Montag, 9. Januar 2012

Erinnert Gott an seine Versprechen!

Eine Erkenntnis über Gebet...

Manchmal frage ich mich, ob ich meine Gebete richtig formuliere. Ich glaube, dass Gott der souveräne Herrscher über die Weltgeschichte ist und ebenso mein Leben lenkt und weiß, wie es um mich steht. Und es ist eine wunderbare Gewissheit, dass wir das wissen. Paulus schreibt uns ja auch in Römer 8,28, dass uns, die wir Gott von Herzen lieben, alle Dinge zum Besten dienen werden.
Und unser Vertrauen geht dahin; wir wollen Gott für alles in unserem Leben danken – denn es ist ja von Gott geplant und wird sich als der beste Weg erweisen, oder?
Bei meiner 3650-Herausforderung (ein Jahr 10 Kapitel am Tag lesen) bin ich vor kurzem auf eine Stelle gestoßen, die mich an dieser Einstellung etwas Zweifeln lässt.
Nach der – erwiesenermaßen selbstverschuldeten – (und dennoch) dramatischen Niederlage in Ai liegen die Führer der Israeliten auf dem Boden und beten Gott an. Und Josua sagt etwas entscheidendes:

„Bitte, Herr, was soll ich denn jetzt sagen, nachdem Israel vor seinen Feinden geflohen ist? Wenn das die Kanaaniter und die anderen Bewohner des Landes hören, werden sie uns umbringen und unseren Namen in diesem Land auslöschen. Was wirst du dann für die Ehre deines großen Namens tun?“ (Josua 7,8-9, NeÜ, Hervorhebung durch mich)

Als ich über diesen Text den Tag über nachdachte, musste ich über mein Gebetsleben nachdenken. Wenn ich sonst dadrüber nachdenke, kommt mir vor allem der Gedanke, dass es noch wesentlich intensiver sein könnte und sollte. Aber diesmal kam mir ein anderer Gedanke. Wenn ich in Not gerate – in Situationen, denen ich nicht Standhalten kann und wo ich nicht weiß, wie es weitergehen soll – dann bin ich der Weltmeister im Gebet. Aber ich lege Jesus dann alle meine Sorgen hin; erkläre ihm meine Situation und Ende damit, dass ich ihn daran erinnere, dass er es machen soll, wie er es für richtig hält. Als wenn er das nicht wüsste – und meine Erlaubnis dafür bräuchte!
Aber Jesus hat uns doch versprochen, dass er die Gebrochenen wiederaufrichten möchte; dass sein Joch leicht ist und seine Last einfach; dass er denen vergibt, die ihre Schuld bekennen!
Aber mir ist aufgefallen, dass ich Jesus noch nie daran erinnert habe, dass er das gesagt hat. - und damit meine ich nicht, dass ich das müsste! Jesus weiß das nur zu gut. Aber es wirkt, wie eine Predigt zu uns selbst, wenn wir im Gebet aussprechen, was uns schon lange versprochen ist.
Und eines sollten wir uns aus den Versen noch besonders hinter das Ohr schreiben: Wir dürfen Gott auch an die Ehre seines Namens erinnern. Denkt dadran, dass Mose das sogar an zwei Gelegenheiten getan hat; dass es Josua hier getan hat. Und denkt besonders an den dramatischen Akt von Gottes rettendem Handeln, als er das Volk Israel aus der Verbannung in babylon zurückgeführt hat. Es war Gottes Gerichtshandeln, dass dazu geführt hat, dass die Israeliten in der Situation stecken, in der sie eben steckten: Sie waren verstreut, gedemütigt und verbannt worden. Aber vor allem eines ist passiert: Der Name ihres Gottes drohte seine Ehre zu verlieren; es schien, als hätte Jahwe seinen Meister gefunden – in den Göttern Babylons, die mit Leichtigkeit über Israel gesiegt hatten – denn damals waren die Schicksale einer Nation eng verbunden mit der Ehre, der ihren Göttern zukam. Doch Gott lenkt die Weltgeschichte. Und deswegen führt er das Volk zurück in sein Land. Nicht, weil sie es verdient hätten. Nicht, weil sie sich so gut verhalten haben. Nicht (in erster Linie), weil er Versprechen zu halten hatte gegenüber Israel; und schon gar nicht, weil das Gericht unfair gewesen wäre. Es ist die Ehre seines Namens, die auf dem Spiel steht.
Christopher Wright schreibt:
„The result from the exile, however, had been that the name of YHWH was being „profaned“ among the nations. That means, the name „YHWH“ as being treated as the common or ordinary name of just another defeated god among the long list of gods whose nations had been conquered and exiled by Babylon. This was a situation YHWH could not tolerate as a permanent state of affeirs. […] So, yes, YHWH would act again to deliver his people, but the primary motivation, in Ezekiels uncompromising theocentricity, would be to salvage YHWH's own name from the gutter of profanity among the nations“ (Christopher J.H. Wright, The Mission of God, Downers Grove: Intervarsity Press 2006, S.88, Hervorhebung durch mich)

Natürlich liebt Gott uns; natürlich hilft er uns, weil wir seine Kinder sind und er uns helfen will. Aber seine erste und wichtigste Motivation dahinter ist, dass er seinen Namen großmachen will – und er hat die Ehre seines Names an sein Volk – an die Gemeinde – gebunden.
Deswegen dürfen wir ihn, selbst wenn wir in selbstverschuldeter Situation im Schlamassel sitzen, den Kopf heben und ihn daran erinnern, dass er seinen Namen groß machen will und soll! Das bedeutet kein Freifahrtsschein; wir müssen danach mit Mut und Durchhaltevermögen die Konsequenzen für unser Tun tragen. Aber wir können sicher sein: Auf Dauer wird Gott – früher oder später – seinen Namen wieder aufrichten. In Gießen; in Hessen; in Deutschland; in Europa; in der ganzen Welt!

Gods Bless,

Restless Evangelical

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