Donnerstag, 11. September 2014

gelesen & geschätzt #8

Koffein-spirierte Leiterschaft
Rezension zu: Schultz, Howard, Onward. How Starbucks Fought for it's Life without Losing it's Soul, New York: Rodale Books 2011

Ich bin ein Kaffee-Trinker, und ein leidenschaftlicher, was das anbelangt. Als mir mein Kindle vor einiger Zeit anzeigte, dass der Gründer und ceo* der Starbucks Coffee Company ein Buch über Leiterschaft geschrieben hat, hat es mich keinen zweiten Gedanken gekostet, ob das Buch mich ansprechen würde.
Wir denken selten nach über das, was offensichtlich ist.
Howard Schultz erzählt in diesem Buch nicht nur die Geschichte von der Auferstehung Starbucks' aus den Ruinen der Weltwirtschaftskrise, die die Welt 2009 in ihre Klauen genommen hat, sondern auch, wie eine Firma nach aggressivem Wachstum zurückkehren musste zu ihren Wurzeln.

  1. Geschichte
Nur selten kehrt ein CEO auf seinen Posten zurück, wenn er ihn einmal verlassen hat. Steve Jobs mag als prominentes Beispiel herhalten; aber eine schnelle Google-Forschung verrät uns, dass es nicht nur ein seltenes Phänomen ist, sondern auch, in den meisten der wenigen Fällen, nicht mit Erfolg gekrönt ist.
Entsprechend verständlich ist es, dass Howard Schultzes Rückkehr auf eben diesen Posten im Jahr 2007 zu wilden Spekulationen aber auch Zynismus in der Medienlandschaft der USA geführt haben (jedenfalls nach seinen eigenen Schilderungen; vgl. S.70f; alle Seitenangaben beziehen sich auf die Kindle Edition).
Schultzes Buch ist ein faszinierendes Konglomerat verschiedenster Eindrücke und chronologischer Erzählungen, Fragmenten von Leiterschaftsweisheiten, liebevolle, prosaische Poesie über Kaffee und seinen Einfluss auf unser Leben, und Werbung für Starbucks.
Wer in dem Buch einen guten Job beim Schreiben geleistet hat – ob es Schultz selbst war oder einer seiner Assistenten, oder ein Redaktor bei Rodale Books – ist egal: Das Buch liest sich flüssig und begeisternd und für Kaffeeliebhaber wie Gemeindeleiter einer neuen Generation von Menschen, die auf der Suche nach einem 'dritten Ort' sind, ist das Buch definitiv eine Inspirationsquelle.

  1. Inspiration
Inspiration findet sich in dem Buch an verschiedensten Fronten.
a. Starbucks als Firma: Das Buch ist vollgestopft mit Beschreibungen, wie Starbucks als Firma begonnen hat und sich entwickelte. Wenn deutlich wird, dass auch soziologische Studien der Taktik (bzw. Vision) von Starbucks zu Grunde liegen, einen 'dritten Ort' zu schaffen, abseits von Heim und Arbeit, an dem man sich zwanglos und ungebunden treffen und austauschen kann, dann wird einem aufmerksamen Beobachter unserer Kultur deutlich, dass man auf etwas Bedeutendes gestoßen ist, besonders für die junge Generation im Westen. Doch der Erfolg von Starbucks in anderen kulturellen Umgebungen wie zB China (dieser Markt liegt besonders für die Zukunft am Herzen der Firma, vgl. Pos 5066ff**) macht deutlich, dass man es hier vielleicht auch mit einem menschlichen, nicht nur kulturellen Bedürfnis zu tun hat.
b. Kulturanalyse: Das Buch bietet viele Schnipsel von Kulturanalyse, die für Gemeindegründer interessant sein können; besser: als Ausgangspunkt verstanden werden können, in die es sich lohnen würde, weiterzudenken.
c. Schultzes Leitungsstil: Am Faszinierendsten allerdings ist an dem Buch die inspirierenden Ideen zu Leiterschaft, die Schultz in dem Buch, fragmentarisch oft, einfließen lässt.
Zwei kurze Beispiele:
Starbucks never set out to be cool. We set out to be relevant! [beachte diese Unterscheidung, besonders für emergente Gemeinden - MH] And few things were more necessary, than human connection, especially as the world was going through such upheaval and uncertainty.“ (S.159)
I do think effective leaders share two intertwined attributes: an unbridled level of confidence about where their organizations are headed, and the ability to bring people along.“ (S.260)

  1. Anwendung
Ich denke, dass dieses Buch eine Inspiration für jeden Leiter sein kann, der besonders die jetzt erwachsen-werdende Generation, die erste Nach-Mauer Generation, die erste Generation, die fast vollkommen in der Post-Moderne aufgewachsen ist, erreichen will. Die Einsichten von Schultz sind erfrischend, wenn auch nicht alle davon originell oder neu sind; vor allem aber spricht der Erfolg von Starbucks in dieser Generation Bände.
Vor allem aber sehe ich in diesem Buch eine hilfreiche Quelle für Gemeindeleiter, die nicht eine neue Gemeinde von der Pike auf gründen, sondern eine 'alte' Gemeinde übernehmen und für die Zukunft rüsten wollen. Als ceo im zweiten Term war ja genau das Schultzes Aufgabe oder Vision, als er Starbucks ein weiteres Mal übernommen hat.
In seinen Worten: „We had a delicate balance to strike. A balance between heritage and innovation. Between meaningful tradition and modern-day relevance.“ (S.72)

  1. Fazit
Während das Buch so angenehm zu lesen war wie eine Grande Latte mit Haselnusssirup und Sojamilch, hat mich die offensichtliche Werbung für die Starbucks Coffee Company manchmal etwas gestört, uneingeschränkte Liebe zu diesem Buch zu empfinden (deswegen auch nicht volle Punktzahl in 'Kurz') Aber wahrscheinlich ist das gar nicht anders zu erwarten und spricht auch für die Liebe des Gründers und ceo für seine Firma.
Inspirationell und aktuell, unterhaltsam und tiefgründig, ein Augenschmaus und ein Fest für die eigenen Gedankengänge ist dieses Buch eine unbedingte Empfehlung.
Fast so faszinierend und unergründlich wie das Produkt, das die Firma verkaufen will.

God Bless,
Restless Evangelical

--> 5/5 Sterne

* Bei Starbucks wurden Amtsbezeichungen von Anfang an in kleinen Buchstaben geschrieben.
** Dabei handelt es sich um eine Art Nachwort, die in der Kindle Edition nicht mehr in Seitennummern angezeigt wird, deswegen gebe ich hier die Position an. In einer gedruckten Version dürfte sich diese Angabe ca. auf Seite 320 befinden

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