Sonntag, 22. April 2012

Erzählt von der Größe Gottes!


Einige Gedanken zum Thema Lobpreis

Gestern Abend hatten wir ein paar wunderbare Stunden der Anbetung in der FTH. Zwei liebe Freunde von mir haben viel Zeit und Arbeit in einen Abend gesteckt, der gefüllt war mit ansprechender Musik – und vielmehr noch, mit theologisch tiefgehenden Liedern. Es waren schätzungsweise etwa 100 Leute zum Abend gekommen und der Plenarsaal ist (halb bestuhlt, halb unbestuhlt) raumtechnisch an seine Grenzen gekommen! Ich hatte die Ehre, am Anfang eine kurze Predigt zu halten und meine Gabe einzusetzen und es war alles in allem ein wunderbarer Abend. Ich bin aufgetankt und erfrischt herausgegangen – auch wenn ich vom Tanzen etwas aus der Puste war. In der letzten Zeit habe ich mir ein paar Gedanken zum Thema Lobpreis gemacht, die ich gerne einmal aufschreiben will und mit euch teile.

  1. Lobpreis ist nicht musikabhängig!
Leider gibt es bei vielen Christen eine gewisse Abhängigkeit, wenn es um das Thema Lobpreis geht. Lobpreis scheint etwas zu sein, dass mit Musik hervorgerufen und aufrechterhalten wird. Ich merke das selbst bei mir oft. Wenn ich Abends eine längere Gebetszeit habe, dann setze ich mir meistens Kopfhörer auf und lasse irgendwelche Lobpreismusik nebenher laufen. Das ist an und für sich nichts Schlimmes. Gott hat die Musik erschaffen – sie gehört, mit allem, was sie zu leisten im Stande ist, zu seinem Herrschaftsbereich. Ich bin dankbar, dass Gott manche begabten Musiker hat bekannt werden lassen (und es bei anderen sicher noch tun wird) und uns als Christen weltweit damit ein Geschenk gemacht hat. Musik ist in der Lage, unsere Emotionen (die etwas wunderbares sind, nichts satanisches!) zu kanalisieren. Gleichzeitig ist Musik eine Möglichkeit für viele begabte Menschen, ihre Gabe zur Ehre Gottes einzusetzen. Vor einiger Zeit habe ich die Aussage gehört: „Ich will lieber schlechten Lobpreis in meiner Gemeinde [bezog sich auf die Qualität der Musikalischen Darbietungen] als guten, denn dann kann ich mich besser auf Gott konzentrieren.‟ Gleiches habe ich auch vielfach über Predigten/Prediger gehört (und mich dadurch eher abgeschreckt gefühlt, in Anbetracht meiner musikalischen Fähigkeiten!). Das ist ein falsches Verständnis der Gaben Gottes. Gott hat uns sie Gaben nicht gegeben, um sie unter den Teppich zu kehren. Interessanterweise habe ich selten begabte Musiker gehört, die einen solchen Vorschlag gemacht habe. Oder begabte Prediger, die die Qualität der Predigen mindern wollten. Gaben Gottes sollten wir als das verstanden, was sie sind. Gaben – wir haben sie nicht verdient, sondern erhalten. Gottes – sie gehören nicht uns und finden ihre Erfüllung nicht in unserer Popularität. Lobpreis von musikalisch hoher Qualität ist etwas Gutes, ein Geschenk. Aber er sollte uns nicht in die Abhängigkeit von Musik führen. Das würde ein ‚Event Christentum‘ schaffen; Christen, die von einem Event zum anderen, von einer Gemeinde zur anderen hetzen, weil ihnen dort die Musik, dort die Sängerin, dort der Prediger und dort der Kaffee am besten gefällt. Lobpreisabende, Live Musik, die uns in der Anbetung Gottes anleitet, sind eine Möglichkeit, dem Alltag zu vergessen und ein paar Stunden 100% zum Anbeter zu werden. Es ist ein kurzer Vorgeschmack auf das, was uns in der kommenden Welt einmal erwartet, wenn wir nichts anderes mehr machen, als Gott anzubeten. Und das ist das schöne daran: Wir erleben die Freude und Leidenschaft an solchen Abenden, aber auch unsere Grenzen – und merken, wie unvollkommen wir noch sind. Lobpreisabende und -musik sollten uns darüber reflektieren lassen, wie wir auch in gänzlich unmusikalischen Umbegungen, auf der Arbeit, in der Schule, an der Uni, im Supermarkt, zu Anbetern werden können. Und wenn wir dann an den Satz von Louie Giglio denken, der sagt, dass „Worship and Justice are the same thing‟, dann finden wir vielleicht Möglichkeiten, wie Anbetung auch in unserem Alltag immer mehr Gestalt gewinnen kann.
  1. Lobpreis ist nicht menschzentriert!
Es gibt solche und solche Lobpreislieder. Die einen beschreiben den Wert des Menschen und erklären, wie viel wir durch die Kraft Gottes in uns vermögen. Es ist nicht grundsätzlich falsch, solche Lieder zu singen. Jesus selber macht seine Jünger darauf aufmerksam, dass sie mit genügend Glauben einen Berg versetzen können. Es kommt dabei nur auf den Fokus an. Und das ist mir gestern Abend wieder aufgefallen. Der Lobpreis wird dann am leidenschaftlichsten, wenn es in den Liedern um die wichtigste, großartigste Handlung Gottes in unserem Leben geht. Unsere Rettung; die Versöhnung, der Frieden, den wir durch das Kreuz und die Auferstehung Jesu bei Gott haben. Wenn wir davon singen, dann spricht es den innersten Teil unseres Wesens an – weil wir dankbar sind! Lobpreis erzählt von Gott – auch davon, was Gott durch Menschen zu erreichen in der Lage ist (und das ist bei uns Menschen meistens ein größeres Wunder als die Tat selbst!) - aber er hat immer den Fokus auf Gott. Lobhudeleien über die Würde des Menschen haben wir in säkularen und ‚christlichen‘ Lebensratgebern genug. Wer nur sich selber zum Anbeten hat, der hat nichts weiter, als einen Götzen! Bei Anbetung geht es nicht darum, was wir schaffen können – sondern um das genaue Gegenteil. Martyn Lloyd-Jones soll mal gesagt haben, dass das Evangelium in zwei Worten zusammenzufassen sei: „Aber Gott!‟ Im Leben eines Christen – in dem, was unseren Glauben im tiefsten Kern ausmacht und was wir durch Anbetung zum Ausdruck bringen wollen – geht es gerade nicht um uns. Wenn es um uns ginge, dann hätte Jesus nicht sterben müssen. Wenn es um uns ginge, dann bräuchten wir einen Jesus der psychologischen Erstberatung. Wenn es um uns ginge, dann hätten wir einen Jesus aus einem Thomas Kinkadebild erwartet, das unser Herz irgendwie berührt, aber mit uns nicht mehr macht, als irgendwelche religiösen Gefühle zu wecken. Aber Gott... Aber Gott wollte nicht, dass es länger um uns geht, weil wir zu etwas ganz anderem geschaffen sind. Aber Gott wollte nicht, dass wir länger nur uns selbst und unsere selbst geschaffenen Götter wie Sex, Geld, Macht und Ehre anbeten, sondern Erfüllung finden, indem wir wieder in eine Beziehung mit ihm treten können. In der Anbetung geht es darum, was wir mit Gott erlebt haben. Anbetung ist in erster Linie ein missionaler Aspekt des Leben eines Christen (wie ungefähr alles am Christentum missional im Kern ist). Es ist das Erzählen von der Größe Gottes mit der Hoffnung, dass die ganze Welt es hört. Ein lieber Freund und Vorbild von mir, der gestern neben mir getanzt hat auf dem Lobpreisabend – was mir eine große Ehre war – hat während der Gebetsgemeinschaft gebetet, dass wir immer daran denken sollen – und uns darauf freuen – dass einmal alles, was Atem hat, den Großen Namen unseres Großen Gottes anbeten wird. Amen! Lasst es alle hören, wir großartig unser Gott ist. Und je besser wir verstehen, wie klein wir wirklich sind: In welcher tiefen Rebellion und Feindschaft gegen Gott wir gefangen waren, bevor Gott dachte: „Aber ich...‟ desto größer und anbetungswürdiger wird er.

  1. Lobpreis ist nicht „Verstand abschalten‟.
In den sogenannten ‚nicht-charismatischen‘ Kreisen hört man oft als Argument gegen moderne Lobpreismusik, dass es nur in die Extase führt, wo wir unseren Verstand abgeben, und nur noch unseren Gefühlen erliegen. Ich denke, dass das durchaus manchmal vorkommt, aber nicht in der ‚Lobpreismusik‘ an sich verankert ist, sondern in einem falschen Verständnis davon, was Lobpreis eigentlich ist. Denn wenn die o.g. These stimmt, dass Lobpreis das Erzählen von der Größe Gottes ist, dann steht am Anfang dessen das Erleben und das Erkennen von der Größe Gottes. Beides muss gegeben sein, damit ein Mensch leidenschaftlich Anbeten kann. Ein Mensch (resp. Christ) muss erleben, dass Gott real ist und nicht nur ein Produkt kognitiver Kreativität von alten Kulturen. In der Gegenwart Gottes – so haben wir gestern in einem Lied gesungen – vergehen wir und alles wird neu! Die Gegenwart Gottes ist etwas sehr spürbares – und das sehen wir in der ganzen Bibel. Es ist beinahe lächerlich, das zu leugnen. Gleichzeitig ist es richtig, dass in manchen christlichen Kreisen die Gegenwart Gottes zu einer kuscheligen Hollywoodwelt zusammengeschrumpft wird. Paul Washer sagt einmal: „I have good news and bad news for you. The Good News is – God is here! The Bad News is – God is here! It depends on which side of the line you‘re standing on.‟ Es wäre manches kritische über das ‚You‘re in and You‘re Out‘ Verhalten zu sagen, das mit dieser Aussage einhergeht. Was an der Aussage stimmt ist: Wenn Gott anwesend ist, dann ist es nicht einfach ein warmes Gefühl, sondern etwas massives, majestätisches, unübersehbares! Es drückt sich in Leidenschaft, Buße, Gebet und Mission aus. Und nicht so sehr in dem eigenen Wohlgefühl. Wir sollten die Anwesenheit des heiligen Gottes nicht zu etwas privatem und handlichem Zusammenschrumpfen. Aber wir sollten die Gegenwart auch nicht auf die kognitive Ebene beschränken.
Doch es lässt sich nicht leugnen, dass auch eine kognitive Seite davon existiert, was Anbetung bedeutet. Wer niemals von den Wahrheiten Gottes gehört hat: Er, der Schöpfer. Er, der König. Er, der Retter. Er, der Ursprung. Er, die Liebe. Er, die Herrlichkeit, der kann nicht wirklich Anbeter werden. Wer von den Großen Taten eines großen Gottes erzählen will, der muss die großen Taten Gottes kennen!
Als ich vor wenigen Tagen mit meinem Mitbewohner (der gestern wirklich virtuos den Flügel bedient hat!) über das Lied ‚In Christ Alone‘ gesprochen haben, sagte er, dass es zu seinen drei Lieblingsliedern gehört. Die anderen seien ‚How Deep the Fathers Love for Us‘ und ‚The Power of the Cross‘. Die Ironie, dass diese Lieder alle von den selben Autoren stammen, sei hier mal außen vor gelassen. Was den Liedern gemein ist, sind ihre tiefen theologischen Aussagen. Sie bleiben nicht bei einem einfachen ‚Gott ist groß‘ stehen. Sie erzählen wirklich von den großen Taten Gottes. Sie sind wir eine 3-minütige Bibelstunde; wie eine Theologivorlesung in Musik gefasst. Und die Wirkung, die solche Lieder auf die Christen haben, ist nicht zu übersehen. Mit welcher Leidenschaft diese Lieder gesungen werden, lässt sich nur durch das Erleben der darin besungenen Heilstaten Gottes erklären – und das Begreifen, dass Gott dass alles nicht nur einfach gemacht hat – sondern es auch und vor allem ‚für mich‘ gemacht hat. Wirkliche Lobpreislieder sind nicht das endlose Wiederholen von eintönigen Melodien, sondern das besingen der großen Taten Gottes, in immer neuen Worten und immer neuen Melodien, mal kurzen und mal langen Texten – aber immer mit dem gleichen Inhalt: Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist!

Gods Bless,

Restless Evangelical

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