Dienstag, 23. September 2014

Davon die Alten sungen... (23.09.2014)

Paul Gerhard – Ich steh an deiner Krippen hier #4

Ich sehe dich mit Freuden an,
und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann,
bleib' in anbetend stehen.
Oh dass mein Sinn ein Abgrund wär',
und meine Seel' ein weites Meer,
dass ich dich möge fassen.“

An der Krippe stehend denke ich über die Größe eines Gottes nach, der sich selbst zum Sklaven macht, Teil der sündigen Welt wird, die er zu erlösen und neuzuschaffen gedenkt, und versuche, zu verstehen, wie dieser Gott ist.
Ja, ich kenne seinen Namen – er ist Jahwe, Bundesgott, Jesus, Erlöser, Heiliger Geist, Tröster.
Ja, ich kenne einige seiner Charakterzüge – er ist Liebe, er ist Gnade, er ist Heiligkeit und er ist Gerechtigkeit.
Ja, ich weiß auch, was er kann – alles, und er weiß alles und in allem und durch alles hat er alles auf sich hin geschaffen.
Nur, fassen kann ich ihn nicht wirklich. Es sind Worte die ich ausspreche, und die ich gelernt habe, die ich mit einem Gedankenkonstrukt füllen kann. Aber wie könnte mein Verstand, der gelernt hat, alles auf seinen kleinsten Nenner zu reduzieren, der darin geschult ist, die Grenzen von Allem auszuloten, um es fassbar und mir dingbar zu machen, wie kann ich etwas Unendliches, wie kann ich etwas von dieser Schönheit und dieser Eleganz fassen?
Wenn ich nur versuche, die Gnade zu begreifen, die es mir möglich macht, ohne Angst und Schrecken in die Gegenwart absoluter Schönheit, absoluter Gerechtigkeit – sag: Heiligkeit – zu treten (Heb 10,22), beginnt sich mein Kopf zu drehen.
Nirgendwo sonst habe ich eine Gnade wie diese erkennen können.
In diesem Moment wünsche ich mir nichts mehr, als ein großes Gefäß zu sein, in das diese Erkenntnis gefüllt werden kann, mehr und mehr davon, bis es überläuft. Ich erkennen, und sage das besonders mit der Profession der Theologie, die meine Leidenschaft ist und mir viel Freude bringt, dass die Erkenntnis Gottes nichts ist, was ich aktiv betreiben kann. Ich kann mir nicht vornehmen, heute Gott zu erkennen; ich kann nur passiv dastehen, und erkennen dürfen, wie ich erkannt worden bin.
Und diese Erkenntnis, mehr und mehr vom Unendlichen zu begreifen, leitet mich in die Anbetung, dieses ehrfürchtige Staunen vor einer Gnade und einer Gerechtigkeit, die so weit über meinen Kopf hinausgeht, und dennoch versucht, sich mir zu zeigen und sich mir zu offenbaren. Gleichzeitig kommt die Erkenntnis aus der Anbetung. Nirgendwo sonst, als an dem Ort, wo ich nichts weiter kann als anzubeten, erkenne ich Gott wirklich.
Blaise Pascal hat gebetet: „Nicht der Gott der Mathematiker und Philosophen, sondern der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.“
Ein Gott der Beziehung. Ein Gott, der sich offenbart in dem Moment, in dem er mit uns und mit der Schöpfung in Beziehung tritt, nicht abseits davon, nicht unabhängig davon, sondern gerade dadurch, ohne davon abhängig zu sein.
Ein Gott, zu groß für meine Vorstellung und meinen Verstand,
der sich zeigt in einem Kind in einer Krippe,
in einem gekreuzigten Mann,
in einem auferstandenen Sieger.

Was für ein Gott.

God Bless,
Restless Evangelical

P.S. Für euren Terminplan, in den nächsten Monaten sind folgende Lieder dran:

September '14: Ich steh an deiner Krippen hier – Paul Gerhard
Oktober '14: Gott rufet noch, sollt ich nicht endlich – Gerhard Tersteegen
November '14: Der du bist, drei in Einigkeit – Martin Luther
Dezember '14: Es kennt der Herr die seinen – Philipp Spitta
Januar '15: Lobet den Herren, alle die ihn ehren – Paul Gerhard
Februar '15: Aus tiefster Not schrei ich zu dir – Martin Luther
März '15: Ich und mein Haus wir sind bereit – Philipp Spitta
April '15: Oh Haupt voll Blut und Wunden – Paul Gerhard
Mai '15: Gott, du bist Licht und wohnst in Licht – Gerhard Tersteegen
Juni '15: Nun freut euch hier und überall – Paul Gerhard
Juli '15: Nun so will ich denn mein Leben – Gerhard Tersteegen
August '15: Erhalt uns Herr bei deinem Wort – Martin Luther
September '15: Wie soll ich dich empfangen? – Paul Gerhard


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