Sonntag, 22. April 2012

Erzählt von der Größe Gottes!


Einige Gedanken zum Thema Lobpreis

Gestern Abend hatten wir ein paar wunderbare Stunden der Anbetung in der FTH. Zwei liebe Freunde von mir haben viel Zeit und Arbeit in einen Abend gesteckt, der gefüllt war mit ansprechender Musik – und vielmehr noch, mit theologisch tiefgehenden Liedern. Es waren schätzungsweise etwa 100 Leute zum Abend gekommen und der Plenarsaal ist (halb bestuhlt, halb unbestuhlt) raumtechnisch an seine Grenzen gekommen! Ich hatte die Ehre, am Anfang eine kurze Predigt zu halten und meine Gabe einzusetzen und es war alles in allem ein wunderbarer Abend. Ich bin aufgetankt und erfrischt herausgegangen – auch wenn ich vom Tanzen etwas aus der Puste war. In der letzten Zeit habe ich mir ein paar Gedanken zum Thema Lobpreis gemacht, die ich gerne einmal aufschreiben will und mit euch teile.

  1. Lobpreis ist nicht musikabhängig!
Leider gibt es bei vielen Christen eine gewisse Abhängigkeit, wenn es um das Thema Lobpreis geht. Lobpreis scheint etwas zu sein, dass mit Musik hervorgerufen und aufrechterhalten wird. Ich merke das selbst bei mir oft. Wenn ich Abends eine längere Gebetszeit habe, dann setze ich mir meistens Kopfhörer auf und lasse irgendwelche Lobpreismusik nebenher laufen. Das ist an und für sich nichts Schlimmes. Gott hat die Musik erschaffen – sie gehört, mit allem, was sie zu leisten im Stande ist, zu seinem Herrschaftsbereich. Ich bin dankbar, dass Gott manche begabten Musiker hat bekannt werden lassen (und es bei anderen sicher noch tun wird) und uns als Christen weltweit damit ein Geschenk gemacht hat. Musik ist in der Lage, unsere Emotionen (die etwas wunderbares sind, nichts satanisches!) zu kanalisieren. Gleichzeitig ist Musik eine Möglichkeit für viele begabte Menschen, ihre Gabe zur Ehre Gottes einzusetzen. Vor einiger Zeit habe ich die Aussage gehört: „Ich will lieber schlechten Lobpreis in meiner Gemeinde [bezog sich auf die Qualität der Musikalischen Darbietungen] als guten, denn dann kann ich mich besser auf Gott konzentrieren.‟ Gleiches habe ich auch vielfach über Predigten/Prediger gehört (und mich dadurch eher abgeschreckt gefühlt, in Anbetracht meiner musikalischen Fähigkeiten!). Das ist ein falsches Verständnis der Gaben Gottes. Gott hat uns sie Gaben nicht gegeben, um sie unter den Teppich zu kehren. Interessanterweise habe ich selten begabte Musiker gehört, die einen solchen Vorschlag gemacht habe. Oder begabte Prediger, die die Qualität der Predigen mindern wollten. Gaben Gottes sollten wir als das verstanden, was sie sind. Gaben – wir haben sie nicht verdient, sondern erhalten. Gottes – sie gehören nicht uns und finden ihre Erfüllung nicht in unserer Popularität. Lobpreis von musikalisch hoher Qualität ist etwas Gutes, ein Geschenk. Aber er sollte uns nicht in die Abhängigkeit von Musik führen. Das würde ein ‚Event Christentum‘ schaffen; Christen, die von einem Event zum anderen, von einer Gemeinde zur anderen hetzen, weil ihnen dort die Musik, dort die Sängerin, dort der Prediger und dort der Kaffee am besten gefällt. Lobpreisabende, Live Musik, die uns in der Anbetung Gottes anleitet, sind eine Möglichkeit, dem Alltag zu vergessen und ein paar Stunden 100% zum Anbeter zu werden. Es ist ein kurzer Vorgeschmack auf das, was uns in der kommenden Welt einmal erwartet, wenn wir nichts anderes mehr machen, als Gott anzubeten. Und das ist das schöne daran: Wir erleben die Freude und Leidenschaft an solchen Abenden, aber auch unsere Grenzen – und merken, wie unvollkommen wir noch sind. Lobpreisabende und -musik sollten uns darüber reflektieren lassen, wie wir auch in gänzlich unmusikalischen Umbegungen, auf der Arbeit, in der Schule, an der Uni, im Supermarkt, zu Anbetern werden können. Und wenn wir dann an den Satz von Louie Giglio denken, der sagt, dass „Worship and Justice are the same thing‟, dann finden wir vielleicht Möglichkeiten, wie Anbetung auch in unserem Alltag immer mehr Gestalt gewinnen kann.
  1. Lobpreis ist nicht menschzentriert!
Es gibt solche und solche Lobpreislieder. Die einen beschreiben den Wert des Menschen und erklären, wie viel wir durch die Kraft Gottes in uns vermögen. Es ist nicht grundsätzlich falsch, solche Lieder zu singen. Jesus selber macht seine Jünger darauf aufmerksam, dass sie mit genügend Glauben einen Berg versetzen können. Es kommt dabei nur auf den Fokus an. Und das ist mir gestern Abend wieder aufgefallen. Der Lobpreis wird dann am leidenschaftlichsten, wenn es in den Liedern um die wichtigste, großartigste Handlung Gottes in unserem Leben geht. Unsere Rettung; die Versöhnung, der Frieden, den wir durch das Kreuz und die Auferstehung Jesu bei Gott haben. Wenn wir davon singen, dann spricht es den innersten Teil unseres Wesens an – weil wir dankbar sind! Lobpreis erzählt von Gott – auch davon, was Gott durch Menschen zu erreichen in der Lage ist (und das ist bei uns Menschen meistens ein größeres Wunder als die Tat selbst!) - aber er hat immer den Fokus auf Gott. Lobhudeleien über die Würde des Menschen haben wir in säkularen und ‚christlichen‘ Lebensratgebern genug. Wer nur sich selber zum Anbeten hat, der hat nichts weiter, als einen Götzen! Bei Anbetung geht es nicht darum, was wir schaffen können – sondern um das genaue Gegenteil. Martyn Lloyd-Jones soll mal gesagt haben, dass das Evangelium in zwei Worten zusammenzufassen sei: „Aber Gott!‟ Im Leben eines Christen – in dem, was unseren Glauben im tiefsten Kern ausmacht und was wir durch Anbetung zum Ausdruck bringen wollen – geht es gerade nicht um uns. Wenn es um uns ginge, dann hätte Jesus nicht sterben müssen. Wenn es um uns ginge, dann bräuchten wir einen Jesus der psychologischen Erstberatung. Wenn es um uns ginge, dann hätten wir einen Jesus aus einem Thomas Kinkadebild erwartet, das unser Herz irgendwie berührt, aber mit uns nicht mehr macht, als irgendwelche religiösen Gefühle zu wecken. Aber Gott... Aber Gott wollte nicht, dass es länger um uns geht, weil wir zu etwas ganz anderem geschaffen sind. Aber Gott wollte nicht, dass wir länger nur uns selbst und unsere selbst geschaffenen Götter wie Sex, Geld, Macht und Ehre anbeten, sondern Erfüllung finden, indem wir wieder in eine Beziehung mit ihm treten können. In der Anbetung geht es darum, was wir mit Gott erlebt haben. Anbetung ist in erster Linie ein missionaler Aspekt des Leben eines Christen (wie ungefähr alles am Christentum missional im Kern ist). Es ist das Erzählen von der Größe Gottes mit der Hoffnung, dass die ganze Welt es hört. Ein lieber Freund und Vorbild von mir, der gestern neben mir getanzt hat auf dem Lobpreisabend – was mir eine große Ehre war – hat während der Gebetsgemeinschaft gebetet, dass wir immer daran denken sollen – und uns darauf freuen – dass einmal alles, was Atem hat, den Großen Namen unseres Großen Gottes anbeten wird. Amen! Lasst es alle hören, wir großartig unser Gott ist. Und je besser wir verstehen, wie klein wir wirklich sind: In welcher tiefen Rebellion und Feindschaft gegen Gott wir gefangen waren, bevor Gott dachte: „Aber ich...‟ desto größer und anbetungswürdiger wird er.

  1. Lobpreis ist nicht „Verstand abschalten‟.
In den sogenannten ‚nicht-charismatischen‘ Kreisen hört man oft als Argument gegen moderne Lobpreismusik, dass es nur in die Extase führt, wo wir unseren Verstand abgeben, und nur noch unseren Gefühlen erliegen. Ich denke, dass das durchaus manchmal vorkommt, aber nicht in der ‚Lobpreismusik‘ an sich verankert ist, sondern in einem falschen Verständnis davon, was Lobpreis eigentlich ist. Denn wenn die o.g. These stimmt, dass Lobpreis das Erzählen von der Größe Gottes ist, dann steht am Anfang dessen das Erleben und das Erkennen von der Größe Gottes. Beides muss gegeben sein, damit ein Mensch leidenschaftlich Anbeten kann. Ein Mensch (resp. Christ) muss erleben, dass Gott real ist und nicht nur ein Produkt kognitiver Kreativität von alten Kulturen. In der Gegenwart Gottes – so haben wir gestern in einem Lied gesungen – vergehen wir und alles wird neu! Die Gegenwart Gottes ist etwas sehr spürbares – und das sehen wir in der ganzen Bibel. Es ist beinahe lächerlich, das zu leugnen. Gleichzeitig ist es richtig, dass in manchen christlichen Kreisen die Gegenwart Gottes zu einer kuscheligen Hollywoodwelt zusammengeschrumpft wird. Paul Washer sagt einmal: „I have good news and bad news for you. The Good News is – God is here! The Bad News is – God is here! It depends on which side of the line you‘re standing on.‟ Es wäre manches kritische über das ‚You‘re in and You‘re Out‘ Verhalten zu sagen, das mit dieser Aussage einhergeht. Was an der Aussage stimmt ist: Wenn Gott anwesend ist, dann ist es nicht einfach ein warmes Gefühl, sondern etwas massives, majestätisches, unübersehbares! Es drückt sich in Leidenschaft, Buße, Gebet und Mission aus. Und nicht so sehr in dem eigenen Wohlgefühl. Wir sollten die Anwesenheit des heiligen Gottes nicht zu etwas privatem und handlichem Zusammenschrumpfen. Aber wir sollten die Gegenwart auch nicht auf die kognitive Ebene beschränken.
Doch es lässt sich nicht leugnen, dass auch eine kognitive Seite davon existiert, was Anbetung bedeutet. Wer niemals von den Wahrheiten Gottes gehört hat: Er, der Schöpfer. Er, der König. Er, der Retter. Er, der Ursprung. Er, die Liebe. Er, die Herrlichkeit, der kann nicht wirklich Anbeter werden. Wer von den Großen Taten eines großen Gottes erzählen will, der muss die großen Taten Gottes kennen!
Als ich vor wenigen Tagen mit meinem Mitbewohner (der gestern wirklich virtuos den Flügel bedient hat!) über das Lied ‚In Christ Alone‘ gesprochen haben, sagte er, dass es zu seinen drei Lieblingsliedern gehört. Die anderen seien ‚How Deep the Fathers Love for Us‘ und ‚The Power of the Cross‘. Die Ironie, dass diese Lieder alle von den selben Autoren stammen, sei hier mal außen vor gelassen. Was den Liedern gemein ist, sind ihre tiefen theologischen Aussagen. Sie bleiben nicht bei einem einfachen ‚Gott ist groß‘ stehen. Sie erzählen wirklich von den großen Taten Gottes. Sie sind wir eine 3-minütige Bibelstunde; wie eine Theologivorlesung in Musik gefasst. Und die Wirkung, die solche Lieder auf die Christen haben, ist nicht zu übersehen. Mit welcher Leidenschaft diese Lieder gesungen werden, lässt sich nur durch das Erleben der darin besungenen Heilstaten Gottes erklären – und das Begreifen, dass Gott dass alles nicht nur einfach gemacht hat – sondern es auch und vor allem ‚für mich‘ gemacht hat. Wirkliche Lobpreislieder sind nicht das endlose Wiederholen von eintönigen Melodien, sondern das besingen der großen Taten Gottes, in immer neuen Worten und immer neuen Melodien, mal kurzen und mal langen Texten – aber immer mit dem gleichen Inhalt: Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist!

Gods Bless,

Restless Evangelical

Freitag, 13. April 2012

Der Erlöser-König



Rezension zu Matt Chandlers ‚The Explicit Gospel‘

Vorbemerkung: Zum Zweck dieser Rezension hat mir Crossway ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dafür danke ich sehr herzlich!

Wichtige Woche für Matt Chandler. Erst hat er Anfang dieser Woche bei Together For The Gospel in Louisville gesprochen. Und dann erscheint heute sein erstes Buch – The Explicit Gospel – bei Crossway. Ich denke, dass es sich bei diesem Buch um eines der wichtigsten handelt, die in den letzten Monaten und Jahren geschrieben wurden. Im Folgenden will ich aufzeigen, warum. 

       1. Gerüchte über das Evangelium 
Ich erinnere mich daran, wie ich mit einem guten Freund in der Cafeteria an der FTH stand, und wir darüber gesprochen haben, was das Evangelium ist. „Dass wir Sünder sind, und Gott uns durch den Tod seines Sohnes rettet!‟, war eine Antwort. „Aber mit einer gewissen Berechtigung kann man auch die Wiederkunft Christi in die Definition des Evangelium einbeziehen, oder?‟ war die Gegenfrage. Dass solche Fragen an einer Theologischen Hochschule diskutiert werden, ist ein Zeichen dafür, dass es nicht so eindeutig ist, wie es sich manche gerne machen würden. Und es dauerte nicht lange, dass auch der Internationale Buchmarkt von dieser Frage befallen war. Die beiden wichtigsten Bücher zu diesem Thema bis heute waren wohl auf der einen Seite Greg Gilberts ‚Was ist das Evangelium‘, der das Evangelium fast ausschließlich als die Rettungshandlung Gottes definiert. Gott – Menschen – Christus – Reaktion. Wer gerettet ist, hat das Evangelium erlebt. Auf der anderen Seite regte sich einige Kritik, die in Scot McKnights ‚The King Jesus Gospel‘ sein Ventil fand. Scot vertritt darin die These, dass mit dem Begriff Evangelium in erster Linie die Herrschaft Christi über die ganze Welt gemeint ist – und Rechtfertigung zwar impliziert ist, aber nicht in seinem Zentrum steht. Die Frage, die sich viele jetzt stellten, war: Was ist denn nun das Evangelium? Und hier tritt Matt Chandler auf den Plan und sagt. Beides!

       2. New York vom Boden und als der Luft
    Beides‟ ist vielleicht das verachtetste Wort in der Theologie. Es scheint immer das Eine oder das Andere wahr zu sein – und niemals nur unterschiedliche Akzentuierungen zu geben. Chandler zeigt in seinem Buch, dass zumindest bei der Frage nach der Definition des Evangeliums das Wort 'Beides' eine wichtige Rolle spielt. Die Frage ist nicht, ob Jesus Retter oder König ist – sondern wie wir beides miteinander vereinen. Chandler schreibt: The Bible establishes two frames of reference for the same gospel. I call these vantage points the “ground” and the “air,” and in this book we’re going to see how together, they comprise the explicit gospel.‟ (S. 16). Was er das Evangelium auf dem Boden nennt, versteht McKnight als ‚Soterian Gospel‘, Billy Graham Evangelikale als ‚Vier Ewige Regeln‘ und reformatorische Theologen als den ‚fröhlichen Wechsel‘. Es geht um den Einstieg in das Christentum – die Möglichkeit, als Gerechte vor Gott zu stehen mit dem Bewusstsein, dass wir diesen Status niemals durch unsere religiösen Anstrengungen erreichen werden. Chandler zeigt in seinem ersten Teil sehr deutlich, dass das Evangelium eine zutiefst persönliche Dimension besitzt – sie ist gewissermaßen der Anfangspunkt; der Punkt, in dem wir mit dem Gott in Verbindung treten, der einmal alles in allem sein wird. Chandler teilt diesen Teil des Buches in die bekannten (und o. g.) Punkte ein: Gott (ist heilig und gerecht) – Menschen (sind Sünder und Feinde Gottes) – Christus (ist die passive Gerechtigkeit Gottes, die auf uns Menschen übertragen wird) – Reaktion (auf das stellvertretende Sühneopfer wird von den Menschen erwartet). Gleichzeitig sollte man aber den Begriff ‚Evangelium‘ nicht auf diese persönliche Dimension beschränken. Denn damit würde man dem biblischen Befund nicht gerecht. Chandler beschreibt die Filmtechnik ‚in media res‘, in der am Anfang des Filmes die zentrale Stelle der Story gezeigt wird, an der sich das Geschick von allem ändern wird und der Zuschauer sich fragt – wie ist es soweit gekommen? Dann fährt der Film zurück an den Anfang und zeigt, wie der Weg zu dieser Szene war. Matt schreibt:
    „In one sense, the gospel on the ground is in media res. The immediate gospel of God, man, Christ, response is certainly the thrust of the story, the thick of the action, so to speak. But what the gospel in the air allows us to do is zoom out from the up-close-and-personal viewpoint and still see the narrative of the Scriptures, but this time (to keep with the cinematic analogies) with a wide-angle lens.‟ (S.89)
    Wenn wir das Evangelium auf dem Boden verstanden haben, dann haben wir die persönliche Seite Gottes gesehen. Er – der sich um deine Sünde kümmert, weil er Gemeinschaft mit dir haben will. Er – der dir den Heiligen Geist schickt, damit du in der Heiligung wachsen kannst. Aus dem göttlichen Prinzip wird ein Du – ein Du mit (vollkommen reinen) Emotionen, der alles getan hat, damit unsere Beziehung zu ihm gereinigt sein kann. Doch wir sollten nicht dort stehen bleiben. Wenn wir weiter herauszoomen, sehen wir, dass aus dem Du auch ein Sie werden kann; denn er ist nicht nur der ‚Big Boy Upstairs‘. Er ist auch den König, der diese Erde souverän regiert und am Ende alles zusammensetzen wird. Matt Chandler zeigt hier einmal mehr, was für eine riesige Gabe er hat, biblische Zusammenhänge zu verstehen, auf den Punkt zu bringen und dabei nicht in eine zu extreme ‚Schwarz Weiß‘ Situation zu verfallen. In den Punkten Schöpfung (war von Anfang an Gut und dazu da, Gott zu verherrlichen) – Sündenfall (hat die ganze Schöpfung korrumpiert und zerstört und in Rebellion gegen Gott geführt) – Erlösung (geschieht am Kreuz nicht nur für die Menschen, die an Christus glauben, sondern für die ganze Schöpfung, die sehnsüchtig auf die Offenbarung der Gotteskinder wartet) – Vollendung (geschieht am Ende, wenn Gott alles wieder erneuert und in seinen guten Frieden, Shalom, führt und er alles in allem ist), zeigt Chandler, dass diese gegenwärtige Welt für Gott wichtig ist und er nicht nur auf die Erlösung der Menschen hinarbeitet, sondern diese Schöpfung wieder in seinen Frieden führen will. Er räumt auf mit den Vorstellungen von Christen, dass wir einmal ‚in den Himmel gehen‘ und diese Welt vergeht. Auf der diesjährigen Together for the Gospel Konferenz hat er gesagt, dass am Ende diese Welt nicht vom Todesstern aufgelöscht sein wird. Gott kommt auf die Erde, erneuert seine Schöpfung und ruft seine Herrschaft überall aus – Gott, der Herr, wohnt bei den Menschen und seiner ganzen Schöpfung! 

           3. Vorsicht vor den Gefahren
    Aber sowohl das Evangelium ‚in der Luft‘ als auch das Evangelium ‚auf dem Boden‘ bieten seine Gefahren, wenn wir zu fokusiert sind. Denn [t]he explicit gospel holds the gospel on the ground and the gospel in the air as complementary, two views of the same redemptive plan God has for the world in the work of his Son.‟ (S. 175) Beides behandelt Chandler in einem eigenen Teil in dem Buch und zeigt, dass unsere Sicht ausgewogen sein muss: Wer zu lange auf dem Boden bleibt, steht in der Gefahr, die große Storyline der Bibel – Gottes Mission – zu übersehen. (If we stay focused on the gospel on the ground, the first possibility that can become a probability, if not guarded against, is losing our understanding of God’s missional plan for every area of life.‟ S. 178). Außerdem stehen wir in der Gefahr, dass unser Glaube nur noch Wissen – und nicht mehr Anbetung – ist. Die Reformatoren kannten die Unterscheidung zwischen dem ‚Was des Glaubens‘ und des ‚Wie des Glaubens‘. Im Glauben liegt eine rationale Seite, die wir verstanden haben müssen. Der Zusammenhang von Gott/Christus/Menschen/Reaktion ist wichtig auf der kognitiven Seite. Aber es gibt auch ein ‚Wie‘ im Glauben, das die Reformatoren das ‚fröhliche Dafürhalten‘ nannten. Wir stehen auch in der Gefahr, selbstzentriert zu werden und uns nur noch über unsere eigene Erlösung zu freuen – ohne jemals die Not der anderen Menschen zu sehen (sowohl ihre geistliche als auch ihre körperliche Not). Alle diese Gefahren liegen in einem Evangelium, das zu lange auf dem Boden bleibt.
    Aber auch in der Luft liegen Fehler, die man vermeiden sollte. Viele davon kann man in der historischen Bewegung im ÖRK um das Konzept der ‚Missio Dei‘ - der Mission Gottes – sehen. So wahr das Konzept ist; Synkretismus folgte schnell auf dem Fuße und man versuchte, Christus in den anderen Religionen zu finden (ohne zu bedenken, dass Christus nie eine ‚Religion‘ gründen wollte, sondern das genau Gegenteil). Ein wichtigeres Problem bei vielen jungen Evangelikalen liegt im ‚Christless Christianity‘ - einem Christentum ohne Christus. Wer nur noch auf die Transformation der Welt, die Bekämpfung von Armut und Hunger und Bildungslosigkeit sieht, der vergisst, dass Christus gerufen hat ‚Es ist vollbracht‘. Chandler:
    When people stay in the air too long, they can begin to try to make the gospel more palatable, because they desperately want people to know and love Jesus. As they are feeding the poor, building homes for those without homes, and engaging in these systemic parts of the suffering of our world, they begin to water down the gospel message. They take the clear commands of Scripture and begin to tweak them in the hopes that some might believe and be saved. In essence, they try to save the gospel by changing the gospel.‟ (S. 192)
    Wer anfängt, ein Christentum zu verkünden, dass den gekreuzigten Christus nicht mehr im Mittelpunkt hat – den Ort, der unsere Sünde Groß und Gottes Gnade noch größer macht – der fängt bald an, die Kultur an sich zu verherrlichen. Es geht weniger darum, die Kultur zu verstehen, zu durchdringen und zu verändern, und in gewisser Weise auch eine Gegenkultur zu erschaffen, sondern darum, die Werte unserer Kultur auf unsere Vorstellung von Gott zu übertragen. Wir hören auf, den Menschen die Rettung zu predigen – und verwenden unsere Zeit darauf, Christus ‚anwendbar‘ zu machen - für alle Kulturen und alle Denkrichtungen. Das Evangelium in der Luft birgt die Gefahr, dass wir mit unseren Köpfen zu sehr in den Wolken sind und vergessen, dass Christus auf dieser Erde lebte, starb und auferstand, um Sünder zu retten uns seine Schöpfung wieder zusammenzusetzen. Es gibt Sünde, es gibt eine ewige Strafe. Aber es gibt auch Gnade – und es gibt Rettung!

           4. Zwei kritische Anfragen an das Buch
    Zwei Dinge in dem Buch haben mir weniger gut gefallen. Auf Ed Stetzers Blog habe ich kurz mit Matt darüber gesprochen – seine Antworten haben mich nicht wirklich zufrieden gestellt. Ich möchte an dieser Stelle kurz darauf aufmerksam machen.
    a. Chandler benutzt selber in dem Buch den Begriff ‚Evangelium‘ fast ausschließlich für das Evangelium auf dem Boden. Das fand ich überaus Schade. Er zeigt so deutlich, dass das Evangelium ‚mehr ist als persönliche Erlösung, aber nicht weniger‘ (O-Ton Chandler auf Ed Stetzers Blog). Und trotzdem verwendet er den Begriff beinahe ausschließlich dafür.
    b. In seinem Teil über Schöpfung gibt es einen sehr ausfühlichen Teil über Evolution. Darin schreibt Chandler: On a really basic level, macroevolution violates the second law of thermodynamics, which states that everything is running down, not up. The second law of thermodynamics chains creation to entropy and regress, not to evolutionary progress.‟ (S. 98) Dieser Teil war einer jeder evangelikalen Abhandlungen, bei denen ich dachte: ‚Schuster, bleib bei denen Leisten!‘. Es gibt durchaus sehr gute theologische Gründe, um an einen historischen Adam zu glauben. Diese darzustellen, hätte Chandler besser gestanden. Dadurch, dass er schreibt, die Evolutiontheorie an sich wäre nicht wissenschaftlich, bezeichnet er alle Wissenschaftler unserer Tage, die an diese Theorie glauben, als unehrlich – sich selbst und allen Menschen gegenüber. Er bezichtigt sie, die Augen vor der Wahrheit zu verschließen – und einen solchen Generalverdacht sollten wir nicht einfach so aussprechen. Damit will ich nicht sagen, dass es nicht auch gute wissenschaftliche Gründe gibt, an eine ‚Creatio ex Nihilo‘ zu glauben – und ich danke Herrn Junker und der Forschungsgemeinschaft Wort + Wissen für ihre hervorragende Arbeit in diesem Punkt. Aber man sollte nicht alle Wissenschaftler, auch unsere gläubigen Geschwister, die eher eine theistische Evolution vertreten, unter einen Generalverdacht stellen.

           5. Ein Fazit
    Mein Fazit ist allerdings ohne Einschränkung eine Empfehlung. Dieses Buch war so wichtig, um die Debatte um das Evangelium wieder auf einen biblischen Boden zu bringen. Jesus ist König, Ja! In sein Königreich versetzt er uns, indem er uns persönlich rettet, Ja! Es ist nicht entweder König oder Retter. Er ist der Erlöser-König. Er rettet uns und setzt die Welt wieder zusammen. Beides ist die tiefe Wahrheit des Evangeliums; und beides sollte jeder Christ immer wieder auf sein Leben anwenden. Ich schließe ab mit dem ‚Endorsement‘, dass Rick Warren ins Buch geschrieben hat:

    Wenn du nur ein einziges Buch in diesem Jahr lesen solltes – stell sicher, dass es dieses hier ist. Es ist wirklich so wichtig!‟

    Gods Bless,

    Restless Evangelical

    Matt Chandler (mit Jared Wilson): The Explicit Gospel
    Wheaton: Crossway, 2012
    ISBN: 978-1844745784


    Das Buch lässt sich übrigens hervorragend in der FTH Buchhandlung bestellen:
    http://www.ftabooks.de/

    Dienstag, 10. April 2012

    Großzügige Gerechtigkeit

    Eine Rezension zu Tim Kellers „Warum Gerechtigkeit? Gottes Großzügigkeit, soziales Handeln und was ich tun kann‟

    Vorbemerkung: Zum Zweck dieser Rezension hat mit der Brunnen Verlag ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dafür möchte ich an dieser Stelle sehr herzlich danken!

    „Es handelt sich um ein reines soziales Evangelium!‟, hat mit ein Freund gesagt, als ich mit ihm über das Buch ‚Generous Justice‘ von Tim Keller sprach. Wir sprachen darüber, weil ich kurz vorher gesagt hatte, dass es meinem Verständnis des Auftrags der Gemeinde entspricht, wenn man sich um die physische Not der Obdachlosen kümmert. Sprich: Wenn man ihnen etwas zu Essen kauft, dann betreibt man etwas, das man ‚Mission‘ nennen kann.
    Natürlich ist das ein umstrittenes Thema – und es hat wesentlich mehr Facetten. Darauf will ich in dieser Rezension nicht genauer eingehen. Aber es trifft das zentrale Thema von Tim Kellers Buch ‚Warum Gerechtigkeit‘, der deutschen Übersetzung von ‚Generous Justice‘, die vor wenigen Wochen im Brunnen Verlag (Gießen) erschienen ist.
    Wie verhält sich treue Verkündigung des biblischen Evangeliums zu dem Einsatz für Soziale Gerechtigkeit.

    1. Die Zwei Lager.
    Tim Keller zeigt in dem Buch auf, dass keines der klassischen Lager zwischen links und rechts (oder original: konservativ und liberal) allein auf die Bibel stützen kann. Die Sicht der Bibel auf die Entwicklung von Armut und deren Lösung ist vielfältig und durchaus differenziert. Wenn wir hier also um eine Frage nach der Mission der Gemeinde – und des einzelnen Gläubigen – diskutieren, dann kann nicht die eine Seite sich als ‚biblisch‘ bezeichnen und der anderen Seite ihre biblische Grundlage absprechen. Es gilt, sorgfältig zu prüfen und zu überlegen und zu verstehen, in welche Richtung Gott dabei tendiert – und in welche Richtung er uns durch seine Selbstoffenbarung drängt.

    1. Das Evangelium
    Dabei halte ich für den wichtigsten Ansatz Kellers den, dass sich eine Leidenschaft für soziales Handeln (od. Soziale Gerechtigkeit) nicht abseits vom Evangelium entwickelt – sondern gerade daraus. Er reißt die traurigen Entwicklungen an, die in der klassischen Bewegung um das Soziale Evangelium (und ihrer Führungsfigur, Walter Rauschenbusch) an; damals hatte man um des sozialen Engagements den Sühneopfergedanken des Kreuzes aufgeben und nur noch eine ‚Beispielhaftigkeit‘ an Jesus und seinem Tod gesehen. Keller geht mit einigem Einfühlungsvermögen auf diese Ängste ein, die manchmal herrschen; sie sind nicht aus der Luft gegriffen, soviel ist sicher. Keller schreibt:

    „Stimmen wie Rauschenbusch haben dazu geführt, dass in den Köpfen vieler Christen, die an den klassischen christlichen Glaubensüberzeugungen festhalten wollen, das Stichwort „Gerechtigkeit üben‟ untrennbar verbunden ist mit dem Verlust gesunder Lehre und geistlicher Dynamik.‟ (S11f)

    Viele Christen in unserer Zeit – besonders in den konservativen Lagern – wollen sich nicht für Gerechtigkeit in der Welt einsetzen (jedenfalls nicht im größeren, systematischeren Stil), weil sie darin die Gefahr sehen, dass unser Fokus vom Kreuz Christi wegführt und hin zu einer Haltung, die den Menschen mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellt, und nicht mehr Gott und seine Verherrlichung.
    Doch Keller zeigt mit einem prominenten (reformierten) Beispiel, dass auch früher schon die Verbindung von Gerechtigkeit und Evangelium gesehen wurden. Er schreibt:

    „Ganz anders sah das z.b. […] Jonathan Edwards, der […] wohl kaum als „Liberaler‟ bezeichnet werden kann. In seiner Schrift „The Duty of Charity to the Poor‟ [Warum ein Christ barmherzig zu den Armen sein muss] kommt er zu dem Schluss: „Wo gibt es in der ganzen Bibel ein Gebot, das eindrücklicher, kategorischer und dringlicher formuliert ist als das Gebot, den Armen zu geben?‟ (S.12; Unterstrichen durch mich)

    Später verbindet Keller die Lehre von der bedingungslosen Gnade – die eines der Herzstücke der evangelischen Lehre ist – mit dem Dienst an den Armen und dem Dienst an den Ausgestoßenen. Keller schreibt (mit Bezug auf 5Mose 10,16-19):

    „Wenn die Israeliten sich um die Waisen, Witwen und armen Einwanderer kümmerten, war dies ein Zeichen dafür, dass ihre Beziehung zu Gott nicht nur äußerlich und formell war, sondern von Herzen kam. Die Logik ist klar: Der Mensch, der in seinem Herzen begriffen hat, was Gottes Gnade für ihn bedeutet, wird Gerechtigkeit üben.‟ (S. 94)

    und kommt dann zu der erstaunlichen Schlussfolgerung:

    „Ein Christ, dem die Armen egal sind, dokumentiert damit im besten Fall, dass er Gottes erlösende Gnade nicht richtig begriffen hat, und im schlimmsten, dass er sie nicht gar nicht erfahren hat. Gottes Gnade sollte uns zu gerechten Menschen machen.‟ (S.94; Unterstrichen durch mich)

    Die Verbindung von sozialen Engagement und dem Evangelium ist mit Sicherheit der stärkste und hervorstechendste Teil dieses Buches und alleine er macht es höchst lesens- und bedenkenswert!

    1. Keine falschen Extreme!
    Tim Keller wäre aber nicht der begabte Theologe, der er ist, wenn er den Menschen ein Extrem als die einzige Alternative vor Augen malt. Er warnt sehr eindrücklich davor, dass wir nicht in falsche Extreme verfallen sollen. Er ergreift stark Partei für soziales Engagement in der Gesellschaft, aber er macht auch darauf aufmerksam, dass Jesusnachfolger in unterschiedlichen Traditionen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen können. Bedenke auch, dass er (in dem oben zitierten Abschnitt) nicht schreibt, dass einer das Evangelium nicht verstanden hat, der ‚nichts an die Armen gibt‘. Er sagt, dass solche das Evangelium noch nicht in seiner Fülle verstanden haben, denen die Armen egal sind! Wir sollten also keine falschen Schuldgefühle haben. Aber dieses Buch ist ein bedeutender Aufruf, unsere eigenen Motive und Gedanken gegenüber anderen Menschen (die im Ebenbild Gottes geschaffen und deshalb von Wert sind und mit Würde ausgestattet sind) zu prüfen! Niemals aber sollten wir beginnen, andere wegen ihres „zu‟ starken oder zu schwachen Engagements anzugreifen und ihnen das rechte Verständnis absprechen, sondern ihre Motive und Argumente abwägen und prüfen.

    1. Ein Wort zur deutschen Ausgabe
    Nachdem ich jetzt sowohl die englische als auch die deutsche Ausgabe gelesen habe, möchte ich ein paar Worte zur deutschen Ausgabe loswerden, die mir beim Lesen gekommen sind, und die ich euch nicht vorenthalten will. Tim Keller halte ich zwar für einen der begabtesten evangelikalen Denker unserer Zeit – seine Bücher gehören aber nicht zur Elite des Lesevergnügens. Das ist mir in der englischen Ausgabe schon aufgefallen; seine Gedanken sind so zahlreich und tief, dass dem Buch deswegen oft der Lesefluss fehlt (ein ähnliches Gefühl hatte ich schon bei ‚Der Verschwenderische Gott‘). Es ist trotzdem sehr lesenwert! Die deutsche Übersetzung macht es dem Leser allerdings eher schwerer als leichter, den Buchfluss zu erspüren. Durch lange, verschachtelte Sätze, die teilweise 1 zu 1 aus dem englischen übersetzt wurde, muss man viele Sätze doppelt oder auch mal dreifach lesen, um den Gedanken wirklich aufnehmen zu können. Das ist wirklich schade. Ich habe selber schon hobbymäßig an der Übersetzung eines Buches mitgearbeitet und erlebt, wieviel Arbeit, Mühe und Erfahrung es im Übertragen von Texten braucht, bis eine Übersetzung nicht nur den englischen Text wiedergibt, sondern auch im Deutschen schön zu lesen ist. Das hat mir bei diesem Buch manchmal gefehlt. Vielleicht hätte man hier noch etwas mehr Zeit investieren können? Natürlich sollen diese Worte in keiner Weise die enorme Arbeitsleistung in Frage oder Zweifel ziehen, die (laut Impressum) Friedemann Lux in dieses Buch investiert hat. Es ist gut und wichtig, das dieses Buch auf Deutsch erhältlich ist. Verstehen sie diese Anmerkungen mehr als einen wohlgemeinten Ratschlag eines begeisterten Lesers, nicht als Kritik!
    Der zweite Gedanke betrifft die gewählte Bibelübersetzung. Nicht nur wurde für den Großteil der Bibelzitate die ‚Hoffnung für Alle‘ gewählt, sondern teilweise auch die gleichen Bibelstellen an zwei verschiedenen Stellen um Buch in verschiedenen Übersetzungen wiedergegeben (so. z.b. Jak 2,15-17: auf S.82 in HfA und auf S. 98 in der Luther84). Die Wahl der Hoffnung für Alle kann ich natürlich auf Grundlage der Tatsache verstehen, dass es relativ teuer ist, ein fremde Bibelübersetzung zu verwenden und die HfA ist bei Brunnen quasi Hausintern. Allerdings hätte ich mir trotzdem gewünscht, dass man das Geld investiert hätte, und eine etwas texttreuere Übersetzung gewählt hatte; denn gerade bei solchen Teilen des Buches, wo Keller sehr exegetisch und nah am Originaltext arbeitet, geht der Kontakt zum Leser dadurch etwas verloren. Das ist allerdings ein Problem, dass ich in der englischen Ausgabe (die die NIV als Textgrundlage hat) ebenso erlebt habe.

    1. Fazit
    Trotz des teilweise etwas gehemmten Lesevergnügens und -flusses, ist dieses Buch mit Sicherheit ein Gedankenvergnügen! Wenige Bücher haben mich in den letzten Woche mehr versichert, dass die Gemeinde in dieser Welt einen Auftrag hat, der über systematische Theologie und Exgese hinausgeht und zu den Menschen führt, denen wir jeden Tag begegnen. Das Herz Gottes, das für die Unterdrückten aller Zeiten schlägt, wird von Keller nicht nur herausgearbeitet, sondern auf sehr persönliche Weise mit dem christlichen Leser verbunden, indem er ihm quasi zuruft: „Du warst nicht mehr als ein Häufchen Elend, als Christus für dich starb! Jetzt zeige den Menschen, dass du das auch im Herzen verstanden hast.‟ Das Buch ist eine Aufforderung, das Evangelium tiefer und eingehender zu studieren und gleichzeitig die Verküdigung nicht von der Kanzel zu verbannen; aber die Verkündigung des Evangeliums auf den Alltag auszuweiten – auf unseren Lebensstil, unser Verhalten und unsere Vorurteile gegenüber manchen Gesellschaftsschichten.
    In diesem Sinne dient das Buch darin, die Christen mehr noch auf die große Geschichte Gottes aufmerksam zu machen, an deren Ende die perfekte Gerechtigkeit steht – der ewige Shalom Gottes!

    Gods Bless,

    Restless Evangelical


    Keller, Timothy, Warum Gerechtigkeit?. Gottes Großzügigkeit, soziales Handeln und was ich tun kann, Gießen: Brunnen, 2012
    ISBN: 978-3-7655-1179-0

    Das Buch lässt sich übrigens hervorragend in der FTH Buchhandlung bestellen:
    http://www.ftabooks.de/