Samstag, 28. Januar 2012

Das Privileg der Verantwortung

Wieviel Privileg steckt in der Verantwortung?

Als Teil der Bewegung, der man den Namen 'Young Restless Reformed' gegeben hat, komme ich immer mal wieder mit meiner eigenen Einstellung in Kontakt, die mich zu weniger missionalem Engagement in der Welt bewegen will. Denn dann erinnere ich mich an das Privileg, Gottes Kind zu sein. 'Du bist geliebt, du bist erwählt', klingelt es mir dann in den Ohren und ich lehre mich zufrieden in meinem weichen Polsterstuhl zurück und erkenne die Zeichen von Gottes Vorherrbestimmung in meinem Leben. Erfolg, Auskommen, Geld, Freundschaften, Anerkennung der eigenen Leistungen – ist das nicht alles ein Zeichen dessen, dass ich zu Gottes Volk gehöre? Und dann kommen andere Gedanken dazu: Sollte ich mich nicht mehr darauf konzentrieren, dass ich die Bibel mehr und tiefer verstehe und nicht meine Zeit bei der Tafel 'verschwenden'? Sollte ich nicht lieber mein Geld sparen, damit ich mir eine ganze Reihe evangelikaler Kommentare kaufen kann, als meine Euros dem Obdachlosen im Seltersweg zukommen zu lassen?
Es kommt dann viel 'Ich' vor in meinen Gedanken – und wenig 'ihr'. Meine Gedanken drehen sich dann mehr um meine Erkenntnis als das Vermitteln von Gottes Offenbarung.
Christopher Wright schreibt:

 „[Through the exile] Israel learned that to have YHWH as their covenant partner did not mean that he was their national god who could always counted on to be on their side, no matter what. To know that YHWH was the God of all the earth, sovereign over all the nations, meant that they must recognize that Israels election into covenant partnership was not a matter of favoritism at all but a huge responsibility.“ (Christopher J.H. Wright, The Mission of God, Leicester: InterVarsity Press 2006, S.96, Hervorhebung durch mich)

1.Gott kennen ist Privileg
Es ist nicht, dass die Kenntnis Gottes als dem Herrscher und herrlichen König der ganzen Erde nicht ein Privileg ist. John Piper bringt immer wieder sehr deutlich zum Ausdruck, wie es erst die Ausrichtung des Menschen auf etwas höheres, reineres, über den Menschen hinausragendes ist, dass uns mit Freude erfüllen kann – und das ist Anbetung. Wir können nur anbeten, was wir kennen. Und um Gott zu kennen, muss er sich uns offenbaren. Es ist ein Privileg, Gott zu kennen. Nicht nur ein Privileg; es ist das größte Privileg, dass es auf dieser Erde zu bekommen gilt. Paulus schreibt es wir folgt:

 „Sie sind ja Israeliten; ihnen hat Gott das Vorrecht geschenkt, seine Kinder zu sein. Ihnen hat er seine Herrlichkeit gezeigt; mit ihnen hat er seine Bündnisse geschlossen; ihnen hat er das Gesetz und die Ordnungen des Gottesdienstes gegeben; ihnen gelten seine Zusagen. Sie sind die Nachkommen der von Gott erwählten Väter, und aus ihrer Mitte ist auch der Messias seiner menschlichen Herkunft nach hervorgegangen. Er ist Gott, der über allem steht und für immer und ewig zu preisen ist. Amen!“ (Römer 9,4-5; NeÜ)

Es ist ein Privileg, die Mission Gottes zu kennen; an der Wiederrichtung seiner guten Ordnung teilzuhaben. Es ist ein Vorrecht, seine Kinder sein dürfen. All das ist wahr und ohne jeden Zweifel großartig. Ich bin auch immer wieder erstaunt, wie bei Paulus (und dem Rest der Bibel) theologische Wahrheit in Anbetung führt – ohne Punkt und Komma. Wenn wir die Herrlichkeit unserer Gotteskindschaft erkennen, dann kann uns das nicht kalt lassen; dann können wir es nicht rational annehmen, ohne zu jubeln und vor Freude zu tanzen: Wir, Sünder, kleine Individuen in einem See aus 7 Milliarden Menschen, sind vor Grundlegung der Welt dazu bestimmt worden, Gottes Kinder zu sein und einem für alle Zeiten mit ihm zu herrschen und seine gute Ordnung in aller Welt auszubreiten.
Und Gott hat allen Menschen seine Anwesenheit, seine Kreativität, seine Macht und Stärke offenbart, als er seine Fußspuren in der Schöpfung hinterließ. Aber noch viel mehr zeigt er sich uns als Christen: Durch das Kreuz; durch Jesus; durch die Bibel. Wir wissen von ihm, dadurch, dass er in unserem Leben handelt, dass wir alle unser eigenes Exoduserlebnis hatten, als Gott uns aus der Gefangenschaft in die Freiheit der Gotteskindschaft geführt hat. Und wenn wir zurücksehen, dann müssen wir bekennen: Es war Gott, der gehandelt hat. Sollten wir nicht jedem Menschen von diesem Gott erzählen?

2.Gott kennen ist Verantwortung

Und trotzdem musste Israel erkennen, dass dieses Privileg nicht billig zu erstehen war; es war nicht wie ein Weihnachtsgeschenk, über das man sich immer mal wieder freut und das dann im Regal steht, bis man es das nächste Mal benutzt. Mit der Kenntnis Gottes kommt auch eine Verantwortung, die man nicht missachten sollte. Das wusste Paulus auch. Er schreibt:

„Doch wie sollen sie den anrufen, an den sie noch nicht glauben? Und wie sollen sie an den glauben, von dem sie noch nichts gehört haben? Und wie sollen sie von ihm hören, wenn es ihnen keiner sagt? Aber wie soll die Botschaft gepredigt werden, wenn niemand den Auftrag dazu bekommen hat? Doch das ist geschehen. Es ist eingetroffen, was geschrieben steht: "Was für eine Freude ist es, wenn die Boten kommen und die gute Nachricht bringen."“ (Römer 10,14-15; NeÜ)

Gott hat die Kenntnis seines Namens an sein Volk gebunden; es ist dieses Bundeshandeln Gottes, das ihn von allen anderen Göttern abhebt. Denn er sieht nicht nur von oben auf die Welt herab wie auf ein Theaterstück auf der großen Bühne; er nimmt daran Anteil und bindet seine Ehre und seinen Namen an fehlbare Menschen. Und das sind heute wir Christen, die Gotteskinder, die 'Privilegierten'. In Jesaja ruft Gott seinem Volk zu:

„Ihr seid meine Zeugen", spricht Jahwe, / "und mein Diener, den ich erwählte, / damit ihr erkennt und mir glaubt, / damit ihr einseht, dass ich es bin! / Vor mir gab es keinen Gott, / und nach mir wird kein anderer sein. Ich bin Jahwe, / einen Retter außer mir gibt es nicht!“ (Jesaja 43,10; NeÜ)

Die Szene spielt in einem gerichtssaal, natürlich imaginär, in dem sich die Völker der Welt und ihre Götter versammeln. Gott sagt einen Vers vorher:

„Alle Völker sind versammelt zum Gericht, / alle Nationen herangeholt! / Welcher ihrer Götter hat dies angekündigt? / Welche ihrer Weissagungen trafen überhaupt ein? Mögen sie uns Zeugen dafür stellen! / Die sollen es hören und sagen: 'Es ist wahr!'“ (Jesaja 43,9; NeÜ)

Und später beschreibt Gott alle Dinge, die er für Israel getan hat – sie sind die Grundlage für ihr 'Zeuge sein'.
'Ihr sollt meine Zeugen sein' kommt uns das Echo aus dem Alten Testament im Apostelgeschichte 1,8 entgegen. Wir sind heute Gottes Zeugen; an uns hat er die Kenntnis und die Herrlichkeit seines Namens gebunden. Es ist eine Verantwortung die wir tragen – eine Verantwortung, der wir zu oft nicht nachkommen, wenn sich unsere Augen lieber nach Innen richten, in uns hinein, unsere Wissensanhäufung, und ins Innere unserer Gemeinde.

3.Die Verantwortung ist Freude

Aber wie sollen wir einer solchen Verantwortung nachkommen? Ist es nicht am Ende durch der Befehl zu Werken, der sich im Christentum versteckt. Wenn ich Christ bin, dann muss ich also doch wieder Dinge tun, um vor meinem Gott bestehen zu können?
Denkt daran, dass die Grundlage für unser 'Zeuge sein' in der Erinnerung und Schilderung der Ereignisse liegt, die Gott in unserem Leben bewirkt hat, als er uns gerettet hat. In der Verantwortung, Zeuge zu sein, geht es nicht um einen Zwang – sondern um die Möglichkeit, endlich von der Größe Gottes berichten zu dürfen. Es ist ein Privileg, diese Verantwortung zu tragen. Wir dürfen mit Hiob in den Chor einstimmen: „Bloß mit dem Ohr hatte ich von dir gehört, / jetzt aber hat mein Auge dich geschaut.“ (Hiob 42,5; NeÜ)
Im Bekenntnis liegt Freude, im Verkündigen erfüllen. In Anbetung das Stillen unserer Sehnsucht. „Was für eine Freude ist es, wenn die Boten kommen und die gute Nachricht bringen.“ (Römer 10,15; NeÜ)
Freude für die die Hören, Freude für die die Kommen.

Gods Bless,

Restless Evangelical

1 Kommentar:

  1. Zum Thema unsere Verantwortung http://mehrerekanonen.blogspot.com/2011/01/vollig-verloren.html

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