Freitag, 6. Januar 2012

Für Licht braucht es Dunkelheit!

Ein Plädoyer


Bei ihrem Vortrag auf der diesjährigen Passion Conference hat Christine Caine – Gründerin der A21-Campeign und im Leitungsteam der Hillsong Church Australien – eine Geschichte von ihrer Tochter erzählt. Sie erzählte, wie sie in Amerika mit ihrer Tochter in einen Wallmart ging, um ein Barbi-Blinklicht zu kaufen. Als sie endlich durch die Kasse waren konnte das Mädchen es endlich ausprobieren und schaltete es ein. Bei der ganzen grellen Beleuchtung in diesem Supermarkt konnte sie das eigene Licht natürlich fast gar nicht sehen. Da sagte sie zu ihrer Mutter: „Mom, can we go and find some darkness?“
Das ist ein bemerkenswerter Satz, den Christine mit einer ebenso interessanten Bemerkung versah: „And I just thought: My little girl is getting a revelation right here.“
Das ist natürlich ein überspitzter Gedanke – aber eine Wahrheit steckt drin. Das Mädchen hat erkannt, dass Licht nur dann seine Wirkung entfalten kann, wenn es in der Dunkelheit steckt.
Für einen Christen in der dritten Welt, in Orten, wo Verfolgung an der Tagesordnung sind, mag der Satz „Can we go and find some darkness?“ irgendwie lächerlich wirken. „Find some Darkness? Sie ist hier überall – an jeder Straßenecke, jeden Fußschritt müssen wir hier leuchten! Die Frage sollte heißen: Can we go and find some light!“ Aber das ist nicht unsere Realität in dieser westlichen Welt, in diesem gar nicht so-krisengeschüttelten Deutschland. Wenn wir man absehen von den Gruppen, die eine Verfolgung von Christen in Deutschland herbeizubeten versuchenk, weil das angeblich zu einer Erweckung führen würde, und den Gruppen, die einen leichten Windhauch im Gesicht gerne einen Sturm nennen, dann müssen wir sagen: Wir leben hier in Deutschland an einem ziemlich hellen Ort. Nun ja, das Licht mag uns nicht blenden; aber es ist doch genug, dass wir ohne Lampe Fahrradfahren können (übertragend gesprochen). Und weil es uns noch nicht hell genug ist – es anstrengend ist, unsere Augen an das Dämmerlicht zu gewöhnen – deswegen verschanzen wir uns in den Hauskreisen unserer Gemeinde, den Gottesdiensten (die bewusst Besucher-unfreundlich sind, damit man uns nicht mit Rick Warrens Gemeinde verwechselt!).
Und dabei ist alles, wozu wir aufgerufen werden, ein Licht für die Welt zu sein. Eine Stadt auf dem Hügel, deren Licht man weithin sehen kann.
Wenn ich aus dem Fenster der FTH sehe, wo ich gerade sitze, dann sehe ich im gegenüberliegenden Gebäude ein Fenster hell erleuchtet. Es ist interessant, dass mir der Gebäude sonst fast nicht auffällt – aber wenn Abends ein Licht in einem Fenster ist, dann fällt mein Auge darauf und ich bemerke das Leben dahinter. Es ist jemand anwesend – es hebt sich ab von der Masse.
Als Christen sind wir immer auf der Suche nach unserer Berufung – dem, was Gott mit unserem Leben machen möchte. Und Louie Giglio hat in seinem letzten Vortrag von dieser Passion Conference einige sehr gute Sätze dazu gesagt. Darauf will ich jetzt gar nicht eingehen. Ich frage mich vielmehr, ob unsere Suche auch damit zusammen hängen mag, dass wir von lauter Lichtern umgeben sind. Hier an der FTH ist das noch deutlicher zu spüren als an den meisten anderen Orten. Aber hier leuchtet jeder irgendwie und man unterschätzt dabei sein eigenes Licht. Jeder setzt sich hier mit Lehre auseinander – da bist du nichts mehr besonderes. Es ist soviel schwerer, seinen 'Kerzenständer' zu finden, wenn man sich nicht mit der Dunkelheit befasst, die uns umgibt, weil man umso heller scheinen muss, umso orgineller, einfallsreicher sein muss, je mehr Licht uns umgibt. Aber wenn wir unsere sicheren Mauern verlassen und in die Dunkelheit gehen, um ein Licht für die Welt zu sein – das Licht des Evangeliums, des bedingungslosen Friedens Gottes in die Welt zu tragen – dann merkt man viel schneller, dass es da einen Schein gibt, der von uns ausgeht. Das Leuchten des Heiligen Geistes, der in uns wirkt. Denn die Menschen reagieren dadrauf.
Und sei es, dass du einem einzigen Menschen hilfst, aus seiner auswegslosen Situation in das Licht Gottes zu treten.
Und sei es, dass du einem einzigen Menschen zeigst, dass er wertgeschätzt ist und dass sich jemand für ihn interessiert.
Und sei es, dass du für einen einzigen Menschen um die Gerechtigkeit kämpfst, die er verdient hat!
Und sei es, dass du nur einem einzigen Menschen zeigst, dass die Quelle aller Freude in Jesus liegt.

Du wirst zehnmal heller scheinen als in einem Lampenstudio.

Gods Bless,

Restless Evangelical

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