Dienstag, 2. September 2014

Davon die Alten sungen... (02.09.2014)

Paul Gerhard – Ich steh an deiner Krippen hier #1

Vorbemerkung: Ich habe in meiner Zeit mit Jesus am Morgen immer wieder gemerkt, dass mir die alten Kirchenlieder (und mit 'alt' meine ich – Reformationszeit, lutherische Orthodoxie, höchstens Pietismus) immer wieder helfen, in eine tiefe Gebetszeit einzusteigen. Das persönliche, meditative Singen der Texte hilft mir sehr, meinen Sinn auf Jesus auszurichten und die tiefen Fragen zu bewegen, die der Bibeltext in mir aufgewirbelt hat.
Deswegen habe ich mir ab September vorgenommen, jeden Monat mir ein anderes Kirchenlied auszuwählen und es in meiner Stillen Zeit zu singen und zu bewegen.
In dieser neuen Rubrik „Davon die Alten sungen...“ (was eine Zeile aus dem Weihnachtslied 'Es ist ein Ros entsprungen' ist) möchte ich mit euch Textteile aus den Liedern teilen, die mich bewegt haben, oder mich getroffen haben, oder mir neu deutlich geworden sind. Ich werde versuchen, den kurzen Reflexionstext danach auf eine Seite zu beschränken, um eure Zeit nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen.
Davon die Alten sungen...“ wird immer Dienstags erscheinen.
September 2014 ist: „Ich steh' an deiner Krippen hier“ von Paul Gerhard dran.

„Oh dass doch so ein lieber Stern
soll in der Krippe liegen!
Für edle Kinder großer Herrn
gehören güldne Wiegen.“ (Strophe 10)

In der zehnten Strophe singe ich davon, wie ich an die Krippe trete, in der der König der Welt liegt; ein kleines Kind geworden, abhängig von seinen Eltern für Speiß und Trank, für Sicherheit und Geborgenheit und Wärme, hält es trotzdem die ganze Welt in seinen Händen, auch wenn die Windeln voll sind, und es schreit, und sich noch nicht zu artikulieren weiß.
Darin liegt ein tiefer Schatz: „Er, das Wort, wurde Mensch und lebte unter uns.“ (Joh 1,14; NeÜ), oder nicht? Wir singen zur Weihnachtszeit davon, und es ist wunderschön und so beschaulich.
Dabei, wenn ich darüber nachdenke, ist es fast blasphemisch.
Ich schreibe darüber, dass der Herr der ganzen Schöpfung in einer schmutzigen Krippe liegt, und dass er Hunger hat, und Durst hat, und dass er seine Windeln nicht mit Blumen füllt. Ich rede von Gott – und ich rede gleichzeitig von Profanität in seiner deutlichsten Ausformung.
Gott ergibt sich selbst dem Profanen.
Heute morgen hat sie mich so sehr getroffen, diese Wahrheit, von dem Gott der nicht aufgibt, der uns nicht aufgibt, auch wenn wir alles – selbst ihn, den König der Herrlichkeit – ins Profane ziehen, die wir niemals immer nur Gutes tun können, sondern uns selbst, einander und die ganze Schöpfung verletzten, weil wir uns um uns selbst drehen: dieser Gott, an den ich glaube, der sagt: Dann gebe ich mich eben dem Profanen hin, dann werde ich es selbst, das Profane, um aus der Asche, die die Menschen aus sich selbst gemacht haben, als sich sich selbst und sich gegenseitig in der heißen Glut ihres ungerechten Zorns verbrannt haben, Schönheit und Herrlichkeit entstehen zu lassen.
Wie ein Phönix. Aus der Asche.
Ich trete an die Krippe, ich sehe das Kind und die Windeln, den Schmutz und höre im Geiste auch die Esel blöcken und die Ochsen brüllen, ich höre Maria seufzen, weil die Geburt schwer war, und ich höre Josef, der in den Taschen kramt, weil er seiner Frau Erleichterung schaffen will, wenn er auch nicht recht weiß, wie.
Und ich sehe nicht in erster Linie eine idyllische Winderlandschaft, in die dieses „traute, hochheilige Paar“ gehört, das da „einsam wacht“, sondern ich sehe Luthers fröhlichen Wechsel.
Ich erkenne, dass Gott, der spricht und es geschieht, sich selbst zur Profanität gemacht hat – zu unserer schmutzigen, stinkenden Profanität – weil er liebt, und weil er nicht aufgegeben hat, nie, damit wir seine Herrlichkeit erben dürfen, und damit wir hoffen können,
und damit wir Leben haben, und das in Fülle (Joh 10,10)
Er, Gott, wird zu dem, was wir sind,
damit wir, Sünder, Menschen, zu dem werden können, was er ist.
Was für ein Gott!

God Bless,
Restless Evangelical

P.S. Für euren Terminplan, in den nächsten Monaten sind folgende Lieder dran:

September '14: Ich steh an deiner Krippen hier – Paul Gerhard
Oktober '14: Gott rufet noch, sollt ich nicht endlich – Gerhard Tersteegen
November '14: Der du bist, drei in Einigkeit – Martin Luther
Dezember '14: Es kennt der Herr die seinen – Philipp Spitta
Januar '15: Lobet den Herren, alle die ihn ehren – Paul Gerhard
Februar '15: Aus tiefster Not schrei ich zu dir – Martin Luther
März '15: Ich und mein Haus wir sind bereit – Philipp Spitta
April '15: Oh Haupt voll Blut und Wunden – Paul Gerhard
Mai '15: Gott, du bist Licht und wohnst in Licht – Gerhard Tersteegen
Juni '15: Nun freut euch hier und überall – Paul Gerhard
Juli '15: Nun so will ich denn mein Leben – Gerhard Tersteegen
August '15: Erhalt uns Herr bei deinem Wort – Martin Luther

September '15: Wie soll ich dich empfangen? – Paul Gerhard

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