Donnerstag, 16. Februar 2012

Meine zweite öffentliche Predigt

Am 12. Februar habe ich in der Er-Lebt Gemeinde in Landau gepredigt.
Die Predigt kann man hier anhören oder downloaden.

Ich stelle hier auch wieder mein Manuskript rein, mit dem ich gepredigt habe.
Die benutzte Übersetzung ist NGÜ.


Vor ungefähr zwei Jahren war ich auf einem Seminar während meiner FSJ Zeit. Da ich in einer christlichen Organisation mein FSJ gemacht habe, waren auf diesem Seminar wahrscheinlich nur Leute, die mit dem Christlichen Glauben aufgewachsen sind und/oder ihren Weg mit Jesus gingen. Es sah also nicht danach aus, als würde sich dort viel Möglichkeit für ein evangelistisches Gespräch ergeben – die perfekte Definition eines 'Heiligen Haufens'; wenig Außenwirkung und starke Innenfixierung. Und dann war das dieser andere junge Mann. Am ersten Abend saßen wir gemeinsam an einem Tisch zum Abendessen und kamen ins Gespräch. Über alles mögliche. Bis wir auf verschiedene kontroverse Themen des Christentums kamen. Und ich merkte: Er ist gar kein Christ.
Und die Gespräche setzten sich fort bis zu einem Nachmittag, als wir ein sehr sehr langes Gespräch hatten und alle Fragen ansprachen, die er irgendwie hatte. Und irgendwann stellte er diese eine Frage, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht seit dem: „Warum singt ihr Christen in euren Liedern eigentlich immer von eurer Sünde? Wieso macht ihr euch immer so schlecht? Es klingt, als wärt ihr irgendwie Masochistisch!“
Warum singen wir Christen von unserer Sünde? Von Blut und Kreuz? Davon, dass wir Schlecht sind und nichts zu bringen haben? Hat es etwas damit zutun, dass wir uns gerne Schlecht machen, dass wir es genießen, im Dreck zu kriechen?
Ich denke, dass wir den Grund woanders finden. Er liegt darin, dass wir als Christen die Gnade Gottes in unserem Leben erlebt haben; wir haben erlebt, was es heißt, einen gnädigen Gott zu haben, der uns unsere Verfehlungen nicht anrechnet! Und diese Gnade Gottes übersteigt alles, was wir uns vorstellen können.
Dafür möchte ich mit euch eine bestimmte Bibelstelle aus dem Epheserbrief betrachten.
„Außerdem hat Gott uns – seinem Plan entsprechend – durch Christus zu seinen Erben gemacht. Er, der alles nach seinem Willen und in Übereinstimmung mit seinem Plan ausführt, hatte uns von Anfang dazu bestimmt mit dem Ziel, dass wir zum Ruhm seiner ´Macht und` Herrlichkeit beitragen – wir alle, die wir unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben. Auch ihr gehört jetzt zu Christus. Ihr habt die Botschaft der Wahrheit gehört, das Evangelium, das euch Rettung bringt. Und weil ihr diese Botschaft im Glauben angenommen habt, hat Gott euch – wie er es versprochen hat – durch Christus den Heiligen Geist gegeben. Damit hat er euch sein Siegel aufgedrückt, ´die Bestätigung dafür, dass auch ihr jetzt sein Eigentum seid`. Der Heilige Geist ist gewissermaßen eine Anzahlung, die Gott uns macht, der erste Teil unseres himmlischen Erbes; Gott verbürgt sich damit für die vollständige Erlösung derer, die sein Eigentum sind. Und auch das soll zum Ruhm seiner ´Macht und` Herrlichkeit beitragen.“

Ich habe drei Punkte, an denen ich diesen Text gliedern will.

  1. Leidenschaftliche Anbetung... für unseren Gott
  2. Leidenschaftliche Anbetung... mit unserem Erbe
  3. Leidenschaftliche Anbetung... durch unsere Rettung

1. Leidenschaftliche Anbetung... für unseren Gott!
Paulus schreibt, dass Gott uns uns durch Christus zu seinen Erben gemacht hat; welches Erbe das ist, wollen wir später noch sehen. Aber dann schreibt Paulus einen bemerkenswerten Satz: „Er, der alles nach seinem Willen und in Übereinstimmung mit seinem Plan ausführt, hatte uns von Anfang dazu bestimmt mit dem Ziel, dass wir zum Ruhm seiner ´Macht und` Herrlichkeit beitragen – wir alle, die wir unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben.“ Gott kann alles machen, das ist die Definition von Allmächtig. Er hat am Anfang einen Plan eingesetzt, und den bringt er zuende. Nichts was passiert läuft seinem Plan entgegen. Das ist der Anfang von Paulus' Satz. Nichts läuft Gottes Plan entgegen; und in diesem Plan spielen wir eine Rolle. Er hat uns dazu eingesetzt, dass wir 'zum Ruhm seiner Herrlichkeit' sein sollen. Und dazu bringt er uns, das ist das Ziel unseres Lebens.
Ich möchte noch kurz etwas dazu sagen, was diese Phrase ‚Ruhm seiner Herrlichkeit‘ eigentlich bedeutet. Denn das ist ein Satz, über den man entweder man stolpert oder den man schnell überliest. Die Herrlichkeit Gottes in Teil seines eigenen Wesen – sie spielt sein Wesen und seinen Charakter wieder. Es geht hier nicht so sehr um eine Charaktereigenschaft, sondern etwas, dass seinem Charakter entspringt. Weil er ist, wie er ist: gnädig, gerecht, liebevoll, heilig; deswegen ist er herrlich. Das Wort bedeutet auch so viel wie Ansehen bei anderen. Wenn uns also gesagt wird, dass wir zum Ruhm seiner Herrlichkeit da sein sollen, dann geht es darum, dass wir von seinem Wesen erzählen, und ihn dafür anbeten, wer er ist.
Aber wie verstehen wir, dass Gott uns zum Ruhm seiner Herrlichkeit bestimmt hat? Das ist nicht so leicht. Weder für die, die ihren Weg mit Jesus gehen, noch für die, die das noch nicht tun.
Es gibt viele Beispiele von Menschen, die genau darüber gestolpert sind. Ist Gott nicht Egoistisch, wenn er diese Form von Anbetung für sich verlangt? Ist er nicht sogar Egozentrisch? Wie passt das zusammen mit dem Dienenden Gott, dem wir in Bethlehem begegnen? Wem dient dieser Gott von Paulus denn – wenn nicht sich selbst?
Ein Mann, der ein Problem damit hat, ist der US-amerikanische Schauspieler Brad Pitt. Er ist in einem konservativen christlichen Elternhaus großgeworden, aber hat es später hinter sich gelassen. Er sagte einmal:

„Ich habe diese ganze Idee von einem Gott nicht verstanden. Der sagt: 'Du musst mich wahrnehmen. Du musst sagen, dass ist der Beste bin, und dann gebe ich dir ewige Glückseligkeit. Und wenn du es nicht tust, dann bekommst du auch nichts.' Es schien, als würde es sich nur um sein Ego drehen. Und ich kann mir keinen Gott vorstellen, der auf Grund seines Egos handelt, deswegen hat es für mich keinen Sinn mehr gemacht.“1

Das können wir doch irgendwie verstehen, oder? Es liegt uns nicht wirklich fern, dem zuzustimmen. Was macht diesen Gott denn anbetungswürdig? Egoisten sind nicht gerade die Menschen, mit denen wir am meisten Zeit verbringen wollen, oder? Und es führt uns zu der Frage vom Anfang zurück: Wieso singen die Christen nicht nur immer von ihrem tollen Gott – sondern machen sich selber auch nicht so unglaublich klein? Wie kann man sich das erklären?
Ein weiterer Mensch, für den das ein großes Problem darstellte, war der Literaturwissenschaftler C. S. Lewis. Er ist später zu einem wichtigen Verteidiger des Christentums geworden; irgendwie hat er es also geschafft, über seine Probleme hinwegzukommen. Er schrieb, dass er sich beim Lesen der Psalmen Gott immer wie eine Alte Frau vorgestellt hat, die nach Anerkennung heischt.
Und wieder: Geht es uns nicht auch manchmal so? Gott nennt sich einen eifersüchtigen Gott; Gott kann alles tun – und schafft uns genau zu dem Zweck, dass wir ihn in Ewigkeit anbeten? Was ist das für ein Gott?
Gehen wir die Sache mal ganz weltlich an: Stellt euch vor, dass ihr die beste Nachricht eures Lebens bekommen habt. Ihr könnt da einsetzen, was ihr wollt. Ich habe einige Zeit bei der Vorbereitung versucht, ein Beispiel zu finden, bei dem ich euch alle auf einmal fange. Aber soetwas fiel mir nicht ein. Deswegen setzt euren ganz eigenen Lebenstraum ein; etwas, das ihr euch gerade jetzt von Herzen wünscht. Und ihr bekommt einen Brief nach Hause, der euch versichert, dass ihr genau das bekommt. In wenigen Stunden sollt ihr es schon haben! Was wäre unsere Reaktion? Würden wir es zu unserer 'Privatsache' erklären, den Brief in unsere Schreibtischschublade stecken – und dann weitermachen mit dem, was wir vorher gemacht haben?
Oder würden wir unsere Freunde, Verwandte, Bekannte, Nachbarn und Arbeitskollegen anrufen, um diese erstaunliche, wunderbare Nachricht mit ihnen zu teilen? C.S. Lewis, von dem ich oben schon gesprochen habe, sagt genau das:

„Ich denke, dass wir es genießen, von dem zu schwärmen, was wir genießen; dieses Loben drückt nämlich nicht nur unsere Freude aus! /Unsere Freude gelangt dadurch erst zur Perfektion. Darin liegt ihre sichere Vollendung“

Ich les euch das Zitat nochmal vor, damit es besser verständlich wird. Man merkt, dass Lewis ein ziemlich großer Denker war.
Lewis sagt mit anderen Worten, dass sich unseren Freude erst darin vervollständigt, dass wir es loben können – es mit anderen Teilen können? Wer von uns bleibt denn still, wenn wir etwas großartiges erleben? Wer erzählt niemandem davon? Niemand erzählt niemandem davon! Und warum? Weil sich erst dadurch unsere Freude perfektioniert. Das Schwärmen von dem, was uns begeistert, steigert unsere Freude darüber ins Unermessliche.
Lasst mich eine andere Illustration anwenden. Denn ich erlebe das immer wieder, wenn irgendeine Fußballmeisterschaft ansteht. Weltmeisterschaft, Europameisterschaft – was auch immer. Jeder, der mich etwas kennt, weiß, dass mich nichts weniger interessiert, als Fußball. Damit kann man bei mir wirklich nichts erreichen. Und trotzdem erzählen mir meine Freunde davon, wie die Spiele ausgegangen sind; fragen mich, ob ich das nächste Mal nicht mitgucken will; hören nicht auf, von der tollen Stimmung und den Emotionen zu schwärmen, die dabei freigesetzt werden. WIESO WILLST DU DAS NICHT AUCH?, schreit dann quasi jede Zelle von ihnen.
(Pause)
Und wie viel Größer als Fußball ist unser Gott? Wieviel größer als alles, was ihr bei dem Beispiel vorhin in euren Köpfen hattet, ist unser Gott? Wieviel mehr ist er wert? Wieviel mehr ist er zu preisen?
Versteht ihr: Wenn Gott von uns verlangt, dass wir ihn anbeten, dann hat er dabei auch unsere Freude im Kopf; er will, dass wir die unendliche Quelle der Freude und des Glücklichseins erfahren. Und die liegt darin, dass wir das Wertvollste im ganzen Universum erkennen und davon schwärmen. Oder anders ausgedrückt: Gott anbeten.
Denn Gottes Gnade und Herrlichkeit übersteigt alles andere – deswegen wollen wir ihn anbeten mit unserem ganzen Leben!

2. Leidenschaftliche Anbetung... mit unserem Erbe
Und Gott hat mehr auf Lager als ein paar Lieder im Gottesdienst oder ein paar Lobpreisabende im Jahr.
Paulus sagt, dass Gott selbst in den Christen lebt – und das eine Art Anzahlung ist. Wörtlich sagt er:

Gott euch – wie er es versprochen hat – durch Christus den Heiligen Geist gegeben. Damit hat er euch sein Siegel aufgedrückt, ´die Bestätigung dafür, dass auch ihr jetzt sein Eigentum seid`. Der Heilige Geist ist gewissermaßen eine Anzahlung, die Gott uns macht, der erste Teil unseres himmlischen Erbes; Gott verbürgt sich damit für die vollständige Erlösung derer, die sein Eigentum sind. Und auch das soll zum Ruhm seiner ´Macht und` Herrlichkeit beitragen.“

Es gibt solche Christen, die viel vom Heiligen Geist reden. Und solche, die es weniger tun. Paulus sagt, dass der Heilige Geist erst einmal eine Realität ist, die in jedem Christen zu finden ist. Und dass er 'nur' eine Anzahlung von dem ist, was wir einmal bekommen sollen. Er ist die Anzahlung auf 'unser himmlisches Erbe'. Das Geschenk Gottes an uns. Wir haben gerade gesehen, dass wir am meisten Freude dann haben, wenn wir von irgendetwas schwärmen können; anderen erzählen, wie Groß unsere Freude ist. Die Bibel verspricht uns als Christen, dass wir eines Tages in ewiger Gemeinschaft mit Gott leben werden; eine Ewigkeit mit der Quelle aller Freude verbringen dürfen.
Ihr müsst euch das so vorstellen, wie wenn ihr von einer langen Wanderung zurückkommt. Euch ist warm, und eure Wasserflasche ist schon vor Stunden leer gewesen. Und dann macht ihr euch ein Glas voll mit kalter Cola und setzt das Glas an – und trinkt dieses Wunder der Erfrischungen. Könnt ihr euch diesen Moment vorstellen? Das ist die Realität, in der wir einmal für eine Ewigkeit leben dürfen: Eine Ewigkeit in diesem Moment, in dem nicht mehr besser sein kann und man sich nur noch wünscht, dass es für immer so bleiben wird.
In dem bekannten Lied Amazing Grace von John Newton heißt es in der letzten Strophe:

„When we've been there ten thousand years,
Wenn wir dort 10.000 Jahr sind
bright, shining as the sun,
hell und scheinend wie die Sonne
we've no less days to sing God's praise
haben wir doch keinen tag weniger, um Gottes Lob zu singen
than when we first begun.
als wir zu Anfang hatten.

Unser Erbe, das Gott uns zusichert, besteht darin, dass er uns in uns Wohnung nimmt – er, das ist der Heilige Geist in diesem Text – und wir dadurch einen Vorgeschmack, eine kleine Anzahlung auf das bekommen, was einmal sein wird.
Er ist eine Gabel von einem saftigen Steak – und wir werden einmal mehr bekommen, als wir jemals zu hoffen gewagt haben.
Er ist eine Testfahrt im Ferrari, wenn wir wissen, dass wir einmal eine ganze Flotte besitzen werden.
Er ist ein Schönes Kleid, wenn wir wissen, dass uns einmal ein ganzer H&M gehört.
Er ist nur ein kleiner Anteil – wunderbar und schön in sich – der uns einen Einblick gibt in das, was wir einmal haben werden!
Es ist der kleine Finger, den Gott uns damit reicht – und wir dürfen auf die ganze Hand hoffen!
In den Worten eines bekannten Theologen:

„Dieses Erbe befähigt die Gläubigen, im Himmel für alle Ewigkeit in Gottes Gegenwart zu leben. Und wir haben ein kleines bisschen Himmel in uns – und zwar die Gegenwart des Heiligen Geistes; und wir haben die Garantie, dass wir einmal eine ganze Menge mehr davon haben werden!“2

Könnt ihr etwas spüren von der Leidenschaft dafür? Ich erinnere mich, wie ich eine Predigt von Philipp gehört habe, die er hier von ein paar Wochen gehalten hat über das Leben in der Zwischenzeit. Er sagte darin, dass wir weder so sehnsüchtig auf den Himmel warten, das wir die Geduld verlieren; nocht so Geduldig, dass wir die Sehnsucht verlieren – sondern sehnsüchtig und geduldig zugleich. Es ist diese Anzahlung, dieser Vorgeschmack, dieser kurze Einblick, der in uns die Sehnsucht nach mehr entfacht – und gleichzeitig die Kraft schenkt, geduldig zu sein. Darin liegt die Leidenschaft. Denn wir warten nicht auf Liftschlösser; wir wissen, worauf wir warten, denn wir haben schon eine Anzahlung bekommen – und wir haben die Garantie auf etwas größeres, alles umfassendes!
Gottes Gnade übersteigt unsere kühnsten Träume – deswegen wollen wir ihn mit unserem ganzen Leben anbeten.

3. Leidenschaftliche Anbetung... durch unsere Rettung.
Nun gibt es da noch eine Frage: Was hat es mit diesen Sünden auf sich? Wieso singen Christen davon, wenn sie diesen Gott anbeten wollen? Bis jetzt war wenig davon die Rede! Ich habe die Frage an Anfang aufgeworfen und bis jetzt nicht wirklich befriedigend beantwortet – oder?
Paulus schreibt dazu: „Auch ihr gehört jetzt zu Christus. Ihr habt die Botschaft der Wahrheit gehört, das Evangelium, das euch Rettung bringt. Und weil ihr diese Botschaft im Glauben angenommen habt, hat Gott euch – wie er es versprochen hat – durch Christus den Heiligen Geist gegeben.“ Alles was ich gerade gesagt habe hat etwas damit zutun, dass wir 'zu Christus gehören' und 'die Botschaft der Wahrheit' gehört haben; dadurch sollen wir 'Rettung' bekommen. Das sind alles Begriffe, mit denen Paulus ganze Konzepte verbindet. Ich möchte euch das gerne Aufschlüsseln.
Denn Paulus war sich sehr bewusst, dass wir Menschen eben genau das sind, was so oft in unseren Liedern vorkommt. Sünder. Wir leben in Rebellion gegen Gott, haben ihm den Krieg erklärt und nicht nach ihm gefragt. Jeder von uns; ausnahmslos. Wir lügen, betrügen, lästern und beleidigen von Kindesbeinen an. Das müssen uns unsere Eltern und unsere Umgebung gar nicht erst beibringen! Dadurch haben wir uns selbst aus der Gegenwart Gottes ausgeschlossen; aus der Freundschaft mit ihm und uns auf unser eigenes Leben konzentriert. Wir haben uns also auch von der Quelle aller Freude abgeschnitten und leben jetzt ein Leben, das voll ist mit Mühsal und Ablehnung. Aber dazu sind wir nicht geschaffen worden. Unser Zuhause liegt woanders: In der perfekten Ordnung Gottes, in dem alles gut ist, und wir nichts anderes tun, als uns am ihm freuen und immer davon zu reden. Da liegt unsere Heimat. Und dahin möchte Gott uns wieder versetzen. Damit er gelobt wird und wir darin Freude haben.
Dafür ist sein Sohn gestorben; Jesus, vor 2000 Jahren an einem Kreuz vor den Toren Jerusalems. Es steckt viel drin in diesem Ereignis, auf das ich jetzt nicht alles eingehen kann. Aber eines ist sehr wichtig: An diesem Kreuz hat Jesus unsere Rebellion quasi getragen. Er ist zum Rebell geworden; Gott hat ihn als den Rebell, den selbstherrlichen Sünder gesehen, der wir sind. Und dadurch haben wir nun die Gerechtigkeit, die Jesus gelebt hat, wie ein neues Kleid angezogen bekommen. Gott sieht uns jetzt so an, als wären wir so gerecht, wie dieser Gottessohn. Luther nannte das den 'fröhlichen Wechsel'. Unsere Ungerechtigkeit lag auf ihm, und wir bekommen dafür seine Gerechtigkeit angezogen. Dieser Wechsel geschieht durch glauben. Wenn du glaubst, dass Jesus gestorben ist – für dich – dann zieht dir Gott seine Gerechtigkeit an.
Die Bibel sagt dazu, dass wir eine neue Schöpfung werden. Und das ist das Geheimnis, von dem Paulus hier spricht. Gott lebt in uns und verändert uns immer mehr in den Menschen, der wir eigentlich sein sollten. Das ist die einzige Möglichkeit, in die Gegenwart Gottes zu treten. Ihr kennt ja den Satz: In uns selbst sind wir sündiger als wir jemals gedacht hätten, aber in Christus sind wir geliebter als wir jemals zu hoffen gewagt hätten!
Das ist das Evangelium. Unsere Sünde – Gottes Liebe. Unsere Rebellion – Gottes Friede. Unsere Leere – Gottes Fülle.
Durch das Kreuz befreit uns Gott zu einem Leben, in dem seine Anbetung immer mehr zunehmen kann; in dem wir immer mehr zu einem anbetenden Menschen werden können, der weiß, dass die Quelle seiner Freude nicht in uns selbst liegt, sondern in ihm.
Leidenschaftliche Anbetung finden wir nur am Kreuz. Denn wenn wir dort hinkommen, dann bekommen wir die Augen geöffnet für die Herrlichkeit unseres Gottes, für die überschwängliche Gnade, die er uns dort schenkt. Dort werden wir zu einer neuen Schöpfung, in die der Heilige Geist als Anzahlung, als unser Erbe, einzieht – er wohnt dann in uns und führt und in die leidenschaftliche Anbetung, weil er die Sehnsucht weckt!
Anbetung beginnt am Kreuz, wo wir erkennen, dass wir nichts mehr sind außer Jesus.
Anbetung endet am Kreuz, wo wir erkennen, dass wir nicht mehr anderes sein wollen als Jesus

Amen!

1Originalzitat: „I didn’t understand this idea of a God who says, “You have to acknowledge me. You have to say that I’m the best, and then I’ll give you eternal happiness. If you won’t, then you don’t get it!” It seemed to be about ego. I can’t see God operating from ego, so it made no sense to me.“ Quelle: http://www.parade.com/celebrity/articles/071002-brad-pitt.html
2Original: „This inheritance qualifies believers to live eternally in heaven in the presence of God. We have a little bit of heaven in us, namely, that Holy Spirit's Presence, and a guarantee of a lot more to come in the future.“ Quelle: Harold Hoehner, Ephesians: An Exegetical Commentary, Grand Rapids: Baker 2002, S.243

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