Dienstag, 30. September 2014

Davon die Alten sungen... (30.09.2014)


Paul Gerhard – Ich steh an deiner Krippen hier #5

Eins aber hoff' ich wirst du mir,
mein Heiland nicht versagen:
daß ich dich möge für und für
in an und bei mir tragen.
So laß mich doch dein Kripplein sein,
komm, komm und lege bei mir ein,
dich und all deine Freuden.“

In der letzten Strophe denke ich noch einmal darüber nach, dass dieses Kind in der Krippe liegt, das nicht nur die Hände geschaffen hat, die diese Krippe gefertigt haben, sondern auch das Holz hat atmen lassen, die Blätter hat blühen lassen, sogar schon die Samen angelegt hat, aus denen später der Baum werden würde, der das Holz für diese Krippe spenden würde. „Was für ein Gott.“, flüstere ich, in Staunen und Ehrfurcht, weil ich es nicht begreife, aber auch nicht begreifen muss.
Nur staunend kommen und empfangen.
Es ist das Bewusstsein, dass sich Gott selbst erniedrigt, die mich staunen lässt.
Und was könnte niedriger sein als diese Krippe.
Er wird daraus wieder erwachsen, wird einen Weg gehen, auf dem ihm erst alle zujubeln, wo sie ihm Palmenzweige auf den Weg legen und wo er von allen geliebt werden wird; einmal werden die Menschen die ganze Nacht hindurch laufen, nur um ihn zu sehen.
Und um später, nicht viel später, zu rufen: „Kreuzige ihn! Bringt ihn um, den Volksverführer und Aufständischen!“
Mir kommt der Gedanke, dass er in meinem Herzen Platz nimmt, dass er in mir wohnen möchte, mich von innen heraus verändern will. Ich schaudere bei dem Gedanken, dass er dort in mir ist und sich mit all dem herumschlagen muss, das ich oft in mir verberge und was ich gar nicht herauszulassen dem Mut aufbringen kann.
Ein Kampfgebiet, zwischen 'Schon Jetzt' und 'Noch nicht' und er hält die Stellung.
Ich weiß, dass ich schon jetzt gereinigt wurde, dass ich schon jetzt den neuen Menschen angezogen habe und mich als Gerechtfertigter betrachten darf, weil ich durch Jesus diese Stellung vor Gott geschenkt bekommen habe.
Und gleichzeitig ist es noch nicht so weit; in mir ist weiterhin etwas anderes am Werk, sodass ich „das Gute will, aber das Schlechte tue“ (vgl. Röm 7,19).
Und in einigen stillen Momenten, wo mir das bewusst wird, rufe ich aus: „Gibt es denn niemanden, der mich aus dieser tödlichen Verstrickung befreit? Doch! Und dafür danke ich Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ (Röm 7,24f; NeÜ)
Und das „Doch!“ ist ein Befreiungsschlag für mich. Wenn dieser Weltenlenker in eine Krippe kommt, um die ganze Schöpfung zu befreien, die stöhnt und ächzt und sich danach sehnt, befreit zu werden (Röm 8,21f), und wenn er mich schon befreit hat, auch wenn ich oft den Eindruck habe, dass ich diesem Anspruch hinterherhinke, dann kann er auch in mir Platz nehmen, mich in Beschlag nehmen, und mich befreien aus einem Kreislauf, der mich immer mehr nach unten ziehen würde.
Er legt sich in mich ein, sagt der Liederdichter, und mit ihm kommen alle seine Freuden.
Mit ihm kommt das Bewusstsein von Hoffnung, die größer und verschwenderischer ist als alles, was ich mir in meinen kühnsten Träumen habe ausmalen können und ich merke tief in mir, dass es etwas ist, was ich brauche. Dass ich ohne Hoffnung keinen Sinn sehen würde; dass mich Hoffnung erst wirklich menschlich werden lässt.
Freude nimmt für mich hier eine so viel tiefere Dimension an. In den kurzen Momenten, in denen ich diese Hoffnung in seiner gedanken-sprengenden Dimension sehen kann, wird Freude nicht mehr die kurzfristige Befriedigung meiner Wünsche, sondern die Versicherung meines Gefühls, dass hier irgendetwas nicht stimmt, das der Tod hier nicht hergehört, und dass wir für mehr geschaffen wurde. Dass etwas Neues auf uns wartet.
Und dass Jesus einmal wieder alles zusammensetzen wird.
Alles auf Anfang, und dieses Mal für immer.

God Bless,
Restless Evangelical.


P.S. Dieses war der letzte Artikel über „Ich steh an deiner Krippen hier“ von Paul Gerhard. Ab kommender Woche werden ich über „Gott rufet noch“ von Teerstegen schreiben.

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