Dienstag, 3. Januar 2012

Macht die Straßen fertig – Gott ist auf dem Weg!

Eine Rezension von Christopher Wrights „The Mission of Gods People”

Alles beginnt mit Gott und endet bei ihm. Als Rick Warren seinen Weltbestseller ‚Leben mit Vision‘ schrieb, begann er den ersten Schritt mit dem grandiosen Satz: „Es geht nicht um Sie. […] Wenn Sie wirklich wissen wollen, warum Sie sich auf diesem Planeten befinden, müssen Sie mit Gott anfangen.“ (Leben mit Vision, S. 17).
Die Frage, warum wir uns auf diesem Planeten befinden und was der Zweck unseres Daseins ist, beschäftigt wahrscheinlich jeden Menschen irgendwann in seinem Leben; wie viel mehr sollte er uns als Christen beschäftigen. Wenn das, was Warren schreibt, wahr ist, dann sollten wir mehr als alle anderen wissen, warum wir hier sind; was unser Auftrag ist.
Vielleicht ist das der Grund, warum es so viele Diskussionen darum gibt, das die Mission der Gemeinde – und damit des einzelnen Christen – ist. Christopher Wright hat in seinem 2010 erschienen Buch ‚The Mission of Gods People‘ versucht, dieser Frage auf den Grund zu gehen.

a. Die Stoßrichtung des Buches.
Chris Wright schreibt selbst, warum er dieses Buch schreibt. Im Vorwort heißt es:

„In this book, I am asking the „so what“ question on behalf of those of us whom this great God oft he Bible has called into saving and covenant relationship with himself – the church, the people of God from Abraham to the population of God in Revelation. Who are we and what are we here for?” (S.17, meine Hervorhebung)

Es handelt sich also um die Frage, was unser Auftrag als Christen in dieser Welt ist. Nachdem Chris Wright 2006 sein (nicht weniger beeindruckendes, aber weitaus ausführlicheres) Buch ‚The Mission of God‘ herausbrachte, war sein Ziel, eine missionale Lesart der Bibel herauszufiltern. Er schreibt:

„I wanted them [his students] to soo not just that the Bible contains a number of texts which happen to provide a rationale for missionary endeavor but that the whole bible is itself a “missional” phenomenon” (Wright, Christopher J.H., The Mission of God, Downers Grove: InterVarsity Press 2006, S.22, seine Hervorhebungen)

Wenn wir beginnen, die Bibel mit dieser ‘missionalen Brille’ zu lesen, dann bekommen wir einen Eindruck, wir die verschiedenen Zeugnisse Gottes über sein eigenes Handeln in sich schlüssig sind – eine große Geschichte (‘Metanarativ’) wiederspiegeln: eine Mission Gottes. Und nachdem Wright diese Grundlage in ‚The Mission of God‘ gelegt hat, legt er mit diesem Buch nach, und erforscht die praktischen Auswirkungen eines missionalen Bibelverständnisses auf das Leben eines einzelnen Christen aber auch der ganzen Gemeinde und der Gemeinde Gottes an sich.

b. Die drei wichtigsten Argumente des Buches
The Mission of Gods People ist voll mit hervorragenden und ebenso häufig herausfordernden Argumenten, wie wir die Mission Gottes und unsere Mission zu verstehen haben. Drei Argumente Wrights aber sind besonders wichtig, um seine Argumentation zu verstehen.
Das Erste liegt in dem Punkt, wie wir die biblische (Heils-)Geschichte zusammenfassen. Wright schreibt:

„The Bible does not begin at Genesis 3 (or end at Revelation 20). You might think so when you listen to some presentation of the Bible’s message and mission. That is to say, the Bible is not just about the solution of our sin problem and how to survive the day of judgement.” (s.40)

Wir müssen – auch wenn wir die (Heils-)Geschichte zusammenfassen – bei Gott beginnen, und nicht bei uns. Das ist der Grund, warum der Satz, mit dem Kevin DeYoung und Greg Gilbert in ihrer jüngsten Publikation die große Geschichte der Bibel zusammenzufassen versuchen, daneben geht; nicht völlig, aber knapp daneben ist eben auch vorbei. DeYoung und Gilbert bennen folgende Frage als die zentrale Frage der Biblischen Narative: „How can a hopelessley rebellious, sinful people live in the presence of a perfectly just an righteous God?“ (Greg Gilbert und Kevin DeYoung, What is the Mission of the Church, Wheaton: Crossway 2011, S. 69) Diese Frage aber beginnt mit den Menschen und setzt dann Gott in Beziehung zu uns. Wright argumentiert, dass wir mit Gott anfangen müssen; das bedeutet: nicht mit dem Sündenproblem, sondern mit dem Schöpfergott. Und dass wir mit Gott aufhören müssen; das bedeutet: nicht mehr der Lösung des Sündenproblems auf der Erde, sondern mit der Neuschöpfung und Wiedererrichtung von Gottes guter Ordnung auf dieser Erde.
Das Zweite liegt darin, dass Wright die Mission der Gemeinde nicht in erster Linie in Matthäus 28 (dem sogenannten ‚Missionsbefehl‘) verortet, sondern im Alten Testament. Wright schreibt:

„What was it that made Christianity a missionary faith from the very start? […] Well, you might respond, because Jesus told them to. They had the Great Commission. It was a matter of obedience. […] But if this simple obedience to the Great Commission were the major reason in the consciousness of the early Christians, it is surprising that it is never mentioned anywhere else in the New Testament.” (S.36, seine Hervorherbung)

Wright argumentiert dann im Folgenden, dass sowohl Jesus seine Mission im Alten Testament verortet hat (z.b. Lukas 24,44-48), als auch Paulus (z.b. Apg 13,47-48), als auch die restlichen Apostel (z.b. Apg. 15,13). Und dann lokalisiert Wright den wirklichen Missionsbefehl, der zuerst an Abraham ging, dann auf das Volk überging und heute allen Kindern Gottes gilt. In 1Mose 12 heißt es: „Geh […] und du sollst ein Segen sein […] und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ (1Mose 12,1-3)
Das Dritte liegt darin, dass das Buch sich vor allem mit der ethischen Dimension der Mission der Gemeinde befasst. Wright schreibt:

„We saw […] that Israel’s identity (tob e a priestly kingdom) constituted a mission (to bless the nations by bringing God to them and bringing them to God). That remains the mission of God’s people in Christ, to be the living proof of the living God. And Israel’s mission demanded an ethic[…]. The same demand underlies our mission. We are called to be different. There is no biblical mission without biblical ethics.” (S.149, seine Hervorhebungen)

Wir müssen, um biblische Mission zu betreiben, auch einen biblischen Lebensstil verfolgen. Oder, um es mit anderen Worten auszudrücken: Lebe das aus was du glaubst! Das ist die Stoßrichtung von Jakobus in seinem Brief (Ein Glaube ohne Werke ist tot!) und das ist die Annahme, die dem Aufbau des Buches von Wright zugrunde liegt.

c. Die Auswirkungen des Buches
Wenn wir mit Gott beginnen – auch was unser Missionsverständnis angeht – dann müssen wir verstehen, was Gottes Mission ist. Welches Ziel verfolgt Gott in der ganzen Bibel? Welchen Zusammenhang kann man herstellen zwischen den Gesetzen in 5Mose, den Befreiungsrevolten unter den Richtern, den Gerichtsankündigungen durch die Propheten, dem Heilungs- und Wunderdienst Jesu, seinem blutigen (Erlösungs-)Tod am Kreuz, seiner mysteriösen Himmelfahrt, der kraftvollen Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten und dem sehnsüchtigen Warten der Christen (und der ganzen Schöpfung à Römer 8,20f) auf die Wiederkunft des herrlichsten und wunderbarsten und gerechtesten Königs aller Zeiten – Jesus Christus? Wo ist der Rote Faden, was bezweckt Gott damit? „Finally […] we remind ourself that the goal of all mission ist he glory of God“ (S.149)! Und dann gibt es noch etwas; einen Plan Gottes, um seine Herrlichkeit groß zu machen. Gott bringt seine gute Herrschaft wieder auf die Erde – das ist das Endziel; davon berichtet nicht nur die Offenbarung, nicht nur Golgatha, sondern die ganze Bibel. Darauf wartet die ganze Schöpfung; und jetzt fragt Gott uns, ob wir an seiner großen Mission teilhaben wollen. Es ist eine aufregende, erfüllende, manchmal Kräfte zehrende, aber immer weiter gehende Mission, an der wir teilhaben dürfen: bis wir einmal vor dem großen Thron stehen und für immer anbeten.
Gott bietet uns als Gemeinde nicht weniger an, als Teil von etwas riesigem, etwas unvorstellbar Großem zu sein: seiner Mission auf dieser Erde! Wir beginnen mit Gott – seiner Geschichte, seiner Selbstoffenbarung, seiner Selbstopferung, seiner Verherrlichung – und enden mit ihm: dass seine Mission, an der wir als Gemeinde teilhaben dürfen, zu seiner Verherrlichung führt, für alle Ewigkeit!
Das ist der Gott der Bibel – das ist die große Geschichte der Bibel – das ist der Auftrag der Biblischen Gemeinde; das ist Herrlichkeit!

d. Fazit
Es ist schwer, ein Buch zusammenzufassen, dass das eigene Denken auf Grundlegende Art und Weise neu geordnet hat; das einem sogar einen neuen Zugang zu der biblischen Geschichte gezeigt hat. Ich hoffe, meine tiefe Wertschätzung für dieses Buch ist durch die Rezension deutlich geworden. Wenn ich euch ein Buch raten kann, dass ihr in diesem gerade frisch begonnenen Jahr lesen solltet, dass ist es Wrights 'The Mission of Gods People'. 5 Sterne, die ich bei Amazon für dieses Buch gegeben habe, reichen für die Tiefe und den Reichtum des Buches eigentlich nicht aus.
Absolut Empfehlenswert. 

Gods Bless,

Restless Evangelical.

Wright, Christopher J.H., The Mission of Gods People – a biblical Theology of the Church’s Mission, Grand Rapids: Zondervan 2010
ISBN-10: 0310291127
ISBN-13: 378-0310291121   


Das Buch lässt sich übrigens hervorragend in der FTH Buchhandlung bestellen:
http://www.ftabooks.de/

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