the nations by bringing God to them and bringing them to God). That remains the mission of God’s people in Christ, to be the living proof of the living God. And Israel’s mission demanded an ethic[…]. The same demand underlies our mission. We are called to be different. There is no biblical mission without biblical ethics.” (S.149, seine Hervorhebungen)

Wir müssen, um biblische Mission zu betreiben, auch einen biblischen Lebensstil verfolgen. Oder, um es mit anderen Worten auszudrücken: Lebe das aus was du glaubst! Das ist die Stoßrichtung von Jakobus in seinem Brief (Ein Glaube ohne Werke ist tot!) und das ist die Annahme, die dem Aufbau des Buches von Wright zugrunde liegt.

c. Die Auswirkungen des Buches
Wenn wir mit Gott beginnen – auch was unser Missionsverständnis angeht – dann müssen wir verstehen, was Gottes Mission ist. Welches Ziel verfolgt Gott in der ganzen Bibel? Welchen Zusammenhang kann man herstellen zwischen den Gesetzen in 5Mose, den Befreiungsrevolten unter den Richtern, den Gerichtsankündigungen durch die Propheten, dem Heilungs- und Wunderdienst Jesu, seinem blutigen (Erlösungs-)Tod am Kreuz, seiner mysteriösen Himmelfahrt, der kraftvollen Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten und dem sehnsüchtigen Warten der Christen (und der ganzen Schöpfung à Römer 8,20f) auf die Wiederkunft des herrlichsten und wunderbarsten und gerechtesten Königs aller Zeiten – Jesus Christus? Wo ist der Rote Faden, was bezweckt Gott damit? „Finally […] we remind ourself that the goal of all mission ist he glory of God“ (S.149)! Und dann gibt es noch etwas; einen Plan Gottes, um seine Herrlichkeit groß zu machen. Gott bringt seine gute Herrschaft wieder auf die Erde – das ist das Endziel; davon berichtet nicht nur die Offenbarung, nicht nur Golgatha, sondern die ganze Bibel. Darauf wartet die ganze Schöpfung; und jetzt fragt Gott uns, ob wir an seiner großen Mission teilhaben wollen. Es ist eine aufregende, erfüllende, manchmal Kräfte zehrende, aber immer weiter gehende Mission, an der wir teilhaben dürfen: bis wir einmal vor dem großen Thron stehen und für immer anbeten.
Gott bietet uns als Gemeinde nicht weniger an, als Teil von etwas riesigem, etwas unvorstellbar Großem zu sein: seiner Mission auf dieser Erde! Wir beginnen mit Gott – seiner Geschichte, seiner Selbstoffenbarung, seiner Selbstopferung, seiner Verherrlichung – und enden mit ihm: dass seine Mission, an der wir als Gemeinde teilhaben dürfen, zu seiner Verherrlichung führt, für alle Ewigkeit!
Das ist der Gott der Bibel – das ist die große Geschichte der Bibel – das ist der Auftrag der Biblischen Gemeinde; das ist Herrlichkeit!

d. Fazit
Es ist schwer, ein Buch zusammenzufassen, dass das eigene Denken auf Grundlegende Art und Weise neu geordnet hat; das einem sogar einen neuen Zugang zu der biblischen Geschichte gezeigt hat. Ich hoffe, meine tiefe Wertschätzung für dieses Buch ist durch die Rezension deutlich geworden. Wenn ich euch ein Buch raten kann, dass ihr in diesem gerade frisch begonnenen Jahr lesen solltet, dass ist es Wrights 'The Mission of Gods People'. 5 Sterne, die ich bei Amazon für dieses Buch gegeben habe, reichen für die Tiefe und den Reichtum des Buches eigentlich nicht aus.
Absolut Empfehlenswert. 

Gods Bless,

Restless Evangelical.

Wright, Christopher J.H., The Mission of Gods People – a biblical Theology of the Church’s Mission, Grand Rapids: Zondervan 2010
ISBN-10: 0310291127
ISBN-13: 378-0310291121   


Das Buch lässt sich übrigens hervorragend in der FTH Buchhandlung bestellen:
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