Freitag, 19. September 2014

Das Bessere erwählt.

Die Grundlage, um anderen geistlich zu dienen.

Menschen geistlich anzuleiten, ihnen zu helfen, eine eigene und gesunde Spiritualität zu entwickeln, auch Gott besser und besser zu verstehen, auf der Reise Richtung Herrlichkeit jeden Schritt zu feiern, ist ein Vorrecht. Da gibt es eigentlich nichts dran zu rütteln; es ist nicht nur Leidenschaft, es ist ein Vorrecht, weil es damit zu tun hat, Gott bei der Arbeit zuzusehen.
Es kann aber auch sehr schnell zum Job werden.
Vor allem kann es sehr schnell zu etwas werden, was man eben macht, weil es von einem erwartet wird. Die Leute stellen dir eben Fragen – das haben sie schon lange so gemacht, das werden sie auch weiterhin tun – also solltest du eine gute, schön formulierte Antwort dafür haben. Du wirst eben den geistlichen Impuls auf der Freizeit weitergeben – immerhin bist du Theologe und bei dir ist das ja anders als bei den 'normalen' Christen.
Nicht nur, dass man sich selbst diese Dinge gerne sagt, oder zumindest unbewusst diese Dinge mitschwingen,
es sind auch immer wieder Annahmen, die stillschweigend oder offen ausgesprochen zwischen Gemeinde und Leitung, zwischen Hauskreis und Leiter, zwischen Freunden herrschen.
Und als Blogger ist es nicht einfacher. Besonders, wenn man sich – wie ich momentan – vorgenommen hat, regelmäßig Gedanken aufzuschreiben. Die eigene Messlatte liegt weit oben. „Von Intellektuellen erwartete man, dass sie Ideen haben.“, habe ich vor kurzem gelesen. Man könnte sagen: Von Theologen erwartet man, dass sie geistliche Ideen haben.
Also stelle ich mir die Frage, nicht erst seit kurzem, was die Voraussetzung ist, bei diesem Job nicht selbst auch geistlich auszutrocknen. Wie verhindere ich, dass ich am Ende eh immer nur das Gleiche sage? Dass mein Dienst mir nicht zum Job wird?
Wie, anders ausgedrückt, kann ich andere Menschen geistlich anleiten, ohne selbst auf der Strecke zu bleiben?

Was ich von Martha und Maria gelernt habe
Das ist der Punkt, an dem ich vor kurzem die Geschichte von Martha und Maria mit ganz neuen Augen betrachtet habe (Luk 10,38ff).
In der Geschichte kommt Jesus zu seiner Nachfolgerin Martha, und sie müht sich ab, ihm zu dienen und eine gute Gastgeberin zu sein, während ihre Schwester zu Jesu Füßen sitzt und „das Bessere gewählt“ hat (V42; NeÜ).
Und bis vor Kurzem hatte ich so meine Probleme mit der Stelle, weil es mir immer so schien, dass sie gegen den Dienst an sich sprechen würde. Es schien mir so egoistisch zu sein, wie ich diese Stelle verstanden habe. „Zuerst sollte ich mich um meine Bedürfnisse kümmern, dann kann vielleicht auch ein wenig Zeit für andere herausspringen.“
Was sich nicht nach 'Nehmt euer Kreuz auf euch und geht los.' klingt.
Oder nach 'Ein Jeder achte den Anderen höher als sich selbst'.
Was soll ich also damit machen?
Soll ich aufhören, anderen Leuten auch geistlich zu helfen, solange meine eigenen Bedürfnisse nach Sicherheit, nach Annahme oder Beziehung nicht gestillt sind?
Nun, als ich vor einigen Tagen die Stelle noch einmal betrachtet habe, ist mir aufgefallen, dass das Problem von Martha eigentlich nicht darin liegt, dass sie den anderen dient, sondern wie sie es tut.
Jesus sagt zu ihr: „Martha, du bist beunruhigt und machst dir Sorgen um so viele Dinge.“ (V41; NeÜ)
In anderen Worten: Du hast deinen Kopf überall, nur nicht bei mir.
Du tust den Dienst, weil du denkst, dass du ihn tun musst, nicht weil du ihn als eine Möglichkeit siehst, mir zu dienen.
Eher noch machst du ihn mit Hintergedanken: Wenn ich das mache, dann wird mich diese Person – oder sogar Jesus selbst – mehr wertschätzen als das Mauerblümchen, dass einfach zu seinen Füßen sitzt.
An anderen Stellen in die Bibel wenig zimperlich, wenn es um Müßiggang oder Faulheit geht. Aber das war nicht Marias Interesse, als sie zu den Füßen Jesu saß. Nicht das 'Sein-lassen' des Dienstes an sich hat sie erwählt, sondern das ganz ausgerichtet sein auf Jesus, das Verständnis, dass von äußerster Wichtigkeit nicht ist, dass sie etwas tut, sondern dass sie in Beziehung steht zu dem der alles getan hat (oder, chronologisch in der Bibel an dieser Stelle: Alles getan haben wird – wunderbares Futur II).

Und wie ist das mit mir?
Als ich zu diesem Punkt in der Geschichte kam, als mir der wirkliche Fehler von Martha klar wurde – oder was 'das Bessere' war, das Maria erwählt hat – da ist mir vor allem eines klar geworden. Solange ich mein eigenes geistliches Leben vernachlässige, kann ich anderen Menschen auch nicht geistlich anleiten, oder ihnen dienen.
Ich hätte lange Zeit gesagt, dass ich deswegen jeden Morgen eine Zeit mit Jesus verbringe, weil es meiner Seele gut tut. Was ja auch stimmt auf eine Weise.
Und an den Tagen, an denen ich 'keine Lust auf Jesus' habe, da mache ich sie, weil ich weiß, dass ich mich selbst – meinen Körper oder meine Seele – manchmal zu dem Guten zwingen muss.
Aber das allein hat mir als Motivation nicht gereicht.
Weil mir auch ganz andere Dinge manchmal gut tun.
Aber ich habe auch gemerkt, dass ich, je weniger ich mich um mein eigenes Seelenleben kümmere, desto weniger kann ich Anderen helfen, in ihrer Spiritualität zu wachsen. Desto weniger konnte ich für meinen Blog, oder meinen Hauskreis, oder meine Freundschaften, aus einer eigenen Quelle schöpfen, in der ich jeden Morgen neue lebendige Wasser finde. Desto mehr musste ich auf allgemeine Phrasen oder Vertröstungen zurückgreifen, oder altes, schon gesagtes, lange bewusstes wieder aufwärmen.
Das bedeutet, ich schreibe heute eigentlich für die unter euch, die andere Leute in ihrer Spiritualität anleiten (und weil ich weiß, das jeder für den Einen oder Anderen zum Vorbild werden kann, auch irgendwie an euch alle). Es geht hier bei nicht um Druck wie in: „Du musst jeden Morgen Bibel lesen, damit du ein guter Leiter bist.“ Nein.
Aber wenn du damit zu kämpfen hast, wie ich, dass du manchmal ausgießen sollst, obwohl du dich trocken fühlst,
wenn du deinen Dienst tust, ohne dass du den Sinn darin siehst,
wenn du anderer Leute Gedanken auf Jesus lenken willst, und deine Gedanken ganz woanders sind,
dann will ich dich ermutigen, zu prüfen, ob du dein eigenes Seelenleben vielleicht vernachlässigt hast. Ob der Dienst für dich zu einem Job geworden ist, und sich nicht mehr aus deiner Beziehung zu Jesus speist.
Weil das passieren kann.
Zeigen uns Martha und Maria,
und zeigt mir mein Leben.

Gut zu wissen, dass wir ständig zurückkommen können an die Quelle, die uns mehr als genügend geben will (Joh 4,10).

God Bless,

Restless Evangelical

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