Freitag, 5. September 2014

Und plötzlich: Gottes Gegenwart


Worin ich den Kern des Evangeliums sehe

Während ich mir in den letzten Tagen vermehrt Gedanken darüber mache, wie das Evangelium, diese große und gute und wichtige Botschaft, eigentlich zu definieren ist, komme ich immer mehr zu dem Punkt, dass einfacher wahrscheinlich am Besten ist.
Drei Worte kommen mir immer wieder in den Sinn, wenn ich darüber nachdenke, und mir fallen beim besten Willen keine besseren ein, um zu definieren, was die gute Nachricht ist.
Gott mit uns.
Ich meine: habe ihr euch das eigentlich schon einmal auf der Zunge zergehen lassen?
Es ist nicht einfach nur ein kleiner Satz, irgendwo auf dem Alten Testament herausgezogen und schön anzusehen auf Kaffeetassen, Wandkalendern, oder Postkarten.
Darin ist eine so unglaubliche Botschaft.
Immerhin reden wir von dem Gott, der Himmel und Erde ins die Existenz gerufen hat.
Immerhin reden wir von dem Gott, der sich Bücken musste, und eine Lupe brauchte, als die Menschen versucht haben, einen Turm zu bauen, der ihn beeindruckt (beides, sowohl in 1Mo 11, als auch in unserem Leben).
Immerhin reden wir hier von Gott.
Ich denke, dass dieser Satz den Inhalt des Evangeliums deswegen gut zusammenfasst, weil er gleichzeitig die dunkle Seite von Erlösung zeigt – wovon wir erlöst werden müssen – als auch die ungleich hellere Seite der Erlösung – wozu, zu welcher Hoffnung, wir erlöst werden.

Gott mit uns – braucht eine Veränderung.
Ich habe einmal darüber geschrieben, dass wenn Gott da ist, Gott da ist. Es war als eine hoffnungsvolle, erwartungs-getränkte Botschaft gemeint: Wartet, dass dieser Gott kommt, wieder da ist, wirklich in euer Leben tritt. Nichts ist größer, stärker, horizont-sprengender.
Und ich bin froh, dass es genau so bei vielen von euch angekommen ist.
Da ist nur eines: Die meisten von euch kennen Jesus (oder besser: sind von Jesus erkannt) und deswegen ist es eine hoffnungsvolle Botschaft.
Nicht wenige von euch haben mich damals darauf aufmerksam gemacht – ganz zu recht – dass die meisten Beispiele in der Bibel, wo ein Mensch wirklich in Gottes Gegenwart treten darf, nicht wirklich von fröhlichem Frohlocken geprägt sind (Jes 6 u.a.). Und in 2Mo 33,20 lesen wir sogar davon, dass ein Mensch sterben würde, wenn er wirklich in Gottes Gegenwart treten würde.
Doch wie kann es dann eine gute Nachricht sein, dass Gott da ist, wenn Gott da ist?
Weil zu den besten Nachrichten erst einmal eine dunkle Seite gehört.
Wenn ich an 'Gute Nachricht' denke und versuche, ein Beispiel dafür zu finden, das auch Anders-Glaubenden verständlich ist, denke ich immer an 'Lottogewinn'. Was komisch ist, weil ich sagen würde, dass Geld für mich gar keine besonders große Rolle spielt. Und tatsächlich fällt es mir auf den ersten Blick schwer, eine dunkle Seite an einem Lottogewinn zu sehen. Aber das liegt daran, dass ich das Geld eigentlich nicht wirklich brauche.
Und es liegt auch daran, dass das nicht wirklich eine der besten Nachrichten ist.
Ich rede eher davon, dass der Arzt ins Zimmer kommt, und sagt, dass dein Rückenmark krebsfrei ist – ja, du hast ihn besiegt.
Ich rede davon, dass das Telefon klingelt, und deine Tochter, die sich schon seit Jahren nicht gemeldet hat, ruft an, um zu fragen, ob sie nach Hause kommen darf.
Es ist eine Umarmung und ein zarter Kuss auf die Wange, nachdem du einen schlimmen Fehler begangen hast, und das gehauchte: „Ich vergebe dir.“
Es ist das 'Klock, Klock, Klock' der Steine, die Stück für Stück zu Boden fallen, während sich die wütenden Gesichter von dir abwenden, und das gnädige Gesicht vor dir dich anlächelt (zb in Joh 9)
Es ist die Nachricht, dass endlich wieder ein Auftrag reingekommen ist, nachdem du Nächte wachgelegen hast, und dich gefragt hast, wie du deine Familie durchbringen sollst.
Ich meine Botschaften, die uns zitternd und ungläubig auf die Knie gehen lassen, weil wir uns fragen: „Wirklich? Ich?“
Gott mit uns ist auch so eine Botschaft. Weil wir, nur auf uns gestellt, ohne Hilfe, nicht den Eindruck haben, dass wir überhaupt in die Gegenwart Gottes hineingehören, dass es dort schön ist. Eher erschreckend, von Angesicht zu Angesicht mit der Perfektion.
Wir müssen erkennen, wahrhaben, dass etwas mit uns nicht stimmt, und unsere Beziehung zu Gott von Natur her gestört ist, damit wir erkennen, wir großartig die Botschaft ist, dass ein solcher Gott, gerecht und gleichzeitig gut, uns in seiner Gegenwart nicht nur dulden will, sondern willkommen heißt.
Wir müssen erkennen, dass wir es nicht verdient haben, um es wirklich wertzuschätzen.

Gott mit uns – braucht eine Zukunft.
Aber das ist nicht alles. Von dem Punkt an, in dem Jesus an unsere Stelle tritt, unsere Schuld trägt, und wir gerecht und schuldlos von Gott in seiner Gegenwart willkommen heißen, ist es nämlich wirklich eine gute Nachricht, dass Gott da ist, wenn Gott da ist.
Dann ist nicht nur eine Macht da, die uns wünsche erfüllt, sondern die allmächtige Person, die alles wieder zusammensetzt.
Dann ist nicht nur das Gefühl da, irgendwie zusammenzugehören, sondern dann kommen wir als Familie und Freunde zusammen, geeint durch das eine Ereignis, das uns wirklich frei gemacht hat.
Dann ist nur die Idee schön, dass es 'irgendetwas mehr da draußen gibt', sondern dann existiert die lebendige Hoffnung, die kraftvolle Zuversicht, dass Gott alles wieder so zusammensetzt, wie es einmal war, als alles gut war. Alles auf Anfang, und jetzt für immer.
Wo Gott da ist, dann ist Gott da.
Und deswegen sagt Petrus auch, in der Gegenwart vom verklärten Jesus: „Wie gut, dass wir hier sind.“ (Luk 9,33).
Keine Angst, keine Panik, keine Furcht.
Wie gut, dass wir hier sind – in der Gegenwart dessen, der alles wieder auf Anfang dreht, und dieses Mal für immer.
Ich möchte gerne immer tiefer begreifen, dass Gott mit uns eine großartige Botschaft ist; eine Botschaft, die vor allem deswegen so hell und bunt und warm leuchtet, weil sie beinhaltet: Wir gehören eigentlich nicht hier hin, in Gottes Gegenwart, und dennoch heißt er uns willkommen. Hier ist es gut zu sein, und hier kann nur das Gute sein; durch das, was Jesus für mich getan hat, darf ich das Gute sein, erneuert, an dem Ort und in der Umgebung, wo die ganze neue Schöpfung schon jetzt Realität ist, auch wenn wir es manchmal noch nicht sehen (2Kor 5,17).

God Bless,
Restless Evangelical

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