Freitag, 29. August 2014

Wo immer ich Schönheit sehe...

Gedanken zu Gottes Wirken in der Welt

Joshua Harris hat einmal darüber gepredigt – und Ps 73 zum Beispiel bietet dafür ja ein sehr prominentes Vorbild – dass wir Christen mit dem 'Problem glücklicher Nicht-Christen' umgehen müssen.
In unseren Köpfen hat sich ein Bild eingeschlichen, dass zunächst einmal logisch klingt: Wenn Jesus die Quelle der Freude ist (und als den haben wir ihn erlebt)
und unsere anders-gläubigen Freunde nicht zu dieser Quelle fliehen,
dann haben sie auch keine Möglichkeit, an Freude zu kommen.
Ein logischer Dreischritt.
Und deswegen ist manchmal in unseren Seelen etwas aufgewirbelt, wenn wir Menschen begegnen, die wirklich und aus tiefstem Herzen glücklich sind, ohne dass sie Jesus folgen.
Wie geht das?
Schwieriger ist es noch, wenn wir Menschen mit einem hervorragenden Charakter treffen, die so viel heiliger und innerlich schöner sind als viele Christen, die wir kennen. Die Frieden in Streit bringen, und Sanftmut zeigen, wenn andere sie verletzten. Die Menschen sind, die allen um sie herum gut tun, und die auch mutig und liebevoll Wahrheit in die Leben anderer Menschen sprechen, ohne dass sie die Person Wahrheit (Joh 14,6) eigentlich kennen.
Wie geht das?

Was mir die Galater beigebracht haben
Ich habe vor ein paar Tagen in meiner Zeit mit Jesus am Morgen den Galaterbrief gelesen. Von vorne nach hinten in einem Rutsch. Das war auch deswegen faszinierend, weil eine sehr liebe Freundin von mir vor kurzem eine Master Arbeit über Gal 6 geschrieben hat, die ich lesen durfte, und die mein Verständnis für die Struktur des Briefes noch einmal verschärft hat.
Im fünften Kapitel beschreibt Paulus darin einen uralten Kampf. Es ist der Kampf zwischen dem was wir wollen, und dem, was wir tun. Es ist der Kampf zwischen Seele und Fleisch, der Kampf zwischen dem, was wir sind, und was wir sein wollen. Als Christen ist es ein Ringen, das uns mit den Schritten der Heiligung, die wir gehen, immer bewusster wird.
Paulus schreibt sehr deutlich: „Denn die menschliche Natur widerstrebt dem Geist Gottes und der Geist Gottes ebenso der menschlichen Natur. Beide stehen gegeneinander“ (Gal 5,17; NeÜ)
Was er dann über die beiden gegensätzlichen Parteien schreibt, ist ein Paradebeispiel für Schwarz-und-Weiß-Malerei.
Menschliche Natur ist: „Unsittlichkeit[…], Götzendienst[…], Intrigen, Zwistigkeiten […], Neidereien“ (Gal 5,20; NeÜ) uns so weiter und so fort.
Geist Gottes bewirkt: „Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue“ und überhaupt alles Gute (Gal 5,2f; NeÜ)
Sollten wir das einfach so lesen, ohne darüber zu reflektieren, könnte es uns zu der Annahme führen, in der Gemeinde ist es immer alles wunderschön und warm, während 'da draußen' alles kalt und hart und ungerecht ist.
Was, wie wir alles wissen, nicht die Realität ist. Manchmal kommt es uns eher so vor, als wäre es genau das Gegenteil.
Das Problem ist nur, dass Jesus draußen vor der Stadt wartet, nicht in unseren warmen und gemütlichen Komfort-Zonen (Heb 13,13)
John Piper hat diese Stelle aus dem Heb einmal so paraphrasiert (ab Min 8:23):
Jesus is not standing back and says: 'Go There!' He's saying: 'I'm out here! You´re in there, where it's so comfortable, it's so safe inside Jerusalem. It's so safe inside the church, inside the house. But I'm out here!“

Was ganz klar ist. Jesus ist nicht einfach hier – er ist schon lange dort draußen, wo es einmal kalt war; aber wo er ist, da wird es warm.
In dem logischen Schritt oben haben wir eine Grundannahme vergessen. Wir sind davon ausgegangen, dass der Geist Gottes nur in den Herzen der Christen wirkt. Dass seine Gnade und sein Wirken nur in den Christen wahrgenommen werden kann.
Aber Jesus steht da draußen, und wartet das wir herauskommen und ihn unterstützen bei dem Auftrag, den er seit einer Ewigkeit ausführt.
Paulus sagt mir also im Gal, dass es eine schwarze und eine weiße Seite gibt – es gibt die Sünde (dazu gehören wir alle) und es gibt den Geist Gottes. Er sagt uns aber noch nichts darüber, wo wir die Früchte dieses Geistes ernten können.

Und es kann auch gar nicht anders sein.
Als ich heute morgen so darüber nachgedacht habe, kam es mir dann irgendwie ganz logisch vor.
Abraham Kuyper ist bekannt dafür, dass er gesagt hat: „Es gibt keinen Quadratzentimeter in der ganzen Schöpfung, über den der auferstandene Herr nicht ausruft: 'MEINS!'“
Und Richard Mouw parapharsiert es so: „He shines in all that's fair.“
Wenn wir diesen Jesus haben, der draußen steht, und die ganze Schöpfung für sich beansprucht, und wenn wir einen Gott haben, der heilt und zusammensetzt, der nicht aufgibt und der liebt und der nachgeht und der vergibt, der Unrecht bestraft, aber der Gnade erweist an tausenden Generationen, der selbst in Noah's Zeiten gewartet und gewartet hat, ob es doch noch Umkehr gibt – wenn wir diesen Gott haben, wie sollte er dann nicht wachsen lassen, wo er will, und wehen, wo er will?
Das bedeutet für mich, dass ich wieder beginnen möchte, zu sehen, wo Jesus am Werk ist. Wenn ich einen Menschen treffe, der eine so schöne Seele ist, dass sie mich in ihren Bann zieht, dann will ich nicht mehr fragen müssen: Aber wie kann das sein?
Ich will den Schöpfer sehen, der in eintausend verschiedenen Plätzen spielt. (Eugene Person hat diese Phrase erfunden).
Ich will den Geist sehen, der schon immer hat wachsen lassen, wo er wollte, und nicht nur in dem sauberen Rindenmulch in unseren fünf Schubladen.
Und dann denke ich aber an etwas anderes.
Denn da gibt es eine Wirklichkeit, die er Geist nur dem schenkt, der auch glaubt.
Ewiges Leben, Leben in Fülle.
Die Früchte, die Schönheit des Geistes hängt nicht daran, wie wir auf ihn reagieren.
Das Leben, von höchster Länge und höchster Qualität sehr wohl.
Was ernüchternd ist, auf eine Weise.

God Bless,
Restless Evangelical

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen