Dienstag, 9. September 2014

Davon die Alten sungen... (09.09.2014)


Paul Gerhard – Ich steh an deiner Krippen hier #2

Ich komme bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin es ist mein Geist und Sinn
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin.“

In der ersten Strophe trete ich als einer der Weisen aus dem Morgenland an die Krippe – oder auch als einer der Hirten. Ich betrachte das Geschenk des Himmels, „this gift of love, and righteousness, scorned by the ones he came to save“ und bleibe andächtig stehen, weil schon im Moment, in dem meine Augen auf das Kind fallen, mir bewusst wird, dass in dieser Krippe „Gott mit uns“ liegt, und genau das verwirklicht ist.
Ich erinnere mich an die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden, in denen ich die Gottesferne ganz hautnah gespürt habe.
Und erinnere mich auch daran, dass mir meine eigene Ferne von Gott nur deswegen bewusst werden konnte, weil ich einmal nah war, weil ich einmal geschmeckt hatte, gesehen und gehört, überwältigt worden war von der Gegenwart dieses Gottes. Deswegen weiß ich, wie großartig und alles überschattend diese Botschaft von „Gott mit uns“ ist.
Ich sehe das Kind in der Krippe an, und ich erkenne in ihm ein Geschenk der Ewigkeit.
Es dauert keinen weiteren Moment, bis in mir klar wird, dass ich keine adäquate Reaktion auf dieses Geschenk weiß. Wie gebe ich zurück, wenn ich mehr bekommen habe, als die Welt zu halten vermag?
Also gebe ich hin, was ich habe – alles was sich in meinem Besitz befindet – Geist, Sinn, Herz, Seele und meinen Mut. Ich lege alles vor dem Kind hin, weil ich mir schmerzlich bewusst werde, dass ich ohne diese Geschenk die Gegenwart Gottes nicht einen Moment schmecken und erleben dürfte, nichts von ihm gewusst hätte, und wo wäre ich dann, heute, hängend in den Seilen wie eine verstaubte und vergessene Marionette.
Aber dieses Kind, das in der Krippe liegt und schreit, hat mir den Lebensatem eingehaucht, ist gekommen, weil ich nicht zu ihm kommen konnte, hat den Weg bereit gemacht, obwohl ich ihn doch hätte erwarten sollen.
Dann ist es mir, als würde ich ein leichtes Kopfschütteln des Kindes bemerken.
Ich gebe alles hin, und bemerke: Alles, was ich geben kann, ist mir von ihm gegeben. Alles, was ich hier vor ihm hinlege, kann mir keinen einzelnen Moment seiner Liebe und Gnade erkaufen, weil es ihm gehört, egal wie viel ich daraus gemacht habe. Am Anfang war das, was er mir gegeben hat, und am Ende steht nur das, was ihm gehört.
Ich lasse meine Gaben an der Krippe fallen, in Erstaunen darüber, wer dieses Kind ist, in der Krippe, bedürftig der Nähe und Nahrung seiner Mutter, der Wärme seines (Adoptiv-)Vaters und der Gegenwart seines Vaters im Himmel. Meine Gaben fallen zu Boden, ich kümmere mich nicht darum, dass sie zerspringen könnten.
Hier, vor dieser Krippe, wird mir bewusst, wie unglaublich leer ich bin, wie wenig ich diesem Kind zu bringen komme. Dabei lache ich trocken auf, weil ich mir der Sinnlosigkeit bewusst werde, dass ich mir die Liebe und Gnade dieses Kindes erkaufen wollte; weil ich den Schöpfer und Erhalter des ganzen Universums mit meinen kleinen Gaben beeindrucken wollte. Es ist, als wäre ich zu Dagobert Duck gekommen, hätte ihm meine 30 Kreuzer gezeigt, die ich gespart habe, und erwartete, dass er beeindruckt ist.
Dann merke ich, wie der Vater leise zu mir Flüstert:
„Jetzt bist du wirklich an dem Punkt, wo ich dich füllen kann. Jetzt weißt du, dass du nichts bringen kannst, jetzt lass mich bringen.“
Was für ein Gott!

God Bless,
Restless Evangelical

P.S. Für euren Terminplan, in den nächsten Monaten sind folgende Lieder dran:

September '14: Ich steh an deiner Krippen hier – Paul Gerhard
Oktober '14: Gott rufet noch, sollt ich nicht endlich – Gerhard Tersteegen
November '14: Der du bist, drei in Einigkeit – Martin Luther
Dezember '14: Es kennt der Herr die seinen – Philipp Spitta
Januar '15: Lobet den Herren, alle die ihn ehren – Paul Gerhard
Februar '15: Aus tiefster Not schrei ich zu dir – Martin Luther
März '15: Ich und mein Haus wir sind bereit – Philipp Spitta
April '15: Oh Haupt voll Blut und Wunden – Paul Gerhard
Mai '15: Gott, du bist Licht und wohnst in Licht – Gerhard Tersteegen
Juni '15: Nun freut euch hier und überall – Paul Gerhard
Juli '15: Nun so will ich denn mein Leben – Gerhard Tersteegen
August '15: Erhalt uns Herr bei deinem Wort – Martin Luther

September '15: Wie soll ich dich empfangen? – Paul Gerhard

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