Donnerstag, 31. Juli 2014

gelesen & geschätzt #2

Mehr oder weniger.

Rezension zu: Nater, Elke & Sven Lager, Es muss im Leben mehr als Alles geben, Asslar: adeo Verlag 2013

Elke Naters und Sven Lager sind ein Künstler- und Autorenpärchen, die mehr oder weniger erfolgreich waren, mehr oder weniger erreicht haben, was es zu erreichen gibt, und mehr oder weniger glücklich sind mit dem Leben, das sie haben.
Mehr oder weniger fasst ihr Leben ganz gut zusammen, jedenfalls bis zu dem Punkt, an dem sie Gott begegnen und er aus mehr oder weniger ein hoffnungsvolles mehr macht.
Die beiden Literaten, die Buchliebhabern und Fans schon vorher bekannt waren, sind mit einem Artikel in der Zeit auf einer größeren Bühne erschienen, gefolgt von hämischen und dankenden Kommentaren im Internet.
In dem Buch „Es muss im Leben mehr als Alles geben“ beschreiben sie ihren Weg, der sie von Berlin nach Thailand, zurück nach Berlin, und nach Südafrika führt. Auf dem Weg fragen sie sich immer, ob das wirklich alles ist – auch wenn es glücklich macht – und ob nicht etwas fehlt bei diesem Leben.

  1. Und diese Worte!
Das Buch ist ein Hochgenuß für jeden, der sich nach leichter, erbaulicher Lektüre sehnt, die sich wunderbar liest, und gleichzeitig eine tiefe sprituelle Dimension hat. Die Frage, die die Autoren treibt, ist dabei auch: Wie können wir ein Buch schreiben (oder auch Plural – Bücher), die unsere Künstler- und Autorenfreunde lesen, und ihnen gleichzeitig deutlich machen, wie wichtig ihnen ihre neue Beziehung zu einem Gott geworden ist, der unseren Verstand bei weitem übersteigt.
Dabei sind es vor allem die Begegnungen mit Christen in Südafrika, die zuerst für Elke und dann auch für Sven zu etwas besonderem werden.
Sie schreiben:
Unsere Welt war ihnen fremd und so war uns auch ihre auch. Sie hatten genau wie wir mit vielen Alltäglichkeiten zu kämpfen, aber ihre Sicht auf das Leben was so anders, so aggressiv positiv und optimistisch, so als wüssten sie ein Geheimnis, von dem wir bisher ausgeschlossen waren. Und das machte mich neugierig.“ (s.52)

Neugierde ist wohl etwas, das die beiden Autoren auszeichnet, und auch ihren Weg zu Gott sehr gut beschreibt. Trotz vieler Vorurteile (von beiden Seiten) und auch Enttäuschungen ist das Buch geprägt von einer tiefen Neugier was das Leben an sich angeht. Die Erkenntnis, dass es mehr gibt als nur die tägliche Routine und die Frage, wie man hinter das Geheimnis sieht, das andere schon gefunden zu haben scheinen.
Dabei zeichnet das Buch weniger aus, dass es originelle Antworten gibt, sondern vor alle, dass sie für bekannte Emotionen wunderbare Ausdrücke finden, die es einfach machen, sich in das Buch einzufühlen.
„Wir fühlten uns wie auf den ersten Seiten eines aufregend neuen und großen Romanes.“ (s.51)
„Hier beginnt eine neue Geschichte auf verbranntem Boden, und Diane zwinkert und von oben zu: 'Sehr ihr, alles wird gut. Nein, alles wird besser.“ (s.169)

Das sind nur zwei Beispiele von vielen hundert Sätzen, die mich tief bewegt haben und mir eine große Dankbarkeit für das Buch geschenkt haben.

  1. Und diese Freude!
Es ist wohl wichtig, zu bezeichnen, was das Buch nicht ist. Es handelt sich nicht in erster Linie um ein 'christliches' Buch. Auch ist es nicht nur eine Bekehrungsgeschichte, oder eine Apologie.
Das Buch beschreibt die Suche der Autoren nach mehr, und ihre Antwort ist: Mehr ist Gott, ist Jesus.
Ihnen auf dieser Reise zu begegnen, sie auf ihren eigenen Schilderungen zu begleiten, ist ein Privileg, aber es sollte als solches genossen werden und nicht mit falschen Erwartungen zerstört werden.
Was dabei großartig zum Ausdruck kommt, ist die Freude, die die beiden Autoren gefunden haben. In diesem Sinne ist es ein wirklich starkes Zeugnis.
Besonders ernüchternd (auf eine gute Weise!) fand ich die Analyse, was ihnen an den südafrikanischen Kirchen mehr zusagt als an den Deutschen. Und interessanter Weise sind ihre ersten Berührungen mit südafrikanischen Gemeinden sehr amerikanisch geprägt Versammlungen.
Dabei beschreiben sie, dass die Glaube für diese Gemeinden nicht etwas ist, das man im Kopf begreift und dann irgendwie 'glaubt' sondern etwas sehr praktisches, das unsere Seele berührt und dann auch Auswirkungen auf die Art hat, wie man der Welt und allen Fragen begegnet, denen man begegnet. Eine grundsätzliche Weltoffenheit, eine positive Grundeinstellung zu dem, was das Leben bringen wird.
Das ist kein plumper Opportunismus, der eifrig weg nickt, was einem nicht in den Kram passt und die Augen vor der Realität verschließt, sondern tiefer, durch nichts zu erschütternder Optimismus, der aus einer Quelle kommt, die tiefer ist als die eigenen Erfahrungen. Eine Quelle, die Ewig ist.
„Das ist Kirche“, sage ich zu Sven. „Die Gemeinschaft mit Freunden, Essen, Trinken, füreinander da sein, sich gegenseitig ermutigen, das Leben feiern, sich an der Schönheit freuen und dankbar sein. Das alles und nichts anderes.“ (S.223)

Hier ist nicht immer alles theologisch fein und sauber gegliedert,
es ist verwirrt und gerade deswegen schön und authentisch.

God Bless,
Restless Evangelical.


→ 5 von 5 Sternen

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