Dienstag, 30. September 2014

Davon die Alten sungen... (30.09.2014)


Paul Gerhard – Ich steh an deiner Krippen hier #5

Eins aber hoff' ich wirst du mir,
mein Heiland nicht versagen:
daß ich dich möge für und für
in an und bei mir tragen.
So laß mich doch dein Kripplein sein,
komm, komm und lege bei mir ein,
dich und all deine Freuden.“

In der letzten Strophe denke ich noch einmal darüber nach, dass dieses Kind in der Krippe liegt, das nicht nur die Hände geschaffen hat, die diese Krippe gefertigt haben, sondern auch das Holz hat atmen lassen, die Blätter hat blühen lassen, sogar schon die Samen angelegt hat, aus denen später der Baum werden würde, der das Holz für diese Krippe spenden würde. „Was für ein Gott.“, flüstere ich, in Staunen und Ehrfurcht, weil ich es nicht begreife, aber auch nicht begreifen muss.
Nur staunend kommen und empfangen.
Es ist das Bewusstsein, dass sich Gott selbst erniedrigt, die mich staunen lässt.
Und was könnte niedriger sein als diese Krippe.
Er wird daraus wieder erwachsen, wird einen Weg gehen, auf dem ihm erst alle zujubeln, wo sie ihm Palmenzweige auf den Weg legen und wo er von allen geliebt werden wird; einmal werden die Menschen die ganze Nacht hindurch laufen, nur um ihn zu sehen.
Und um später, nicht viel später, zu rufen: „Kreuzige ihn! Bringt ihn um, den Volksverführer und Aufständischen!“
Mir kommt der Gedanke, dass er in meinem Herzen Platz nimmt, dass er in mir wohnen möchte, mich von innen heraus verändern will. Ich schaudere bei dem Gedanken, dass er dort in mir ist und sich mit all dem herumschlagen muss, das ich oft in mir verberge und was ich gar nicht herauszulassen dem Mut aufbringen kann.
Ein Kampfgebiet, zwischen 'Schon Jetzt' und 'Noch nicht' und er hält die Stellung.
Ich weiß, dass ich schon jetzt gereinigt wurde, dass ich schon jetzt den neuen Menschen angezogen habe und mich als Gerechtfertigter betrachten darf, weil ich durch Jesus diese Stellung vor Gott geschenkt bekommen habe.
Und gleichzeitig ist es noch nicht so weit; in mir ist weiterhin etwas anderes am Werk, sodass ich „das Gute will, aber das Schlechte tue“ (vgl. Röm 7,19).
Und in einigen stillen Momenten, wo mir das bewusst wird, rufe ich aus: „Gibt es denn niemanden, der mich aus dieser tödlichen Verstrickung befreit? Doch! Und dafür danke ich Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ (Röm 7,24f; NeÜ)
Und das „Doch!“ ist ein Befreiungsschlag für mich. Wenn dieser Weltenlenker in eine Krippe kommt, um die ganze Schöpfung zu befreien, die stöhnt und ächzt und sich danach sehnt, befreit zu werden (Röm 8,21f), und wenn er mich schon befreit hat, auch wenn ich oft den Eindruck habe, dass ich diesem Anspruch hinterherhinke, dann kann er auch in mir Platz nehmen, mich in Beschlag nehmen, und mich befreien aus einem Kreislauf, der mich immer mehr nach unten ziehen würde.
Er legt sich in mich ein, sagt der Liederdichter, und mit ihm kommen alle seine Freuden.
Mit ihm kommt das Bewusstsein von Hoffnung, die größer und verschwenderischer ist als alles, was ich mir in meinen kühnsten Träumen habe ausmalen können und ich merke tief in mir, dass es etwas ist, was ich brauche. Dass ich ohne Hoffnung keinen Sinn sehen würde; dass mich Hoffnung erst wirklich menschlich werden lässt.
Freude nimmt für mich hier eine so viel tiefere Dimension an. In den kurzen Momenten, in denen ich diese Hoffnung in seiner gedanken-sprengenden Dimension sehen kann, wird Freude nicht mehr die kurzfristige Befriedigung meiner Wünsche, sondern die Versicherung meines Gefühls, dass hier irgendetwas nicht stimmt, das der Tod hier nicht hergehört, und dass wir für mehr geschaffen wurde. Dass etwas Neues auf uns wartet.
Und dass Jesus einmal wieder alles zusammensetzen wird.
Alles auf Anfang, und dieses Mal für immer.

God Bless,
Restless Evangelical.


P.S. Dieses war der letzte Artikel über „Ich steh an deiner Krippen hier“ von Paul Gerhard. Ab kommender Woche werden ich über „Gott rufet noch“ von Teerstegen schreiben.

Montag, 29. September 2014

Häppchen-Weise #31

Rachel Held Evans beschließt ihr Buch „Evolving in Monkey Town“ mit einigen wunderbaren, berührenden Worten:

„In unseren dunkelsten Stunden, wenn wir verwirrt sind, und in unseren herrlichsten Momenten, wenn wir alles klar sehen, sind wir doch nichts anderes als neugierige Kinder, abhängig von ihren Eltern, die verzweifelt an Gottes ausgetreckten Armen zerren, und mit jeder Frage, jedem Gebet und jedem Trotzanfall die wir hervorbringen können, doch nur darum bitten: „Wir wollen mit dir reden! Rede du mit uns.“
Gott muss uns sehr lieben, denn er antwortet jedes Mal mit einer ausschweifenden Geschichte.“ (Held Evans, Rachel, Evolving in Monkey Town, Grand Rapids: Zondervan 2010, S.226)

Manchmal brauchen wir eine Geschichte, um eine Frage zu beantworten, weil sie aus kalten Gedanken, die unser Kopf umgreifen will, eine warme Idee machen, die unsere Seele auch hereinlässt. Und Gott schreibt eine Milliarde Geschichten jeden Tag.
Oder, wie Ann Voskamp es ausdrückt: Eintausend kleine Geschenke.

God Bless,
Restless Evangelical

P.S.: Das Originalzitat
„In our darkest hours of confusion and in our most glorious moments of clarity, we remain but curious and dependent little children, tugging frantically at God's outstretched hands and pleading with every question and every prayer and every tantrum we can muster, “We want to have a conversation with you!“

God must really love us, because he always answers with such long stories.“

Sonntag, 28. September 2014

Vier Plus 1 am Sonntag – 28.09.2014


A. Jimmy Fallon und die Tonight Show sind vielleicht das Witzigste, was momentan im Fernsehen läuft – leider nicht hier in Deutschland, aber zumindest bei Youtube. Kate Shellnut drüber bei Christianity Today schreibt darüber, was Fallon so besonders macht in der Comdey Szene, und wieso er die Menschen begeistern kann.
So sehr ich auch lachen muss bei vielen deutschen Comedians, es hat immer einen schalen Nachgeschmack. Deutschland ist auch reif für Spaß, ohne Opfer.

B. One Day (Zwei an einem Tag) war vielleicht der beste Roman, den ich im letzten Jahr gelesen habe. Jetzt kommt, 5 Jahre nach der Veröffentlichung von One Day, David Nicholls nächster Roman raus, mit dem einfachen Titel 'Us'. Was die Vorab-Rezension angeht kann es wohl nicht mehr besser kommen als dieser Text aus dem Independent aufhört: „'US' is a perfect book.“ Gottcha, ich werde es ja kaufen und verschlingen, keine Angst!

C. Der Neutestamentler Mike Bird publiziert mehr Literatur, als irgend ein Anderer in seinem Fachgebiet momentan. Gleichzeitig ist er ein aufmerksamer Beobachter der evangelikalen Bewegung, mit einer gesunden Prise Skepsis, was die speziell amerikanische Ausformung davon angeht (kann er auch, er ist immerhin Australier). In diesem Artikel geht er auf die ihm eigene humorvolle Art einer Beobachtung nach, dass in Teilen des amerikanischen Evangelikalismus 'konservativ' gleichgesetzt wird mit 'richtig' und dieses Lable zum Götzen werden kann.

D. Adrian Warnocks Ermahnung in diesem Artikel war ernüchternd, aber es hat mich sehr bewegt, das zu lesen. Er erinnerte mich auch an das, was ich letzte Woche geschrieben habe über die Bedeutung des eigenen Seelenlebens für uns als Leiter. Meine Frage nach Adrians Artikel bleibt: Wie finde ich dann Leitung? Wie stelle ich sicher, dass ich von Gottes Geist angeleitet werde, und nicht durch meine eigene Weisheit? Gebet und Bibel sind naheliegende Antworten, aber es bleibt trotzdem: Wie dann exakt, dadurch?


Und noch einen zum Schluss. Niemand flasht mich mehr als John Butler. Der Kerl ist einfach unglaublich.

Freitag, 26. September 2014

Mit Freude hoffen (1. Teil)

Der Mensch als ein nach Hoffnung-dürstendes Wesen

Leitmayr und Batic ermitteln wieder. Die Sommerpause des Tatort ist zu Ende – endlich. Und ich kann es mir mit einem Glas Rotwein auf dem Sofa bequem machen und das Fenster in die bundesrepublikanische Wirklichkeit (so einmal der Spiegel-Tatort-Korrespondent) kann so weit geöffnet werden, dass mit Unterhaltung und hoffentlich Tiefgang mir der Sonntagabend versüßt wird.
Es geht um den 'Wüstensohn', einen Teppichladen und gleichzeitig eine treffende Beschreibung für den Sohn eines Ölscheichs, der gerade in München wohnt, und seinen toten Bruder (nicht sein wirklicher, leiblicher Bruder) auf dem Beifahrersitz durch die Gegend kutschiert.
Was mir von diesem Tatort vor Allem in Erinnerung geblieben ist, war die Hoffnungslosigkeit, mit der der junge Mann leben muss. Am Ende bracht er es passend damit zum Ausdruck, dass er machen kann was er will – mit 180 durch München heizen, soviel koksen wie er will – nur frei sein kann er nicht.
Was eine faszinierende an dieser Feststellung fand ich, dass er damit so gegen das Gefühl geht, das wir jungen Menschen im Westen eigentlich haben. Unsere materiellen Engpässe (ob gefühlt oder real), unsere defizitären Beziehungen (oder Beziehungsbereitschaft, wenn wir mal wirklich ehrliche Stunden haben) oder auch nur die Idee, durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung könnten wir deutsche Autobahnen sicherer machen, scheinen unsere Freiheit dermaßen einzuschränken, dass wir dringend nach Möglichkeiten suchen, wie wir uns derselben wieder bewusst werden können.
Wie kann der Wüstensohn da sagen, dass es nicht frei ist?
Ich denke, weil er nichts mehr zu hoffen hat.

Der Mensch braucht Liebe und Glauben...
Wenn man den Menschen nicht so sehr als Individuum betrachtet (nur für einen Moment, keine Angst), dann erkennt man, dass es bestimmte Grundbedürfnisse gibt, die der Mensch an sich hat. Dabei werden vor allem immer zwei Bedürfnisse immer wieder erwähnt.
Liebe.
Spiritualität.
Der Mensch ist ein Wesen, schreibt Tim Keller an einer Stelle, der sich mit jeder Phaser seines Wesens nach Bedeutung sehnt und bereit ist, sie sich dort zu holen, wo es ihm am erfolgversprechendsten ist. Woran das liegt ist debattierbar. Aber ich glaube nicht, dass irgendjemand dieser Annahme widersprechen würde (oder?). Ein Mensch sehnt sich danach, das er von anderen Menschen als wichtig anerkannt wird; und das nicht nur wegen etwas, was er tut, sondern er will an sich gewertschätzt und geliebt werden, nicht nur als Mittel zum Zweck.
Als ich diese Zeilen geschrieben habe, musste ich an einen Freund denken, der trotz einiger Beziehungen seinen Partner noch nicht gefunden hatte. An einem Abend sagte er zu mir: „Mein Problem ist, dass ich irgendwann immer das Gefühl habe, dass die Menschen nicht mich lieben, sondern nur das Gefühl, das ich ihnen gebe.“ Und war nicht ganz sicher, was er mir sagen wollte, deswegen fragte ich zurück: „Welches Gefühl?“
Keine Ahnung. Das Gefühl begehrt zu werden, das Gefühl, geliebt zu werden, das Gefühl, dass jemand da ist. Oder auch nur das Gefühl, das man es geschafft hat, jemand anderen abzukriegen.“
Was interessant war, weil ich immer dachte, das Beziehungen genau dafür da sind. Und er genau das ja auch suchte. Und er ja genau das auch suchte. Er wollte geliebt werden. Würde er die Frau finden, die ihm dieses Gefühl geben könnte – dass sie ihn um seiner selbst willen – liebte, würde er sie für immer festhalten. Und zwar genau wegen dieses Gefühls.
Der Mensch braucht Liebe, Wertschätzung.
Aber da ist noch eine zweite Komponente.
Karen Armstrong beschreibt den Menschen in ihrem Buch The Case for God außerdem als einen Homo Religiosus. Das ist, dass er ein Wesen ist, das im Kern nach Spiritualität dürstet. Der Mensch, sagt Armstrong, kann nicht anders, als sich selbst mit der Transzendenz zu verbinden. Und das hat in den vielen Jahrhunderten, in denen der Mensch diese Erde jetzt unsicher macht, zu hunderten verschiedenen Ausformungen von Religion geführt. Und hierbei geht es jetzt nicht um die Frage, ob eine Religion richtig ist oder nicht.* Der Atheismus ist eine derart junge Bewegung (keine 100 Jahre alt in seiner jetzigen Form), dass sich seine Standfestigkeit erst noch beweisen muss. Alle anderen Generationen der Menschen (und übrigens der weitaus größte Teil der Menschheit, die gerade auf der Erde leben) glauben, dass es mehr geben muss als das, was wir mit den Augen uns unseren Geräten und Laboren erfassen können.
Der Mensch braucht Glauben, Spiritualität.

...genauso wie Hoffnung.
Was uns ein Wort übrig lässt aus dem klassischen, biblische Dreiklang (1Kor 13,13).
Hoffnung.
Kann es sein, dass der Mensch auch Hoffnung braucht, um wirklich menschlich zu sein? Meint: zufrieden?
Scheint mir ziemlich logisch zu sein, wenn ich mir die Aussagen vieler Menschen ansehe, die ziemlich alles erreicht haben, worauf die Otto Normalverbraucher (zumindest meiner Generation) hoffen.
Das könnte dann der Grund sein, wieso Brad Pitt in einem Magazin vor einiger Zeit sagte:

Viele Dinge sind uns heutzutage sehr wichtig: ein tolles Auto, eine Eigentumswohnung, persönlicher Erfolg. ... Ich habe das alles, und ich sage dir, wenn du alles erreicht hast, dann bleibst du allein mit dir selbst. All diese Errungenschaften helfen dir nicht, nachts besser zu schlafen, und sie helfen dir auch nicht, glücklicher aufzuwachen.

Oder, warum die Weisheitsliteratur in der Bibel es sehr schön auf den Punkt bringt:
Endloses hoffen macht das Herz krank, aber ein erfüllter Wunsch ist wie ein Lebensbaum.“ (Spr. 13,12; NeÜ)
Und wenn ich von Hoffnung schreibe dann meine ich damit keinen träumerischen Optimismus – es wird schon alles wieder gut. Aber es ist das sehnsüchtige Warten darauf, dass jemand sein Versprechen endlich einlöst; jemand, der sich Generation um Generation als zuverlässig und vertrauenswürdig erwiesen hat. Es ist die tiefe Gewissheit, dass etwas besseres auf dem Weg hier her ist, und dass wir nur noch ein wenig ausharren müssen, und dann werden wir es mit eigenen Augen sehen.
Es ist der Junge, der immer davon gehört hat, dass es irgendwo einen riesigen Sandkasten gibt, soweit das Auge reicht und mehr Wasser, um damit zu plantschen, als er sich vorstellen kann. Irgendwann, haben seine Eltern gesagt, darfst du ihn sehen – und dann nehmen sie ihn mit an den Strand.

Das Ergebnis von Hoffnung an sich
Und gleichzeitig ist es nicht damit getan, das wir als Menschen einfach das bekommen, was wir wollen. Es liegt ein Wert alleine im Hoffen, ein Wertschätzen der Sache an sich. Das, worauf wir hoffen, wird soviel bedeutsamer, langanhaltender, Ehrfurcht-gebietender, wenn wir darauf gehofft haben, wenn wir diese Sehnsucht gespürt haben und wenn es, gefühlt zumindest, durch stunden-, wochen- oder sogar jahrelanges Warten erworben worden ist.
Was der Grund ist, dass der junge Mann im Tatort keinen Wert darin sehen konnte, was er hatte, obwohl er alles hatte, wonach sich viele junge Menschen heute verzehren.
Das heißt dann vielleicht, dass der Wert einer Sache, oder eines Menschen, oder eine Beziehung, für uns gar nicht davon abhängt, wieviel es anderen Menschen wert wäre. Sondern in erster Linie, wie viel Sehnsucht wir dafür ins Spiel gebracht haben.
Wir nennen das ideelen Wert. Hoffnung gibt einer Sache ideelen Wert, mehr als wir uns vorstellen können. Hoffnung ist nicht einfach das Warten darauf, etwas zu bekommen – wie Kinder (und große Kinder) am Weihnachtsabend – sondern vor allem das innige 'Sich-eins-machen' mit dem, was kommen soll, und die begründete Zuversicht, dass es nicht ewig dauern wird, und dass es nicht nur ein vertrösten ist.
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Wir Menschen brauchen Glaube – wir haben das tiefe Bedürfnis, Transzendenz wahrzunehmen; wir brauchen Liebe – wir haben das tiefe Bedürfnis, nicht als Mittel zum Zweck, sondern wegen uns selbst gewertschätzt zu werden; und wir brauchen Hoffnung – die Sehnsucht nach etwas, von dem wir gewiss sind, dass es kommt, und das wir erwarten, und dem wir alleine durch das Warten schon wert geben.

God Bless,
Restless Evangelical

(Nächsten Freitag schreibe ich, wieso ich denke, dass die biblische Hoffnung gerade auf diese Eigenart des Menschen passt und darauf antwortet – sie gibt uns eine Hoffnung, die nicht blinder Optimismus ist, aber die uns gleichzeitig die tiefe unserer Sehnsucht erkennen lässt.)

* Nur um hier sinnlose Streitereien zu unterbinden: Ja, ich glaube, dass es eine absolute Wahrheit gibt, und glaube auch, dass Jesus 'der einzige Weg zu Gott ist'. Aber das ist hier nicht der Punkt.


Donnerstag, 25. September 2014

gelesen & geschätzt #10

Gott muss doch eine Antwort haben!

Rezension zu: Ehrman, Bart D., God's Problem. How the Bible fails to answer our most important question – Why We Suffer., San Francisco: HarperOne 2008

Bart Ehrmans Büchers sind eine Herausforderung, soviel ist klar. Als Evangelikaler aufgewachsen, im Moody Bible Institute auf die Irrtumslosigkeit der Bibel eingeschworen, am Wheaton College vielleicht die qualitativ hochwertigste Ausbildung in (speziell: evangelikaler) Bibelwissenschaft erhalten, am Princeton Theological Seminary begonnen, an den Antworten seiner Kindheit zu zweifeln, hat ihn die Frage nach dem Leid in der Welt zu einem Agnostiker werden lassen.
Einen, der die evangelikale Bewegung von innen kennt, und ihre Antworten auf die großen Frage einmal auswendig kannte.
Einen, der gleichzeitig einer der angesehensten Bibelwissenschaftler der USA ist, der besonders in der Frage der Textkritik seine Sporen verdient hat.
Wenn so jemand ein Buch schreibt, in dem er sich mit den biblischen Antworten auf die Theodize Frage (die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes angesichts all des Leides auf der Welt), sollte man besser genau hinhören. Dabei ist zu betonen: Das Buch will tatsächlich genau das tun – analysieren, was die Autoren der Bibel zu dieser Frage zu sagen haben, es will nicht mit den aktuellen philosophischen Debatten interagieren!
Nachdem ich mich noch durch das Buch gewühlt habe (manchmal passt leider nur dieses Wort für den Zustand der Bücher, die ich gerade konsumiert habe), muss ich sagen, dass ich es (wie die anderen Ehrman Bücher, die ich bis jetzt gelesen habe) als eine Herausforderung betrachtet habe.
Allerdings auf andere Weise, als ich erwartet hatte.

1. Geschichtenerzähler?
Frustrierend empfand ich bei dem Buch, dass es zu einem sehr großen Teil aus Nacherzählungen des biblischen Stoffes bestand. Das Buch hat in 278 Seiten, aber den inhaltlichen Ertrag des Buches hätte man auf 100 schrumpfen können. Fast über die ganze Länge des Buches schreibt Ehrman wenig erhellenderes als eine Inhaltsangabe verschiedener biblischer Bücher.
Man könnte jetzt argumentieren, er tue dies, um den großen, erzählerischen Kontext des Buches auszuleuchten, den man ja – Grundkurs Hermeneutik – braucht, um ein Buch oder einen Text oder einen Vers richtig zu verstehen.
Über Strecken schien der Sinn aber weniger darin zu liegen, die darauf folgenden exegetischen Stellen einzuordnen (so sie denn überhaupt folgten), als mehr, das erzählerische Talent des Autors zu unterstreichen. Das man ihm auch nicht absprechen will. Es ist dennoch frustrierend, wenn man mehr als ein Geschichtenbuch lesen will.
An einer Stelle erzählt der Autor – nahezu ausschweifend – die Geschichte von Josef und seinen Brüdern nach, um zu dem Ergebnis zu kommen: der Autor der Geschichte denkt, dass Gott Gutes aus Bösem hervorzubringen in der Lage ist.
Wirklich? Erstaunlich. Besonders angesichts solcher Verse wie 1Mo 50,20.

2. Denker?
Noch frustrierender als die stellenweise quasi-epischen Erzählstränge fand ich allerdings das Problem, das dem Buch eher generell zu Grunde liegt. Das Autor ist auf der Suche nach der Antwort, die die Bibel auf die Theodizee-Frage geben will, und kommt am Ende jeden Kapitels zu dem Ergebnis, das diese Antwort (Gott bestraft Sünde, Menschen schaden anderen Menschen, Gott wird alles am Ende gut machen, Es ist ein Mysterium, es hat keinen Sinn, es sind böse Mächte am Werk usw.) nicht alles Leid erklären kann. Fair enough.
Aber was ihm dabei nie in den Sinn kommt ist die Möglichkeit, dass es vielleicht gerade deswegen mehr als eine Antwort in der Bibel gibt, weil es nicht eine Antwort auf eine so komplexe und zutiefst emotionale Frage wie die nach dem Leid gibt.
Ehrman scheint nicht wirklich auf der Suche nach einer Erklärung für das Leid zu sein, als viel mehr nach einer Erklärung für das Leid. Er will eine allumfassende Antwort finden. Und weil er diese nicht findet – zumindest nicht in der Bibel – kommt er zu dem gleichen Ergebnis wie Ivan in den Brüdern Karamasov (den er im Schlusskapitel auch zitiert), dass es keine allumfassende Antwort geben kann, und wenn es sie gäbe, das Leid zu furchtbar wäre, als das ein Gott – sollte es ihn denn geben – dadurch vom Harken gelassen werden könnte.
Aber vielleicht ist gerade das die Antwort. Vielleicht ist es eine viel zu sterile Herangehensweise an ein solches Thema, nach einer Antwort zu suchen, und wenn es diese nicht gibt, alles als sinnlos zu bezeichnen.
Vielleicht gibt es viele Ursachen für das Leid, das wir in unserem Leben erleben, und das wir in allen Spalten der Zeitungen lesen. Wenn man nämlich am Ende alle Antworten zusammen nimmt, die der Autor aus der Bibel herausfiltert (wenn man sich durch die Erzählungen gewühlt hat), dann scheint man dadurch schon eine ganze Menge des Leides mit einem liebenden Gott in Einklang bringen (wenn auch nicht erklären, aber eine Erklärung ist auch nicht, was eine trauernde Ehefrau braucht, die ihren Ehemann in einem Hurricane verloren hat). Aber für Ehrman ist es nicht die eine Antwort. Und deswegen ist es keine Ausreichende.

3. Bibelwissenschaftler!
An dem Buch bleiben die Ergebnisse eines begabten Bibelwissenschaftlers. Besonders die Kapitel über das Neue Testament (Ehrmans Heimatgebiet) sind durchaus aufschlussreich und stellen Fragen, denen es nachzugehen sich sicher lohnen würde. Die immer wieder explizit aufgeschriebenen Spitzen gegen seine evangelikale Erziehung scheinen mir unnötig, weil man nach dem ersten 50 Seiten als Leser irgendwann verstanden hat, dass er die Antworten seiner Kindheit nicht mehr hilfreich findet. An den (wenigen) Stellen, in denen der Autor eine wirkliche Betrachtung des Textes macht und exegetisch vorgeht, kann man aus dem Buch tatsächlich einiges Potential schlagen, über das sich nachzudenken lohnt,
und es kann dem Leser auch dabei helfen, die Antworten der biblischen Autoren auf die Frage des Leides ein wenig besser zu verstehen.

4. Fazit.
Es fällt mir schwer, das Buch wirklich zu bewerten. Die Abschnitte, die nicht Nacherzählung waren, waren teilweise exegetisch hervorragend, teilweise gespickt mit Theorien, die als Tatsachen hingestellt wurden (zwei Autoren des Hiobbuches, historischer Jesus, der sich nicht als Menschensohn gesehen haben soll etc.) die zwar nicht unhaltbar sind, aber dennoch umstritten.
Ich gebe dem Buch dennoch zwei Sterne, weil die Rosinen des Buches tatsächlich von hervorragender Qualität sind. Und weil Ehrman auch ein wirklich guter Autor ist; seine Bücher zu lesen ist eigentlich nie trocken.

God Bless,

Restless Evangelical.

Mittwoch, 24. September 2014

Häppchen-Weise #30


Der beeindruckende Alastair Roberts hat auf seinem Blog auch einen spannenden Artikel über den Krieg der Israeliten gegen die Kanaaniten.
Darin kommt er zu einem spannenden Punkt, wenn es um die schwierigen Texte in der Bibel geht:

Gerade in den schwierigen Texten der Bibel begegnet Gott uns, als wäre er ein Feind, der mit uns ringt. Unsere Aufgabe als Christen ist es, mit ihm zu ringen, und ihn nicht gehen zu lassen, bis er uns durch diese Texte segnet.“ (Quelle: http://alastairadversaria.wordpress.com/2012/02/09/is-yhwh-a-war-criminal/; deutsch durch mich)

Es ist ein interessantes Bild, das Alastair hier benutzt. Das Ringen mit einem Text als das Ringen mit Gott selbst, und als der spezielle Ort, an dem Gott uns begegnet.
Alle die Bibelstellen, die wir schon tausend Mal gehört haben, bewegen unsere Seele nur noch sehr wenig. Aber es sind die Stellen, die uns anstößig erscheinen, oder die wir noch nie gelesen haben, oder die wir in einem ganz neuen Licht betrachten, die uns über Gott nachdenken lassen, und uns so auf eine geheimnisvolle Weise mit ihm verbinden.
Bis er uns gerade dadurch segnet.

God Bless,
Restless Evangelical.

P.S.: Das Originalzitat:

It is in the difficult texts of scripture that God meets us, as if as an enemy, wrestling against us. Our duty as Christians is to wrestle back, and not let go until God blesses us through thoses texts.“

Dienstag, 23. September 2014

Davon die Alten sungen... (23.09.2014)

Paul Gerhard – Ich steh an deiner Krippen hier #4

Ich sehe dich mit Freuden an,
und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann,
bleib' in anbetend stehen.
Oh dass mein Sinn ein Abgrund wär',
und meine Seel' ein weites Meer,
dass ich dich möge fassen.“

An der Krippe stehend denke ich über die Größe eines Gottes nach, der sich selbst zum Sklaven macht, Teil der sündigen Welt wird, die er zu erlösen und neuzuschaffen gedenkt, und versuche, zu verstehen, wie dieser Gott ist.
Ja, ich kenne seinen Namen – er ist Jahwe, Bundesgott, Jesus, Erlöser, Heiliger Geist, Tröster.
Ja, ich kenne einige seiner Charakterzüge – er ist Liebe, er ist Gnade, er ist Heiligkeit und er ist Gerechtigkeit.
Ja, ich weiß auch, was er kann – alles, und er weiß alles und in allem und durch alles hat er alles auf sich hin geschaffen.
Nur, fassen kann ich ihn nicht wirklich. Es sind Worte die ich ausspreche, und die ich gelernt habe, die ich mit einem Gedankenkonstrukt füllen kann. Aber wie könnte mein Verstand, der gelernt hat, alles auf seinen kleinsten Nenner zu reduzieren, der darin geschult ist, die Grenzen von Allem auszuloten, um es fassbar und mir dingbar zu machen, wie kann ich etwas Unendliches, wie kann ich etwas von dieser Schönheit und dieser Eleganz fassen?
Wenn ich nur versuche, die Gnade zu begreifen, die es mir möglich macht, ohne Angst und Schrecken in die Gegenwart absoluter Schönheit, absoluter Gerechtigkeit – sag: Heiligkeit – zu treten (Heb 10,22), beginnt sich mein Kopf zu drehen.
Nirgendwo sonst habe ich eine Gnade wie diese erkennen können.
In diesem Moment wünsche ich mir nichts mehr, als ein großes Gefäß zu sein, in das diese Erkenntnis gefüllt werden kann, mehr und mehr davon, bis es überläuft. Ich erkennen, und sage das besonders mit der Profession der Theologie, die meine Leidenschaft ist und mir viel Freude bringt, dass die Erkenntnis Gottes nichts ist, was ich aktiv betreiben kann. Ich kann mir nicht vornehmen, heute Gott zu erkennen; ich kann nur passiv dastehen, und erkennen dürfen, wie ich erkannt worden bin.
Und diese Erkenntnis, mehr und mehr vom Unendlichen zu begreifen, leitet mich in die Anbetung, dieses ehrfürchtige Staunen vor einer Gnade und einer Gerechtigkeit, die so weit über meinen Kopf hinausgeht, und dennoch versucht, sich mir zu zeigen und sich mir zu offenbaren. Gleichzeitig kommt die Erkenntnis aus der Anbetung. Nirgendwo sonst, als an dem Ort, wo ich nichts weiter kann als anzubeten, erkenne ich Gott wirklich.
Blaise Pascal hat gebetet: „Nicht der Gott der Mathematiker und Philosophen, sondern der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.“
Ein Gott der Beziehung. Ein Gott, der sich offenbart in dem Moment, in dem er mit uns und mit der Schöpfung in Beziehung tritt, nicht abseits davon, nicht unabhängig davon, sondern gerade dadurch, ohne davon abhängig zu sein.
Ein Gott, zu groß für meine Vorstellung und meinen Verstand,
der sich zeigt in einem Kind in einer Krippe,
in einem gekreuzigten Mann,
in einem auferstandenen Sieger.

Was für ein Gott.

God Bless,
Restless Evangelical

P.S. Für euren Terminplan, in den nächsten Monaten sind folgende Lieder dran:

September '14: Ich steh an deiner Krippen hier – Paul Gerhard
Oktober '14: Gott rufet noch, sollt ich nicht endlich – Gerhard Tersteegen
November '14: Der du bist, drei in Einigkeit – Martin Luther
Dezember '14: Es kennt der Herr die seinen – Philipp Spitta
Januar '15: Lobet den Herren, alle die ihn ehren – Paul Gerhard
Februar '15: Aus tiefster Not schrei ich zu dir – Martin Luther
März '15: Ich und mein Haus wir sind bereit – Philipp Spitta
April '15: Oh Haupt voll Blut und Wunden – Paul Gerhard
Mai '15: Gott, du bist Licht und wohnst in Licht – Gerhard Tersteegen
Juni '15: Nun freut euch hier und überall – Paul Gerhard
Juli '15: Nun so will ich denn mein Leben – Gerhard Tersteegen
August '15: Erhalt uns Herr bei deinem Wort – Martin Luther
September '15: Wie soll ich dich empfangen? – Paul Gerhard


Montag, 22. September 2014

Häppchen-Weise #29

Der erstaunliche Derek Rishmawy schreibt über das Problem des Krieges gegen die Kanaaniten im Buch Josua. Sein Ergebnis hat mich berührt:

Am Ende meiner Überlegung steht aber: Ich muss darauf vertrauen, dass Gott der ist, den ich in Jesus sehe, Christus als dem Gekreuzigten – der Gott, der sich selbst als der vollkommen Gerechte erwiesen hat, und als der vollkommen Liebende, und zwar auf eine Weise, die ihm mir nie hätte ausdenken können. Ich werde diesen Gott nie begreifen, der so gut ist, dass er bereit ist, für die in den Tod zu gehen, die ihm den Tod bringen wollten – und zwar, um sie vor dem Tod zu bewahren.“ (Quelle: http://derekzrishmawy.com/2013/10/28/the-importance-of-context-in-the-conquest-of-canaan-the-story-notes-7/ ; deutsch durch mich)

Erinnert mich an Rachel Held Evans, die sagt: 'Jesus ist Gott in Sandalen'.
Als wen immer du Gott dir vorstellst, er muss sich an Jesus messen lassen.
Ein Gott, der kleiner, überschaubarer, zähmbarer als Jesus ist, ist nicht der Gott des Christentums.

God Bless,
Restless Evangelical.

P.S. Das Originalzitat:

At the end of the day, though, I have to put my trust in that God is who I see in Jesus Christ and him crucified – the God who proved himself perfectly just and perfectly loving in a way I could have never imagined. I never could have fathomed a God so good he was willing to die for those who wanted to put him to death in order to save them from death.“

Sonntag, 21. September 2014

Vier Plus 1 am Sonntag – 21.09.2014


A. Rob Bell hat lange nichts von sich hören lassen. Aber jetzt ist angekündigt worden, dass er in naher Zukunft ein Buch über Ehe und Beziehung veröffentlichen wird – gemeinsam mit seiner Frau. Ich bin zurückhaltend, aber auch erwartungsvoll.

B. 9/11 ist immer noch ein Trauma für die westliche Welt. Diese kurze Anekdote wird das zwar nicht ändern, aber sie hat ein Happy Ending und irgendwie was ich das berührend :)

C. Ich wundere mich, wie Derek das macht. Aber immer wieder schreibt er Dinge, die genau in meine Situation sprechen, und ich bin dafür so dankbar. Als ich das hier am Donnerstag morgen gelesen habe, musste ich tatsächlich weinen, weil es mir so gut getan hat. „Was auch immer kommt, oder ich tue. Ich höre seine Stimme. Das lässt mich sicher sein, dass ich sein Schaf bin.“

D. Die wunderbare Amy Julia Becker ringt mit Richard Dawkins Aussage, dass es unmoralisch wäre, ein Kind mit Downsyndrom nicht abzutreiben. Und zeigt dabei, dass die meisten Antworten auf diese moral-philosophisch empörend dämliche Antwort den gleichen Fehler macht wie Dawkins: Sie sieht Glück als die Abwesenheit von Leid an. Utilitarismus mag verlockend erscheinen, ihm fehlt aber eine objektive Grundlage.


Und einen zum Schluss. Was auch immer das Wort 'Zuhause' bedeutet, das ist wirklich unheimlich schön gemacht.

Freitag, 19. September 2014

Das Bessere erwählt.

Die Grundlage, um anderen geistlich zu dienen.

Menschen geistlich anzuleiten, ihnen zu helfen, eine eigene und gesunde Spiritualität zu entwickeln, auch Gott besser und besser zu verstehen, auf der Reise Richtung Herrlichkeit jeden Schritt zu feiern, ist ein Vorrecht. Da gibt es eigentlich nichts dran zu rütteln; es ist nicht nur Leidenschaft, es ist ein Vorrecht, weil es damit zu tun hat, Gott bei der Arbeit zuzusehen.
Es kann aber auch sehr schnell zum Job werden.
Vor allem kann es sehr schnell zu etwas werden, was man eben macht, weil es von einem erwartet wird. Die Leute stellen dir eben Fragen – das haben sie schon lange so gemacht, das werden sie auch weiterhin tun – also solltest du eine gute, schön formulierte Antwort dafür haben. Du wirst eben den geistlichen Impuls auf der Freizeit weitergeben – immerhin bist du Theologe und bei dir ist das ja anders als bei den 'normalen' Christen.
Nicht nur, dass man sich selbst diese Dinge gerne sagt, oder zumindest unbewusst diese Dinge mitschwingen,
es sind auch immer wieder Annahmen, die stillschweigend oder offen ausgesprochen zwischen Gemeinde und Leitung, zwischen Hauskreis und Leiter, zwischen Freunden herrschen.
Und als Blogger ist es nicht einfacher. Besonders, wenn man sich – wie ich momentan – vorgenommen hat, regelmäßig Gedanken aufzuschreiben. Die eigene Messlatte liegt weit oben. „Von Intellektuellen erwartete man, dass sie Ideen haben.“, habe ich vor kurzem gelesen. Man könnte sagen: Von Theologen erwartet man, dass sie geistliche Ideen haben.
Also stelle ich mir die Frage, nicht erst seit kurzem, was die Voraussetzung ist, bei diesem Job nicht selbst auch geistlich auszutrocknen. Wie verhindere ich, dass ich am Ende eh immer nur das Gleiche sage? Dass mein Dienst mir nicht zum Job wird?
Wie, anders ausgedrückt, kann ich andere Menschen geistlich anleiten, ohne selbst auf der Strecke zu bleiben?

Was ich von Martha und Maria gelernt habe
Das ist der Punkt, an dem ich vor kurzem die Geschichte von Martha und Maria mit ganz neuen Augen betrachtet habe (Luk 10,38ff).
In der Geschichte kommt Jesus zu seiner Nachfolgerin Martha, und sie müht sich ab, ihm zu dienen und eine gute Gastgeberin zu sein, während ihre Schwester zu Jesu Füßen sitzt und „das Bessere gewählt“ hat (V42; NeÜ).
Und bis vor Kurzem hatte ich so meine Probleme mit der Stelle, weil es mir immer so schien, dass sie gegen den Dienst an sich sprechen würde. Es schien mir so egoistisch zu sein, wie ich diese Stelle verstanden habe. „Zuerst sollte ich mich um meine Bedürfnisse kümmern, dann kann vielleicht auch ein wenig Zeit für andere herausspringen.“
Was sich nicht nach 'Nehmt euer Kreuz auf euch und geht los.' klingt.
Oder nach 'Ein Jeder achte den Anderen höher als sich selbst'.
Was soll ich also damit machen?
Soll ich aufhören, anderen Leuten auch geistlich zu helfen, solange meine eigenen Bedürfnisse nach Sicherheit, nach Annahme oder Beziehung nicht gestillt sind?
Nun, als ich vor einigen Tagen die Stelle noch einmal betrachtet habe, ist mir aufgefallen, dass das Problem von Martha eigentlich nicht darin liegt, dass sie den anderen dient, sondern wie sie es tut.
Jesus sagt zu ihr: „Martha, du bist beunruhigt und machst dir Sorgen um so viele Dinge.“ (V41; NeÜ)
In anderen Worten: Du hast deinen Kopf überall, nur nicht bei mir.
Du tust den Dienst, weil du denkst, dass du ihn tun musst, nicht weil du ihn als eine Möglichkeit siehst, mir zu dienen.
Eher noch machst du ihn mit Hintergedanken: Wenn ich das mache, dann wird mich diese Person – oder sogar Jesus selbst – mehr wertschätzen als das Mauerblümchen, dass einfach zu seinen Füßen sitzt.
An anderen Stellen in die Bibel wenig zimperlich, wenn es um Müßiggang oder Faulheit geht. Aber das war nicht Marias Interesse, als sie zu den Füßen Jesu saß. Nicht das 'Sein-lassen' des Dienstes an sich hat sie erwählt, sondern das ganz ausgerichtet sein auf Jesus, das Verständnis, dass von äußerster Wichtigkeit nicht ist, dass sie etwas tut, sondern dass sie in Beziehung steht zu dem der alles getan hat (oder, chronologisch in der Bibel an dieser Stelle: Alles getan haben wird – wunderbares Futur II).

Und wie ist das mit mir?
Als ich zu diesem Punkt in der Geschichte kam, als mir der wirkliche Fehler von Martha klar wurde – oder was 'das Bessere' war, das Maria erwählt hat – da ist mir vor allem eines klar geworden. Solange ich mein eigenes geistliches Leben vernachlässige, kann ich anderen Menschen auch nicht geistlich anleiten, oder ihnen dienen.
Ich hätte lange Zeit gesagt, dass ich deswegen jeden Morgen eine Zeit mit Jesus verbringe, weil es meiner Seele gut tut. Was ja auch stimmt auf eine Weise.
Und an den Tagen, an denen ich 'keine Lust auf Jesus' habe, da mache ich sie, weil ich weiß, dass ich mich selbst – meinen Körper oder meine Seele – manchmal zu dem Guten zwingen muss.
Aber das allein hat mir als Motivation nicht gereicht.
Weil mir auch ganz andere Dinge manchmal gut tun.
Aber ich habe auch gemerkt, dass ich, je weniger ich mich um mein eigenes Seelenleben kümmere, desto weniger kann ich Anderen helfen, in ihrer Spiritualität zu wachsen. Desto weniger konnte ich für meinen Blog, oder meinen Hauskreis, oder meine Freundschaften, aus einer eigenen Quelle schöpfen, in der ich jeden Morgen neue lebendige Wasser finde. Desto mehr musste ich auf allgemeine Phrasen oder Vertröstungen zurückgreifen, oder altes, schon gesagtes, lange bewusstes wieder aufwärmen.
Das bedeutet, ich schreibe heute eigentlich für die unter euch, die andere Leute in ihrer Spiritualität anleiten (und weil ich weiß, das jeder für den Einen oder Anderen zum Vorbild werden kann, auch irgendwie an euch alle). Es geht hier bei nicht um Druck wie in: „Du musst jeden Morgen Bibel lesen, damit du ein guter Leiter bist.“ Nein.
Aber wenn du damit zu kämpfen hast, wie ich, dass du manchmal ausgießen sollst, obwohl du dich trocken fühlst,
wenn du deinen Dienst tust, ohne dass du den Sinn darin siehst,
wenn du anderer Leute Gedanken auf Jesus lenken willst, und deine Gedanken ganz woanders sind,
dann will ich dich ermutigen, zu prüfen, ob du dein eigenes Seelenleben vielleicht vernachlässigt hast. Ob der Dienst für dich zu einem Job geworden ist, und sich nicht mehr aus deiner Beziehung zu Jesus speist.
Weil das passieren kann.
Zeigen uns Martha und Maria,
und zeigt mir mein Leben.

Gut zu wissen, dass wir ständig zurückkommen können an die Quelle, die uns mehr als genügend geben will (Joh 4,10).

God Bless,

Restless Evangelical

Donnerstag, 18. September 2014

gelesen & geschätzt #9

Die Frage ist die neue Antwort

Rezension zu: Held Evans, Rachel, Evolving in Monkey Town. How a Girl who knew all the Answers learned to ask the Questions, Grand Rapids: Zondervan 2010

Die Bibel ist voll mit Komplementärwahrheiten.“, hat einer meiner Professoren zu mir gesagt. Und eine Zeit lang hat es mir sehr geholfen, zu verstehen, dass manche scheinbaren Widersprüche in der Bibel gar keine sind, sondern zwei Seiten der gleichen Medaille. Manchmal braucht es nur ein bisschen mehr Tiefenforschung, um einer nagenden Frage auf den Grund zu gehen.
Wenn das funktioniert, dann geht der Glaube gestärkt daraus hervor.
Aber was ist, wenn nicht?
Was ist, wenn sich auf manche Fragen gar keine Antwort geben lässt.
Was ist, wenn Glauben am Ende mehr mit Vertrauen zu tun hat, als mit wissen?
Rachel Held Evans ist in Dayton, Tennessee aufgewachsen, dem Ort, an dem sich im Jahr 1925 die berüchtigten Affen-Prozesse stattfanden. Und Rachel gehört nach allen Regeln der Kunst zu der evangelikalen Subkultur, die vielen noch allzu vertraut ist.
Wenn andere Leute Sesamstraße sehen, hört sie Vorträge von Ravi Zacharias.
Wenn andere Kinder hoffen, dass die Stunde bald um ist, streitet sie sich mit ihrem Biologielehrer über den Wahrheitsgehalt der Evolutionstheorie.
Rachel sagt von sich, dass sie das Mädchen war, das alle Antworten hatte, alles ganz genau wusste.
Bis sie irgendwann damit beginnt, Fragen zu stellen, auf die sie keine Antworten findet.
Mit dem Buch 'Evolving in Monkeytown' ist Rachel auf der großen Bühne des amerikanischen evangelikalen Buchmarkt erschienen; ihr Blog ist zu einer Art Zufluchtstätte geworden für alle solche Evangelikalen, die enttäuscht sind von der Religion ihrer Kindheit, aber nicht genug, um sie ganz aufzugeben.

Eine sehr erfrischende Erkenntnis.
Ich lese Rachels Blog schon seit einer ganzen Zeit unheimlich gerne. Vor allem ihre Art, sich selbst zu prüfen, und nicht einfach auf die Anderen zu schießen, ist mir sehr angenehm, und ihre Art, Fragen zu stellen, ist elegant.
In diesem Sinne ist auch dieses Buch ein Genuß, wenn man seinen eigenen Glauben herausfordern will. Rachels Durchbruch zu einer offeneren Spiritualität kommt, als sie ein grauenhaftes Video zu sehen bekommt, in dem eine junge Frau in einem islamistischen Staat hingerichtet wird, unfair und brutal. Und Rachel kommt der Gedanke, dass diese junge Frau nie eine Chance hatte, vom Evangelium zu hören, nur weil sie in einem anderen Land geboren wurde.
Ist das fair?
Ist das gerecht?
Es ist nicht so, dass Rachel keine Antwort darauf gefunden hätte, oder dass sie nicht auch viele Argumente im Kopf gehabt hat, die sie 'früher' auf eine solche Frage geantwortt hätte.
Aber an diesem Punkt in ihrer Biographie ist es nicht mehr länger eine intellektuelle Frage, die es zu beantworten gilt, wenn das Christentum weitehrin standhaft sein soll; an diesem Punkt ihres Lebens dringt die Frage durch bis zu ihrem Mitgefühl, und sie fragt sich die Frage wirklich.
Von diesem Punkt an beginnt für Rachel eine Reise, heraus aus der Sicherheit eines Niet-und-Nagel-festen Christentums, hin zu einem, in dem Fragen erlaubt ist, in dem man nicht nur Kopf, sondern auch Herz haben darf, eines, in dem der Glaube an Gott mehr zu Beziehung wird, und weniger etwas, was man lernen kann.
Ich fand diese Erkenntnis Rachels sehr erfrischend.
Es handelt sich, von meiner Perspektive aus, um einen Schritt in die richtige Richtung. Die Spannung zwischen verschiedenen Polen (Gottes Gerechtigkeit und seine Liebe, die Bibel als Gottes Wort und Menschenwort, Gott als drei und einer; usw.) sind elementare Bestandteile des Christentums. Die Kirchengeschichte ist nicht umsonst eine 2000-jährige Geschichte von Teilung und Versöhnung, von Irrungen, Wirrungen, Leben und Erleben. Gott war immer größer als unsere Systeme, und das ist, denke ich auch gut so. Eine gut gestellte Frage kann dazu führen, dass wir falsche, kulturelle Annahmen über den Haufen werfen und zu einer authentischeren Spiritualität kommen.

Eine etwas fragwürdige Priorisierung.
Meine Anfrage an dieses erste Buch von Rachel Held Evans ist wäre allerdings, ob sie nicht die Frage an sich zu sehr auf ein Podest stellt, dass ihr nicht zukommt. Es scheint mir eine Sache zu sein, anzuerkennen, dass wir nicht alles wissen. Eine ganze andere Sache ist es, die Frage der Antwort vorzuziehen.
Rachel schreibt an einer Stelle zum Beispiel: „Maybe God left us with all this discontinuity and conflict within scripture so that we would have to pick and choose for the right reasons.“ (S.194)
Mit dieser Aussage lässt sie den Leser mit der Frage zurück, was denn die richtigen Gründe sind. Was schlägt so sehr ins Gewicht, dass wir die eine Aussage der anderen bevorzugen sollen? Ab wann ist ein Grund der Richtige?
Die Antworten, die Rachel in den letzten Jahren auf ihrem Blog gegeben hat, schienen mir oft mehr mit der aktuellen Kultur zusammen zu hängen als mit einer gründlich durchdachten Hermeneutik.
Und das ist vielleicht dann das größte Problem. In allen spirituellen Dingen sind Fragen meistens nicht neutral gestellt. Sie haben immer einen größeren, tieferen Hintergedanken, und ihn auszusprechen scheint dem Fragenden entweder zu gefährlich oder so offensiv. Also versteckt er sich hinter der Frage als einer Art neutralen Grund. Wenn die Antwort positiv ausfällt, kann er immer noch sagen: „Siehst du, genau deswegen habe ich gefragt!“
Wenn die Antwort negativ ausfällt, kann er sagen: „Aber ich habe doch nur gefragt.“
Ich sage nicht, dass es keine ehrlichen, neugierigen Fragen gibt; und außerdem sage ich nicht, dass ich eine klare Aussage der Frage bevorzuge. Beide Dinge haben ihren Platz in einem ehrlichen Dialog über eine lebendige Spiritualität.
Deswegen denke ich, dass die Ehrlichkeit der Frage und Sicherheit bevorzugt werden sollte. Wenn Menschen ehrlich über ihre Fragen reden, kann man mit ihnen sich auf die Suche nach Antworten begeben. Wenn sie ehrlich ihre Überzeugungen präsentieren, kann man mit ihnen durch Fragen die Schwachstellen einer Überzeugung aufdecken.
An den meisten Stellen ist Rachels Buch von Ehrlichkeit geprägt, nicht von einer zu hohen Sicht auf die Frage an sich, weswegen ich es gerne empfehlen kann.
Nur, bedenken sollte man, auch sie gibt nur vorläufige Antworten, geprägt von ihrer Biographie. Vielleicht sollte man manche Aussagen in Frage stellen?

God Bless,
Restless Evangelical

--> 4 von 5 Sterne

Mittwoch, 17. September 2014

Häppchen-Weise #28

Bart Ehrman reflektiert darüber, wie es war, seinen Glauben aufzugeben, und analysiert ein faszinierendes Problem:

"[E]s ist etwas, das ich niemals als ein Problem betrachtet hatte, als ich noch an Gott geglaubt habe. Das Problem liegt darin: Ich habe so ein großartiges Leben, dass ich deswegen eine überwältigende Dankbarkeit fühle; ich fühle mich über alle grenzen beschenkt. Aber ich habe niemanden, gegenüber dem ich meinen Dank ausdrücken kann. Das ist ein Mangel tief in mir, ein Mangel, dass ich mir jemanden wünsche, dem ich danken kann; und ich sehe keine Möglichkeit, diesen Mangel zu stillen." (Ehrman, Bart, God's Problem. How the Bible fails to anwer our most important question: Why we suffer, New York: HarperCollins 2008. S.128)

Es hat mich irgendwie beeindruckt, dass Ehrman zu diesem Ergebnis kommt, es sogar als Problem betrachtet. Es klingt wie eine öffentliche Bekanntmachung, dass er selbst sein 'God-shaped hole' gefunden hat, aber seine Ausbildung und seine Weltanschauung ihm eine Mauer bauen, über die er nicht hinweg kann.
Vor allem musste ich daran denken, dass C.S. Lewis sagt, Freude wird erst dann vollkommen, wenn man sie jemandem anderen gegenüber ausdrücken kann, sie teilen kann.

God Bless,
Restless Evangelical

P.S. Das Originalzitat:

"[I]t's something that I never would have expected to be a problem when I was still a believer. The problem is this: I have such a fantastic live that I feel an overwhelming sense of gratitude for it; I am fortunate beyond words. But I don't have anyone to express my gratitude to. This is a void deep inside me, a void of wanting someone to thank, and I don't see any plausible way of filling it."

Dienstag, 16. September 2014

Davon die Alten sungen... (16.09.2014)


Paul Gerhard – Ich steh an deiner Krippen hier #3

[Du] suchst meiner Seele Herrlichkeit,
durch Elend und Armseligkeit,
das will ich dir nicht wehren.“

Fast zum Schluss des Liedes lenke ich meine Gedanken auf die Frage, wieso.
Wieso kann eine nagende Frage sein, wie jeder weiß, der einmal versucht hat, eine Debatte mit einem Kindergartenkind zu gewinnen. „Der Dumme kann mehr fragen stellen, als der Weise beantworten kann.“, sagt ein altes Sprichwort. Und eine Frage muss nicht an sich gut sein.
Und dennoch. Ich sehe das Kind in der Krippe an – ja, das ist Jesus! Weltenlenker! Friedefürst! - und stelle mir diese einfache, schlichte und simple Frage: Wieso eigentlich?
Brauchtest du uns, großer Gott?
Haben wir dich irgendwie 'in der Hand', weil sich dein Herz nach uns verzerrt, weil du nicht glücklich werden könntest?
Meine Gedanken gehen zu den Früchten, die dein Leben hier getragen hat, zu allem, was dem kleinen Kind in der Krippe noch bevorsteht. Du selbst wirst uns ja später lehren, dass wir die Früchte betrachten sollen, die ein Baum bringt. Und ich sehe an, welche Früchte dein Leben gebracht hat.
Und da sehe ich die unzählbare Schar von Heiligen, die sich vor deinem Thron versammeln, neu gemacht durch die Gerechtigkeit, die du schenkst, und anbetend vor dir stehen.
Ich sehe alle die Menschen, die verletzt wurden von Anderen und von sich selbst, und wie sie Ruhe und Frieden finden konnten in der Gewissheit, dass sie Ruhen dürfen (Heb 4,9f).
Man könnte es gute Frucht nennen, wenn man will.
Manchmal frage ich mich, was dieses Wort 'Herrlichkeit' eigentlich ausdrücken soll. Es ist ja das, worauf wir hoffen, was auch schon jetzt in unserem Leben Realität ist, in dessen Spannung wir irgendwie stehen.
Es ist schwer, hat und C.S. Lewis beigebracht.
Und ich denke daran, dass sie der Grund war, wieso du überhaupt gekommen bist; wieso du es nicht als 'Raub' betrachtet hast, Gott gleich zu sein, sondern Arm wurdest, „Elend und Armseligkeit“ erleben musstest, durftest, hast, und hier liegst, klein und wehrlos und der Befehlsheer der himmlischen Armeen.
Es ist diese Spannung, ich die mich die Frage 'Wieso' führt.
Du brauchst mich nicht.
Und dennoch: Du wolltest mich.
Du hast keine Notwendigkeit, uns die Herrlichkeit zurückzugeben, die wir verloren haben (Röm 3,23)
Und dennoch: Du wolltest sie uns wieder geben.
Dein Wille verwirrt mich soweit, dass ich mit erhobenen Händen vor dir stehe – ein Zeichen der Aufgabe, keine Antenne für deine Schwingungen. Ich gebe auf, verstehen zu wollen, wieso du gekommen bist, einen Grund dafür in mir zu suchen, und gebe mich hin an den Gedanken, dass es die reine und unbefleckte Gnade ist, die deine Taten motiviert.
Du wolltest mich zurückführen in die Herrlichkeit, die ich verloren hatte,
deswegen hast du dich „Elend und Armseligkeit“ hingegeben, die mein waren, und hast sie dir zu eigen gemacht, damit ich deine Herrlichkeit besitzen darf.
Was für ein Gott.

God Bless,
Restless Evangelical

P.S. Für euren Terminplan, in den nächsten Monaten sind folgende Lieder dran:

September '14: Ich steh an deiner Krippen hier – Paul Gerhard
Oktober '14: Gott rufet noch, sollt ich nicht endlich – Gerhard Tersteegen
November '14: Der du bist, drei in Einigkeit – Martin Luther
Dezember '14: Es kennt der Herr die seinen – Philipp Spitta
Januar '15: Lobet den Herren, alle die ihn ehren – Paul Gerhard
Februar '15: Aus tiefster Not schrei ich zu dir – Martin Luther
März '15: Ich und mein Haus wir sind bereit – Philipp Spitta
April '15: Oh Haupt voll Blut und Wunden – Paul Gerhard
Mai '15: Gott, du bist Licht und wohnst in Licht – Gerhard Tersteegen
Juni '15: Nun freut euch hier und überall – Paul Gerhard
Juli '15: Nun so will ich denn mein Leben – Gerhard Tersteegen
August '15: Erhalt uns Herr bei deinem Wort – Martin Luther

September '15: Wie soll ich dich empfangen? – Paul Gerhard

Montag, 15. September 2014

Häppchen-Weise #27

James MacDonald ist davon überzeugt, dass Gemeinden tun können, was sie wollen – das richtige Programm haben, das richtige Bekenntnis, einen starken Prediger oder eine gefühlvolle Liturgie – und trotzdem an ihrem Auftrag vorbeigehen, wenn es nicht die Herrlichkeit Gottes ist, die sie vermitteln:

Das Problem ist, dass du die Herrlichkeit nicht schauspielen kannst. Du kannst sie nicht herrstellen, oder manipulieren, oder sie hervorbringen, wenn du es gerade willst. Nur Gott selbst kann seine Herrlichkeit in eine Kirche bringen, und wenn er das tut, werden Gemeinschaften erschüttert, und Leben verändert, und der Ruhm von Jesu Namen spült immer wieder an die Küste wie eine perfekte Welle am Strand von Hawaii.“ (MacDonald, James, Vertical Church, Colorado Springs: David C. Cook 2012, S.21; deutsch durch mich)

Wenn das aber stimmt, und ich denke, dass es stimmt, bräuchten wir einen anderen Maßstab, um Herrlichkeit 'zu messen' als unsere Gefühle und/oder die richtigen Sätze, die gesagt werden.
Wenn wir als Gemeinden eine Begegnung mit der Herrlichkeit Gottes vermitteln wollen,
was ist dann Herrlichkeit?
Oder besser:
Wie unterscheiden wir Herrlichkeit,
und menschliches Machwerk?

God Bless,
Restless Evangelical

P.S. Das Originalzitat: „The Problem is you can't fake glory. You can't manufacture it, or manipulate it, or manifest it at will. Only God Himself can bring glory into a church, and when he does, communities get shaken and lives get changed, and the fame of Jesus Christ curls continuously upon the shore of human hearts like a Hawaii 5-0 wave.“ S.21


P.P.S. Ich bin noch nie gesurft, und ich habe keine Ahnung, was eine Hawaii 5-0 Welle ist; ich habe es mal so verstanden, dass es eine perfekte Welle zum surfen ist. Wenn ich mich da irre, dürft ihr mich gerne verbessern. :-)

Sonntag, 14. September 2014

Vier Plus 1 am Sonntag – 14.09.2014


A. Wenn Adrain Warnock ein neues Buch schreibt, und Ann Voskamp in ihrer unvergleichlichen Art es uns 'demütig' empfiehlt, wer kann dann nicht zuschlagen? Eine kurze Reflektion darüber, dass „we don't get over the gospel but rather spend a lifetime allowing God to fill the gospel into us.“

B. Ihr lest ja sowieso alle Rachel Held Evans' Blog. Vor einigen Tagen hat Ed Cyzweski (fragt mich nicht, wie man den Namen ausspricht) einen bemerkenswerten Gastbeitrag geschrieben, und betrachtet die Frage, ob wie 'Zweifellos' sein müssen, um uns Gott zu nähern. Was ist, wenn Gott selbst Teil unserer Geschichte und unseres Ringens mit Glauben wird? Prädikat: Besonders lesenswert.

C. Wolfhart Pannenberg, jahrzehntelang Systematischer Theologe in München, ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Fred Sanders blickt auf Wolfharts Lebenswerk zurück, und tut dies aus einer evangelikalen Perspektive. (Und auch wenn das gegen die Regel von „4 Plus 1“ verstößt, gibt es auf Theoblogy auch einen Nachruf, eher aus einer 'liberalen' Position heraus – tendenziell [wie bei TJ zu erwarten] Prozess-Theologisch.)

D. D.L. Moody hatte einen großen Einfluss auf meine Spiritualität. Als ich meinen Kindle gekauft habe, waren einige seiner Schriften die Ersten, die ich gedownloaded habe und gelesen. Seitdem merke ich, wie immer wieder Gedanken und Sätze von ihm mich prägen und meine Gedanken einnehmen. Ein Mann, der selbst so wenig Bildung genossen hatte, und sich deswegen bewusst war, wie wichtig Bildung ist – auch gerade für zukünftige Leiter in der Kirche. Wie Trevin Wax im Gespräch mit Kevin Belmonte aufzeigt, hat Moody nicht nur mich geprägt.


Und noch einen zum Schluss: Wenn Kinder auf einmal mit uralter Technologie konfrontiert sind, dann kann das zu ziemlich lustigen Situationen führen. :-)