Dienstag, 26. März 2013

Nicht die schönste Geschichte!


Rezension zu Rob Bells What we talk about when we talk about God

Gerade bin ich fertig geworden mit dem neuen Buch von Rob Bell. Er hat sich das Thema 'Gotteslehre' vorgenommen und in einem Interview vor der Veröffentlichung verlauten lassen, dass er mit diesem Buch das Gleiche mit Gott machen will, was er zuvor mit der Hölle in Love Wins machte.
Nichtsdestotrotz war ich wirklich gespannt, geradezu fiebrig auf dieses Buch. Zum Unbehagen meiner orthodoxeren Freunde bin ich nämlich – entgegen dem momentanen reformiert-evangelikalen Trend – durchaus ein Fan von diesem post-evangelikalen, wie-auch-immer christlich gearteten Artisten, Künstler, Wortzauberer, um nicht zu sagen, Pastor. Wenn ich auch wirkliche Bauchschmerzen bekomme bei vielem, was er über Theologie zu sagen meint, so sehr entfaltet sich in mir oftmals ein Wohlgefühl, wenn ich an seine Sprachkünste denke. Was auch immer man zu seinen Büchern vorher sagen konnte, eine unterhaltsame Lektüre waren sie immer. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an dieses Buch
Um es vorweg zu nehmen – ich bin wirklich enttäuscht von diesem Buch. Natürlich liegt das ein stückweit an mir selber und meine Enttäuschung will ich dem armen, von aller Welt verschrienen Pastor aus Californien auch wirklich nicht anlasten. Aber ich muss es auch sagen dürfen. Es waren zwei Dinge, weswegen ich mich auf dieses Buch gefreut habe. Beide Erwartungen wurden leider enttäuscht. Mehr noch fand ich das Buch nicht im mindesten Originell.

  1. Wo bleibt die Sprachgewalt?
Ein Grund, warum ich Rob Bells Bücher immer gerne gelesen habe, ist vor allem, dass er einer der großartigsten Autoren ist, die momentan auf dem großen christlichen Meer herumschwimmen. Er weiß, was er schreibt und wie man schreibt und es ist immer wieder eine große Freude gewesen, davon zu lernen. In diesem Sinne war es mir vor allem ein Anliegen, in der Form und Weise zu wachsen, wie wie über Gott reden können.
Doch genau das hat mir in diesem Buch gefehlt. Immer wieder hat Bell die gleichen Phrasen bemüht, die gleichen Wörter. Seine Geschichten – mit denen er sonst jede seiner Ideen zu würzen vermag – waren meist fahl.

  1. Wo bleiben die guten Fragen?
Ein zweiter Grund, warum ich Bells Bücher immer gerne gelesen habe, waren die Fragen, die er an meinen Glauben gestellt hat. Ich musste meine Positionen überdenken und mir klar werden, warum ich eigentlich glaube, was ich glaube.
Diese Fragen haben mir in diesem Buch immer mehr gefehlt. Der Inhalt war nicht besonders herausfordernd. Seine vielen Spitzen gegen überzeugte 'Fundamentalisten', die sicher sein können, wie Gott ist, haben mich nicht wirklich getroffen – wobei ich sicher bin, dass er Leute wie mich meinten. Das Konzept von 'Gott kennen' fehlt dem Buch komplett. Tatsächlich habe ich nicht einmal etwas von 'knowing God' gelesen.
Aber gerade das finde ich wenig herausfordernd. Bell schreibt zwar von dem Gott, der 'ahead of us' ist, scheint uns aber durch die Mystik, die seinem Gottesbild anhaftet, wieder zurück zu schicken in eine Zeit vor Jesus und der entdgültigen Offenbarung Gottes. Und das führt mich zu meinem wirklichen, großen, enttäuschenden, verwirrenden, überraschenden Kritikpunkt:

  1. Wo bleibt die gute Geschichte?
Jeder, der Bells Bücher gelesen hat, weiß, dass seine Argumentation nie darauf fußt, dass er besonders starke rationale Argumente hat. Die Frage, der er sich verschreibt, liegt eher darin: Ist die alte Geschichte wirklich die beste Geschichte, die wir erzählen können? Bell würde sagen: Nein! Ich würde sagen: Ja!
Bell schreibt: „An image of God doesn't contain God, in the same way a word about God or a doctrine or a dogma about God isn't God; it only points to God.“ (S.90) Dieser Satz mag stimmen, und manchem Theoretiker unter den Gelehrten durchaus mal zugemutet werden. Eine wirkliche Erklärung was Gott denn nun eigentlich ist, bleibt Bell dem Leser allerdings schuldig. Für Bell ist Gott nicht mehr als das Kribbeln in besonders intensiven Beziehungen; das Staunen in den besonders tiefen Erlebnissen; die Ehrfurcht in Gegenwart von etwas Größerem. Bell schreibt: „It's one thing to sing about God and recite quotes about God and invoke God's name; it's another to be aware of the presence in every taste, touch, sound and embrace.“ (S.123) Gott scheint nicht mehr persönlich zu sein; es gibt nicht wirklich etwas, das wir über diesen Gott wissen können, als das er 'mit und für und vor' uns ist. Was genau das bedeutet, wohin er uns vorwärts zieht, was es bedeutet, dass er mit uns ist und wieso er für uns ist, bleibt Bell dem Leser schuldig.
Meine Frage ist: Ist das wirklich eine gute Geschichte? Der Leser hängt in der Schwebe und wird aufgefordert, Gott irgendwie zu erfahren ohne ihn wirklich zu kennen. Mir gefällt diese Geschichte nicht, und ich denke auch nicht, dass sie wirklich die Schönste ist, die wir erzählen können.
Lasst mich einen Vergleich ziehen. Lasst uns kurz annehmen, ich sei ein Autor von Liebesromanen. Nicholas Sparks-Style (den ich für einen wirklich großartigen Autor halte – no Joke!). Und ich schreibe ein neues Buch, in dem 'die Kraft der Liebe und der Hoffnung in einer Beziehung' deutlich werden soll. Mein Ziel ist es, den Menschen die Kraft der zwischenmenschlichen Liebe und Beziehung zu verdeutlichen.
Aber meine Geschichte würde nur kurz sein. Ich würde weder den Namen der Frau, noch den Namen des Mannes, noch die Umstände durch die sie sich kennen lernen nennen. Alles was ich schriebe, wären die immer gleichen Phrasen davon, wie schön diese Beziehung gibt und wieviel Halt sie den Zweien gibt. Und ich Ende damit, dass ich die Leser auffordere, es nun selbst zu erleben. Wie stark, tragfähig wäre diese Geschichte? Wäre sie überhaupt eine Geschichte?
Daran musste ich immer denken, als ich das Buch von Bell gelesen habe.
Denn das großartige an unserem Gott ist doch, dass er sich in der Menschwerdung Jesu greifbar gemacht hat und wir ihn kennen können! Dieses Konzept ist revolutionär. Nicht die mystische Erfahrung eines irgendwie gearteten Gottes, den wir weder beschreiben noch kennen können. Der Gott, der sich selber einen Namen gibt – Jahwe, ist der revolutionäre Gott. Der Gott, der sich selber klein macht um mit uns Gemeinschaft zu haben, ist der revolutionäre Gott. Der Gott, der bereit ist, die Strafe für unsere Schuld auf sich zu nehmen, ist der revolutionäre Gott. Der wirklich revolutionäre Gott, ist der Gott, der spricht.
Der Gott, den ich mir aussuchen würde, ist der Gott, der sich finden lässt.

  1. Fazit
Was lässt sich abschließend zu diesem Buch sagen? Ich will es nicht vollkommen schlecht machen. Ich hatte durchaus Spaß beim Lesen. Dass Bell es nicht schaffen konnte, meinen hohen Erwartungen zu genügen, liegt auch daran, dass ich seine restlichen Publikationen kenne und er im Stil mancher amerikanischer Bestseller-Pastoren vieles davon in diesem Buch mehr oder weniger recycelt hat. Immerhin macht er sich die Mühe, darauf hinzuweisen in den Endnoten – vielleicht auch zu dem Zweck, dass man gleich nochmal den großen Mediendienstleister mit den schrecklichen Arbeitsbedingungen (Vorsicht, Sakasmus!) bemüht und sich diese Bücher und DVDs bestellt.
Es sei jedem empfohlen, dieses Buch zu lesen, nur schraubt eure Erwartungen herunter. Lest selbst nach, wenn Bell eine Geschichte aus der Bibel nacherzählt – oft geht er am Kerngedanken so stark vorbei, dass man ihm Fahrlässigkeit unterstellen kann.
Und vor allem, lasst euch von hier aus zugerufen sein: Es gibt wirklich eine schönere Geschichte über Gott zu erzählen; eine, in der wir ihn wirklich kennen können.
Nun, dass ist es, wovon ich wirklich reden will!

God Bless,

Restless Evangelical

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