Samstag, 21. Januar 2012

Wie könnten sie?

Werte und unsere Gesellschaft

Unter Christen gibt es immer viel Gerede darum, wie marode unsere Gesellschaft schon ist. Vor ein paar Tagen habe ich die Verfilmung von Stieg Larssons 'Verblendung' im Kino gesehen. Da heißt es an einer Stelle über den Protagonisten, dass er seit Jahren eine Affäre mit seiner Chefin hat – und diese Affäre seine Ehe zerstört hat, ihre aber nicht.
Und ich habe mich gefragt, was da los ist. Diese Gegebenheit wird in einem Nebensatz erwähnt, als wäre das normal, okay, nicht der Rede wert.
Und als ich später am Abend so darüber nachdachte, kam mir der Gedanke: Es ist genau das in unserer Gesellschaft – nicht der Rede wert. Es ist zuoft vorgekommen, zu normal geworden, als dass noch irgendjemand auch nur ein Wort darüber verliert.
Umso berechtigter ist es doch, wenn wir als Christen die fehlende Moral in unserer Gesellschaft anklagen und danach rufen, dass wieder Werte gelebt werden und unsere Gesellschaft dadurch restaurieren – oder?!
Ich musste an eine Stelle im 1Korinther denken, die ich vor wenigen Tagen gelesen habe, und die mich auf eine andere Spur brachte. Dort schreibt Paulus:

 „Ein natürlicher Mensch kann nicht erfassen, was vom Geist Gottes kommt. Er hält es für     Unsinn und kann nichts damit anfangen, weil es eben durch den Geist beurteilt werden muss. Doch ein Mensch, der den Geist Gottes empfangen hat, kann das alles richtig beurteilen. Er selbst kann allerdings nicht wirklich von einem anderen beurteilt werden, der den Geist nicht hat.“ (1Kor 2,14-15, NeÜ)

Wir wundern uns, dass bei einem christlichen Marsch der 1000 Kreuze soviel Gegenwehr kommt – und beleidigende, kränkende Sprüche uns entgegengeschleudert werden?
Wir wundern uns, dass bei einem Hörsaalvortrag in der Uni, bei dem ein Kreationist reden soll, viele Studenten alles versuchen, um diesen Vortrag zu verhindern?
Wir wundern uns, dass immer wir immer mehr an den Rand der Gesellschaft gerückt werden, unsere Festivals rechtliche Probleme bekommen und unsere Gemeinden von Fernsehteams belagert sind?
Ich frage mich: Was ist unsere Reaktion dadrauf? Wir reagieren wir, wenn wir unserer Rechte beschnitten werden; wenn andere Menschen uns unfair angreifen; wenn wir ausgelacht und beschämt werden, weil wir 'altmodische' Werte vertreten?
Unsere Reaktion sieht meistens so aus, dass wir um unser Recht kämpfen, befürchte ich. Wir geben Pressemitteilungen heraus; schreiben Leserbriefe und strengen Gerichtsurteile an. Aber ich sehe wenig liebevollen Umgang.
Mark Hall – Sänger der Casting Crowns – schreibt über ein Mädchen, dass er im Fernsehen gesehen hat, das auf dem Weg in die Abtreibungsklinik an einem Pulk von 50 wütenden christlichen Fudamentalisten vorbeimuss, deren Botschaft sich auf 'You are a murderer for killing your baby' beschränkt:

 „The whole scene left me with some questions. If the church had been living for Jesus in front of her beforehand, would she have been in such a predicament? How many ingrown churches did she drive by when she was deciding whom to date? How many silent Christians did she sit beside in the lunch room when she was deciding where to go in this relationship with this guy? How many of us were around her at one time or another and didn't have any opinion or anything to say about her life until she did something on our bad list, and then it was time for us to say what we think?“ (Mark Hall, Lifestories, Cool prings: Provident Books 2006, S.24)

Vielleicht liegt der Fehler gar nicht so sehr in der Welt. Mark Hall sagt dazu: 'They're lost, lost people sin. That's what they do!' Das bedeutet nicht, dass es richtig ist, was in dieser Welt oft passiert. Aber es bedeutet, dass sie gar nichts anderes machen können. Und unsere Reaktion ist, ihnen ihre Fehler in unversöhnlichem Ton vorzuhalten – aber wir sagen ihnen sowenig über die Kraft, die die Menschen erst dazu befähigt, die Weisheit von Gottes Ordnung zu erkennen und nach ihnen zutun.
Vielleicht liegt der Fehler bei uns – unseren Gemeinden, die ihrem Auftrag nicht mehr nachkommen, Salz und Licht für diese Welt zu sein.
Vielleicht liegt der Fehler bei uns – unseren Herzen, die sich lieber darauf spezialisieren, Strohmänner zu verbrennen und nicht Menschen in 3D zu lieben.
Vielleicht liegt der Fehler bei uns – unseren Stimmen, die lieber über den gefallenen Zustand der Welt lamentieren, als aktiv an der Mission Gottes teilzunehmen und sein Königreich zu verkünden.
Vielleicht liegt der Fehler bei uns – unseren Gebeten, die sich um unsere Probleme scheren und viel Zeit verwenden, Gott unsere Not zu klagen, anstatt bei ihm für unsere Politiker und Leiter einzutreten.
Vielleicht liegt der Fehler bei uns – ich will nur diese Frage mal aufwerfen.

Gods Bless,

Restless Evangelical

Kommentare:

  1. Wie verblendet kann man eigentlich sein?

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  2. über mir postet ein Hurensohn

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  3. Wie komisch, über mir nicht. Check doch nochmal die Browserkonfig. Vielleicht wird es dann richtig angezeigt.
    @ hübius: Gute Gedanken Mann!

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