Sonntag, 28. Oktober 2012

Gott ist trotzdem Sieger!


Wenn man seine eigene Predigt für sich selber predigen muss...

Heute hätte ich predigen sollen – müssen – dürfen. Ich war vorbereitet und hatte kein schlechtes Konzept. Der Text war gut, die Predigt geübt. Alle Ampeln standen auf grün und ich habe mich wirklich darauf gefreut, hier wieder einmal predigen zu dürfen und den Menschen von König Jesus erzählen zu dürfen.
Und dann wollte Gott es eben doch anders. Was gestern als etwas erhöhte Temperatur und einem flauen Gefühl im Magen begann, wurde durch die Strapazen einer Nah-Verkehrs Reise mit der DB zu einer ausgewachsenen Grippe. Fiebrige Träume jagten mich die Nacht und gleichzeitig ein unüberwinbares Übelkeitsgefühl. Ich musste den Predigttermin absagen und die Pastoren der Gemeinde – die ich sehr liebe und schätze – haben eine andere Möglichkeit gefunden.
Das es am Ende möglich war für mich, im Bett zu bleiben (zu Gast in einem gemütlichen, bereitgestellten Bett – wirklich gastfreundliche wunderbare Menschen hier. Ich bin sehr dankbar.) ändern aber natürlich nichts an den nagenden Fragen, die man sich dann stellt. Wieso?, ist dabei vielleicht die nagendste und größte Frage. Wieso musste das gerade heute passieren? Hätte sich der Virus nicht noch ein paar Stunden gedulden können, bis ich wieder zuhause bin. Wieso konnte ich mich nicht 'zusammen reißen' und eben doch die Predigt halten, auf die ich mich schon so gefreut hatte? Jetzt, wo ich den Tag fast hinter mir habe, ist es die richtige Entscheidung gewesen, nicht zum Predigen zu fahren. Im Zug zurück nach Hause hatte ich einige Zeit, mir darüber gedanken zu machen, was diese Situation jetzt mit mir macht.

  1. Jesus bleibt der Sieger!
Mein Thema heute morgen wäre ja genau das gewesen. Wenn wir etwas machen, erreichen, tun wollen, dann müssen wir das in der vollkommenen Abhängigkeit gegenüber Jesus tun. Im Gebet und nicht im Vertrauen auf unsere eigenen Gaben. Als ich heute morgen noch unsicher war, ob ich hingehen soll, auf die Gefahr hin, dass ich mich mitten in der Predigt übergeben muss, kam einer der Pastoren der Gemeinde, um für mich zu beten. Er sagte, dass es an diesem Punkt nicht darum geht, etwas zu erzwingen, als ob Gott Heilungen schenken muss. Es gehe darum, zu hören, was Gott für die Gemeinde vorhat. Das war einer der Sätze, der mich heute am meisten beeindruck hat. Es geht gar nicht darum, dieses Programm auf gedeih und verderb durchzuziehen, koste es, was es wolle. Jonathan Edwards soll mal gesagt haben: „Auf einen Gottesdienst bereite dich so gut vor wie du kannst, und wenn der Heilige Geist kommt, sei bereit, alles über den Haufen zu werfen.“ Gehen wir mal davon aus, dass Edwards damit nicht meinte, dass der Heilige Geist in manchen Gottesdiensten ist und manchen nicht. Was er wohl meinte – sollte er das wirklich gesagt haben – dann ist es mit Sicherheit etwas anderes. Nämlich dass es gleichermaßen unsere Aufgabe ist, einen Gottesdienst vorzubereiten als auch nicht unsere Aufgabe ist, ihn durchzuführen. Gott hat uns Gaben und Möglichkeiten an die Hand gegeben – und es ist nicht wenig beeindruckend, wenn diese Gaben ineinander greifen und gemeinsam eine Feier zur Ehre Gottes gestalten. Aber es kann auch immer wieder vorkommen, dass Gott ganz andere Pläne hat, und das er entsprechend interveniert und deutlich zeigt, dass etwas anderes für die Gemeinde dran ist.
Was wir in unsere Köpfe bekommen müssen, ist, dass Gott nicht nur dann der Sieger ist, wenn unser Program abgespult ist. Gott ist Sieger!, daran ändert weder eine Krankheit, noch eine schlechte Predigt noch ein langweiliger Lobpreisabend, noch ein Hauskreis, der eher einem Schweigemarsch ähnelt, etwas. Das ist es auch, was ich in meinem letzten Post mit dem Satz meinte: Wenn Gott da ist, dann ist Gott da! Wir müssen begreifen, dass es nicht 'unsere' Gemeinde ist, nicht 'unser Gottesdienst', sondern Gottes Gemeinde, Gottes Gottesdienst. Er will ihn benutzen um sich zu verherrlichen – und dafür muss er uns manchmal ans Bett fesseln, damit er durchkommen kann.

  1. Vergiss den Geist bei der Vorbereitung nicht!
Ich glaube, dass es bis jetzt wenige Predigten gibt, in die ich soviel Vorbereitungszeit gesteckt habe, wie in die, die ich heute Morgen halten wollte. Und wie mein lieber Gastgeber treffend auf den Punkt gebracht hat: „Dann hast du eben noch einen Pfeil im Köcher, den du beim nächsten Mal abschießen kannst.“ Ganz recht. Eine Predigt vorzubereiten ist niemals rausgeschmissene Zeit, selbst wenn man die Predigt am Ende, aus welchem Grund auch immer, nicht halten kann. Mit ist aber auch etwas anderes 'Einzigartiges' bei dieser Predigt aufgefallen. Ich habe so wenig dafür gebetet, wie für keine andere Predigt. Ich kann mich an kein Mal vor dem Übersetzen, dem Aufschlagen der Kommentare oder dem Niederschreiben der Predigt erinnern, an dem ich mehr als 5 Minuten mit dem Heiligen Geist ins Gespräch gegangen bin. Natürlich habe ich alles gemacht, was ich nach menschlichem Ermessen tun konnte. Aber ich habe die übernatürliche Komponente dabei vergessen – und im Nachhinein würde ich sagen, konnte das gar nicht gut gehen. Nun, jeder macht Fehler, und ich bin froh, dass ich sie noch machen kann, ohne das sich ein großer Shitstorm über meinem Kopf erhebt. Ich weiß aber, was ich beim Überarbeiten dieser Predigt und bei den nächsten Predigten hoffentlich nicht mehr vergessen werde – die Frage danach, was für die Gemeinde eigentlich dran ist, und nicht welcher Text mich gerade interessiert. Zu vergessen, bei der Vorbereitung in den Dialog mit Gott zu treten ist eine Fahrlässigkeit, die man sich nicht mehrmals gönnen sollte. So hat Gott eben heute gesagt: Wenn du Vorbereitung ohne mich geht – dann geh auch ohne mich auf die Kanzel.

  1. Predige deine Predigt zu dir selber!
Etwas, das man gerade als Theologiestudent gerne vergisst, ist sich seine eigenen Predigten auch selber zu halten. Und gerade das ist mir heute deutlich geworden. Denn gerade in den direkten Stunden nachdem ich mich entschieden hatte, nicht zur Gemeinde zu gehen, sind mir eben Gedanken des Versagens durch den Kopf gegangen – und auch Fragen an Gott: „Wieso hast du denn nicht eingegriffen? Die Predigt ist doch gut!“ Und die Antwort ist liegt darin, dass Gott nicht in der Predigt war. Das Vertrauen lag auf meinen Fähigkeiten, meiner Intuition, meiner freien Rede – und nicht darin, dass Gott sich verherrlichen will, dass Gott sprechen will, dass Gott mich benutzen will. Ich hatte in meinem Kopf scheinbar die Hierarchie umgedreht, und dann hat Gott eben meinen Magen umgedreht. Der Erfolg liegt dann genau nicht in dem Vertrauen in sich selber, sondern in der Abhängigkeit von Gott. Und wie ich eigentlich heute in der Predigt sagen wollte: Ich finde es so wunderbar, dass Gott unseren Blick immer wieder von dem weglenkt, was uns ablenkt. In diesem Fall war es der Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten und ein weggucken von der Leitung durch den Geist, die bei einer Predigt von unwiderruflicher Bedeutung ist.

  1. Fazit
Wenn Humor ist, wenn man trotzdem lacht, und Philosophie, wenn man trotzdem denkt, dann könnte man das Evangelium auch so definieren: Evangelium ist, wenn man trotzdem geliebt ist. Fehler begeht jeder von uns, jeden Tag. Das ändert nichts an der Liebe Jesu zu uns. Aber manchmal muss er eben die Notbremse ziehen, um uns vor einem Fehler zu bewahren.
Heute hat er das getan.
Und wie ich durch ein Telefonat vor einer halben Stunde erfahren habe, haben manche Gottesdienstbesucher heute morgen sogar gesagt, dass es einer der besten Gottesdienste seit langem war. Nun, wenn Gott da ist, dann ist eben Gott da.

Gods Blessing,

Restless Evangelical

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen