Samstag, 7. Januar 2012

Gott hat gesprochen...


Ein weiterer Passion-Eindruck

John Piper nannte in seinem Vortrag bei Passion 2012 diese Konferenz ein 'truth-soaked event'. Wenn ich die Vorträge dieses Jahr und in den letzten Jahren einmal an mir Vorbeiziehen lasse, dann ist diese gesunde – und gleichzeitig leidenschaftlich vorgetragene – Lehre eine der Stützpfeiler dieser Konferenz. In 'Young Restless Reformed' schreibt Collin Hansen über die Passion Conference:

„Piper may not know what he's doing at Passion, but it's obvious to the students […] why he fits with Passion. Piper lends academic weight, moral authority, and theological precision to the conference. More than that, Piper shares Passions overarching vision. Worship songs from Charlie Hall and Chris Tomlin, preceding talks by Giglio, pound home two themes beloved by Calvinists – God's sovereignty and glory.“ (Hansen, Collin, Young Restless Reformed, Wheaton: Crossway 2008. S.17)

Passion will Wahrheit verkünden; auf der Bühne durch die Redner, Musiker, Lieder – vor der Bühne durch die vielen Jugendlichen, die motiviert und ermutigt werden, ihr Leben für eine größere Geschichte zu geben: Welcome to the story of God!
Doch – wie ich in einem anderen Post schon rezensiert habe – heißt dann die Frage: Was ist Wahrheit? Woher weiß ich, dass mir die Redner auf der Bühne und die Musiker wirklich Wahrheit verkünden? Es wird richtig, wenn Francis Chan seine Bible zusammenrollt und sagt: „Just do it!“ Es wirkt irgendwie beeindruckend, wenn John Piper seine ganze Leidenschaft darein steckt, den Jugendlichen deutlich zu machen: Gott is most glorified in You, when you are most satisfied in HIM! Es ist auch beeidruckend, wenn Christine Caine berichtet, dass es heute mehr Sklaven auf der Erde gibt als jemals zuvor. Und natürlich ist es irgendwie erfrischend, erweckend, wenn Louie Giglio uns erzählt, dass unser Leben mehr wert ist als unser Level bei World of Warcraft. Dass wir ein Leben haben, dass Gewicht haben kann; dass wir zu einer größeren Geschichte gehören dürfen, die über uns hinausreicht.
Aber woher weiß ich, dass das stimmt?
Ich hab gestern einen langen Brief an einen lieben alten Freund geschrieben. Er hat mir die Frage gestellt: „Lernt ihr an der FTH nur etwas über und von der Bibel? Oder setzt ihr euch auch kritisch mit manchen Stellen auseinander?“
Ich habe versucht, ihm die drei Offenbarungshandlungen Gottes zu erklären – die Schöpfung, die Bibel und Jesus selbst! Während ich so schrieb und erklärte, dass wir ja auch nur durch die Bibel erst von Jesus wissen und erst durch die Bibel eine klarere, genauere Vorstellung von dem Schöpfergott bekommen, musste ich an eine Gegebenheit bei der diesjährigen Passionconference denken.
Bei dieser Gelegenheit haben alle Redner dieser Konferenz immer abwechselnd den kompletten Epheserbrief vorgelesen. Und nach einigen Versen haben sie unterbrochen und gesagt: „Let's be silent and ask Jesus, to speak to us!“ Hinter ihnen auf den Bildschirmen standen die Worte: „Jesus, please speak to me!“
Ich fand das interessant – weil es den Begriff Wahrheit und 'gesunde Lehre' auf eine ganz andere Ebene hebt. Wir sind es gewohnt, Predigern zuzuhören, die uns die Bibel auslegen und mit Hintergrundinformationen die Bedeutung des Textes zu entschlüsseln. Oder wir sind es gewohnt, dass uns Prediger vom nahen Untergang der Welt berichten und wie schlecht die Kultur ist, in der wir leben. Oder wir sind es gewohnt, dass uns der Prediger seine Eindrücke über den Bibeltext oder ein Bild im Museum oder eine Werbung im Bus mitteilt. Aber wie oft lassen wir Jesus noch durch den Text zu uns sprechen? Ich meine damit keine 'mystische Erfahrung' – ich meine damit, dass wir über den Text nachdenken und versuchen zu ergründen, wie es in unsere Lebenssituation passt, was er über unseren Augenblick zu sagen hat.
Ich habe den Eindruck, dass wir manchmal abhängig davon werden, was die großen Prediger unserer Zeit, die großen Theologen in ihren Kommentaren, die großen Evangelisten der vergangenen Jahrhunderte oder die großen Bekenntnisse der Reformationszeit zu dem oder dem Thema oder Text sagen – und dass wir dabei vergessen, was Rob Bell so nett auf den Punkt gebracht hat:
„Gott hat gesprochen – der Rest ist doch nur Kommentar!“ (Bell, Rob, Velvet Elvis,Grand Rapids: Zondervan 2005, S.83)

Gods Bless,

Restless Evangelical

P.S. Auch wenn ich ab und zu Rob Bell zitiere – weil er manche Sachen sehr gut auf den Punkt bringe, bedeutet das nicht, dass ich alles, was er sagt, unterstützenswert finde; manches ist auch schlichtweg falsch und unsachlich. Aber wieso nicht das gute behalten?

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