Freitag, 9. März 2012

Ein Schritt aus dem Lager hinaus...

Eine Rezension zu Richard Mouws "Calvinism in the Las Vegas Airport - Making Connections in Today's World"


Das Buch beginnt mit einer Szene aus dem Film Hardcore - Ein Vater sieht rot, in dem der Regisseur Paul Schrader mit seiner holländisch-reformierten Kindheit und Herkunft aufräumt. Diese eine Szene ist der Namens- und Themengeber für den ganzen Film. Es handelt sich dabei um eine Szene im Flughafen von Las Vegas, wo ein Vater auf der Suche ist nach seiner Tochter, die von Zuhause ausgebrochen ist und sich nun in der Pornoindustrie verdingt. Der Vater - Ältester eine holländisch-reformierten Kirche in Michigan - trifft am Flughafen auf eine junge Frau, selbst eine Prostituierte, der er versucht, die sog. Fünf Punkte des Calvinismus zu erklären.
Dabei handelt es sich natürlich um einen sarkastisch-humoristischen Umgang mit der Thematik der 'frozen chosen'; mancher calvinistischer Gemeinden (Amerikas), die sich mehr um Erwählung als um Gnade drehen.
Ausgehend von dieser Stelle fragt sich Mouw nun, wie er den Calvinismus, an den er glaubt, in einer Welt kommunizieren kann, die scheinbar keinerlei Verständnis dafür aufzubringen imstande ist.

1. Über den Calvinismus hinaus
Einer der wichtigsten Ansätze des Buches ist dabei, dass er über die einfache theologische Linie hinaus darauf sieht, was die Erwählungslehre mit dem Menschen an sich macht. Mouw drückt das so aus:

"This is where we need to go a step beyond the TULIP doctrines. Those teachings focus on an important question: How do fallen, hopelessly depraved human creatures get right with God? And the shorthand answer is: By sovereign grace. But there is an important next question: And what happens after we are made right with God?" (S. 65; Hervorhebungen im Original)

Bei dem Buch handelt es sich also nicht so sehr um eine Streitschrift für den Calvinismus, als mehr eine Herausforderung an solche, die sich Calvinisten nennen. Welche Verantwortung trägt die persönliche Erwählung, an die du glaubst, für dich mit? Das ist eine Frage, mit der ich mich schon in meinem Artikel 'Das Privileg der Verantwortung' befasst habe.
Mouw zeigt auf, das Calvinismus nicht da stehen bleiben darf, wo er sich über seine eigene Rettung freut, sondern die weiteren Auswirkungen eines solches Verständnis der Errettung versteht. Mouw schreibt: 

"And here too the answer centers on the notion of divine sovereignity: God elects us to participate in a covenant community that shows forth his sovereign rule over all areas of life." (S. 65; Hervorhebungen im Original)

2. Eine sich erfüllende Hoffnung
Mouw beschreibt seine Hoffnung, die er beim wiederholten Lesen der 'Lehrsätze von Dordrecht' (die die Fünf Punkte des Calvinismus festschrieben) hegt. Er benutzt dazu die Geschichte 'Fahrenheit 451', in der eine kleine Gruppe von Menschen sich vor einem totalitären Regime versteckt, das Bücher verbietet. Diese Gruppe lernt die wichtigen Bücher der Menschheitsgeschichte auswendig, um ihren Inhalt zu bewahren mit der Hoffnung, auf eine bessere Zukunft; eine Zukunft, in der Bücher wieder gelesen und geliebt werden. Mouw schreibt, dass er sich ähnlich fühlt, wie sich diese Leute fühlen mussten. In einer Welt, die wenig Verbindung zu dieser Lehre hat, behält er sie in seinem Herzen mit der Hoffnung, dass man eines Tages wieder mehr davon hören will. Und damit, so sagt er, tritt er eine Kolonie von Aussteigern bei, die ihre traditionelle Form des Christentums bewahren und auf bessere Zeiten warten. Er schreibt:

"I read and reread the Canons of Dordt. And in doing so, I have to come to see myself as a member of a colony of memorizers.
The colony to which I belong cannot be found in an actual physical place. It is a network of Christians - each of us has made a vow to keep the memories of past theologies alive. Some of my fellow colonists are commited to Lutheran documents, others to the writings of John Wesley of Anglicanism's Thirty-Nine Articles. Some of us are especially fond of catechisms, others of prayer books and the document of encient religious orders. [...]
I do regularly read and reread the Canons. But that isn't all that I do as a member of the colony. As I work alongside the other members, I see it as a part of my vow to remind them constantly of the calvinist perspective" (S. 127).

Ich frage mich, ob Mouw im Jahr 2004 schon ahnte, dass das Time Magazine die 'New Calvinists' in Amerika zu den wichtigsten, weltverändernden Ideen des Jahres 2009 wählen würde.
Dass es wieder Interesse gibt an den Ideen und Systemen refomierter Theologie liegt daran, dass Mouw nicht der Einzige war, der viele Jahre lang diese Ideen weitergetragen hat und nun einige Samen aufgehen sieht in den Köpfen junger, wilder Christen.

3. Das Problem mit Großzügigkeit.
Das vielleicht größte Problem in dem Buch findet sich in deim Kapitel 8 'The Generosity Option'. Mouw schreibt immer wieder, dass er kein Universalist ist - und das macht er auch deutlich. Und trotzdem beschreibt er in diesem Kapitel, dass sein Vertrauen in die Souveränität Gottes dazu bringt, dass er eine Hoffnung - nicht eine dogmatische Gewissheit oder auch nur einen Hinweis - hat, dass am Ende mehr Menschen die Gegenwart Gottes eröeben werden, als wir es uns manchmal vorstellen. Vielleicht, weil Gott hinter Fassaden guckt; vielleicht, weil Gott weiß, dass Erlebnisse in unserer Vergangenheit es uns emotional unmöglich machen, ein formales Bekenntnis zu Christus abzugeben; vielleicht, weil manche Menschen niemals die Chance hatten, das Evangelium auch nur zu hören. Vielleicht - mehr bietet Mouw nicht. Es ist trotzdem dieses Vielleicht, das manche Menschen mindestens eine Augenbrau hochziehen lässt. Und ich gebe gerne zu, dass auch meine Augenbraue gezuckt hat.
Francis Chan und Preston Sprinkle schreiben in ihrem Buch 'Hölle Light', dass wahrscheinlich jeder Christ, der Freunde, Verwandte, Bekannte oder Berührungspunkte in der verlorenen Welt um uns herum hat, mindestens im innersten ein hoffnungsvoller Allversöhner ist. Ich habe mich gefragt, wieso mich dieser Satz bei Chan und Spinkle nicht gestört hat; wieso ich eigentlich bei Chan und Sprinkle genickt habe, während ich bei Mouw mit der Augenbraue zucke.
Ich glaube, dass orthodoxes Christentum nicht über dieses Vielleicht hinausgehen sollte; ich glaube aber auch, dass ein mitfühlendes Herz sich manchmal dieses Schutzraum des Vielleichts bauen sollte, um nicht zu verzweifeln.

4. Wieso jeder Calvinist dieses Buch lesen sollte
Dieses Buch hat mich innerlich sehr bewegt. Ich bin davon überzeugt, das die Ansätze, die das Buch zeigt, gewinnbringend sind für jeden Christen. Es handelt sich dabei aber nicht um ein Buch, das Calvinismus erklärt oder plausibel macht. Deswegen ist die Zielgruppe in erster Linie in den Calvinisten zu finden. Denn es handelt sich um das Ringen eines überzeugten Calvinisten mit den Lehren, von deren Wahrheit er überzeugt ist, doch die er nicht so recht zu vermitteln weiß. Wie lebe ich, was ich glaube, wenn es sich um eine solche Position handelt wie den Calvinismus? Wo sind die praktischen Ansätze? Welche Relevanz hat ein 500-Jahre altes System in unserer Zeit?
Mouw zeigt nicht nur, dass es eine gewisse Relevanz, sondern auch intelektuelle Herausforderung und Überzeugungskraft im Calvinismus liegt.
Aber am Ende geht es nicht darum, Calvinist zu sein.

"Being exposed on a daily basis to the rich diverity of the body of Christ has taught me to look are more than the theology a person professes in judging his or her value to the kingdom of God." (S.117)

Gods Bless,

Restless Evangelical

Richard J. Mouw: Calvinism in the Las Vegas Airport - Making connections in today's world
Grand Rapids, Zondervan, 2004
ISBN 13: 978-0-310-23197-4

Das Buch lässt sich übrigens hervorragend in der FTH Buchhandlung bestellen:
http://www.ftabooks.de/

Montag, 5. März 2012

Lasst Gott Gott sein! - auch in Deutsch!

Eine Rezension zur deutschen Übersetzung von
Francis Chans: "Hölle Light - Was Gott über die Hölle sagt, und was wir daraus gemacht haben"

Vorbemerkung: Zum Zweck dieser Rezension hat mit Gerth Medien ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dafür bedanke ich mich an dieser Stelle sehr herzlich!

1. Einleitung
Als ich davon hörte, dass 'Erasing Hell' ins Deutsche übersetzt wurde, habe ich bei Gerth Medien nachgefragt, ob ich ein Rezensionsexemplar dieses Buches haben könnte; ich hatte vor, meine Rezension zur Englischen Ausgabe zu überarbeiten und an die Deutsche Ausgabe anzupassen.
Aber während ich das Buch noch einmal gelesen habe, habe ich den Entschluss gefällt, eine komplett neue Rezension zu schreiben.
Das Buch 'Hölle Light' von Francis Chan und Preston Spinkle versteht sich selbst als ein Produkt der Diskussion, die sich an Anschluss an Rob Bell's 'Das Letzte Wort hat die Liebe' in der evangelikalen Bewegung verankert hat. Auf einmal wurden wieder Fragen laut, die die Existenz, Endgültigkeit und Gerechtigkeit der Hölle in Frage stellten. Kann Gott Menschen wirklich dazu schaffen, sie für ewig in der Hölle schmoren zu lassen? Ist das wirklich, was die Bibel sagt? Und bekommt Gott nicht am Ende das, was er will - alle Menschen?
Mit diesen Fragen befasst sich Chans und Sprinkles Buch und geht dabei sowohl auf die Emotionalen als auch die biblischen Einwände gegen die traditionalle Sicht auf die Hölle ein.

2. Was hätte Jesus sagen müssen?
Chan und Sprinkle gehen in dem Buch als erstes auf einige Argumente ein, die von 'Allversöhnern' immer wieder gegen die Lehre der Hölle aufgebracht werden. Mit einigem theologischen Fingerspitzengefühl zeigen sie, dass solche Einwände einer eingehenden Beschäftigung mit dem Kontext meist nicht standhalten. Dieses Kapitel ist allerdings nur relativ kurz gehalten. Denn im Anschluss bringen sie in drei Kapiteln ihre eigenen exegetischen Schlüsse auf den Punkt. Dabei treibt sie die Frage, was Jesus wirklich hätte sagen müssen, wenn er in der Kultur, in der er aufwuchs, richtig verstanden werden wollte. Oder mit ihren eigenen Worten:
"Jesus war ein Jude, der im 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung lebte [...]. Wenden wir uns also dieser Welt zu. In diesem Zusammenhang werden wir entdecken, dass man die Hölle als einen Ort der Strafe betrachtete, an dem alle Menschen enden, die Gott nicht nachfolgen. Diese Auffassung war den Juden des 1. Jahrhunderts so in Fleisch und Blut übergegangen, dass Jesus sich davon schon ausdrücklich hätte distanzieren müssen, wenn er sie nicht vertrat!" (S. 43; Hervorhebung durch mich)

Deswegen betrachten Chan und Sprinkle sehr intensiv die Aussagen auf religiöser Literatur des 1. Jahrhunderts um zu zeigen, was die allgemeine Auffassung über die Hölle zu jener Zeit war, in der Jesus lebte. Dann zeigen sie, wie Jesus an den Sprachgebrauch anknüpfte und diese Ansicht zu einem großen Teil stützte und auch seine Nachfolger (Speziell Paulus, Petrus, Johannes und Judas [der den Judasbrief geschrieben hat]) die gleiche Auffassung vertraten.

3. Das wichtigste Argument
Nach 95 Seiten kommen die beiden dann zu den Fragen, die die meisten Leser wahrscheinlich beschäftigen werden. Denn die Leser dieses Buches wird man ganz grob in zwei Kategorien einteilen können: a) solche, die unbedingt die Debatte mit Rob Bell (und anderen Allversöhnern) gewinnen wollen. b) solche, die endlich einen Beweis dafür haben wollen, dass die Lehre von der Hölle mit Herzenswärme unvereinbar sind.
Und beiden Gruppen nehmen Chan und Sprinkle den Wind aus den Segeln. Das kann ich als Teil der ersten Gruppe mit einer Bestimmtheit sagen. Das tun sie schon mit dem ersten Absatz in der Einleitung:

"Wenn sie sich auf dieses Buch gefreut haben, dann haben sie jetzt ein Problem. [...] Wir spüren der Möglichkeit nach, dass sie oder ich die ewigen Qualen der Hölle erleiden müssen. 'Sich freuen' ist in diesem Zusammenhang daher wohl nicht der richtige Begriff. Eher müsste man sagen, dass dieses Buch notwendig ist." (S. 10; Hervorhebung im Original)

Daher stellen die beiden Autoren in dem Buch eine Theorie auf, der wir uns nicht entziehen können: Wir sollten Gott Gott sein lassen! Er ist im Himmel, wir auf der Erde. Er hat Gerechtigkeit und Liebe erfunden, wir sind nur eine kleine, durch die Sünde in uns verunstaltete Kopie von ihm. Wir können nicht alle Wege Gottes verstehen und auch nicht alles mit unserem Gerechtigkeitsverständnis in Einklang bringen. Und das betrifft sicher nicht nur die unpopuläre Lehre von der Hölle. Es geht bis in das Herz des Christentums:

"Dass Gott Menschen in die Hölle schickt, ist nicht das Einzige, was wir nicht verstehen können. In der Bibel finden wir unzählige Taten Gottes, die für uns kaum Sinn ergeben.
Denken Sie mal darüber nach. [...]
Wir dienen einem Gott, dessen Wege unerklärlich sind. [...]
Wäre es Ihnen eingefallen, fehlerhafte Menschen von ihrer Schuld zu erretten, indem sie Ihren Sohn auf die Erde sandten, damit er dort menschliche Gestalt annähme? [...] Hätten Sie zugelassen, dass ihre eigenen Geschöpfe Ihren Sohn foltern, sein Fleisch mit Geißeln zerreißen und Nägel durch seine Hände und Füße treiben? [...]
Ich bin fast sicher, dass ich das nicht getan hätte, wenn ich Gott wäre.
Jetzt sind sie froh, dass ich nicht Gott bin, oder?" (S.111-113; Hervorhebung durch mich)

4. Aber eine Frage habe ich noch...
Trotzdem bleiben am Ende einige Fragen offen. Ein Buch von gerade einmal 172 Seiten kann nicht jede Frage beantworten, die über dieses Thema jemals gestellt wurde. In einem ersten Anhangsteil versuchen die Autoren noch, auf einige wichtige Fragen einzugehen und auch die Lektüre der Fußnoten würde ich sehr empfehlen. Oft finden sich dort noch weiterführende Informationen, die einem dabei helfen, das Thema in den Griff zu bekommen. Auch wenn nicht jede Frage (sowohl intellektuell als auch emotional) beantwortet wird, sprechen die Autoren viele Themen an und schaffen so ein Werk, zu dem man beruhigt greifen kann. Denn die Autoren zeigen, dass es zwar einige gute Argumente gibt, die auf eine ewige Hölle in der Ewigkeit schließen lassen. Aber sie zeigen, dass diese Wahrheit uns weder zu Unmut Gott gegenüber verleiten sollte noch in stolzes Besserwissertum.
Diese Wahrheit von der Hölle führt uns dazu, dass wir uns vor der erhabenen Weisheit unseres Gottes beugen und mit mehr Leidenschaft und Motivation in die Mission hineingehen, in die Gott uns gerufen hat: Botschafter des Königreichs Gottes auf dieser Erde zu sein. Wir sollen nicht (nur) wissen, was Gott sagt, sondern es auch weitergeben an die Menschen, die es noch nicht wissen. Wir sollten nicht hochnäsig Grinsen, weil wir wissen, wie die Ewigkeit aussieht; sondern mit Leidenschaft die Leute in die Herrschaft Gottes hineinrufen.
Wie es Paulus gesagt hat:

"So sind wir nun Botschafter für Christus, und es ist Gott, der durch uns mahnt. Wir bitten im Auftrag von Christus: Nehmt die Versöhnung an, die Gott euch anbietet! Er hat den, der ohne Sünde war, für uns zur Sünde gemacht, damit wir durch ihn die Gerechtigkeit bekommen, mit der wir vor Gott bestehen können." (2Kor 5,20-21; NeÜ)

Gods Bless,
Restless Evangelical



Francis Chan & Preston Spinkle: Hölle Light - Was Gott über die Hölle sagt, und was wir daraus gemacht haben
       Asslar, Gerth Medien, 2012
       ISBN 13: 978-3-86591-669-3

Das Buch lässt sich übrigens hervorragend in der FTH Buchhandlung bestellen:
http://www.ftabooks.de/

Freitag, 2. März 2012

Von Gutem und Besserem...

Wissen und Vision

Manche Menschen sind 'on fire'. Du triffst sie und du merkst, dass sie für etwas brennen, etwas bewegen wollen - und meistens dauert es nicht lange, bis sie auch etwas bewegen.
Manche Menschen wissen alles. Du triffst sie, und du merkst, dass du niemals soviel Wissen anhäufen kannst wie sie.
Aber seltener lerne ich Menschen kennen, die viel wissen, und gleichzeitig für etwas brennen.

1. Wissen ist etwas Gutes!
Manchmal treffe ich Menschen, die scheinen Theologie grundsätzlich kritisch gegenüber zu stehen. Ich habe auch in meinem letzten Post darüber geschrieben, wieso Theologie wichtig ist. Deswegen sollte etwas einmal betont werden, dass jeder Christ sich mehr und mehr wissen anschaffen sollte. Niemand hat 'genug gelernt' und weiß alles. Das ist ein zentraler Anspekt der Anbetung. Wenn Anbetung wirklich darin liegt, Jesus immer mehr zu kennen und von seinem Wesen zu erzählen, dann geht uns irgendwann das Pulver aus, mit dem wir anbeten, wenn wir uns nicht immer mehr mit solchen Inhalten füllen, die aus seiner Selbstoffenbarung - der Bibel - heraus geboren werden. Ein enger Freund von mir ist einer der begabtesten Lobpreiser, die ich kenne. Gott hat ihm eine große Gabe darin gegeben, andere Menschen in die Gegenwart Gottes zu führen. Und wenn ich mit ihm darüber rede, worin die Stärken eines großen Lobpreisliedes liegen, dann merke ich immer eines: Es liegt in der Erkenntnis Gottes. Es sind die Lieder, in denen die Christen nicht davon singen, wir sie sind - auch nicht so sehr, wie geliebt sie sind oder wie wertvoll sie sind - sondern wie Groß und Herrlich und Unerreicht unser Gott ist. Die Lieder, die Predigten, die Bücher, die Texte und die Gespräche, die unseren Blick von uns Weglenken in die Erkenntnis Gottes - darin finden wir Erfüllung und Ziel, Vision und Ruhe. Wissen an sich ist also gar nichts schlechtes, wenn sie uns dazu führt, dass wir unseren Gott anbeten und immer mehr unser Denken um ihn Kreisen lassen.

2. Vision ist besser...
Gleichzeitig ist mir aber auch etwas anderes aufgefallen. Es sind nicht immer die größten Denker, die auch den größten Einfluss auf mein Leben haben. Die den größten Dienst haben. Die Gott am meisten gebraucht. Es sind nicht die, die einen Doktor-Titel haben; sondern die, die einen Vision haben. Und damit meine ich nicht so sehr eine persönliche Gemeindevision. Ich meine die eine Vision, die hinter unserem Theologisieren stehen sollte: die Verherrlichung Gottes!
Durch mein Studium habe ich ein paar junge Frauen kennengelernt, die mich sehr beeindrucken. Sie sind nicht alle die größten Denker. Und das meine ich nicht negativ. Sie sind alle klug. Aber sie schwimmen im Studium nicht immer locker oben. Und doch sind sie einie wichtige Inspirationsquelle in meinem Leben. Dann ich schreibe auf diesem Blog viel davon, dass wir ein missionales Leben führen sollen; dass wir unser Leben und unsere Zeit investieren sollen, um für Gottes Gerechtigkeit und Gottes Herrlichkeit einzustehen. Aber ich sehe davon meistens in meinem Leben weniger, als ich gerne würde.
Doch bei diesen jungen Frauen sehe ich es. Sie nutzen ihre Zeit dafür, unter Prostituierten zu arbeiten. Es geht darum, Diener zu sein, wie Jesus Diener war; in die Welt gesendet zu sein, wie Jesus in die Welt gesendet wurde (Joh 20,21). Es geht darum, Segen für eine Welt zu sein, die durch ihre Gier und Lust Menschen dazu zwingt, ihren Körper zu verkaufen und die körperlichen und seelischen Schmerzen in Betäubungsmitteln zu ertränken. Es geht darum, Salz und Licht zu sein. Es geht darum, Botschafter zu sein an Christi statt und zu rufen: Lasst ein versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde für uns zur Sünde gemacht, damit wir zu gerechtigkeit Gottes werden würden (2Kor 5,21). Es geht um nicht weniger, als den Missionsbefehl aus Genesis 12 zu erfüllen, zu gehen und ein Segen zu sein.
Diese jungen Frauen zeigen mit ihrem Leben das, was wirkliche Christusnachfolger zeigen sollten; und was ich in meinem Leben, das angefüllt ist mit Wissen, oftmals vermisse: Sie zeigen Barmherzigkeit für eine gebrochene Welt und dass ihr Wissen für sie nicht nur im Kopf steckt - sondern im Herzen und von dort in die Beine rutscht.
Es ist beeindruckend, wenn man Menschem um sich herum hat, die viel wissen. Es ist auf eine unglaublich bereichernde Weise demütigend, wenn man Menschen um sich herum hat, die dieses Wissen nicht nur horten, sondern es leben.
Ihre Vision, Frauen am Rande der Gesellschaft das Evangelium von der Herrschaft Gottes über die ganze Erde zu bringen, ist beeindruckender, als das verfassen von Lagerregalen voll mit Büchern.
Es macht sie zu großen Theologinnen - unbeachtet ihrer Noten und ihrer Bücherregale. Denn sie wissen, was wirkliche Anbetung bedeutet:

"Nein, ein Fasten, das mir gefällt, ist so: / Löst die Fesseln der Ungerechtigkeit, / knotet die Jochstricke auf, / gebt Misshandelten die Freiheit, / schafft jede Art von Unterdrückung ab! Ladet Hungernde an euren Tisch, / nehmt Obdachlose bei euch auf! / Wenn du jemand halbnackt und zerlumpt herumlaufen siehst, / dann gib ihm etwas anzuziehen! / Hilf dem in deinem Volk, der deine Hilfe braucht! Dann strahlt dein Licht wie die Morgenröte auf, / und deine Wunden heilen schnell. / Dann zieht die Gerechtigkeit vor dir her, / und die Herrlichkeit Jahwes wird deine Nachhut sein. Wenn du dann zu Jahwe rufst, wird er dir Antwort geben; / wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: 'Ja, hier bin ich!'" (Jesaja 58,6-9; NeÜ)

Gods Bless,

Restless Evangelical