Freitag, 25. Juli 2014

Häppchenweise Himmel.

Wie Gott uns immer wieder erinnern muss.

Wir vergessen. Nicht nur Geburtstage, sondern auch die großen und wichtigen Dinge unseres Lebens.
Natürlich erinnern wir uns später noch daran, dass uns das Mädchen, das seit Monaten unsere Gedanken in Beschlag nimmt, endlich auf den Mund geküsst hat – aber erinnern wir uns noch an die Farbe der Reklametafel, vor der wir standen? Welche Autos sind vorbei gefahren? Was hat dem Moment perfekt genug gemacht, sodass alles zusammenwirken konnte für diesen einen Kuss?
Und das betrifft nur unseren zwischenmenschlichen Flüssigkeitsaustausch.
Wie ist es mit den großen Momenten in unserem geistlichen Leben?
Wir glauben, dass uns alle Dinge zum Besten zusammenwirken – zwar nicht, dass alle Dinge gut sind (und was scheiße ist, ist eben genau das) – aber dass am Ende wir bei Jesus stehen, zurücksehen auf die Landkarte unserer Träume und sagen: Ja, genau so und nicht anders soll es gewesen sein.
Aber erinnern wir uns daran, wenn uns etwas schlimmes, übles passiert?
Wir glauben, dass der Tod im Grunde schon entwaffnet ist, dass alle schädlichen Mächte, die noch wirken, Stück für Stück zurückgedrängt werden, und dass wir verstehen dürfen, dass der Tod Jesu und seine Auferstehung mehr sind als nur ein Austausch von Buchhalterseiten – meine Sünden werden dort hinein geschrieben, sein Guthaben auf mein Konto übertragen – sondern die Gewissheit: Gott hat nicht aufgegeben und gesiegt und das Ende ist jetzt sicher: Alles auf Anfang, und jetzt für immer.
Aber erinnern wir uns daran, wenn wir mit Krankheit konfrontiert sind?
Wenn wir in den Nachrichten von ISIS und MH17 lesen, von Separatisten, Islamisten, Zionisten, Ausschreitungen und Kurzstreckenraketen?
Erinnern wir uns?
Warum nicht?
Jeden Tag ein Stückchen Himmel
Gestern habe ich den ganzen Tag an meiner Predigt gesessen, die ich am Sonntag halten darf. Es wird um 2Mo 16 gehen und die Frage, wie das zeitliche Brot aus dem Himmel zusammenhängt mit dem, der gesagt hat: Ich bin das Brot des Lebens (Joh 6,35).
Als ich mir den Text in 2Mo 16 genauer angesehen habe, ist mir ein Vers aufgefallen, der irgendwie nur eine Randinformation ist, und trotzdem bin ich darüber gestolpert:
Die Israeliten nannten es Manna. Es war weiß wie Koriandersamen und schmeckte wie Honigkuchen.“ (2Mo 16,31; NeÜ)
Die Israeliten nennen das Brot, das ihnen Jahwe gibt, wörtlich: „Was ist das?“
Und es ist weiß.
Und es schmeckt wie Honig.
Wenn man das Wort Honig einmal in den fünf Büchern sucht, die der Autor von Exodus (lets say: Moses) geschrieben hat, dann findet man es 20 Mal. Davon beschreiben 17 Mal das verheißene Land, die Hoffnung Israels. Sie irrten nicht einfach durch die Wüste wie die Gimpel, rezitierten 10 sinnlose Regeln rauf und runter.
Sie hatten eine Hoffnung, den Blick nach vorne gewendet, was der Grund war, aus Ägypten zu fliehen:
Ich bringe es [das Volk Israel] in ein Land, das von Milch und Honig überfließt.“ (2Mo 3,8; NeÜ)
Für das Volk Israel – zumindest für den Leser des Pentateuchs, ist Honig nicht einfach nur ein Naturprodukt, sondern in erster Linie mit dem verheißenen Land, mit der Hoffnung, die sie antreibt, vorantreibt.
In Ps 19 und 119 wird dann die Offenbarung Gottes in seinem Wort verglichen mit Honig.
Honig bedeutet für Israeliten: Die Hoffnung, einmal in Sicherheit und Freiheit zu sein.
Die Hoffnung, einmal Gott ganz so kennen und erkannt zu sein.
Jetzt sind die Israeliten aber noch weit weg von diesem Land, von der Erfüllung ihrer Hoffnung. In dem Moment, in dem Gott das Manna schickt, sind die Israeliten mitten in der Wüste – sie haben Gott erlebt, sie haben seine Herrlichkeit gesehen. Aber was bringt das, fragen sie jetzt, wenn ich nicht einmal weiß, wie ich den morgigen Tag überlebe?
Wenn ich nicht weiß, was ich morgen essen soll?
Theologie ist ja schön, bei einer Tasse Kaffee in meinem Lieblingscafé, aber es hilft mir nichts, wenn ich mich mitten in der Wüste befinde, und mich frage, wie es morgen weiter geht.
Aber Gott...
Aber Gott denkt: Wenn die 'nur' essen wollen, dann zeige ich ihnen, wer ich eigentlich bin.
Und sagt: „Am späten Nachmittag werdet ihr Fleisch essen können und am Morgen Brot, bis ihr satt seid. So werdet ihr erkennen, dass ich Jahwe, euer Gott, bin.“ (2Mo 16,12; NeÜ).
Beachte: Er erfüllt den Wunsch nicht, damit sich danach unser Ranzen spannt.
Beachte: Er wird nicht wütend und regt sich auf, was für ungeistliche Menschen das sind.
Er sagt: Sie sind verzweifelt, und ich zeige ihnen, dass hinter allem alltäglichen eine Möglichkeit steckt, mehr zu sehen, mehr zu begreifen.
Dann schickt er Brot, das nach Honig schmeckt. Und mit jedem Bissen ruft er den Israeliten zu: Erinnert ihr euch?
Erinnert ihr euch, dass ich euch herausgeführt habe aus der Sklaverei?
Erinnert ihr euch, dass ich euch versprochen habe, euch nach Hause zu führen?
Erinnert ist euch, dass ich meine Versprechen an meinen Namen gebunden habe?
Erinnert ihr euch, warum ihr hier seid? Wegen mir, weil ich euch hier haben wollte und weil ich zu Ende bringe, was ich euch versprochen habe.
Bissen für Bissen eine Erinnerung, dass noch mehr kommt, noch mehr auf uns wartet.

God Bless,

Restless Evangelical

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