Mittwoch, 22. Februar 2012

Tanzen und singen

Theologie und ihr wichtigster Auftrag

Gerade komme ich aus meiner NT-Einleitung und -Zeitgeschichte Klausur. Die letzten Zwei Wochen waren vollgestopft mit Lernskripten und verschiedensten Theorien über die Entstehung der neutestamentlichen Bücher, ihren Status als Kanon und ihre Einbettung in eine Geschichte, die voll ist von gewaltätigen Herrschern, betrunkenen Götzen und einem jüdischen Rabbi, der die Versöhnung der Welt am Kreuz bringt - er, der Messias Israels und König der Welt; er, der Erlöser und Herr meines Lebens.
In dieser Zeit, in der man sich mit diesen wissenschaftlichen Theorien auseinanders setzt und sich von so mancher liberalen These gefangen nehmen lässt und den eigenen Glauben herausfordert, kann man schnell vergessen, wofür man Theologie studiert. Und ich weiß, dass ich nicht selten kurz davor stehe, dieses Ziel aus den Augen zu verlieren.
Und das ist mit Sicherheit nicht nur um dritten Semester so; oder im Theolgiestudium. Als Christen müssen wir uns der Bedeutung und Aufgabe von Theologie immer wieder bewusst machen.
Denn ich beobachte zwei grundlegend falsche Reaktionen auf unser Wissen über Gott und seine Mission:

a) Arroganz
Vielleicht hat es mit dem Umfeld zutun, in dem ich mich bewege - und in der sich dieser Blog bewegt. Aber ich treffe immer wieder Menschen (und merke bei mir diese Tendenz), dass mich das Wissen über Gott Arrogant macht gegenüber solchen Christen, die nichts davon verstehen. Zwei-Quellen-Theorie nicht gehört? Griesbach-Hypothese? Oder wie sieht es mit der pneumatologischen Begrenzung des Kanons aus? Barthianische Offenbarungstheologie? Nie gehört? Und wie liest du dann deine Bibel morgens? Zeig mir dein Vokabular und ich sage dir, welche Brille du trägst.
Dabei Fokussieren wir uns zu sehr auf das, was man den 'offenbarten Gott' nennt und vergessen, uns unter den 'verborgenen Gott' zu demütigen. Manchmal fühle ich mich betrunken vom Wissen über Gott uns seine Welt und vergesse dabei die einfache Tatsache, dass die Ehrfurcht vor Gott der Anfang jeder Weisheit ist. Und die schlimmste Reaktion, die ich dann an mir feststelle, ist der Blick nach unten - als ob es unter mir Christen gibt. Der Blick auf andere herab, weil sie dieses Wissen nicht haben und ihr Wortschatz diese Worte nicht beinhaltet. Als ob es im Christentum darum geht, andere Menschen mit seinem Wissen auszustechen. Bei Jesus geht es nicht in erster Linie um Wissen - es geht um Beziehung. Man kann das Kreuz in den gelehrsamsten Worten beschreiben; die neutestamentliche Theologie über den Erlöserkönig in den beeindruckendsten Worten zusammenfassen - wenn es nicht 'vom Kopf ins Herz rutscht', dann hat diese Theologie nichts mit uns getan. Dann bleibt sie tot - auch wenn sie von der Quelle des Lebens spricht.

b) Feigheit
Manchmal beobachte ich aber auch genau das Gegenteil; es scheint, als würde es Christen geben, die jeder Form von 'Gottgelehrsamkeit' kritisch gegenüber stehen. Damit meine ich gar nicht so sehr die altbekannten Vorurteile, dass das Theologiestudium den Glauben zerstört oder die Bibel zerreist oder ein Pakt mit dem Staat ist. Es geht mehr um eine grundsätzliche Haltung, dass die persönliche Frömmigkeit, das Hören auf Gott in der Losung, mehr wiegt als jede Exegese. Dass Luther doch die Biben schon übersetzt hat und nach ihm viele andere - bis in Elberfeld oder dem Neuen Genf die endgültige Fassung vom Himmel fiel. Wieso brauchen wir diese alten Sprachen? Wieso müssen wir uns überhaupt Gedanken darum machen, welches Evangelium zuerst da war und von wo Paulus welchen Brief und ob überhaupt geschrieben hat? Lasst uns singen und fröhlich sein; ab und zu eine gute Predigt, die uns in der Lebenssituation anspricht, in der wir leben. Ich muss nichts wissen darüber, wie Paulus gelebt hat; ich muss meine Rechnungen bezahlen und will wissen, dass ich nie tiefer fallen kann als in Gottes Hand. Punkt. Das reicht. Meine Dogmatik reicht von Seelsorge bis Seelsorge. Von Helfersyndrom bis Seelenklempner. Weiter muss ich nicht gehen - oder?

Ich denke, dass diese beiden Reaktionen die beiden grundsätzlichen Zielsetzungen von Theologie nicht verstanden haben. Denn Theologie (nicht unbedingt akademisch, aber nachvollziehbar und vernünftig) führt uns zu Gott und zu den Menschen in unserer Umgebung.

1. Theologie, die das Herz zum Singen bringt

Ich liebe diesen Satz, den Piper einmal gesagt hat über seine Teilnahme an den Passion-Konferenzen. Er sagte: "They will not embrace your theology unless it makes their hearts sing!"
Wie oft sehe ich Herzen, die durch Theologie kalt geworden sind. Kalt, weil es sie nicht interessiert. Oder kalt, weil sie nur Debatten gewinnen wollen. Dabei verstehen sie nicht, was schon Thomas von Aquin sagte, dass Theologie von Gott kommt, von Gott redet - und zu Gott führt! Theologie ist kein Selbstzweck für Streithammel, vonn von Zankäpfeln zum Schädeleinschlagen. Ich gebe zu, dass die Theologie viele Jahre von solchen Vertretern entführt gewesen zu sein scheint. Aber es gibt Hoffung - es gibt Lichtstrahlen, auch in der Vergangenheit. Wenn man sich die beeindruckenden Lieder von John Newton ansieht (Amazing Grace...) und sieht, wieviel Theologie sie enthalten: Wie kann das Herz nicht anfangen zu hüpfen vor Freude (und die Hand nicht ein wenig Richtung Himmel greifen - aber das nur am Rande)?
Als ich vor wenigen Wochen meine Predigt für Landau vorbereitete (die man sich hier ansehen kann), habe ich in einem wissenschaftlichen Kommentar über den Epheserbrief einen Satz gelesen, der mich innehalten lies und kurz beten; dankbar sein für die Treue und Güte unseres Gottes! Nicht vorstellbar sagt ihr - hier ist der Satz:

"This inheritance qualifies believers to live eternally in heaven in the presence of God. We have a little bit of heaven in us, namely, that Holy Spirit's Presence, and a guarantee of a lot more to come in the future." (Harold Hoehner, Ephesians: An Exegetical Commentary, Grand Rapids: Baker 2002, S.243)

Wir haben ein kleines bisschen Himmel in uns - ja, hallelujah!
Ich denke, dass Theologie uns immer zur Lobpreis anstiften soll, wenn wir sie richtig betreiben. Theologie ist keine Geisteswissenschaft - sondern eine Wissenschaft vom Geist; eine Wissenschaft, die davon handelt, wen wir anbeten - in Wahrheit und im Geist!
Wenn unsere Theologie uns nicht zur Anbetung führt, sondern zur Hartherzigkeit, Streit, Arroganz, Stolz, Verachtung, Kälte oder Gleichgültigkeit - dann ist es keine echte Theologie. Dann kommt sie jedenfalls nicht an ihrem Ziel an.
Matt Papa hat auf seiner Facebookseite vor wenigen Tagen folgendes gepostet:

"Greater knowledge of God is worthless if it is not for the greater worship of God"

2. Theologie, die dein Leben zum sprechen bringt

Piper schreibt in 'Let the nations be glad' ja folgenden bekannten Satz:

"Missions is not the ultimate goal of the church. Worship is. Missions exists because worship doesn't. Worship is ultimate, not missions, because God is ultimate, not man. When this age is over, and the countless millions of the redeemed fall on their faces before the throne of God, missions will be no more." (John Piper, Let the Nations be Glad, Grand Rapids: Baker 1993, S.11)

Deswegen war mein ester Punkt auf auf die Anbetung gerichtet. Sie ist das wichtigste Ziel vom Wissen über Gott - und keines ist größer. Und mein zweiter Punkt ist nur formal davon getrennt. Denn ich bin überzeugt, dass wachsendes Wissen über Gott - Theologie - uns auch dazu führt, dass wir immer mehr von diesem Gott erzählen. Und das ist Mission. Teilzuhaben an der Mission Gottes - das ist seinen Namen in der ganzen Welt zu verherrlichen und alles unter dem Haupt zu versöhnen, Christus - ist ein Akt von Anbetung; er kommt natürlich aus einem Gehorsamsschritt heraus. Aber wir sollten uns trennen von dem Gedanken, dass Mission bedeutet, dazu berufen zu sein, vollzeitlich zu dienen. Wir sollten anfangen, diesen Gedanken zu leben, dass Mission bedeutet, an Gottes Mission teilzuhaben. Das ist unser Auftrag von Gott; dazu hat er uns auf diese Welt gestellt, uns erlöst und abgesondert: Wir sollen die Verkörperung seiner Mission auf der Erde sein, bis er am Schluss seine Mission selbst beendet! Und Mission wird deswegen direkt von der Theologie befeuert - und dadurch am Ende die Mission.
Mir ist dieser Zusammenhang aufgefallen, als ich Chris Wrights Buch 'The Mission of Gods People' gelesen habe. Er bringt dabei die Theologie (und um den Sack vom Anfang zuzubrinden: Besonders die NT-Einleitungswissenschaft) in den Zusammenhang mit der Mission der Gemeinde, wenn er sagt, dass das hauptmotiv für Mission im Neuen Testament darin liegt, Zeuge zu sein. Immer wieder sagen die Apostel in der Apostelgeschichte, dass sie 'Zeuge sind' von der Auferstehung und dem Leben Jesu. Das war ihre Funktion; deswegen sollte ein Apostel auch von Anfang an bei ihnen gewesen sein. Sie müssen als Augenzeuge auftreten können und die Glaubwürdigkeit Gottes in sich tragen.
Aber wir sind keine Augenzeugen. Ich bin im ausgehenden 2. Jahrtausend geboren. Schlappe 1950 Jahre, nachdem Jesus gestorben und auferstanden ist. Und auch wenn ich von seiner Realität überzeugt bin - gesehen habe ich ihn noch nicht. Und auch wenn das meine Hoffnung auf die Zukunft ist - noch lebe ich im 'noch nicht', auch wenn das 'Schon Jetzt' schon angebrochen ist.
Und doch kann ich Zeuge sein: Dadurch, dass ich die Berichte der Augenzeugen zuverlässig in meiner Bibel lese. Ich lese von den Augenzeugen, weiß von ihrem Bericht. Und kann deswegen sagen: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.
Und deswegen ist gerade auch die NT-Einleitung wichtig. Wenn wir nicht wissen - oder unsicher sind - von wem das Buch geschrieben ist oder ob es vertrauenswürdig ist, dann sind wir keine Zeugen. Dann sind wir nichts weiter als Spekulanten.
Nach diesen letzten Zwei Wochen bin ich aber umso fester davon überzeugt, dass ich wissen kann: Jesus lebt und er regiert!

Ich wünsche mir, dass wir das erkennen. Dass unser Wissen von Gott und seiner Mission dazu führen soll, dass unser Herz singt, und dass unsere Leben von den großen Taten Gottes sprechen. Damit noch viele andere Menschen in den Genuß kommen, der darin liegt, Jesus zu kennen!

Gods Bless,

Restless Evangelical

Freitag, 17. Februar 2012

Bitte, endlich!

Verschiedene Bewegungen und Lernpotential

Man kann viel über die New-Calvinists sagen. Eine Sache, die bis heute wenig Beachtung gefunden hat, ist: Wir sind nicht allein.
Da draußen sind andere Bewegungen; da draußen sind andere Christen, andere Denker, andere Bibelleser, andere Theologen. Nicht alle gehören zu unserer Bewegung, und manche gute Denker sind auch durchaus kritisch - und auch wenn man schnell solche Kritik verwerfen will, zeigt uns doch die Geschichte, das keine Bewegung (und selbst, wenn sie noch so gute Wurzeln hatte) auf Dauer ihren eigenen Wurzeln treu bleiben kann.
Eine weitere wunderbare Entwicklung, die den Bewegungen dieser ersten postmodern aufgewachsenen Generation zu eigen ist, liegt darin, dass diese Bewegungen kein 'Entweder-Oder' sein müssen. Die Emerging Church, die Missionale Bewegung, die New Calvinists, die Neo-Anabaptists - sie alle sind Bewegungen, die eine bestimmte Betonung haben und diese Beitragen zu einer Wiederentdeckung und - wie ich hoffe - Wiedererweckung der Gemeinden und des Evangeliums in unserer Welt, die sich schneller wandelt als jedes Konzept, das Willow Creek ausarbeiten kann (und das ist gar nicht negativ gemeint; danke Bill für deinen Dienst!)
So finden wir New-Calvinists, die sehr aktiv in der Missionalen Debatte beteiligt sind und dadurch ihren Einfluss auf die Emerging Church haben. Und dieses lustige Würfelspiel kann man immer weiterführen.
Die Frage ist nicht, welche dieser Bewegung die 'richtige' ist. Die Frage ist, was wir von den Bewegungen lernen können, um unsere Gemeinden, unsere Predigten, unsere Bücher, unsere Gespräche, unsere Lieder, unsere Blogs und unsere Facebook-Seiten immer mehr so zu gestalten, wie es unserem Auftrag als erlöstes Volk des Erlöserkönigs entspricht. Und so verschwimmen die Grenzen immer wieder - weil das Schwarz-Weiße Denken der Vergangenheit sich nicht als fruchtbar erwiesen hat und weil wir in einer Welt aufgewachsen sind, in der das nicht mehr die Realität ist.
Umso glücklicher bin ich, dass sich der Ton auch immer wieder entschärft und die Christen bereit sind, aufeinander zu hören und miteinander für das Evangelium zu kämpfen - für seine Wahrheit, seine Auswirkungen, seine Konsequenzen und seine Ausgestaltung.
Heute ist mir in einem Artikel ein Zitat aufgefallen, das genau in diese Richtung geht. Auf die Frage, was die New-Calvinists von der Neo-Anabaptistischen Bewegung lernen könnte, antwortet der Theologe, pastor und Blogger David Fitch wie folgt:

"We need to think through a missional ecclesiology that takes seriously that the church is a witness to the Kingdom of God in Christ. The church is a sign to the world of where God is taking the rest of the world: the consummation of His Kingdom in Christ. This takes a way of being both in the world but as sent ones in the world." (gelesen hier)

Es ist wichtig und gut, wenn wir uns Gedanken darüber machen, was das Evangelium ist. Wo liegt die Wahrheit darin; was ist eine gute Definition davon, was wir als unseren Kernwert bezeichnen? Und wie finden wir eine Definition davon, die das Zeugnis der Bibel ernstnimmt und gleichzeitig nicht zuviel hineinpackt und dadurch andere christliche Dienste aus der gemeinsamen Reise Richtung Herrlichkeit ausschließt. Nichts davon ist falsch - alles daran ist wichtig und in den letzten Jahrzehnten oftmals sträflich vernachlässigt worden. Es liegt wohl daran, dass eine junge Generation in den evangelikalen Gemeinden (und nicht-evangelikalen) danach hungert, geistlich ernährt zu werden. Vor wenigen Tagen sagte ein wichtiges Vorbild von mir: "Wie werden die Menschen satt, wenn ihnen am Wochenende nicht das Evangelium gepredigt werden?"
Diese Frage hat mich tief getroffen. Welches Privileg haben wir als Internetnutzer mit zuviel Zeit und Energie, dass wir nicht nur mehr und mehr Input von DesiringGod, MarsHill und anderen Quellen in uns hineinschütten können, sondern noch die Zeit und Muße finden, diese Inputs weiterzugeben und Artikel auf einem Blog zu schreiben, den die ganze Welt liest? Oder vielleicht ein paar Menschen, die für uns die ganze Welt bedeuten?
Welches Privileg liegt darin, wenn wir bedenken, wie viele hart Arbeitende Christen jeden Sonntag auf eine sättigende Predigt warten und hungrig nach Hause gehen müssen; weil ihrem Pastor auf dem theologischen Seminar gesagt wurde, dass sie möglichst alles auf die Bedürfnisse der Menschen anpassen müssen, die das Brot des Lebens gar nicht zu schätzen wissen können!
Welches Privileg und welche Verantwortung!
Doch folgt mir mit euren Gedanken noch in eine andere Richtung.
Wenn wir uns dauerhaft nur Gedanken darüber machen, was Wahrheit ist, kommen wir vielleicht nie zu dem Punkt, dass wir unsere Taten dafür sprechen lassen, dass Wahrheit existiert!
Vor ein paar Jahren hatte ich sehr damit zu kämpfen, dass ich in meiner Umgebung entweder Christen gesehen habe, die 'richtig' geglaubt haben - aber deren Taten mehr von Seperatismus und Inklusivismus sprachen als von Gnade und Vergebung. Oder ich sah Christen, die in ihren Taten die Verändernde Kraft des Evangeliums offenbarten - aber deren Definition dieses Evangeliums zum Haareraufen war.
Und ich Frage mich bis heute, wieso das so ist. Denn:

1. Wenn wir wirklich verstehen, dass Jesus der Erlöserkönig ist; der Herrscher, der die ganze Schöpfung und alles wieder mit sich versöhnt; der seinen Frieden über der Erde ausschütten wird, sodass seine gute Ordnung wieder herrscht; der einmal kommen wird zu richten und zu teilen die Anbeter Gottes von den Anbetern des Egos - wenn wir das verstehen und es von unseren Köpfen ins Herz rutscht: Wie kann es uns kalt lassen? Wie können wir nicht anfangen, in jedem Obdachlosen einen geistlichen Spiegel unser selbst zu sehen und uns in die Position Boas versetzen? Wie können wir nicht anfangen darüber nachzudenken, ob unser Geld vielleicht besser in fair gehandelten Waren aufgehoben ist als in noch mehr Büchern und noch mehr Apple Geräten und noch mehr Zeug? Wie können wir nicht anfangen, dieses Evangelium zu leben? Live out what you believe! - will ich rufen und sehen, wie Menschen mit einem Wort die Christen in ihrer Stadt beschreiben: Gnade!

2. Wenn wir erleben, wie Menschen aufblühen und sich öffnen, weil wir ihnen etwas Wärme, Gnade und Anerkennung spenden aus der Quelle, die Jesus in uns schafft; wenn wir sehen, dass unser Geld auch reicht, wenn wir einen Lebensstil von 'Genug' anstatt von 'immer mehr' leben, weil Gott uns versorgt; wenn wir mit Leidenschaft für die Umwelt kämpfen, weil wir wollen, dass unsere Kinder noch eine Zukunft auf diesem Erdball haben und die Schönheit Gottes in seiner Schöpfung sehen können; wenn wir nicht nur wissen, sondern die Wahrheit lieben, dass die Gerechtigkeit, die Gott sich wünscht, nicht mit einem Übergabegebet beendet ist, sondern unseren Umgang mit Menschen, Tieren, Natur und Materie beeinflusst; wie können wir uns mit einem Mindestmaß an Wissen über diesen Gott zufrieden geben? Wir können wir uns auf Fragen stützen, wenn wir eigentlich Antworten brauchen? Wie können wir uns nicht die Zeit nehmen, immer mehr von der Selsbtoffenbarung Gottes in der Bibel zu verstehen, damit wir immer mehr verstehen, wer dieser verschwenderisch liebende, heilige, wunderbare, gerechte und rettende Gott eigentlich ist und wie er sich uns selbst zu erkennen gibt?

Um den Sack zuzubinden:
David schreibt darüber, was wir als New-Calvinists von 'seiner' Bewegung lernen können:

"We need to think through a missional ecclesiology that takes seriously that the church is a witness to the Kingdom of God in Christ. The church is a sign to the world of where God is taking the rest of the world: the consummation of His Kingdom in Christ. This takes a way of being both in the world but as sent ones in the world."

Es scheint wie ein Ruf an uns: Lebt aus, was ihr glaubt! Zeigt uns an dem, was ihr tut, dass ihr glaubt, was ihr sagt!
Bitte, endlich!

Und gleichzeitig schreibt er darüber, was die Neo-Anabaptists von uns lernen können:
"In my opinion, the strength of the Reformed movement is the seriousness with which they take the Scriptures, doctrine and belief. They push us to think about uncomfortable subjects like hell, the seriousness of sin, eternity and even the nature of the Bible’s authority. In my opinion these issues are extremely important for the new journey of faithfulness we are on."

Es klingt, wie die Wiederholung eines Rufes, der seit vielen Jahren durch die Evangelikale Bewegung geht: Lernt darüber, was ihr glaubt und wer Gott ist! Füttert eure Seele so treu, wie ihr die Armen speist! Zeigt uns an eurer Theologie, dass wir wirklich seid, wer ihr behauptet zu sein: Nachfolger des Jesus, der sagte, dass er die Wahrheit ist!
Bitte, endlich!

Gods Bless,

Restless Evangelical

Donnerstag, 16. Februar 2012

Meine zweite öffentliche Predigt

Am 12. Februar habe ich in der Er-Lebt Gemeinde in Landau gepredigt.
Die Predigt kann man hier anhören oder downloaden.

Ich stelle hier auch wieder mein Manuskript rein, mit dem ich gepredigt habe.
Die benutzte Übersetzung ist NGÜ.


Vor ungefähr zwei Jahren war ich auf einem Seminar während meiner FSJ Zeit. Da ich in einer christlichen Organisation mein FSJ gemacht habe, waren auf diesem Seminar wahrscheinlich nur Leute, die mit dem Christlichen Glauben aufgewachsen sind und/oder ihren Weg mit Jesus gingen. Es sah also nicht danach aus, als würde sich dort viel Möglichkeit für ein evangelistisches Gespräch ergeben – die perfekte Definition eines 'Heiligen Haufens'; wenig Außenwirkung und starke Innenfixierung. Und dann war das dieser andere junge Mann. Am ersten Abend saßen wir gemeinsam an einem Tisch zum Abendessen und kamen ins Gespräch. Über alles mögliche. Bis wir auf verschiedene kontroverse Themen des Christentums kamen. Und ich merkte: Er ist gar kein Christ.
Und die Gespräche setzten sich fort bis zu einem Nachmittag, als wir ein sehr sehr langes Gespräch hatten und alle Fragen ansprachen, die er irgendwie hatte. Und irgendwann stellte er diese eine Frage, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht seit dem: „Warum singt ihr Christen in euren Liedern eigentlich immer von eurer Sünde? Wieso macht ihr euch immer so schlecht? Es klingt, als wärt ihr irgendwie Masochistisch!“
Warum singen wir Christen von unserer Sünde? Von Blut und Kreuz? Davon, dass wir Schlecht sind und nichts zu bringen haben? Hat es etwas damit zutun, dass wir uns gerne Schlecht machen, dass wir es genießen, im Dreck zu kriechen?
Ich denke, dass wir den Grund woanders finden. Er liegt darin, dass wir als Christen die Gnade Gottes in unserem Leben erlebt haben; wir haben erlebt, was es heißt, einen gnädigen Gott zu haben, der uns unsere Verfehlungen nicht anrechnet! Und diese Gnade Gottes übersteigt alles, was wir uns vorstellen können.
Dafür möchte ich mit euch eine bestimmte Bibelstelle aus dem Epheserbrief betrachten.
„Außerdem hat Gott uns – seinem Plan entsprechend – durch Christus zu seinen Erben gemacht. Er, der alles nach seinem Willen und in Übereinstimmung mit seinem Plan ausführt, hatte uns von Anfang dazu bestimmt mit dem Ziel, dass wir zum Ruhm seiner ´Macht und` Herrlichkeit beitragen – wir alle, die wir unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben. Auch ihr gehört jetzt zu Christus. Ihr habt die Botschaft der Wahrheit gehört, das Evangelium, das euch Rettung bringt. Und weil ihr diese Botschaft im Glauben angenommen habt, hat Gott euch – wie er es versprochen hat – durch Christus den Heiligen Geist gegeben. Damit hat er euch sein Siegel aufgedrückt, ´die Bestätigung dafür, dass auch ihr jetzt sein Eigentum seid`. Der Heilige Geist ist gewissermaßen eine Anzahlung, die Gott uns macht, der erste Teil unseres himmlischen Erbes; Gott verbürgt sich damit für die vollständige Erlösung derer, die sein Eigentum sind. Und auch das soll zum Ruhm seiner ´Macht und` Herrlichkeit beitragen.“

Ich habe drei Punkte, an denen ich diesen Text gliedern will.

  1. Leidenschaftliche Anbetung... für unseren Gott
  2. Leidenschaftliche Anbetung... mit unserem Erbe
  3. Leidenschaftliche Anbetung... durch unsere Rettung

1. Leidenschaftliche Anbetung... für unseren Gott!
Paulus schreibt, dass Gott uns uns durch Christus zu seinen Erben gemacht hat; welches Erbe das ist, wollen wir später noch sehen. Aber dann schreibt Paulus einen bemerkenswerten Satz: „Er, der alles nach seinem Willen und in Übereinstimmung mit seinem Plan ausführt, hatte uns von Anfang dazu bestimmt mit dem Ziel, dass wir zum Ruhm seiner ´Macht und` Herrlichkeit beitragen – wir alle, die wir unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben.“ Gott kann alles machen, das ist die Definition von Allmächtig. Er hat am Anfang einen Plan eingesetzt, und den bringt er zuende. Nichts was passiert läuft seinem Plan entgegen. Das ist der Anfang von Paulus' Satz. Nichts läuft Gottes Plan entgegen; und in diesem Plan spielen wir eine Rolle. Er hat uns dazu eingesetzt, dass wir 'zum Ruhm seiner Herrlichkeit' sein sollen. Und dazu bringt er uns, das ist das Ziel unseres Lebens.
Ich möchte noch kurz etwas dazu sagen, was diese Phrase ‚Ruhm seiner Herrlichkeit‘ eigentlich bedeutet. Denn das ist ein Satz, über den man entweder man stolpert oder den man schnell überliest. Die Herrlichkeit Gottes in Teil seines eigenen Wesen – sie spielt sein Wesen und seinen Charakter wieder. Es geht hier nicht so sehr um eine Charaktereigenschaft, sondern etwas, dass seinem Charakter entspringt. Weil er ist, wie er ist: gnädig, gerecht, liebevoll, heilig; deswegen ist er herrlich. Das Wort bedeutet auch so viel wie Ansehen bei anderen. Wenn uns also gesagt wird, dass wir zum Ruhm seiner Herrlichkeit da sein sollen, dann geht es darum, dass wir von seinem Wesen erzählen, und ihn dafür anbeten, wer er ist.
Aber wie verstehen wir, dass Gott uns zum Ruhm seiner Herrlichkeit bestimmt hat? Das ist nicht so leicht. Weder für die, die ihren Weg mit Jesus gehen, noch für die, die das noch nicht tun.
Es gibt viele Beispiele von Menschen, die genau darüber gestolpert sind. Ist Gott nicht Egoistisch, wenn er diese Form von Anbetung für sich verlangt? Ist er nicht sogar Egozentrisch? Wie passt das zusammen mit dem Dienenden Gott, dem wir in Bethlehem begegnen? Wem dient dieser Gott von Paulus denn – wenn nicht sich selbst?
Ein Mann, der ein Problem damit hat, ist der US-amerikanische Schauspieler Brad Pitt. Er ist in einem konservativen christlichen Elternhaus großgeworden, aber hat es später hinter sich gelassen. Er sagte einmal:

„Ich habe diese ganze Idee von einem Gott nicht verstanden. Der sagt: 'Du musst mich wahrnehmen. Du musst sagen, dass ist der Beste bin, und dann gebe ich dir ewige Glückseligkeit. Und wenn du es nicht tust, dann bekommst du auch nichts.' Es schien, als würde es sich nur um sein Ego drehen. Und ich kann mir keinen Gott vorstellen, der auf Grund seines Egos handelt, deswegen hat es für mich keinen Sinn mehr gemacht.“1

Das können wir doch irgendwie verstehen, oder? Es liegt uns nicht wirklich fern, dem zuzustimmen. Was macht diesen Gott denn anbetungswürdig? Egoisten sind nicht gerade die Menschen, mit denen wir am meisten Zeit verbringen wollen, oder? Und es führt uns zu der Frage vom Anfang zurück: Wieso singen die Christen nicht nur immer von ihrem tollen Gott – sondern machen sich selber auch nicht so unglaublich klein? Wie kann man sich das erklären?
Ein weiterer Mensch, für den das ein großes Problem darstellte, war der Literaturwissenschaftler C. S. Lewis. Er ist später zu einem wichtigen Verteidiger des Christentums geworden; irgendwie hat er es also geschafft, über seine Probleme hinwegzukommen. Er schrieb, dass er sich beim Lesen der Psalmen Gott immer wie eine Alte Frau vorgestellt hat, die nach Anerkennung heischt.
Und wieder: Geht es uns nicht auch manchmal so? Gott nennt sich einen eifersüchtigen Gott; Gott kann alles tun – und schafft uns genau zu dem Zweck, dass wir ihn in Ewigkeit anbeten? Was ist das für ein Gott?
Gehen wir die Sache mal ganz weltlich an: Stellt euch vor, dass ihr die beste Nachricht eures Lebens bekommen habt. Ihr könnt da einsetzen, was ihr wollt. Ich habe einige Zeit bei der Vorbereitung versucht, ein Beispiel zu finden, bei dem ich euch alle auf einmal fange. Aber soetwas fiel mir nicht ein. Deswegen setzt euren ganz eigenen Lebenstraum ein; etwas, das ihr euch gerade jetzt von Herzen wünscht. Und ihr bekommt einen Brief nach Hause, der euch versichert, dass ihr genau das bekommt. In wenigen Stunden sollt ihr es schon haben! Was wäre unsere Reaktion? Würden wir es zu unserer 'Privatsache' erklären, den Brief in unsere Schreibtischschublade stecken – und dann weitermachen mit dem, was wir vorher gemacht haben?
Oder würden wir unsere Freunde, Verwandte, Bekannte, Nachbarn und Arbeitskollegen anrufen, um diese erstaunliche, wunderbare Nachricht mit ihnen zu teilen? C.S. Lewis, von dem ich oben schon gesprochen habe, sagt genau das:

„Ich denke, dass wir es genießen, von dem zu schwärmen, was wir genießen; dieses Loben drückt nämlich nicht nur unsere Freude aus! /Unsere Freude gelangt dadurch erst zur Perfektion. Darin liegt ihre sichere Vollendung“

Ich les euch das Zitat nochmal vor, damit es besser verständlich wird. Man merkt, dass Lewis ein ziemlich großer Denker war.
Lewis sagt mit anderen Worten, dass sich unseren Freude erst darin vervollständigt, dass wir es loben können – es mit anderen Teilen können? Wer von uns bleibt denn still, wenn wir etwas großartiges erleben? Wer erzählt niemandem davon? Niemand erzählt niemandem davon! Und warum? Weil sich erst dadurch unsere Freude perfektioniert. Das Schwärmen von dem, was uns begeistert, steigert unsere Freude darüber ins Unermessliche.
Lasst mich eine andere Illustration anwenden. Denn ich erlebe das immer wieder, wenn irgendeine Fußballmeisterschaft ansteht. Weltmeisterschaft, Europameisterschaft – was auch immer. Jeder, der mich etwas kennt, weiß, dass mich nichts weniger interessiert, als Fußball. Damit kann man bei mir wirklich nichts erreichen. Und trotzdem erzählen mir meine Freunde davon, wie die Spiele ausgegangen sind; fragen mich, ob ich das nächste Mal nicht mitgucken will; hören nicht auf, von der tollen Stimmung und den Emotionen zu schwärmen, die dabei freigesetzt werden. WIESO WILLST DU DAS NICHT AUCH?, schreit dann quasi jede Zelle von ihnen.
(Pause)
Und wie viel Größer als Fußball ist unser Gott? Wieviel größer als alles, was ihr bei dem Beispiel vorhin in euren Köpfen hattet, ist unser Gott? Wieviel mehr ist er wert? Wieviel mehr ist er zu preisen?
Versteht ihr: Wenn Gott von uns verlangt, dass wir ihn anbeten, dann hat er dabei auch unsere Freude im Kopf; er will, dass wir die unendliche Quelle der Freude und des Glücklichseins erfahren. Und die liegt darin, dass wir das Wertvollste im ganzen Universum erkennen und davon schwärmen. Oder anders ausgedrückt: Gott anbeten.
Denn Gottes Gnade und Herrlichkeit übersteigt alles andere – deswegen wollen wir ihn anbeten mit unserem ganzen Leben!

2. Leidenschaftliche Anbetung... mit unserem Erbe
Und Gott hat mehr auf Lager als ein paar Lieder im Gottesdienst oder ein paar Lobpreisabende im Jahr.
Paulus sagt, dass Gott selbst in den Christen lebt – und das eine Art Anzahlung ist. Wörtlich sagt er:

Gott euch – wie er es versprochen hat – durch Christus den Heiligen Geist gegeben. Damit hat er euch sein Siegel aufgedrückt, ´die Bestätigung dafür, dass auch ihr jetzt sein Eigentum seid`. Der Heilige Geist ist gewissermaßen eine Anzahlung, die Gott uns macht, der erste Teil unseres himmlischen Erbes; Gott verbürgt sich damit für die vollständige Erlösung derer, die sein Eigentum sind. Und auch das soll zum Ruhm seiner ´Macht und` Herrlichkeit beitragen.“

Es gibt solche Christen, die viel vom Heiligen Geist reden. Und solche, die es weniger tun. Paulus sagt, dass der Heilige Geist erst einmal eine Realität ist, die in jedem Christen zu finden ist. Und dass er 'nur' eine Anzahlung von dem ist, was wir einmal bekommen sollen. Er ist die Anzahlung auf 'unser himmlisches Erbe'. Das Geschenk Gottes an uns. Wir haben gerade gesehen, dass wir am meisten Freude dann haben, wenn wir von irgendetwas schwärmen können; anderen erzählen, wie Groß unsere Freude ist. Die Bibel verspricht uns als Christen, dass wir eines Tages in ewiger Gemeinschaft mit Gott leben werden; eine Ewigkeit mit der Quelle aller Freude verbringen dürfen.
Ihr müsst euch das so vorstellen, wie wenn ihr von einer langen Wanderung zurückkommt. Euch ist warm, und eure Wasserflasche ist schon vor Stunden leer gewesen. Und dann macht ihr euch ein Glas voll mit kalter Cola und setzt das Glas an – und trinkt dieses Wunder der Erfrischungen. Könnt ihr euch diesen Moment vorstellen? Das ist die Realität, in der wir einmal für eine Ewigkeit leben dürfen: Eine Ewigkeit in diesem Moment, in dem nicht mehr besser sein kann und man sich nur noch wünscht, dass es für immer so bleiben wird.
In dem bekannten Lied Amazing Grace von John Newton heißt es in der letzten Strophe:

„When we've been there ten thousand years,
Wenn wir dort 10.000 Jahr sind
bright, shining as the sun,
hell und scheinend wie die Sonne
we've no less days to sing God's praise
haben wir doch keinen tag weniger, um Gottes Lob zu singen
than when we first begun.
als wir zu Anfang hatten.

Unser Erbe, das Gott uns zusichert, besteht darin, dass er uns in uns Wohnung nimmt – er, das ist der Heilige Geist in diesem Text – und wir dadurch einen Vorgeschmack, eine kleine Anzahlung auf das bekommen, was einmal sein wird.
Er ist eine Gabel von einem saftigen Steak – und wir werden einmal mehr bekommen, als wir jemals zu hoffen gewagt haben.
Er ist eine Testfahrt im Ferrari, wenn wir wissen, dass wir einmal eine ganze Flotte besitzen werden.
Er ist ein Schönes Kleid, wenn wir wissen, dass uns einmal ein ganzer H&M gehört.
Er ist nur ein kleiner Anteil – wunderbar und schön in sich – der uns einen Einblick gibt in das, was wir einmal haben werden!
Es ist der kleine Finger, den Gott uns damit reicht – und wir dürfen auf die ganze Hand hoffen!
In den Worten eines bekannten Theologen:

„Dieses Erbe befähigt die Gläubigen, im Himmel für alle Ewigkeit in Gottes Gegenwart zu leben. Und wir haben ein kleines bisschen Himmel in uns – und zwar die Gegenwart des Heiligen Geistes; und wir haben die Garantie, dass wir einmal eine ganze Menge mehr davon haben werden!“2

Könnt ihr etwas spüren von der Leidenschaft dafür? Ich erinnere mich, wie ich eine Predigt von Philipp gehört habe, die er hier von ein paar Wochen gehalten hat über das Leben in der Zwischenzeit. Er sagte darin, dass wir weder so sehnsüchtig auf den Himmel warten, das wir die Geduld verlieren; nocht so Geduldig, dass wir die Sehnsucht verlieren – sondern sehnsüchtig und geduldig zugleich. Es ist diese Anzahlung, dieser Vorgeschmack, dieser kurze Einblick, der in uns die Sehnsucht nach mehr entfacht – und gleichzeitig die Kraft schenkt, geduldig zu sein. Darin liegt die Leidenschaft. Denn wir warten nicht auf Liftschlösser; wir wissen, worauf wir warten, denn wir haben schon eine Anzahlung bekommen – und wir haben die Garantie auf etwas größeres, alles umfassendes!
Gottes Gnade übersteigt unsere kühnsten Träume – deswegen wollen wir ihn mit unserem ganzen Leben anbeten.

3. Leidenschaftliche Anbetung... durch unsere Rettung.
Nun gibt es da noch eine Frage: Was hat es mit diesen Sünden auf sich? Wieso singen Christen davon, wenn sie diesen Gott anbeten wollen? Bis jetzt war wenig davon die Rede! Ich habe die Frage an Anfang aufgeworfen und bis jetzt nicht wirklich befriedigend beantwortet – oder?
Paulus schreibt dazu: „Auch ihr gehört jetzt zu Christus. Ihr habt die Botschaft der Wahrheit gehört, das Evangelium, das euch Rettung bringt. Und weil ihr diese Botschaft im Glauben angenommen habt, hat Gott euch – wie er es versprochen hat – durch Christus den Heiligen Geist gegeben.“ Alles was ich gerade gesagt habe hat etwas damit zutun, dass wir 'zu Christus gehören' und 'die Botschaft der Wahrheit' gehört haben; dadurch sollen wir 'Rettung' bekommen. Das sind alles Begriffe, mit denen Paulus ganze Konzepte verbindet. Ich möchte euch das gerne Aufschlüsseln.
Denn Paulus war sich sehr bewusst, dass wir Menschen eben genau das sind, was so oft in unseren Liedern vorkommt. Sünder. Wir leben in Rebellion gegen Gott, haben ihm den Krieg erklärt und nicht nach ihm gefragt. Jeder von uns; ausnahmslos. Wir lügen, betrügen, lästern und beleidigen von Kindesbeinen an. Das müssen uns unsere Eltern und unsere Umgebung gar nicht erst beibringen! Dadurch haben wir uns selbst aus der Gegenwart Gottes ausgeschlossen; aus der Freundschaft mit ihm und uns auf unser eigenes Leben konzentriert. Wir haben uns also auch von der Quelle aller Freude abgeschnitten und leben jetzt ein Leben, das voll ist mit Mühsal und Ablehnung. Aber dazu sind wir nicht geschaffen worden. Unser Zuhause liegt woanders: In der perfekten Ordnung Gottes, in dem alles gut ist, und wir nichts anderes tun, als uns am ihm freuen und immer davon zu reden. Da liegt unsere Heimat. Und dahin möchte Gott uns wieder versetzen. Damit er gelobt wird und wir darin Freude haben.
Dafür ist sein Sohn gestorben; Jesus, vor 2000 Jahren an einem Kreuz vor den Toren Jerusalems. Es steckt viel drin in diesem Ereignis, auf das ich jetzt nicht alles eingehen kann. Aber eines ist sehr wichtig: An diesem Kreuz hat Jesus unsere Rebellion quasi getragen. Er ist zum Rebell geworden; Gott hat ihn als den Rebell, den selbstherrlichen Sünder gesehen, der wir sind. Und dadurch haben wir nun die Gerechtigkeit, die Jesus gelebt hat, wie ein neues Kleid angezogen bekommen. Gott sieht uns jetzt so an, als wären wir so gerecht, wie dieser Gottessohn. Luther nannte das den 'fröhlichen Wechsel'. Unsere Ungerechtigkeit lag auf ihm, und wir bekommen dafür seine Gerechtigkeit angezogen. Dieser Wechsel geschieht durch glauben. Wenn du glaubst, dass Jesus gestorben ist – für dich – dann zieht dir Gott seine Gerechtigkeit an.
Die Bibel sagt dazu, dass wir eine neue Schöpfung werden. Und das ist das Geheimnis, von dem Paulus hier spricht. Gott lebt in uns und verändert uns immer mehr in den Menschen, der wir eigentlich sein sollten. Das ist die einzige Möglichkeit, in die Gegenwart Gottes zu treten. Ihr kennt ja den Satz: In uns selbst sind wir sündiger als wir jemals gedacht hätten, aber in Christus sind wir geliebter als wir jemals zu hoffen gewagt hätten!
Das ist das Evangelium. Unsere Sünde – Gottes Liebe. Unsere Rebellion – Gottes Friede. Unsere Leere – Gottes Fülle.
Durch das Kreuz befreit uns Gott zu einem Leben, in dem seine Anbetung immer mehr zunehmen kann; in dem wir immer mehr zu einem anbetenden Menschen werden können, der weiß, dass die Quelle seiner Freude nicht in uns selbst liegt, sondern in ihm.
Leidenschaftliche Anbetung finden wir nur am Kreuz. Denn wenn wir dort hinkommen, dann bekommen wir die Augen geöffnet für die Herrlichkeit unseres Gottes, für die überschwängliche Gnade, die er uns dort schenkt. Dort werden wir zu einer neuen Schöpfung, in die der Heilige Geist als Anzahlung, als unser Erbe, einzieht – er wohnt dann in uns und führt und in die leidenschaftliche Anbetung, weil er die Sehnsucht weckt!
Anbetung beginnt am Kreuz, wo wir erkennen, dass wir nichts mehr sind außer Jesus.
Anbetung endet am Kreuz, wo wir erkennen, dass wir nicht mehr anderes sein wollen als Jesus

Amen!

1Originalzitat: „I didn’t understand this idea of a God who says, “You have to acknowledge me. You have to say that I’m the best, and then I’ll give you eternal happiness. If you won’t, then you don’t get it!” It seemed to be about ego. I can’t see God operating from ego, so it made no sense to me.“ Quelle: http://www.parade.com/celebrity/articles/071002-brad-pitt.html
2Original: „This inheritance qualifies believers to live eternally in heaven in the presence of God. We have a little bit of heaven in us, namely, that Holy Spirit's Presence, and a guarantee of a lot more to come in the future.“ Quelle: Harold Hoehner, Ephesians: An Exegetical Commentary, Grand Rapids: Baker 2002, S.243