Freitag, 19. Juli 2013

In Jesus ist das Ja und Amen.

Die Perspektive der Hoffnung als wichtigster Anker für alle Menschen

Wieso glaubst du eigentlich noch an Jesus?“, ist eine Frage, die mir dann und wann gestellt wird. Eine Freundin hat mir letztens erzählt, dass in ihrer Abizeitung stand: Wer in unserem Alter noch an Gott glaubt, tut mir Leid.
Wenn wir uns die Medien ansehen, scheint die Mehrheit der Journalisten und Literaten der Ansicht zu sein, dass die Agnostiker und Atheisten die Logik und den Verstand auf ihrer Seite haben, während Spiritualität und 'Glaube' in die Welt der Träumer und liebenswerten Weltfremden gehört, die sich den Erkenntnissen des, man meint allmächtigen, menschlichen Verstand verschließen.
Wenn ich gefragt werde, warum ich noch an Jesus glaube, in einer Welt, die mir manchmal versucht, diesen Glauben wie einen Dämon auszutreiben, an den sie nicht glaubt, dann habe ich meistens keine lange und kluge Antwort.
Ich bin nicht William Lane Craig, und ich bin auch nicht Ravi Zacharias. Ich kann mein Bestes tun, um Antworten auf Anfragen an das Christentum zu geben. Aber am Ende wird es immer mehr Fragen geben, als ich beantworten kann.
Aber es gibt eines, das mir nur die christliche Spiritualität geben kann; eines, das ich nirgendwo sonst gefunden habe; eines, das aber existentiell für das Überleben meines Optimismus' und meiner Lebensfreude ist.
Ein Wort nur, das alles zusammenfasst: Hoffnung.
Und Hoffnung ist nicht nur für mich – als Christen und Mensch – ein Anker.
Sie ist auch der letzte – um nicht zu sagen beste – Anker, von dem ich Allen erzählen will.

  1. Hoffnung als Anker für mich.
Momentan sitze ich in der Marburger Universitätsbibliothek und schreibe an meiner Bachelorarbeit. Hier, im Fachbereich 'Evangelische Theologie' kann man das gebündelte Wissen förmlich einatmen, dass von einigen der klügsten Köpfe der letzten Jahrhunderte in Buchform hinterlassen wurde. Wissen ist hier höchstes Gut.
Im Hof – das Gebäude sieht aus wie eine ehemalige Kathedrale und ich will nicht wetten, ob es nicht mal eine war – steht eine Büste von Rudolf Bultmann, jenem evangelischen Theologen und Exegeten, der die historisch-kritische Theologie des letzten Jahrhunderts geprägt hat wie wohl außer ihm nur Karl Barth.
Bultmann ist kein unbeschriebenes Blatt, wenn man als evangelikaler Theologiestudent auf seine 'Errungenschaften' sieht. Für ihn war es von zentraler Bedeutung, das Neue Testament von seinen (für Bultmann) Mythen und übernatürlichen – lies hier: erdichteten – Geschichten zu befreien, um zum wahren Kern, dem historischen Jesus vorzudringen. Von ihm soll der bekannte Satz stammen: Wer heute einen elektrischen Rasierer benutzt, kann nicht an die Auferstehung glauben.
Dieses Ziel – ob es hehr war möchte ich an dieser Stelle einmal offen lassen – hatte aber seinen entscheidenden Harken. Denn Bultmann und seinen Schülern ging mit der Zeit auf, dass ihnen durch ihre Studien die Verkündigung abhanden kam. Bultmann soll gesagt haben, dass in der Zeit der Apostel 'der Verkündiger zum Verkündigten' wurde – dass also Jesus sich selbst nicht gepredigt hat und erst die Apostel begannen, ihn zu predigen.
Nimm Jesus aus der Predigt, und du nimmst die Predigt weg. Nimm die Predigt weg, und die zerstörst den Glauben der Menschen (Röm 10,14ff)
Das wurde auch den Anhängern Bultmanns schmerzlich bewusst. Und sie begannen, einen congeniale Unterscheidung zu treffen: Sie begannen, zwischen dem historischen Jesus, der wirklich einmal gelebt hatte, und dem verkündigten Jesus zu trennen, der nur in der Predigt und der 'nach-österlichen' Vorstellung existierte.
So konnte Bultmann in der Elisabethkirche auf der Kanzel stehen, und die frommen, gutgläubigen Diakonissen saßen zu seinen Füßen, verzückt von der frommen Predigt dieses Kirchenmannes.
Als ob eine Einbildung uns halten kann.
Als ob eine Wunschvorstellung uns beruhigen kann.
Als ob eine – historisch haltlose – Behauptung uns zur Wahrheit werden kann.

Die Wahrheit, dass Jesus von den Toten auferstanden ist, leiblich auferstanden und nicht im Grab geblieben ist, ist im Neuen Testament – und damit im christlichen Glauben – die zentralste Wahrheit, an der sich unsere Hoffnung festmacht.
Wenn Gott nicht in der Lage war, Jesus aufzuerwecken – wie soll er dann diese Welt wiederherstellen?
Wenn Gott nicht in der Lage war, den Tod zu besiegen – wie soll dann dieser letzte Feind am Ende verlieren?
Wenn Gott Jesus nicht auferweckt hat, dann hat er niemals verkündet, dass das Opfer am Kreuz genug war, und wir hätten keine Hoffnung auf ein Leben in seiner Ruhe, seinem Frieden, seinem Shalom.
Paulus drückt es so aus:
Wenn nun aber gepredigt wird, dass Christus von den Toten auferweckt wurde, wie können da einige von euch sagen: "Es gibt keine Auferstehung der Toten."? Wenn es nämlich keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist auch unsere Predigt sinnlos und euer Glaube ist ohne Inhalt.“ (1Kor 15,12-14; NeÜ)

Die Auferstehung Jesu, in der Gott der ganzen Schöpfung und jedem Menschen verkündet: 'Das Opfer Jesu war genug und jetzt siehe: Ich mache alles neu!', ist der entscheidende Anker im Sturm der Weltgeschichte.
Weil Jesus auferstanden ist, ist meine Hoffnung auf eine bessere Welt, eine Welt in der Gerechtigkeit und Frieden herrscht, keine Utopie und auch kein Wunschdenken (wie es Christopher Hitchens ausdrückt).
Weil Jesus auferstanden ist, kann ich sicher sein, dass Gottes gigantischer Rettungsplan für die ganze Welt sich noch entfaltet, noch dabei ist, zu werden.
Gott hat diese Welt noch nicht aufgegeben, er hat immer noch einen Rettungsplan um alles wieder zusammenzusetzen, und dafür steht uns die Auferstehung als Beweis.
I believe!“, sagt Rob Bell in seinem Video 'You'. „I believe because I see the ressurection unfolding all around me.“

  1. Die Hoffnung als Anker für dich.
'Oh, das ist ja großartig – für dich', denkst du vielleicht. Wieso sollte dich überhaupt interessieren, was irgendwelche Autoren von vor 2000 Jahren darüber gedacht haben, wie es mit dieser Welt weitergeht und wo Hoffnung zu finden ist?
Haben wir nicht dringendere Probleme zu lösen als Hoffnungslosigkeit?
Wieso sollte 'Hoffnung' in diesem globalen Sinn überhaupt wichtig sein für irgendjemanden, der nicht ein Träumer ist wie ich?
Ich denke, dass die Antwort in einer der schwierigsten Anfragen an das Christentum liegt: in der Frage nach dem Leid in der Welt.

Daniel Kirk nennt in seinem Buch 'Unlocking Romans' den ganzen Römerbrief 'Paulus Antwort auf das Theodizee-Problem', also die Frage, wie ein liebender Gott Leid zulassen kann. Die Antwort findet Paulus (und mit ihm Kirk in seinem Buch) in der Auferstehung des gekreuzigten Gottessohnes.
Wenn Jesus für die Sünden der Welt gestorben ist,
und in der Auferstehung Gott allen Menschen deutlich sagt: Es ist vollbracht,
dann bedeutet das für das Leid in der Welt – hervorgerufen von der Sünde, die uns alle betrifft, dass es endlich eine Antwort darauf gibt.
In seinem wohl wunderbarsten Brief, dem 2. Korintherbrief, schreibt Paulus die unglaublichen Zeilen:
Denn Jesus Christus, der Sohn Gottes, den Silvanus, Timotheus und ich bei euch gepredigt haben, ist nicht als Ja und Nein gekommen: Nur das Ja ist in ihm verwirklicht. In ihm ist das Ja zu allen Zusagen Gottes. Darum sprechen wir durch ihn auch das Amen zur Ehre Gottes. Gott hat uns mit euch zusammen fest auf Christus, den Gesalbten, gegründet. Ja, er hat uns gesalbt, uns sein Siegel aufgedrückt und als Anzahlung seinen Geist in unsere Herzen gegeben.“ (2Kor 1,19-22; NeÜ)
Alles Versprechungen, die Gott gemacht hat: Von einer Welt in Frieden, von einer gereinigten Beziehung zwischen ihm und den Menschen, von seiner vollkommen Anwesenheit bei seinem Volk, alles ist in Jesus verwirklicht.
Das Leiden dieser Welt findet seine Antwort in den Versprechungen, den Verheißungen, die Jesus macht.
Deswegen schreibt Greg Boyd in seinem Buch 'Letters from a Skeptic' an seinen agnostischen Vater, mit der Frage konfrontiert, warum Gott soviel Leid zulässt, folgendes:
„If there is no heaven, Dad, then all the sufferings, tears, and cries of the dying children go unanswered. Life is finally tragic for all of us. All our hopes, longings, struggelings, strivings come to nothing, pure nothing! 'Life's a bitch, then you die.' But isn't there something in the depth of your heart which refuses to accept this as the whole truth? Isn't there something within you which resonates with the biblical proclamation that this story must have a happy ending?“ (Gregory Boyd, Letters from a Skeptic. A Son Wrestles with his Fathers Questions about the Christian Faith, Colorado Springs: David C. Cook, S.36)


  1. Fazit
Ich kann das nachvollziehen, diese Sehnsucht, diese Hoffnung.
Ich denke, dass viele das nachvollziehen können.
Und so gibt es nur eines, das uns ein Anker sein kann, wenn wir uns konfrontiert sehen mit den Auswirkungen von Sünde in der ganzen Welt: Krieg, Hunger, Leid, Zerstörung – alles geboren aus der zerstörten Beziehung der Schöpfung mit ihrem Schöpfer, dem außer Kontrolle geratenen Kompass in uns, der eigentlich auf Gott und Herrlichkeit geeicht sein sollte, aber nur noch auf uns selbst und auf Gier zeigt.
Eine Antwort bleibt.
Auch für dich.
Hoffnung.

God Bless,
Restless Evangelical


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