Sonntag, 24. Juni 2012

Meine dritte öffentliche Predigt

Heute hatte ich das Vergnügen in einer kleinen, lebendigen Gemeinde in Ibbenbüren bei Osnabrück zu predigen.
Es war schön zu sehen, wie Gott die Dinge regelt, ohne dass wir viel dazutun können. Die Lobpreislieder im Anbetungsteil haben sehr schön zur Predigt gepasst; in der Begrüßung wurde 2Kor 5,21 zitiert, der im gleichen Sinnzusammenhang steht wie der Text meiner Predigt (2Kor 5,17f)
Es war einfach rundum gelungen und ich bin froh, dass ich diese Gelegenheiten bekomme, um zu teilen, was mich begeistert und zu benutzen, was Gott an Gaben in mich hineingelegt hat!
Wie auch schon in den Malen vorher gebe ich euch den Link, unter dem ihr meine Predigt anhören könnt und mein Manuskript, an das ich mich dieses Mal glaube ich (noch) weniger gehalten habe als jedes Mal zuvor! *hehe* Bibelzitate sind wie sonst aus der NeÜ bibel.heute übernommen. Vielen Dank an Karl Heinz Vanheiden für seine grandiose Arbeit an dieser Übersetzung möchte ich an dieser Stelle gerne einmal aussprechen!

Wie immer freue ich mich über jede Art von Rückmeldung, solange sie nicht beleidigend ist!

Predigt findet ihr hier: Marcus Hübner 'In Christus' 2Kor 5,17f - 24.6.2012


Etwa im Jahr 50 n.Chr. war Korinth eine der wichtigsten Städte im Gebiet Achaja. Dabei hatte die Stadt es nicht leicht gehabt. Ein griechische Kolonie gegründet war sie 200 Jahre vorher nach einer römischen Belagerung vollkommen zerstört worden. 100 Jahre lang lag die Stadt brach, bis Julius Caesar sich dazu etnschloss, die Stadt wieder ganz neu aufzubauen. Korinth war eine Stadt voller Leben, Lust und Laster. Der Begriff 'ich korinthisiere' war ein geflügeltes Wort für die Tätigkeit einer Prostituierten. Es gab mehrere Hundert Kultstädten in der Stadt, zwei Große Märkte, in denen das Fleisch verkauft wurde, das kurze Zeit vorher den Göttern in den Tempeln geopfert wurde. Es gab alles an Unterhaltung, was man sich wünschte. Theater, Wagenrennen, Gladiatorenkämpfe. Und es gab große Rethoriker. Auf dem Markt waren immer wieder die wichtigen Redner der Zeit zu Gast. Es war fast wie ein Popkonzert in unserer Zeit. Man hatte seinen Favoriten; man jubelte ihm zu; und wer genug Geld hatte unterstützte ihn und hoffte so, ein wenig Einfluss auf ihn zu bekommen.
Und dann betritt ein anderer Mann die Bildfläche. Er ist wahrscheinlich eher klein. Er trägt Narben auf den Armen und dem Gesicht von Steinigungen, die hinter ihm liegen; von Schiffbruch, Peitschen und Gefängnis. Er hat bestimmt keine besonders beeindruckende Erscheinung. Aber es gab ein paar Leute in Korinth, die ihm glaubten. Und dann entsteht eine Gemeinde. Dieser Mann war Paulus. Und an diesem Punkt fängt die Geschichte von Paulus mit seiner Gemeinde in Korinth erst an.
Denn diese Rhetorik hat für Paulus einen langen Rattenschwanz, mit dem er in vielen Briefen an die Korinther kämpfen muss.
Es führte zum einen dazu, dass sich in Korinth kleone Grüppchen bildeten; Cliquen, die ihren persönlichen Lieblingsredner hatten. Die einen sagten: Paulus ist der Beste! Die anderen: Apollos kann viel mehr! Wieder andere hatten es eher mit Petrus und einigen war das alles zu dumm und sie sagten, dass eigentlich der größte Prediger doch Jesus selber sei! Paulus wendet in seinem ersten Brief an die Korinther einige Kapitel darauf auf, diesem Problem Herr zu werden, indem er die Korinther darauf hinweist, dass diese ganzen Redner doch eigentlich alle nur die Gabe einsetzen, die ihnen Jesus eigentlich gegeben hat. Paulus macht sie darauf aufmerksam, dass nicht zählt was sie sind – die Redner, die Pastoren, oder die Christen allgemein – sondern das zählt, was Jesus ist!
Doch wenn man denkt, dass Paulus an diesem Punkt das Problem behoben hat, der ist leider schief gewickelt. Es folgen zwei weitere Briefe an die Gemeinde in Korinth, in denen Paulus mit verschiedenen Problemen in der Gemeinde in Korinth befassen muss. War haben einen davon in unserer Bibel und wir dennen in den 2Kor.
Der ganze 2Kor ist ein Brief, der ein einziges großes Ziel hat: Paulus verteidigt seinen Dienst als Apostel. Denn mittlerweile war das Problem in Korinth nicht mehr, dass sich kleine Grüppchen um verschiedene gute Prediger bildeten. Es waren Menschen aufgetreten, die Paulus direkt angriffen.

→ „Der kann doch eigentlich gar nicht richtig gut reden!“
→ „In seinen Briefen tut der immer stark, aber wenn der hier ist, dann ist er schwach!“
→ „Der will doch eigentlich nur unser Geld haben, um sich selber einen schönen Lenz zu machen.“
Der hat doch eigentlich gar keine Berechtigung, mit dieser Autorität hier aufzutreten!“

Stellt euch mal vor, was das für eine Beleidigung für Paulus gewesen sein muss. Er hat sein Leben für das Evangelium eingesetzt. Er hat alles dafür getan. Und jetzt kommen da irgendwelche Pappenheimer und sprechen ihm das Recht ab, Apostel zu sein! Das muss ein Schlag ins Gesicht gewesen sein.
Also setzt er sich hin, er schreibt einen Brief von 13 Kapiteln, um mit dem Problem umzugehen, dass sich in der Gemeinde entwickelt hat und direkt auf die sogenannten 'Superapostel' zu antworten. 13 Kapitel, in denen er nicht nur seinen Dienst verteidigt, sondern ihn auch auslegt und deutlich macht, WAS er eigentlich tut und wie er seine Arbeit für das Reich Gottes versteht.

Paulus hatte genug von den menschlichen Maßstäben. Er hatte genug davon, dass er sich rechtfertigen musste mit den Maßstäben, nachdenen die Stars dieser Welt beurteilt werden. Das waren interessanterweise ja damals teilweise die gleichen Maßstäbe wie heute und teilweise andere.
Auf der einen Seite musste er sich rechtfertigen für die vielen Schmerzen die er zu ertragen hatte. Er wurde gefoltert und hatte allerlei anderes auszuhalten und er musste sich rechtfertigen, wieso man in seinem Leben nicht etwas mehr von dem Sieg Jesu über Sünde, Tod und Teufel sah.
Ist das nicht heute bei uns manchmal ähnlich? Und ich denke da gar nicht so sehr an die extrem charismatischen Gemeinden, die einem sofort einfallen. Wohlstandsevangelium und wie das ganze Zeug heißt. Ich meine unsere ganz persönliche Einstellung. Wenn da Leute in unserer Gemeinde sind, die mit Sünde zu kämpfen haben. Wenn da Leute in unserer Gemeinde sind, die mit Finanzproblemen zu kämpfen haben, die teilweise auch noch selbst verschuldet sind. Wenn da Menschen in unserer Gemeinde sind, die mit psychischen Problemen zu kämpfen haben und in denen man die Freude des Herrn, die unsere Stärke sein soll, nicht so deutlich sieht. Und wenn da Leute in unserer Gemeinde sind, die es eben nicht jeden Tag schaffen, Stille Zeit zu machen und für alle Gemeinden im MV zu beten. Was denken wir dann darüber?
Paulus macht in der Bibelstelle, die ich heute mit euch betrachten will, deutlich, dass es gar nicht darauf ankommt, was wir tun – darum geht es gar nicht! Es geht darum, wer Jesus ist! Und dass wir in IHM sind.

Schlagt mit mir den 2Kor auf im 5. Kapitel Vers 17 unf folgende:

Wenn also jemand mit Christus verbunden ist, [ist er eine] neue Schöpfung: Was er früher war, ist vergangen, etwas Neues ist entstanden.
Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich selbst ausgesöhnt und uns aufgetragen hat, diese Botschaft von der Versöhnung zu verkündigen: Gott war in der Person von Christus, als er durch ihn die Menschen mit sich versöhnte, darauf verzichtete, ihnen ihre Verfehlungen anzurechnen, und uns die Botschaft der Versöhnung übergab. So sind wir nun Botschafter für Christus, und es ist Gott, der durch uns mahnt. Wir bitten im Auftrag von Christus: Nehmt die Versöhnung an, die Gott euch anbietet! Er hat den, der ohne Sünde war, für uns zur Sünde gemacht, damit wir durch ihn die Gerechtigkeit bekommen, mit der wir vor Gott bestehen können.

Ich muss an dieser Stelle einen kleinen Einschub in der Übersetzung machen. Ich habe keine deutsche Übersetzung gefunden, die den Text hier richtig wiedergibt bzw. in der Interpretation, die ich vertrete. Denn eigentlich steht in V17 nicht 'dann ist er eine neue Schöpfung/Kreatur. Es steht einfach nur 'neue Schöpfung' da. Und ich denke, dass sich das auf Jesus bezieht. Jesus, der die Neue Schöpfung ist. Der Erstling der neuen Schöpfung sagt Paulus. Das bedeutet nicht, dass die Christen nicht eine neue Schöpfung sind – genau darauf will Paulus ja hinaus. Aber die Frage bleibt nicht daran hängen, was wir sind – es bleibt daran hängen, was Jesus ist! Weil es egal ist, was wir sind; darauf kommt es nicht an! Es geht darum, was Jesus ist – und er ist die Neue Schöpfung!
Diese Predigtreihe heißt ja nicht umsonst: Zwei Worte, die alles verändern!
Es sind nicht einfach zwei Theologische Worte – sie verändern alles.
Wenn jemand in Christus ist – du, ich, die Gemeinde – ist er an dem Ort, an dem die Neue Schöpfung schon vollkommen ist.
Und das führt uns zurück zur Gemeinde in Korinth. Denn wenn ihnen etwas nicht bewusst war, dann genau das.
Die Gemeinde In Korinth hatte vor allem ein problem damit, ihre alte Einstellung zurückzulassen. Ihr Problem lag darin, dass sie vielen, was sie vorher selbstverständlich hielten, einfach weitergemacht haben, ohne einen einzigen Gedanken daran zu verschwenden, dass manches davon aus ihrer sündigen natur geboren wurde. Paulus will damit aufräumen. Er will deutlich machen, dass die Wertmaßstäbe, die in der Gemeinde gelten, die in Gottes neuer Welt gelten, in Gottes neuer Schöpfung – dass diese Wertmaßstäbe ganz woanders liegen. Dass es in der Gemeinde nicht darum geht, wer du bist, sondern wo du bist: In Christus! Und dass es um ihn geht, nicht um dich!
Wenn jemand in Christus ist – dort, wo die Neue Schöpfung zu finden ist – dann ist das Alte vergangen und siehe, das Neue ist geworden.
Wir haben bis hier hin gesehen, warum Paulus seinen Dienst in der Gemeinde in Korinth verteidigen musste – im kommenden will ich für euch die Argumentation in diesen Versen entschlüsseln.

#1 In Christus: Neue Geschaffen!
Paulus sagte, dass in Christus die Neue Schöpfung schon vorhanden ist. Und damit baut er auf eine konkrete jüdische Hoffnung auf, die den Korinthern sicher bewusst gewesen sein muss. In seinem ersten Brief an die Gemeinde hat er schin exzessiv darauf zurückgegriffen und im 15 Kapitel viele viele Wörter darauf verwendet, die Auswirkungen der neuen Schöpfung deutlich zu machen. Die Neue Schöpfung liegt für Paulus nicht in der fernen Zukunft, sondern in der Realtität und der Gegenwart. Es ist zwar etwas, auf das wir hoffen, dass es vollständig passiert. Aber in Christus ist es die Realtität – denn er ist der erste, der die neue Schöpfung Wirklichkeit gemacht hat! Macht euch deutlich, wie wichtig für Paulus diese Hoffnung auf die neue Schöpfung ist. In 1Kor 15 finden wir die bekannte aussage, dass wir UMSONST glauben, wenn Jesus nicht von den Toten auferstanden ist. Das ist nicht nur eine Frage für solche Leute, die beweisen oder widerlegen wollen, ob die Bibel wahr ist. Paulus geht es in 1Kor 15 nicht nur darum, eine historische Wahrheit zu verkünden! Paulus malt das große Bild der Ewigkeit, und nicht nur ein paar Pinselstriche. Er sagt:
Wenn das geschieht, wenn das Vergängliche Unvergänglichkeit und das Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann werden sich die Schriftworte der Propheten erfüllen: "Der Tod ist verschlungen vom Sieg." "Tod, wo ist denn dein Sieg? Tod, wo bleibt dein Stachel?" Der Giftstachel des Todes ist die Sünde, und die Kraft der Sünde kommt durch das Gesetz. Doch Gott sei Dank! Durch Jesus Christus, unseren Herrn, gibt er uns den Sieg!“

Paulus backt keine kleinen Brötchen – er malt das ganze Bild, das große Bild, das vollständige Bild. Er sagt: Das ist unsere Hoffnung. Kein Tod mehr, keine Sünde mehr, keine Gefangenschaft mehr. Alles, was nicht hier her gehört, ist nicht mehr da. Alles, was uns zerstört, ist nicht mehr da. Fast schon spöttisch ruft er dem Tod selbst ins gesicht: Wo ist denn nun dein Stachel, hm? Womit willst du uns denn noch verletzten? Du willst mich auspeitschen, willst mich foltern, Schiffbruch erleiden lassen? Okay – ich habe eine Hoffnung, die du fürchtest! Paulus ist sich in seinem tiefsten inneren bewusst, dass nicht zählt, was und wer er ist; das ist gar nicht wichtig für den Christen. Es zählt, WO er ist! Er ist in Christus und Christus ist in ihm. Und dadurch gehört ihm eine Hoffnung, die tiefer geht als alles, was er hier erleiden könnte!
Seht ihr, deswegen halte ich es für wichtig, hier so zu übersetzen, dass die Neue Schöpfung nicht auf den einzelnen Christen beschränkt wird – sondern die Quelle der neuen Schöpfung betrifft. Denn genau darauf will Paulus hier hinaus. Seine Legitimation, sein Auftrag, seine Botschaft – selbst sein Leiden kommt aus einer Quelle, die größer ist als er selbst. Es ist Christus selber. Und deswegen geht er so hart gegen die sogenannten Superapostel in der Gemeinde vor. Hätten sie sich nur über Paulus lustig gemacht, es wäre ihm egal gewesen. Er hätte vielleicht mitgelacht. In Phil 1 erzählt er von einer solchen Situation und sagt: Hauptsache, das Evangelium wird verkündet! Aber hier ging es darum, dass sie den Inhalt es evangelium klein geredet haben – und da versteht Paulus keinen Spaß. Wenne s um Jesus geht, dann gibt es keine Kompromisse. Er IST die neue Schöpfung!Paulus Gegner in Korinth haben sich über das Mockiert, was für Paulus das Zeichen der Neuen Schöpfung an ihm ist; und damit haben sie den Herrn der Neuen Schöpfung selbst aufs Korn genommen. Und hier ist Schluss mit lustig!
Und das zeigt sich bei Paulus vor allem daran, dass er seinen Blick vor allem nach vorne und nicht nach hinten richtet; nach außen auf das Kreuz, und nicht nach Innen auf sich selbst!
#2 In dir: Altes Vergangen!
Macht euch bewusst, dass Paulus seine Vergangenheit ständig nachgetragen wurde. Und nicht nur von außen – auch er selbst wird nicht müde, sie zu betonen. Er nennt sich den schlimmsten Aller sünder, eine unzeigtige Geburt. Er verweißt selber darauf, dass er die Christen verfolgt hat, dass er gesteinigt, ausgepeitscht und verstoßen wurde, verfolgt und verurteilt! Und auch auf andere – eher positive – Dinge aus seiner Vergangenheit macht er deutlich. Er selber sagt, dass er allen Grund hätte, sich als Superapostel hinzustellen. Im Kapitel 11 des gleichen Briefes zählt er viele Vorzüge auf, die die Superapostel wahrscheinlich für sich beanspruchten – und er macht deutlich: Wer kann sich dafür rühmen, wenn nicht er? Und trotzdem ist das nicht die Grundlage seines Dienstes! Die Grundlage seines Dienstes liegt in Christus selbst – und seiner Position, seinem 'In Christus sein'!
Es ist so genial zu sehen, wie Paulus diese Neue Schöpfung in Christus selber nich auslegt. Und erstmal klarmacht, dass die alten Dinge im Leben des Menschen – vor dem menschlichen Auge positive und negative! - vergangen sind! Sie sind nicht mehr. Paulus sagt selber dass die christen nicht mehr nach menschlichen maßstäben beurteilen sollen – denn Christus IST die neue Schöpfung – und wir sind in ihm! Das Alte zählt doch alles nichts mehr im Vergleich mit dem Neuen, was schon da ist und noch kommt! Wie wollt ihr Äpfel mit Birnen vergleichen? Ihr rühmt euch für das was hier ist, in diesem kleinen, vergänglichen Körper? Ich rühme mich für das, was Jesus schon ist und was er einmal machen wird aus mir und dir, meinem Körper, deinem Körper und der ganzen Schöpfung!
Nun, liebe Freunde: Hier liegt der Kern der Christenlichen Hoffnung. Denn am Kreuz hat Jesus nicht einfach nur einen göttliche Transaktion durchgeführt wie in einem Kassenbbuch oder soetwas ähnlichem... Er hat den Tod selbst besiegt, unseren schlimmsten Gegner. Wenn ihr an das Leid in dieser Welt denkt, welches hat nicht mit Tod zutun? Er ist die große graue Eminenz, die hinter allem steht und uns unsere Freude an allem nehmen will! Am Kreuz ist er besiegt. Als Jesus ruft: Es ist vollbracht! Da ging es nicht nur darum, dass du gerettet bist. Das bist du, wenn du dich an Jesus hälst und ausrufst: Ich glaube – hilf meinem Unglauben! Aber es geht um soviel mehr. Es geht um eine soviel größere Geschichte! Es geht um den Tod des Todes im Tode Jesu! Es geht darum, dass alles Leid dieser Welt einmal nicht mehr sein wird, weil alles ganz neu gemacht wird. Alles auf Anfang und dann für immer!
Lasst mich euch das an einem beeindruckenden beispiel deutlich machen
Son Of Sam!
Sein altes ist vergangen! Er trägt weiterhin die verantwortung dafür. Aber er ist nicht Länger der Son of Sam! Er ist der Son of Hope!

#3 Zusammen: Hoffnung verkünden!
Seht ihr, hier kommen wir zu einem meiner wichtigsten Themen; der Themen, die mich umtreiben und zu Freudensprüngen veranlassen! Denn Paulus bleibt nicht nur dabei stehen, dass wir Hoffnung haben – für ihn geht das weiter. So etwas wie ein Christsein, das sich einfach nur an seiner Hoffnung freut, ohne Außenwirkung zu haben, gibt es nicht!
Paulus sagt, dass die ganze Hoffnung von Gott kommt – nichts davon ist etwas, für das wir uns rühmen könnten. Es wäre auch reichlich lächerlich, wenn wir uns hinstellen und sagen: Wir haben uns selbst neu geschaffen! Nein! Jesus hat es für uns erkämpft.
Und dann geht es weiter, denn Gott, der uns das alles gegeben hat, hat uns auch einen Auftrag gegeben. Diese Hoffnung will verkündet werden. Sie soll nicht in uns bleiben, sondern nach draußen wirken!
Hesekiel 47
Tempel, Totes Meer wird gesund!

Mittwoch, 6. Juni 2012

Die richtige Antwort auf 'Komm!'



Ein Beispiel für eine missionale Hermeneutik


Ich bin davon überzeugt, dass wir die Bibel unbedingt unter dem Aspekt lesen müssen, dass sie ein Zeugnis von der Mission Gottes darstellt. Sie ist nicht einfach nur ein Dokument von verschiedenen spirituellen Erfahrungen – wie es manche historisch-kritischen Theologen sagen würden. Aber wir sollten auch nicht den Fehler begehen, in ihr eine Art neutrales Geschichtswerk zu sehen, dass keinerlei theologischen Hintergedanken verfolgt.

Kennt die Bibel eine Mission Gottes?
Ein lieber Freund und beeindruckender Theologe hat vor kurzem gesagt, dass man in den alttestamentlichen Geschichtsbüchern sehr deutlich einen Blick auf das Exil sehen kann. Im ersten Moment musste ich schlucken – und fühlte mich an Theologen wie Martin Noth erinnert, die man nun nicht gerade als Evangelikale bezeichnen würde. Doch dann habe ich in meiner Bibellese einige Male darüber nachdenken müssen – und festgestellt, dass diese Aussage so schlecht gar nicht ist. Sie bedeutet ja an und für sich gar nicht, dass es sich um rein fiktionale Werke handelt. Aber sie sagt, dass das AT auf eine Spitze zuläuft – und diese im Exil und der Rückführung findet.
Und dann habe ich heute morgen eine interessante Stelle bei Paulus gelesen. Im 2Kor schreibt er:

Doch bis heute sind sie wie mit Blindheit geschlagen. Ihre Einstellung hat sich verhärtet, denn wenn die Schriften des Alten Testaments vorgelesen werden, liegt für sie eine Decke darüber, die nur durch eine Verbindung mit Christus weggenommen werden kann. Ja, bis heute liegt diese Decke auf ihrem Herzen, wenn aus den Schriften Moses gelesen wird.“ (2Kor 3, 14f; NeÜ)

An dieser Stelle spricht Paulus von seinen jüdischen Geschwistern – jenem Volk, für das er bereit gewesen wäre, sein eigenes Heil aufzugeben, wie er uns in Röm 9 eindrücklich mitteilt. Und er sagt, dass sie das AT gar nicht wirklich verstehen können, es sei denn, dass sie in Gemeinschaft mit Jesus Christus stehen. Ich finde, dass diese Stelle sehr eindrücklich darauf hinweist, dass man vielen im AT vom NT aus lesen muss (auch wenn mancher meiner, wirklich sehr geschätzten und wesentlich klügeren Dozenten, das wahrscheinlich anders sehen würden)! Wichtiger aber finde ich, dass diese Stelle beeindruckenderweise etwas anderes als die Spitze der Offenbarung Gottes ausdrückt – nämlich Jesus. Gottes Geschichte mit seinem Volk und mit den Menschen im Allgemeinen findet seinen Klimax in dem Leben des Zimmermanns aus Nazareth, der durch sein Leben, sein Sterben und sein Auferstehen nicht nur zum Erlöser aller Menschen, sondern auch zum guten König der ganzen Schöpfung wird.

Was ist die Mission Gottes?
Wir müssen also versuchen, dieses Verständnis, das wir vom NT her haben, in unsere Lektüre der Offenbarung Gottes mit einbeziehen. Gott verfolgt ein Ziel, eine Mission, und alles in der Bibel zeugt davon. Man könnte fast sagen, dass jede Stelle die Luft von Gottes Mission atmet und man es nur dann nicht riechen kann, wenn man sich bewusst die Nase davor zuhält!
Christopher Wright hat das unlängst in einem Artikel für die 'Mission of God' Studienbibel sehr treffend auf den Punkt gebracht. Er schreibt:

Missio Dei can have a broader sense drawn from the way the Bible paints a picture of the purposefulness of God.The mission of God is the commitment of God to make Himself known to His creation ultimately for the purpose of redeeming and restoring all creation to its right relationship with God.The story of God making Himself known is the grand narrative of the Bible. God's mighty acts make Him known to the peoples of the world and are predicted, proclaimed, explained, and celebrated throughout the biblical storyline.“ (Quelle: http://www.edstetzer.com/2012/05/the-metanarrative-of-gods-miss.html)


Das sagt Wright um etwas dagegen zu setzen, die Mission Gottes als reinen Akt des 'Sendens' zu sehen. Die Mission Gottes umfasst wesentlich mehr – wenn auch zu einem zentralen Bestandteil – den Akt des Sendens. Jesus, der in die Schöpfung gesandt wird. Der Heilige Geist, der in die Kirche gesandt wird. Die Kirche, die in die Welt gesandt wird. Aber Gottes Handlungen, die seinen eigenen Namen bekannt machen, sind viel weiter zu fassen.

Wie lese ich die Bibel im Licht der Mission Gottes?
Ich möchte in diesem Artikel auch eine Hilfestellung bieten, wie ich die Bibel im Lichte der Mission Gottes lesen kann. Für mein eigenes Bibelverständnis hat es einen großen Entwicklungsschub getan, als ich das erste Mal verstanden habe, dass das AT und das NT nicht nur eine Aneinanderreihung von geschichtlichen Ereignissen und ethischen Anweisungen sind – sondern, dass die Bibel von vorne bis hinten eine Geschichte von der Rettungsmission Gottes erzählt.
Ich möchte mein Verständnis von einem missionalen Lesen der Bibel an einer Stelle festmachen, die jeder von uns kennt. Unzählige Evangelisten haben sie schon rezitiert, als sie den Aufruf starteten, nach vorne zu kommen und ein Übergabegebet zu sprechen. Viele Calvinisten rufen gereizt 'Nein', wenn jemand die Stelle benutzen will, um die Willensfreiheit des Menschen zu betonen. Und ich glaube, dass wir einen zentralen Aspekt der Stelle nicht gesehen haben, wenn wir sie auf einen Aufruf zu Entscheidung herunterbrechen. Ich glaube, dass sie ein wichtiges Zeugnis von einer missionalen Dynamik darstellt, auf die uns Jesus aufmerksam machen will.
Es geht um den bekannten Vers aus Offb 22,17. Dort heißt es:

„Der Geist Gottes und die Braut rufen: "Komm!" Und wer es hört, soll in den Ruf mit einstimmen: "Komm!" Und wer Durst hat, der komme. Wer will, der trinke vom Wasser des Lebens! Er bekommt es umsonst.“ (NeÜ)

a. Gott regiert
Machen wir uns deutlich, was der erste Vers sagt. Der Geist Gottes ruft komm. Das ist jedem deutlich, der nicht ein viel zu charismatisches – oder viel zu uncharismatisches – Bild vom Wirken des Heiligen Geistes hat. Seine erste Aufgabe ist der Verherrlichung von Jesus Christus – und zu diesem Zweck überführt er die Menschen von Sünde und Gericht! Er ruft 'Komm' in dem Sinne, dass er den Menschen seine Sünde und seinen Status unter dem Gericht Gottes deutlich macht. Aber er lässt die Menschen eben auch nicht in ihrer Verzweiflung sitzen, sondern zeigt ihnen den Ausweg. Und nicht nur einen Ausweg aus den Sünden. Es geht nicht darum, dass der Mensch seine Sünden loswird und dann alles andere egal ist. Die 21 Kapitel, die diesem Vers vorausgehen, machen die Herrschaft Gottes über die Geschichte deutlich. Abseits von allen Spekulationen, welcher amerikanische Präsident der Antichrist sein wird – oder war – macht dieses Buch vor allem eines deutlich: Unser Gott beherrscht ALLES! Er lenkt die Geschichte zu dem Ende, das er mit der Welt haben will. Aber anders, als man es von manchen Seifenkistenpredigern in den Fußgängerzonen zu hören bekommt, endet dieses Buch nicht mit der Zerstörung der Welt und aller Ungläubiger. Und auch anders, als es uns mancher emergenter Nachwuchsgelehrter weiß machen will, endet dieses Buch nicht in einer Seifenblase der Glückseligkeit, in der er aktive Glaube keine Rolle mehr spielt. Das Buch endet mit einer Aufforderung Gottes an die Menschen. Du, der du dieses Buch gelesen hast und gesehen hast, was Gottes Plan für diese Welt ist. Du, der du erst vor wenigen Versen gelesen hast, dass Gott einmal alles wieder unter seinen Frieden und Shalom zurückführen willst – Du: Willst du Teil von dieser Rettungsaktion sein? Möchtest du nicht nur aus dem Gefängnis herauskommen, sondern auch in das ewige Königreich des einzigen Gerechten Königs eintreten? Komm! Das ist die Aufforderung.
Soweit, so gut.
Doch dann rufen dort noch zwei andere Parteien komm.

b. Die Kirche ruft
In einem Atemzug mit dem Heiligen Geist wird an dieser Stelle dann noch die Braucht genannt. Die Braut – das ist das beeindruckende Bild der Bibel für die Gemeinde Gottes. Jesus, der Bräutigam, der sich seine Gemeinde als seine Braut auswählt und heiligt. Diese Braut ruft 'Komm!' Achtet darauf, dass dies keine Aufforderung ist – ja gar nicht sein kann. Gleichfalls müsste dann der Heilige Geist auch den Auftrag bekommen: Rufe Komm! Aber dieses Rufen entspricht seinem Wesen. Und so entspricht es dem Wesen der Gemeinde, diesen Ruf zu teilen. Ich verstehe diese Stelle so, dass wirkliche Gemeinde nur dort stattfindet, wo auch von Gottes Herrschaft und rettender Gnade gesprochen wird. Dieser Ruf 'Komm!' mit den Implikationen, die ich oben ausgeführt habe, ist das Erkennungsmerkmal der Gemeinde (oder wenigstens eines davon). Diese Stelle macht deutlich, dass eine wirkliche Gemeinde Jesu – der Ort, der laut Paulus (1Kor 3,16-17) die Gegenwart Gottes trägt – in jedem Fall auch den Ruf in die Welt mittragen muss. Sie soll rufen 'Komm!', sonst handelt es sich nicht wirklich um eine Gemeinde Jesu!
In den letzten Jahren ist die Frage ganz neu aufgebrochen, was eigentlich Gemeinde ist. Und Toby Faix ist auf seinem Blog vor einigen Tagen auf diese Frage eingegangen. Ein wichtiger Begriff, der dabei geprägt wurde, ist der, der missionalen Gemeinde. Doch Chris Wright erzählt in seinem Buch 'The Mission of Gods People' von einem Freund, der einmal zu ihm sagte, dass er das ganze Gerede von der Missionalen Gemeinde nicht wirklich versteht. Es sei für ihn wie das Reden von einer weiblichen Frau. „If it's not missional“, sagt dieser Freund, „it's not a church!“
Recht hat er – jedenfalls sagt diese Stelle in Offb dies.
Wir sehen also, dass diese Stelle weniger etwas mit einer persönlichen Entscheidung zutun hat als mehr mit dem Wesen der Gemeinde an sich. Was muss eine Gemeinde zeigen, um wirklich der Ort der Gegenwart Gottes zu sein. Wenn unser Gott ein Gott ist, der seit Ewigkeiten auf einer Rettungsmission ist, dann muss die Gemeinde genau das repräsentieren. Das ist ein wichtiges Erkennungsmerkmal wirklicher Gemeinde.

c. Jeder soll mit einstimmen!
Und dann ist da noch die dritte Partei. Während die anderen beiden Parteien wie von selbst den Ruf 'Komm!' tragen, ist es für die dritte Partei eine Aufforderung. Hörst du den Ruf?, ist die Frage, die dir gestellt wird. Ist deine Antwort 'Nein!', dann öffne deine Ohren, höre genau hin. Ist deine Antwort 'Ja!', dann lausche nicht nur der schönen Stimme und dem leisen Säuseln des Heiligen Geistes – sondern stimme in den Ruf mit ein! Rufe 'Komm!'
Es ist nicht zu leugnen, dass diese Stelle eine Aufforderung zu einer persönlichen Entscheidung beinhaltet – doch diese Aufforderung geht weit über ein Übergabegebet hinaus. Es geht nicht so sehr darum, gerettet zu werden als mehr darum, in den Ruf mit einzustimmen. Sei Teil von Gottes Rettungsmission – nimm daran teil. Und wie nehme ich daran teil? Wie werde ich dazu befähigt, in dieser Welt einen Unterschied für Gott zu machen? Wie kann ich sein Licht scheinen, wenn ich selber doch erstmal des Lichts bedarf, um überhaupt sehen zu können?
Es ist das Wasser des Lebens – ein Bild für den Heiligen Geist – der uns dazu befähigt. Immer wieder wurde diese Stelle zu verstanden, dass es sich hier um das 'Ewige Leben' dreht. Doch es ist interessant, dass die Bibel selber – vor allem die Apostel in der Apostelgeschichte – weniger Wert darauf legen, einmal gerettet zu werden, eine Linie zu übertreten und 'drinnen' zu sein. Der Blickpunkt liegt mehr darauf, in das Königreich Gottes hineinzukommen, in ihm zu leben, seine Regeln zu befolgen und so ein Segen für die Welt und geheiligt für Gott zu sein.
'Geh!' ruft es uns aus 1Mo 12,1-3 entgegen. Du, der du gehört hast, und der du dem Aufruf gefolgt bist, gekommen bist und den Heiligen Geist empfangen hast – bleib hier nicht stehen! Sondern fange an, geh und rufe selber 'Komm!', damit viele in diese unglaubliche Beziehung mit dem unglaublichen Gott hineinkommen. Geh! - ruft es uns entgegen. Geh, und sei ein Segen!

Gods Bless,

Restless Evangelical