Freitag, 2. März 2012

Von Gutem und Besserem...

Wissen und Vision

Manche Menschen sind 'on fire'. Du triffst sie und du merkst, dass sie für etwas brennen, etwas bewegen wollen - und meistens dauert es nicht lange, bis sie auch etwas bewegen.
Manche Menschen wissen alles. Du triffst sie, und du merkst, dass du niemals soviel Wissen anhäufen kannst wie sie.
Aber seltener lerne ich Menschen kennen, die viel wissen, und gleichzeitig für etwas brennen.

1. Wissen ist etwas Gutes!
Manchmal treffe ich Menschen, die scheinen Theologie grundsätzlich kritisch gegenüber zu stehen. Ich habe auch in meinem letzten Post darüber geschrieben, wieso Theologie wichtig ist. Deswegen sollte etwas einmal betont werden, dass jeder Christ sich mehr und mehr wissen anschaffen sollte. Niemand hat 'genug gelernt' und weiß alles. Das ist ein zentraler Anspekt der Anbetung. Wenn Anbetung wirklich darin liegt, Jesus immer mehr zu kennen und von seinem Wesen zu erzählen, dann geht uns irgendwann das Pulver aus, mit dem wir anbeten, wenn wir uns nicht immer mehr mit solchen Inhalten füllen, die aus seiner Selbstoffenbarung - der Bibel - heraus geboren werden. Ein enger Freund von mir ist einer der begabtesten Lobpreiser, die ich kenne. Gott hat ihm eine große Gabe darin gegeben, andere Menschen in die Gegenwart Gottes zu führen. Und wenn ich mit ihm darüber rede, worin die Stärken eines großen Lobpreisliedes liegen, dann merke ich immer eines: Es liegt in der Erkenntnis Gottes. Es sind die Lieder, in denen die Christen nicht davon singen, wir sie sind - auch nicht so sehr, wie geliebt sie sind oder wie wertvoll sie sind - sondern wie Groß und Herrlich und Unerreicht unser Gott ist. Die Lieder, die Predigten, die Bücher, die Texte und die Gespräche, die unseren Blick von uns Weglenken in die Erkenntnis Gottes - darin finden wir Erfüllung und Ziel, Vision und Ruhe. Wissen an sich ist also gar nichts schlechtes, wenn sie uns dazu führt, dass wir unseren Gott anbeten und immer mehr unser Denken um ihn Kreisen lassen.

2. Vision ist besser...
Gleichzeitig ist mir aber auch etwas anderes aufgefallen. Es sind nicht immer die größten Denker, die auch den größten Einfluss auf mein Leben haben. Die den größten Dienst haben. Die Gott am meisten gebraucht. Es sind nicht die, die einen Doktor-Titel haben; sondern die, die einen Vision haben. Und damit meine ich nicht so sehr eine persönliche Gemeindevision. Ich meine die eine Vision, die hinter unserem Theologisieren stehen sollte: die Verherrlichung Gottes!
Durch mein Studium habe ich ein paar junge Frauen kennengelernt, die mich sehr beeindrucken. Sie sind nicht alle die größten Denker. Und das meine ich nicht negativ. Sie sind alle klug. Aber sie schwimmen im Studium nicht immer locker oben. Und doch sind sie einie wichtige Inspirationsquelle in meinem Leben. Dann ich schreibe auf diesem Blog viel davon, dass wir ein missionales Leben führen sollen; dass wir unser Leben und unsere Zeit investieren sollen, um für Gottes Gerechtigkeit und Gottes Herrlichkeit einzustehen. Aber ich sehe davon meistens in meinem Leben weniger, als ich gerne würde.
Doch bei diesen jungen Frauen sehe ich es. Sie nutzen ihre Zeit dafür, unter Prostituierten zu arbeiten. Es geht darum, Diener zu sein, wie Jesus Diener war; in die Welt gesendet zu sein, wie Jesus in die Welt gesendet wurde (Joh 20,21). Es geht darum, Segen für eine Welt zu sein, die durch ihre Gier und Lust Menschen dazu zwingt, ihren Körper zu verkaufen und die körperlichen und seelischen Schmerzen in Betäubungsmitteln zu ertränken. Es geht darum, Salz und Licht zu sein. Es geht darum, Botschafter zu sein an Christi statt und zu rufen: Lasst ein versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde für uns zur Sünde gemacht, damit wir zu gerechtigkeit Gottes werden würden (2Kor 5,21). Es geht um nicht weniger, als den Missionsbefehl aus Genesis 12 zu erfüllen, zu gehen und ein Segen zu sein.
Diese jungen Frauen zeigen mit ihrem Leben das, was wirkliche Christusnachfolger zeigen sollten; und was ich in meinem Leben, das angefüllt ist mit Wissen, oftmals vermisse: Sie zeigen Barmherzigkeit für eine gebrochene Welt und dass ihr Wissen für sie nicht nur im Kopf steckt - sondern im Herzen und von dort in die Beine rutscht.
Es ist beeindruckend, wenn man Menschem um sich herum hat, die viel wissen. Es ist auf eine unglaublich bereichernde Weise demütigend, wenn man Menschen um sich herum hat, die dieses Wissen nicht nur horten, sondern es leben.
Ihre Vision, Frauen am Rande der Gesellschaft das Evangelium von der Herrschaft Gottes über die ganze Erde zu bringen, ist beeindruckender, als das verfassen von Lagerregalen voll mit Büchern.
Es macht sie zu großen Theologinnen - unbeachtet ihrer Noten und ihrer Bücherregale. Denn sie wissen, was wirkliche Anbetung bedeutet:

"Nein, ein Fasten, das mir gefällt, ist so: / Löst die Fesseln der Ungerechtigkeit, / knotet die Jochstricke auf, / gebt Misshandelten die Freiheit, / schafft jede Art von Unterdrückung ab! Ladet Hungernde an euren Tisch, / nehmt Obdachlose bei euch auf! / Wenn du jemand halbnackt und zerlumpt herumlaufen siehst, / dann gib ihm etwas anzuziehen! / Hilf dem in deinem Volk, der deine Hilfe braucht! Dann strahlt dein Licht wie die Morgenröte auf, / und deine Wunden heilen schnell. / Dann zieht die Gerechtigkeit vor dir her, / und die Herrlichkeit Jahwes wird deine Nachhut sein. Wenn du dann zu Jahwe rufst, wird er dir Antwort geben; / wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: 'Ja, hier bin ich!'" (Jesaja 58,6-9; NeÜ)

Gods Bless,

Restless Evangelical

Kommentare:

  1. Ja, das stimmt.
    Ich habe bei deinem Beitrag an den Vers gedacht: "Wissen bläht auf, aber Liebe baut auf!" Ich denke das ist ebenso wichtig: Oftmals kommt mir im Beisein von sovielen Theologen der Gedanke, dass man das richtig kanalisieren müsste - all dieses Wissen und analytische Denken. Aber das "Feuer" kann man ja auch nicht "machen", oder? Hast du ein paar praktische Tipps für einen Theologen, der zwar (ein wenig) kognitives Verständnis über Jesus und das Evangelium, aber wenig Vision und Feuer hat, wie er dieses ändern könnte?

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    1. Tipps sind etwas schwierig; wie du selbst sagst, kann man das Feuer nicht machen.
      Ich denke, dass es schon ein wichtiger Schritt ist, diese Symbiose zu erkennen. Wenn man schon einmal erkennt, dass Wissen ebenso wichtig ist, wie eine Vision und Leidenschaft für die Größe Gottes und sein Königreich zu entwickeln, dann hat man einen großen Schritt dahin getan.
      Erstens denke ich, dass kein Auge trocken und Herz kalt bleiben kann, wenn unsere Augen einmal dafür geöffnet werden, dass diese Welt verloren ist und Ordnung nur in Jesus zu finden ist.
      Und zweitens bin ich sicher, dass Gott sehr freigiebig ist, wenn wir ernsthaft darum bitten, dass er uns entflammt.

      Gods Bless,

      Restless Evangelical

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