Freitag, 17. Februar 2012

Bitte, endlich!

Verschiedene Bewegungen und Lernpotential

Man kann viel über die New-Calvinists sagen. Eine Sache, die bis heute wenig Beachtung gefunden hat, ist: Wir sind nicht allein.
Da draußen sind andere Bewegungen; da draußen sind andere Christen, andere Denker, andere Bibelleser, andere Theologen. Nicht alle gehören zu unserer Bewegung, und manche gute Denker sind auch durchaus kritisch - und auch wenn man schnell solche Kritik verwerfen will, zeigt uns doch die Geschichte, das keine Bewegung (und selbst, wenn sie noch so gute Wurzeln hatte) auf Dauer ihren eigenen Wurzeln treu bleiben kann.
Eine weitere wunderbare Entwicklung, die den Bewegungen dieser ersten postmodern aufgewachsenen Generation zu eigen ist, liegt darin, dass diese Bewegungen kein 'Entweder-Oder' sein müssen. Die Emerging Church, die Missionale Bewegung, die New Calvinists, die Neo-Anabaptists - sie alle sind Bewegungen, die eine bestimmte Betonung haben und diese Beitragen zu einer Wiederentdeckung und - wie ich hoffe - Wiedererweckung der Gemeinden und des Evangeliums in unserer Welt, die sich schneller wandelt als jedes Konzept, das Willow Creek ausarbeiten kann (und das ist gar nicht negativ gemeint; danke Bill für deinen Dienst!)
So finden wir New-Calvinists, die sehr aktiv in der Missionalen Debatte beteiligt sind und dadurch ihren Einfluss auf die Emerging Church haben. Und dieses lustige Würfelspiel kann man immer weiterführen.
Die Frage ist nicht, welche dieser Bewegung die 'richtige' ist. Die Frage ist, was wir von den Bewegungen lernen können, um unsere Gemeinden, unsere Predigten, unsere Bücher, unsere Gespräche, unsere Lieder, unsere Blogs und unsere Facebook-Seiten immer mehr so zu gestalten, wie es unserem Auftrag als erlöstes Volk des Erlöserkönigs entspricht. Und so verschwimmen die Grenzen immer wieder - weil das Schwarz-Weiße Denken der Vergangenheit sich nicht als fruchtbar erwiesen hat und weil wir in einer Welt aufgewachsen sind, in der das nicht mehr die Realität ist.
Umso glücklicher bin ich, dass sich der Ton auch immer wieder entschärft und die Christen bereit sind, aufeinander zu hören und miteinander für das Evangelium zu kämpfen - für seine Wahrheit, seine Auswirkungen, seine Konsequenzen und seine Ausgestaltung.
Heute ist mir in einem Artikel ein Zitat aufgefallen, das genau in diese Richtung geht. Auf die Frage, was die New-Calvinists von der Neo-Anabaptistischen Bewegung lernen könnte, antwortet der Theologe, pastor und Blogger David Fitch wie folgt:

"We need to think through a missional ecclesiology that takes seriously that the church is a witness to the Kingdom of God in Christ. The church is a sign to the world of where God is taking the rest of the world: the consummation of His Kingdom in Christ. This takes a way of being both in the world but as sent ones in the world." (gelesen hier)

Es ist wichtig und gut, wenn wir uns Gedanken darüber machen, was das Evangelium ist. Wo liegt die Wahrheit darin; was ist eine gute Definition davon, was wir als unseren Kernwert bezeichnen? Und wie finden wir eine Definition davon, die das Zeugnis der Bibel ernstnimmt und gleichzeitig nicht zuviel hineinpackt und dadurch andere christliche Dienste aus der gemeinsamen Reise Richtung Herrlichkeit ausschließt. Nichts davon ist falsch - alles daran ist wichtig und in den letzten Jahrzehnten oftmals sträflich vernachlässigt worden. Es liegt wohl daran, dass eine junge Generation in den evangelikalen Gemeinden (und nicht-evangelikalen) danach hungert, geistlich ernährt zu werden. Vor wenigen Tagen sagte ein wichtiges Vorbild von mir: "Wie werden die Menschen satt, wenn ihnen am Wochenende nicht das Evangelium gepredigt werden?"
Diese Frage hat mich tief getroffen. Welches Privileg haben wir als Internetnutzer mit zuviel Zeit und Energie, dass wir nicht nur mehr und mehr Input von DesiringGod, MarsHill und anderen Quellen in uns hineinschütten können, sondern noch die Zeit und Muße finden, diese Inputs weiterzugeben und Artikel auf einem Blog zu schreiben, den die ganze Welt liest? Oder vielleicht ein paar Menschen, die für uns die ganze Welt bedeuten?
Welches Privileg liegt darin, wenn wir bedenken, wie viele hart Arbeitende Christen jeden Sonntag auf eine sättigende Predigt warten und hungrig nach Hause gehen müssen; weil ihrem Pastor auf dem theologischen Seminar gesagt wurde, dass sie möglichst alles auf die Bedürfnisse der Menschen anpassen müssen, die das Brot des Lebens gar nicht zu schätzen wissen können!
Welches Privileg und welche Verantwortung!
Doch folgt mir mit euren Gedanken noch in eine andere Richtung.
Wenn wir uns dauerhaft nur Gedanken darüber machen, was Wahrheit ist, kommen wir vielleicht nie zu dem Punkt, dass wir unsere Taten dafür sprechen lassen, dass Wahrheit existiert!
Vor ein paar Jahren hatte ich sehr damit zu kämpfen, dass ich in meiner Umgebung entweder Christen gesehen habe, die 'richtig' geglaubt haben - aber deren Taten mehr von Seperatismus und Inklusivismus sprachen als von Gnade und Vergebung. Oder ich sah Christen, die in ihren Taten die Verändernde Kraft des Evangeliums offenbarten - aber deren Definition dieses Evangeliums zum Haareraufen war.
Und ich Frage mich bis heute, wieso das so ist. Denn:

1. Wenn wir wirklich verstehen, dass Jesus der Erlöserkönig ist; der Herrscher, der die ganze Schöpfung und alles wieder mit sich versöhnt; der seinen Frieden über der Erde ausschütten wird, sodass seine gute Ordnung wieder herrscht; der einmal kommen wird zu richten und zu teilen die Anbeter Gottes von den Anbetern des Egos - wenn wir das verstehen und es von unseren Köpfen ins Herz rutscht: Wie kann es uns kalt lassen? Wie können wir nicht anfangen, in jedem Obdachlosen einen geistlichen Spiegel unser selbst zu sehen und uns in die Position Boas versetzen? Wie können wir nicht anfangen darüber nachzudenken, ob unser Geld vielleicht besser in fair gehandelten Waren aufgehoben ist als in noch mehr Büchern und noch mehr Apple Geräten und noch mehr Zeug? Wie können wir nicht anfangen, dieses Evangelium zu leben? Live out what you believe! - will ich rufen und sehen, wie Menschen mit einem Wort die Christen in ihrer Stadt beschreiben: Gnade!

2. Wenn wir erleben, wie Menschen aufblühen und sich öffnen, weil wir ihnen etwas Wärme, Gnade und Anerkennung spenden aus der Quelle, die Jesus in uns schafft; wenn wir sehen, dass unser Geld auch reicht, wenn wir einen Lebensstil von 'Genug' anstatt von 'immer mehr' leben, weil Gott uns versorgt; wenn wir mit Leidenschaft für die Umwelt kämpfen, weil wir wollen, dass unsere Kinder noch eine Zukunft auf diesem Erdball haben und die Schönheit Gottes in seiner Schöpfung sehen können; wenn wir nicht nur wissen, sondern die Wahrheit lieben, dass die Gerechtigkeit, die Gott sich wünscht, nicht mit einem Übergabegebet beendet ist, sondern unseren Umgang mit Menschen, Tieren, Natur und Materie beeinflusst; wie können wir uns mit einem Mindestmaß an Wissen über diesen Gott zufrieden geben? Wir können wir uns auf Fragen stützen, wenn wir eigentlich Antworten brauchen? Wie können wir uns nicht die Zeit nehmen, immer mehr von der Selsbtoffenbarung Gottes in der Bibel zu verstehen, damit wir immer mehr verstehen, wer dieser verschwenderisch liebende, heilige, wunderbare, gerechte und rettende Gott eigentlich ist und wie er sich uns selbst zu erkennen gibt?

Um den Sack zuzubinden:
David schreibt darüber, was wir als New-Calvinists von 'seiner' Bewegung lernen können:

"We need to think through a missional ecclesiology that takes seriously that the church is a witness to the Kingdom of God in Christ. The church is a sign to the world of where God is taking the rest of the world: the consummation of His Kingdom in Christ. This takes a way of being both in the world but as sent ones in the world."

Es scheint wie ein Ruf an uns: Lebt aus, was ihr glaubt! Zeigt uns an dem, was ihr tut, dass ihr glaubt, was ihr sagt!
Bitte, endlich!

Und gleichzeitig schreibt er darüber, was die Neo-Anabaptists von uns lernen können:
"In my opinion, the strength of the Reformed movement is the seriousness with which they take the Scriptures, doctrine and belief. They push us to think about uncomfortable subjects like hell, the seriousness of sin, eternity and even the nature of the Bible’s authority. In my opinion these issues are extremely important for the new journey of faithfulness we are on."

Es klingt, wie die Wiederholung eines Rufes, der seit vielen Jahren durch die Evangelikale Bewegung geht: Lernt darüber, was ihr glaubt und wer Gott ist! Füttert eure Seele so treu, wie ihr die Armen speist! Zeigt uns an eurer Theologie, dass wir wirklich seid, wer ihr behauptet zu sein: Nachfolger des Jesus, der sagte, dass er die Wahrheit ist!
Bitte, endlich!

Gods Bless,

Restless Evangelical

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