Montag, 5. März 2012

Lasst Gott Gott sein! - auch in Deutsch!

Eine Rezension zur deutschen Übersetzung von
Francis Chans: "Hölle Light - Was Gott über die Hölle sagt, und was wir daraus gemacht haben"

Vorbemerkung: Zum Zweck dieser Rezension hat mit Gerth Medien ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dafür bedanke ich mich an dieser Stelle sehr herzlich!

1. Einleitung
Als ich davon hörte, dass 'Erasing Hell' ins Deutsche übersetzt wurde, habe ich bei Gerth Medien nachgefragt, ob ich ein Rezensionsexemplar dieses Buches haben könnte; ich hatte vor, meine Rezension zur Englischen Ausgabe zu überarbeiten und an die Deutsche Ausgabe anzupassen.
Aber während ich das Buch noch einmal gelesen habe, habe ich den Entschluss gefällt, eine komplett neue Rezension zu schreiben.
Das Buch 'Hölle Light' von Francis Chan und Preston Spinkle versteht sich selbst als ein Produkt der Diskussion, die sich an Anschluss an Rob Bell's 'Das Letzte Wort hat die Liebe' in der evangelikalen Bewegung verankert hat. Auf einmal wurden wieder Fragen laut, die die Existenz, Endgültigkeit und Gerechtigkeit der Hölle in Frage stellten. Kann Gott Menschen wirklich dazu schaffen, sie für ewig in der Hölle schmoren zu lassen? Ist das wirklich, was die Bibel sagt? Und bekommt Gott nicht am Ende das, was er will - alle Menschen?
Mit diesen Fragen befasst sich Chans und Sprinkles Buch und geht dabei sowohl auf die Emotionalen als auch die biblischen Einwände gegen die traditionalle Sicht auf die Hölle ein.

2. Was hätte Jesus sagen müssen?
Chan und Sprinkle gehen in dem Buch als erstes auf einige Argumente ein, die von 'Allversöhnern' immer wieder gegen die Lehre der Hölle aufgebracht werden. Mit einigem theologischen Fingerspitzengefühl zeigen sie, dass solche Einwände einer eingehenden Beschäftigung mit dem Kontext meist nicht standhalten. Dieses Kapitel ist allerdings nur relativ kurz gehalten. Denn im Anschluss bringen sie in drei Kapiteln ihre eigenen exegetischen Schlüsse auf den Punkt. Dabei treibt sie die Frage, was Jesus wirklich hätte sagen müssen, wenn er in der Kultur, in der er aufwuchs, richtig verstanden werden wollte. Oder mit ihren eigenen Worten:
"Jesus war ein Jude, der im 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung lebte [...]. Wenden wir uns also dieser Welt zu. In diesem Zusammenhang werden wir entdecken, dass man die Hölle als einen Ort der Strafe betrachtete, an dem alle Menschen enden, die Gott nicht nachfolgen. Diese Auffassung war den Juden des 1. Jahrhunderts so in Fleisch und Blut übergegangen, dass Jesus sich davon schon ausdrücklich hätte distanzieren müssen, wenn er sie nicht vertrat!" (S. 43; Hervorhebung durch mich)

Deswegen betrachten Chan und Sprinkle sehr intensiv die Aussagen auf religiöser Literatur des 1. Jahrhunderts um zu zeigen, was die allgemeine Auffassung über die Hölle zu jener Zeit war, in der Jesus lebte. Dann zeigen sie, wie Jesus an den Sprachgebrauch anknüpfte und diese Ansicht zu einem großen Teil stützte und auch seine Nachfolger (Speziell Paulus, Petrus, Johannes und Judas [der den Judasbrief geschrieben hat]) die gleiche Auffassung vertraten.

3. Das wichtigste Argument
Nach 95 Seiten kommen die beiden dann zu den Fragen, die die meisten Leser wahrscheinlich beschäftigen werden. Denn die Leser dieses Buches wird man ganz grob in zwei Kategorien einteilen können: a) solche, die unbedingt die Debatte mit Rob Bell (und anderen Allversöhnern) gewinnen wollen. b) solche, die endlich einen Beweis dafür haben wollen, dass die Lehre von der Hölle mit Herzenswärme unvereinbar sind.
Und beiden Gruppen nehmen Chan und Sprinkle den Wind aus den Segeln. Das kann ich als Teil der ersten Gruppe mit einer Bestimmtheit sagen. Das tun sie schon mit dem ersten Absatz in der Einleitung:

"Wenn sie sich auf dieses Buch gefreut haben, dann haben sie jetzt ein Problem. [...] Wir spüren der Möglichkeit nach, dass sie oder ich die ewigen Qualen der Hölle erleiden müssen. 'Sich freuen' ist in diesem Zusammenhang daher wohl nicht der richtige Begriff. Eher müsste man sagen, dass dieses Buch notwendig ist." (S. 10; Hervorhebung im Original)

Daher stellen die beiden Autoren in dem Buch eine Theorie auf, der wir uns nicht entziehen können: Wir sollten Gott Gott sein lassen! Er ist im Himmel, wir auf der Erde. Er hat Gerechtigkeit und Liebe erfunden, wir sind nur eine kleine, durch die Sünde in uns verunstaltete Kopie von ihm. Wir können nicht alle Wege Gottes verstehen und auch nicht alles mit unserem Gerechtigkeitsverständnis in Einklang bringen. Und das betrifft sicher nicht nur die unpopuläre Lehre von der Hölle. Es geht bis in das Herz des Christentums:

"Dass Gott Menschen in die Hölle schickt, ist nicht das Einzige, was wir nicht verstehen können. In der Bibel finden wir unzählige Taten Gottes, die für uns kaum Sinn ergeben.
Denken Sie mal darüber nach. [...]
Wir dienen einem Gott, dessen Wege unerklärlich sind. [...]
Wäre es Ihnen eingefallen, fehlerhafte Menschen von ihrer Schuld zu erretten, indem sie Ihren Sohn auf die Erde sandten, damit er dort menschliche Gestalt annähme? [...] Hätten Sie zugelassen, dass ihre eigenen Geschöpfe Ihren Sohn foltern, sein Fleisch mit Geißeln zerreißen und Nägel durch seine Hände und Füße treiben? [...]
Ich bin fast sicher, dass ich das nicht getan hätte, wenn ich Gott wäre.
Jetzt sind sie froh, dass ich nicht Gott bin, oder?" (S.111-113; Hervorhebung durch mich)

4. Aber eine Frage habe ich noch...
Trotzdem bleiben am Ende einige Fragen offen. Ein Buch von gerade einmal 172 Seiten kann nicht jede Frage beantworten, die über dieses Thema jemals gestellt wurde. In einem ersten Anhangsteil versuchen die Autoren noch, auf einige wichtige Fragen einzugehen und auch die Lektüre der Fußnoten würde ich sehr empfehlen. Oft finden sich dort noch weiterführende Informationen, die einem dabei helfen, das Thema in den Griff zu bekommen. Auch wenn nicht jede Frage (sowohl intellektuell als auch emotional) beantwortet wird, sprechen die Autoren viele Themen an und schaffen so ein Werk, zu dem man beruhigt greifen kann. Denn die Autoren zeigen, dass es zwar einige gute Argumente gibt, die auf eine ewige Hölle in der Ewigkeit schließen lassen. Aber sie zeigen, dass diese Wahrheit uns weder zu Unmut Gott gegenüber verleiten sollte noch in stolzes Besserwissertum.
Diese Wahrheit von der Hölle führt uns dazu, dass wir uns vor der erhabenen Weisheit unseres Gottes beugen und mit mehr Leidenschaft und Motivation in die Mission hineingehen, in die Gott uns gerufen hat: Botschafter des Königreichs Gottes auf dieser Erde zu sein. Wir sollen nicht (nur) wissen, was Gott sagt, sondern es auch weitergeben an die Menschen, die es noch nicht wissen. Wir sollten nicht hochnäsig Grinsen, weil wir wissen, wie die Ewigkeit aussieht; sondern mit Leidenschaft die Leute in die Herrschaft Gottes hineinrufen.
Wie es Paulus gesagt hat:

"So sind wir nun Botschafter für Christus, und es ist Gott, der durch uns mahnt. Wir bitten im Auftrag von Christus: Nehmt die Versöhnung an, die Gott euch anbietet! Er hat den, der ohne Sünde war, für uns zur Sünde gemacht, damit wir durch ihn die Gerechtigkeit bekommen, mit der wir vor Gott bestehen können." (2Kor 5,20-21; NeÜ)

Gods Bless,
Restless Evangelical



Francis Chan & Preston Spinkle: Hölle Light - Was Gott über die Hölle sagt, und was wir daraus gemacht haben
       Asslar, Gerth Medien, 2012
       ISBN 13: 978-3-86591-669-3

Das Buch lässt sich übrigens hervorragend in der FTH Buchhandlung bestellen:
http://www.ftabooks.de/

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